|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| (dt: Hadersleben) | ||||
| ||||
| Basisdaten | ||||
|---|---|---|---|---|
| Staat: | DĂ€nemark | |||
| Verwaltungsbezirk: | Syddanmark | |||
| Kommune (seit 2007): | Haderslev | |||
| Koordinaten: | 55° 15âČ N, 9° 29âČ O55.25388888899.48888888889Koordinaten: 55° 15âČ N, 9° 29âČ O | |||
| Einwohner: (2011[1]) | 21.213 | |||
| Postleitzahl: | 6100 | |||
| PartnerstÀdte: | | |||
| Website: | www.haderslev.dk | |||
![]() Haderslevs Domkirche | ||||
Haderslev [ËhaËÊðÉÊsleuÌŻ] (deutsch Hadersleben) ist eine Stadt in der Region Syddanmark in DĂ€nemark an der Haderslebener Förde. Sie zĂ€hlt 21.213 Einwohner (Stand 1. Januar 2011[1]). Haderslev hat einen Hafen und besitzt eine reizvolle Innenstadt mit Dom und dem heimatkundlichen Haderslev Museum. Die Stadt ist Standort fĂŒr Maschinen-, Textil- und Nahrungsmittelindustrien.
Haderslev war seit seiner GrĂŒndung im Hochmittelalter Teil des Herzogtum Schleswig, gehörte nach dessen vollstĂ€ndiger Loslösung vom dĂ€nischen Gesamtstaat von 1867 bis 1920 zu PreuĂen und somit von 1871 bis 1920 zum Deutschen Reich. Noch heute lebt eine deutsche Minderheit (deutsche Nordschleswiger) in der Stadt.
Inhaltsverzeichnis |
Auf dem Gebiet der heutigen Stadt gab es schon frĂŒh Siedlungen. Ein erster Hafenplatz ist etwas weiter östlich nahe der Kirche zu Starup, der Ă€ltesten Kirche der Region, nachweisbar. Westlich der spĂ€teren Rechtstadt entstand ein weiterer Siedlungskern mit der heute ebenfalls erhaltenen Kirche St. Severin. Die eigentliche Handelsstadt entwickelte sich am Ende der Haderslebener Förde. Dort entstand auch eine landesherrliche Burg. Haderslev wurde vor 1200 das erste Mal erwĂ€hnt. Saxo erzĂ€hlt in der Sage von einem König Hather, nach dem die Stadt benannt sei. In Hadersleben oder Hathörsleff = Erben des Hather, wie die Ă€lteste Namensform lautete, erbauten die Dominikanermönche 1228 ein Kloster. 1241 erhielt Haderslev die Marktgerechtigkeit. Im Krieg zwischen König Erich IV., von DĂ€nemark und Herzog Abel von Schleswig wurde der Ort niedergebrannt. 1292 erhielt Haderslev, wieder aufgebaut, von Herzog Waldemar IV. das schleswigsches Stadtrecht. Burgbezirk und die Siedlung Alt-Haderslev mit der St. Severins-Kirche blieben jedoch auĂenvor und gehörten zum Amt Haderslev. Die Verleihung des Stadtrechtes war ein Beweis fĂŒr die Zunahme des Ansehens des Ortes. Die Stadt wurde befestigt und hatte drei Stadttore. Weiteren Schutz der auf einer Anhöhe errichteten Stadt bot die Aufstauung des MĂŒhlenstroms, wodurch westlich der Stadt der Haderslebener Damm entstand. Der Stausee zĂ€hlt noch heute zu den gröĂten GewĂ€ssern in Nordschleswig. Die Altstadt liegt seither auf einer Halbinsel, und die BrĂŒcke ĂŒber den MĂŒhlenstrom ziert noch heute das Stadtwappen.
Im Mittelalter zĂ€hlte die Stadt zu den wohlhabendsten der Region. Die Marienkirche ist nach dem Schleswiger Dom die zweitgröĂte auf dem Gebiet des alten Herzogtums Schleswig. Als Sitz eines Kollegiatkapitels hatte sie eine hervorragende Stellung, und es gab Bestrebungen, die nordöstliche Propstei des Bistums zu einer eigenen Diözese zu erheben.
1351 lag hier der Graf Nikolaus von Holstein mit seinen Truppen zu Felde, als er das Schloss Törning belagerte. Die Landesteilungen der HerzogtĂŒmer Schleswig und Holstein, die seit 1460 mit DĂ€nemark unter einem Landesherrn verbunden waren, berĂŒhrten die Entwicklung der Stadt nachhaltig. Die galt namentlich fĂŒr die Teilungen von 1523 und 1544. 1523 ĂŒbergab König Friedrich I. seinem Sohn Christian (III.) die Ămter Törning und Haderslev mit der Stadt zur Herrschaft. Christian ĂŒbernahm bald die Lehren Luthers, wodurch die Stadt zum geistigen Zentrum und Ausgangspunkt der Reformation im Norden wurde.
Nachdem Christian III. König und Herzog geworden war, musste er seine jĂŒngeren BrĂŒder abfinden. Dadurch kam es 1544 zu einer weiteren Landesteilung, deren Folgen nachhaltiger sein sollten als die Konsequenzen von 1490 und 1523. Haderslev wurde Residenzstadt von Herzog Johann dem Ălteren, der nun u.a. ĂŒber die nordwestlichen Teile des Herzogtums Schleswig, die Insel Fehmarn und Teile Holsteins um die Stadt Rendsburg gebot. Der Herzog ersetzte die alte Burg durch das prĂ€chtige Schloss Hansburg etwas weiter östlich und setzte sich sehr fĂŒr die Rechtsprechung in seinem Landesteil ein. In der Nachfolge des eingegangenen Klosters grĂŒndete er am SĂŒdrand der Stadt ein Hospital, das bis heute seinen Namen trĂ€gt.
Als Herzog Hans 1580 kinderlos verstarb, erlosch das Herzogtum Schleswig-Holstein-Hadersleben wieder und wurde unter den beiden anderen Linien der Landesherrschaft aufgeteilt. Haderslev blieb von nun an beim königlichen Landesteil. 1627 wurden die Bewohner von einer Feuersbrunst heimgesucht. Die Kriege des 17. Jahrhunderts verschonten die Stadt nicht. Auch Schloss Hansburg wurde zerstört, als der schwedische General Wrangel das Schloss belagerte und eroberte. Dabei geriet es in Brand und wurde durch die Explosion des in den Gewölbe lagernden Pulvers in die Luft gesprengt. Es wurde nicht wieder aufgebaut. Die Reste zum gröĂten Teil zur Ausbesserung des Koldinger Schlosses verwendet. Der Kanal, der Schloss und Stadt trennte, verschwand und war schon 1729 ganz ausgefĂŒllt. Da das Manövrieren fĂŒr gröĂere Schiffe auf der schmalen Förde schwierig war, bĂŒĂte die Stadt einen Teil ihrer Bedeutung als Handelsstadt ein, blieb jedoch unbestritten das Zentrum fĂŒr den Norden des Herzogtums Schleswig. Eine ungeliebte Konkurrenz wurde das 1771 nur 13 km nördlich der Stadt gegrĂŒndete Christiansfeld. Die Herrnhuter BrĂŒdergemeine genoss weitgehende Handels- und Gewerbefreiheiten.
Im 19. Jahrhundert geriet die Stadt, die 1834 den Schlossgrund eingemeindete, in den Sog des deutsch-dĂ€nischen Konflikts, der sehr schnell die Frage nach politischer Liberalisierung und Demokratisierung ĂŒberlagerte. Ein Teil des BĂŒrgertums votierte fĂŒr die deutsch-schleswig-holsteinische Seite, wĂ€hrend andere sich wie der ĂŒberwiegende Teil des Umlandes der dĂ€nischen Seite anschlossen. Anders als die Nachbarn in Tondern und Apenrade schloss sich die Stadtverwaltung nicht umgehend den Schleswig-Holsteinern an, als diese 1848 wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs um das Herzogtum Schleswig zunĂ€chst die Oberhand hatten. Nach Kriegsende 1850 wurden die frĂŒheren VerhĂ€ltnisse wiederhergestellt, und in der Stadt galten Deutsch und DĂ€nisch gleichberechtigt als Amtssprachen, wobei der Schulunterricht bevorzugt auf DĂ€nisch ablaufen sollte.
Der deutsch-dĂ€nische Konflikt war jedoch nicht beigelegt, und flammte 1863 wieder auf, als die dĂ€nische Regierung eine Verfassung nur fĂŒr das Königreich und Schleswig einfĂŒhren wollte. Dies nahm der Deutsche Bund unter preuĂischer FederfĂŒhrung zum Anlass, gegen den Gesamtstaat vorzugehen. Zum einen argumentierte man damit, dass das zum Bund gehörende Holstein nicht ohne Verfassung (diese war von der holsteinische StĂ€ndeversammlung 1858 ausgesetzt worden) bleiben konnte und man gegen die 1852 erfolgte internationale Ăbereinkunft verstieĂ, wonach Schleswig nicht nĂ€her an DĂ€nemark geknĂŒpft werden durfte als Holstein. Der Deutsch-DĂ€nische Krieg endete 1864 mit der totalen Niederlage der DĂ€nen, worauf die HerzogtĂŒmer abgetreten werden mussten.
Hadersleben war von nun an ein Teil des Königreichs PreuĂen. Die neue Grenze, die nur 15 Kilometer nördlich verlief, erschwerte die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Dennoch nahm sie einen gewissen industriellen Aufschwung. 1867 wurde ein Amtsgericht eingerichtet. Die Garnisonsstadt wurde zudem zu einem beliebten Alterssitz, wovon noch heute zahlreiche schöne Villen kĂŒnden. 1910 wurden die westliche Vorstadt Alt-Hadersleben und die sĂŒdliche Vorstadt SĂŒderotting eingemeindet. Ein Nachteil war, dass man 1864 die Haupteisenbahn von Hamburg nach Fredericia an der Stadt vorbei gebaut hatte. Seit 1868 war sie nur mit einer Stichbahn von Vojens mit dieser verbunden. SpĂ€ter entstanden zahlreiche Kleinbahnen.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kam die Stadt zur I. Zone fĂŒr die deutsch/dĂ€nischen Volksabstimmung ĂŒber die kĂŒnftige staatliche Zugehörigkeit Schleswigs. Am 10. Februar 1920 stimmten rund 60% der Einwohner fĂŒr DĂ€nemark, und da in Nordschleswig en bloc mit einem Ergebnis von insgesamt 75% pro DĂ€nemark abgestimmt wurde, gehört die Stadt seit dem 15. Juni 1920 zum Königreich DĂ€nemark. Der nationale Konflikt war damit jedoch nicht bewĂ€ltigt, und weite Teile der deutschen Minderheit fanden sich nicht mit der neuen Staatsgrenze ab. Kurz nach der Vereinigung mit DĂ€nemark wurde die Stadt Bischofssitz.
Als am 9. April 1940 deutsche Truppen DĂ€nemark besetzten, kam es in Haderslev kurzzeitig zu Kampfhandlungen, bei denen einige dĂ€nische Soldaten ums Leben kamen. Die Grenze wurde jedoch nicht verschoben. 1943 erklĂ€rte der in Opposition zur MinderheitenfĂŒhrung stehende "Haderslebener Kreis" in der Haderslebener ErklĂ€rung seine LoyalitĂ€t gegenĂŒber dem dĂ€nischen Staat. Mit dem Kriegsende verschob sich die Grenzfrage eine Zeitlang nach SĂŒden. Die Bonn-Kopenhagener ErklĂ€rungen beendeten 1955 jedoch den deutsch-dĂ€nischen Konflikt. Heute gibt es in der Stadt eine deutsche Schule, einen deutschen Kindergarten und mehrere deutsche Vereine.
Die gröĂte Tragödie in der jĂŒngeren Geschichte der Stadt geschah 1959, als das Ausflugsschiff Turisten auf dem Haderslebener Damm in Brand geriet. 57 Menschen starben in den Flammen oder ertranken.
Wirtschaftlich nahm die Stadt weiter Aufschwung und dehnte sich immer weiter aus. Neue Industriegebiete entstanden im Nordwesten und im SĂŒden der Stadt.
1970 wurde die Stadt mit den Gemeinden Moltrup, VonsbĂŠk, Ă strup, Ăsby, Halk, Grarup, Starup, Vilstrup und Hoptrup und den Resten von Gammel Haderslev zur neuen Kommune Haderslev zusammengelegt. 2007 folgen die Kommunen Gram und Vojens sowie die Kirchspiele Bevtoft, Hjerndrup, Bjerning und Fjelstrup. Die Einwohnerzahl der neuen GroĂkommune Haderslev betrĂ€gt damit 56.117 (Stand 1. Januar 2011).[1]
Die Nord-SĂŒd-Autobahn E 45 fĂŒhrt seit 1978 etwa acht Kilometer westlich an der Stadt vorbei und ist ĂŒber drei Anschlussstellen zu erreichen. Die frĂŒhere A 10 fĂŒhrt unter Umgehung der Altstadt als LandesstraĂe 170 ebenfalls in Nord-SĂŒd-Richtung durch die Stadt. Hadersleben hat eine Schnellbusverbindung mit SĂžnderborg und Vejle und stĂŒndliche Ăberlandverbindungen nach Nord und SĂŒd, wĂ€hrend die Ost-West-Verbindungen dĂŒnner sind.
Um kostspielige Kunstbauten im hĂŒgeligen Terrain zu vermeiden, wurde die Haupteisenbahn von Hamburg ĂŒber Flensburg nach Fredericia 12 km westlich an der Stadt vorbei gebaut. Die schon 1868 eröffnete Stichbahn von Vojens nach Haderslev dient seit 1974 nur noch als Museumsbahn, so dass der Bahnhof der Stadt Haderslev in Vojens liegt. Die zahlreichen Schmalspurstrecken der Haderslebener Kreisbahn wurden bereits in der zweiten HĂ€lfte der 1930er Jahre eingestellt, zuletzt 1939 die Verbindung nach Toftlund.