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Herbert von Karajan (* 5. April 1908 in Salzburg; â 16. Juli 1989 in Anif, Salzburg; geboren als Heribert Ritter von Karajan, in Ăsterreich amtlich Heribert Karajan)[1] war ein österreichischer Dirigent. Er zĂ€hlt zu den bekanntesten und bedeutendsten Orchesterleitern des 20. Jahrhunderts. Karajan arbeitete mit vielen angesehenen Symphonieorchestern, wirkte an bedeutenden OpernhĂ€usern und veröffentlichte zahlreiche Einspielungen klassischer Musik. Er arrangierte auch die Hymne der EuropĂ€ischen Union.
Inhaltsverzeichnis |
Herbert von Karajan entstammte einer ursprĂŒnglich aus der nordgriechischen Provinz Makedonien stammenden Familie namens Karajannis (oder Karajoannes) von griechischer oder aromunischer Herkunft, die 1743 in Kozani erstmals urkundlich erwĂ€hnt ist. Er war der Ur-Urenkel des Kaufmanns Georg Karajan, eigentlich GeĂČrgios Johannes KarajĂ nnis, Inhaber einer Baumwollhandlung im kursĂ€chsischen Chemnitz, und Urenkel von Theodor von Karajan. Georg Karajan wurde mit Ehefrau und seinen Söhnen Demeter und Theodor am 1. Juni 1792 durch den sĂ€chsischen KurfĂŒrsten Friedrich August III. in den erblichen Reichsadelsstand erhoben. Die Anerkennung dieses Adelsstandes in Ăsterreich erfolgte fĂŒr dessen Witwe und die Söhne durch Erlass vom 4. JĂ€nner 1832. Theodor von Karajan wurde am 11. Juli 1869 in Wien mit seiner Ernennung zum Ritter des Leopold-Ordens in den österreichischen Ritterstand erhoben. Herbert von Karajans Vater Ernst von Karajan war als Chirurg in Salzburg tĂ€tig. Seine Mutter Marta KosmaÄ entstammte einer slowenische Familie; ihr Vater Mihael KosmaÄ war in Mojstrana bei Kronau geboren.[2] Herbert hatte einen um 2 Jahre Ă€lteren Bruder Wolfgang.
Von der Aufhebung des Adels im Jahr 1919 war auch die (österreichische) Familie von Karajan betroffen, deren Familienname zu Karajan ohne vorangestelltes âvonâ wurde. Der KĂŒnstler Karajan hatte seinerseits angedroht, in Ăsterreich nicht aufzutreten, wenn sein frĂŒheres âvonâ auf den AnkĂŒndigungsplakaten nicht aufscheinen dĂŒrfte. Daraufhin wurde ihm Herbert von Karajan als KĂŒnstlername zugestanden.[1]
1912 begann Karajan eine pianistische Ausbildung bei Franz Ledwinka. Von 1916 bis 1926 war Karajan SchĂŒler am Konservatorium Mozarteum in Salzburg bei Ledwinka (Klavier), Bernhard Paumgartner (Komposition, Kammermusik) und Franz Sauer (Harmonielehre). 1926 machte er die Matura am Humanistischen Gymnasium in Salzburg. In seiner schriftlichen Arbeit beschĂ€ftigte er sich mit Thermodynamik und Explosionsmotoren. Von 1926 bis 1928 studierte er drei Semester lang Maschinenbau an der Technischen Hochschule in Wien, gleichzeitig Musikwissenschaft an der UniversitĂ€t Wien und bis 1929 an der Wiener Akademie fĂŒr Musik und darstellende Kunst Klavier bei Josef Hofmann sowie Dirigieren bei Franz Schalk und Alexander Wunderer.
Am 22. JÀnner 1929 trat Herbert von Karajan zum ersten Mal öffentlich mit dem Mozarteum-Orchester in Salzburg auf, worauf der Intendant des Ulmer Stadttheaters Karajan zum Probedirigat einlud.
In Ulm wurde Karajan 1930 Erster Kapellmeister am Stadttheater und im Philharmonischen Orchester. 25-jĂ€hrig hatte er seinen Vertrag in Ulm nicht verlĂ€ngert, und so ging er zur Reichsmusikkammer, zum damaligen Chef Rudolf Vedder. Dieser muss tief beeindruckt gewesen sein, denn er wurde ein wichtiger Förderer. Vedder war eng mit dem Aachener Generalmusikdirektor Peter Raabe, am Stadttheater Aachen bekannt, und so wurde bereits im April 1934 ein Probedirigat angesetzt. 1935 wurde er am Stadttheater Aachen der jĂŒngste Generalmusikdirektor Deutschlands. Da auch schon der Dirigent Hans von Benda von Vedder protegiert wurde, hatte jener kein Problem damit Karajan nach Berlin zu holen.[3]
Der NSDAP trat Karajan in Salzburg am 8. April 1933 bei und bezahlte die AufnahmegebĂŒhr (Mitgliedsnummer 1.607.525). Diese Mitgliedschaft blieb formell bis 1939 gĂŒltig, ruhte aber wegen des ab Juni 1933 geltenden Verbots der NSDAP in Ăsterreich. Im Zuge der ĂberprĂŒfung der österreichischen Beitritte in der Zentrale der NSDAP in MĂŒnchen 1939 wurde die Mitgliedschaft amtlich fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt, aber rĂŒckwirkend mit Beitrittsdatum in Ulm am 1. Mai 1933 ersetzt; seine nunmehrige Mitgliedsnummer war 3.430.914.[4] [5] Ein zweimaliger Partei-Eintritt lag nach Forschungen der schwedisch-deutschen Historikerin Gisela Tamsen 1993 jedoch nicht vor.[6]
WĂ€hrend seiner Aachener Zeit trat Karajan auch bald bei Veranstaltungen der Nationalsozialisten auf. So dirigierte er am 20. April 1935 eine TannhĂ€user-Vorstellung anlĂ€sslich des Geburtstags des âFĂŒhrersâ, einen KdF-Opernabend (Fidelio) am 30. April. Am 29. Juni 1935 leitete er in einem Konzert zum Kreisparteitag der NSDAP die AuffĂŒhrung der Propagandawerke Festlicher Hymnus von Otto Siegl, Unsere Seele von Bruno StĂŒrmer sowie Flamme empor und Feier der neuen Front (nach Texten von Baldur von Schirach) von Richard Trunk.[7]
Am 8. April 1938 leitete Karajan als Gast erstmals das Orchester, das er in seinem Leben spÀter noch mehr als 1500-mal dirigieren sollte: die Berliner Philharmoniker. Auf dem Programm standen Mozarts Sinfonie Nr. 33 KV 319, Ravels Daphnis et Chloé, Suite Nr. 2 und Brahms 4. Symphonie.[8]
Weithin bekannt wurde Karajan, nachdem er am 30. September 1938 in der Berliner Staatsoper mit Beethovens Fidelio debĂŒtiert und am 21. Oktober Wagners Tristan und Isolde dirigiert hatte. Nach dem Tristan erfand der Kritiker der B.Z. am Mittag vom 22. Oktober 1938 Edwin von der NĂŒll das Schlagwort vom âWunder Karajanâ[9]. Ein erster Vertrag mit der Deutschen Grammophon Gesellschaft wurde geschlossen. In der Folge wurde er Dirigent der Staatskapelle Berlin, am 20. April 1939 verlieh ihm Hitler den Titel âStaatskapellmeisterâ.[10]
Karajan sank aber in der Gunst von Hitler, als er in der von ihm auswendig dirigierten AuffĂŒhrung von Die Meistersinger von NĂŒrnberg in der Berliner Staatsoper am 2. Juni 1939 falsche EinsĂ€tze gab und die Vorstellung mit dem Fallen des Vorhanges unterbrochen werden musste. Hitler entschied daraufhin, so in den Erinnerungen von Winifred Wagner, dass Karajan niemals bei den Bayreuther Festspielen dirigieren dĂŒrfe. Da er jedoch der Favorit von Göring war, leitete er weiterhin die Staatskapelle Berlin, mit der er in der Staatsoper bis 1944 etwa 150 Abende gestaltete.
Karajan dirigierte auch Konzerte in den von der Deutschen Wehrmacht besetzten Gebieten, so in Paris vom 16. bis 19. Dezember 1940 mit dem Ensemble des Aachener Theaters und im Mai 1941 im Rahmen eines Gastspieles der Berliner Staatsoper mit Tristan . Am 19. und 20. April 1944 leitete er aus Anlass von Hitlers Geburtstag das Orchester von Radio Paris im Théùtre des Champs-ĂlysĂ©es. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs wurde er im August 1944 in die von Adolf Hitler genehmigte Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Dirigenten aufgenommen, was ihn von einem Kriegseinsatz, auch an der Heimatfront, bewahrte.[11]
Am 18. Februar 1945 gab Karajan ein letztes Konzert mit der Staatskapelle in Berlin und setzte sich danach mit dem Flugzeug nach Italien ab. Das Kriegsende verbrachte er zusammen mit seiner damaligen Frau Anita in Mailand und am Comer See, wo er sich â so sagte er â âversteckte, um einem Einberufungsbefehl zu der Kampfpropagandatruppe âSĂŒdsternâ zu entgehen.â[12]
Am 12. JĂ€nner 1946 gab er in Wien sein erstes Konzert nach Kriegsende, wurde jedoch daraufhin von der russischen Besatzungsmacht wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft mit Berufsverbot belegt, das aber 1947 bereits wieder aufgehoben wurde.
1948 wurde Karajan Direktor und Ehrenmitglied, 1949 Mitglied auf Lebenszeit der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Mit der Aufnahme bei den Musikfreunden begann seine eigentliche Karriere. Ebenfalls 1948 debĂŒtierte er an der MailĂ€nder Scala und war dort stĂ€ndiger Gast als Dirigent und Regisseur von 1948 bis 1968.
1951 dirigierte er erstmals auf den Bayreuther Festspielen, kehrte aber nach 1952 nicht mehr nach Bayreuth zurĂŒck, weil er Wieland Wagners Regiestil mit seiner Auffassung fĂŒr unvereinbar hielt. 1955 wurde er Nachfolger von Wilhelm FurtwĂ€ngler und Sergiu Celibidache als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker.
Im Dezember 1954, kurz nach FurtwĂ€nglers Tod, hatte Berlins Kultursenator Joachim Tiburtius bei Karajan angefragt, ob dieser die noch zu FurtwĂ€nglers Lebzeiten fĂŒr den MĂ€rz 1955 terminierte USA-Tournee der Berliner Philharmoniker ĂŒbernehmen könne. Karajan antwortete: âMit tausend Freuden, aber nur als designierter Nachfolger und kĂŒnstlerischer Leiterâ.[13] Als Karajan 1955 die Berliner Philharmoniker in New York dirigierte, kam es zu dramatischen Demonstrationen gegen Deutschland und Karajan. Von seinem 1956 auf Lebenszeit[14] abgeschlossenen Vertrag mit den Berliner Philharmonikern trat er im April 1989 zurĂŒck, da ihm die finanzielle Förderung durch die Stadt und seine Kompetenzen nicht mehr ausreichten.[15]
AuĂerdem war er von 1957 bis 1964 kĂŒnstlerischer Leiter der Wiener Staatsoper, wo er entscheidend zum Weltruhm des Hauses beitrug und viele wichtige SĂ€nger erstmals an das Haus holte. Als die Bundestheaterverwaltung in einem Arbeitskonflikt die Operndirektion ĂŒberging, schrieb er am 7. Februar 1962 einen ersten RĂŒcktrittsbrief. Nach einem zweiten Konflikt, an dem Karajans Ko-Direktor Egon Hilbert, das Unterrichtsministerium, die Bundestheaterverwaltung, der GewerkschaftsprĂ€sident, der Bundeskanzler und am Ende der Verwaltungsgerichtshof beteiligt waren, demissionierte Karajan am 11. Mai 1964 endgĂŒltig. Im Herbst 1963 hatte Karajan fĂŒr die Ăbernahme von Puccinis La BohĂšme einen in der italienischen Oper ĂŒblichen Maestro suggeritore engagieren wollen. Die Gewerkschaft wollte die Arbeitserlaubnis fĂŒr den fĂ€lschlich so bezeichneten âauslĂ€ndischen Souffleurâ verhindern.
Im Jahre 1960 leitete Herbert von Karajan in Salzburg die Eröffnungspremiere des GroĂen Festspielhauses (Der Rosenkavalier von Richard Strauss).
Nach Auslaufen seines Vertrags als kĂŒnstlerischer Leiter der Salzburger Festspiele (1956â1960) spielte er weiterhin als Dirigent und spĂ€ter als Mitglied des Direktoriums, dem er von 1964 bis 1988 angehörte, eine wichtige Rolle in der Programmgestaltung.
1967 grĂŒndete er die Salzburger Osterfestspiele, die er bis zu seinem Tod leitete: Jedes Jahr erarbeitete er dort eine Opernneuproduktion mit den Berliner Philharmonikern, die dafĂŒr vom Berliner Senat freigestellt wurden, weiters grĂŒndete er die Pfingstkonzerte Salzburg.
Im Jahre 1977 kehrte Karajan an die Wiener Staatsoper zurĂŒck, wo er Il Trovatore (1978 live im Fernsehen ĂŒbertragen), La BohĂšme und Le Nozze di Figaro und in den Folgejahren Don Carlos dirigierte.
Ab Mitte der 1970er-Jahre wurde er zunehmend von gesundheitlichen Problemen geplagt, was ihn nicht daran hinderte, weiterhin Tourneen in alle Welt zu unternehmen.
Die Ăbertragung von Falstaff im Jahr 1982 war die erste Live-Ăbertragung einer OpernauffĂŒhrung der Salzburger Festspiele; in den Folgejahren wurden auch Der Rosenkavalier (eine Neueinstudierung der Eröffnungsinszenierung), Don Carlos und Don Giovanni live ĂŒbertragen.
Im Jahre 1985 dirigierte Herbert von Karajan eine AuffĂŒhrung von Mozarts Krönungsmesse im Petersdom in Rom im Rahmen eines von Papst Johannes Paul II. zelebrierten Hochamtes; im Jahr 1987 leitete er das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, der Mitschnitt dieses Konzertes zĂ€hlt zu den am hĂ€ufigsten verkauften Aufnahmen klassischer Musik.
Karajan war GrĂŒndungsmitglied der Paul-Hindemith-Gesellschaft in Berlin. Er war auch stark an den Techniken der Musikreproduktion interessiert und legte sehr viel Wert auf die Berichterstattung der Medien ĂŒber klassische Musik. DarĂŒber hinaus förderte er zahlreiche kĂŒnstlerische Karrieren, wie z. B. die von Hildegard Behrens, Christoph Eschenbach, Anne-Sophie Mutter, Jewgeni Igorewitsch Kissin, Mirella Freni, Agnes Baltsa, JosĂ© Carreras u. v. a.
Karajan hat als Dirigent mehr Einspielungen auf Ton- und BildtrÀger vorgelegt als die meisten seiner Kollegen. Er spielte etwa 700 Werke von rund 130 Komponisten ein, weltweit wurden an die 300 Millionen TontrÀger mit seinem Namen verkauft. Die Deutsche Grammophon (DG), Karajans Haus-Label seit den 1960er-Jahren, macht mit ihm bis heute (2008) ein geschÀtztes Drittel ihres Umsatzes.[16]
Aus der Zeit von 1938 bis 1945 gibt es einige Aufnahmen mit der Staatskapelle Berlin, etwa die OuvertĂŒre zur Zauberflöte vom Dezember 1938 oder Die Moldau vom Juni 1941. Im September 1944 wurde mit der Aufnahme von Bruckners 8. Sinfonie und der Staatskapelle Berlin eine der ersten deutschen Stereoeinspielungen hergestellt, von der sich der letzte Satz erhalten hat. 1946 startete er durch Vermittlung von Walter Legge bei Columbia Records (spĂ€ter EMI) eine erste groĂe Serie von Schallplattenaufnahmen mit dem neu gegrĂŒndeten Philharmonia Orchestra. Ab Mitte der 1950er- bis Anfang der 1960er-Jahre nahm er auch bei Decca in London auf, ab 1959 neben dem bis in die 1980er-Jahre laufenden Vertrag mit EMI auch bei Deutsche Grammophon. Das Standardrepertoire â und nur das interessierte ihn mit ganz wenigen Ausnahmen â nahm er so bis zu fĂŒnfmal auf, und die Zahl der Aufnahmen steht nach Ansicht vieler Kritiker nicht immer im VerhĂ€ltnis zu ihrer kĂŒnstlerischen Leistung. Seine 1982 gegrĂŒndete Firma Telemondial hatte den Zweck, sein âVermĂ€chtnisâ auch im Bild festzuhalten; es entstanden Bild- und Tonaufnahmen, in denen Karajan zum Teil auch die Bildregie bestimmte.
Karajans Musizierstil war meist (abgesehen von seiner frĂŒhen Zeit bei EMI) akademisch, ohne groĂe Wagnisse; er legte jedoch gröĂten Wert auf den Klang. Sein Ideal war ein âentmaterialisierterâ, geglĂ€tteter, âstromlinienförmigerâ Klang, der alle Körperlichkeit und AnsatzgerĂ€usche bei der Tonbildung vermeidet. Das fĂŒhrte bei klangsinnlichen Werken wie solchen des Impressionismus oder auch bei Jean Sibelius[17] zu beeindruckenden Ergebnissen â Karajan gilt hier neben Leopold Stokowski als einer der gröĂten âKlangmagierâ ĂŒberhaupt â, beim klassisch/romantischen Repertoire wurde sein Klangideal aber hĂ€ufig als oberflĂ€chlich poliert kritisiert. Nicht unumstritten sind seine Bruckner- und Mahler-Aufnahmen, bei schwierigen Werken der klassischen Moderne wie Strawinskys Sacre du printemps stieĂ er an seine Grenzen.[18] Seine letzte Aufnahme war Bruckners 7. Sinfonie mit den Wiener Philharmonikern, ein Live-Mitschnitt seines letzten öffentlichen Auftretens im Wiener Musikvereinssaal am 23. April 1989.[19]
Sein bedingungsloses Perfektionsstreben und sein Interesse an spieltechnischen, akustischen und aufnahmetechnischen Fragen, an Bauakustik und Problemen der Hörpsychologie fĂŒhrte ihn in der Zeit, da er dem Festspieldirektorium in Salzburg angehörte, zur GrĂŒndung der Herbert-von-Karajan-Stiftung[20] mit Sitz in Salzburg, die zwischen 1970 und 1976 etwa zwanzig musikpsychologische Publikationen herausbrachte.[21] Zwar ist der Stiftungssitz Salzburg, aber die Stiftung befindet sich auch in Köln.[22]
Das Ăsterreichische Musiklexikon erwĂ€hnt die GrĂŒndung einer Stiftung Herbert von Karajan fĂŒr die DurchfĂŒhrung der Osterfestspiele in Salzburg schon 1969.[23]
Von 1995 bis Ende 2006 gab es in Wien ein âHerbert von Karajan Centrumâ, das neben dem Verkauf von Produkten des Karajan-Repertoires ein Karajan-Archiv prĂ€sentierte und gelegentlich auch Konzerte und VortrĂ€ge zu seinem Gedenken veranstaltete. Aus Anlass des zehnjĂ€hrigen Bestandes dieser Einrichtung brachte die Ăsterreichische Post 2005 eine Sonderbriefmarke heraus.[24]
Seit 2005 gibt es in Salzburg das Eliette und Herbert von Karajan Institut, das seit 2007 das Karajan-Archiv aus dem ehemaligen Wiener âKarajan Centrumâ nunmehr der Ăffentlichkeit zugĂ€nglich macht.[25]
Karajan erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. 1961 das österreichische Ehrenzeichen fĂŒr Wissenschaft und Kunst; 1978 wurde er EhrenbĂŒrger der Stadt Wien. Seit 1997 finden im Festspielhaus Baden-Baden die âHerbert von Karajan Pfingstfestspieleâ statt. Seit 2003 wird ebenfalls in Baden-Baden der Herbert-von-Karajan-Musikpreis verliehen.
Akio Morita, Chef und GrĂŒnder von Sony, war ein Freund klassischer Musik und Verehrer Karajans. Er investierte erheblich in das neue Medium CD. So entstand in der Kapelle auf Karajans Anwesen das seinerzeit fortschrittlichste Aufnahmestudio der Welt. Fast alle heute bekannten digitalen Aufnahmen von Karajan entstanden abwechselnd in der Berliner Philharmonie bzw. im Wiener Musikvereinssaal. Karajan arbeitete von den 1970er-Jahren an mit dem Toningenieur GĂŒnter Hermanns zusammen, der alle seine spĂ€ten Aufnahmen bei der DG betreute. Diese Aufnahmen wurden abwechselnd mit den Wiener und den Berliner Philharmonikern erstellt. Viele Kritiker warfen Karajan in spĂ€ten Jahren vor, sich vor allem auf KlangqualitĂ€t zu konzentrieren. Karajan war kein groĂer Wiederholer bei Aufnahmen und musste oft von seinem Produzenten ĂŒberredet werden, bestimmte Passagen, die weniger gelungen waren, neu aufzunehmen. Karajan hatte immer das Gesamtklangbild im Vordergrund, verlor sich nicht in Einzelheiten, was ihm in spĂ€teren Jahren Kritiken ĂŒber seinen âHochglanzklangâ einbrachte. Dies konnte jedoch nicht sein unglaubliches musikalisches GedĂ€chtnis, seine immense MusikalitĂ€t, fachliche SouverĂ€nitĂ€t und seinen Sinn fĂŒr Ă€sthetische Klangdramatik vergessen machen. Karajan trieb die Musiker und Tontechniker hierbei an, um den âperfektenâ Klang aufzunehmen: Frei von AnsatzgerĂ€uschen, rauschfrei, jede Stimme, jedes Instrument sollte klar erkennbar sein und lebendig klingen. In einem wĂ€hrend dieser Aufnahmen entstandenen Dokumentarfilm kommen auch Musiker und Tontechniker zu Wort, die sich wenig begeistert ĂŒber die Akribie Karajans Ă€uĂern.
In Salzburg wurde der ehemalige Sigmundsplatz zum Herbert-von-Karajan-Platz umbenannt.[26] Am 19. September 1996 wurde der Bereich neben der Wiener Staatsoper â an der KĂ€rntner StraĂe zwischen Opernring und PhilharmonikerstraĂe (â Hotel Sacher) â als Herbert-von-Karajan-Platz benannt.[27]
Herbert von Karajan war dreimal verheiratet. In erster Ehe mit der Sopranistin Elmy Holgerloef (Heirat am 26. Juli 1938), in zweiter Ehe mit Anita GĂŒtermann, Erbin der NĂ€hseidenfirma GĂŒtermann (Heirat am 22.Oktober 1942), und in dritter Ehe (1958) mit Eliette Mouret (* 1935). Aus dieser Ehe gingen die Töchter Isabel (* 1960) und Arabel (* 1964) hervor. FĂŒr beide Töchter ĂŒbernahmen Orchester, die mit Karajan verbunden waren, die Patenschaft, die Wiener Philharmoniker fĂŒr Isabel und die Berliner Philharmoniker fĂŒr Arabel.
Seine technischen Interessen erstreckten sich nicht nur auf die Aufnahmetechnik. Er war ein Freund schneller Autos und gehörte als langjĂ€hriger Porsche-Fahrer zu dem geringen Kreis Prominenter, die den auf weniger als 300 Exemplare limitierten Porsche 959 erhielten â sogar gleich zweimal. Zitat: âMit dem ersten hatte ich keine Probleme, da er abbrannte.â
Daneben besaĂ er eine Privatpilotenlizenz und flog sein eigenes Propellerflugzeug aus dem Hause Cessna hĂ€ufig selbst. SpĂ€ter erwarb er zusĂ€tzlich die entsprechende Musterberechtigung und flog eine Dassault Falcon 10 (MystĂšre 10). Auch Segeln auf gröĂeren Yachten gehörte zu seinen FreizeitbeschĂ€ftigungen. Meist wurden diese AktivitĂ€ten â gewollt â medial begleitet.
Herbert von Karajan verstarb am 16. Juli 1989 in Anif an einem Herzinfarkt nach einer Besprechung mit Sony-Chef Norio Ohga. Am Vormittag hatte er noch eine Probe zu Un ballo in maschera geleitet. Am nĂ€chsten Tag wurde er entsprechend seiner VerfĂŒgung ohne Benachrichtigung der Nachwelt auf dem Ortsfriedhof von Anif beerdigt. Sein Nachlassvermögen wurde auf mehr als eine halbe Milliarde Mark (etwa 256 Mio. Euro) geschĂ€tzt.[16]
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Karajan, Herbert von |
| ALTERNATIVNAMEN | Karajan, Heribert Ritter von (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Dirigent |
| GEBURTSDATUM | 5. April 1908 |
| GEBURTSORT | Salzburg |
| STERBEDATUM | 16. Juli 1989 |
| STERBEORT | Anif bei Salzburg |