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Das Hambacher Fest vom 27. bis 30. Mai 1832 auf dem Hambacher Schloss bei Neustadt an der Haardt (heute Neustadt an der Weinstraße, Rheinland-Pfalz) gilt als Höhepunkt frühliberaler bürgerlicher Opposition in der Zeit der Restauration und des Vormärz. Die Forderungen der Festteilnehmer nach deutscher Einheit, Freiheit und Demokratie hatten ihre Wurzeln in der Unzufriedenheit der Bevölkerung der Pfalz mit der Verwaltung der Region durch das Königreich Bayern.
Das Hambacher Fest ist im Zusammenhang mit anderen Ereignissen zu sehen, so dem Vormärz (ab 1815), dem Wartburgfest (1817), dem Novemberaufstand (1830/31), der Belgischen Revolution (1830/31), dem Gaibacher Fest (zeitgleich 1832) sowie der Märzrevolution (1848/49).
Inhaltsverzeichnis |
Nach der Eroberung der linksrheinischen deutschen Gebiete durch französische Revolutionstruppen in den 1790er Jahren gehörte auch die heutige Pfalz – rechtlich ab 1801 – zur Französischen Republik. Die pfälzische Bevölkerung war deshalb vertraut mit den Ideen der Französischen Revolution. Mit Napoleons Niederlage und Abdankung 1815 endete die französische Ära, und das Territorium wurde 1816 gemäß den Beschlüssen des Wiener Kongresses dem Königreich Bayern zugeteilt. Als „Rheinkreis“, später – auch zur Unterscheidung von der bayerischen Oberpfalz – als „Rheinpfalz“, stand es unter bayerischer Verwaltung, wobei die aus der Französischen Revolution übernommenen Freiheitsrechte der Bevölkerung zum Teil beibehalten wurden. Die praktische Umsetzung führte jedoch immer wieder zu Konflikten mit der bayerischen Zentralgewalt. In der Folgezeit wurde die Wirtschaft der Pfalz durch hohe Zölle und Steuern stark benachteiligt, so dass große Teile der Bevölkerung verarmten.
Im Zuge der französischen Julirevolution von 1830 bildete sich auch außerhalb der Pfalz eine größere Bewegung, die mit ihren ursprünglich aus der Französischen Revolution stammenden Ideen von nationaler Einheit und Demokratie in Opposition zu den tatsächlichen Machtverhältnissen stand. Das Hambacher Fest stellte einen Höhepunkt dieser Bewegung dar.
1830 wurden die Rechte der Pfälzer Bevölkerung noch weiter eingeschränkt als in den Jahren zuvor und eine strenge Zensur der damals geläufigen Informationsmedien Zeitung und Buch eingeführt. Als Reaktion hierauf und die daraus resultierenden Druckverbote gründeten die Publizisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth Anfang Februar 1832 den „Deutschen Preß- und Vaterlandsverein“. Vorsitzender wurde der pfälzische Rechtsanwalt und Abgeordnete Friedrich Schüler. Dieser Kreis organisierte am 27. Mai 1832 im damaligen Neustadt an der Haardt ein „Volksfest“, nachdem politische Kundgebungen von der bayerischen Obrigkeit verboten worden waren. Es fand auf dem nahen Schlossberg statt, der auf der Gemarkung des bis 1969 noch selbstständigen Dorfes Hambach liegt.
An herausragender Stelle am Hambacher Fest beteiligt waren unter anderen die nachstehend aufgeführten Personen, von denen Abbildungen existieren:
Philipp Jakob Siebenpfeiffer, Gemälde von Helmut Collmann (1918–1996)
Carl Ludwig Börne, Gemälde von Moritz Oppenheim (1827)
Auf dem Fest waren etwa 30.000 Menschen aus allen Bevölkerungsschichten und aus zahlreichen Nationen anwesend: Vom Studenten bis zum Abgeordneten, vom Franzosen bis zum Polen – nach dem Scheitern des Novemberaufstandes 1830/31 waren tausende Polen über Deutschland nach Frankreich geflohen –, zogen die Teilnehmer des Festes vom Neustadter Marktplatz zur 4 Kilometer vom Stadtzentrum entfernten Hambacher Schlossruine. Auch viele Frauen nahmen am Fest teil, denn in Siebenpfeiffers Aufruf hatte es geheißen:
„Deutsche Frauen und Jungfrauen, deren politische Mißachtung in der europäischen Ordnung ein Fehler und ein Flecken ist, schmücket und belebet die Versammlung durch eure Gegenwart!“
Seine Eröffnungsrede schloss Siebenpfeiffer mit den folgenden Worten:
„Es lebe das freie, das einige Deutschland! Hoch leben die Polen, der Deutschen Verbündete! Hoch leben die Franken[1], der Deutschen Brüder, die unsere Nationalität und unsere Selbständigkeit achten! Hoch lebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund der Freiheit schwört! Vaterland - Volkshoheit - Völkerbund hoch!“
Die Hauptforderungen der Festteilnehmer waren Freiheit (Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit), Bürgerrechte, nationale Einheit, eine Neuordnung Europas auf der Grundlage gleichberechtigter Völker, Volkssouveränität und religiöse Toleranz.
Beim Hambacher Fest wurden zum ersten Mal in größerer Anzahl schwarz-rot-goldene Trikoloren mitgeführt, die das Streben nach Freiheit, Bürgerrechten und deutscher Einheit symbolisieren sollten. Die Farben hatten sich im Zusammenhang mit der Burschenschaftsbewegung bereits weit verbreitet; deshalb waren, wie zeitgenössische Abbildungen belegen, die Fahnen auf dem Hambacher Schloss noch mehrheitlich in der burschenschaftlichen Reihenfolge „schwarz-rot-gold von unten“ zu sehen.
Als Hauptfahne des Hambacher Festes fertigte der Neustadter Johann Philipp Abresch eine Trikolore in der heute gebräuchlichen Farbreihenfolge mit der Aufschrift „Deutschlands Wiedergeburt“. Diese „Ur-Fahne“, 1832[2] von Abresch während des Zuges getragen, befindet sich heute im Museum des Hambacher Schlosses. Unter ihren Farben sollte ein freies und föderales Deutschland entstehen, das dem demokratischen Grundgedanken verpflichtet sein und als Gegengewicht zur Heiligen Allianz Russlands, Österreichs und Preußens stehen sollte.
Am 28. Mai 1832, dem zweiten Tag des Hambacher Festes, trafen sich im Neustadter Schießhaus führende deutsche Demokraten und Liberale, um über das weitere Vorgehen zu beraten.
Der Publizist Carl Ludwig Börne, vom Preßverein zum Fest und zur Versammlung eingeladen, beschrieb in einem Brief vom gleichen Tag die aufgewühlte Atmosphäre in Neustadt und Hambach:
„…Gestern brachten mir die Heidelberger Studenten […] ein Vivat mit Fackelzug vor meine Wohnung. Schon früher zog mir auf den Straßen alles nach mit Geschrei: es lebe Börne, es lebe der Deutsche Börne!…“
Im Schießhaus forderten Vertreter der Burschenschaften die sofortige Bildung einer provisorischen Regierung und den Beginn des bewaffneten Aufstands zu einem festen Termin. Siebenpfeiffer lehnte dies grundsätzlich ab, Wirth plädierte für den weiteren Aufbau von Oppositionsstrukturen durch Umformung des Deutschen Preß- und Vaterlandsvereins in eine schlagkräftige politische Organisation.
Die Vertreter des Preßvereins hielten die sofortige Revolte für aussichtslos – eine Einschätzung, die sich im Nachhinein beim dilettantisch versuchten und dann auch gescheiterten Frankfurter Wachensturm bestätigte. Den Bruch zwischen Siebenpfeiffer und den jungen Studenten verhinderte der angesehene Abgeordnete und Preßvereinsführer Friedrich Schüler, indem er den Aufstand zwar nicht ablehnte, aber weitere Vorbereitungen einforderte. Diese scheinbare Untätigkeit kritisierte später der Dichter und Journalist Heinrich Heine:
„…Während den Tagen des Hambacher Festes hätte mit einiger Aussicht guten Erfolges die allgemeine Umwälzung in Deutschland versucht werden können. Jene Hambacher Tage waren der letzte Termin, den die Göttin der Freyheit uns gewährte…“
Die direkte Folge des Festes bestand in der staatsanwaltschaftlichen Verfolgung führender Persönlichkeiten des Vormärz. 13 Angeschuldigte wurden 1833 vor dem außerordentlichen Assisengericht (Schwurgericht) angeklagt, das in Landau zusammentrat und vom 29. Juli bis 16. August 1833 tagte. Das Verfahren endete zwar mit dem Freispruch der Hauptangeklagten, doch wurden diese anschließend in Zweibrücken und Frankenthal wegen angeblicher Beleidigungsdelikte vor Zuchtpolizeigerichte gestellt und verurteilt.[3][4]
Der 1833 gescheiterte Versuch, mit dem Frankfurter Wachensturm von der Hambacher Bewegung zur bewaffneten Revolution überzugehen, wurde bereits erwähnt.
Generell reagierte der Deutsche Bund in den Jahren von 1832 bis 1834 mit vermehrter Repression. Demokraten und Liberale wurden verhaftet, die Versammlungs- und Pressefreiheit noch weiter eingeschränkt, die Universitäten noch strenger überwacht. Siebenpfeiffer und Wirth mussten in die Schweiz fliehen, auch viele der übrigen Oppositionellen sahen sich in die Illegalität gedrängt und gingen ins Ausland.
Mit den reaktionären Maßnahmen, die eine drastische Verschärfung der Karlsbader Beschlüsse von 1819 bedeuteten, wurde die republikanische Bewegung vorerst wieder zum Erliegen gebracht. Viele Künstler zogen sich vom politischen Leben zurück: Die Zeit des Biedermeier kam auf. Dennoch drückten breite Kreise der Bevölkerung ihr Streben nach einem geeinten Deutschland, nach Liberalität und Demokratie durch Kauf und Gebrauch von kunsthandwerklichen Gegenständen aus. Sehr beliebt war unter anderem Geschirr mit der Abbildung des Hambacher Schlosses.
Bei der Märzrevolution 1848/49 lebte die republikanische Bewegung wieder auf und konnte ihre Ziele zunächst auch teilweise umsetzen. Nach der Niederschlagung dieser Revolution und einer neuen Restaurationsphase kam es erst nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zu einer – allerdings von oben bewirkten – „kleindeutschen“ Einigung der deutschen Staaten unter Ausschluss Österreichs, nämlich dem vom preußischen Ministerpräsidenten und späteren Reichskanzler Otto von Bismarck als Nachfolger des „Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation“ initiierten 1. Deutschen Reich unter Kaiser Wilhelm I..
Fahnen, eine Druckerpresse und zeitgenössische Dokumente sind in einer Dauerausstellung im Hambacher Schloss zu besichtigen. Eine der schwarz-rot-goldenen Fahnen des Hambacher Festes hängt im Plenarsaal des Rheinland-Pfälzischen Landtags im Deutschhaus zu Mainz. Eine weitere hing im Großen Sitzungssaal des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe; sie wurde konserviert und durch eine neue Fahne ersetzt.