Halver
Blick auf die Halveraner Ortschaft Burg. Auf den Feldern davor befinden sich die vier Ennepequellen Halver [ˈhɑlfæ] ist eine Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Als kreisangehörige Stadt gehört sie zum Märkischen Kreis und liegt im westlichen Sauerland an der Grenze zum Bergischen Land.
GeographieGeographische LageHalver liegt im westlichen märkischen Sauerland an der Grenze zwischen dem Rheinland und Westfalen, etwa 10 km westlich von Lüdenscheid. Der Hauptort befindet sich auf einer Bergkuppe mit einer Höhenlage von 374 m ü. NN (Bolsenbachtal) bis 420 m ü. NN (südliches Stadtgebiet). Der tiefste Punkt im gesamten Stadtgebiet liegt mit 275 m ü. NN bei Oberbrügge, der höchste mit 433 m ü. NN bei Hagerbücherhöh. Im Norden der Stadt entspringt die Glör, Hauptzufluss der Glörtalsperre. Nördlich des Hauptortes der Löhbach, südlich des Hauptortes der Bolsenbach, beides Nebenflüsse der Ennepe. Die Ennepe selbst entspringt etwa 2,5 km südöstlich der Stadt an der Westflanke des Störllenbergs (410,2 m), fließt in nordwestliche Richtung gen Ruhr und wird etwa 5,5 km vom Zentrum Halvers auf dem Stadtgebiet von Breckerfeld zur Ennepetalsperre aufgestaut. Im Nordosten der Stadt entspringen die nach Osten abfließende Hälver, ein Nebenfluss der Volme, und im Südwesten die Neye, die Hönnige und die Bever, allesamt Nebenflüsse der Wupper. Durch das Stadtgebiet Halvers verläuft somit die Wasserscheide zwischen den Flusssystemen der Ruhr und der Wupper. Ausdehnung des StadtgebietsDas Stadtgebiet dehnt sich über 12,7 km in Nord-Süd-Richtung von der Glörtalsperre im Norden bis zur Kerspetalsperre im Süden aus. In West-Ost-Richtung erstreckt es sich über 11,5 km von Schwenke im Westen bis Oberbrügge im Osten. Dabei umfasst das Stadtgebiet 77,37 km², von denen 26,83 km² von Wald bestanden sind und 39,55 km² landwirtschaftlich genutzt werden. Gebäude-, Betriebs- und Freiflächen nehmen zusammen 5,61 km² und Verkehrsflächen 3,45 km² ein.[2] Nachbargemeinden
Halver grenzt im Norden an Breckerfeld im benachbarten Ennepe-Ruhr-Kreis und Schalksmühle, im Osten an Lüdenscheid, im Südosten an Kierspe. Diese gehören wie Halver zum Märkischen Kreis. Im Südwesten von Halver liegt Wipperfürth und im Westen Radevormwald, die zum Oberbergischen Kreis gehören. StadtgliederungDatei:Halver-Karte.png Karte von Halver Neben der Kernstadt hat Halver noch folgende Ortsteile und Ortslagen: Ahe | Anschlag | Altemühle | Auf dem Heede | Auf dem Wiebusch | Auf den Eicken | Auf den Kuhlen | Auf der Bever | Auf der Brake | Auf der Mark | Bärendahl | Beisen | Beiserohl | Becke | Berge | Bergfeld | Berken | Birkenbaum | Bochen | Bocherplatz | Bommert | Borkshof | Brenscheid | Brocksiepen | Bruch | Brüninghausen | Büchen | Büchenbaum | Büchermühle | Burbach | Burg | Buschhauser Hammer | Carthausen | Collenberg | Clev | Dahlhausen | Dicksiepen | Diekerhof | Dörnen | Dornbach | Dommelnheide | Edelkirchen | Ehberg | Eichhofermühle | Eichholz | Eickerhöhe | Eickerschmitte | Engstfeld | Ehringhausen | Eschen | Eversberge | Gehärte | Gesenberg | Giersiepen | Glörfeld | Grafweg | Grünenbaum | Grünewald | Grund | Hagedorn | Hagebüchen | Hagebücherhöh | Hakenberg | Halloh | Halverscheid | Handweiser | Hartmecke | Heerenfelde | Heesfeld | Heesfelder Hammer | Heesfelder Mühle | Hefendehl | Heinken-Hedfeld | Herweger Schleifkotten | Hesseln | Hinterhedfeld | Hohenplanken | Hohl | Holte | Howarde | Hulvershorn | Husen | Im Heede | Im Sumpf | Im Wiebusch | In den Eicken | In der Hälver | Kamscheid | Kirchlöh | Kotten | Krause Buche | Kreimendahl | Kreisch | Kreuzweg | Kückelhausen | Landwehr | Lausberge | Lingen | Lingensiepen | Löhbach | Löhrmühle | Lömmelscheid | Magdheide | Mesenhohl | Mittelcarthausen | Mittelherweg | Niederbolsenbach | Niederbommert | Niederbuschhausen | Niederhedfeld | Niederennepe | Niederhövel | Niederhürxtal | Niederlangenscheid | Niedervahlefeld | Neuenhaus | Neuenherweg | Neuenvahlefeld | Nonnenennepe | Nordeler Schleifkotten | Nordeln | Oberbolsenbach | Oberbommert | Oberbrügge | Oberbuschhausen | Obercarthausen | Oberherweg | Oberhövel | Oberhürxtal | Oberlangenscheid | Obervahlefeld | Oeckinghausen | Oege | Oesterberg | Osenberg | Ostendorf | Othmaringhausen | Pottheinrich | Rothenbruch | Schanzmannsmühle | Schlachtenrade | Schlade | Schlechtenbach | Schlemme | Schmalenbach | Schmidthausen | Schmidtsiepen | Schneehohl | Schöneberge | Schröders Herweg | Schüreichhofen | Schulten Hedfeld | Schwenke | Siepen | Solberg | Sondern | Steinbach | Stenkenberg | Sticht | Stichterweide | Stieneichhofen | Stöcken | Streitstück | Sundern | Vahlefelderheide | Vömmelbach | Vormbaum | Vorst | Voswinkel | Walde | Wegerhof | Weißenpferd | Wiebusch-Hedfeld | Wiene | Wilhelmshöh | Winkhof | Wöste
Datei:Nicolai kirche halver alms.jpg Evangelische Nicolai Kirche Datei:Halver-Aussichtsturm-Alms.JPG Aussichtsturm Karlshöhe Datei:Halver - Gerichtsbrunnen 02 ies.jpg Gerichtsbrunnen von Werner Klenk GeschichteUr- und FrühgeschichteErste Spuren von Menschen im Gebiet von Halver stammen aus der Mittelsteinzeit. Größte Fundstelle ist die Station Pottheinrich bei Berge, von der 3.600 Artefakte stammen. Hier gibt es drei Fundkomplexe mit 700, 1.400 und 1.500 Steinsachen. Eine weitere Station ist Normecke mit ca. 500 Fundstücken. Außerdem sind aus dieser Zeit der Lagerplatz Hundsberg mit 270 gefundenen Artefakten, 12 Rastplätze (5 bis 50 Artefakte) und 25 Streufunde (1 bis 5 Artefakte) bekannt.[3] Mehrere jungsteinzeitliche Gegenstände wurden beim Haus Heide/Hürxtal (Speerspitze, Flintschaber, Steinbeil, Schneidenstück eines Steinbeiles, Arbeitsaxt) in Gesenberg (Steinbeil, Arbeitsaxt) gefunden. Bergfeld, Altemühle, Schlechtenbach, Linger Weg, Vahlefeld und Brünninghausen sind Einzelfundstellen von Werkzeugen aus der Jungsteinzeit.[4] Fundstücke aus der Bronze- und Eisenzeit sind für Halver nicht bekannt. Mittelalterliches DorfDer am Kreuzungspunkt zweier alter Heerwege gelegene Oberhof Halvara wurde um 950 erstmals urkundlich im Werdener Propsteiregister erwähnt. Somit gehört Halver zu den ältesten Ortschaften des märkischen Sauerlands. Nach Urkunden aus dem 10. Jahrhundert hat Halver seinen Namen sehr wahrscheinlich von dem in der Nähe entspringenden Bach Hälver geerbt. Kirchenrechtlich gehörte Halver im frühen Mittelalter zur Pfarrei in Lüdenscheid. Für eine wachsende Bedeutung des Ortes spricht, dass Halver ab 1127 eine eigene Pfarrgemeinde bildete. Mindestens seit 1243 existierte ein Femegericht in Halvere, das am bekanntesten wurde durch die Verhandlung zwischen Heinrich XVI. dem Reichen von Bayern-Landshut und dem Ritter von Toerring, die am 2. Mai 1430 stattfand. 1753 wurde das Femegericht aufgelöst. Im 18. Jahrhundert war nächste Gerichtsinstanz das hohe Gericht in Lüdenscheid. Auch wenn in der Zeit vor 1900 der Ort keine Stadtrechte besaß, so deutet der Hinweis auf die Existenz eines Gerichtes auf stadtähnliche Funktionen hin. Die Reformation fand 1550 im Ort Eingang. In den Jahren 1635/36 suchte die Pest Halver heim und forderte 1100 Todesopfer. Der Ort profitierte von seiner verkehrsgeographisch günstigen Lage am Kreuzungspunkt der alten Heerwege von Köln nach Soest einerseits und von Hagen nach Siegen andererseits, die seit altersher auch als reguläre Fernverkehrsstraßen genutzt wurden. Die hübsche Lage veranlasste den westfälischen Oberpräsidenten Ludwig von Vincke zu der Äußerung, Halver sei „das schönste Dorf Westfalens“. Geschichte der IndustrialisierungAls Teil der Grafschaft Mark war der Ort mit der Geschichte dieses Herrschaftsgebietes verbunden. Dazu gehörte das frühe Einsetzen der Industrialisierung. Diese begann mit Ansätzen zur Eisen- und Metallverarbeitung bereits in den 1780er Jahren. Etwa zehn Jahre später lebten bereits 200 Arbeiter von der Metallverarbeitung. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde die lokale Wirtschaft durch seine Gesenkschmieden, Kleineisen- und Werkzeugindustrie, aber auch durch Kunststoffbearbeitung bestimmt. 1934 verzeichnete die Wirtschaft eine Bügeleisenfabrik, Drahtfabriken, Kleinschmiedewaren und Baubeschläge, Gesenkschmieden, Breitehämmer, Schmieden, Schleifereien zur Anfertigung von Schaufeln, Spaten, Pfannen, ferner Bohr- und Wagenbalkenfabriken und Elektroindustrie. Aufstieg und Niedergang der EisenbahnIm 19. Jahrhundert führte vor allem die Eisenbahn zu einem Aufschwung der Gemeinde. Dazu zählte ab 1877 die Volmetalbahn, die aber das Stadtgebiet bei Oberbrügge nur kurz berührt, ab 1888 die schmalspurige Hälvertalbahn (die sogenannte „Schnurre“) der Kreis Altenaer Eisenbahn von dem Bahnhof Schalksmühle an der Volmetalbahn zum Halveraner Ortszentrum und ab 1910 die Wuppertalbahn von Oberbrügge über Halver und Radevormwald nach Barmen, heute Wuppertal. Von der Wuppertalbahn zweigte ein Gleis in Anschlag nach Wipperfürth ab. Die Hälvertalbahn wurde als erste Bahnstrecke 1952 endgültig stillgelegt, die Wuppertalbahn Richtung Radevormwald und der Abzweig nach Wipperfürth folgten 1968. Der Personenverkehr wurde schon vier Jahre zuvor eingestellt. Richtung Oberbrügge wurden noch bis 1995 Güter transportiert, dann folgte auch dort die vorläufige Stilllegung. 2000 erwarb die Schleifkottenbahn diesen Streckenabschnitt und reaktivierte ihn wieder für einen sporadischen Güterverkehr. Ausgliederung SchalksmühlesMit Wirkung zum 1. Oktober 1912 spaltete sich der Ortsteil Schalksmühle von der Gemeinde Halver ab und wurde eine eigenständige Gemeinde; beide Gemeinden verwaltete danach das Amt Halver, das bis dahin nur dem Namen nach ein „Amt“ war, denn es verwaltete nur eine Gemeinde (Amt= Verwaltung mehrerer Gemeinden). Im Zuge der kommunalen Neuordnung im Kreis Altena wurde das Amt Halver zum 1. Januar 1969 aufgelöst. Die Gemeinde Halver erhielt die Bezeichnung „Stadt“. Die Gemeinde Schalksmühle bildete mit der Landgemeinde Hülscheid aus dem Amt Lüdenscheid die neue „Großgemeinde“ Schalksmühle. Vorabend des Nationalsozialismus 1927–1933Ein Jahr nachdem die NSDAP in München ihre Neugründung feierte, wurde 1926 auch in Halver eine NSDAP-Ortsgruppe gegründet. Damit begann der erschreckende Aufstieg der Nationalsozialisten in Halver. „Beseelt von dem unerschütterlichen Glauben an die Mission des Führers, gingen die Gründer der Ortsgruppe an die Aufgabe, der Idee des Nationalsozialismus in Halver den Boden zu bereiten“, schrieb der Ortsgruppenleiter Paul Steller 1936 in der 10-jährigen Jubiläumsfestschrift der NSDAP-Halver. Bereits am 7. November 1925 erschien in den Halveraner Zeitungen eine Anzeige, in der zu einem „Werbe-Abend zwecks Gründung einer Ortsgruppe“ eingeladen wurde. Zu dieser Versammlung erschienen im Preußenhof acht Personen, von ihnen erklärten Paul Steller, Erich Schulte, Max Schäfer und Karl Sanker ihren Beitritt zur NSDAP. Nachdem die vier Halveraner die „Werbetrommel“ gerührt hatten, zählte die Partei bereits im Februar 1926 elf „Parteigenossen“. So konnte genau ein Jahr nach der erneuten Gründung der NSDAP in München auch in Halver eine Ortsgruppe ins Leben gerufen werden. Durch Mundpropaganda bekam die Gruppe immer mehr Mitglieder. Bei den kommunalen Wahlen im Jahr 1929 wollten die Nationalsozialisten antreten. Dazu fand am 18. Oktober eine Besprechung statt. „Die Aufstellung einer eigenen Liste scheiterte jedoch daran, dass man uns gewisse Bindungen auferlegen wollte, die von vornherein unannehmbar waren“, so Steller. Als „Opfer“ der Weimarer Republik wuchs so, nach eigenem Bekunden, der Wunsch nach einer nationalsozialistischen Herrschaft. Man entschied sich, mehr auf Propaganda zu setzen und vor allem in den Außenbezirken Mitglieder zu gewinnen. Daher wurden die so genannten „Sprechabende“ beispielsweise nach Grünenbaum, Wilhelmshöhe, Buschhausen oder Ehringhausen verlegt. Anhand der Polizeiakten lässt sich die Entwicklung der NSDAP-Sympathisanten nachvollziehen. So kamen zu den ersten Treffen in den Außenbezirken rund 20 Interessenten. Innerhalb kürzester Zeit schwoll die Zahl auf bis zu 300 Mann an. Dies schlug sich auch in den Mitgliedszahlen nieder. Am 1. Januar 1931 zählte die Partei 35 Mitglieder. Dazu kamen die Mitglieder der bereits im April 1930 formierten SA (Sturmabteilung). Unter dem Namen „Sturm 41 Halver“ scharte sich ein Schlägertrupp zusammen. Dieser übernahm bei politischen Kundgebungen die Saalwache oder überfiel anders Gesinnte. Im Jubiläumsheft brüstet sich Obersturmbannführer Erich Schulte: „Hiesige SA-Kameraden sorgten dafür, dass zwei Moskowiter den Arzt aufsuchen müssen.“ Hermann Göring begeisterte auch in Halver die Massen. Ein Ortspolizist protokollierte, dass „mehr als 1500 Nationalgesinnte (...) fahnenwehend an der Karlshöhe“ standen. Am 24. Januar fand der erste Fackelzug der SA in Halver statt. „500 bis 600 Männer nahmen an diesem Umzug teil“, so vermerkte der Ortspolizist den Marsch. Welche bedeutende Rolle Halver auch im nationalen Konstrukt der Partei spielte verdeutlicht, dass Hermann Göring am 9. März 1931 im Saal an der Karlhöhe eine Rede hielt. „Weit mehr als 1500 Nationalgesinnte standen fahnenwehend an der Karlshöhe und begrüßten Göring“, so einer der Dienst habenden Polizisten. Am 31. Januar 1932 wurde das SA-Heim eingeweiht. Einen Tag zuvor wurde die Zeitung „Dreschflegel – Nationalsozialistisches Kampfblatt für Halver und Umgebung“ zum ersten Mal publiziert. Ziel war es, das „jüdische Nachrichtenmonopol“ zu brechen um die Deutschen „die Wahrheit“ erfahren zu lassen. Kurze Zeit später wurden die Hitler-Jugend und das Jungvolk gegründet. In den folgenden Wochen fanden vermehrt Veranstaltungen statt. Der Ton in den Reden wurde immer härter. Berichtet wurde von der „Judenrepublik“, die den Deutschen „aussaugt“. Spontane Umzüge durch Halver folgten. Gesungen wurden Lieder wie: „Blutig sind unsere Fahnen, die den Weg zur Freiheit bahnen (…) Köpfe rollen, Juden heulen (…) wenn im Wind die Fahnen flattern, die Maschinengewehre knattern.“ Am Ende des Jahres 1932 zählte Halver bereits 128 NSDAP-Parteimitglieder. Dazu kamen die Mitglieder der Hitler-Jugend, des Jungvolkes und der SA. Außerdem lassen sich eine Vielzahl von Vereinen aus dieser Zeit dem nationalsozialistischen Spektrum zuordnen. – Mit der vermehrten Aktivität der NSDAP formierte sich auch Widerstand. Rechte und nationale Kampfbünde wie der „Stahlhelm“ oder die SA radikalisierten den politischen Kampf in den Jahren vor der Machtübernahme Hitlers. Kommunistische und sozialistische Verbände schlossen sich zusammen, um gegen „Braunen“ zu agieren - auch in Halver. „Die rote Pest, schlagt sie zu Brei, SA marschiert, die Straße frei!“. Mit solchen und ähnlichen Sprechchören zogen NSDAP und SA ab 1931 durch die Halveraner Innenstadt. Es blieb nicht nur bei Worten. Immer wieder verzeichnete die Polizei Übergriffe von SA-Männern auf politisch anders Gesinnte. Als Waffen wurden Fäuste, Knüppel, Schläuche und andere Waffen eingesetzt. Die Polizei beschlagnahmte sogar Pistolen. Während die rechten und nationalen Verbände sich bereits zu schlagkräftigen Trupps zusammengeschlossen hatten, zogen Kommunisten und Sozialisten erst später nach. In Halver gab es mindestens sieben Gruppen, die dem „antinationalsozialistischen Spektrum“ zuzuordnen sind, davon drei KPD-Ortsgruppen, das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold (überparteiliches Bündnis in der Weimarer Zeit zum Schutz der Republik), die Rote Hilfe Deutschlands (RHD), die Eiserne Front (Zusammenschluss mehrerer Gruppen im Kampf gegen den Nationalsozialismus) und die SPD. Daraus entstand nach und nach eine Reihe von lokalen „Selbstschutzorganisationen“. Durch mehrere eigene Zeitungen wie etwa „Volk wach auf - Kampfblatt der Eisernen Front“, „Hammer und Sichel - Organ der Werktätigen von Halver“ oder „Einheitsfront - Blatt der KPD“ sollten vor allem die Arbeiter angesprochen werden und vor der nationalsozialistischen Ideologie gewarnt werden. Während die kommunistischen Blätter auf Karikaturen setzten und das Großkapital anprangerten, da dieses die NSDAP unterstütze, setzte die „Eiserne Front“ verstärkt auf Kampfaufrufe. „Die rote Pest, schlagt sie zu Brei! Wer will sich das bieten lassen? Wir sagen, wenn schon geschlagen werden soll, dann zeigt diesen Banditen, dass Arbeiterfäuste kräftiger zu schlagen verstehen!“, forderte die „Eiserne Front“ in ihrer Zeitung „Volk wach auf“ am 24. Juli 1932. Nur durch diese Maßnahmen könnten sich die Arbeiter schützen, denn das Ziel der NSDAP sei „die Vernichtung aller freiheitlichen Regungen“. Daher wurde die Parole ausgeben: „Freiheit ist unser Kampfruf!“ Gezielte Übergriffe auf SA-Männer folgten. In kleinen Gruppen von drei bis sechs Mann prügelten sie sich mit den „braunen Hemden“, wie sie die SA-Männer nannten. Veranstaltungen der NSDAP wurden mit Zwischenrufen wie „Heul Hitler“ gestört. Doch nicht nur durch Störung der NSDAP-Veranstaltungen, sondern vor allem durch eigene Initiativen versuchten die „Linken“ Stimmen zu gewinnen. Parallel zu der wachsenden Zahl der Besucher auf den nationalsozialistischen Kundgebungen verzeichnete die Polizeidienststelle Halver auch einen Anstieg der sozialistischen und kommunistischen Bestrebungen. So wurden auf Veranstaltungen häufig mehr als 300 Zuschauer gezählt. Vor allem Carthausen und Oberbrügge waren Bezirke, die fest in der Hand der „Linken“ waren. EinwohnerentwicklungGemeinde Halver
Stadt Halver
PolitikGemeinderatDie 36 Sitze des Stadtrates Halver verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Parteien:[6]
BürgermeisterSeit 2004 ist Dr. jur. Bernd Eicker (CDU) Bürgermeister. Bei den NRW-Kommunalwahlen 2009 wurde er am 30. August 2009 mit 50,0 Prozent der abgegeben Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 52,2 Prozent in eine zweite Amtszeit gewählt.[7] WappenBlasonierung: Das Wappen zeigt auf einem in drei Zeilen auf silber und rot geschachtem Balken Tisch und Femlinde auf goldenem (gelben) Grund. Das rote-weiße Schachbrettmuster des Balkens ist das Symbol der Grafschaft Mark, zu der Halver gehörte. Der darüber stehende steinerne Tisch unter dem Lindenbaum und die Femlinde erinnern an den im 13. Jahrhundert bestandenen Freistuhl des Femegerichts in Halver. Das Wappen wurde von Otto Hupp entworfen und am 29. März 1935 durch Erlass des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern verliehen.[8] StädtepartnerschaftenSeit dem 30. September 1963 unterhält Halver eine Städtepartnerschaft mit der schwedischen Stadt Katrineholm, die sich aus Kontakten der Musikantengilde aus Halver mit einer Volkstanzgruppe aus Katrineholm entwickelt hatte. Seit dem 25. April 1975 besteht eine Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Hautmont und seit 1989 eine Städtefreundschaft mit Pardess-Hanna in Israel. ReligionenEtwa 50 % der Einwohner sind evangelisch und 18 % katholisch. Die übrigen 32% gehören anderen Religionen und Glaubensgemeinschaften an oder sind konfessionslos. Die Evangelische Kirche von Westfalen und die Römisch-Katholische Kirche sind mit jeweils einer Gemeinde in Halver und Oberbrügge vertreten. Daneben bestehen evangelische Freikirchen wie die Freien evangelischen Gemeinden in Halver und Bever und jeweils eine Evangelische-Baptisten-Brüdergemeinde und eine Mennonitische Brüdergemeinde in Halver. Zudem gibt es eine Gemeinde der Neuapostolischen Kirche und eine türkisch-islamische Gemeinde in Halver.[9] Wirtschaft und InfrastrukturDatei:Kulturbahnhof LB.jpg Der Kulturbahnhof von Halver Die Wirtschaft in Halver wurde vor allem von der Schmiedeindustrie geprägt. Daraus entwickelte sich die heutige Wirtschaftsstruktur. Wichtig ist dabei die Stahlverformung, die Gesenkschmiedeindustrie, die Eisen- und Metallwarenherstellung. Hinzu kommen Elektrotechnik und Kunststoffverarbeitung. Insgesamt gab es 2002 5913 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Davon arbeiteten 3911 im produzierenden Gewerbe. Im Handel arbeiteten 691 und im Bereich der öffentlichen und privaten Dienstleistungen 392. Es dominieren mehrere klein- und mittelständische Unternehmen. Beispielhaft sind folgende Unternehmen zu nennen: Verkehr
Halver liegt an der in Ost-West-Richtung durch den Ort verlaufenden Bundesstraße 229. Über diese erreicht man Richtung Osten die etwa 16 km entfernte Anschlussstelle Lüdenscheid-Süd der Bundesautobahn 45 in etwa 20 Minuten Fahrzeit. Ferner führt die von Hagen kommende Landesstraße 528 in Nord-Süd-Richtung durch Halver nach Meinerzhagen.
Halver besitzt seit der Stilllegung der Wuppertalbahn keinen eigenen Personenbahnhof mehr. Von 1888 bis 1949 (im Güterverkehr: 1952) hatte Halver ebenfalls Anschluss an die Hälvertalbahn der Kreis Altenaer Eisenbahn nach Schalksmühle. Der nächste Bahnhof liegt heute in Schalksmühle an der Volmetalbahn, von wo aus eine Regionalbahn nach Hagen fährt. In Hagen besteht Anschluss an den Fernverkehr.
Der Busverkehr wird überwiegend durch die Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) durchgeführt. Folgende Busverbindungen existieren:
Öffentliche EinrichtungenIn der Stadt Halver befindet sich kein Krankenhaus. Die medizinische Versorgung von Halver übernehmen die Krankenhäuser in Lüdenscheid, Wipperfürth und Radevormwald. In der Kernstadt findet sich das Seniorenzentrum Bethanien und das Altenheim Waldfrieden Halver. Ferner befindet sich eine Altentagesstätte im Mehrzweckgebäude Von-Vincke-Straße (ehem. Kath. Volksschule). Hier ist auch das Heimatmuseum untergebracht. Aus dem ehemaligen Bahnhofsgebäude wurde der „Kulturbahnhof“ mit Stadtbücherei, gastronomischem Betrieb und einem ca. 170 m² großen Veranstaltungssaal. In Halver werden von verschiedenen Trägern sechs Kindergärten unterhalten. Davon befinden sich in der Kernstadt fünf, in Oberbrügge einer. Träger sind die Evangelische und Katholische Kirchengemeinde, die Arbeiterwohlfahrt und das DRK. BildungNeben zwei Grundschulen im Hauptort gibt es eine weitere im Ortsteil Oberbrügge. In der „Schule an der Susannenhöhe“ in Oeckinghausen werden Kinder mit Lernschwierigkeiten unterrichtet (Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen). Das Halveraner Schulzentrum umfasst mit einer Hauptschule, die seit 2006 im Ganztagsbetrieb geführt wird, einer Realschule und dem Anne-Frank-Gymnasium alle Schulformen der Sekundarstufe I, das AFG auch der Sekundarstufe II. Das Eugen-Schmalenbach-Berufskolleg ist die kaufmännische Schule des Märkischen Kreises und hat ihren Sitz im Ortsteil Ostendorf. Für die musikalische Bildung in Halver sorgt die Musikschule Volmetal mit Sitz in Meinerzhagen, die in Halver eine Bezirksstelle unterhält. Die Volkshochschule Volmetal betreibt in Halver eine Zweigstelle und sorgt mit verschiedenen Angeboten für die Erwachsenenbildung.
Kultur und SehenswürdigkeitenMuseen
Bauwerke
Mittelalterliche Bodendenkmale
SchutzgebieteAuf dem Stadtgebiet Halvers befinden sich vier Naturschutzgebiete:
NaturdenkmälerIm Naturschutzgebiet Wilde Ennepe befindet sich ein Sumpfgebiet, in dem verteilt einige Dutzend quarzhaltige Monolithen zu finden sind. Diese Ansammlung von Quarzblöcken ist als Naturdenkmal geschützt. Sport und FreizeitLuftsportDer Luftsportverein Halver betreibt in der Stadt auch den Flugplatz Halver, auch Segelfluggelände Halver „Im Heede“ genannt. Er liegt südlich des Hauptortes auf einer Höhe von 418 Metern über Normalnull. Die Landebahn hat eine Länge von 1000 Metern und besteht aus unbefestigtem Untergrund (Rasen). Auf dem Gelände befindet sich eine Flugzeughalle, die vom Luftsportverein benutzt wird. Der Flugbetrieb findet an Wochenenden und Feiertagen statt. Seit 2006 ist der Flugplatz Halver „Im Heede“ nicht mehr in Betrieb. Der Luftsportverein Halver nutzt seitdem nur noch die Flugzeughallen, der Flugbetrieb findet auf dem Flugplatz Wipperfürth-Neye statt. WandernNeben einem gut ausgebauten Wanderwegenetz mit einem markierten Zielwanderweg zur Glörtalsperre und 20 Ortsrundwanderwegen besitzt Halver auch einen 50 km langen Rundwanderweg um die Stadtgrenze herum. Dieser Wanderweg ist mit dem Wegzeichen H im Kreis markiert. SchwimmenHalver besitzt ein beliebtes Waldschwimmbad, das von der Herpine, einem der Quellbäche der Hälver, gespeist wird. Es ist mit 6000 m² Wasserfläche eines der größten in Nordrhein-Westfalen. Außerdem gibt es dort eine Wasserrutsche von 40 Metern Länge. Auf dem Gelände befinden sich auch eine Beachvolleyballanlage, Planschbecken und viele Spielmöglichkeiten für Kinder. Im Schulzentrum befindet sich zusätzlich ein Hallenbad. Handball
Sportvereine
PersönlichkeitenEhrenbürgerGemäß dem Ortsrecht wird zur Ehrung von verdienten Persönlichkeiten das Ehrenbürgerrecht der Stadt Halver, der Ehrenring der Stadt Halver, der Wappenteller oder der Wappenschild von der Stadt Halver verliehen.[10]
Söhne und Töchter der Stadt
Persönlichkeiten, die in Halver gewirkt haben
Literatur
WeblinksEinzelnachweise
Städte und Gemeinden im Märkischen Kreis
Altena | Balve | Halver | Hemer | Herscheid | Iserlohn | Kierspe | Lüdenscheid | Meinerzhagen | Menden (Sauerland) | Nachrodt-Wiblingwerde | Neuenrade | Plettenberg | Schalksmühle | Werdohl |
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