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| Hammond-Orgel | |
|---|---|
| Klassifikation | Elektrophon Tasteninstrument |
| Tonumfang | C1-fis5 |
| Klangbeispiel | siehe unten unter Effekte |
| Verwandte Instrumente | Orgel |
| Musiker | |
| siehe unten unter Hammond-Orgel-Musik | |
Die Hammond-Orgel (auch kurz Hammond) ist eine nach ihrem Erfinder Laurens Hammond benannte elektromechanische Orgel.
UrsprĂŒnglich als Ersatz fĂŒr die Pfeifenorgel gedacht, wurde sie ĂŒber den Einsatz als Unterhaltungsinstrument schnell zum Instrument des Jazz; als preisgĂŒnstiger Pfeifenorgelersatz in amerikanischen Kirchen wanderte sie in die Gospel-Musik ein. Von dort breitete sich die Hammond-Orgel in Rock, Rhythm and Blues, Soul, Funk, Ska, Reggae, Fusion usw. aus. Als vollstĂ€ndiger Pfeifenorgelersatz konnte sich die Hammondorgel jedoch nicht durchsetzen.
GröĂte PopularitĂ€t erlangte sie in den 1960er und 1970er Jahren; damals kam im Mainstream kaum eine Band ohne Orgel aus. Aber auch heute noch sind ihr unverwechselbarer Klang beziehungsweise Nachahmungen dieses Klanges in der PopulĂ€rmusik weit verbreitet. Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Hammond-Orgel (vor allem das Modell B3 in Verbindung mit einem Leslie-Lautsprechersystem) zu einem etablierten Instrument.
Allen Instrumenten gemein ist der Aufbau mit zwei Manualen und Pedal. Tonumfang der Manuale und des Pedals sind bei den verschiedenen Modellen jedoch unterschiedlich. Das Obermanual wird als Swell, das Untermanual als Great bezeichnet. Diese Bezeichnungen sind der Pfeifenorgel entlehnt und bedeuten dort Hauptwerk (Great) und Schwellwerk (Swell).
Inhaltsverzeichnis |
Laurens Hammond, selbst kein Musiker, erfand um 1920 fĂŒr von ihm produzierte Uhren einen Wechselstrom-Synchronmotor. Von 1932 an suchte er weitere Anwendungsmöglichkeiten fĂŒr diesen Motor. Durch den Boom von Theater- und Kinoorgeln und angeregt von einem Firmenmitarbeiter, der Organist einer Kirchgemeinde war, kam ihm 1933 die Idee zur Konstruktion des Tonerzeugungsprinzips der Hammond-Orgel. Ein altes Klavier und zahllose Experimente fĂŒhrten dazu, dass er am 19. Januar 1934 fĂŒr dieses Instrument ein Patent beantragte. Die VorfĂŒhrung war so beeindruckend, dass ihm bereits am 24. April 1934 vom US-Patentamt in Washington (D.C.) das Patent fĂŒr den packing box prototype unter dem Namen Electrical Musical Instrument zugesprochen wurde (US-Patent 1.956.350[1]). Zuerst wurde die Orgel am 15. April 1935 vom Organisten Pietro Yon bei einer PressevorfĂŒhrung in der New Yorker St.-Patrick-Kathedrale der Ăffentlichkeit vorgestellt. Henry Ford erteilte kurz darauf einen Auftrag ĂŒber sechs Orgeln. Weitere prominente Erstbesteller waren George Gershwin und Count Basie. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Orgel zu einem fĂŒr bestimmte Musikstile charakteristischen Instrument vor allem in Verbindung mit dem Leslie, einer Lautsprecherbox, bei der der Klang mittels rotierender Reflektoren einen schwebenden Effekt erhĂ€lt (erfunden von Donald Leslie). Seit 1936 wurde das Instrument erfolgreich in Deutschland angeboten in Konkurrenz zu Edwin Weltes letztendlich erfolgloser Lichttonorgel.
Die Tonerzeugung der Hammond-Orgel beginnt im sogenannten Generator. Dabei rotieren stĂ€hlerne TonrĂ€der mit einem gewellten Rand vor elektromagnetischen Tonabnehmern (Permanentmagnete in Spulen). Durch die Wellenform entfernt und nĂ€hert sich der Rand des Rades periodisch dem Permanentmagneten. Dieses Ă€ndert den magnetischen Fluss, wodurch in der Spule eine Wechselspannung induziert wird. Auf Grund der Form des Rades ergibt sich eine sinusĂ€hnliche Schwingung. Diese wird durch eine Filterschaltung weiter geglĂ€ttet, so dass eine fast ideale Sinusform entsteht. Die erzeugten Wechselspannungen in der GröĂenordnung von einigen Millivolt werden dann durch die Manuale, die Zugriegel und den Scanner (Vibrato- und Chorusschaltung) geleitet. Am Ende der Verarbeitungskette liegt eine VerstĂ€rkerstufe, die das Tonsignal so weit verstĂ€rkt, dass ein Lautsprecher angesteuert werden kann.
Der Generator enthĂ€lt zwischen 86 und 96 TonrĂ€der unterschiedlicher ZĂ€hnezahl. Diese werden von einem Synchronmotor angetrieben, der zum Start mit einem Hilfsmotor auf ungefĂ€hre Synchrondrehzahl gebracht werden muss[2]. Nach dem Hochlauf auf ungefĂ€hre Synchrondrehzahl ist die Drehzahl dieses Motors nur noch von seiner Polpaarzahl und der Netzfrequenz abhĂ€ngig. Das kann sich als Nachteil erweisen, wenn bei einer Freiluftveranstaltung der Strom aus Generatoren nicht frequenzstabil ist[3]. Der Antriebsmotor ist mit der Hauptwelle durch ein Schwungrad-Feder-System elastisch verbunden, um diese vom rauen Lauf (das Drehmoment ist ĂŒber eine Motorumdrehung nicht konstant) zu entkoppeln. Zur Entkopplung mechanischer GerĂ€usche sind beide im GehĂ€use federnd aufgehĂ€ngt.
Die TonrĂ€der sitzen auf mehreren (48 bei den Konsolen- bzw. 42 bei den Spinettmodellen) Stahlwellen, die in Bronzebuchsen gelagert sind. Nach vorne und hinten ragen die Magnetkerne der Tonabnehmer aus dem GehĂ€use des Generators, der ungefĂ€hr halb so breit ist wie die ganze Orgel. Ăber den Abstand der Magnetkerne zu den jeweiligen TonrĂ€dern kann die LautstĂ€rke der Einzeltöne justiert werden. Die TonrĂ€der sitzen nicht chromatisch nach Tonhöhe sortiert entlang der Hauptwelle, sondern sind in Kammern zu je vier StĂŒck mit gleicher Ăbersetzung angeordnet. Zwei dieser Kammern, also insgesamt acht TonrĂ€der, erzeugen die unterschiedlichen Oktavlagen der jeweiligen Töne. Ăber die Verdrahtung (Verharfung) werden die Töne mit den Kontakten der zustĂ€ndigen Tasten verbunden. Der Signalpegel betrĂ€gt einige zehn Millivolt.
Die Bronzelager erfordern kontinuierliche Schmierung. Diese wird durch einen zu jedem Lager fĂŒhrenden Baumwollfaden (Docht) sichergestellt, der durch Kapillarwirkung Ăl aus einer mittig lĂ€ngs (parallel zu den Wellen) an der Oberseite des Tongenerators verlaufenden Ălrinne saugt. Die Rinne (und auch das Scanner-Vibrato) wird ĂŒber zwei kleine Trichter von oben mit Ăl befĂŒllt. Mindestens einmal jĂ€hrlich soll geeignetes Ăl nachgefĂŒllt werden, so dass es einige mm hoch in den Trichtern steht.
Die Motor-Tongenerator-Einheit ist zur akustischen Entkoppelung federnd im GehĂ€use der Orgel aufgehĂ€ngt. Bei Auslieferung und bei gröĂeren Transporten soll aber eine Transportsicherung angebracht werden, Ă€hnlich wie bei anderen GerĂ€ten mit federnd aufgehĂ€ngten Massen (Plattenspieler, Waschmaschine). Ein Kippen des Instrumentes ist unproblematisch. Es muss jedoch im Bezug auf das Ălen beachtet werden, dass in der Ălwanne lediglich der dort befindliche Filz angefeuchtet wird. Keinesfalls darf in der Wanne Ăl stehen. Erstens wĂŒrde dies beim Kippen der Orgel ĂŒberlaufen, andererseits wĂŒrde eine "Ăberölung" zur BeschĂ€digung des Vibrato-Scanners fĂŒhren.
In Modellen, die mit 60 Hz Netzfrequenz betrieben werden, lĂ€uft ein sechspoliger Motor mit 1200 Umdrehungen pro Minute (20 Hz), in 50-Hz-Modellen ein vierpoliger Motor mit 1500 Umdrehungen pro Minute (25 Hz). Die zur Tonerzeugung erforderlichen Drehzahlen werden durch Zahnradgetriebe mit zwölf unterschiedlichen Ăbersetzungen bereitgestellt. Die dabei entstehenden zwölf verschiedenen Drehzahlen, mit denen sich die TonrĂ€der auf den Tonradwellen drehen, ergeben nĂ€herungsweise die zwölf gleichstufig gestimmten chromatischen Töne einer Oktave.
Am Beispiel einer Orgel, die mit 60 Hz Netzfrequenz betrieben wird sowie 96 TonrĂ€der und 61 Tasten (C-c4) je Manual hat, sollen die VerhĂ€ltnisse nĂ€her erlĂ€utert werden: Bei 60 Hz Netzfrequenz dreht sich die Motorwelle des sechspoligen Synchronmotors mit 20 Hz. Die nachfolgende Tabelle zeigt fĂŒr diesen Fall die zwölf Ăbersetzungen der Zahnradgetriebe, die zugehörigen Töne der tiefsten Oktave der Orgel (Kontraoktave: Tasten C bis H bei gezogenem 16âČ-Riegel) mit ihren Frequenzen und die Abweichungen zur gleichstufigen Stimmung:
| Ăbersetzung | Ton | Frequenz | Abweichung |
|---|---|---|---|
| 85:104 | Kontra-C | 32,69 Hz | â0,58 Cent |
| 71:82 | Kontra-Cis | 34,63 Hz | â0,68 Cent |
| 67:73 | Kontra-D | 36,71 Hz | +0,20 Cent |
| 105:108 | Kontra-Dis | 38,89 Hz | â0,09 Cent |
| 103:100 | Kontra-E | 41,20 Hz | â0,14 Cent |
| 84:77 | Kontra-F | 43,64 Hz | â0,68 Cent |
| 74:64 | Kontra-Fis | 46,25 Hz | +0,03 Cent |
| 98:80 | Kontra-G | 49,00 Hz | +0,02 Cent |
| 96:74 | Kontra-Gis | 51,89 Hz | â0,71 Cent |
| 88:64 | Kontra-A | 55,00 Hz | 0,00 Cent |
| 67:46 | Kontra-Ais | 58,26 Hz | â0,29 Cent |
| 108:70 | Kontra-H | 61,71 Hz | â0,59 Cent |
Die Orgel ist auf den Kammerton a1 = 440 Hz gestimmt.
Pro Ăbersetzung dreht sich ein Satz von acht TonrĂ€dern mit unterschiedlicher Zahnzahl auf vier Tonradwellen (je zwei TonrĂ€der sitzen auf einer Welle, mit der sie elastisch gekoppelt sind) zur Erzeugung der verschiedenen Oktavlagen der Töne:
| Oktave | Zahnzahl |
|---|---|
| Kontraoktave | 2 |
| GroĂe Oktave | 4 |
| Kleine Oktave | 8 |
| Eingestrichene Oktave | 16 |
| Zweigestrichene Oktave | 32 |
| Dreigestrichene Oktave | 64 |
| Viergestrichene Oktave | 128 |
| FĂŒnfgestrichene Oktave bis fis5 | 192 |
Bei der fĂŒnfgestrichenen Oktave kommen aus fertigungstechnischen GrĂŒnden keine TonrĂ€der mit 256 ZĂ€hnen zum Einsatz. Auf den Tonradwellen fĂŒr die Töne C bis E befinden sich zahnlose RĂ€der ohne Tonabnehmer, die nur aus mechanischen GrĂŒnden montiert sind. Daher hat eine Orgel mit 96 TonrĂ€dern nur 91 TonrĂ€der, die jeweils einen Ton erzeugen. Die TonrĂ€der mit 192 ZĂ€hnen fĂŒr die Töne c5 bis fis5 befinden sich auf den Tonradwellen fĂŒr die Töne F bis H. Das VerhĂ€ltnis 192:256 ZĂ€hne ist gleich 3:4, was einer reinen Quarte entspricht. Deshalb produziert das Tonrad mit 192 ZĂ€hnen auf der Tonradwelle fĂŒr den Ton F die Unterquarte zum Ton f5, also den Ton c5. Da die reine Quarte aber von der gleichstufigen Quarte abweicht und zusĂ€tzlich andere Abweichungen durch die Ăbersetzungen hinzu kommen, ergeben sich fĂŒr die Töne der fĂŒnfgestrichenen Oktave andere Abweichungen von der gleichstufigen Stimmung:
| Ăbersetzung | Tonradwelle | Ton | Frequenz | Abweichung |
|---|---|---|---|---|
| 84:77 | F | c5 | 4189 Hz | +1,27 Cent |
| 74:64 | Fis | cis5 | 4440 Hz | +1,98 Cent |
| 98:80 | G | d5 | 4704 Hz | +1,98 Cent |
| 96:74 | Gis | dis5 | 4982 Hz | +1,25 Cent |
| 88:64 | A | e5 | 5280 Hz | +1,96 Cent |
| 67:46 | Ais | f5 | 5593 Hz | +1,67 Cent |
| 108:70 | H | fis5 | 5925 Hz | +1,36 Cent |
SĂ€mtliche hier beschriebenen Abweichungen von der gleichstufigen Stimmung liegen unter zwei Cent, was allgemein als Wahrnehmungsgrenze fĂŒr Verstimmungen angesehen wird. Somit stellt die verwendete Kombination aus Zahnradgetrieben und TonrĂ€dern eine fĂŒr die musikalische Praxis hinreichend genaue NĂ€herung der gleichstufigen Stimmung dar.
Durch die starre mechanische Vorgabe der Frequenzen ĂŒber die unterschiedliche Zahnzahl der RĂ€der kann sich die Orgel in sich nicht verstimmen, jedoch schwankt die Tonhöhe des Instrumentes im Ganzen mit der Netzfrequenz. Eine Hammond-Orgel lĂ€sst sich somit in keiner Weise stimmen; alle anderen Instrumente haben sich nach ihr zu richten. (Abhilfe kann hier ein nachgerĂŒsteter Frequenzumrichter schaffen, der in SpezialgeschĂ€ften erhĂ€ltlich ist.)
Etwa um 1975 beendete Hammond die Produktion der Orgeln mit elektromechanischer Tonerzeugung und stellte auf Orgeln mit elektronischer Tonerzeugung um. Diese Orgeln konnten den typischen Klang der elektromechanischen Orgeln jedoch anfangs nicht erreichen, so dass sie von professionellen Musikern nicht richtig akzeptiert wurden.
Die nachfolgenden Betrachtungen gelten fĂŒr das bekannteste Modell B3, andere Modelle weisen Unterschiede dazu auf, ohne dass sich das Grundprinzip Ă€ndert.
Ein Ton der Orgel setzt sich aus neun verschiedenen Frequenzen zusammen, deren LautstĂ€rkepegel ĂŒber die so genannten Zugriegel (engl. Drawbars) eingestellt werden können (siehe auch additive Synthese). Man bezeichnet diese Orgel daher auch als neunchörig. Jeder Zugriegel hat neun verschiedene Lautheitsstufen (von 0 bis 8). Daraus ergeben sich rechnerisch, da die Nullstellung aller Zugriegel keine klingende Kombination ergibt, 99-1=387.420.488 unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten.
Die Zugriegel sind aus ergonomischen GrĂŒnden so angeordnet, dass beim Spiel mit der rechten Hand auf dem Obermanual die Zugriegel links sitzen, weil sie mit der linken Hand bedient werden. FĂŒr das Untermanual sind die Zugriegel auf der rechten Seite angebracht.
Die Zugriegel werden nach ihrer Tonhöhe bezeichnet, ausgedrĂŒckt durch die sogenannte FuĂlage. Diese Einteilung wurde von den Registern der Pfeifenorgel ĂŒbernommen. Die FuĂlagen sind (in der Einheit FuĂ, âČ): 16âČ, 51/3âČ, 8âČ, 4âČ, 22/3âČ, 2âČ, 13/5âČ, 11/3âČ, 1âČ. Sie entsprechen den folgenden Intervallen beziehungsweise Obertönen bezogen auf die Basis 8âČ (Ăquallage):
| 16âČ | eine Oktave tiefer (Unterton zu 8âČ) |
| 51/3âČ | eine Quinte höher (3. Harmonische zu 16âČ) |
| 8âČ | Ăquallage |
| 4âČ | eine Oktave höher (2. Harmonische zu 8âČ) |
| 22/3âČ | eine Oktave und eine Quinte höher (3. Harmonische zu 8âČ) |
| 2âČ | zwei Oktaven höher (4. Harmonische zu 8âČ) |
| 13/5âČ | zwei Oktaven und eine groĂe Terz höher (5. Harmonische zu 8âČ) |
| 11/3âČ | zwei Oktaven und eine Quinte höher (6. Harmonische zu 8âČ) |
| 1âČ | drei Oktaven höher (8. Harmonische zu 8âČ) |
Man unterscheidet zwischen dem Grundton und seinen Oktaven (FuĂlagen 8âČ, 4âČ, 2âČ, 1âČ; weiĂe Zugriegel), und den zwischen den Oktaven liegenden Obertönen (FuĂlagen 22/3âČ, 13/5âČ, 11/3âČ; schwarze Zugriegel). Weiter gibt es Subtöne (FuĂlagen 16âČ, 51/3âČ; braune Zugriegel). Die Subtöne gehören nicht zu den harmonischen Obertönen eines 8-FuĂ-Registers.
In einer Pfeifenorgel sind alle Obertonregister stets rein, also mit Frequenzen, die ein ganzzahliges Vielfaches zur Grundtonfrequenz bilden, ausgefĂŒhrt. Bei der Hammondorgel gilt dieses nur fĂŒr die Oktavlagen (8âČ, 4âČ, 2âČ, 1âČ; bezogen auf 16âČ). Um die Quinten (51/3âČ, 22/3âČ, 11/3âČ) und die Terz (13/5âČ) derart zu bauen, wĂ€ren fĂŒr die Quinten TonrĂ€der mit {6; 12; 24; âŠ} ZĂ€hnen und fĂŒr die Terz TonrĂ€der mit {20; 40; 80; âŠ} ZĂ€hnen erforderlich, die jedoch nicht vorhanden sind. Die Quinten und die Terz mĂŒssen aus den vorhandenen Tönen gewonnen werden, die aber nĂ€herungsweise gleichstufig gestimmt sind. Diese Art der FuĂlagengewinnung stellt den Extremfall einer Multiplexorgel dar. Alle FuĂlagen (âRegisterâ) werden aus einer einzigen Reihe Tonerzeuger gewonnen. Nachfolgende Tabelle stellt die Töne und deren Abweichungen von den rein gestimmten Obertönen fĂŒr die Zugriegel 22/3âČ (Quinte, 3. Teilton) und 13/5âČ (Terz, 5. Teilton) dar:
| 8âČ-Ton (Grundton) | 22/3âČ-Ton | Abweichung | 13/5âČ-Ton | Abweichung |
|---|---|---|---|---|
| C | g0 | â1,9 Cent | e1 | +13,5 Cent |
| Cis | gis0 | â2,7 Cent | f1 | +13,0 Cent |
| D | a0 | â2,0 Cent | fis1 | +13,7 Cent |
| Dis | ais0 | â2,2 Cent | g1 | +13,7 Cent |
| E | h0 | â2,5 Cent | gis1 | +13,0 Cent |
| F | c1 | â2,5 Cent | a1 | +13,7 Cent |
| Fis | cis1 | â2,6 Cent | ais1 | +13,4 Cent |
| G | d1 | â1,8 Cent | h1 | +13,1 Cent |
| Gis | dis1 | â2,0 Cent | c2 | +13,1 Cent |
| A | e1 | â2,1 Cent | cis2 | +13,0 Cent |
| Ais | f1 | â2,6 Cent | d2 | +13,9 Cent |
| H | fis1 | â1,9 Cent | dis2 | +13,6 Cent |
Hinweis: Da das Cent ein relatives MaĂ fĂŒr den Abstand zweier Töne beziehungsweise Frequenzen ist, gelten die Werte der Abweichungen beim 22/3âČ auch fĂŒr die Zugriegel 51/3âČ und 11/3âČ.
WĂ€hrend die Abweichungen bei den Quinten noch im Bereich der Wahrnehmungsgrenze fĂŒr Verstimmungen liegen, so sind die Abweichungen bei der Terz deutlich als Abweichungen zur rein gestimmten groĂen Terz (5. Teilton) wahrnehmbar, was Pfeifenorgelspieler als sehr störend empfinden können. Andererseits trĂ€gt diese eigenartige Art der FuĂlagengewinnung zum typischen Klang der Orgel bei.
Als Notation von Registereinstellungen werden in Noten oder einschlĂ€giger Fachliteratur die Positionen der einzelnen Register durch neun Ziffern dargestellt. So bedeutet die Darstellung 888888888 etwa, dass alle Register maximal gezogen sind. Bei 500008000 klingen nur die 16âČ- und 2âČ-Register. Oft werden die Ziffern auch nach dem Schema 2-4-3 gruppiert, so dass einige Organisten 88 8888 888 beziehungsweise 50 0008 000 fĂŒr die oben genannten Beispiele notieren.
Die 91 Frequenzen des Generators reichen nicht aus, um alle Tasten mit den kompletten Obertönen zu versorgen. Dazu wĂ€ren 121 Frequenzen (Kontra-C bis c8) notwendig, einige hohe Töne fehlen. Wenn man nun einen hohen Ton spielte, erklĂ€ngen dessen höhere Obertöne nicht, weshalb er leiser und dĂŒnner klĂ€nge. Das sogenannte Harmonic Foldback wirkt diesem Effekt entgegen. Wenn ein Oberton auĂerhalb des Frequenzumfangs des Generators liegt, erklingt er eine Oktave tiefer. Das Harmonic Foldback wird ab dem Ton g5 erforderlich, da der höchste verfĂŒgbare Ton der Orgel fis5 ist. Dadurch Ă€ndert sich die Frequenzcharakteristik der hohen Töne maĂgeblich. Das Harmonic Foldback ist der Grund, warum eine B3 in den hohen Lagen so schreit. FĂŒr das Harmonic Foldback ergibt sich folgende Situation:
| Zugriegel | Tastenbereich:FuĂlage | ||
|---|---|---|---|
| 16âČ | C-c4: 16âČ | ||
| 8âČ | C-c4: 8âČ | ||
| 51/3âČ | C-c4: 51/3âČ | ||
| 4âČ | C-c4: 4âČ | ||
| 22/3âČ | C-h3: 22/3âČ | c4: 51/3âČ | |
| 2âČ | C-fis3: 2âČ | g3-c4: 4âČ | |
| 13/5âČ | C-d3: 13/5âČ | dis3-c4: 31/5âČ | |
| 11/3âČ | C-h2: 11/3âČ | c3-h3: 22/3âČ | c4: 51/3âČ |
| 1âČ | C-fis2: 1âČ | g2-fis3: 2âČ | g3-c4: 4âČ |
Funktional entspricht das Harmonic Foldback einer Oktavrepetition in einem Pfeifenorgelregister. Es gibt jedoch einen signifikanten Unterschied zur Pfeifenorgel. Repetiert bei einer Pfeifenorgel ein 2âČ-Register auf der Taste g3 in die 4âČ-Lage, so sind auch fĂŒr die höchsten Tasten eigene Pfeifen vorhanden. Zusammen mit einem 4âČ-Register erklingen also 4âČ + 2âČ und ab der Taste g3 4âČ + 4âČ, also zwei Töne gleichzeitig auf jeder Taste. Da bei der Hammond-Orgel keine TonrĂ€der doppelt vorhanden sind, erklingen nur bis zur Taste fis3 zwei unterschiedliche Töne gleichzeitig, nĂ€mlich 4âČ + 2âČ, ab der Taste g3 erklingt jedoch nur noch ein Ton, der 4âČ - allerdings wird auch hier dieser eine Ton dann doppelt zur VerfĂŒgung gestellt, woraus sich in der Mischung (zumindest theoretisch) ein LautstĂ€rkezuwachs ergibt. Besonders bei der Kombination 4âČ + 2âČ + 1âČ wird der Ton in den hohen Lagen aber zunehmend dĂŒnner. Das Harmonic Foldback löst das Problem des in der Höhe dĂŒnner werdenden Klangs daher nicht vollstĂ€ndig.
Ein Choruseffekt ist prinzipiell nichts anderes als eine Schwebung. Diese entsteht gewöhnlich dann, wenn zwei Töne mit ganz leicht unterschiedlichen Frequenzen erklingen. Um 1940 erreichte man das bei Hammond-Orgeln noch, indem man einen zweiten Tongenerator, den sogenannten Chorus-Generator, einbaute, der gegenĂŒber dem Hauptgenerator ganz leicht verstimmt war. Die Frequenzen dieses zusĂ€tzlichen Generators wurden mit denen des Hauptgenerators ĂŒberlagert, wodurch sich ein Choruseffekt ergab. Da die so ausgestatteten Orgeln ĂŒbermĂ€Ăig schwer waren, ging man spĂ€ter dazu ĂŒber, ein sogenanntes Scanner-Vibrato einzubauen:
Die Vibrato-Einheit besteht aus einer analogen Verzögerungsleitung (oder Phasenschieberschaltung â hintereinandergeschaltete LC- und LRC-Filterschaltungen) mit 16 AusgĂ€ngen, an denen das von Stufe zu Stufe zunehmend verzögerte Tonsignal abgegriffen und dem Vibrato-Scanner zugefĂŒhrt wird. Bei diesem handelt es sich um eine Art kontaktlosen Drehschalter (technisch Ă€hnlich einem Drehkondensator mit 16 Statorpaketen und einem Rotorpaket).
Das an den Statorpaketen anliegende, jeweils unterschiedlich stark verzögerte Signal wird vom Rotor abgegriffen und weitergeleitet.
Die phasenverschobenen Signale sind mit auf- und absteigender Verzögerung (entsprechend dem Muster 1-2-3-4-5-6-7-8-7-6-5-4-3-2-1) auf die Statorpakete gelegt. Ăber den an die Motorachse gekoppelten umlaufenden Rotor wird somit ein periodisch unterschiedlich stark verzögertes Signal zur weiteren VerstĂ€rkung gegeben. Daraus resultiert zunĂ€chst eine Tonhöhenschwankung (Vibrato) des Orgeltons. Mischt man dieses Vibrato-Signal mit dem unverĂ€nderten Signal, was ĂŒber den EffektstĂ€rke-Drehschalter geschieht, ergibt sich ein spezieller Chorus-Effekt, der von unzĂ€hligen Hammond-Aufnahmen bekannt ist.
Das Percussion-Register ist nur auf dem Obermanual verfĂŒgbar, und auch nur auf einem der zwei ZugriegelsĂ€tze. Das Erklingen und schnelle Abklingen einer FuĂlage ergibt den Percussion-Effekt. Die Percussion erklingt nicht bei jedem Tastendruck, sondern nur, wenn davor alle Tasten losgelassen wurden. Die FuĂlagen 4âČ und 22/3âČ sind als Percussion-Register schaltbar, wobei eine kurze (etwa 200 Millisekunden) und eine lange (eine knappe Sekunde) Ausklingzeit gewĂ€hlt werden kann. ZusĂ€tzlich ist die LautstĂ€rke zwischen Normal und Soft schaltbar. FĂŒr die Steuerung der Percussion wird der 1âČ-Tastenkontakt verwendet, der 1âČ-Zugriegel ist bei eingeschalteter Percussion also stumm.
Datei:LeslieCabinetSlowFastSlow.ogg Datei:LezlieCabinetSequence.ogg
Hammond-Orgeln wurden vielfach mit einem Federhall ausgestattet, um dem Klang mehr RĂ€umlichkeit zu verleihen. Zudem ist der Klang der Hammond fĂŒr viele untrennbar mit dem Leslie verbunden. Dieses sogenannte Motion Sound System beruht auf dem Klang rotierender Lautsprecher (Dopplereffekt), der das bekannte Jammern des Klanges verursacht. Kurioserweise wurden Hammond-Orgeln nicht ab Werk mit einem Leslie-Anschluss ausgestattet, da Laurens Hammond den Klang des Leslies nicht mochte. Dieser musste vielmehr mit einem Leslie Connector Kit nachgerĂŒstet werden. Allerdings wurden ab 1967 verkleinerte Leslie-Lautsprecher in die T- und M-Modelle eingebaut[4].
Im Hardrock war und ist es ĂŒblich, Hammond-Orgeln ĂŒber GitarrenverstĂ€rker zu verstĂ€rken. Modelle der Firma Marshall sind beliebt und verbreitet. Jon Lord prĂ€gte in den 70er-Jahren diesen Klangstil.
Weitere Effekte, die zur KlangverÀnderung eingesetzt werden, sind Phaser, Ringmodulator und Flanger.
ErgĂ€nzend zu den Zugriegeln bieten einige Modelle so genannte Presets an, mit denen vom Hersteller definierte Registrierungen per Tastendruck abgerufen werden können. GröĂere Orgeln wie die B3 bieten auf beiden Manualen eine ganze Oktave an invertiert-kolorierten Tasten an, mit denen die Presets angewĂ€hlt werden können. Es kann jeweils nur ein Preset zu einem Zeitpunkt angewĂ€hlt sein, die Taste arretiert dann in der gedrĂŒckten Position. Die Zugriegel verstellen sich dabei nicht automatisch, da es an einer Motorisierung fehlt, die Presets sind vielmehr intern verdrahtet.
Andere Modelle bieten Kippschalter als Presets an. Dazu gehören die M-100 und die L-100 Serie von Hammond.
Man unterscheidet prinzipiell zwei Typen von Hammond-Orgeln:
Konsolenmodelle: Diese besitzen zwei Manuale mit je 61 Tasten (Câc4) und ein 25-töniges (Câc1) oder 32-töniges (Câg1) Basspedal (Vollpedal). Weiterhin sind vier neunchörige ZugriegelsĂ€tze (zwei pro Manual) und neun Presets pro Manual vorhanden. (Die farblich invertierten Tasten am linken Manualende sind Schalter, ĂŒber die die Presets und ZugriegelsĂ€tze ausgewĂ€hlt werden). Das Basspedal besitzt zwei Zugriegel (16âČ und 8âČ). Konsolenmodelle waren fĂŒr den Konzert- und Kirchenmusikbereich bestimmt. Zu ihnen zĂ€hlt man die technisch Ă€hnlichen Modellreihen A100, B3 und C3 sowie RT3, D100, E100 und H100 (Liste unvollstĂ€ndig).
Spinettmodelle:Sie besitzen ĂŒblicherweise zwei Manuale mit je 44 Tasten (Fâc3), einen Zugriegelsatz pro Manual, keine oder wenige Presets und ein zwölftöniges (CâH) oder dreizehntöniges (Câc) Stummelpedal. Das Untermanual ist nur sieben- oder achtchörig, die subharmonischen Register (16âČ und 51/3âČ) fehlen. Spinettmodelle waren fĂŒr den Heimbereich konzipiert. Wichtigste Vertreter sind die Baureihen L100, M3, M100 und T100.
Die Konsolenmodelle besitzen zudem das âHarmonic Foldbackâ, was bei den Spinettmodellen nicht zu finden ist. Daraus resultieren in jedem Fall grundsĂ€tzliche klangliche Unterschiede zwischen beiden Modelltypen.
Nachfolger und EigentĂŒmer des Namens Hammond ist eine japanische Firma namens Suzuki (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Motorradhersteller), die unter dem Firmennamen Hammond-Suzuki moderne Orgeln der Marke Hammond im alten Stil und Klang vermarktet. Bei diesen wird der Klang des Tongenerators mittels digitaler Technik simuliert. Der deutsche Distributor in Setzingen bei Ulm unterhĂ€lt jedoch gleichzeitig eine Fachwerkstatt fĂŒr die Instandsetzung der alten Modelle; im groĂen Verkaufsraum befinden sich auch Original-Hammond-Orgeln.
Auch einige Fremdhersteller boten und bieten Keyboards und Soundmodule mit dem Hammond-Klang und -Bedienelementen an, darunter die Firmen Clavia (mit den Modellen Nord C1, Nord C2, Nord C2D, Nord Electro 1, Nord Electro 2, Nord Electro 3, Nord Stage 1 und Nord Stage 2), KORG (CX-3, BX-3, CX-3 II und BX-3 II), Roland, Oberheim und Kurzweil, die teilweise eine beachtliche AuthentizitÀt des Klanges erreichen.
Daneben gibt es unterdessen Computerprogramme, die den Klang und teilweise auch â etwa mittels spezieller Zugriegel-Adapter â die Spielbarkeit von Hammond-Orgeln nachzuahmen versuchen; zu den bekanntesten zĂ€hlt die Software Vintage Organs der Firma Native Instruments.
Hammond-Suzuki selbst setzt einen gewissen Schwerpunkt auf Sakralorgeln (Modell 935, A-405 und 920). Daneben werden Baureihen mit Heimorgeln (HolzgehÀuse mit Hufeisentisch), die kleine, mobile und modular erweiterbare XK-Serie und als Volumenmodell die optisch und akustisch auf der B3 beruhende "B3 MK 2" angeboten. Alle Modelle beruhen auf der digitalen Nachbildung des Tonrad-Generatorklangs.
Trotz der modernen Digitaltechnik gelang und gelingt es nur schwer, den Klang einer alten, elektromechanischen Hammond-Orgel elektronisch (also âkĂŒnstlichâ) zu erzeugen beziehungsweise zu reproduzieren. Aus diesem Grund erfreuen sich die alten elektromechanischen Orgeln nach wie vor groĂer Beliebtheit. Die GrĂŒnde fĂŒr die Unnachahmbarkeit beziehungsweise schwere Nachahmbarkeit des Klanges der elektromechanischen Tonerzeugung sind im Wesentlichen folgende:
Musiker, bei denen die Hammondorgel stilprÀgend war oder ist:
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Dieser Artikel wurde am 27. Februar 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen. |