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Der Grosse Rat des Kantons Aargau ist das Parlament des Kantons Aargau. Er tagt im Grossratsgebäude in Aarau und ist die gesetzgebende und oberste aufsichtsführende Behörde des Kantons. Seine 140 Mitglieder werden nach Proporzverfahren für vier Jahre gewählt, wobei das biproportionale Zuteilungsverfahren nach Pukelsheim (doppelter Pukelsheim) zur Anwendung kommt. Das Amtsjahr beginnt mit dem Monat Mai, die Versammlungen werden stets an einem Dienstag abgehalten. Die derzeitige Amtsperiode geht daher von Mai 2009 bis April 2013. Die letzte Gesamterneuerungswahl fand am 8. März 2009 statt.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Die Aargauische Kantonsverfassung[2] regelt in den Artikeln 76 ff die Befugnisse des Grossen Rates. Er ist demzufolge die gesetzgebende und oberste Aufsichtsbehörde im Kanton, besteht aus 140 Mitgliedern und wird für vier Jahre gewählt.
Der Grosse Rat wählt aus seiner Mitte jeweils für ein Jahr den Präsidenten und zwei Stellvertreter; diese stellen das Präsidium des Grossen Rats dar. Ausserdem wählt der Grosse Rat für die Dauer von vier Jahren die Mitglieder und Präsidenten der kantonalen Gerichte.
Der Grosse Rat beschliesst Gesetze bzw. deren Änderung oder Aufhebung, wobei es zweimaliger Beratungen bedarf (Art. 78). Für Gesetze, deren Inkrafttreten keinen Aufschub erträgt, kann das sofortige Inkrafttreten beschlossen werden, wenn sich dafür eine absolute Mehrheit aller Mitglieder des Grossen Rates ausspricht.
Grundsätzlich gilt, dass Gesetze der Volksabstimmung unterliegen, wenn sie nicht von der absoluten Mehrheit aller Grossratsmitglieder verabschiedet wurden. Selbst bei Vorliegen einer absoluten Mehrheit kann ein Viertel der Parlamentsmitglieder eine obligatorische Volksabstimmung einfordern. Andererseits kann per Volksbegehren eine fakultative Abstimmung herbeigeführt werden, wenn mindestens 3000 Stimmberechtigte dies fordern.
In Entscheidungen über neue finanzielle Verpflichtungen des Kantons ist der Kantonsrat berechtigt, über Ausgaben einmaliger Natur bis 5 Millionen Franken bzw. Ausgaben wiederkehrender Art bis 500'000 Franken frei zu entscheiden. Oberhalb dieser Grenzen besteht die Möglichkeit, vom Kantonsrat gefällte Entscheidungen per fakultativem Referendum einer Volksabstimmung zu unterstellen.
Bei den Wahlen von 1997 bis 2009 erreichten die angetretenen Parteien folgende Sitzzahlen und Stimmanteile.[3] Es gilt zu beachten, dass die Zahl der Abgeordneten ab dem Jahr 2005 von 200 auf 140 reduziert wurde
| Sitzverteilung | 2009 | 2005 | 2001 | 1997 | |
|---|---|---|---|---|---|
| CVP | 21 Sitze | 26 Sitze | 32 Sitze | 37 Sitze | |
| FDP/LP | 20 Sitze | 24 Sitze | 40 Sitze | 40 Sitze | |
| SP | 22 Sitze | 30 Sitze | 36 Sitze | 48 Sitze | |
| SVP | 45 Sitze | 46 Sitze | 72 Sitze | 47 Sitze | |
| Grüne | 13 Sitze | 7 Sitze | 7 Sitze | 6 Sitze | |
| EVP | 6 Sitze | 7 Sitze | 8 Sitze | 8 Sitze | |
| SD | 2 Sitze | --- | 4 Sitze | 7 Sitze | |
| EDU | 2 Sitze | --- | --- | 1 Sitz | |
| BDP | 4 Sitze | --- | --- | ||
| GLP | 5 Sitze | --- | --- | ||
| FP | --- | --- | 1 Sitz | 4 Sitze | |
| LdU | --- | --- | --- | 2 Sitze |
| Stimmenanteile | 2009 | 2005 | 2001 | 1997 | |
|---|---|---|---|---|---|
| CVP | 15,0 % | 17,5 % | 15,0 % | 17,3 % | |
| FDP/LP | 14,3 % | 16,9 % | 19,0 % | 19,6 % | |
| SP | 15,7 % | 19,7 % | 18,6 % | 21,7 % | |
| SVP | 31,9 % | 30,3 % | 33,5 % | 21,9 % | |
| Grüne | 8,9 % | 6,8 % | 4,0 % | 3,5 % | |
| EVP | 4,5 % | 5,7 % | 4,9 % | 4,3 % | |
| BDP | 3,1 % | --- | --- | --- | |
| GLP | 3,5 % | --- | --- | --- | |
| SD | 1,2 % | 1,3 % | 1,8 % | 3,2 % | |
| EDU | 1,8 % | 0,7 % | 1,0 % | 1,3 % | |
| LdU | --- | --- | --- | 1,4 % |
Zwar regelt das Unvereinbarkeitsgesetz des Kantons Aargau in Artikel 1, dass Verwandte und Verschwägerte bis zum zweiten Grad, Ehegatten, eingetragene Partner sowie die Ehegatten und eingetragenen Partner von Geschwistern nicht Mitglieder der gleichen Behörde sein dürfen. Jedoch wird im Artikel 2 der Grosse Rat von dieser Regelung befreit.[4]
Speziell für den Grossen Rat gilt jedoch, dass ihm keine Mitglieder angehören dürfen, die in einem öffentlichrechtlichen Dienstverhältnis des Kantons stehen; ebenso sind die Bezirksamtsmänner und deren Stellvertreter von einer Wahl in den Grossen Rat ausgeschlossen und auch die Mitglieder aller höheren Gerichte des Kantons.
Die Anzahl der Mitglieder beträgt 140 (Art. 76 Kantonsverfassung). Diese werden nach einem Proporzverfahren in elf Wahlkreisen gewählt. Die Wahlkreise entsprechen den Bezirken, so wie sie im Artikel 103 der Kantonsverfassung definitiert sind. Die Verteilung der Abgeordneten auf die Wahlkreise ergibt sich aus deren Einwohnerzahl per 31. Dezember des zweiten dem Wahljahr vorangehenden Wahljahres (Artikel 4a Verordnung zum Grossratswahlgesetz).
Aktuell ergeben sich folgende Mandatsverteilungen auf die Bezirke:[5]
| Bezirk | Anzahl Vertreter |
|---|---|
| Aarau | 16 |
| Baden | 30 |
| Bremgarten | 16 |
| Brugg | 11 |
| Kulm | 9 |
| Laufenburg | 7 |
| Lenzburg | 12 |
| Muri | 7 |
| Rheinfelden | 10 |
| Zofingen | 15 |
| Zurzach | 7 |
Das «Gesetz über die Organisation des Grossen Rates und über den Verkehr zwischen dem Grossen Rat, dem Regierungsrat und dem Obergericht» oder kurz «Geschäftsverkehrsgesetz, GVG» regelt die Vergütung der Parlamentarier im Grundsätzlichen in den Artikeln 58a und 58b [6]. Im Einzelnen festgelegt werden die Vergütungen dann im «Dekret über die Geschäftsführung des Grossen Rates», kurz «Geschäftsordnung, GO»[7].
Die Mitglieder des Grossen Rates beziehen für die Teilnahme an den Sitzungen des Rates, des Büros sowie der Kommissionen ein Sitzungsgeld von Fr. 150 Franken. Dauern eine oder mehrere Sitzungen am gleichen Tag zusammen mehr als drei Stunden, werden zwei, bei mehr als sechs Stunden drei Sitzungsgelder ausgerichtet.
Zusätzlich wird eine Anfahrtsentschädigung von 70 Rappen pro Strassenkilometer entrichtet. Hinzu kommen 30 Franken an Verpflegungsentschädigung pro Sitzungstag. 120 Franken pro Tag an Verpflegungs- und Unterbringungsspesen werden erstattet bei Sitzungen, die zwei oder mehr aufeinanderfolgende Tage dauern und eine Rückkehr zum Wohnort nicht möglich oder den Sitzungsverlauf erschwert. Der Anspruch auf Sitzungs- und Spesengelder hängt von der Präsenz ab; diese muss bis spätestens eine Stunde nach Sitzungsbeginn durch Eintragung in einer Präsenzliste nachgewiesen werden. Der Präsident des Kantonsrates erhält eine jährliche Pauschalentschädigung von 20'000 Franken, die Vizepräsidenten jeweils 5'000 Franken.
Stand: 26. Januar 2012
Aargau | Appenzell Ausserrhoden | Appenzell Innerrhoden | Basel-Landschaft | Basel-Stadt | Bern | Freiburg | Genf | Glarus | Graubünden | Jura | Luzern | Neuenburg | Nidwalden | Obwalden | Schaffhausen | Schwyz | Solothurn | St. Gallen | Tessin | Thurgau | Uri | Waadt | Wallis | Zug | Zürich