Emil FischerEmil Fischer (* 9. Oktober 1852 in Flamersheim (bei Euskirchen); † 15. Juli 1919 in Berlin; vollständiger Name Hermann Emil Fischer) gilt als Begründer der klassischen Organischen Chemie und erhielt 1902 den Nobelpreis für Chemie für bahnbrechende Arbeiten auf dem Gebiet der Zuckerchemie.
BiografieAufgewachsen in Flamersheim als Letztgeborener und einziger Sohn neben fünf Schwestern des Laurenz Fischer und seiner Ehefrau Julie Poensgen, Tante des Düsseldorfer Industriellen Carl Poensgen (1838–1921), machte Emil Fischer 1869 als Primus Abitur. Eine Kaufmannslehre brach er ab, um dann ab Ostern 1871 Chemie an der Universität Bonn zu studieren. Als Grund des Abbruchs nannte er selbst "völlige Begabungslosigkeit", einige Biographen nennen gesundheitliche Gründe, aber es scheint damit auch ein Vater-Sohn-Konflikt verbunden gewesen zu sein. Sein Vater, der ein erfolgreicher Unternehmer war und die kaufmännische Laufbahn für seinen einzigen noch lebenden Sohn anstrebte, soll danach gesagt haben: "Der Junge ist zum Kaufmann zu dumm, er soll studieren".[1] Ab Herbstsemester 1872 studierte Fischer in Straßburg, wo er 1874 bei Adolf von Baeyer über die Acylierung von Phenolphthaleinfarbstoffen promovierte, nachdem er sein erstes Promotionsthema hatte abbrechen müssen, weil ihm beim Experimentieren eine wichtige Apparatur zu Bruch gegangen war. Bereits während des Studiums wurde einer seiner Dozenten, der Chemiker Friedrich Rose so von seinen analytischen Fähigkeiten beeindruckt, dass er den jungen Studenten mit der Analyse des Wassers einer Mineralquelle im Oberelsass beauftragt hatte. Mit einer Arbeit über Hydrazine wurde er 1878 in München habilitiert, und dorthin bereits 1879 als Professor für Analytische Chemie berufen. Nach Zwischenstationen in Erlangen und Würzburg siedelte er 1892 nach Berlin über. Eine Krebserkrankung, welche sehr wahrscheinlich eine Folge seiner Arbeit mit dem giftigen Phenylhydrazin war, bewog ihn 1919 zum Freitod. Emil Fischer wurde in einem Ehrengrab auf dem Friedhof Wannsee, Lindenstraße beigesetzt. LeistungenDatei:Emil-Fischer-Denkmal.jpg Emil-Fischer-Denkmal im Vorgarten des Max-Planck-Instituts für Zellphysiologie (dem heutigen Gebäude des Archivs der Max-Planck-Gesellschaft) in Berlin-Dahlem Einige seiner bedeutenden Beiträge zur Chemie sind die Aufklärung der Glukosestruktur, die nach ihm benannte Fischersche Indolsynthese (1883) und die Formulierung des Schlüssel-Schloss-Prinzips (1894). Derivate der von ihm synthetisierten Diethylbarbitursäure, die als Schlafmittel unter der Bezeichnung Veronal® in den Handel kam, sind noch heute von therapeutischer Bedeutung, insbesondere das Phenobarbital. Nach Fischer wurden die Fischer-Nomenklatur und eine dreidimensionale Moleküldarstellungsmethode (Fischer-Projektion) benannt. Fischer erhielt 1902 den Nobelpreis für Chemie „als Anerkennung des außerordentlichen Verdienstes, das er sich durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der Zucker- und Purin-Gruppen erworben hat“.[2] Auch als Lehrer hatte Emil Fischer einen großen Einfluss. Seine Einführende Organische Vorlesung ist didaktisch von einem seiner ehemaligen Studenten Hans Beyer im Lehrbuch für Organische Chemie verewigt worden und stellt heute noch einen Teil des Grundkanons der Organischen Chemie da. Noch heute sind in seiner Geburtsstadt Euskirchen das Emil-Fischer-Gymnasium sowie, wie auch in Leverkusen und Leuna, die Emil-Fischer-Straße, in Erlangen das Emil-Fischer-Zentrum (Sitz der Institute für Biochemie, für Pharmazie und Lebensmittelchemie und für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie) sowie die Emil Fischer Graduate School und in Schwarzheide ein weiteres Gymnasium nach ihm benannt. Datei:Hannoversche Str 05.JPG Name des historischen Hörsaals in Berlin Gedenken1921 schuf Fritz Klimsch ein Denkmal aus Sandstein für Fischer, das in der Nähe der ehemaligen Wirkungsstätte Fischers, dem I. Chemischen Institut der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt-Universität) in der Hessischen Straße, aufgestellt wurde. Diese Skulptur wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. 1952 schuf Richard Scheibe eine Nachbildung aus Bronze, die im Vorgarten des damaligen Max-Planck-Instituts für Zellphysiologie (1972 aufgelöst) an der Garystraße in Dahlem aufgestellt wurde. Von dieser Plastik wiederum wurde 1995 ein Zweitguss angefertigt, der auf dem Robert-Koch-Platz in Berlin-Mitte seinen Platz fand. Der Hörsaal des früheren Chemischen Instituts der Humboldt-Universität trägt den Ehrennamen Emil-Fischer-Hörsaal. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker verleiht für außerordentliche Verdienste auf dem Gebiet der Organischen Chemie die Emil-Fischer-Gedenkmünze. Literatur
Einzelnachweise
Weblinks
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