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Guinea

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Guinea (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.
République de Guinée

Republik Guinea

Flagge Guineas
Wappen Guineas
Flagge Wappen
Wahlspruch: Travail, Justice, Solidarité

(frz., „Arbeit, Gerechtigkeit, SolidaritĂ€t“)

Amtssprache Französisch
Hauptstadt Conakry
Staatsform PrÀsidialrepublik
Regierungsform PrÀsidentielles Regierungssystem
Staatsoberhaupt Alpha Condé
Regierungschef Mohamed SaĂŻd Fofana
FlĂ€che 250.158 kmÂČ
Einwohnerzahl 10.187.320 (Quelle: CIA Nov. 2009)
Bevölkerungsdichte 40,7 Einwohner pro kmÂČ
Bruttoinlandsprodukt nominal (2007)[1] 4.714 Mio. US$ (136.)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 473 US$ (157.)
Human Development Index 0,435 (170.)
WĂ€hrung Guinea-Franc
UnabhÀngigkeit 2. Oktober 1958 (von Frankreich)
Nationalhymne Liberté
Zeitzone UTC
Kfz-Kennzeichen RG
Internet-TLD .gn
Telefonvorwahl +224
Guinea in its region.svg
Guinea.png
Galeriewald bei Simandou

Guinea (frz.: La GuinĂ©e [giˈne]) ist ein Staat in Westafrika, der (von Nordwesten aus im Uhrzeigersinn) an Guinea-Bissau, Senegal, Mali, die ElfenbeinkĂŒste, Liberia, Sierra Leone und den Atlantik grenzt. Ihre UnabhĂ€ngigkeit erlangte die ehemalige französische Kolonie am 2. Oktober 1958. Trotz der vorhandenen BodenschĂ€tze lebt der Großteil der BĂŒrger in Armut, diese wurde durch Versuche zur Etablierung des Sozialismus und die Diktatur Ahmed SĂ©kou TourĂ©s noch verstĂ€rkt. Die Hauptstadt von Guinea ist Conakry.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Guinea befindet sich in Westafrika zwischen 7° und 12° nördlicher Breite und 8° und 15° westlicher LĂ€nge. Insbesondere der Mittel- und SĂŒdostteil des Landes befindet sich auf der Oberguineaschwelle. Ein Teil davon ist das bis 1.537 m hohe Bergland von Futa Djalon in der westlichen Mitte des Landes. Der Mont Nimba, der sich im Ă€ußersten SĂŒdosten des Landes an der Grenze zur ElfenbeinkĂŒste befindet, ist mit 1.752 m der höchste Berg beider Staaten. Das Naturschutzgebiet rund um den Mont Nimba steht seit 1982 auf der Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit der UNESCO.

In Guinea entspringen einige bedeutende westafrikanische Ströme: Gambia, Bafing (ein Quellfluss des Senegal), der Niger und mehrere NigerzuflĂŒsse. Diese FlĂŒsse bewĂ€ssern einen großen Teil Westafrikas.

Die LebensrÀume variieren vom Regenwald im Hochland bis zum Savannen-Grasland.

Klima

In Guinea herrscht tropisches Klima. An der KĂŒste ist es feuchtheiß mit hohen NiederschlĂ€gen, östlich des Fouta Djalon-Plateaus werden die NiederschlĂ€ge geringer. Der Wind und die NiederschlĂ€ge sind monsunabhĂ€ngig. Die Regenzeit liegt zwischen April und November mit tropischen Gewittern und heftigen StĂŒrmen. In den sĂŒdlichen Regenwaldgebieten beginnt sie meist schon im Februar. Der Höhepunkt der NiederschlĂ€ge wird im Juli und August erreicht. Von November bis April herrscht Trockenzeit. In dieser Zeit blĂ€st der Harmattan aus der Sahara.

Die Temperaturen in Guinea betragen durchschnittlich 22 Â°C bis 32 Â°C, die Höchsttemperaturen liegen zwischen 28 und 35 Â°C. Im Fouta Djalon-Plateau liegen die Tiefsttemperaturen im Winter bei 6 Â°C. In der Hauptstadt Conakry an der AtlantikkĂŒste herrscht unabhĂ€ngig von Regen- oder Trockenzeit Tag und Nacht eine fast gleichbleibende Temperatur zwischen 24 und 32 Â°C, der jĂ€hrliche Niederschlag in Conakry liegt bei mehr als 4.000 mm. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit (bis zu 98 Prozent) wird das Klima von Besuchern als schwĂŒl und sehr ermĂŒdend empfunden. Besonders ungĂŒnstig sind die Monate am Beginn und Ende der Regenzeit (Mai/Juni und Oktober/November) mit tropischen Gewittern, orkanartigen StĂŒrmen und RegengĂŒssen.

Bevölkerung

Zwei Drittel der etwa 9,7 Mio. (2006) Einwohner Guineas leben auf dem Lande, ein Drittel in den StÀdten.

Altersstruktur:

  • 0–14 Jahre: 44,4 %
  • 15–64 Jahre: 52,4 %
  • 65 Jahre und Ă€lter: 3,2 %

Der Altersmedian liegt bei rund 17 Jahren, d. h. die HĂ€lfte der Bevölkerung ist jĂŒnger als dieser Wert. Die Lebenserwartung liegt bei rd. 42 Jahren. Das Bevölkerungswachstum betrĂ€gt 2,37 % (2004)

Volksgruppen

Die drei grĂ¶ĂŸten ethnischen Gruppen – unter insgesamt mehr als 20 Völkern – sind inzwischen grĂ¶ĂŸtenteils islamisiert: Mit 40 % stellen die Fulbe (Felatta) den grĂ¶ĂŸten Anteil, 30 % sind Malinke, auf die Susu entfallen 20 % der Gesamtbevölkerung. Die kleineren Volksgruppen (es sind Restgruppen) – die KpĂšlĂš, die Kissi, die Toma und die Baga - sind mit 10 % zumeist AnhĂ€nger von Naturreligionen.

Außerdem gibt es vor allem in den StĂ€dten libanesische Einwanderer, die ersten kamen schon vor mehr als 100 Jahren ins Land; sie beherrschen einen Großteil des Handels und des Hotelgewerbes. Als in den NachbarlĂ€ndern Sierra Leone und Liberia BĂŒrgerkrieg herrschte, kamen aus diesen LĂ€ndern zahlreiche FlĂŒchtlinge nach Guinea. Noch heute sind es ca. 40.000 (Stand 2007).[2]

Siehe auch: Sprachen Guineas

Religionen

Die in Guinea vorherrschende Religion ist der sunnitische Islam.

Muslime 90 %, traditionelle Religionen 5 %, Christen 5 %. Die christlichen Minderheiten (meist römisch-katholisch) haben ihre AnhĂ€nger in Conakry und in Waldguinea, davon:

Bildung

In Guinea liegt die Analphabetenquote bei 56 %, die Einschulungsrate im Primarschulbereich bei etwa 50 %, im SekundĂ€rbereich bei 10 % und im Hochschulbereich bei 1 %.

In Guinea gibt es vier UniversitĂ€ten, drei in der Hauptstadt Conakry und eine in Kankan (mit Außenstelle in Faranah), an denen insgesamt etwa 35.000 Studenten eingeschrieben sind.

Neben der Amtssprache Französisch werden Fulfulde (Peulh, Fula), Malinke und Susu sowie weitere einheimische Sprachen gesprochen. Insgesamt sind acht offizielle Sprachen anerkannt, sechs davon sind auch Unterrichtssprachen. Die in Waldguinea und auch in Liberia ansĂ€ssigen Toma verfĂŒgen ĂŒber ein eigenes Schriftsystem.

Geschichte

→ Hauptartikel: Geschichte Guineas

Um das Jahr 900 wandern aus Nordosten die Mandingue nach Guinea ein. Der Stamm der Soussou ließ sich in Niederguinea nieder, die weniger zahlreichen MalinkĂ© siedelten in Oberguinea. Die aus PygmĂ€envölkern bestehende Urbevölkerung wurde vertrieben.

1726 entstand im Fouta Djallon, im heutigen Mittelguinea, die Fulbe-Theokratie. Sie endete 1905 mit der Deportation des letzten Königs von Labé, Alpha Yaya, nach Dahomey.

Ab 1850 begannen systematische Kolonisierungsversuche durch Frankreich, die auf zum Teil heftigen Widerstand stießen, vor allem im heutigen Oberguinea unter der FĂŒhrung von Samory TourĂ©.

Nachdem Deutschland 1885 seine AnsprĂŒche auf KapitaĂŻ und Koba aufgegeben hatte, wurde das heutige Guinea 1892/1893 als Teil Französisch-Westafrikas französische Kolonie.

Am 28. September 1958 entschied Guinea sich in einer Volksabstimmung als einzige französische Kolonie in Afrika fĂŒr die vollstĂ€ndige UnabhĂ€ngigkeit. Es folgte die Ausrufung am 2. Oktober 1958 der Ersten Republik mit Ahmed SĂ©kou TourĂ© als StaatsprĂ€sidenten; es kam zum Bruch mit Frankreich.

Im November 1958 nahm Guinea diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland auf.

Im November 1970 erfolgten die portugiesische Landung in Guinea und ein Umsturzversuch von Exilguineern, der jedoch scheiterte (sogenannte Operação Mar Verde = Operation GrĂŒnes Meer). Nach dem Tod Sekou TourĂ©s am 26. MĂ€rz 1984 ĂŒbernahm am 3. April 1984 der Oberst Lansana ContĂ© die Macht, gestĂŒtzt auf ein MilitĂ€rkomitee. Es kam zur Proklamation der 2. Republik.

Nach Ausbruch des BĂŒrgerkriegs 1990 in den NachbarlĂ€ndern Liberia und Sierra Leone kamen Tausende von FlĂŒchtlingen nach Guinea; zeitweise bis zu 700.000.

Am 19. Dezember 1993 wurde in der ersten demokratischen PrÀsidentschaftswahl General Lansana Conté als PrÀsident bestÀtigt. Es folgte die Ausrufung der 3. Republik im Januar 1994.

In den darauf folgenden Jahren kam es zu AufstÀnden, die im Februar 1996 mit der Niederschlagung einer MilitÀrrevolte ihren Höhepunkt erreichten.

Am 18. Dezember 1998 wurde PrĂ€sident Lansana ContĂ© mit 54 % der abgegebenen Stimmen fĂŒr weitere fĂŒnf Jahre im Amt bestĂ€tigt, wobei die Oppositionsparteien allerdings von massivem Wahlbetrug sprechen. Schon tags darauf werden mehrere Oppositionspolitiker verhaftet. ContĂ© ernennt am 8. MĂ€rz 1999 den PrĂ€sidenten des Obersten Gerichtshofes, Lamine SidimĂ© vom „Parti de l'UnitĂ© et du ProgrĂšs“ (PUP), zum neuen Regierungschef.

Von September 2000 bis MĂ€rz 2001 wehrte Guinea Angriffe sierraleonischer und liberianischer Rebellen auf das guineische Staatsgebiet ab. Infolge des BĂŒrgerkriegs in Sierra Leone hielten sich zeitweise bis zu 500.000 FlĂŒchtlinge aus Liberia und Sierra Leone in Guinea auf. Bei einem Gipfeltreffen der StaatsprĂ€sidenten von Guinea, Liberia und Sierra Leone in Rabat im Februar 2002 wurden Wege zur Beilegung des Regionalkonflikts erörtert.

Im November 2001 wurden durch ein umstrittenes Referendum zur VerfassungsĂ€nderung u. a. die rechtlichen Voraussetzungen fĂŒr einen Verbleib von StaatsprĂ€sident Lansana ContĂ© im Amt ĂŒber 2003 hinaus geschaffen.

Im Juni 2002 endeten die von wichtigen Oppositionsparteien boykottierten, nicht demokratisch verlaufenen Parlamentswahlen mit einem klaren Sieg der PrÀsidentenpartei PUP.

Der politische Stillstand unter ContĂ© zeigte seine Folgen. Nach einem Bericht von Transparency International vom November 2006 ist Guinea das korrupteste Land Afrikas. Horrende Preissteigerungen trieben die Bevölkerung unter FĂŒhrung der traditionell starken Gewerkschaften allein 2006 in drei grĂ¶ĂŸere Generalstreiks. Schien bis dahin jeder auf das natĂŒrliche Ende der Regierung des greisen ContĂ© zu warten, welches sich durch seine von Diabetes und ĂŒbersteigertem Zigarettenkonsum stark angegriffene Gesundheit bereits lange abzeichnete, hatten sich die Gewerkschaften im Generalstreik im Januar und Februar 2007 die Absetzung ContĂ©s zum Ziel gesetzt. Proteste wurden von den SicherheitskrĂ€ften massiv unterdrĂŒckt, wobei mindestens 200 Menschen in den Auseinandersetzungen erschossen wurden. Zwischenzeitlich wurde auch das Kriegsrecht ausgerufen. Mitte Februar schließlich stimmte der PrĂ€sident zu, einen Premierminister zu ernennen, mit dem auch die Gewerkschaften einverstanden waren.

Dem von Lansana KouyatĂ© gefĂŒhrten neuen Kabinett gehörte kein Minister der vorherigen Regierung von PrĂ€sident Lansana ContĂ© an. Die Opposition reagierte auf die Ernennung der Regierung vorsichtig optimistisch. Die Gesamtlage blieb jedoch weiterhin angespannt. FĂŒr Januar 2008 wurde die Fortsetzung des 2007 unterbrochenen Generalstreikes angekĂŒndigt – es wurde wieder gefordert, dass der PrĂ€sident ContĂ© zurĂŒcktritt, da er entgegen einem im Februar 2007 geschlossenen Abkommen Entscheidungen traf, die nicht in seiner Befugnis lagen.

KouyatĂ© wurde im Mai 2008 abgesetzt. Im gleichen Monat kam es in Teilen der Armee zu Unruhen, die mit ausstehendem Sold begrĂŒndet wurden. Mitte Juni 2008 streikte die Polizei, woraufhin das MilitĂ€r zeitweise den Verkehr in Conakry regelte. Es kam zu Verhaftungen von Polizisten durch die Armee, in Medien war die Rede von toten Polizisten; wenige Tage spĂ€ter traten auch Lehrer und Ärzte in einen Streik. Am 20. Juni 2008 stellte PrĂ€sident ContĂ© die Liste des neuen Kabinetts vor. Unter den 34 Ministern und zwei GeneralsekretĂ€ren befanden sich erstmals Vertreter der Opposition.

Am 22. Dezember 2008 starb Guineas PrĂ€sident Lansana ContĂ© nach langer Krankheit. Unmittelbar danach verĂŒbte das MilitĂ€r einen Putsch. Der damalige Hauptmann Moussa Dadis Camara erklĂ€rte im staatlichen Rundfunk, die Regierung sowie andere Institutionen der Republik seien aufgelöst, die AktivitĂ€ten der Gewerkschaften wĂŒrden unterbunden und die Verfassung außer Kraft gesetzt; ein „Konsultativrat“ bestehend aus Zivilisten und Armeeangehörigen werde demnĂ€chst eingesetzt. Guineas Verfassung sah vor, dass der ParlamentsprĂ€sident Aboubacar SomparĂ© die AmtsgeschĂ€fte als Nachfolger vom verstorbenen PrĂ€sidenten ĂŒbernehmen und innerhalb von 60 Tagen Parlamentswahlen organisieren sollte.[3] Am 24. Dezember 2008 wurde ein Nationalrat fĂŒr Demokratie und Entwicklung gebildet, an dessen Spitze als Staatsoberhaupt Camara steht. Dieser Nationalrat soll Guinea bis zu Neuwahlen regieren.

Am 3. Dezember 2009 wurde Camara bei einem Attentat schwer verletzt. Sein Stellvertreter SĂ©kouba KonatĂ© ĂŒbernahm die AmtsgeschĂ€fte, womit Camara faktisch entmachtet wurde.[4] KonatĂ© setzte am 19. Januar 2010 den Oppositionspolitiker Jean-Marie DorĂ© als neuen Premierminister ein. Dieser sollte eine Übergangsregierung bilden und freie Wahlen innerhalb von sechs Monaten vorbereiten.[5] Am 27. Juni 2010 wurde die erste Runde der PrĂ€sidentenwahlen durchgefĂŒhrt.[6] Der Wahlgang verlief friedlich, und wurde ersten Berichten zufolge als erste demokratische Wahl seit der UnabhĂ€ngigkeit des Landes eingestuft.[7] Die Stichwahl zwischen dem ehemaligen Premierminister Cellou Dalein Diallo und dem langjĂ€hrigen OppositionsfĂŒhrer Alpha CondĂ© wurde allerdings mehrmals verschoben, zuletzt musste der fĂŒr den 19. September 2010 geplante Wahlgang aus organisatorischen GrĂŒnden abgesagt werden.[8] Nachdem die Wahlkommission Guineas den Wahltermin fĂŒr den 10. Oktober 2010 festgelegt hatte,[9] konnten die WĂ€hler erst am 7. November 2010 zu den Urnen gehen.[10] Erst eine Woche nach den Wahlen und weiteren Unruhen in der Hauptstadt Conakry gab die Wahlkommission das Ergebnis bekannt. Alpha CondĂ© gewann mit 52,5 Prozent der Stimmen gegen Diallo.[10]

Politik

Verfassung und Parlament

Nach der Verfassung von 1991 ist Guinea eine PrĂ€sidialrepublik. Der PrĂ€sident wird nach der letzten VerfassungsĂ€nderung vom November 2001 fĂŒr eine Amtszeit von sieben Jahren (vorher fĂŒnf Jahre) direkt vom Volk gewĂ€hlt. Das aus einer Kammer bestehende Parlament, die Nationalversammlung, setzt sich aus 114 Abgeordneten zusammen.

Wichtigste Parteien sind der Parti de l’UnitĂ© et du ProgrĂšs (PUP), der Rassemblement du Peuple GuinĂ©en (RPG), der Parti du Renouveau et du ProgrĂšs (PRP) und die Union pour la Nouvelle RĂ©publique (UNR).

Nach dem Tod von PrÀsident Lansana Conté im Dezember 2008 wurde die Verfassung vom MilitÀr ausgesetzt und die Regierung abgelöst.[11]

Menschenrechte

Guinea ist schon wenige Jahre nach der StaatsgrĂŒndung 1958 zu einer MilitĂ€rdiktatur geworden. Die heutige Verfassung bekennt sich formal zur Gewaltenteilung und fixiert allgemeine BĂŒrger- und Grundrechte, welche in der Praxis bisher allerdings kaum oder nur in AnsĂ€tzen realisiert sind.

Am 28. September 2009 kam es in Conakry zu einem Blutbad durch die MilitĂ€rregierung unter dem an der Offizierschule des Heeres in Dresden ausgebildeten MilitĂ€rdiktator Moussa Dadis Camara.[12] UngefĂ€hr 50.000 Menschen demonstrierten am 28. September 2009 in der Hauptstadt Conakry in einem Stadion gegen die MilitĂ€rfĂŒhrung des Landes. SicherheitskrĂ€fte schossen nach Augenzeugenberichten auf die Menschen. Bei der brutalen Niederschlagung der Demonstration sind nach Angaben von Menschenrechtsgruppen und örtlichen KrankenhĂ€usern mindestens 157 Menschen ums Leben gekommen.[13][14] Des Weiteren kam es im Laufe des Tages zu Massenvergewaltigungen an mindestens 100 Frauen durch Soldaten.[15]

Am 22. Februar 2010 berichtete die ARD in der Sendung Fakt[16] ĂŒber unvorstellbare Grausamkeiten in Guinea. Die GrĂ€ueltaten wĂŒrden auch von Regierungssoldaten begangen, die in Deutschland bei der Bundeswehr ausgebildet wurden, darunter auch die Hauptverantwortlichen.[17] Nach Angaben von Fakt werden zum jetzigen Zeitpunkt immer noch Offiziere fĂŒr die Armee von Guinea in Deutschland ausgebildet.[18] Die Ausbildung durch die Bundeswehr fĂŒr Guinea hatte 1965 begonnen.[19]

Verwaltung

Regionen Guineas

Guinea ist in acht Regionen und diese in 33 PrÀfekturen und die Sonderzone Conakry eingeteilt. Guinea gliedert sich zudem inoffiziell in vier geographisch definierte, so genannte Supraregionen, 30 Regionen und den Hauptstadtdistrikt. Hierbei besteht eine Unterteilung in die Regionen Niederguinea, Oberguinea, Fouta Djalon (Mittelguinea) und Waldguinea. Die PrÀfekturen sind:

Beyla, Boffa, Boké, Coyah, Dabola, Dalaba, Dinguiraye, Dubréka, Faranah, Forécariah, Fria, Gaoual, Guéckédou, Kankan, Kérouané, Kindia, Kissidougou, Koubia, Koundara, Kouroussa, Labé, Lélouma, Lola, Macenta, Mali, Mamou, Mandiana, Nzérékoré, Pita, Siguiri, Télimélé, Tougué und Yomou.

StÀdte

Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte sind (Stand 1. Januar 2005):

Siehe auch: Liste der StÀdte in Guinea

Wirtschaft

→Hauptartikel: Wirtschaft Guineas

Allgemeines

Die Wirtschaft Guineas ist noch heute durch die Misswirtschaft von TourĂ©, die bis in die 1980er andauerte, geschĂ€digt. Sie fĂŒhrte zum völligen Erliegen der Infrastruktur, außerdem waren die meisten Betriebe in Staatsbesitz. 1984 wurde damit begonnen, ein marktorientiertes Wechselkurssystem zu errichten und sĂ€mtliche Staatsbetriebe entweder zu privatisieren oder aufzulösen. Ab 2000 jedoch begann die Regierung weitere Reformen zu unterbinden, was vor allem einen Anstieg der Korruption zur Folge hatte. Das Wirtschaftswachstum lag 2005 bei 3,3% und sank von 2,2% im Jahr 2006 auf 1,5% im Jahr 2007. Im gleichen Zeitraum konnte die Inflation von 39,1% (2006) auf 12,5% (2007) gesenkt werden. Das Bruttoinlandsprodukt belief sich im Jahr 2007 auf 4,564 Milliarden USD. Das BIP pro Kopf lag 2006 bei etwa 465 USD. Guineas Außenverschuldung lag 2007 bei 2,7 Milliarden USD.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 703,4 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 632,6 Mio. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 1,6 % des BIP.[20]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Verkehrswesen

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wingtip ! vormals Pristina ! sprechzimmer ! rating ! 15:25, 13. Apr. 2011 (CEST)

95 % des Personen- und Warentransports findet auf der Straße statt. Die anderen VerkehrstrĂ€ger spielen also nur eine untergeordnete Rolle.

Straßennetz

Das Wegenetz in Guinea umfasst knapp 20.000 Kilometer, wovon etwa zehn Prozent asphaltiert sind. Nicht alle Siedlungen sind mit Motorfahrzeugen erreichbar. Eine staatliche Quelle aus dem Jahr 2001 gibt eine GesamtlĂ€nge der Straßen mit rund 35.000 Kilometern an, davon sollen knapp 10.000 Kilometer geteert sein.

Eisenbahn

→Hauptartikel: Schienenverkehr in Guinea

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden mehrere Bahnlinien zur Erschließung des Landes geplant und gebaut. HauptstĂŒck war die so genannte Niger-Bahn, die auf einer mehr als 600 km langen Strecke Conakry mit Kankan verband. Von dort bestand eine Schiffsverbindung nach Bamako. Heute ist der Bahnverkehr fast vollstĂ€ndig eingestellt. Die Linie wird nur noch fĂŒr Treibstofftransporte bis Mamou verwendet.

Mit dem Bau der Trans-Guinea-Bahn soll der Transport von Eisenerzen von den LagerstĂ€tten im SĂŒden des Landes zu einem (ebenfalls noch zu bauenden) Überseehafen ermöglicht werden. Der Bau der mehr als 1000 km langen Strecke sollte im Jahr 2007 beginnen. Es wurde eine Bauzeit von sechs bis sieben Jahren veranschlagt. Die Kosten werden auf bis zu drei Milliarden US-Dollar geschĂ€tzt.

Schifffahrt

Der Seehafen von Conakry besitzt einen Containerumschlagplatz, eine Anlegestelle fĂŒr Erdöltanker und eine Verladestelle fĂŒr die mineralischen Rohstoffe. In Kamsar gibt es einen weiteren Hafen fĂŒr die Verschiffung von Bauxit.

Warenaustausch auf dem Wasserweg ist mit dem Nachbarland Mali nur etwa vier Monate lang pro Jahr möglich, die Boote fahren auf dem Niger ab Kouroussa und auf dem Milo ab Kankan. Exportiert werden auf diese Weise jĂ€hrlich rund 500 t (Getreide, NĂŒsse, Palmöl, Orangen, Erbsen). Die Importe aus Mali betragen etwa 1000 t jĂ€hrlich (Datteln, Mais, Hirse, frische Zwiebeln, ErdnĂŒsse, gerĂ€ucherter Fisch, handwerkliche Produkte).

Luftverkehr

Guinea besitzt 15 FlugplĂ€tze, vier weitere werden von den Bergbaugesellschaften betrieben. Die grĂ¶ĂŸte Bedeutung hat der internationale Flughafen Conakry, von den anderen FlugplĂ€tzen gehen nur InlandsflĂŒge aus. In den Jahren 1994 bis 1998 wurden im Flughafen Conakry im Jahresdurchschnitt jeweils 250.000 Flugpassagiere gezĂ€hlt. Die benachbarten FlughĂ€fen Dakar und Abidjan hatten jeweils ein vierfach grĂ¶ĂŸeres Passagieraufkommen. Die Luftfracht betrug im gleichen Zeitraum in Conakry durchschnittlich 4.700 t pro Jahr. Im Inlandsflugverkehr sank die Zahl der Passagiere im Jahr 1998 auf 12.500 Passagiere (nach einem Durchschnitt von 25.000 Passagieren in den Vorjahren). Inzwischen ist der regelmĂ€ĂŸige Inlandsverkehr, nachdem keine nationale Fluggesellschaft mehr existiert, komplett eingestellt.

Kultur

Musik

Unter der Regierung von Sekou Touré wurde vor allem die traditionelle Musik gefördert und ist auch heute noch sehr populÀr. Die bekanntesten Tanzgruppen sind das Ballet Africain und das Ballet Djoliba, die beide auch in Europa auftreten. Nur weibliche Mitglieder (Musikerinnen und TÀnzerinnen) hat die Gruppe Les Amazones de Guinée.

Nationalflagge

→ Hauptartikel: Flagge Guineas

Die Nationalfarben Guineas wurden nach dem Vorbild Frankreich als Trikolore angeordnet: Rot symbolisiert die Opfer, die das Volk in seinem Kampf fĂŒr die Freiheit gebracht hat, Gelb stellt die Sonne und die BodenschĂ€tze dar, GrĂŒn erinnert an die ĂŒppige Vegetation des Landes.

Feiertage

  • Staatliche Feiertage:
    • Neujahr: 1. Januar
    • Nationalfeiertag, Tag der 2. Republik: 3. April
    • Tag der Arbeit: 1. Mai
    • Tag der Befreiung des afrikanischen Kontinents: 25. Mai
    • Nationalfeiertag, Tag der UnabhĂ€ngigkeit: 2. Oktober
  • Christliche Feiertage:
    • Ostermontag
    • MariĂ€ Himmelfahrt: 15. August
    • Weihnachten: 25. Dezember
  • Islamische Feiertage:
    • Laila Toul Kadr
    • Tabaski: Fest des Schafopfers
    • Id al-fitr: Fest des Fastenbrechens zum Abschluss des Ramadan
    • Mawlid an-Nabi: Geburt des Propheten Mohammed

Sport

Fußball ist der beliebteste Sport in Guinea. Trotz fehlender internationaler Erfolge erfreut sich die Nationalmannschaft Guineas, „Le Sylli National“ genannt, großer Beliebtheit. Die bekanntesten Spieler sind Kaba Diawara (frĂŒher bei Girondins Bordeaux und Olympique Marseille aktiv), Pascal Feindouno (AS Saint-Étienne), Pablo Thiam (ehem. FC Bayern MĂŒnchen, VfL Wolfsburg, 1. FC Köln), Ibrahima Yattara und Daouda Jabi von Trabzonspor. Unvergessen ist Titi Camara, frĂŒherer Publikumsliebling und Spieler bei Champions-League-Sieger FC Liverpool.

StreitkrÀfte

Die regulĂ€ren StreitkrĂ€fte Guineas sind etwa 9.700 Mann stark.[22] Dazu kommen 7500 Rekruten eines zweijĂ€hrigen Wehrdiensts. Trotz des Status als MilitĂ€rdiktatur sind weder die GrĂ¶ĂŸe noch das Budget der StreitkrĂ€fte im Vergleich mit anderen Staaten ĂŒberdurchschnittlich.

Geschichte

Zwischen 1958 und 1984 wurde ein Großteil der Soldaten fĂŒr Entwicklungsaufgaben im Lande eingesetzt. Pioniere setzten Straßen instand und bauten BrĂŒcken, das MilitĂ€r betrieb Fabriken, die auch fĂŒr den zivilen Bedarf produzierten. Neben der Armee bestand eine starke, nur mit Handfeuerwaffen ausgerĂŒstete Miliz. Nach dem Tode Sekou TourĂ©s wurde die Miliz in das Heer integriert. 1960 entsandte Guinea ein Bataillon zur Teilnahme an der ONUC-Mission in den Kongo. Die guineische Armee unterstĂŒtzte in den 1970er Jahren Befreiungsbewegungen in Afrika (ANC, PAIGC) durch Ausbildung, Logistik und direkte Kampfteilnahme. Im Rahmen der ECOMOG-Mission war Guinea nach Nigeria und Ghana der grĂ¶ĂŸte Truppensteller, guineische Stabsoffiziere dienten dort in hohen FĂŒhrungsverwendungen. Seit 2000 erhĂ€lt Guinea US-MilitĂ€rhilfe, vor allem bei Ausbildung und Modernisierung der StreitkrĂ€fte.[23] Die EuropĂ€ische Union verhĂ€ngte 2009 in Folge eines Massakers an Oppositionellen ein Waffenembargo gegen Guinea.[24]

Die LandstreitkrÀfte

Guinea ist in vier MilitĂ€rregionen unterteilt - die 1. mit Stab in Kindia; die 2. mit Stab in LabĂ©; die 3. mit Stab in Kankan; die 4. mit Stab in NzĂ©rĂ©korĂ© sowie die Sonderzone Conakry mit Stab in der Alpha-Yaya-Kaserne. Das Heer Guineas ist in acht selbstĂ€ndigen Infanteriebataillonen im Land verteilt, in Conakry sind ein Panzerbataillon, der Stab eines Pionier-Bataillons und eine Artillerie-Abteilung mit Fla-Batterie stationiert, ebenso wie das Stabs- und Sicherstellungsbataillon. Vier Infanteriebataillone verfĂŒgen ĂŒber eine zusĂ€tzliche Kommando-Ausbildung, die restlichen sind Infanteriebataillone. Die vier Kompanien des Pionier-Bataillons sind den MilitĂ€rzonen zugeordnet. Das Heer verfĂŒgt ĂŒber Panzer der sowjetischen Typen T-34,T-54 und PT-76, SPz BMP-1, Geschosswerfer BM-27 und Fla-Raketenkomplexe SA-13 Gopher.

Die LuftstreitkrÀfte

Die 800 Mann starken LuftstreitkrĂ€fte des Landes verfĂŒgen ĂŒber MiG 21-Jagdflugzeuge[25] und Flugzeuge zum Absetzen von FallschirmjĂ€gern (An-12 und An-24). Einige Mi-24-Kampfhubschrauber befinden sich ebenso im Bestand, wie ein moderner Eurocopter AS550 C3 Fennec.

Die Marine

Die 400 Mann starke Marine (ArmĂ©e de Mer) verfĂŒgt ĂŒber Patrouillenboote, Torpedoschnellboote und Landungsschiffe.

Bekannte Personen aus Guinea

Literatur

Weblinks

 Commons: Guinea â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Guinea â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiatlas Wikimedia-Atlas: Guinea â€“ geographische und historische Karten

Einzelnachweise

  1. ↑ International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  2. ↑ UNHCR Welcome
  3. ↑ vgl. AFP: MilitĂ€rputsch in Guinea nach Tod von PrĂ€sident ContĂ© bei google.com, 23. Dezember 2008
  4. ↑ http://www.zenithonline.de/politik/hintergruende/?article=683&pageb=1&cHash=832ef536f2
  5. ↑ Neue ZĂŒrcher Zeitung: Ziviler Regierungschef in Guinea, 20. Januar 2010.
  6. ↑ http://allafrica.com/stories/201005250904.html
  7. ↑ http://allafrica.com/stories/201006281569.html
  8. ↑ BBC News: Guinea's presidential elections 'postponed', 15. September 2010.
  9. ↑ http://allafrica.com/stories/201009240749.html
  10. ↑ a b CondĂ© zum Sieger in Guinea erklĂ€rt, F.A.Z., 16. November 2010, Seite 7
  11. ↑ http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/7796902.stm
  12. ↑ Tagesschau:MilitĂ€rregierung richtet Blutbad in Guinea an (nicht mehr online verfĂŒgbar)
  13. ↑ [1]
  14. ↑ [2]
  15. ↑ [3]
  16. ↑ ARD-Sendung FAKT vom 22. Februar 2010
  17. ↑ Deutschlandradio, 4. Mai 2011: Markus Frenzel im GesprĂ€ch mit Jasper Barenberg
  18. ↑ Markus Frenzel: Leichen im Keller. Wie Deutschland internationale Kriegsverbrecher unterstĂŒtzt, April 2011, Deutscher Taschenbuchverlag, ISBN 978-3-423-24876-1
  19. ↑ Deutschlandradio Kultur, 6. April 2011: Publizist: Deutschland unterstĂŒtzt Völkermörder. Interview mit Markus Frenzel
  20. ↑ a b c The World Factbook
  21. ↑ Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4
  22. ↑ globaldefence.net, TruppenstĂ€rke Guineas
  23. ↑ Die Tageszeitung vom 28. Februar 2003: Armenhaus mit reichen Freunden.
  24. ↑ Vgl. NZZ Online: EU verhĂ€ngt Waffenembargo gegen Guinea - Sanktionen gegen MilitĂ€rregime nach Massaker in Conakry .
  25. ↑ Vgl. Aerospaceweb.org: Known MiG21-Operators.

10.9666666667-10.7666666667Koordinaten: 11° N, 11° W

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