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Höhlentempel sind in den Felsen gehauene oder in einer natĂŒrlichen Höhle angelegte unterirdische Sakralbauten. Höhlentempel und aus dem Stein herausgeschlagene monolithische Felsentempel sind eine Form der frĂŒhen Naturarchitektur und des Felsbaus, einer mit der Bildhauerei eng verbundenen Bautechnik in Festgesteinen.[1] Die umfangreichsten kĂŒnstlich geschaffenen Höhlentempel-Komplexe (subterranea) entstanden in Indien, wo etwa 1.200 Anlagen belegt sind, und in den angrenzenden Regionen Asiens.
Die Grundform der Höhlentempel in Asien wurde seit dem zweiten Jahrhundert v. Chr. im westlichen Indien aus der Vorform der Bergklause der weltabgewandten Shramana-Bewegung (Sanskrit, m., à€¶à„à€°à€źà€Ł, Ćramaáča, Pali, m., samaáča, Bettelmönch), einer freistehenden HĂŒtte oder einer Höhle als Behausung von Asketen, entwickelt. Zentrale Gestaltungsprinzipien sind vermutlich vom Vorbild heute nicht mehr erhaltener hölzerner Freibauten abgeleitet.
Entlang der Fernhandelsrouten verbreiteten sich Höhlentempel von SĂŒdasien bis nach Zentral- und Ostasien. In SĂŒdostasien wurden anstelle kĂŒnstlicher Höhlen ĂŒberwiegend natĂŒrliche Höhlen als unterirdische HeiligtĂŒmer genutzt. Die Liste des UNESCO-Welterbes enthĂ€lt zahlreiche Höhlentempel in Asien, darunter Ajanta, Elephanta, Ellora und Mamallapuram in Indien, die Mogao-, die Longmen- und die Yungang-Grotten in China, Dambulla auf Sri Lanka und Seokguram in SĂŒdkorea.
Neben den asiatischen Entwicklungslinien treten Höhlentempel und weitere, bisweilen deutlich Ă€ltere Felsbauten auch in anderen alten Kulturen wie etwa Ăgypten, in Assyrien, im Hethiterreich, in Lykien und bei den NabatĂ€ern auf.
Inhaltsverzeichnis |
Bereits in prĂ€historischer Zeit dienten Höhlen Menschen als Zufluchts-, BegrĂ€bnis- oder KultstĂ€tten. Die Markierung der Höhle wandelte diese vom faszinierenden Ort zur heiligen StĂ€tte. Zur kultischen Nutzung zĂ€hlten wĂ€hrend des jĂŒngeren Abschnitts der Altsteinzeit und der Mittelsteinzeit die rituelle Einweihung, eine dauerhafte Kennzeichnung (zum Beispiel in Form von Höhlenmalerei) und regelmĂ€Ăig wiederholte Riten.[2] PrĂ€historische Felskunst ist an etwa 700.000 Orten in 120 LĂ€ndern zu finden und mit mehr als 20 Millionen figĂŒrlichen Darstellungen erfasst.[3]
Seit der Zeit der frĂŒhen Hochkulturen traten in Nordafrika, Klein-, Vorder-, Zentral-, SĂŒd- und Ostasien kĂŒnstliche Felsbauten als neue Bauweise in Erscheinung. Sie dienten als Wohn-, Schutz- und DepotstĂ€tte (Kappadokien in der heutigen TĂŒrkei), als Grabhöhle (Petra in Jordanien) oder als Tempel und Klöster (Indien). Auch Felsbauten der prĂ€kolumbischen Hochkulturen Amerikas werden gelegentlich als Höhlentempel bezeichnet, zum Beispiel Kenko mit einem Pumaaltar bei Cusco oder der Tempel Cuauhcalli bei Malinalco in Mexiko-Staat (16. Jahrhundert n. Chr.).
Zu den markantesten Komplexen weltweit zĂ€hlen die monumentalen Felsentempel des Ă€gyptischen Pharaonenreichs, die Tempel von Abu Simbel (hier auch unter der Bezeichnung Speos). Der GroĂe Tempel von Ramses II. in Abu Simbel am westlichen Nilufer entstand bereits um 1280 v. Chr. Die Tempelanlage, die ein Sanktuarium und diverse Kammern umfasst, wurde komplett in das Felsmassiv eingeschnitten.[4]
Weitere Felsbauten sind vor allem in Klein- und Vorderasien erhalten. Hethitische HeiligtĂŒmer wurden im 15. bis 13. Jahrhundert v. Chr. in Yazılıkaya in der heutigen tĂŒrkischen Provinz Ăorum aus dem Fels geschlagen. Im 5. Jahrhundert v. Chr. bauten die Lykier im sĂŒdlichen Anatolien (zum Beispiel bei Dalyan, Provinz MuÄla, TĂŒrkei) hunderte von FelsengrĂ€bern. Auch die NabatĂ€er schlugen in Petra (Jordanien) zwischen 100 v. Chr. und 150 n. Chr. Tempel und GrĂ€ber in den Fels. Christliche Höhlensiedlungen mit weitlĂ€ufigen Wohnanlagen und Felsenkirchen wurden in Göreme im tĂŒrkischen Kappadokien (seit dem 4. Jahrhundert n. Chr.), in Matera in SĂŒditalien (frĂŒhmittelalterlich) sowie im 12.-13. Jahrhundert in Lalibela im Norden Ăthiopiens erschaffen.
Buddhistische Höhlentempel stellen eine unterirdische Variante der buddhistischen Kloster- und Tempelanlage dar, die auf die Behausung der asketischen Shramana-Bewegung seit der Epoche der Upanishaden (8. bis 7. Jahrhundert v. Chr.) sowie auf urbuddhistische MeditationsstĂ€tten zurĂŒckgeht. Der historische Siddhartha Gautama zog sich bereits als junger Wanderasket vor Erlangen der Erleuchtung zur Meditation in Höhlen zurĂŒck (der Ăberlieferung nach zum Beispiel in die Dungeshwari-Höhle bei Bodhgaya in Bihar).[5] Als Buddha nutzte er gelegentlich eine Höhle bei Rajagriha als MeditationsstĂ€tte, wie der Pali-Kanon, eine frĂŒhe Aufzeichnung von Buddhas Lehrreden aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., ĂŒberliefert (DN, Kap. 16,3, Kap. 21 und 25). Diese Höhle wurde von dem chinesischen Pilgermönch Faxian im 5. Jahrhundert n. Chr. als Pippala-Höhle auf dem Berg Vebhara (Geierberg) identifiziert.[6]
Der Pali-Kanon nennt natĂŒrliche Höhlen (Pali, kandara) als gebrĂ€uchliche RĂŒckzugsstĂ€tten fĂŒr die Mitglieder des buddhistischen Ordens (MN, Kap. 27, 38, 39 und öfter), die dort weitgehend abgeschirmt von sensorischen Reizen meditieren konnten. Auch das Erste Buddhistische Konzil, das kurz nach dem Tod Buddhas im 5. Jahrhundert v. Chr. bei Rajagriha durchgefĂŒhrt wurde, soll buddhistischer Ăberlieferung zufolge in einer Halle vor der Höhle Sattapanni am Nordhang des Vebhara-Bergs stattgefunden haben.[7] Angesichts des Grundsatzes der âHauslosigkeitâ des buddhistischen Ordens kam der natĂŒrlichen Schutzfunktion von Höhlen eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung der buddhistischen Höhlentempel zu. Höhlentempel boten besseren Schutz gegen WitterungseinflĂŒsse als die selbstgebauten freistehenden RegenhĂŒtten aus Bambus und Matten, die wĂ€hrend der regenreichen Monsunzeit als Refugien dienten und nach Ende des Monsuns wieder abgerissen wurden.[8]
Der eigentliche Bau kĂŒnstlicher Höhlentempel aus âgewachsenemâ Felsen wurde erst in der Ăra von Maurya-Kaiser Ashoka angestoĂen, der im 3. Jahrhundert v. Chr. entsprechende, zunĂ€chst noch recht elementare Anlagen fĂŒr die asketische Gemeinschaft der Ajivika[9] stiftete (zum Beispiel die Lomas-Rishi-Höhle bei Barabar). Die Buddhisten entwickelten diese Vorformen zu aufwĂ€ndigen Zentren mönchischen Lebens mit zunehmend reicherem Reliefschmuck weiter. Mit UnterstĂŒtzung wohlhabender buddhistischer Laien schufen sie wĂ€hrend der Jahrhunderte vor und nach Christi Geburt die Grundform der indischen Felsarchitektur, die sich wĂ€hrend des folgenden Jahrtausends entlang der Handelswege weitlĂ€ufig verbreitete.[10] Eine Verbindung zwischen der Ă€lteren Ă€gyptischen, hethitischen oder lykischen Felsarchitektur des Westens und den jĂŒngeren, erheblich zahlreicheren indischen Felsbauten konnte bislang nicht eindeutig nachgewiesen werden.
Die Entstehung der indischen Höhlentempel-Anlagen nahm nach verhaltenen AnfĂ€ngen im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. mit dem wachsenden Wohlstand der HandwerksstĂ€nde des westlichen Indien einen erheblichen Aufschwung. Eine wesentliche Ursache dafĂŒr bestand in dem gesteigerten Handelsverkehr mit dem römischen Weltreich seit dem ersten Jahrhundert n. Chr. Gerade auf die indischen Handwerker (Skt., m., à€¶à„à€Šà„à€°, shudra), die innerhalb der undurchlĂ€ssigen brahmanischen Gesellschaft die niedrigen Kasten bildeten, ĂŒbte der Buddhismus aufgrund seiner WĂŒrdigung auch der Laienbekenner als vollgĂŒltige HeilsanwĂ€rter, aufgrund der faktischen Abwertung der Kastenzugehörigkeit (Skt., à€”à€°à„à€Ł, varnas) und der Ablehnung kostspieliger vedischer Opferrituale erhebliche Anziehung aus.
Im Gegensatz zum Hinduismus stĂŒtzte sich der Buddhismus mit seinen Mönchsgemeinschaften vorrangig auf die stĂ€dtische Kultur.[11] Einflussreiche stĂ€dtische Kaufmannsgilden stifteten das Geld fĂŒr den Bau und die Ausstattung ganzer Klöster, wie Stiftungsinschriften belegen. Die Klöster ihrerseits finanzierten die örtlichen HĂ€ndler durch Anleihen.[12] Zudem zĂ€hlt das Stiften von Tempeln im Hinduismus und Buddhismus zu den spirituell verdienstvollen Handlungen (Skt., puáčya). Der Wettstreit unterschiedlicher Handwerksgilden um die Ausgestaltung ihrer Stiftungen fĂŒhrte insbesondere wĂ€hrend der Periode der Gupta-Dynastie, die von 320-650 n. Chr. ĂŒber Nord- und Zentralindien herrschte,[13] zu einem erheblichen Aufschwung der indischen Felsbau-, Bildhauer- und Malkunst, deren Werke in den spĂ€ter vielfach verwaisten Höhlentempeln die Zeit ĂŒberdauerten.
Die Versorgung der Höhlenklöster, die den Ordensleuten als Dauerleihgabe ĂŒberlassen wurden, erfolgte durch die buddhistischen LaienanhĂ€nger der umliegenden Dörfer und Siedlungen, die den bettelnden Mönchen Nahrung, Medizin und Kleidung anboten.[14] Der Tagesablauf in den buddhistischen Klöstern war streng durchstrukturiert. Nach dem Wecken vor Sonnenaufgang erhoben sich die Mönche mit einem Lied oder der Rezitation eines erbaulichen Verses, reinigten das Kloster und beschafften das notwendige Trinkwasser. Zum Tagesablauf zĂ€hlten auch Blumenspenden in gemeinsamer Versammlung, eine Bettelrunde zum Erwerb von Nahrungsmitteln, eine Mahlzeit, MeditationsĂŒbungen, das Textstudium sowie der Besuch von Lehrdarlegungen.[15]
Genau genommen handelt es sich bei der frĂŒhen buddhistischen Felsarchitektur nicht um Tempel in einem traditionellen Sinn von Anlagen, âdie im Hinblick auf ihre bauliche Gestalt (MonumentalitĂ€t, Steinbauweise) oder ihre religiöse Funktion (WohnstĂ€tte eines Gottes oder einer Göttin) vergleichbar erscheinenâ.[16] Der frĂŒhe Buddhismus kennt keine einer göttlichen Macht gewidmeten HeiligtĂŒmer und Bauwerke. Trotz der primĂ€ren Funktion buddhistischer Felsbauten als Klosteranlage hat sich die Oberbezeichnung Höhlentempel gleichermaĂen fĂŒr buddhistische wie hinduistische unterirdische Sakralbauten durchgesetzt. Bei buddhistischen Felsbauten knĂŒpft sie an die tempelĂ€hnliche Struktur der Chaitya-Halle und deren Ausrichtung auf ein Allerheiligstes an.[17]
Die buddhistischen Höhlenklöster und Höhlentempel SĂŒd-, Zentral- und Ostasiens zeichnen sich durch zwei zentrale Bautypen aus: GebĂ€ude, die buddhistische Sakralobjekte beherbergen oder einfassen, und GebĂ€ude des mönchischen Lebens.
HĂ€ufige bauliche Elemente im AuĂenbereich der buddhistischen Tempel- und Klosterhöhlen sind Portikus (Vorhalle), Seitenkapellen, SĂ€ulenveranden, Vorhöfe und Freitreppen.
Die Chaitya- oder Gebetshalle (von Skt., caitya-gáčha; Pali, cetiya, Heiligtum) steht im Zentrum der buddhistischen Tempelanlage.[19] Die dreischiffige Chaitya-Halle wird durch zwei SĂ€ulenreihen in ein Mittelschiff, dessen Decke als Tonnengewölbe mit Holz- oder Steinrippendecke ausgestaltet ist, und zwei Seitenschiffe getrennt. Die Halle dient der Aufnahme eines meist reich verzierten Reliquienschreins (Skt., à€žà„à€€à„à€Ș, stĆ«pa; Pali, thupa, HĂŒgel, ursprĂŒnglich im Sinne von GrabhĂŒgel), der von einem Wandelgang fĂŒr die rituelle Umgehung umgeben ist.[20] Vor die Chaitya-Halle war ursprĂŒnglich eine aufwĂ€ndige Holzfassade mit einem oder mehreren Toren gesetzt. Im Zusammenspiel mit einem hufeisenförmigen Fenster ĂŒber dem Eingangstor der Halle bewirkte die Holzfassade, dass die Stupa-Nische in der halbrunden Apsis am Ende der Halle in atmosphĂ€rische Lichteffekte gehĂŒllt wurde.
In der Umgebung der Chaitya-Halle befinden sich die KlosterrĂ€ume. Die Wohnbereiche der Mönche (Skt./Pali, n., à€”à€żà€čà€Ÿà€°, vihÄra, Aufenthaltsort, Wohnsitz) umfassen neben GemeinschaftsrĂ€umen eine Reihe von engen Wohnzellen (Skt., bhikáčŁu-gáčha) fĂŒr zwei Personen. Die Mönchszellen sind um einen Hof oder eine zentrale SĂ€ulenhalle (Skt., à€źà€Łà„à€Ąà€Ș, maáčážapa) herum angeordnet.[21] Weitere Elemente des Klosterbaus sind Zisternen, Magazine und andere NebenrĂ€ume fĂŒr praktische Zwecke.[22] Die Höhlenklöster des Mahayana-Buddhismus, der zweiten Hauptrichtung des Buddhismus, die zwischen dem 5. und dem 8. Jahrhundert n. Chr. entstanden, enthalten reich verzierte SĂ€ulenreihen sowie Kultbildkapellen oder kleinere halbkugelförmige Stupas. Sie sind mit groĂflĂ€chigen WandgemĂ€lden zum Leben und den Vorexistenzen des historischen Buddha geschmĂŒckt. Vielfach wurden die Farbschichten, die die Tempelanlage groĂflĂ€chig verzierten, spĂ€ter durch Verwitterung abgetragen.[23]
Bautechnisch wurde zunĂ€chst die Felswand in der Breite der geplanten Höhle senkrecht bearbeitet. AnschlieĂend wurde die Fassade markiert, und es wurde begonnen, von oben in den Fels zu meiĂeln. Die Aushöhlungsarbeit verlief stufenweise. Die oberste Stufe reichte stets am tiefsten in den Fels hinein. Bei Erreichen der RĂŒckwand wurde die Decke fertiggestellt, wodurch auf ein GerĂŒst verzichtet werden konnte. WĂ€hrend die Steinmetze sich von oben herab durch den Fels vorarbeiteten und geplante SĂ€ulen und Skulpturen aussparten, wurden zugleich die Fassaden fertiggestellt. Als Werkzeuge standen den Steinmetzen lediglich eine Spitzhacke, Hammer und MeiĂel zur VerfĂŒgung.[24]
Die Entwicklung der Höhlentempel fĂŒhrte angesichts der zunehmenden StĂ€rke der vedisch-brahmanischen Religion zum Ausbau des buddhistischen Höhlentempels zur Klosterschule. Schon in Ajanta (Höhlen 6 und 27) war â wohl in Anlehnung an nicht erhaltene Klosterfreibauten aus Holz â eine mehrgeschossige Höhle aus dem Stein gemeiĂelt worden. Neben der Chaitya-Halle und dem Vihara tritt etwa in Ellora (dreigeschossige Höhle 12, Tin Thal, und Höhle 11, Do Thal), Bagh (Nr. 5), Dhamnar (Nr. 11) und Kholvi (Nr. 10) ein groĂer Kapitelsaal (Dharmashala, Skt., dharma, Lehre [Buddhas]; shala, LehrstĂ€tte) auf.
WĂ€hrend die Chaitya- und Tempelhalle vor allem Zeremonien wie der Pradakshina (Skt.), das heiĂt der rituellen Umwandlung des Stupa in der Absicht, spirituelles Verdienst zu erwerben, und die KlosterrĂ€ume der Viharas vorwiegend als Meditations- und WohnstĂ€tten dienten, ist der Dharmashala mit langen Reihen von SteinbĂ€nken als ein groĂer buddhistischer Lehr- und Predigtsaal angelegt. Auf einer Ebene der Klosterschule von Ellora konnten bis zu 30 Zuhörer, die in Reihen zwischen den SĂ€ulen saĂen, den Auslegungen eines buddhistischen Lehrers folgen.[25]
Bisher wurden ungefĂ€hr 1.200 buddhistische, hinduistische und jainistische Tempelhöhlen in Indien bekannt, von denen etwa 1.000 im Bundesstaat Maharashtra liegen, andere in Andhra Pradesh, sĂŒdöstlich von Maharashtra, und in den nordwestlichen Staaten Gujarat, Rajasthan und Madhya Pradesh.[26] Die Ă€ltesten bekannten Höhlentempel entstanden im Kontext der Shramana-Bewegung etwa im 3. Jahrhundert v. Chr. im spĂ€teren nordöstlichen Bundesstaat Bihar (acht Höhlen in Barabar, Nagarjuni und Sita Marhi bei Rajagriha, heute: Rajgir).[27]
Mehrere archÀologisch und touristisch intensiv erschlossene Höhlen- und Felsentempel-Komplexe unterschiedlicher religiöser PrÀgung zÀhlen zur Liste des UNESCO-Welterbes:
Weitere buddhistische Höhlentempel Indiens:
| Bundesstaat | Stadt | Höhlentempel | Entstehungszeit | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Andhra Pradesh | Kamavarapukoka | Guntapalli | 2. Jahrhundert v. Chr. | |
| Gujarat | Junagadh auf der Halbinsel Saurashtra, Talaja und weitere | 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. | ||
| Madhya Pradesh | Chandwasa | Dhamnar | 4. bis 6. Jahrhundert n. Chr. | nahezu 50 Höhlen, ein hinduistischer Monolithtempel |
| Dhar | Bagh | 5.-7. Jahrhundert n. Chr. | 9 Höhlen, ehemals umfangreiche Wandmalerei[28] | |
| Maharashtra | Aurangabad | Aurangabad-Höhlen | 6. bis 7. Jahrhundert n. Chr. | 10 Höhlen in zwei Gruppen |
| Bhomarwadi | Pitalkhora-Höhlen | 2. bis 1. Jahrhundert v. Chr. | ||
| Konkan-Region | Kuda, Karhad, Mahad, Sudhagarh und weitere | |||
| Lonavla | Bhaja- und Karla-Höhlen | 2. Jahrhundert v. Chr. bis 5. Jahrhundert n. Chr. | Bhaja: 18 Höhlen | |
| Maval (Kamshet) | Bedsa-Höhlen | 1. Jahrhundert v. Chr. | ||
| Mumbai | Junnar und Kanheri | 1. Jahrhundert v. Chr. bis 2. Jahrhundert / bis 9. Jahrhundert n. Chr. | 150 Höhlen und zumindest 109 Höhlen | |
| Mumbai (Salsette) | Mahakali-Höhlen (vormals Kondivita-Höhlen) | etwa 20 Höhlen in Basaltgestein | ||
| Nasik | Pandu Lena (Pandavleni) | 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. | 33 Höhlen | |
| Raigad | Kondane-Höhlen | 1. Jahrhundert v. Chr. | ||
| Rajasthan | Jhalawar | Kholvi und Binnayaga | 5. Jahrhundert n. Chr. |
Unter dem Einfluss der hinduistischen Bhakti-Lehre (Skt., f., à€à€à„à€€à€ż, bhakti, Hingabe, Liebe)[29] hatten tantrische, das heiĂt esoterische Elemente in die buddhistischen Höhlentempel Einzug gehalten. In einer buddhistischen Höhle Elloras (Nr. 12) tritt zu Buddhastatuen als neues Element die vierarmige Göttin Cunda hinzu. Die buddhistische Tempelhalle in Aurangabad, Höhle 7, adaptiert die rĂ€umliche Enge des Hindutempels und zeigt eine mit erotischen Tanzszenen ausgestattete Kapelle. Diese weitreichende Anpassung an die hinduistische Formensprache hing mit dem Erstarken des Hinduismus ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. zusammen. Die aus der SchwĂ€chung der indischen GroĂreiche resultierende hinduistische âGegenreformationâ ging mit der Entwicklung einer vitalen hinduistischen Felsarchitektur einher und brachte schlieĂlich im 7. und 8. Jahrhundert n. Chr. die BautĂ€tigkeit an buddhistischen Höhlentempeln weitgehend zum Erliegen.
Hinduistische Tempel waren bis in die ersten nachchristlichen Jahrhunderte hinein ausschlieĂlich aus wenig dauerhaften Baustoffen, vor allem aus Holz und Lehm, errichtet worden. Die ersten hinduistischen Höhlentempel und freistehenden Steintempel griffen jedoch den Stil ihrer VorgĂ€nger auf. Durch den Zufluss von Geldern hinduistischer Stifter konnten verstĂ€rkt seit dem 7. Jahrhundert n. Chr. in mehreren indischen Regionen hinduistische Höhlentempel aus dem Fels herausmodelliert werden, darunter im heutigen Karnataka (Badami, buddhistisch, hinduistisch, jainistisch, 6. bis 8. Jahrhundert n. Chr., vier Höhlentempel), Madhya Pradesh (Udaigiri), Maharashtra (Pataleshwar in Pune), Orissa (Gupetswar) und in Tamil Nadu (Kalugamalai sowie Pillayarpatti bei Karaikkudi). Zum UNESCO-Welterbe zĂ€hlen neben Elephanta und Ellora im Nordwesten des indischen Subkontinents das ebenfalls hinduistische Mamallapuram bei Chennai in SĂŒdindien. Einige in gleicher Zeit angelegte Jaina-Tempel befinden sich in Maharashtra (Ellora), Madhya Pradesh (Udaigiri und Gwalior) und im östlichen Orissa (Udayagiri und Khandagiri in natĂŒrlichen Höhlen).
Die Funktion der hinduistischen Höhlentempel als Heiligtum und RitualstĂ€tte fĂŒr die Abhaltung einer Puja (Skt., f., à€Șà„à€à€Ÿ, pĆ«jÄ, Ehrerweisung), von Feuer- und Opferzeremonien, Rezitationen und weiteren religiösen Handlungen fĂŒhrte zur AusprĂ€gung zahlreicher unterschiedlicher Bauformen, in deren Zentrum durchgĂ€ngig das Göttliche als Gegenstand der Verehrung steht. Auch hinduistische Höhlentempel sind von Tendenzen geprĂ€gt, die im Bereich des Freibaus entwickelt worden sind. Der hinduistische Tempel ist rĂ€umlich in Garbhagriha als Hauptraum und Mandapa als Vorhalle aufgeteilt. Die Garbhagriha (Skt., garbha, Mutterleib) bildet eine zumeist unbeleuchtete Kultkapelle, die das Allerheiligste enthĂ€lt, das Bildnis der Gottheit oder den Linga, ein eng mit der Hindu-Gottheit Shiva verbundenes Symbol. Vor der Garbhagriha befinden sich in einer Achse gereiht ein oder mehrere Mandapas als Eingangs- oder Tempelhallen mit SĂ€ulenkolonnade. Die Mönchszellen buddhistischer Anlagen entfallen bei hinduistischen Höhlentempeln.
Anhand der umfangreichen hinduistischen Höhlentempel von Ellora in Maharashtra lassen sich nach Plaeschke mehrere zentrale Bautypen hinduistischer Höhlentempel unterscheiden, die weite Verbreitung haben:
Besondere Bedeutung erlangt aufgrund des Siegeszugs des hinduistischen Tempelbaus in Westindien seit dem 7. Jahrhundert n. Chr. die letzte Variante. Hinduistische Höhlentempel des letzten Bautyps folgen weitgehend dem Grundriss des hinduistischen Tempel-Freibaus sĂŒdindischen Typs mit Allerheiligstem (Garbhagriha), Tempelturm (Skt., à€”à€żà€źà€Ÿà€š, vimÄna), Eingangs- und Tempelhalle (Mandapa) und gelegentlich einem kleinen, vom Hauptbau isolierten Pavillon mit dem Bild des Buckelstiers Nandi, des Reittiers von Shiva. Eine Weiterentwicklung dieser Variante hinduistischer Höhlentempel bildet der Kailasanatha-Tempel, ein monolithischer Felsentempel in Ellora. Dieser freistehende Felsentempel in einer Felsgrube, der durch einen monumentalen zweigeschossigen Portalbau nach auĂen abgeschlossen ist, gilt mit einer SeitenlĂ€nge von 46 Metern als wohl eindrucksvollster hinduistischer Felsentempel.
Die weitlĂ€ufigen buddhistischen und hinduistischen Höhlentempel-Anlagen des alten Indien sind seit dem zweiten Jahrhundert n. Chr. in zahlreichen Regionen Asiens nachgeahmt worden. Der Buddhismus kam von Indien entlang der Fernhandelsrouten, insbesondere ĂŒber die nördliche Route der SeidenstraĂe, nach Zentralasien. Auf dem Gebiet des heutigen Afghanistan entstanden in groĂem Umfang persisch beeinflusste Höhlentempel in und um das Bamiyan-Tal mit seinen SeitentĂ€lern Kakrak und Foladi (Koh-i-Baba-Gebirge, seit 2. Jahrhundert n. Chr., etwa 20.000 Höhlen), bei Haibak in Baktrien (Hazar Sam, seit 2. Jahrhundert n. Chr., etwa 200 Höhlen) sowie bei Dschalalabad (Haddah, Allahnazar, Baswal, 2.-5. Jahrhundert n. Chr., 150 Höhlen, Dauranta, seit 2. Jahrhundert n. Chr., Kajitulu sowie Siah-Kok).[31]
Ăber Zentralasien verbreiteten sich die Höhlentempel nach China, am intensivsten wĂ€hrend der Nördlichen Wei-Dynastie im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. Im Zuge dieser Ausbreitung in nördlicher Richtung entstanden zwischen dem 4. und dem 9. Jahrhundert (Nördliche Wei-Dynastie, Sui-Dynastie und Tang-Dynastie) entlang der SeidenstraĂe und den Becken des Gelben Flusses und des Jangtsekiang zahlreiche ausgedehnte buddhistische Tempelanlagen (Dunhuang, Kuqa, Turfan und andere), die sich von ihren indischen Vorbildern emanzipierten.[32]
Auch die entlang der SeidenstraĂe entstehenden Höhlentempel kennzeichnet neben Kult- und Lehrnischen sowie Mönchszellen ein im Mittelpunkt platzierter Stupa, der hĂ€ufig durch einen viereckigen Zentralpfeiler vertreten wird. Dieser trĂ€gt buddhistische Statuen und wurde in der Absicht des Ansammelns von Heil von Mönchen und buddhistischen LaienanhĂ€ngern rituell umwandert (Pradakshina). Besonders vielfĂ€ltig stellen sich die Deckenkonstruktionen der chinesischen Höhlentempel dar, darunter Decken in der Form eines umgekehrten Eimers, eines Achtecks oder einer flachen Schachbrettdecke.[33]
In den gut erhaltenen Mogao-Grotten sind die Deckenfelder hĂ€ufig mit Malerei ausgefĂŒllt und verkörpern damit die kosmologische Idee der Himmelskuppel. Insgesamt zeichnen sich die chinesischen Höhlentempel durch zahlreichere Wand- und Deckenmalereien als ihre indischen Vorbilder aus. In den Höhlentempeln von Kizil und in Bamiyan fĂ€llt die Beliebtheit der âLaternendeckeâ auf, eines zentralen Deckenfeldes, das mit nach oben sich verkleinernden Quadraten ausgefĂŒllt ist.
Das Innere zentral- und ostasiatischer Höhlentempel ist meist vollstĂ€ndig mit aus Stein gemeiĂelten Figurengruppen, Reliefs und Ornamenten bedeckt. Aus dieser reichhaltigen GestaltenfĂŒlle heben sich gröĂere Konfigurationen in Nischen ab, insbesondere die in Yungang und Longmen dominierenden Kolossalstatuen des sitzenden Buddha als Weltenherrscher und seiner stehenden Begleitfiguren.[34]
Zahlreiche Höhlentempel-Komplexe in Zentral- und Ostasien sind erhalten, darunter drei chinesische StÀtten mit UNESCO-Welterbe-Status:[35]
Zu den insgesamt ĂŒber 250 buddhistischen und recht seltenen daoistischen Höhlentempel-Komplexen in ganz China zĂ€hlen auĂerdem:
| Provinz | Stadt | Höhlentempel | Entstehungszeit | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Provinz Gansu | 50 km sĂŒdwestlich von LĂĄnzhĆu | Binglingsi | seit 5. Jahrhundert n. Chr. | 183 Höhlen |
| Wuwei | Tiantishan-Grotten | 6. Jahrhundert n. Chr. | ||
| Guazhou (vormals Anxi) | Wanfoxia | seit dem 5. Jahrhundert n. Chr. | 42 Höhlen | |
| 45 km sĂŒdöstlich der Stadt Tianshui | Maijishan | ca. seit dem 5. Jahrhundert n. Chr. | 194 Höhlen | |
| Provinz Hebei | Handan | Xiangtangshan-Grotten | 6. Jahrhundert n. Chr. | |
| Provinz Henan | Gongyi | Gongxian-Grotten | seit 6. Jahrhundert n. Chr. | |
| Autonomes Gebiet Ningxia | Guyuan | Sumeru | ||
| Provinz Shaanxi | Binxian | Dafosi | 7. Jahrhundert n. Chr. | 107 Höhlen |
| Provinz Shandong | Qingzhou | Tuoshan-Grotten | 6./7. Jahrhundert n. Chr. | 5 Höhlen |
| Provinz Shanxi | Taiyuan | Tianlongshan-Grotten | 6. Jahrhundert n. Chr. | 25 Höhlen, ĂŒber 500 Skulpturen |
| Provinz Sichuan | Guangyuan | Huangze si | 6 Höhlen | |
| Autonomes Gebiet Tibet | Kreis Zanda | Donggar-Ruinen, Piyang-Grotten | 200 Höhlen, 1000 Höhlen | |
| Autonomes Gebiet Xinjiang | Turfan nahe der Taklamakan-WĂŒste | BĂ€zĂ€klik-Höhlen | 5.-9. Jahrhundert n. Chr. | 67 Höhlen |
| Kizil und Kuqa | Kizil-Grotten | 3.-8./9. Jahrhundert n. Chr. | 236 Höhlen erfasst (Kizil) | |
| Provinz Zhejiang | Hangzhou | Feilaifeng-Felsskulpturen (Lingyin-Tempel) | 10.-14. Jahrhundert n. Chr. | ĂŒber 470 Skulpturen in Kalkstein |
In weiteren Regionen Ostasiens existieren nur vereinzelt Höhlentempel, darunter in SĂŒdkorea (Seokguram bei Gyeongju, 8. Jahrhundert n. Chr., eine Höhle mit 37 Skulpturen, als UNESCO-Welterbe erfasst) und in Japan (Usuki auf der Insel Kyushu, 12. Jahrhundert n. Chr., Buddhastatuen in Tuffstein).[36] Auf Japanisch heiĂen die buddhistischen Höhlentempel sekkutsu jiin (çłçȘćŻșéą).[37]
Die Ausbreitung des Theravada-Buddhismus (Skt., à€žà„à€„à€”à€żà€°à€”à€Ÿà€Š, sthaviravÄda; Pali, theravÄda, Schule der Ăltesten) verlief von Nordost- und SĂŒdostindien aus nach SĂŒd- und SĂŒdostasien. Ein zweiter Ausdehnungsstrang verlief im Norden ĂŒber Myanmar. Beide StrĂ€nge trafen schlieĂlich auf den von Norden her sich ausbreitenden Mahayana-Buddhismus. Die HöhlenheiligtĂŒmer Sri Lankas sowie der LĂ€nder SĂŒdostasiens entwickelten sich weitgehend eigenstĂ€ndig und ĂŒbernahmen von ihren indischen Pendants vorwiegend die Stupas, Buddha-Statuen, verschwenderische Wandmalereien oder die atmosphĂ€rischen Beleuchtungseffekte.
WĂ€hrend unterirdische HeiligtĂŒmer etwa in Myanmar oder Indonesien dem indischen und chinesischen Typus entsprechend weiterhin auch als kĂŒnstliche Höhlen angelegt wurden, entstanden in SĂŒdostasien unter Verzicht auf kostspielige Felsbauarbeiten ĂŒberwiegend Tempelanlagen in oder bei natĂŒrlichen Höhlen. Diese Höhlentempel wurden mit zahlreichen Buddha-Statuen oder hinduistischen Gottheiten, weiteren Skulpturen und aufwĂ€ndigen WandgemĂ€lden ausgestattet. Vielfach ersetzten diese HeiligtĂŒmer Ă€ltere animistische Kult- und OpferstĂ€tten, die in vorbuddhistischer Zeit bestanden hatten (zum Beispiel Goa Gajah auf Bali oder Huyen Khong in Vietnam).
Diese Variante der HöhlenheiligtĂŒmer ist vereinzelt in anderen Regionen, vorrangig jedoch in SĂŒdostasien anzutreffen. Besondere Bedeutung kommt dem Höhlentempel Aluvihara bei Matale (Central Province von Sri Lanka, etwa seit dem 3. Jahrhundert v. Chr., 13 Höhlen mit Wandbildern und Buddhastatuen) zu, der im 1. Jahrhundert v. Chr. unter Schirmherrschaft von König VaáčáčagÄmaáčÄ« Abhaya den Schauplatz des 4. Buddhistischen Konzils der Theravada-Tradition bildete. WĂ€hrend des Konzils wurden die bis zu diesem Zeitpunkt ĂŒber Jahrhunderte hinweg ausschlieĂlich mĂŒndlich ĂŒberlieferten Lehrreden des Buddha erstmals in Gestalt des Pali-Kanons schriftlich niedergelegt.
Etliche der in natĂŒrlichen Höhlen angelegten HeiligtĂŒmer bilden heute stark frequentierte Pilger- und OpferstĂ€tten (zum Beispiel die Pak-Ou-Höhlen in Laos oder Pindaya in Myanmar, in denen traditionell Buddhastatuen als Opfergaben zurĂŒckgelassen werden), Orte historischer Erinnerung (Dambulla in Sri Lanka, ein einstiger Zufluchtsort von König VaáčáčagÄmaáčÄ« Abhaya), umfangreiche Lehr- und Meditationszentren (Wat Suwan Kuha und Pha Plong in Thailand oder Pindaya in Myanmar), Bestattungsorte (Pak-Ou-Höhlen in Laos), Kunst- und Museumsraum (Batu-Höhlen in Malaysia) oder imposante Aussichtspunkte mit Restaurantbetrieb (Sam Poh Tong und Kek Lok Tong in Malaysia).
Bedeutende Beispiele fĂŒr HeiligtĂŒmer in natĂŒrlichen Höhlen sind:
| Staat | Stadt (Provinz) | Höhlentempel | Entstehungszeit | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Indonesien | bei Padang Bai | Goa Lawah (Fledermaushöhle) | 11. Jahrhundert n. Chr. | hinduistisch, âmit Tausenden von FledermĂ€usen, die als heilig geltenâ[38] |
| auch Anlagen in kĂŒnstlichen Höhlen bei Ubud auf Bali | Goa Gajah (Elefantenhöhle) | 11. Jahrhundert n. Chr. | vermutlich ehemalige Klause shivaitischer Eremiten; buddhistische Höhlen zerstört | |
| Laos | bei Luang Prabang | Pak-Ou-Höhlen (Tham Ting) | 5.-7. Jahrhundert n. Chr. | zwei Höhlen, nur ĂŒber Mekong erreichbar |
| Malaysia | Selangor bei Kuala Lumpur | Batu-Höhlen | hinduistisch | |
| bei Gunung Rapat nahe Ipoh | der groĂe Sam Poh Tong sowie Kek Lok Tong | dort insgesamt 14 buddhistische und hinduistische Höhlentempel in Kalksteinfelsen | ||
| Myanmar | bei Hpa-an (Kayin-Staat) | Kawgun-Höhle | etwa 15. Jahrhundert n. Chr. | in Kalksteinfelsen |
| Pindaya (Shan-Staat) | Pindaya | mehr als 8.000 Buddha-Figuren | ||
| auch kĂŒnstliche Höhlen: bei Monywa (Sagaing-Division) | Po Win Daung (Po-Win-Berge) | 17. Jahrhundert n. Chr. | 947 Höhlen mit birmanischen Angaben zufolge 446.444 Buddha-Statuen | |
| Pyin U Lwin | Peik Kinn Myaing | hinduistisch-buddhistisch | ||
| Sri Lanka | Dambulla (Central Province) | Dambulla | seit 1. Jahrhundert v. Chr. | etwa 80 Höhlen, gröĂte Tempelanlage Sri Lankas (2.100 mÂČ), UNESCO-Welterbe[39] |
| Thailand | Provinz Phang Nga | Wat Suwan Kuha (Affenhöhle) | zwei Höhlen in Kalksteinfelsen | |
| Chiang Dao | Wat Tham (= Höhlentempel) Pha Plong | Meditationszentrum | ||
| bei Krabi | Wat Tham Sua (Tigerhöhle) | Meditationszentrum mit ĂŒber 260 Ordinierten | ||
| Vietnam | Gebirge Ngu Hanh Son (Marmorberge) bei ÄĂ Náș”ng | Huyen-Khong-Höhle | ehemals hinduistisch-buddhistisch[40] |
Die arabischen EroberungszĂŒge des 8. Jahrhunderts, Klosterzerstörungen und die Vertreibung von Mönchs- und Nonnengemeinschaften schrĂ€nkten den Ausbau indischer Höhlentempel drastisch ein. Zugleich waren die Ordensleute als Bettelmönche und -nonnen auf eine dauerhafte Versorgung durch LaienanhĂ€nger mit Kleidung, Nahrung und Medizin angewiesen. Vielfach waren LaienanhĂ€nger im Laufe der Zeit jedoch zum Hinduismus ĂŒbergetreten.[41] Von Ausnahmen wie Dhamnar in Madhya Pradesh und Kholvi in Rajasthan abgesehen nahm die aktive Nutzung buddhistischer Höhlentempel aufgrund nachlassender Förderung durch HerrscherhĂ€user und umliegende Gemeinden ab. Der allmĂ€hliche Niedergang des Buddhismus in Indien brachte den Kloster- und Tempelbau zum Erliegen. Von Zerstörung waren bestehende Anlagen im Zuge erneuter Invasionen zentralasiatischer MĂ€chte ab dem 12. Jahrhundert bedroht.
Die Nutzung von Meditationshöhlen blieb ĂŒber die Grenzen einzelner Lehrrichtungen hinweg ein lebendiger buddhistischer Traditionsbestand. Im spĂ€ten esoterischen Buddhismus (Vajrayana) belebte die tibetische KagyĂŒpa-Schule die Praxis des Einsiedelns neu. Der tantrische Meister Milarepa, der als einer der gröĂten Dichter Tibets gilt, zog sich im 11. Jahrhundert als asketischer Yogi fĂŒr mehrere Jahre meditierend in kĂŒhle Berghöhlen zurĂŒck und fand zahlreiche Nachahmer. Eine fĂŒr die KagyĂŒpa charakteristische Meditationsrichtung ist die Meditation der âInneren Hitzeâ (tib. gTum mo, Tummo), die die KörperwĂ€rme des Meditierenden steigert. Tummo soll Einsiedler wie Milarepa in den Berghöhlen des tibetischen Schneelands, dessen mittlere Höhe bei 4.500 Metern liegt, vor extremer KĂ€lte geschĂŒtzt haben.[42]
Auch die ĂŒber lange Zeit prĂ€gende, hoch entwickelte indische Tradition der Felsarchitektur lebte auĂerhalb Indiens fort. Einen Schwerpunkt der Entwicklung und des Ausbaus von Höhlentempeln in der Neuzeit bildeten SĂŒdasien (ohne Indien) und SĂŒdostasien. Dies belegen zahlreiche groĂe Felsen- und Höhlentempel in Sri Lanka (Degaldoruwa Vihraya, Kandy, 17. Jahrhundert n. Chr. und eine Ausdehnung der Dambulla-Höhlentempel im 18. Jahrhundert n. Chr. auf drei weitere Höhlen), im heutigen Myanmar (Po Win Daung, Tilawkaguru) und in Thailand (Khao Luang bei Phetchaburi), die erst im 17. und 18. Jahrhundert entstanden oder deutlich erweitert wurden.
In der Neuzeit wurden einige der bedeutendsten HöhlenheiligtĂŒmer, deren Existenz in Vergessenheit geraten war, wiederentdeckt. Verborgene WandgemĂ€lde, Steinreliefs, Stupas, Statuen und teilweise wertvolle Textdokumente rĂŒckten durch die spektakulĂ€re Entdeckung einzelner StĂ€tten wie Ajanta in Maharashtra durch einen britischen Offizier im Jahr 1819 und die Mogao-Grotten bei Dun Huang in China durch einen daoistischen Mönch im Jahre 1900 sowie erneut durch den britischen ArchĂ€ologen Aurel Stein 1907 ins öffentliche Bewusstsein. Goa Gajah auf Bali wurde 1923 durch einen niederlĂ€ndischen Beamten und Binglingsi in der chinesischen Provinz Gansu im Jahr 1953 wiederentdeckt. Kunstraub und PlĂŒnderung durch auslĂ€ndische Expeditionen waren hĂ€ufig die unmittelbare Folge.
In wechselnder Form sind Höhlentempel auch in der Neuzeit Bestandteil buddhistischer und hinduistischer Traditionspflege. Im Aluvihara-Tempel auf Sri Lanka wird jÀhrlich mit dem Aluvihara Sangayana Perahara des Vierten Buddhistischen Konzils der Theravada-Tradition gedacht, bei dem die Lehrreden Buddhas vor Ort erstmals schriftlich fixiert worden waren. AnlÀsslich des Sechsten Buddhistischen Konzils (Theravada-Tradition) entstand Mitte des 20. Jahrhunderts in der Hauptstadt von Myanmar eine Nachbildung der Sattapanni-Höhle, in der unmittelbar nach dem Tod des Buddha das Erste Konzil stattgefunden hatte. Die monumentale Maha Pasana Guha bot wÀhrend des Sechsten Konzils zwischen 1954 und 1956 in Rangun insgesamt 2.500 buddhistischen Mönchen und 7.500 Laien Platz.
Neben einer spirituellen Nutzung kam es in Kriegs- und Krisenzeiten zur politischen oder militĂ€rischen Zweckentfremdung einzelner Höhlentempel. In der indonesischen Goa Lawah-Höhle wurde 1904 eine politische Konferenz zur Verteidigung gegen die anrĂŒckenden NiederlĂ€nder abgehalten. Die Huyen-Khong-Höhle in Vietnam diente einheimischen KĂ€mpfern wĂ€hrend des Vietnamkriegs als Lazarett und Unterstand, wie an zahlreichen SchĂ€den an den HöhlenwĂ€nden erkennbar geblieben ist. Einer Plakette zufolge schoss eine Fraueneinheit der Vietcong von hier aus 19 amerikanische Kampfflugzeuge ab.
Im 19. und 20. Jahrhundert sind neue Höhlentempel insbesondere in Malaysia fertiggestellt worden. Als Initiatoren solcher Sakralbauten traten in Malaysia eingewanderte Mahayana-Buddhisten und Daoisten aus China hervor. Der reich ausgestattete Perak Tong-Tempel[43] in der ĂŒberwiegend von ethnischen Chinesen bewohnten malaiischen GroĂstadt Ipoh (1926) wurde ebenso wie der Höhlentempel Ling Xian Yan bei Gunung Rapat nahe Ipoh (seit 1967) von buddhistischen Einwanderern aus China gestiftet und gestaltet. Der Bau des daoistischen Chin-Swee-Höhlentempels auf der malaiischen Genting-Hochebene wurde zwischen 1976 und 1993 von einem chinesischen GeschĂ€ftsmann finanziert. Eine Welle der Islamisierung, die Malaysia in den 1970er Jahren durchlief, tat dieser vorwiegend von wohlhabenden Zuwanderern getragenen BautĂ€tigkeit keinen Abbruch.
Einzelne Anlagen wurden ĂŒber Jahrzehnte hinweg weiter ausgestaltet. Die erste der umfangreichen hinduistischen Batu-Höhlen nahe der malaiischen Hauptstadt Kuala Lumpur wurde 1891 zum Tempel geweiht. Im Jahr 1920 wurde eine aufwĂ€ndige Holztreppe ergĂ€nzt. Eine 42,7 Meter hohe Statue des Hindu-Gottes Murugan wurde 2006 nach dreijĂ€hriger Bauzeit vollendet und bildet seitdem im Februar jeden Jahres das Zentrum des tamilischen Thaipusam-Festes. Dieses âekstatischste BuĂ- und Dankfestâ[44] der Hindus erinnert an den mythischen Sieg Murugans, des Sohns der Hindu-Gottheiten Shiva und Parvati, ĂŒber drei DĂ€monen.
WĂ€hrend die asiatischen Höhlentempel in ihren indischen AnfĂ€ngen vorwiegend einsame RĂŒckzugsorte fĂŒr weltabgewandte Asketen und buddhistische Bettelmönche darstellten, stehen sie in Malaysia mehrere Jahrtausende spĂ€ter wĂ€hrend Thaipusam im Mittelpunkt eines der schillerndsten spirituellen Ereignisse der Neuzeit. Das abgeschiedene und kontemplative Leben der Mönche und Nonnen in unwegsamen Gegenden ist einer populĂ€ren rauschhaften Massenprozession und ihren trancehaften GeiĂelungsriten gewichen.
AuĂerhalb Asiens
SĂŒdasien
Zentral-, Ost- und SĂŒdostasien
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Dieser Artikel wurde am 18. September 2007 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |