Suche im Lexikon
Lexikon auf Ihrer Homepage Lexikon als Lesezeichen hinzufügen

Guinea-Bissau

RepĂșblica da GuinĂ©-Bissau

Republik Guinea-Bissau

Flagge Guinea-Bissaus
Wappen Guinea-Bissaus
Flagge Wappen
Wahlspruch: Unidade, Luta, Progresso

(por., „Einigkeit, Kampf, Fortschritt“)

Amtssprache Portugiesisch
Hauptstadt Bissau
Staatsform PrÀsidialrepublik
Staatsoberhaupt PrÀsident Raimundo Pereira (interim)[1]
Regierungschef Premierminister Carlos Gomes JĂșnior
FlĂ€che 36.125 kmÂČ
Einwohnerzahl 1.449.230 (Quelle: VolkszÀhlung 2009)
Bevölkerungsdichte 40 Einwohner pro kmÂČ
Bruttoinlandsprodukt nominal (2009)[2] 826 Mio. US$
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 513 US$ (162.)
WĂ€hrung 1 CFA-Franc BCEAO
UnabhÀngigkeit von Portugal am 24. September 1973 erklÀrt, am 10. September 1974 anerkannt
Nationalhymne Esta Ă© a Nossa PĂĄtria Bem Amada
Zeitzone UTC (MEZ − 1 Stunde)
Kfz-Kennzeichen GUB (nicht offiziell auch: GNB)
Internet-TLD .gw
Telefonvorwahl +245
LocationGuineaBissau.svg
Pu-map.png

Guinea-Bissau [ÉĄiˈneːa bÉȘˈsaÊŠÌŻ] (portugiesisch GuinĂ©-Bissau [ÉĄiˈnɛ biˈsau]) ist ein Staat in Afrika. Er liegt an der afrikanischen WestkĂŒste zum Atlantik und grenzt an Senegal und Guinea. Nach dem Human Development Index zĂ€hlt Guinea-Bissau zu den am geringsten entwickelten LĂ€ndern weltweit.[3]

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Lage

Guinea-Bissau liegt im Westen von Westafrika und Oberguinea zwischen 13° und 17° westlicher LĂ€nge und 11° und 12° nördlicher Breite. Im Norden grenzt die Republik an Senegal (gemeinsame Grenze rund 338 km), im Osten an Guinea (gemeinsame Grenze rund 386 km), die gesamte GrenzlĂ€nge betrĂ€gt 724 Kilometer zuzĂŒglich 350 Kilometer KĂŒste. Mit einer GesamtflĂ€che von 36.125 kmÂČ (28.120 kmÂČ LandflĂ€che und 8.005 kmÂČ WasserflĂ€che) ist das Land rund zehn Prozent kleiner als die Schweiz.[4] Die geographischen Koordinaten der Hauptstadt Bissau sind 11°50' nördlicher Breite und 15°36' westlicher LĂ€nge.

Landschaftsbild

An das ĂŒberwiegend flache Landesinnere schließt sich ein durch marine Erosion stark zerklĂŒfteter KĂŒstenstreifen mit einem Sumpfgebiet an. Der höchste Berg ist der Madina do BoĂ© mit 262 Metern ĂŒber dem Meeresspiegel. Die wichtigsten FlĂŒsse sind RĂ­o GĂȘba, RĂ­o Cacheu und RĂ­o Corubal.

Dem Festland vorgelagert liegt der Bissagos-Archipel (Arquipélago dos Bijagós) im Atlantik mit den bedeutendsten Inseln des Landes: Ilha de Orango, Caravela, Bubaque, Roxa, Bolama, Uno und Formosa.

Klima

Das Klima ist tropisch, ĂŒberwiegend feucht und heiß. Die Durchschnittstemperatur betrĂ€gt 24 Â°C. Von Dezember bis April besteht die Trockenzeit mit Harmattan-WĂŒstenwinden. Die Regenzeit dauert von Mai bis Ende Oktober. Die regenreichsten Monate sind Juli und August.[5]

Bevölkerung

Volksgruppen

Über 25 ethnische Gruppen leben im Land, die sich in Sprache, Kultur und Sozialstruktur mehr oder weniger unterscheiden.

Der grĂ¶ĂŸte Teil der Bevölkerung (ca. 85 %) aber setzt sich aus den folgenden Volksgruppen zusammen:

Ferner gibt es auch:

Es gibt auch kleine Minderheiten von AuslÀndern, darunter:

Sprache

→ Hauptartikel: Sprachen Guinea-Bissaus

Obwohl die offizielle Landessprache Portugiesisch ist und Schulunterricht ausschließlich darin stattfindet, beherrschen es nur wenige Einwohner gut; Standardportugiesisch sprechen nur etwa 14 Prozent. Der Alphabetisierungsgrad liegt bei rund 45 Prozent. Jede ethnische Gruppe verfĂŒgt ĂŒber eine eigene Sprache, die zugleich die Muttersprache ihrer Mitglieder ist. Verkehrssprache ist Guineabissauisches Kreol, eine auf dem Portugiesischen basierende Kreolsprache, die durch die Sprachen der verschiedenen ethnischen Gruppen beeinflusst ist und von rund 60 Prozent der Einwohner beherrscht wird.

Der Schulunterricht wird landesweit auf Portugiesisch abgehalten, obwohl die allermeisten Kinder diese Sprache zuhause nicht sprechen. Kreol zur Unterrichtssprache zu erheben ist bis jetzt sehr schwierig, da die Schriftform erst vor kurzem entwickelt wurde und so kaum Unterrichtsmaterialien in dieser Sprache zu VerfĂŒgung stehen.

Religion

Rund 50 % sind Muslime, ca. 40 % bekennen sich zu Naturreligionen, ca. 10 % sind Christen (zumeist Katholiken).[7]

Bildungswesen

Unmittelbar nach der UnabhĂ€ngigkeit ist Guinea-Bissau mit großem Elan an den Aufbau eines Bildungswesens gegangen, das – im Gegensatz zur Kolonialzeit – die gesamte Bevölkerung in einem neuen, von Paulo Freire vermittelten Geist erfassen sollte.[8] Dieser Impuls ist jedoch schon in den 1980er Jahren erlahmt. Heute bietet Guinea-Bissau nur eingeschrĂ€nkte Bildungsmöglichkeiten und -einrichtungen und rund 60 Prozent sind Analphabeten. Die Regierung strebt eine Schulpflicht mit der Dauer von sechs Jahren an. Allerdings besuchen nur wenige Kinder die Schule, da viele von ihren Familien in anderen Aufgaben eingesetzt werden, wie z. B. in der Landwirtschaft. Auf dem Land gibt es außerdem nicht immer die Möglichkeit eine Schule zu besuchen. Auch muss Schulgeld entrichtet werden, was schon den Zugang zu grundlegender Bildung fĂŒr große Teile der Bevölkerung erschwert. Die durchschnittliche Dauer des Schulbesuchs liegt daher nur bei 2,3 Jahren.[9]

WĂ€hrend weiterfĂŒhrende Schulen in vielen grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten des Landes existieren, konzentrieren sich nahezu sĂ€mtliche Ausbildungszentren auf die Hauptstadt Bissau. Außerdem nimmt die Höhe des Schulgeldes mit höheren Klassen zu, was den Besuch dieser Schulen fĂŒr viele potentielle Absolventen unerschwinglich macht.

Guinea-Bissau verfĂŒgt ĂŒber einige Berufsschulen und Einrichtungen zur Lehrerausbildung. Das nationale Forschungsinstitut INEP (Instituto Nacional de Estudos e Pesquisa) wurde schon 1984 gegrĂŒndet. Als reines Forschungsinstitut bietet es aber selbst keine StudiengĂ€nge an. An das INEP sind weiterhin das historische Nationalarchiv (Arquivos HistĂłricos Nacionais), sowie eine öffentliche Bibliothek angegliedert. Seit 1990 existiert eine FakultĂ€t fĂŒr Rechtswissenschaften, die „Faculdade de Direito Bissau“. Im Zuge der Kooperation mit Kuba auf dem medizinischen Sektor wurde auch eine FakultĂ€t fĂŒr Medizin („Faculdade de Medicina“, aufgebaut). Unterrichtet wird an dieser nicht nur in Bissau, sondern auch noch an weiteren Standorten im Land. Im Jahr 2003 wurden zwei weiteren UniversitĂ€ten, die private „Universidade Colinas de BoĂ©â€œ, sowie die staatliche „Universidade Amilcar Cabral“, gegrĂŒndet. Letztere wurde 2008 von der portugiesischen Grupo LusĂłfona fĂŒr drei Jahre ĂŒbernommen und operiert derzeit unter dem Namen „Universidade LusĂłfona GuinĂ©â€œ. Ende 2009 wurde mit einem Ableger des portugiesischen Instituto Jean Piaget eine dritte UniversitĂ€t eröffnet. Alle genannten Einrichtungen sind fĂŒr Studenten kostenpflichtig – in der Höhe der GebĂŒhren unterscheiden sie sich allerdings teilweise betrĂ€chtlich.

Frankreich, Portugal und Brasilien unterhalten grĂ¶ĂŸere Kulturzentren in Bissau.

Gesundheit

Es gibt etwa 12 Ärzte pro 100 000 Einwohner.[10] Die HIV-PrĂ€valenz bei Erwachsenen betrug im Jahr 2009 rund 2,5%.[11] Die SĂ€uglingssterblichkeit liegt bei 115 von 1000 Lebendgeburten, die Sterblichkeit von Kindern bis 5 Jahren bei 193 von 1000 Lebendgeburten (Stand 2009).[12] Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt wird mit 48,6[13] bis 48,8[14] Jahren angegeben.

Geschichte

→ Hauptartikel: Geschichte von Guinea-Bissau
Situation in Portugiesisch-Guinea 1970

Seit dem 13. Jahrhundert gehörte der östliche Teil des heutigen Guinea-Bissaus zum Königreich Kaabu. 1446 erreichten erste portugiesische Seefahrer und HĂ€ndler die obere GuineakĂŒste. 1879 wurde die Provinz Portugiesisch-Guinea gegrĂŒndet. Zuvor war der Distrikt Guinea von den Kapverdischen Inseln aus verwaltet worden. Amilcar Lopes Cabral grĂŒndete am 19. September 1956 die PAIGC und fĂŒhrte von 1963 bis 1974 den UnabhĂ€ngigkeitskrieg gegen die Portugiesen. Als die PAIGC 1972 den Großteil des Landes unter Kontrolle hatten, ließ sie Landeswahlen abhalten. Die UnabhĂ€ngigkeit Guinea-Bissaus wurde am 24. September 1973 proklamiert und am 10. September des folgenden Jahres von Portugal anerkannt. Bis heute ist der 24. September der Nationalfeiertag Guinea-Bissaus.

Der PrĂ€sident von Guinea-Bissau, JoĂŁo Bernardo Vieira, der dieses Amt nach einer frĂŒheren PrĂ€sidentschaft von 1980 bis 1999 seit 2005 wieder innehatte, wurde am 2. MĂ€rz 2009 beim Verlassen seines Hauses durch MilitĂ€rs getötet.[15] Die Ermordung Vieiras folgte nahezu unmittelbar auf den Tod des Generalstabschefs Tagme Na Wai bei einem Bombenanschlag am Abend zuvor.[16]

Wenige Tage spĂ€ter wurde der ParlamentsprĂ€sident Raimundo Pereira als neuer PrĂ€sident vereidigt und ĂŒbernahm ĂŒbergangsweise die StaatsgeschĂ€fte.[17]

Am 5. Juni 2009 wurden Baciro Dabo, der als Kandidat bei den anstehenden PrÀsidentschaftswahlen antreten sollte und Hélder Proença, ehemals Verteidigungsminister des Landes, von Soldaten erschossen. Der ehemalige MinisterprÀsident Faustino Imbali wurde von Soldaten verhaftet. Die drei AnhÀnger des im MÀrz ermordeten PrÀsidenten Vieira sollen angeblich einen Putsch gegen die amtierende Regierung geplant haben.[18]

Bei den vorgezogenen PrĂ€sidentschaftswahlen am 28. Juni 2009 erreichten Malam Bacai SanhĂĄ, der Kandidat der PAIGC, und Kumba IalĂĄ, der Kandidat der PRS, die meisten Stimmen. Die am 26. Juli 2009 stattgefundene Stichwahl konnte Malam Bacai SanhĂĄ fĂŒr sich entscheiden.[19]

Bei einem Putschversuch am 1. April 2010 wurden der Regierungschef Carlos Gomes Junior sowie der Chef der StreitkrĂ€fte, Zamora Induta, von MilitĂ€rs festgenommen. Das Kommando ĂŒbernahm Indutas ehemaliger Stellvertreter AntĂłnio Indjai. Es folgten ZusammenstĂ¶ĂŸe von Soldaten und aufgebrachten Gomes-AnhĂ€ngern.[20] Nach wenigen Stunden wurde Gomes Junior wieder freigelassen und versuchte selbst das Geschehen als „Zwischenfall“ zu relativieren. Danach beruhigte sich die Lage wieder. Als Hintergrund werden Spannungen innerhalb der MilitĂ€rfĂŒhrung vermutet.[21]

Am 25. Juni 2010 wurde AntĂłnio Indjai, der AnfĂŒhrer der Meuterei vom 1. April, zum neuen Armeechef Guinea-Bissaus ernannt. Zamora Induta und weitere Offiziere blieben ohne Gerichtsverfahren in Gefangenschaft. Am 2. August wurde vom PrĂ€sidenten bekannt gegeben, dass das Land der Stationierung einer internationalen Stabilisierungstruppe zustimmen wird. Damals deutete einiges darauf hin, dass dies angolanische StreitkrĂ€fte der Forças Armadas de Angola sein wĂŒrden,[22][23] was jedoch nicht eintrat. Am 21. Dezember 2010 wurden Zamora Induta und die anderen Offiziere aus der Haft entlassen, aber unter stĂ€ndige Überwachung gestellt, und zwar auf ein Ultimatum der EU hin, die gedroht hatte, andernfalls wegen Verletzung der Menschenrechte die Entwicklungszusammenarbeit mit Guinea-Bissau einzustellen.[24]

Politik

Justizministerium

Nach der Verfassung von 1984 ist Guinea-Bissau eine PrÀsidialrepublik, seit 1991 mit einem Mehrparteiensystem. Die direkt gewÀhlten RegionalrÀte entsenden aus ihrer Mitte 100 Abgeordnete in die Nationale Volksversammlung, die ihrerseits den 15-köpfigen Staatsrat wÀhlt, der als Exekutive fungiert. Seit 1991 ist das Amt des Premierministers (Regierungschef) wieder eigenstÀndig.

Wahlen 2004

Sitzverteilung der Wahl vom 28. MĂ€rz 2004:

  • Partido Africano da IndependĂȘncia da Guinea e Cabo Verde (PAIGC): 45 von 102 Sitzen.
  • Partido para a Renovação Social (PRS): 35 von 102 Sitzen.
  • Partido Unido Social Democratico (PUSD): 17 von 102 Sitzen.
  • Sonstige: 3 von 102 Sitzen.
  • 2 der Diaspora zustehende Sitze wurden nicht vergeben.

Die Wahlbeteiligung lag bei 75 %.[25]

Wahlen 2008

Sitzverteilung der Wahl vom 16. November 2008:

  • Partido Africano da IndependĂȘncia da Guinea e Cabo Verde (PAIGC): 67 Sitze.
  • Partido para a Renovação Social (PRS): 28 Sitze.
  • Partido Republicano para a IndependĂȘncia e o Desenvolvimento (PRID): 3 Sitze.
  • Aliança DemocrĂĄtica (AD): 1 Sitz.
  • Partido para a Nova Democracia (PND): 1 Sitz.

Gesamt: 100 Sitze. Die Wahlbeteiligung lag bei 82 %.[26]

Parlament

Die letzten Parlamentswahlen in Guinea-Bissau fanden am 16. November 2008 statt.[27] Die PAIGC gewann eine qualifizierte Mehrheit und zieht mit 67 Abgeordneten in die aus 100 Sitzen bestehende Nationale Volksversammlung ein. Die wichtigste Oppositionspartei PRS (Partei der sozialen Erneuerung) erreichte 28 Sitze. DrittstĂ€rkste Partei wurde die Republikanische Partei fĂŒr UnabhĂ€ngigkeit und Entwicklung (PRID) mit drei Abgeordneten.

MilitÀr

→ Hauptartikel: StreitkrĂ€fte Guinea-Bissaus

Die aus den drei TeilstreitkrÀften Luftwaffe, Marine und Heer bestehenden StreitkrÀfte von Guinea-Bissau haben eine StÀrke von circa 9.250 Mann. Das Land hat die Todesstrafe auch im MilitÀrstrafrecht abgeschafft.

Verwaltungsgliederung

Die Regionen von Guinea-Bissau

Guinea-Bissau gliedert sich in acht Regionen und einen autonomen Sektor um die Hauptstadt Bissau. Die Regionen teilen sich wiederum in 37 Sektoren. FĂŒr die Regionen wurde der jeweilige Name der Hauptstadt in Klammern mitangegeben, die Sektoren sind nach ihren jeweiligen HauptstĂ€dten benannt. Lediglich fĂŒr die drei Sektoren des Bissagos-Archipels sind auch die Hauptorte in Klammern mitangegeben.

Die acht Regionen Guinea-Bissaus sind in drei Provinzen gruppiert: Leste (Ost: BafatĂĄ, GabĂș), Norte (Nord: Biombo, Cacheu, Oio) und Sul (SĂŒd: Bolama, Quinara, Tombali).

  • Bolama Bissagos-Archipel (Bolama)
    • Bolama (Bolama)
    • Caravela (Abu)
    • Bubaque (Bubaque)
  • Cacheu (Cacheu)
    • BigĂ©ne
    • Bula
    • Cacheu
    • CaiĂł
    • Canchungo
    • S. Domingos
  • Quinara (Buba)
    • Buba
    • Empada
    • Fulacunda
    • Tite
  • Tombali (CatiĂł)
    • Bedana
    • CatiĂł
    • Cacine
    • Quebo

StÀdte

Der Bandim Markt breitet sich an den RĂ€ndern der Stadtautobahn, die Flughafen und Innenstadt von Bissau verbindet, aus.

Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte in Guinea-Bissau sind (Stand 1. Januar 2005): Bissau 388.028 Einwohner, BafatĂĄ 22.521 Einwohner, GabĂș 14.430 Einwohner, BissorĂŁ 12.688, Bolama 10.769 Einwohner und Cacheu 10.490 Einwohner. In Bissau, Buba, Cacheu und Farim existieren HĂ€fen.

Wirtschaft

Guinea-Bissau zĂ€hlt zu den Ă€rmsten LĂ€ndern der Erde. FĂŒr 2009 wird das BIP auf 513 US$ je Einwohner geschĂ€tzt,[2] so dass in den letzten Jahren nominal ein gewisses Wirtschaftswachstum zu verzeichnen ist. Dennoch hat das Land nach wie vor ein sehr hohes Außenhandelsdefizit;[28] praktisch alle industriell verarbeiteten Waren werden importiert – zum großen Teil aus Europa – und deren Preisniveau ist meist hoch im Vergleich mit benachbarten Staaten. Gleichzeitig ist das Einkommen der absoluten Mehrheit der Bevölkerung sehr niedrig und die Einkommensverteilung relativ ungleichmĂ€ĂŸig;[29] fĂŒr viele Menschen ist es Ă€ußerst schwierig, die eigenen GrundbedĂŒrfnisse der Familie tĂ€glich zu befriedigen.

Die auf die BedĂŒrfnisse der Kolonialmacht Portugal ausgerichtete Wirtschaft war nach deren Abzug nicht mehr lebensfĂ€hig. Ihre ProduktivitĂ€t bewegt sich auf dem Niveau einer Selbstversorgungswirtschaft. Nach der UnabhĂ€ngigkeit wurde zwar begonnen, eine eigene nationale Industrieproduktion aufzubauen, eine solche ist jedoch heutzutage kaum noch vorhanden, unter anderem weil viele der industriellen Anlagen im BĂŒrgerkrieg 1998/99 zerstört wurden. Heute mangelt es an nachhaltigen Investitionen in diesen Sektor, es wird von internationaler Seite - wenn ĂŒberhaupt – nur in die Rohstoffausbeutung investiert und zum großen Teil ist dies bisher nur im Planungsstadium.

Landwirtschaft

Mehr als 90 % der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tĂ€tig. Angebaut werden können Reis, Mais, Hirse, Maniok, Yams, Bataten und Zuckerrohr. 38,1 % der FlĂ€che Guinea-Bissaus sind bewaldet, 12,0 % werden fĂŒr Landwirtschaft, 38,4 % fĂŒr Weidewirtschaft und 11,5 % fĂŒr sonstige Zwecke genutzt (1994).

Bergbau

An BodenschĂ€tzen verfĂŒgt das Land ĂŒber Phosphate, Bauxit, Erdöl, Gas und Gold. An der sĂŒdwestlichen Landesgrenze zu Guinea in der Region BoĂ© und im Norden des Landes bei Farim wurden große Vorkommen an Bauxit aufgefunden. In der Region BoĂ© will ein angolanisches Bergbauunternehmen in KĂŒrze mit der Exploration beginnen. Dazu soll auch ein Tiefseehafen in Buba errichtet werden. Im Ölsektor stehen 14 Blöcke zur Förderung bereit, von denen die meisten bereits vergeben wurden.[30]

Export

Eine Exportindustrie existiert nicht. In den Export gelangen Erzeugnisse aus Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei wie ErdnĂŒsse, Palmkerne und Palmöl, Garnelen und Holz. In den letzten Jahren wurden vermehrt Cashew-NĂŒsse angebaut und exportiert, so dass Guinea-Bissau inzwischen auf Platz 6 der weltweit grĂ¶ĂŸten Produzenten von Cashew-NĂŒssen steht und sie machen 85 % der Exporterlöse des Landes aus.

Drogenhandel

Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. NĂ€heres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.

Nach Erkenntnissen des BĂŒros der Vereinten Nationen fĂŒr Drogen- und VerbrechensbekĂ€mpfung waren Guinea-Bissau und die Republik Guinea insbesondere in den Jahren 2004 bis 2007 ein wichtiges Drehkreuz fĂŒr den Kokainschmuggel von Westafrika nach Europa. Sowohl die innenpolitischen Ereignisse in den beiden LĂ€ndern, als auch internationale BemĂŒhungen zur BekĂ€mpfung des Kokainschmuggels in der Region fĂŒhrten zu einem deutliche RĂŒckgang der Transporte in den Jahren 2008 und 2009. Die Ereignisse des 1. April 2010 in Bissau könnten allerdings eine eventuelle Wiederbelebung der Transportroute ĂŒber Guinea-Bissau hindeuten. Der in die Ereignisse verstrickte, ehemalige Chef der Marine Konteradmiral Bubo na Tchuto sowie der amtierende Luftwaffenchef Ibraima Papa Camara wurden im April von US-Behörden des Drogenschmuggels beschuldigt und deren Konten in den USA eingefroren.[31][32]

Staatshaushalt

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Literatur

  • Carlos Lopes: Ethnie et rapports de pouvoir en GuinĂ©e-Bissau. Institut Universitaire d'Études du DĂ©veloppement, Genf 1983.
  • RenĂ© PĂ©lissier: Naissance de la GuinĂ©e: Portugais et africains en SĂ©nĂ©gambie (1841-1930). Selbstverlag, Montamets/Orgeval 1986.
  • Lars Rudebeck: ProblĂšmes du pouvoir populaire et du dĂ©veloppement: Transition difficile en GuinĂ©e-Bissau. Nordiska Afrikainstitutet, Uppsala 1982.
  • Ulrich Schiefer: GuinĂ©-Bissau zwischen Weltwirtschaft und Subsistenz. Wissenschaftliche Reihe der Informationsstelle SĂŒdliches Afrika, Bonn 1986, ISBN 3-921614-56-2.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Guinea-Bissau â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Guinea-Bissau â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiatlas Wikimedia-Atlas: Guinea-Bissau â€“ geographische und historische Karten

Einzelnachweise

  1. ↑ Angolan Head of State sends condolence for Guinean counterpart's death, Angola Press vom 10. Januar 2012 (abgerufen am 10. Januar 2012).
  2. ↑ a b International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2010.
  3. ↑ 2010 erscheint Guinea-Bissau auf dem 164. Platz von 169 aufgelisteten LĂ€ndern. Siehe www.undp.org/publications/hdr2010/en/HDR_2010_EN_Table1.pdf.
  4. ↑ a b c Guinea-Bissau im World Fact Book des CIA.
  5. ↑ Klimaangaben des ReisefĂŒhrers von Columbus Publishing.
  6. ↑ Es handelt sich hierbei fast immer um christliche Libanesen, die aber z.T. zu einem Zeitpunkt eingewandert sind, als Libanon Teil Syriens war, und die daher einen syrischen Paß hatten. Es handelt sich hier nicht um eine Besonderheit Guinea-Bissaus: libanesische Minderheiten, die sich dem Handel widmen, gibt es in einer Reihe afrikanischer LĂ€nder, im Allgemeinen allerdings solcher französischer Sprache.
  7. ↑ AuswĂ€rtiges Amt – LĂ€nderinformationen.
  8. ↑ Siehe Franz-Wilhelm Heimer: „Bildung als Praxis der Befreiung. AnsĂ€tze alternativer Erziehung in Guinea-Bissau“. In: Bildung und Erziehung 34 (1) 1981, S. 79–85.
  9. ↑ www.undp.org/publications/hdr2010/en/HDR_2010_EB_Table1.pdf.
  10. ↑ hdrstats.undp.org/indicators/58.html.
  11. ↑ http://www.unaids.org/en/Regionscountries/Countries/Guinea-Bissau/
  12. ↑ http://apps.who.int/ghodata/?vid=9800&theme=country
  13. ↑ http://hdrstats.undp.org/en/countries/profiles/GNB.html
  14. ↑ http://apps.who.int/ghodata/?vid=60680
  15. ↑ Soldaten töten PrĂ€sidenten von Guinea-Bissau, Tagesschau, 2. MĂ€rz 2009 (aufgerufen am 2. MĂ€rz 2009).
  16. ↑ www.zenithonline.de/politik/hintergruende/?article=670&pageb=1&cHash=ade36a4536.
  17. ↑ Die lange Ermordung des PrĂ€sidenten.
  18. ↑ Bissau military kills politicians bei bbc.co.uk.
  19. ↑ www.bissaudigital.com/noticias.php?idnoticia=4408www.bissaudigital.com/noticias.php?idnoticia=4408.
  20. ↑ www.n24.de/news/newsitem_5967060.html.
  21. ↑ www.ngz-online.de/politik/ausland/EU-verurteilt-Meuterei-in-Guinea-Bissau_aid_839682.html.
  22. ↑ Guinea-Bissau Ereignisse in Folge des 1. April.
  23. ↑ opais.net.
  24. ↑ Siehe Ex-chefe militar da GuinĂ©-Bissau solto mas vigiado, PĂșblico (Lissabon), 23. Dezember 2010.
  25. ↑ EIU – The Economic Intelligence Unit – Country Report Guinea-Bissau July 2004, London, 2004, S. 9.
  26. ↑ EIU – The Economic Intelligence Unit – Country Report Guinea-Bissau January 2009, London, 2009, S. 10.
  27. ↑ Entwicklungspolitik online:Wahlen in Guinea-Bissau: PAIGC bleibt weiter an der Macht.
  28. ↑ UN Comtrade Export/Import.
  29. ↑ Der Gini-Koeffizient lag 1993 bei aufgerundet 0.47, im internationalen Vergleich also ziemlich hoch. Siehe die Liste der LĂ€nder nach Einkommensverteilung.
  30. ↑ Economic Intelligence Unit – Guinea-Bissau Country Report July 2009.
  31. ↑ World Drug Report 2010. S. 242ff.
  32. ↑ Guinea-Bissau – Ereignisse in Folge des 1. April.
  33. ↑ Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4.

12.1166666667-14.9166666667Koordinaten: 12° N, 15° W

Impressum AGB Datenschutz KundenserviceMediadatenfreenet AGJobsSitemap
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.