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Als Heimkehrer im Sinne dieses Artikels werden im Volksmund Kriegsgefangene des Zweiten Weltkrieges bezeichnet, die nach Deutschland und Österreich zurückkehren konnten.
Inhaltsverzeichnis |
Schätzungsweise drei Millionen deutsche und österreichische Soldaten waren von 1941 bis 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft geraten und blieben es auch noch bis 1947. Die westlichen Alliierten hatten ihre deutschen Kriegsgefangenen im Wesentlichen bis Ende 1946 in ihre Heimat entlassen.
Im April 1947 kam es zu einer Konferenz bezüglich dieses Problems und die Außenminister der Alliierten vereinbarten, dass auch die restlichen Kriegsgefangenen bis Ende 1948 in ihre Heimat zurückkehren sollten. Die Zahlen der noch in Kriegsgefangenschaft gehaltenen deutschen Soldaten wurden wie folgt angegeben:
Der sowjetische Außenminister Molotow gab außerdem bekannt, dass 1.003.974 Kriegsgefangene bis zu diesem Zeitpunkt in ihre Heimat entlassen worden seien.[1]
Man einigte sich schließlich auf die Freilassung der restlichen Gefangenen, wobei die Sowjetunion erst 1955 alle Kriegsgefangenen auslieferte, vorgeblich wegen der massiven Kriegsschäden, die ihr Territorium erlitten hatte und die die Kriegsgefangenen mit ihrer Arbeitskraft beheben sollten. Entsprechend dieser Doktrin wurden zunächst vor allem kranke und nicht mehr arbeitsfähige Gefangene freigelassen. 1949 änderte sich die Freilassungspolitik: Nicht mehr die Arbeitsfähigkeit war entscheidend, sondern die politische und ideologische Einstufung aus sowjetischer Sicht. Ab diesem Zeitpunkt wurden viele Gefangene in Massenprozessen zu Kriegsverbrechern erklärt.
Im Heimkehrerlager Gronenfelde bei Frankfurt (Oder)[2] wurden sämtliche Kriegsgefangene aus dem Osten aufgenommen. Die Gesamtzahl vom 27. Juli 1946 bis zum letzten Transport am 3. Mai 1950 betrug 1.125.508 Heimkehrer. Die ersten Transporte kamen vor allem aus Ungarn, Polen und Rumänien, erst später aus der Sowjetunion. Am hessischen Grenzbahnhof Herleshausen wurden am 16. Januar 1956 die letzten aus sowjetischen Lagern heimkehrenden Kriegsgefangenen in Empfang genommen.[3]
Ungefähr zwei Millionen Gefangene kehrten aus der Sowjetunion zurück. Damit gelten ca. 1,3 Millionen Gefangene als verstorben oder vermisst[4] (→ Verluste unter den Kriegsgefangenen).
Als „Spätheimkehrer“ werden vom Gesetzgeber alle ehemaligen Kriegsgefangenen bezeichnet, die nach dem 31. Dezember 1946 entlassen wurden. Für diesen Personenkreis gab es gemäß Kriegsgefangenenentschädigungsgesetz eine Entschädigung von 30 DM je Gefangenschaftsmonat ab dem 1. Januar 1947; der Entschädigungsbetrag stieg für spätere Jahre nach 1949 immer weiter an.
Die Behandlung der Heimkehrer in Deutschland erfuhr einen Wandel. Während die ersten Freigelassenen aus der Sowjetunion noch meist feierlich empfangen wurden, ließ die Aufmerksamkeit schnell nach. In der DDR war den ehemaligen Gefangenen zudem verboten, über ihre Lagererlebnisse zu berichten, um kein schlechtes Licht auf die Sowjetunion zu werfen. In der Bundesrepublik wuchsen im Verlauf des Wirtschaftswunders die Schwierigkeiten mit Wiedereingliederung in Gesellschaft und Berufsleben.
Die Frage nach dem Schicksal der Gefangenen gehörte zu den drängendsten Problemen der deutschen Öffentlichkeit der Nachkriegsjahre. Mit zahlreichen Denkmälern und Demonstrationen wurde immer wieder auf dieses Schicksal hingewiesen.
Ein besonders emotionales Thema war damals die „Heimkehr der Zehntausend“ (ab 7. Oktober 1955) aus sowjetischer Gefangenschaft nach Friedland und Herleshausen mit folgender politischen Vorgeschichte:
Im Juni 1955 hatte die sowjetische Botschaft in Paris mit der dortigen deutschen Botschaft Kontakt aufgenommen und eine Einladung an Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Moskau übergeben. Angesichts Adenauers konsequenter, auch militärischer Westbindung war diese Einladung eine Sensation. Am 8. September 1955 flog Adenauer mit seiner Delegation zu einem Staatsbesuch in die Sowjetunion. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch knapp 10.000 deutsche Wehrmachts- und Waffen-SS-Soldaten sowie rund 20.000 politisch inhaftierte Zivilisten in sowjetischer Gefangenschaft. Bereits vor seiner Abreise kündigte Adenauer an, die Heimkehr der Gefangenen werde das wichtigste Thema in Moskau sein. Allerdings hatte die sowjetische Führung dieses Problem in der Vorbereitung des Staatsbesuchs nicht offiziell erwähnt, sondern vor allem auf eine mögliche Aufnahme diplomatischer Beziehungen hingewiesen (→ Alleinvertretungsanspruch). Vermutlich war auf sowjetischer Seite intern die Freilassung der Gefangenen bereits als Gegenleistung diskutiert worden. In der sowjetischen Bevölkerung war eine Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen äußerst unpopulär.
Die Verhandlungen zwischen der Adenauer-Delegation und der sowjetischen Seite waren zunächst vor allem von der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg belastet. Dennoch kam es relativ schnell (am 12. September) zur Einigung über die 10.000 Kriegsgefangenen und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Die Freilassung der Zivilinternierten wurde kurz vor dem Ende der Gespräche persönlich zwischen Adenauer und Nikolai Bulganin vereinbart. In der Führung der DDR wurde die Einigung zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion kritisiert, da sie nicht mit der gewünschten Anerkennung des Landes durch die Bundesrepublik verbunden war.
Die von Hans Reichelt vertretene These, dass sich die Regierung der DDR seit 1946 für die Freilassung der Kriegsgefangenen einsetzte, wurde von Karl Wilhelm Fricke als durch die Forschung nicht gestützt verworfen.[5]
Am 7. Oktober 1955 kamen die ersten 600 Heimkehrer der „Zehntausend“ in Friedland an.
Zahlreiche literarische Werke, vor allem Romane[6] nahmen Heimkehrerschicksale auf.