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Groundhog Day ist ein kulturelles Ereignis, das an mehreren Orten in den USA und Kanada gefeiert wird. Am 2. Februar jedes Jahres, dem „Candlemass Day“ (Lichtmess), wird traditionell eine Vorhersage über das Fortdauern des Winters getroffen. Dazu werden öffentlich und teilweise im Rahmen von Volksfesten Waldmurmeltiere (Marmota monax, engl. groundhog) zum ersten Mal im Jahr aus ihrem Bau gelockt. Wenn das Tier „seinen Schatten sieht“, d. h. wenn die Sonne scheint, soll der Winter noch weitere sechs Wochen dauern.
Inhaltsverzeichnis |
Zahlreiche Bauernregeln im deutschsprachigen Raum beziehen sich auf das zu erwartende Wetter, so heißt es etwa in Sammlungen von Regeln zur Wettervorhersage vom Dachs oder auch vom Bären:
Im Jahr 1859 wird für Westfalen erläutert:
Bei den deutschsprachigen Einwanderern in Pennsylvanien, wo es keine Dachse gibt, wurde ein ähnlicher Winterschläfer, das verbreitete, tagaktive und leicht zu beobachtende Waldmurmeltier, zum Ziel der Wetterregel.[4]
Der älteste Beleg für Pennsylvanien findet sich im Pennsylvania Dutch Folklore Center. Am 4. Februar 1841 schrieb James Morris, ein Ladenbesitzer in Morgantown, Berks County (Pennsylvania) in sein Tagebuch:
„Last Tuesday, the 2nd, was Candlemas day, the day on which, according to the Germans, the Groundhog peeps out of his winter quarters and if he sees his shadow he pops back for another six weeks nap, but if the day be cloudy he remains out, as the weather is to be moderate.“[5]
(„Letzten Dienstag, den 2. Februar, war Lichtmess. Die Deutschen[6] sagen, dass an diesem Tag das Waldmurmeltier kurz aus seinem Winterquartier hervorlugt. Wenn es seinen Schatten sieht, verschwindet es für die nächsten sechs Wochen wieder in seiner Höhle um zu schlafen. Doch ist der Tag bewölkt, bleibt es draußen, da das Wetter gemäßigt sein wird.“)
Die längste Tradition des Groundhog Day besteht in Punxsutawney, Pennsylvania.[5] Die dortige Lokalzeitung Spirit nannte den 2. Februar 1886 Groundhog Day „obwohl das Biest bis zur Drucklegung dieser Ausgabe seinen Schatten noch nicht sah“. Am 2. Februar 1887 wurde der Groundhog Day mit einem gemeinsamen Essen von Waldmurmeltieren begangen. Die weitere Ausgestaltung des Brauchs ist verknüpft mit dem Namen des langjährigen Redakteurs des Spirit Clymer H. Freas (1867–1942), der für die Kommunikation mit den Tieren die Geheimsprache Groundhogese erfand, Gobbler's Knob als Ort der jährlichen Prognose auswählte und jährlich in der Lokalzeitung darüber berichtete. In seiner Todesanzeige im Spirit vom 22. Oktober 1942 wird er „Vater des Konzepts von Punxsutawney als Waldmurmeltier-Zentrum“ genannt.[5] International bekannt geworden sind Punxsutawney und der Waldmurmeltiertag 1993 durch den Kinofilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (Originaltitel: „Groundhog Day“) mit Bill Murray und Andie MacDowell in den Hauptrollen. Gegenwärtig zieht die Veranstaltung in Punxsutawney jährlich mehrere Zehntausend Besucher an.
Die von George W. Hensel Jr. in Quarryville, Lancaster County als Männerbund gegründete Slumbering Groundhog Lodge begeht den Groundhog Day seit 1908.[7]
In Pennsilfaanisch Deitsch heißt das Waldmurmeltier Grundsau oder in englisch-deutscher Orthographie Grundsow. Bei den Pennsylvania Dutch pflegen besondere Männerbünde, die Grundsow Lodges (englisch: Groundhog Lodges) das Brauchtum zugleich mit der Mundart mit jährlichen Festessen. Die Tradition geht auf das Jahr 1934 zurück. Bei den Festessen darf nur Pennsilfaanisch Deitsch gesprochen werden. Wer Englisch spricht, muss eine symbolische Strafe zahlen, zum Beispiel 5, 10 oder 25 Cent pro Wort, die in eine Schale in der Tischmitte gelegt werden.[8] Neben den etwas in die Jahre gekommenen Groundhog Lodges gibt es in deren Tradition häufig vom gleichen Personenkreis besuchte Fersommlinge (Versammlungen) mit Festessen, die auch Frauen offenstehen und mit Ansprachen und Theater ebenso der Sprachpflege dienen. Aktuell bestehen dort etwa zwei Dutzend Vereine, deren jährliche Versammlungen jeweils mehrere Hundert Teilnehmer anziehen.[9]
Die Traditionen an anderen Orten, im gesamten Verbreitungsgebiet des Waldmurmeltieres und darüber hinaus, sind jüngeren Datums, und schließen an die Popularität der älteren Veranstaltungen an.
Das bekannteste Tier mit „hellseherischen Fähigkeiten“ ist das Waldmurmeltier Punxsutawney Phil aus dem Ort Punxsutawney in Pennsylvania. Die dortigen Feiern sind auch die ältesten und finden seit 1887 statt. Durch den Film Und täglich grüßt das Murmeltier (Originaltitel: Groundhog Day) wurde Phil auch international berühmt. Insgesamt gibt es etwa zwei Dutzend Murmeltiere, die jährlich befragt werden, z. B. Balzac Billy (Balzac, Alberta/Kanada), General Beauregard Lee (Stone Mountain, Georgia), Jimmy the Groundhog (Sun Prairie, Wisconsin), Shubenacadie Sam (Shubenacadie, Neuschottland/Kanada), Staten Island Chuck (Staten Island (New York City), New York) und Wiarton Willie (Wiarton, Ontario/Kanada).
Eine Studie mit Wetterdaten aus 13 kanadischen Städten hat in den letzten 30 bis 40 Jahren die Trefferquote der Murmeltiere analysiert und ergab eine Wahrscheinlichkeit von 37%, dass die Vorhersage am Groundhog Day zutrifft. Dabei wird eine gegensätzliche Vorhersage oder ein normal verlaufender Winter als nicht zutreffend angesehen, so dass die per Zufall erreichbare Wahrscheinlichkeit bei 33% liegt.[10] Das US National Climatic Data Center setzt 39 % als Anteil der sich bewahrheiteten Vorhersagen seit 1887 an, wobei die Trefferquote in den letzten 20 Jahren sogar bei 59% gelegen haben soll.[11]