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| Hantaviren | ||||||||
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| Systematik | ||||||||
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| Taxonomische Merkmale | ||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||
| Hantavirus (engl.) | ||||||||
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Die Gattung Hantavirus aus der Familie der Bunyaviridae umfasst unter anderem die humanpathogenen Arten Hantaan-Virus, Puumala-Virus, Dobrava-Belgrad-Virus, Seoul-Virus, Korea-Fieber-Virus, Sin-Nombre-Virus. Diese behüllten Einzel-Strang(−)-RNA-Viren [ss(−)RNA] verursachen Lungenerkrankungen, akutes Nierenversagen (Nephrotisches Syndrom) oder schwere hämorrhagische Fiebererkrankungen insbesondere im südasiatischen Raum, aber auch in Europa, siehe: Vorkommen.
Der Name Hanta geht auf den Fluss Hantan in Südkorea zurück, an welchem in den 1950er-Jahren während des Koreakrieges mehr als 3000 amerikanische Soldaten an einem ungewöhnlich starken Fieber mit anschließend häufigen Nierenversagen erkrankten. Erst 1977 gelang es durch Ho Wang Lee und andere, das bis dahin unbekannte Virus zu isolieren.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Die Übertragung geschieht durch verschiedene Nager, die mit dem Speichel, den Fäkalien und dem Urin (Virurie) große Mengen an Erregern ausscheiden. Bei den Nagern sind vor allem Mäuse, in Deutschland besonders die Rötelmaus als Überträger festgestellt, die jedoch selbst nicht erkranken, auch wenn sie, einmal infiziert, lebenslang infektiös bleiben.[1] Die Übertragung auf den Menschen erfolgt sowohl durch Kontaktinfektion als auch durch orale, überwiegend jedoch durch respiratorische Aufnahme der Erreger durch die Atemwege, seltener durch Nagetierbisse.[2] Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nur in einem einzigen Fall in Südamerika beschrieben worden.[3]
Die Inkubationszeit beträgt 5 bis 60 Tage.
Es kommt zu Fieber, Petechien, geringen Blutungen und Proteinurie; diese Symptome heilen ohne Folgen aus.
Bei bis zu einem Drittel der Erkrankten ergibt sich ein schwererer Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen:[1] zunächst mit Kopf- und Gliederschmerzen, anschließend einer Fieberphase von 3 bis 7 Tagen, Myalgien (Muskelschmerzen), Blutungen der Augenbindehaut (konjunktivalen Blutungen), Hautblutungen (Petechien) und Blutungen der Schleimhäute; es kommt weiterhin vorübergehend zu Hypotonie (Blutdruck unterhalb der Norm), Tachykardie (Herzrasen) und evtl. Bewusstseinsstörungen. Eine akute tubuläre und interstitielle Nephritis kann dann zunächst zu Oligurie mit arterieller Hypertonie führen oder zum Ausfall einer oder beider Nieren (10 % der Patienten[1]). Begleitend treten Erbrechen, gastrointestinale (den Magen-Darm-Trakt betreffende) und zerebrale (das Gehirn betreffende) Blutungen, Hämaturie, selten Lungenödeme auf. Das Schicksal des Patienten entscheidet sich in dieser Phase. Anschließend (5. Krankheitswoche) kommt es zu einer Phase mit verstärkter Urinausscheidung (Diurese) mit einer Ausscheidung von 3 bis 6 l/Tag. Erkrankungen durch Hantaviren müssen bei schwerem Verlauf im Krankenhaus behandelt werden, andernfalls kann die Erkrankung zum Tode führen. Eine Anämie kann Monate fortdauern. Der Nachweis von Hantaviren ist meldepflichtig.
Die europäische mildere Form, verursacht durch das Puumala-Virus, wird als Nephropathia epidemica bezeichnet. Dabei treten selten Blutungen auf. Akute Glaukomanfälle, eine Beteiligung des Zentralen Nervensystems (ZNS), Myokarditiden und intestinale (den Darm betreffende) Blutungen können als Komplikationen auftreten.
Die Erregerisolation ist im Tierversuch und in Zellkulturen zu Krankheitsbeginn möglich. Der serologische Nachweis wird im Immunfluoreszenztest und ELISA erbracht. IgM-Antikörper sind nur einige Wochen nachweisbar, wohingegen die 14 Tage nach Krankheitsbeginn auftretenden IgG-Antikörper jahrelang bestehen bleiben können.
Eine Impfung gegen Hantaviren befindet sich erst im Entwicklungsstadium.[4][5][6][7]
Zur Infektionsverhütung können Nagetiere im Umfeld menschlicher Siedlungen bekämpft werden. Ist ein Kontakt nicht zu vermeiden, zum Beispiel beim Reinigen befallener Bereiche, wird empfohlen, Nagetierkadaver nur mit Einmalhandschuhen zu entfernen[8]. Ein Anfeuchten betroffener Flächen vermindert das Aufwirbeln von Staub, bei Reinigungsarbeiten sollten Mundschutz und Handschuhe getragen werden; auch dicht schließende Mülleimer sowie regelmäßiges Reinigen und Lüften gehören zu den durch das Robert-Koch-Institut empfohlenen Vorbeugemaßnahmen.[1] Verschmutzte Flächen sollten nach dem Reinigen desinfiziert werden.[9]
Hantaviren sind weltweit verbreitet.
In Mitteleuropa sind beispielsweise einige Regionen in Niedersachsen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg sowie in Österreich Teile der Steiermark[10] als Endemiegebiete für das Puumala-Virus bekannt, durch die es besonders im Frühjahr zu Erkrankungen mit plötzlichem Nierenversagen kommen kann.
Da Hantavirus-Erkrankungen in Deutschland erst seit 2001 meldepflichtig sind, liegen für die Erkrankungsraten aus früheren Jahren keine verlässlichen Daten vor. Mit 1687 gemeldeten Fällen gehörten Hantavirus-Infektionen im Jahr 2007 zu den fünf häufigsten meldepflichtigen Viruserkrankungen in Deutschland (nach Noroviren, Rotaviren, Influenza und Hepatitis C). Auffällig sind die jährlich großen Unterschiede der Erkrankungsfälle: 2007 waren die Fallzahlen viermal höher als 2005, und 2006 wurden nur 72 Erkrankungen gemeldet[11], 2010 meldete das Robert-Koch-Institut bis Mitte Juli bereits 1150 Infizierte.[1] Auch regionale Unterschiede bestehen: Hohe Fallzahlen wurden 2007 und 2010 aus Baden-Württemberg von der Schwäbischen Alb gemeldet,[1] aber auch aus dem Bayerischen Wald, dem Spessart, Köln und dem Münsterland. Es wird ein Zusammenhang mit dem Vorkommen von Buchenwäldern vermutet, da sich die Rötelmaus von Bucheckern ernährt.[1]
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