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Halbton bezeichnet das kleinste Intervall des heute verbreiteten 12-stufigen Tonsystems.
In Ausnahmefällen wird der Begriff auch zur Bezeichnung einzelner Töne verwendet.
Inhaltsverzeichnis |
Die Intervallbezeichnung Halbton ersetzt in griffiger Kurzform die vollständigeren Bezeichnungen "Halbtonschritt" oder "Halbtonabstand".
Die Musiktheorie unterscheidet zwischen dem diatonischen Halbton (kleine Sekunde, z.B. g-as) und dem chromatischen Halbton (übermäßige Prim, z.B. as-a), die zusammen einen Ganzton ergeben. Selten findet der enharmonische Halbton (doppelt verminderte Terz, z.B. fis-asas) Erwähnung.
Je nach Zusammenhang sind die einzelnen Halbtöne schwach hörbar verschieden.
Im heute verbreiteten gleichstufig temperierten Tonsystem entspricht der Halbton einem Zwölftel der Oktave. Diese Bedeutung wurde bereits von Aristoxenos vorweggenommen, indem er die Oktave in sechs gleiche Ganztöne teilte und den Halbton als die Hälfte eines Ganztons definierte.
Die rechnerisch exakte Zwölftelung der Oktave ergibt für den temperierten Halbton ein Frequenzverhältnis (Proportion) von <math>\sqrt[12]{2} \widehat {=} \text{100}</math> Cent, da dieser Wert zwölfmal mit sich selbst multipliziert das Frequenzverhältnis einer Oktave (2/1) ergibt.
In pythagoreischen Tonsystemen tritt aufgrund der reinen Quinten (Proportion 3/2) kein (aus dem unteren Bereich der Obertonreihe stammemder) "natürlicher" Halbton (16/15) auf, sondern das Intervall mit der Proportion <math>\frac{256}{243}\widehat{\approx}\ \text{90} </math> Cent[1], das bei Philolaos „Diesis“, bei Euklid „Leimma“, seit der Spätantike auch als Halbton bezeichnet wurde.
Ohne praktische Verwendung wurde auch als Halbton die Apotome (<math>\frac{2187}{2048}\widehat{\approx}\ \text{114} </math> Cent) bezeichnet: die Differenz zwischen Ganzton (9/8) und Leimma (256/243). Die Tonbuchstaben und die Notenschrift unterscheiden diese Intervalle klar: Das Leimma ist eine kleine Sekunde c-h, die Apotome ein chromatischer Schritt, nämlich die übermäßige Prime cis-c.
Den Unterschied hebt erst die gleichstufige Stimmung auf, da sie das pythagoreische Komma (=Apotome-Leimma) zum Verschwinden bringt und dadurch eine enharmonische Verwechslung ermöglicht.
Die Einbeziehung der reinen großen Terz mit der Proportion 5/4 in der seit der Renaissance aufkommenden reinen Stimmung änderte die Größenordnung der Halbtöne. Der diatonische Halbton, der große Halbton mit der Proportion <math>\frac{16}{15} \widehat{\approx}\ \text {112 Cent} </math> kann nun dem unteren Bereich der Obertonreihe zugeordnet werden.
Wegen der Existenz von zwei Ganztönen gibt es auch zwei chromatische Halbtöne, die kleinen Halbtöne mit den Proportionen <math>\frac{135}{128} \widehat{\approx}\ \text {92 Cent} </math> und <math>\frac{25}{24} \widehat{\approx}\ \text {71 Cent} </math>.
Beispiel:
Noch heute gilt bei Intonationen von A-cappella-Chören die folgende Faustregel (Regel des Weißenburger Kantors Maternus Beringer, 1610).[2]
Wie man der Frequenztabelle und der Grifftabelle von Peter Prelleur entnehmen kann sind die "Kreuznoten" CIS, DIS u.s.w. tiefer als die "B-Noten" DES, ES u.s.w.
Diese "harmonische Intonation" steht im Gegensatz zur "expressiven Intonation", bei der die Leittöne (Cis Leiton zu D, DIs zu E, Des zu C, Es zu D und so weiter) enger gespielt werden.
Musikbeispiel: Passus duriusculus. Akkorde hier nach W.A. Mozart "Misericordias Domini" d-Moll (KV 205 a).
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Die Halbtonschritte
im Bass betragen in der reinen Stimmung |
c → h: 112 Cent h → b 92 Cent b → a 112 Cent a → as 71 Cent as → g 112 Cent |
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Als ein Hundertstel des gleichstufigen Halbtons wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Intervalleinheit Cent festgelegt. Sie erlaubt einen besonders klaren Größenvergleich bei den verschiedenen Halbtönen:
| Intervall | Frequenzverhältnis | in Cent | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Ganzton | 9/8 | 204 Cent | C-D |
| Halbton Leimma | 256/243 | 90 Cent | E-F |
| Halbton Apotome | 2187/2048 | 114 Cent | B-H |
Die Apotome ist ein rein rechnerisches Intervall. In der mittelalterlichen Musik werden nie beide Töne B und H gleichzeitig verwendet.
| Intervall | Frequenzverhältnis | in Cent | Beispiel |
|---|---|---|---|
| großer Ganzton | 9/8 | 204 Cent | C-D |
| kleiner Ganzton | 10/9 | 182 Cent | D-E |
| diatonischer Halbton | 16/15 | 112 Cent | E-F |
| großer chromatischer Halbton | 135/128 | 92 Cent | C-Cis |
| kleiner chromatischer Halbton | 25/24 | 71 Cent | B-H |
Die Frequenzverhältnisse sind - bis auf die Oktave (2/1) und große Terz (5/4) - irrational. Deshalb wird die Intervallgröße in Cent angegeben.
| Intervall | Größe in Cent | Beispiel |
|---|---|---|
| Ganzton | 193 Cent | C-D |
| diatonischer Halbton | 117 Cent | E-F |
| chromatischer Halbton | 76 Cent | C-Cis |
| Intervall | Größe in Cent | Beispiel |
|---|---|---|
| Ganzton | 200 Cent | C-D |
| diatonischer Halbton | 100 Cent | E-F |
| chromatischer Halbton | 100 Cent | C-Cis |
| Intervall | Proportion | Größe in Cent |
|---|---|---|
| Zwölfter Teil der Oktave | <math>\sqrt[12]{2}</math> | 100 Cent |
| Leimma | 256/243 | ~90 Cent |
| Apotome | 2187/2048 | ~114 Cent |
| diatonischer Halbton | 16/15 | ~112 Cent |
| großer chromatischer Halbton | 135/128 | ~92 Cent |
| kleiner chromatischer Halbton | 25/24 | ~71 Cent |
| diatonischer mitteltöniger Halbton | <math>\frac {8}{25} \sqrt[4]{5^3} </math> | ~117 Cent |
| chromatischer mitteltöniger Halbton | <math>\frac {5}{16} \sqrt[4]{5^3} </math> | ~76 Cent |
| Vincenzo-Galilei-Halbton-Näherung | 18/17 | ~99 Cent |
Eine zwölfstufige Tonleiter ausschließlich aus Halbtonschritten wird chromatische Tonleiter genannt. Darin lösen sich der diatonische Halbtonschritt = kleine Sekunde und der chromatische Halbtonschritt = übermäßige Prime folgerichtig ab.
Gelegentlich wird der Begriff Halbton auch auf einzelne Töne bezogen.