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Gustav II. Adolf (* 9. Dezemberjul./ 19. Dezember 1594greg. in Stockholm; †6. Novemberjul./ 16. November 1632greg. bei Lützen) aus der Herrscherfamilie der Wasa stammend, war von 1611 bis 1632 König von Schweden und eine der wichtigsten Figuren der schwedischen Geschichte und des Dreißigjährigen Krieges. Er trug durch Reformen und sein militärisch-politisches Handeln wesentlich dazu bei, Schweden eine Hegemonialstellung im nördlichen Europa zu verschaffen, welche bis Anfang des 18. Jahrhunderts Bestand hatte. Sein Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland verhinderte einen Sieg des kaiserlichen Lagers der Habsburger und sicherte indirekt damit die Existenz des deutschen Protestantismus.
Der älteste Sohn des damaligen Reichsverwesers und späteren Karls IX. von Schweden und dessen zweiter Frau Christine von Holstein-Gottorp wurde am 9. Dezember 1594 im Schloss Tre Kronor geboren. Nachdem sein Vater König des verarmten Schwedens wurde, stieg er schon frühzeitig in das öffentliche Leben ein. Mit acht Jahren nahm er auf Wunsch des Vaters an Sitzungen des Senats teil und im Alter von zwölf Jahren hatte er öffentliche Auftritte, wie etwa den Empfang von ausländischen Gesandten. Als Gustav fünfzehn Jahre alt war, hielt er seine erste Thronrede. Er erhielt eine gründliche humanistische und politische Erziehung, unter anderem durch Johannes Bureus und Johan Skytte[1]. Militärisch wurde er von dem erfahrenen Berufssoldaten Jakob de la Gardie ausgebildet, der ihn mit den Heerereformen des Moritz von Oranien vertraut machte. Mit seiner Mutter sprach er nur Deutsch, so dass Gustav zwei Sprachen fließend beherrschte. Unterrichtet wurde er in allen Fächern auf Latein, dazu lernte er noch Französisch und Niederländisch und auch Altgriechisch. Später lernte er durch Gespräche während seiner Feldzüge auch etwas Russisch und Polnisch.
Gustav wurde während des laufenden Kalmarkrieges mit Dänemark vorzeitig für mündig erklärt und bestieg 1611 erst 17-jährig den Thron Schwedens. Am 12. Oktoberjul./ 22. Oktober 1617greg. wurde er im Dom zu Uppsala zum König von Schweden gekrönt. Er übernahm kein gefestigtes Reich, sondern ein verarmtes Land, das in einen tiefen Konflikt mit seinem Nachbarn Dänemark verstrickt war, den er unter für Schweden sehr harten Bedingungen im Frieden von Frieden von Knäred 1613 beenden musste. Seine Machtposition war keinesfalls absolut, sondern in vielerlei Hinsicht von der Kooperation des schwedischen Reichstag abhängig, der seine Unterstützung nicht kostenlos zu geben gewillt war. Während sein Vater gegenüber dem Adel noch konfrontativ regiert hatte, konnte Gustav Adolf sich das machtpolitisch nicht mehr leisten.
Bei Regierungsantritt des jungen Königs wurden durch eine königliche Erklärung Reichsrat und Reichstag politische Mitspracherechte eingeräumt,- Ausdruck eines prekären Machtgleichgewichts zwischen Krone, Adel und den anderen Ständen des Landes. Der Reichsrat bekam eine deutliche Rolle im Rahmen der Regierung, und in Fragen um Krieg und Frieden, Steuern und Aushebungen mussten Beschlüsse des Reichstages eingeholt werden. Daraus entwickelte sich eine Rechtspraxis, die für das Land konstitutiv wurde. Die vier im Reichstag vertretenen Stände spiegelten die Gesellschaftsstruktur dieser Zeit wider: Der Adel, dem Gustav Adolf 1612 umfassende Privilegien einräumen musste, hatte das Monopol auf alle höheren Ämter. Gleichzeitig erwies sich diese Standesgrenze - hierin vom Rest Europas sehr verschieden- als durchlässig und für einen Aufstieg durch Leistung offen. Der geistliche Stand der lutherischen Kirche spielte eine wichtige Rolle bei der Verwaltung des Landes, wie bei Formung eines evangelisch geprägten Staats-und Nationalbewußtsein. Das Bürgertum erlangte im Rahmen einer merkantilistischen Wirtschaftspolitik insbesondere in den Städten eine wachsende Bedeutung. Dass auch die Bauern als vierter Stand im Reichstag vertreten waren, war in Europa einzigartig und lässt sich historisch damit erklären, dass mehr als ein Drittel des Grundbesitzes in der Hand freier Bauern war. Sie spielten, vor allem durch ihre lokalen Institutionen, in Steuerfragen und in Fragen der (von den Pfarrämtern koordinierten) Aushebung von Soldaten eine wichtige Rolle.
Bei der Austarierung eines sich als sehr produktiv erweisenden Gleichgewichtes, in der König und Stände sich auf eine gemeinsame Staatspolitik verständigen konnten, spielte Axel Oxenstierna als der Kanzler des Reiches eine besondere Rolle. Neben seinem König Gustav Adolf war er die dominierende politische Gestalt seines Landes und es gelang beiden ein enges Arbeitsverhältnis aufrechtzuerhalten, in dem innere Reformen mit einer ehrgeizigen Außenpolitik die Grundlage schwedischer Großmacht schufen.
Gustav Adolf nutzte seine Regierungszeit, um gemeinsam mit Axel Oxenstierna Schweden umfassend zu modernisieren.
Mit dem Svea hovrätt schufen beide ein schwedisches Höchstgericht, dass erstmals in der schwedischen Geschichte Recht im Namen des Königs ohne eine persönliche Beteiligung des Königs sprechen konnte. Den königlichen Gesetzen wurde damit (mindestens theoretisch) Vorrang vor der königlichen Person eingeräumt.[2]
Die Aufgaben des Reichsrates und der einzelnen Ämter in ihm wurden klarer geregelt und der Rat wurde unter Oxenstierna zunehmend zu einer Art Regierung neben und unter dem König.
Der Reichstag wurde stärker konstitutionalisiert und festen Regularien unterworfen. Die in ihm dominierende Schicht des Adels wurde in Klassen eingeteilt und einerseits gegen reiche Aufsteiger, die sich einen adligen Lebensstil leisten konnten und früher gewohnheitsrechtlich zum Adel zählten, abgegrenzt. Andererseits aber wurden Aufsteiger nun durch Verdienst durch den König häufiger geadelt: Neben den einheimischen schwedisch-finnischen Erbadel trat ein vom König geförderter Briefadel, der durch die Einwanderung von Spezialisten und die Rolle Schwedens als baltische Großmacht zunehmend international geprägt war und auch eine Reihe bürgerlicher Experten umfasste, die dem schwedischen Staate dienten. So adelte Gustav Adolf seinen alten Lehrer Johan Skytte, der als Kanzler der Universität Uppsala diese entscheidend prägte.
Besonderes Augenmerk des Königs lag auf dem schwedischen Bildungssystem, dass unter ihm ausgebaut und als staatliche Aufgabe begriffen wurde. Die Universität Uppsala wurde massiv gefördert, die Unterstützung des Königs ermöglichte einer Vergrösserung der Anzahl der Lehrstühle, eine bessere Bezahlung der Professoren und eine Aufnahme neuer Fächer und Methoden. Finanziell wurde die Universität Uppsala durch eine beträchtliche Stiftung von Landgütern wirtschaftlich eigenständig.[3] Neben den humanistischen Gymnasien - das erste wurde 1623 gegründet- versuchte er auch praktisch orientierte weiterführende Trivialschulen zu etablieren, scheiterte aber an der Umsetzung durch die - von der lutherischen Kirche dominierte und mit ihr teilweise identische - Lehrerschaft.Erfolgreicher war die Gründung zahlreicher elementarer Schulen, in denen die Grundlagen des Lesens und Schreibens vermittelt wurden. Die Alphabetisierungsrate Schwedens nahm allmählich spürbar zu.[4]
Die Verwaltung reformierten Gustav Adolf und Oxenstierna mit Rücksicht auf alte schwedische Formen der Selbstverwaltung.[5] In bereits bestehende, aber nunmehr genau festgelegte und mit standardisierten Ämtern versehene Provinzen (län) und Kreise eingeteilt, wurde deren Verwaltung einerseits auf die Verantwortung gegenüber dem eigenem Län und Heimatkreis festgelegt, die in Versammlungen kontrolliert wurde, andererseits aber auch auf den Gesamtstaat bezogen. Zwischen Zentralisierung und lokaler Verwurzelung wurde damit ein Mittelweg gewählt, der die Effektivität des schwedischen Staates steigerte, ohne partikulare Teilhabe verschwinden zu lassen. Dies ermöglichte eine sehr genaue Steuererhebung und Aushebung von Soldaten, die eingezogen wurden und für viele Jahre hinweg als Soldaten oder Seeleute in der Flotte dienen mussten, dafür aber durch Zuweisung von prozentualen Einkünften der Erträge von Bauernhöfen ihres Kreises auch entlohnt wurden. Die Auswahl der Soldaten oblag dabei den lokalen Verwaltungen, die die geeignetsten Kandidaten verpflichteten und andere aus sozialen Belangen zurückstellten (siehe auch Einteilungswerk).
Ohne eine einheitliche Wirtschaftspolitik zu verfolgen, förderte Gustav Adolf verschiedene Handelsgesellschaften, die etwa die Kupferförderung und auch eine Frühindustrialisierung Schwedens betrieben. Dafür setzte auf eine Einwanderung ausländischer Experten und Kaufleute wie etwa Louis de Geer, die eine wichtige Rolle bei der Entwicklung Schwedens spielten. Gustaf Adolf gründete die Stadt Göteborg als von deutschen, schottischen und niederländischen Einwanderern geprägte Musterstadt mit Sonderrechten.[6]
Er bemühte sich ferner darum, durch eine erste Sozialgesetzgebung, die Armut im Lande zu bekämpfen. Mit der Einrichtung von Armenhäusern sorgte er einerseits für eine Arbeitspflicht der Armen, andererseits für ihre Versorgung.
Privat war er nicht sehr glücklich. Eine Liebesbeziehung mit der schwedischen Adligen Ebba Brahe scheiterte am bitteren Widerstand der Mutter des Königs, die eine Heirat rundweg ablehnte.Der König verheiratete seine Jugendliebe 1618 mit seinem Freund und militärischem Erzieher Jakob de la Gardie, wobei er es nicht ertrug auch an der Hochzeit teilzunehmen. In einer unehelichen Beziehung mit der Frau eines niederländischen Ingenieurs und Offiziers wurde er Vater eines Sohnes, den er zeitunüblich auch anerkannte (Gustav Gustavson). Die Affäre machte ihn zum Gegenstand öffentlicher Verurteilung durch die lutherische Kirche, vertreten durch seinen eigenen Hofprediger Johannes Rudbeckius[7],- ein im damaligen Europa einmaliger Vorgang, der deutlich machte, dass in Schweden (in dem Ehebruch mit der Todesstrafe geahndet werden konnte ) auch der König nicht frei von der evangelischen Moral handeln konnte.
Eine gemeinsame Reise mit seinem Schwager Johann Kasimir unter falschem Namen als "Kapitän Gars" (= Gustavus Adolphus Rex Sueciae) nach Deutschland nutzte er 1618,um sich ein Bild von den dortigen politischen Verhältnissen zu machen und selbständig (d.h frei von den Vorstellungen seiner Mutter) auf Brautschau zu gehen. Er entschied sich für die Tochter des brandenburgischen Kurfürsten, Maria Eleonora von Brandenburg, die er er 1620 heiratete und mit der er in einer schwierigen Ehe zwei Töchter hatte, von denen eine (Christina von Schweden) ihn überleben sollte.
Gustav Adolf führte nach dem Frieden mit Dänemark mit einer nach seinen Vorstellungen allmählich modernisierten Armee und Kriegsflotte erfolgreiche Kriege gegen Russland und Polen. Im ingermanländischen Krieg, den er mit dem Frieden von Stolbowo 1617 für Schweden günstig beendete trennte er Rußland von der Ostsee und zwang es damit, seine Handelsströme teilweise über schwedisch kontrolliertes Gebiet laufen zu lassen. Er erneuerte und beendete ferner faktisch den gegen das vom katholischen Zweig der Wasa regierte Polen gerichteten polnisch-schwedischen Krieg 1629 mit dem Waffenstillstand von Altmark, wodurch er insgesamt den schwedischen Herrschaftsbereich im Baltikum erheblich ausdehnte und die Grundlage schwedischer Dominanz im Norden legte. Darüberhinaus hatte die Eroberung preußischer Häfen und Flüsse mit der damit verbundenen Möglichkeit der Steuer-und Zollerhebung erhebliche finanzielle Bedeutung für den schwedischen Staatshaushalt.
Auf den Griff des kaiserlich-katholischen Lagers nach dem Norden Deutschlands reagierte er mit Sorge. Weder hatte er ein Interesse daran, dass die Habsburger näher an Skandinavien heranrückten, noch dass der für Schweden konstitutive Protestantismus in seinem Heimatland Deutschland dauerhaft gegenüber dem Katholizismus unterlag. Der als Herzog von Holstein in den später als Dreißigjähriger Krieg bekannten Konflikt verwickelte Christian IV. von Dänemark unterlag 1626 in mehreren Schlachten mit seinen deutschen Verbündeten den ligistischen und kaiserlichen Feldherrn Johann t’Serclaes von Tilly und Wallenstein, es war absehbar, dass der Krieg mit einem Erfolg des Kaisers enden würde. So sehr Gustav Adolf die Schwächung des dänischen Konkurrenten um die Vorherrschaft in Skandinavien begrüssen musste, so wenig gefiel ihm die Aussicht eines kaiserlichen Endsieges. Gleichfalls sorgte ihn militärische Unterstützung des Kaisers für seinen verfeindeten Vetter Sigismund III. Wasa von Polen, die schwedische Interessen in Preußen gefährdete. Die Ernennung Wallensteins zum General des Ozeanischen und Baltischen Meeres als Absichtsbekundung, eine kaiserliche Flotte aufzubauen, eröffnete für die Seemacht Schweden ungute Aussichten.
1628 griff er deswegen an der Seite des dänischen Königs ein, als Wallenstein begann, das strategisch wichtige - und auf seine Eigenständigkeit pochende- Stralsund zu belagern. Er sandte gemeinsam mit Christian IV. Soldaten in die Stadt, die unter dem Kommando von Heinrich Holk Stralsund erfolgreich verteidigen konnten. Schwedische Unterstützungslieferungen ermöglichten dabei der Stadtbevölkerung das Überleben, Wallenstein brach die verlustreiche Belagerung ergebnislos ab.
Anders als Christian IV. war Gustav Adolf klug genug, sich seine Hilfsleistungen durch einen Bündnisvertrag mit Stralsund bezahlen zu lassen, die Stadt verlor damit ihre Eigenständigkeit zwar nicht gegenüber dem fernen Kaiser, sehr wohl aber gegenüber dem nahen Schweden. Für die nächsten zweihundert Jahre blieb Stralsund unter schwedischer Herrschaft.
Das nun auch offizielle Eingreifen Gustav Adolfs in den Dreißigjährigen Krieg kam in einem Moment, als die Situation der deutschen Protestanten auf Grund der Niederlagen gegen die von Wallenstein geführten kaiserlichen Truppen hoffnungslos zu sein schien. Ein Mandat hierfür hatte ihm der schwedische Reichstag am 18. Januar 1629 erteilt. Daraufhin landete Gustav Adolf am 6. Juli 1630 mit einer 13.000 Mann starken Armee in Pommern,[8] die sich durch Zulauf bald auf 40.000 Kämpfer erhöhte, und zwang Herzog Bogislaw in eine Allianz. Die Katastrophe von Magdeburg konnte er trotz Entsendung von Dietrich von Falkenberg nicht verhindern, obgleich die Stadt sich auf seine Unterstützung verließ. Der Fall trieb aber die anfangs zögerlichen deutschen protestantischen Fürsten auf seine Seite und er verbündete sich mit Sachsen und Hessen-Kassel. Er besiegte die kaiserlich-katholische Armee – als deren Führer Wallenstein abgesetzt worden war – am 7. Septemberjul./ 17. September 1631greg. unter ihrem legendären Feldherrn Johann t’Serclaes von Tilly in der ersten Schlacht bei Breitenfeld vernichtend. Das Eingreifen des schwedischen Königs in den Krieg zerschlug die kaiserliche Stellung im Norden Deutschlands und kehrte die bis dahin erreichten Erfolge der katholischen Habsburger nachgerade um.
Im Zuge ihres weiteren Vormarsches setzten die Schweden am 21. Dezember 1631 bei Erfelden über den Rhein und eroberten das von Spaniern besetzte Oppenheim. An diese Aktion erinnert noch heute die Schwedensäule im hessischen Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue. Die katholische Residenzstadt Mainz wurde dann am 23. Dezember 1631 kampflos besetzt und Gustav Adolf überwinterte dort. Während dieser Zeit erkannte er die strategische Bedeutung der Mainz gegenüberliegenden Mainspitze an der Mündung des Mains in den Rhein und gab den Befehl zum Bau einer Festung und einer Stadt an dieser Stelle. Daraufhin entstand eine sechseckige sternförmige Festung von ca. 25 Hektar Grundfläche in der 2500 Menschen wohnen und arbeiten konnten. Die Festung wurde nach dem schwedischen König „Gustavsburg“ genannt, er selbst erlebte die Fertigstellung Ende 1632 jedoch nicht mehr.
Gustav Adolf wandte sich nach der Winterpause wieder nach Süden, um das mit den Habsburgern verbündete Kurfürstentum Bayern zu erobern.
In der Schlacht bei Rain am Lech siegte Gustav Adolf am 14. April 1632 noch einmal über Tilly, der tödlich verwundet wurde. Ingolstadt und Regensburg waren zu stark befestigt und mit starken Garnisonen versehen,München und Landshut als bayrische Residenzstädte ergaben sich aber kampflos und wurden gegen Kontributionen verschont, das umliegende Land jedoch geplündert und verheert.
Dem in der Not zurückberufenen Wallenstein gelang es, die Schweden und ihre Verbündeten zum Rückzug aus Bayern zu zwingen. Von Mitte Juli bis Anfang September 1632 konnte Wallenstein den bis dahin unbesiegten schwedischen König in Nürnberg blockieren und ihm in der Schlacht an der Alten Veste am 24. Augustjul./ 3. September 1632greg. Paroli bieten. Die Schweden mussten die Schlacht, in der es ihnen aufgrund des durch regnerisches Wetter aufgeweichten Boden nicht gelang, die Schanzen Wallensteins zu überwinden, ergebnislos abbrechen.
Nach mehreren Versuchen, Wallenstein, der in den Norden auswich und damit schwedische Ausgangsbasen und das verbündete Kurfürstentum Sachsen bedrohte, zur Schlacht zu stellen, kam es am 6. Novemberjul./ 16. November 1632greg. im heutigen Sachsen-Anhalt gegen das eigentlich im Abrücken in die Winterquartiere befindliche Heer Wallensteins (der seine Truppen bei Dunkelheit hastig und überrascht in Gefechtsordnung aufstellen musste) zur Schlacht bei Lützen, in der die schwedischen Truppen gegen zähen Widerstand der Kaiserlichen langsam an Boden gewannen. Gustav II. Adolf, der als Heerführer immer persönliche Gefahren in Kauf nahm, wurde jedoch bei einem Reiterangriff getötet, als er bei Nebel und Pulverdampf den Kontakt zu seinen smaländischen Reitern verlor, worauf die eroberten Positionen des Feldes wieder verlorengingen. Unter der Führung von Bernhard von Weimar gelang es die durch die Nachricht vom Tode des Königs erst verunsicherten, dann erbitterten Soldaten erneut zum Angriff zu führen und die Schlacht dennoch - knapp - zu gewinnen.[9] Untersuchungen an der (in der Rüstungskammer des Königlichen Palastes in Stockholm befindlichen) Kriegskleidung des gefallenen Königs ergaben, dass der gezielte Schuss eines kaiserlichen Reiters aus nächster Nähe (nicht mehr als 6 m) ausgeführt worden war. Sein teilweise entkleideter, ausgeraubter Leichnam wurde auf dem Schlachtfeld geborgen und nach Weißenfels ins heutige Geleitshaus gebracht. Dort wurde er am 17. November 1632 aufgebahrt und vom Apotheker Casparus König seziert und einbalsamiert. Von dort aus wurde er in einem großen Leichenzug – Stationen waren u. a. die Brandenburger St.-Katharinenkirche, die Bernauer St.-Marienkirche und das Wolgaster Schloss – nach Wolgast übergeführt und am 16. Juli 1633 am Dreilindengrund in Wolgast eingeschifft und nach Schweden gebracht, wo er in der Stockholmer Riddarholmskyrkan beigesetzt wurde. Seine Frau Maria Eleonora von Brandenburg soll ihn derart exzessiv betrauert haben, dass es schwierig war, seine Leiche zur Beerdigung freizubekommen.[10]
Den Krieg, wie die Gesamtpolitik Schwedens, führte politisch sein Kanzler Axel Oxenstierna weiter, da Gustav Adolfs Tochter und Thronfolgerin Christina noch ein Kind war.
Von den deutschen Protestanten wurde Gustav II. Adolf als Vorkämpfer, Held und Retter des deutschen Protestantismus und „Leu aus Mitternacht“ (Löwe aus dem Norden) idealisiert. Sein Eingreifen in den Krieg verhinderte einen katholischen Sieg, sein Schlachtentod machte ihn in der öffentlichen Wahrnehmung zum Märtyrer des Glaubens. Dieses Bild hielt an, bis zunehmende Greueltaten schwedischer Soldaten es verdüsterten. Zwar war der König ohne Zweifel religiös und von persönlichem Mut, gleichzeitig jedoch auch ein machtorientierter Realpolitiker, dessen Hauptziel das Dominium Maris Baltici (Herrschaft Schwedens über den Ostseeraum) und die Absicherung Schwedens als Großmacht im nordeuropäischen Raum war. Evangelische Überzeugungen und nationaler Ehrgeiz gingen in ihm eine untrennbare Verbindung ein. Dabei hatte er auch keine Hemmungen, im 1631 geschlossenen Vertrag von Bärwalde die Unterstützung des katholischen Frankreich anzunehmen, das seine protestantischen Bürger selbst unterdrückte, aber eben mit den gegnerischen Habsburgern verfeindet war.
Seine politischen Vorstellungen für Deutschland sind undeutlich geblieben, bei seinem Tod in Lützen war er mit seinen Planungen nicht fertig. Möglich ist, dass er ein dem Kaiser entgegengesetztes Bündnis der Protestanten unter einem militarisiertem und von Schweden dominierten Staatenbund anstrebte, ebenso möglich ist, dass er sich ein Bündnis protestantischer Staaten und Reichsstädte unter seiner Führung als Reichsfürst (etwa des Herzogtums Pommern) innerhalb des Heiligen Römischen Reiches unter offizieller Oberhoheit des Kaisers vorstellen konnte. Entsprechende Vorstellungen nannte er gegenüber dem Rat der befreundeten Reichsstadt Nürnberg. Die Vorstellungen seines Kanzlers Axel Oxenstierna waren im Gegensatz dazu stärker auf die Vorfeldsicherung Schwedens bezogen.
Militärisch hatte Gustav II. Adolf als Reformer für die europäische Militärgeschichte eine herausragende Bedeutung.
Durch eine Verzahnung innenpolitischer (Aushebung von Soldaten, geregelte Steuererhebung, Ressourcenmobilisierung, vgl. Einteilungswerk) mit militärischen Reformen gelang es ihm, ein hochmodernes Heer und eine starke Kriegsflotte aufzustellen, die Schwedens Großmachtstatus begründete.
Er führte eine Form der Aushebung ein, die der Wehrpflicht nahekam (allerdings sehr lange Dienstzeiten hatte) und schuf die erste vom Staat aufgestellte, bezahlte, ernährte und ausgerüstete Nationalarmee. So rekrutierte er mehr als 40.000 Schweden, die „starkgliedrig und, soweit festgestellt werden kann, tapfer waren – im Alter von 15 bis 30 Jahren“. Zeitweise standen mehr als 3% der schwedischen Bevölkerung unter Waffen.Angehörige von Sonderberufen, wie etwa die in der Munitionsherstellung und im Transportwesen Arbeitenden, wurden freigestellt. Die Armee war wirtschaftlicher und lange mit einer besseren Kampfmoral ausgestattet als die zumeist aus Söldnern bestehenden Armeen des Gegners, mit denen er später in Deutschland allerdings seine Truppen ergänzte, bis sie das Gros seiner Truppen stellten.
Taktische Zusammensetzung und Ausrüstung der schwedischen Armee unterschieden sich deutlich von denen anderer europäischer Heere der Zeit, denn sie entsprachen den taktischen Neuerungen des Königs, der größten Wert auf Feuerkraft und Beweglichkeit legte. Die wichtigste Waffe wurde die Musketeund wie sein Vorbild Moritz von Nassau teilte er seine Verbände in kleinere Einheiten und Untereinheiten auf. Eine Kompanie bestand aus 72 Musketieren und 54 Pikenträgern. Vier Kompanien bildeten ein Bataillon, zwei Bataillone ein Regiment und zwei Regimenter eine Brigade, die nun die wichtigste taktische Einheit auf dem Schlachtfeld wurde. Das Laden der Musketen wurde vereinfacht und durch Drill standardisiert, Radschloss und die Papierpatrone gehörten zur Standardausrüstung. Die Pike diente nicht mehr allein der Abwehr der Reiter, sondern auch als infanteristische Angriffswaffe und die Rüstungen waren leichter geworden (siehe auch: Geschichte der militärischen Taktiken). In seiner Armee, die aus zahlreichen kleineren Einheiten bestand, gab es mehr Offiziere als früher, und es entstand eine militärische Rangordnung, die jedem einen festgefügten Aufgabenbereich zuordnete.Seine Offiziere rekrutierte er aus dem schwedisch-finnischen (und deutschen) Adel, befördert wurden sie jedoch nach Verdienst und Leistung. Der Verantwortungsbereich der Unteroffiziere wurde erweitert. Die Einführung von (groben) Uniformen durch Zuteilung von Tuch und Rangabzeichen trug zur Vereinheitlichung bei und förderte Kampfmoral und Korpsgeist. Der Einsatz von Feldpredigern und eine rigide Disziplinarordnung sicherte in der Anfangszeit des Krieges oft die Disziplin in der Schlacht und auch gegenüber der Zivilbevölkerung, im Verlauf des Krieges zeichneten sich die schwedischen Truppen aber zunehmend nicht durch Schonung von Zivilisten aus. Auch nichtschwedische Soldaten (die im Verlauf des deutschen Krieges das Gros der Truppen ausmachten) wurden von schwedischen Ausbildern geschult und nach schwedischen Vorstellungen geformt.
Seine finnische Kavallerie der Hakkapeliitta schulte er im Gegensatz zur damals üblichen Caracolla im direkten Angriff auf feindliche Reiter und Infanterie[11], wodurch ihnen eine schlachtenentscheidende Rolle zukam.
Grundlegend waren seine Innovationen im Bereich der Artillerie, die er als eigene Waffengattung begründete: Er modernisierte sie durch die Einführung neuer und leichter Geschütztypen, wie die bereits bald durch das Regimentsstück als Nachfolgemodell ersetzte Lederkanone, die sich durch Anzahl und Beweglichkeit und Verwendung der Kartusche flexibel in der Schlacht einsetzen liessen[12] und fasste sie dann kompanieweise zusammen. Unter Lennart Torstensson gründete er das erste Artillerieregiment der Geschichte.
Sowohl Infanterie wie Artillerie und Kavallerie kämpften in der Schlacht in enger Abstimmung, was seinem Heer ermöglichte, auch prekäre Situationen wie in der Schlacht von Breitenfeld, als die sächsische Armee vom Schlachtfeld floh und die Schweden den von den Sachsen zuvor gehaltenen Flügel durch eine schnelle und für sie selber unerwartete Schwenkung absichern mussten, zu bewältigen.
Gustav II. Adolf vermählte sich am 25. November 1620 mit Maria Eleonora von Brandenburg, mit der er zwei Töchter hatte:
Zudem war er Vater des unehelichen Sohnes Gustav Gustavson (* 24. Mai 1616; †25. Oktober 1653 im alten Wildeshauser Rathaussaal; Graf von Wasaborg) mit der Holländerin Margarethe Cabeliau.
Gustav II. Adolf wurde aufgrund seines Eingreifens in den Dreißigjährigen Krieg als Bollwerk des Protestantismus stilisiert und wurde im Kirchenraum entsprechend abgebildet – so finden sich in der Stralsunder Heilgeistkirche und der Speyrer Gedächtniskirche der Protestation Glasmalereien mit Gustav Adolf. Auch am Greifswalder Dom befindet sich eine Erinnerungsplakette. Zudem tragen mehrere evangelische Kirchengebäude den Namen Gustav-Adolf-Kirche.
Das Koller aus Elchleder, welches Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen getragen hatte, war bereits 1632 als Beutestück der Kaiserlichen nach Wien verbracht und „ganz blutig“ an Kaiser Ferdinand II. übergeben worden.[13] Ab 1888 befand sich das Koller im k.u.k. Heeresmuseum (heute Heeresgeschichtliches Museum Wien). Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte in Österreich bittere Not, doch war es v. a. das Schwedische Rote Kreuz, welches durch Kinderkriegshilfe und Lebensmittellieferungen half, die dringendsten Bedürfnisse der nachkriegsleidenden Bevölkerung zu befriedigen. Da die junge Republik Deutschösterreich keine finanziellen Mittel hatte, Schweden für diese Hilfe angemessen zu entschädigen, beschloss die Regierung am 23. April 1920, das Koller Gustav Adolfs an Schweden zu schenken. Am 4. Juni 1920 wurde das Koller in der Leibrüstkammer in Stockholm übergeben, wo es bis heute auf Gustav Adolfs ausgestopftem Pferd Streiff in der Ausstellung zu sehen ist.[14] Überhaupt wurde die Leibrüstkammer („Livrustkammaren“) auf Befehl Gustav Adolfs gegründet, der nach seiner Rückkehr aus dem Feldzug gegen Polen 1628 befahl, dass seine Kleider in der Rüstungskammer als ewiges Angedenken (till en evig åminelse) aufbewahrt werden sollten. Weiters sind dort auch Waffen, weitere Rüstungen und Erinnerungsstücke an Gustav Adolf zu sehen.
In der thüringischen Stadt Gotha ist bis heute die Erinnerung an Gustav Adolf in der Sage vom Königsaal[15][16] lebendig. Demnach machte der König am 23. August 1632 in der von seinen Truppen besetzten Stadt Halt, wo er mangels besserer Unterkunft im Saal eines Gasthauses im Brühl einlogiert wurde. Als seine ausgelassen feiernden Söldner versehentlich einen Brand entfachten, der im Laufe der Nacht zum 24. August über die Hälfte der Stadt einäscherte (Chroniken berichten von 1.200 zerstörten Häusern), musste Gustav Adolf fluchtartig das Gasthaus und Gotha verlassen. Von einer Anhöhe östlich der Stadt blickte er auf die Feuersbrunst und deutete es als böses Omen für seine Zukunft, dass er erstmals kampflos einen Ort verlassen musste. Nur ein knappes Vierteljahr später fiel er auf dem Schlachtfeld bei Lützen. Das nach dem Aufenthalt Gustav Adolfs benannte Gothaer Gasthaus "Zum Königsaal" existiert bis heute.
| Vorgänger | Amt | Nachfolgerin |
| Karl IX. | König von Schweden 1611–1632 |
Christina I. |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gustav II. Adolf |
| ALTERNATIVNAMEN | Gustav II. Adolf von Schweden |
| KURZBESCHREIBUNG | König von Schweden |
| GEBURTSDATUM | 19. Dezember 1594 |
| GEBURTSORT | Stockholm |
| STERBEDATUM | 16. November 1632 |
| STERBEORT | bei Lützen |