|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| Hermann-Lietz-Schule Haubinda | |
|---|---|
| | |
| Schulform | staatlich anerkannte Grund-, Haupt-, Real- und Fachoberschule in freier Trägerschaft |
| Gründung | 1901 |
| Ort | Haubinda |
| Land | Thüringen |
| Staat | Deutschland |
| Koordinaten | 50° 20′ 15,6″ N, 10° 38′ 35,3″ O50.33766810.643152Koordinaten: 50° 20′ 15,6″ N, 10° 38′ 35,3″ O |
| Träger | Stiftung Deutsche Landerziehungsheime Hermann-Lietz-Schule |
| Schüler | 420, davon 140 im Internat (15. Oktober 2011) |
| Lehrer | ca. 50 (3. November 2011) |
| Leitung | Burkhard Werner |
| Website | http://www.lietz-schulen.de/internat-haubinda.html |
Die Hermann-Lietz-Schule Haubinda ist eine 1901 von Hermann Lietz als reformpädagogisches Landerziehungsheim in Haubinda (Thüringen) gegründete Schule in freier Trägerschaft. Sie ist eine staatlich anerkannte Regelschule mit Grund-, Haupt-, Real- und Fachoberschule.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Bei dem Hauptgebäude der Hermann-Lietz-Schule Haubinda handelt es sich um einen fränkischen Fachwerkbau mit englischen Einflüssen. Es befindet sich auf einem ehemaligen Rittergut. Die Hermann-Lietz-Schule Haubinda ist eine von wenigen Landerziehungsheimen, welches als Schule konzipiert und neu gebaut wurde. Seit 1991 stehen alle Gebäude der Hermann-Lietz-Schule unter Denkmalschutz. Ursprünglich sollte es eine reine Internatsschule für Jungen sein. Heute leben von den circa 400 Schülern noch etwa 140 im Internat.
Es gibt einen Sportplatz mit Beachvolleyballfeld, eine Zwei-Felder-Sport- und Mehrzweckhalle, einen Schulgarten, eine Bibliothek mit rund 20 PC-Arbeitsplätzen, einen Naturlehrpfad, eine Holzwerkstatt und eine Schmiede. Des Weiteren besitzt die Schule einen landwirtschaftlichen Bereich mit einem eigenen Reitplatz. Das Schulgelände umfasst etwa 70 ha. Insgesamt gibt es 14 Internatshäuser, in denen die Schüler mit den Lehrern leben.
Das Nebenhaus ist ebenfalls ein fränkischer Fachwerkbau. Zurzeit leben in dem oberen Stockwerk des renovierten Gebäudes zwei Internatsfamilien. Im unteren Stockwerk befindet sich ein Unterrichtsraum, ein Medienzentrum und ein Aufenthaltsraum für Schüler. Früher befand sich dort die erste Turnhalle der Schule.
Das Emiliahaus der Hermann-Lietz-Schule Haubinda wurde nach der Mutter von Hermann Lietz benannt. Er lebte in diesem haus mit seiner Frau und seinen drei Kindern bis zu seinem Tod im Jahre 1919. Es wurde 1910 gebaut.
Das Volkerthaus wurde nach Friedrich Volkert benannt, der die Schule von 1909 bis 1921 leitete. Es wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Es wurde 2002 neu aufgebaut.
Als der Sohn, der Familie von Saalfeld die Schule besuchte, wurde für ihn 1920 ein Haus gebaut. 1930 wurde das Prinzenhaus der „Hermann-Lietz-Stiftung“ geschenkt.
Hermann Lietz kaufte das freistehende Rittergut in Haubinda für 250.000 Mark und zog dort bereits 1901 mit 60 Jungen ein. Es wurde als zweites deutsches Landerziehungsheim von Hermann Lietz gegründet. Es wurde 1919, kurz vor dem Tod des Schulgründers, unter die Trägerschaft der "Hermann-Lietz-Stiftung" gestellt. Die Schule erlebte sowohl beide Weltkriege, als auch den Faschismus mit. 1945 trat in der sowjetischen Besatzungszone, zu der die Schule gehörte, das Gesetz über Bodenreform in Kraft. So wurde der Grundbesitz von über 100 Hektar Land entschädigungslos enteignet. Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde das Kapitel Reformpädagogik in Haubinda vorerst beendet. Deshalb stand die Schule bis 1951 unter der Trägerschaft des Landes Thüringen. Zwischen 1951 und 1957 wurde dort die Grenzpolizei der DDR stationiert. Von 1957 bis 1961 diente die Schule als Zentralschule für die Klassen fünf bis acht aus den Orten Schlechtsart, Gompertshausen, Westhausen und Haubinda. Die Schule wurde 1961 erneut geschlossen und es zogen Soldaten ein. Ab 1971 stand die Schule den Kindern aus den umliegenden Dörfern als zehnklassige Polytechnische Oberschule zur Verfügung. Durch Unterstützung wurde 1990 ein neues Konzept für die Schule erarbeitet, welches als Schulversuch genehmigt wurde. Die Privatisierung wurde zum Schuljahr 2001/2002 vollzogen, womit auch der Schulversuch erfolgreich endete. Seit der Privatisierung ist die Schule wieder im Aufbau.
An der Hermann-Lietz-Schule Haubinda werden die Fremdsprachen Englisch, Französisch und Spanisch unterrichtet. Bereits ab der 1. Klasse werden die Schüler in Englisch unterrichtet. Ab der 5. Klasse können die Schüler freiwillig am Spanischunterricht und ab der 7. Klasse freiwillig am Französischunterricht teilnehmen. Weiterhin besteht die Möglichkeit Sprachzertifikate in den Fächern Englisch (Cambridge ESOL) und Französisch (DELF-DALF-Programm) zu erwerben.
Die 7. bis 10. Klasse gliedert sich in drei Zweige bzw. Wahlpflichtfächer (Darstellen und Gestalten, Naturwissenschaften und Wirtschaft, Umwelt und Europa). Die Schülerinnen und Schüler der Hermann-Lietz-Schule Haubinda müssen sich zu Beginn der 7. Klasse für einen der drei Zweige entschieden haben. Jeder dieser Bereiche hat ein anderes Bereichsfach, in dem die Schüler vier Unterrichtsstunden in der Woche unterrichtet werden. Alle Schüler besuchen den von ihnen gewählten Zweig bis zum Abschluss der mittleren Reife.
Die Schülerinnen und Schüler werden jede Woche vier Schulstunden im Fach „Nawi“ unterrichtet. Naturwissenschaftliche Fächer (Physik, Mathematik, Biologie und Chemie) werden in Doppelstunden unterrichtet. Der Bereich nimmt regelmäßig an Wettbewerben, wie der Matheolympiade, Känguruwettbewerb, Exciting Physics und Chemiekids teil.
In diesem Unterrichtszweig gibt es als weiteres Profilfach neben Wirtschaft-Recht-Technik das Fach Wirtschaft-Umwelt-Europa. Die Schule nahm an dem Projekt der internationalen Stiftung für Umwelterziehung teil und wurde mit dem Prädikat Umweltschule in Europa ausgezeichnet. [2]
Der Bereich „Darstellen und Gestalten“ der Hermann-Lietz-Schule Haubinda befasst sich hauptsächlich mit der Inszenierung und Aufführungen von Theaterstücken. Jede Klasse des Bereiches führt zwei Stücke in einem Schuljahr vor. In der achten Klasse ist eines dieser beiden Inszenierungen ein englisches Stück und in der neunten Klasse ein Musical.
Über die Region hinaus wurde in pädagogischen Kreisen das Projekt Schulstaat Haubinda, eine demokratische Verwaltung von Schülern, Lehrern und Angestellten, positiv bekannt und wird aufmerksam beobachtet.
An der Fachoberschule der Hermann-Lietz-Schule Haubinda werden die Fachbereiche Wirtschaft/Verwaltung mit dem Schwerpunkt Hotellerie und Tourismus und der Fachbereich Technik mit dem Schwerpunkt Informationstechnik angeboten.[3] Seit dem Schuljahr 2009/2010 haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, die 13. Klasse zu besuchen, um ihr allgemeines Abitur abzulegen. Die Hermann-Lietz-Schule Haubinda ist derzeit die einzige Schule in Thüringen, an der man nach der Fachhochschulreife sein allgemeines Abitur ablegen kann. Die Arbeit mit Notebooks ist fester Bestandteil im Unterricht der Fachoberschule.
Einmal im Jahr begeben sich die Schülerinnen und Schüler der Schule auf eine fünftägige Projektfahrt. Jeweils in Gruppen von 15 bis 20 Schülern bereisen sie Ziele in ganz Deutschland. Vor den Projektfahrten muss sich jeder Schüler der Klassen 7-9 ein Thema, passend zur Projektfahrt, wählen über das er dann eine Jahresarbeit schreibt. Jeder Schüler wird über das gesamte Schuljahr während der Erstellung der Arbeit betreut. Außerdem werden jedes Jahr Kanu- und Radtouren unternommen.
Das Gebäude wurde 1989 wieder an die „Stiftung Deutsche Landerziehungsheime“ zurückgegeben. Die Schule ist seitdem wieder im Aufbau. Sie ist eine Internatsschule mit Grundschule, Regelschule (Thüringen) und Fachoberschule und bietet somit Bildungsgänge zum Hauptschulabschluss, zum Qualifizierenden Hauptschulabschluss, zum Realschulabschluss, zur Fachhochschulreife und zum Abitur an. Der Verwaltungssitz der drei Hermann-Lietz-Schulen (Hermann-Lietz-Schule Haubinda, Hermann-Lietz-Schule Schloss Hohenwehrda und Hermann-Lietz-Schule Schloss Bieberstein) befindet sich in Hofbieber
Die Internatsschule ist wichtigster Arbeitgeber in der Region, der Heimleiter ist Burkhard Werner.
Von 1905 bis 1907 lebte und lernte hier der bekannte Schriftsteller und Philosoph Walter Benjamin, der in Haubinda wichtige Impulse für sein späteres Wirken, insbesondere in der Jugendbewegung erhielt.
Die im negativen Sinn bekannteste Schülerin ist die NS-Ideologin Johanna Haarer mit ihren sehr weit verbreiteten und bis 1996 immer wieder aufgelegten Büchern, insbes. „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind.“[4]
Demokratische Schule, Sudbury Valley School, Summerhill, Kinderrepublik