Gustav SchreckGustav Ernst Schreck (* 8. September 1849 in Zeulenroda; † 22. Januar 1918 in Leipzig) war ein deutscher Musikerzieher, Komponist und Thomaskantor der Thomasschule in Leipzig von 1893 bis 1918.
LebenSchreck wurde 1849 als Sohn eines Strumpfwirkers geboren – ein damals üblicher Beruf in dieser dem Vogtland benachbarten Region. Auch die Kinder haben am Wirkstuhl gesessen und zum Unterhalt der Familie beigetragen. Die eintönige Tätigkeit wurde im Elternhaus Schreck durch Singen bei der Arbeit aufgelockert. Die musikalischen Fähigkeiten des Kindes Gustav wurden durch Klavierunterricht früh gefördert. Von 1863 bis 1867 besuchte er das Lehrerseminar in Greiz und wurde unter Musikdirektor Urban Präfekt des Schülersingechores. Nach Abschluss der Ausbildung war er vorübergehend als Dorfschullehrer in Gommla und Remptendorf tätig, doch schon im Jahre 1868 zog er nach Leipzig, um am Konservatorium in Leipzig Musik zu studieren, unter anderem bei dem Thomaskantor Ernst Friedrich Richter. 1870 folgte der 21-jährige seinem Bruder nach Wyborg in Finnland und unterrichtete dort als Musiklehrer vier Jahre am deutschen Gymnasium. Verheiratet mit der Dichterin Emmy Krohn kehrt er als freischaffender Komponist und Musiker 1874 nach Leipzig zurück. Er komponierte Kammermusik und einzelne Chorsätze. In dieser Zeit entstehen auch zwei Oratorien: König Fjalar und Christus, der Auferstandene, zu denen seine Frau die Texte verfasst. Die Uraufführungen im Gewandhaus wurden mit rauschendem Beifall bedacht. Im Jahre 1887 erhält er als Lehrer für Theorie und Komposition einen Ruf an das von Felix Mendelssohn Bartholdy gegründete Konservatorium, wo er 1898 Professor wurde und bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1917 wirkte. Im Mai 1892 stirbt Thomaskantor Wilhelm Rust und die Stelle wird ein Jahr lang von dem Musiklehrer der Externen, Bernhard Friedrich Richter, einem Sohn des ehemaligen Amtsinhabers, betreut, bis die Wahl auf Gustav Schreck fällt, der am 17. April 1893 eingeführt wird. Er ist sich der Verantwortung bewusst, die diese „erste Kantorenstelle der Welt“ bedeutet. Mit großer Gewissenhaftigkeit erfüllt er die gestellten Aufgaben; seine pädagogischen Fähigkeiten, sein großes theoretisches Wissen und die Kenntnis der Leipziger Musikszene sind dabei ideale Voraussetzungen. Die Arbeitsbedingungen für die Thomaner sind nach dem Umzug in den Neubau von Schule (1877) und Alumnat (1881) vorbildlich. Zur gleichen Zeit ist sein Altersgenosse Prof. Dr. Franz Emil Jungmann Rektor der Schule, ein gebildeter und der Musik aufgeschlossener Neuhumanist, der sich für ein breites Betätigungsfeld seiner Schüler einsetzt. Die kirchenmusikalischen Aufgaben in der Thomas- und Nikolaikirche werden unter Schreck verstärkt mit Werken von Johann Sebastian Bach und anderen ehemaligen Thomaskantoren ausgefüllt. Gustav Schreck beginnt eine Reihe mit Chorheften und anlässlich der 700-Jahrfeier der Thomasschule, 1912, wird ein Konzert ausschließlich mit Werken der Thomaskantoren von Georg Rhau bis Schreck gestaltet. Der Aufgabenbereich des Chores wird erweitert, er beteiligt sich mit chorsinfonischen Werken an den Gewandhauskonzerten und die Neujahrskonzerte mit den Thomanern werden zum alljährlichen Höhepunkt der Gewandhaus-Saison. Die künstlerische Qualität der Aufführungen unter Schrecks Leitung steigt – sein Wirken wird u. a. durch den Professorentitel (1898) und die Ehrendoktorwürde (1909) der Leipziger Universität anerkannt. Gustav Schreck widmet die Motette Der Herr ist mein Hirte Rektor Jugmann zum 25jährigen Dienstjubiläum (1906). Die Festkantaten zur 500-Jahrfeier der Universität (1909) und zur 700-Jahrfeier der „Schola Thomana“ sind ehrenvolle Kompositionsaufträge, die seine Wertschätzung dokumentieren. Die Texte zu den Kantaten stammen wieder von seiner Frau, die sich auch durch das Malen von Portraits ehemaliger Thomaskantoren in die Arbeit des Mannes integriert, die noch heute im Probensaal des Thomasalumnates zu sehen sind. Als Thomaskantor begnügte sich Schreck nicht mehr mit dem Ersatz der historischen Instrumente, er veranlasste die Anschaffung oder den Nachbau von Oboe d'amore, Clarintrompeten und anderen Instrumenten des Bach-Orchester. Er wagte es, die Kantaten ungekürzt zu musizieren und griff dabei die Praxis seines Amtsvorgängers und Bachforschers Rust auf, die Solopartien auch im Sopran und Alt mit Thomanern zu besetzen. Gustav Schreck ist im Jahre 1900 Gründungsmitglied der "Neuen Bachgesellschaft". Die Bachfeste dieser Gesellschaft finden mit regelmäßiger Beteiligung der Thomaner bis in die Gegenwart hinein. Im Jahr 1887 wurde Schreck Lehrer für Komposition und Musiktheorie am Leipziger Konservatorium, ehe er 1893 die Nachfolge von Wilhelm Rust antrat und zum Thomaskantor berufen wurde. Dieses Amt führte er bis zu seinem Tode. Seit 1901 war Schreck Schriftführer der ein Jahr zuvor gegründeten Neuen Bachgesellschaft. 1909 schrieb er zur 500-Jahrfeier der Universität die Festkantate. In Erscheinung trat er auch als Bearbeiter von Volksliedern für das so genannte Kaiserliederbuch, zunächst für das 1906 veröffentlichte Volksliederbuch für Männerchor. Der Thomanerchor trat unter seiner Leitung nicht mehr nur in der Leipziger Thomas- und Nikolaikirche auf, sondern zunehmend auch in Konzerten im Leipziger Gewandhaus.In seinen Werken herrscht die kontrapunktische Technik und sangbare Stimmführung vor. Von Einflüssen Wagners und später Regers hat Schreck sich weitgehend freigehalten. Am 22. Januar 1918 starb Schreck im Alter von 69 Jahren in Leipzig. Er wurde auf dem Leipziger Südfriedhof beigesetzt (IV. Abteilung). Werke (Auswahl)
Quellen
Siehe auchWeblinks
… | Thidericus (um 1295) | … | Johannes Steffani de Orba (1436–1443) | Thomas Ranstete (1443–1444) | Peter Seehausen (um 1460) | Martin Klotzsch (um 1470) | Johannes Fabri de Forchheym (um 1472) | Ludwig Götze (ab 1480) | Gregor Weßnig (1482–1488) | Heinrich Höfler (1488–1490) | Nikolaus Zölner (um 1494) | Johannes Conradi (um 1508) | Johann Scharnagel (um 1513) | Georg Rhau (1518–1520) | Johannes Galliculus (1520–1525) | Valerian Hüffeler (1526–1530) | Johann Hermann (1531–1536) | Wolfgang Jünger (1536–1539) | Johannes Bruckner (1539–1540) | Ulrich Lange (1540–1549) | Wolfgang Figulus (1549–1551) | Melchior Heger (1553–1564) | Valentin Otto (1564–1594) | Sethus Calvisius (1594–1615) | Johann Hermann Schein (1615–1630) | Tobias Michael (1631–1657) | Sebastian Knüpfer (1657–1676) | Johann Schelle (1677–1701) | Johann Kuhnau (1701–1722) | Johann Sebastian Bach (1723–1750) | Johann Gottlob Harrer (1750–1755) | Johann Friedrich Doles (1756–1789) | Johann Adam Hiller (1789–1801) | August Eberhard Müller (1801–1810) | Johann Gottfried Schicht (1810–1823) | Christian Theodor Weinlig (1823–1842) | Moritz Hauptmann (1842–1868) | Ernst Friedrich Richter (1868–1879) | Wilhelm Rust (1880–1892) | Gustav Schreck (1893–1918) | Karl Straube (1918–1939) | Günther Ramin (1939–1956) | Kurt Thomas (1957–1960) | Erhard Mauersberger (1961–1972) | Hans-Joachim Rotzsch (1972–1991) | Georg Christoph Biller (seit 1992)
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