Suche im Lexikon
Lexikon auf Ihrer Homepage Lexikon als Lesezeichen hinzufügen

Hadayatullah HĂŒbsch

Hadayatullah HĂŒbsch (* 8. Januar 1946 in Chemnitz als Paul-Gerhard HĂŒbsch; † 4. Januar 2011 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Schriftsteller, Publizist, Aktivist der 68er-Bewegung und langjĂ€hriger Pressesprecher der Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Bundesrepublik Deutschland e.V. Er war in der Nuur-Moschee in Frankfurt Imam Dschuma (Leiter der Freitagspredigt).

Inhaltsverzeichnis

Leben und Arbeit

Paul-Gerhard HĂŒbsch besuchte in Laubach (Oberhessen) die Paul Gerhardt-Schule,[1] aus der spĂ€ter das Laubach-Kolleg hervorging. Er verweigerte den Kriegsdienst, war wĂ€hrend der Studentenunruhen der APO in der linken Szene aktiv, unter anderem der Kommune 1. Es folgten zahlreiche Drogenerfahrungen, vor allem mit LSD, die Eröffnung eines alternativen Buchladens in Frankfurt, Reisen nach Marokko, Psychiatrie-Aufenthalte. 1969 trat der Schriftsteller HĂŒbsch in die Glaubensgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat ein und nannte sich fortan Hadayatullah (‏ÚŸŰŻŰ§ÛŒÛƒ ï·Č‎, ‚der von Allah geleitete‘). Er war Imam Dschuma in der Nuur-Moschee in Frankfurt-Sachsenhausen, wo er die Freitagspredigt auf Deutsch hielt.

Noch 2008 beklagte er Flashbacks und Wahrnehmungsstörungen als Folge seines fast vierzig Jahre zurĂŒckliegenden Drogenkonsums.[2]

Von ihm erschienen noch unter dem Namen Paul Gerhardt HĂŒbsch um 1970 mehrere GedichtbĂ€nde bei Luchterhand und im Maro Verlag, dann AufsĂ€tze in diversen Tageszeitungen, wie Die Welt, taz und SĂŒddeutsche Zeitung sowie der alternativen Literaturzeitschrift Ulcus Molle Info und Der Metzger. Acht Jahre war HĂŒbsch fĂŒr die Frankfurter Allgemeine Zeitung tĂ€tig sowie Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre als Reporter und Feature-Autor fĂŒr den Jugendfunk des hr; auch war er Gastautor und Interviewpartner der Jungen Freiheit,[3] der Jungen Nationaldemokraten[4] und der Deutschen Stimme.[5] GegenĂŒber der taz erklĂ€rte HĂŒbsch in einem Interview, „er sei vor einigen Jahren ‚blauĂ€ugig in die Geschichte‘ mit der Jungen Freiheit gegangen.“[6] Von 1991 bis 1998 war HĂŒbsch Vorsitzender des „Verbandes deutscher Schriftsteller“ in Hessen.[7]

Er schrieb mehrere Hörspiele und veröffentlichte ĂŒber 100 BĂŒcher, GedichtbĂ€nde sowie SachbĂŒcher, darunter etliche ĂŒber den Islam: Der Weg Mohammeds, Frauen im Islam, Prophezeiungen des Islam, Fanatische Krieger im Namen Allahs. Er ĂŒbersetzte zahlreiche BĂŒcher aus dem Englischen ins Deutsche, darunter Jesus in Indien oder das islamische Standardwerk Muslimische Heilige und Mystiker (Tadhrik-ul-Aulia). Seit 1990 leitete er den „Verlag Der Islam“. Seine Lebenserinnerungen erschienen 1991 unter dem Titel Keine Zeit fĂŒr Trips. 1998 veröffentlichte er eine Zusammenfassung seines Lebens unter dem Titel Alles war Geheimnis in der Anthologie Bye-bye ’68 von Claus Wolfschlag, die im rechten Leopold Stocker Verlag erschienen ist. Er arbeitete zuletzt an seinem Buch „Der Muslimische Witz“.[8]

Seine religiösen Schriften sind von einer islamischen Haltung geprÀgt, die auf den Lehren der Ahmadiyya basiert.

HĂŒbsch war zweimal verheiratet und hatte acht Kinder.

HĂŒbsch starb am Morgen des 4. Januar 2011.[9]

Werke

BĂŒcher (Auswahl)

  • Mach, was du willst; Verlag Luchterhand, Berlin, 1969.
  • Ausgeflippt; Verlag Luchterhand, Berlin, 1971.
  • Der Weg Mohammeds. Islam – Religion der Zukunft? Reinbek bei Hamburg, 1989; ISBN 978-3-499-18475-8
  • Keine Zeit fĂŒr Trips. Autobiographischer Bericht; Koren & Debes / Verlag Der Islam, Frankfurt am Main 1991; ISBN 391007801x
  • Jazz hat keine Worte. Über Jazz und Lyrik; 1991; ISBN 978-3-923588-26-8
  • Stop Mond 18; Pendragon Verlag, Bielefeld 1992; ISBN 978-3-923306-56-5
  • Ein Ort des Friedens; Verlag Der Islam, Frankfurt 1992; ISBN 978-3-921458-77-8
  • Muslima. Zur Position der Frauen im Islam; Verlag Der Islam, Frankfurt/Main 1992; ISBN 978-3-921458-78-5
  • Prophezeiungen des Islam; Droemer Knaur, 1993; ISBN 978-3-426-86022-9
  • PENG. Langer Brief eines 68ers an seine Tochter; Betzel Verlag, Nienburg 1993; ISBN 978-3-929017-16-8
  • Zur Stadt der glĂŒcklichen TrĂ€nen (Herausgeber); Verlag Der Islam, Frankfurt/Main 1994; ISBN 978-3-921458-93-8
  • Die Kosmologie des Islam; Clemens Zerling, Berlin 1995; ISBN 978-3-88468-061-2
  • Mein Weg zum Islam; Verlag Der Islam, Frankfurt/Main 1996; o. ISBN
  • Frauen im Islam. 55 Fragen und Antworten; Betzel Verlag, Nienburg 1997; ISBN 978-3-929017-77-9
  • Islam 99. Fragen und Antworten zum Islam; Betzel Verlag, Nienburg 1998; ISBN 978-3-929017-23-6
  • Alles war Geheimnis. Vom LSD zum Islam; in: Claus-M. Wolfschlag (Hrsg.): Bye-bye ’68. Renegaten der Linke, APO-Abweichler und allerlei Querdenker berichten; Graz, Stuttgart 1998
  • little mags. UnabhĂ€ngige Literaturzeitschriften; Berlin 2001; ISBN 978-3-932909-80-1
  • Fanatische Krieger im Namen Allahs. Die Wurzeln des islamistischen Terrors; Hugendubel/Diederichs, MĂŒnchen 2001; ISBN 978-3-7205-2296-0
  • Muslimische Heilige und Mystiker (Übersetzer); Hugendubel/Diederichs, MĂŒnchen 2002; ISBN 978-3-7205-2342-4
  • Macht den Weg frei. Gedichte; Horlemann Verlag, 2002; ISBN 978-3-89502-076-6
  • Paradies und Hölle. Jenseitsvorstellungen im Islam; Patmos, 2003; ISBN 978-3-491-72471-6
  • Die ersten Hundert. BĂŒcher von Hadayatullah HĂŒbsch aus ĂŒber 30 Jahren Subkultur in Deutschland; Ariel-Verlag, 2003; ISBN 978-3-930148-24-0
  • Vorkriegsgedichte, mit einer Zeichnung von Frank Wildenhahn; Corvinus Presse, Berlin 2003; ISBN 978-3-910172-84-5. Desgleichen ist eine Vorzugsausgabe mit einer Kaltnadelradierung von Frank Wildenhahn erschienen. Druck der Radierung: Dieter Bela, Berlin.
  • Mein erstes Buch der Tiere: Islam fĂŒr Kinder (zusammen mit Fareed Ahmad); Verlag Der Islam, Frankfurt 2007; ISBN 978-3-932244-26-1
  • Peace Train: Von Cat Stevens zu Yusuf Islam; Palmyra Verlag, Heidelberg 2009; ISBN 978-3-930378-76-0
  • Marock'n'Roll (Beat-Gedichte); gONZoverlag, Mainz 2010; ISBN 978-3-9812237-5-0
  • Monolith (Pop-Gedichte, letzte Buchveröffentlichung zu Lebzeiten); Edition Schwarzdruck, Berlin November 2010; ISBN 978-3-935194-34-1

AufsÀtze

Hörspiel/Hörbuch

  • Konferenz der Vögel; Hörspiel nach einem Versepos von Farid-ad-din Attar, Cassette; Cotta's HörbĂŒhne, Verlag Ernst Klett Stuttgart 1995; ISBN 978-3-12-7613-20-9
  • Terror und Paradies. Gedichte zum Krieg, Audio CD; edition Galerie Vevais, 2002; ISBN 978-3-936165-23-4
  • Ausgeflippt, SaarlĂ€ndischer Rundfunk, Erstsendung 1972
  • LĂ€chelnd wie ein Haupt voll Wunden, SaarlĂ€ndischer Rundfunk, Erstsendung 14. April 1973
  • Stirb, bevor Du stirbst, SaarlĂ€ndischer Rundfunk, Erstsendung 30. November 1975
  • Der Tag, als Elvis Presley lebenslĂ€nglich werden sollte, Hessischer Rundfunk, Erstsendung 16. Januar 1976
  • Stadtplan, Bayerischer Rundfunk, Erstsendung 4. Juli 1977
  • Konferenz der Vögel, SĂŒdwestfunk, Erstsendung 23. Dezember 1979
  • Was wahr war und was wirr war, Sender Freies Berlin, Erstsendung 20. Mai 1980
  • Unterwegs zu sich selbst - Die Reise nach innen, Hessischer Rundfunk, Erstsendung 14. Dezember 1980

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ http://www.im-quartier.de/Singalumnat/10JahrePGS.pdf
  2. ↑ „Fast vierzig Jahre nach seinem letzten Trip werde er immer noch von Halluzinationen heimgesucht, erlebe Bildwanderungen oder akustische PhĂ€nomene, die tatsĂ€chlich auf keine erklĂ€rbaren Quellen wie eine Radiosendung zurĂŒckzufĂŒhren seien.“ In: Portrait Hadayattullah HĂŒbsch: Probier dich aus!, TAZ vom 18. Januar 2008
  3. ↑ GotteslĂ€sterung – „In der linken Berliner tageszeitung ist die Hölle los“, Kommentar zur taz Satire „Mullahs immer klĂŒger“, Artikel der Jungen Freiheit, 12/01, 16. MĂ€rz 2001
    Neubau von Moscheen einschrĂ€nken?, Pro & Contra, Helmut Sporer/Hadayatullah HĂŒbsch, Artikel der Jungen Freiheit, 24/03, 6. Juni 2003
  4. ↑ „Deutschland ist eine Art König der Herzen“, Interview in der Zeitschrift „Hier & Jetzt“ der Jungen Nationaldemokraten, Nummer 3, Juni/Juli 2006
  5. ↑ Geistige Visionen gegen den US-Kulturimperialismus, Der Publizist Hadayatullah HĂŒbsch ĂŒber die AnschlĂ€ge vom 11. September 2001, die Rolle der USA und den Islam, Deutsche Stimme, MĂ€rz 2003
  6. ↑ HĂŒbsch warb „um VerstĂ€ndnis fĂŒr den Neubau von Moscheen und der [sic!] Integration aus anderen Kulturen Zugewanderter [
] eben auch im GesprĂ€ch mit rechtsextremistischen Medien.“ Portrait Hadaytullah HĂŒbsch, taz vom 18. Januar 2008
  7. ↑ http://www.verdi.de/medien-kunst-industrie.hessen/literatur_-_vs/der-vs-hessen-trauert-um-hadayatullah-hubsch
  8. ↑ Kulturnetz Frankfurt e.V.
  9. ↑ Pressemitteilung AMJ; Meldung vom 4. Januar 2011. - Frankfurter Neue Presse, 5. Januar 2011
Impressum AGB Datenschutz KundenserviceMediadatenfreenet AGJobsSitemap
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.