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Hermann Löns (* 29. August 1866 in Culm bei Bromberg in WestpreuĂen; â 26. September 1914 bei Loivre [1] in der NĂ€he von Reims, Frankreich) war ein deutscher Journalist und Schriftsteller. Schon zu Lebzeiten ist Löns, dessen Landschaftsideal die Heide war, als JĂ€ger, Natur- und Heimatdichter sowie als Naturforscher und -schĂŒtzer zum Mythos geworden.
Inhaltsverzeichnis |
Hermann Löns wurde als erstes von 14 Kindern geboren. Seine Eltern waren der aus Westfalen stammende Gymnasiallehrer Friedrich Löns und Clara Löns, geb. Cramer. Als Hermann ein Jahr alt war, wurde der Vater nach Deutsch Krone versetzt. Dieser Ort liegt am sĂŒdlichen AuslĂ€ufer des riesigen Wald- und Heidegebietes âTucheler Heideâ. Dort wurde Hermann eingeschult und besuchte das Gymnasium. 1884 wurde der Vater nach MĂŒnster (Westfalen) versetzt, wo Hermann Löns nach weiterem Schulbesuch 1887 das Abitur am Gymnasium Paulinum ablegte. Danach begann er ein Studium der Medizin an der UniversitĂ€t Greifswald. Dort war er Mitglied der schlagenden Studentenverbindung Turnerschaft Cimbria. Da Löns die StudiengebĂŒhren nicht aufbringen konnte, wechselte er 1888 nach Göttingen, wo er der Landsmannschaft Verdensia angehörte. 1889 kehrte er auf Wunsch seines Vaters nach MĂŒnster zurĂŒck, wo er sich in Mathematik und Naturwissenschaften einschrieb. Er verfolgte wissenschaftliche Interessen als Weichtierkundler (Malakologe).
1889 lernte Löns in MĂŒnster (Westfalen) die Kellnerin Elisabeth Erbeck (1864â1922) kennen, mit der er 1893 die Ehe einging. Nach fĂŒnf Fehlgeburten seiner Ehefrau lieĂ er sich 1901 von ihr scheiden. Zum Scheitern der Ehe sollen auch Löns' Alkoholexzesse beigetragen haben. 1902 heiratete er in Hannover seine Arbeitskollegin Lisa Hausmann (1871â1955). In ihr fand er eine intellektuell ebenbĂŒrtige und selbstbewusste Partnerin, die als Frauenrechtlerin galt. Durch die Heirat bekam Löns Zugang zu höheren Gesellschaftskreisen, denn der Vater seiner Ehefrau war ein bekannter Maler in Hannover mit Kontakten zur exklusiven KĂŒnstlerwelt. 1906 ging aus der Ehe ein Sohn, der geistig und körperlich behinderte Dettmer (1906â1968), hervor. 1909 verliebte sich Löns in Hanna Fuess, eine 20 Jahre jĂŒngere Cousine seiner Ehefrau. Seinen Vorschlag einer MĂ©nage Ă trois mit Ehefrau und Geliebter schlugen die Frauen aus. Als Löns 1911 nach Streitigkeiten von seiner Frau verlassen wurde, verweigerte er trotzig Alimentezahlungen. Stattdessen setzte er sich ab und irrte ĂŒber ein Jahr durch Europa mit Stationen in Berlin, Davos, Innsbruck, Wien, ZĂŒrich, Wiesbaden, MĂŒnster und Wesel. 1912 kehrte er nach Hannover zurĂŒck, um mit der 24 Jahre jĂŒngeren Ernestine Sassenberg (1890â1970) zusammenzuleben. Offiziell war sie seine HaushĂ€lterin, wurde aber praktisch zu seiner LebensgefĂ€hrtin. Ernestine Sassenberg war bereits in BĂŒckeburg als 17-JĂ€hrige bei der Familie Löns als KindermĂ€dchen angestellt.
Sein Studium gab Löns 1890 vorzeitig auf, was vermutlich auch auf seinen exzessiven Alkoholkonsum zurĂŒckzufĂŒhren war. Beides fĂŒhrte zum Bruch mit seinen Eltern. 1891 wurde er bei einer Zeitung in Kaiserslautern eingestellt, aber bereits ein Jahr spĂ€ter wegen Alkoholneigung und UnpĂŒnktlichkeit entlassen. Eine weitere kurze Station war eine Zeitung in Gera.
1892 ging er nach Hannover, wo ein Jahr spĂ€ter seine Karriere als Journalist bei einer Tageszeitung begann. ZunĂ€chst arbeitete er beim neu gegrĂŒndeten âHannoverschen Anzeigerâ (VorlĂ€ufer der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung) des Verlegers August Madsack. Löns entwickelte sich zum leidenschaftlichen und fĂ€higen Journalisten, der sich vom freien Mitarbeiter zum Chefredakteur hocharbeitete. Allerdings war ihm der Journalistenberuf nur Broterwerb, wĂ€hrend ihm die NebentĂ€tigkeit der Schriftstellerei Herzenssache war.
GroĂe PopularitĂ€t als Zeitungsschreiber erlangte er in Hannover durch seine satirische Lokalplauderei unter dem Pseudonym Fritz von der Leine. 1902 und 1904 wechselte er zweimal zu weiteren Tageszeitungen in Hannover. In dieser Zeit wurde er als erfolgreicher Journalist, Buchautor, Dichter sowie als Naturliebhaber und Heidedichter bekannt. Er genoss breite Anerkennung und verkehrte in angesehenen gesellschaftlichen Kreisen, galt aber wegen seiner weiĂen AnzĂŒge als Dandy. Von Hannover aus unternahm Löns ab 1893 erstmals Fahrten in die LĂŒneburger Heide. Um 1900 begann er Gedichte zu schreiben, von denen viele vertont wurden, zur Zeit der Jugendbewegung u.a. von Fritz Jöde, in neuerer Zeit von Knut Kiesewetter und Fiede Kay.
1906 ging Löns nach BĂŒckeburg, wo er als Chefredakteur der Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung arbeitete. Er wollte die hektische GroĂstadt Hannover verlassen und erhoffte sich in der Provinz mehr Zeit und Ruhe fĂŒr seine Romanprojekte, was sich als Irrtum herausstellte. In BĂŒckeburg geriet der temperamentvolle Dichter mit den auf das höfische Leben des FĂŒrstentums Schaumburg-Lippe ausgerichteten Vorgaben fĂŒr seine Arbeit in Konflikt. Er verbrachte einen groĂen Teil seiner Zeit in der GaststĂ€tte âZur Falleâ beim Redigieren seiner Manuskripte. Das GebĂ€ude ist noch heute eine TraditionsgaststĂ€tte und war frĂŒher eine Bank. Das Bankhaus Heyne wurde in den Jahren ab 1799 vom GroĂvater Heinrich Heines betrieben. Löns schied im Groll aus BĂŒckeburg und verfasste die bissige Satire Duodez,[2] in der er am Beispiel Schaumburg-Lippes ĂŒber die Kleinstaaterei in Deutschland spottete.
Nach seinem Scheitern in BĂŒckeburg und einer KĂŒndigung 1909 kehrte Löns wieder nach Hannover zurĂŒck, wo er ab diesem Zeitpunkt als freier Schriftsteller arbeitete. In den 1910er Jahren verfasste er verschiedene Kurzgeschichten und ErzĂ€hlungen. Einige seiner bedeutenden Werke verfasste er rauschartig in kĂŒrzester Zeit. In einem Schreibwahn schloss er sich in seinem Zimmer ein und arbeitete tage- und nĂ€chtelang. Das fĂŒhrte spĂ€ter zu einem Nervenzusammenbruch und einem Sanatoriumsaufenthalt.
Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 meldete sich Löns als Kriegsfreiwilliger. Nur durch Beziehungen gelang es ihm, als Soldat angenommen zu werden, denn er hatte keinen MilitĂ€rdienst abgeleistet, befand sich in schlechtem gesundheitlichem Zustand und war bereits 48 Jahre alt. Löns kam als Infanterist zum âFĂŒsilier-Regiment âGeneral-Feldmarschall Prinz Albrecht von PreuĂen, (Hannoversches) Nr. 73â aus Hannover, dem spĂ€ter auch der Schriftsteller Ernst JĂŒnger als Leutnant angehörte. Löns' BeweggrĂŒnde fĂŒr die Kriegsteilnahme sind nicht bekannt, zu vermuten sind Patriotismus oder private GrĂŒnde.
Er wollte direkt an die Front und lehnte den ihm angebotenen Dienst als Kriegsberichterstatter in den rĂŒckwĂ€rtigen Linien beim Stab ab. Sein Kriegstagebuch wurde erst 1986 zufĂ€llig in einem amerikanischen Archiv gefunden. In den stichwortartigen Notizen beschrieb Löns die Grausamkeit des Kriegs und verband diese mit lebhaften Naturbeobachtungen aus dem SchĂŒtzengraben. Die verlustreiche Marneschlacht hatte gerade zwei Wochen vor dem Eintreffen von Löns an der Front stattgefunden. Nach knapp einem Monat Kriegsdienst fiel Löns, vermutlich durch Herz- oder Kopfschuss, bei seinem ersten Sturmangriff gegen französische Truppen bei der Zuckerfabrik von Loivre, etwa 10 km nördlich von Reims.[3]
Ăber den Verbleib der sterblichen Ăberreste von Löns gibt es unterschiedliche Darstellungen. Im Stellungskrieg des Ersten Weltkriegs wurden Gefallene wegen des feindlichen Feuers oft nur notdĂŒrftig in Granattrichtern verscharrt. Das war auch bei Löns nach Aussagen seiner Kameraden der Fall. Tage nach seinem Tod erledigte dies ein BegrĂ€bniskommando in dem zum Niemandsland gewordenen Gebiet. Der Kompaniechef fertigte eine Skizze von Löns ungefĂ€hrer Grabstelle an und versandte sie an Freunde des Schriftstellers. 1918 wurde ein deutsches Kommando zur Suche nach dem Löns-Grab in die Gegend geschickt. Anhand der Lageskizze errichtete es ein Kreuz mit einer Widmung fĂŒr Löns - ob es die richtige Grabstelle war, blieb fraglich. 1919 wurden die Gebeine an dem mittlerweile umgestĂŒrzten Kreuz ausgegraben und in einem nahe gelegenen MilitĂ€rfriedhof beigesetzt. In den 1920er Jahren wurden die Ăberreste in ein Massengrab eines Soldatenfriedhofs in Loivre umgebettet.
Einer anderen Darstellung zufolge wurden die sterblichen Ăberreste von Löns erst im Januar 1933 von einem Bauern beim PflĂŒgen auf einem Acker bei Loivre gefunden. Die Gebeine wurden sofort in einem Einzelgrab in Loivre bestattet. Beim Skelett fand sich eine Erkennungsmarke, die erst 1934 in Berlin als die von Löns identifiziert wurde. Kritischen Meinungen zufolge gab es auch hier Unstimmigkeiten, da die Marke nicht einwandfrei Löns zugerechnet werden konnte.
Nach der (angeblichen) Identifizierung der Erkennungsmarke von Löns 1934 wurden die 1933 in Loivre in einem Einzelgrab bestatteten Gebeine auf Anordnung Hitlers unverzĂŒglich in Frankreich exhumiert und nach Deutschland ĂŒberfĂŒhrt. Dabei war nicht sicher geklĂ€rt, dass diese sterblichen Ăberreste wirklich die von Hermann Löns waren. Eine (gerichts-) medizinische Untersuchung (z. B. des Zahnstatus) durch Ărzte, die Löns behandelt hatten, wurde nicht durchgefĂŒhrt.
Die Bestattung des Dichters sollte wegen seines Bezuges zur LĂŒneburger Heide in diesem Gebiet stattfinden. Das bereitete erhebliche Schwierigkeiten bei der Suche nach einem geeigneten Platz. Das ursprĂŒnglich bei den Sieben SteinhĂ€usern geplante BegrĂ€bnis kam nicht infrage, da nach damals noch geheim gehaltenen PlĂ€nen dort der TruppenĂŒbungsplatz Bergen eingerichtet werden sollte. Ein Grab am Wilseder Berg wurde aus NaturschutzgrĂŒnden abgelehnt, da es sich zu einem stark besuchten Pilgerort entwickelt hĂ€tte. Die Löns-Witwe Lisa drohte an, die Gebeine vor dem Hauptbahnhof Hannover auszustellen mit dem Schild: âWir wollten Hermann Löns in der Heide beisetzen, aber es findet sich dort kein Platz fĂŒr ihn.â Mit der Angelegenheit âLöns-Bestattungâ waren neben örtlichen Verwaltungseinrichtungen auch höhere Parteistellen der NSDAP und höchste Vertreter des NS-Regimes befasst, z. B. Hermann Göring, Rudolf HeĂ, Joseph Goebbels, Reichswehrminister Werner von Blomberg und sogar Adolf Hitler.
Wegen der ungeklĂ€rten und peinlichen Angelegenheit des Beisetzungsortes entfĂŒhrten SA-Angehörige den Sarg 1934 in einer Nacht- und Nebelaktion aus der Friedhofskapelle in Fallingbostel und beerdigten ihn an der StraĂe Soltau-Hamburg an einer Wacholder-Baumgruppe beim Ort Barrl. Die mit der SA rivalisierende Reichswehr grub den Sarg rund ein Jahr spĂ€ter wieder aus und bestattete ihn in einer wĂŒrdevollen Veranstaltung am 2. August 1935 bei Walsrode. Das Datum war bewusst gewĂ€hlt, denn es war der Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs. Dem Grab beigegeben wurde eine KupferhĂŒlle mit einem von Hitler unterzeichneten Dokument. Als BegrĂ€bnisort fand sich ein HeidegelĂ€nde bei Walsrode, der Tietlinger Wacholderhain. Den Grund und Boden stellte der Landwirt und Lönsverehrer Wilhelm Asche zur VerfĂŒgung. Dort stand bereits ein Löns-Denkmal von 1929.
1962 erklĂ€rte der Volksbund Deutsche KriegsgrĂ€berfĂŒrsorge, dass nicht absolut sicher sei, dass sich im heutigen Grab bei Walsrode die sterblichen Ăberreste von Hermann Löns befinden.
Hermann Löns gilt als Heide-Dichter und Heimatschriftsteller. Er selbst war Stadtmensch und Intellektueller. Als Reaktion auf die aufkommende VerstĂ€dterung zu Beginn des industriellen Massenzeitalters hing sein Herz am kargen Sandboden der Heide und ihren Bauern. Er wohnte wochenlang in seiner JagdhĂŒtte im Westenholzer Bruch. Von dort ging er auf die Pirsch in Wald, Heide und Moor und verfasste mehrere seiner Werke. Viele Werke beinhalten Tier- und Jagdgeschichten sowie Landschaftsschilderungen. Seine Prosa ist von NatureindrĂŒcken geprĂ€gt. Dass die JĂ€ger zu Hegern wurden, wird auf die AktivitĂ€ten des passionierten JĂ€gers Hermann Löns zurĂŒckgefĂŒhrt. Seinen Schriften kann man entnehmen, dass ihm lebende Wildtiere wichtiger waren als die tote Jagdbeute. Löns setzte sich fĂŒr die GrĂŒndung des ersten deutschen Naturparks 1911 in der LĂŒneburger Heide ein.
Heute grĂŒndet sich der Fremdenverkehr in der LĂŒneburger Heide auch auf den Mythos Hermann Löns. Nach seinem Tod war Löns nicht vergessen: Seine Natur- und Tiergeschichten wurden gelesen, seine Lieder wurden gesungen, einige Gedichte auswendig gelernt, JĂ€ger, NaturschĂŒtzer und Wanderfreunde verehrten ihn. Er war ein frĂŒher Verfechter des Naturschutzes und war so Wegbereiter des heutigen Umweltschutzes.
Einzelne seiner Werke wurden auch fĂŒr das Kino adaptiert. Der Heimatfilm âRot ist die Liebeâ (1956) ist eine Verfilmung seines erfolgreichen Romans âDas zweite Gesichtâ. Die Hauptfigur in dem melodramatischen Film, ein Poet und Schriftsteller, weist autobiographische ZĂŒge von Löns auf. In der Filmhandlung ist die Hauptfigur zwischen Ehefrau und frĂŒherer Freundin hin- und hergerissen und zieht sich in seine HĂŒtte in der Heide zurĂŒck.
Der sehr populĂ€r gewordene Kinofilm âGrĂŒn ist die Heide (1951)â, ebenfalls aus dem Heimatfilmgenre, beruht auf Motiven von Hermann Löns. Weitere Verfilmungen unter diesem Titel, die auch in der LĂŒneburger Heide spielen, gab es 1932 und 1972. Besondere Bekanntheit erlangten seine vertonten Gedichte, die spĂ€ter als Heidelieder beinahe den Status von Volksliedern erlangten, so wie das Abendlied (Rose Marie) mit der Melodie von Fritz Jöde.
Die Romane âDer letzte Hansburâ (1909), âDahinten in der Heideâ (1910) und âDas zweite Gesichtâ (1912) waren seinerzeit sehr populĂ€r und gehörten zu den erfolgreichsten Neuerscheinungen dieser Jahre. Sein Erfolgsroman âDer Wehrwolfâ (1910) gewann in der Zeit des Nationalsozialismus noch an Zuspruch, da er gut zur Ideologie der damaligen Zeit passte.[4] Er beschreibt den Partisanenkampf eines niedersĂ€chsischen Bauerndorfes im DreiĂigjĂ€hrigen Krieg gegen Landstreicher, Marodeure und die schwedische Soldateska.
Die Gesamtauflage aller Löns-BĂŒcher wird gegenwĂ€rtig auf rund 10 Millionen Ausgaben geschĂ€tzt.
Löns setzte ab 1905 unter seine Unterschrift hĂ€ufig das Zeichen der Wolfsangel, das aus diesem Grunde der âVerband der Hermann-Löns-Kreiseâ heute in seinem Logo fĂŒhrt.
Hermann Löns war nicht nur Dichter und Schriftsteller, sondern auch Zeichner und Maler. Bereits in seinen Jugendjahren hielt er Pflanzen und Tiere in Skizzen fest. Insgesamt zeichnete und malte Löns in den Jahren von 1907 bis 1914 mehr als 85 farbige Bildpostkarten. Ferner existieren andere Zeichnungen, EinbandentwĂŒrfe fĂŒr seine BĂŒcher und illustrierte Briefe. Auch in seinem Kriegstagebuch befinden sich mehrere Skizzen.
Einige der Schriften von Hermann Löns weisen nationalistische AnklĂ€nge auf. Deswegen lag es fĂŒr die Nationalsozialisten nahe, ihn als einen ihrer Vordenker zu vereinnahmen.[5] Und so stellten sie ihn in ihre âgermanische Traditionâ. Löns âMatrosenliedâ[6] wurde schon im Ersten Weltkrieg zur Mobilisierung im Seekrieg gegen England genutzt. Betitelt als âEngeland-Liedâ wurde es wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs propagandistisch fĂŒr den Angriff auf GroĂbritannien (siehe auch: Unternehmen Seelöwe und Luftschlacht um England) eingesetzt:
Als 1934 die (angeblichen) Gebeine von Hermann Löns in Frankreich gefunden wurden, stilisierten die Nationalsozialisten ihn zum Nationalhelden. Das BegrĂ€bnis 1935 in der LĂŒneburger Heide bei Walsrode organisierte die Reichswehr als groĂ ausgerichtete Veranstaltung. Sie diente gleichzeitig zur WĂŒrdigung der Kriegsfreiwilligen, zu denen auch Löns gehörte.
Das wechselvolle Leben des Dichters beschreibt das Zitat[7]:
Zur Person Hermann Löns gibt es AnwĂŒrfe, die ihn als Trinker und Frauenfeind[8] beschreiben:
Seine nationalistische Einstellung[8] mit antisemitischen AnflĂŒgen bekundete er freimĂŒtig:
Der Germanist Hans-Albrecht Koch urteilte in einer Rezension vernichtend ĂŒber das Werk von Hermann Löns:
âBanalste Gedichte, von denen einige durch Vertonung ĂŒberlebt haben, und Provinzprosa, die der Blut-und-Boden-Literatur zumindest vorgearbeitet hat und fĂŒr die der Ausdruck Kitsch noch ein Euphemismus ist: nicht viel anders wird wohl jeder, der ĂŒber einigen literarischen Geschmack verfĂŒgt, das Werk von Hermann Löns charakterisieren.â
â Hans-Albrecht Koch[9]
Nach Löns' Tod entstanden zu seiner Erinnerung zahlreiche GedenkstĂ€tten. Die erste war ein Denkmal von 1921 auf dem Wietzer Berg bei MĂŒden in der sĂŒdlichen LĂŒneburger Heide. Nach seiner Bestattung bei Walsrode entstanden ab 1935 vermehrt LönsdenkmĂ€ler ĂŒberall in Deutschland â nicht nur in der LĂŒneburger Heide â, meist von örtlichen JĂ€gerschaften errichtet. In Deutschland, Ăsterreich und weiteren LĂ€ndern sind es mittlerweile (2006) rund 140 StĂ€tten.
Die Stadt Walsrode nennt sich seit 1935 Hermann-Löns-Stadt. In ihr und der nÀheren Umgebung gibt es mehrere GedenkstÀtten:
Auf dem Löns-Denkmal im Tietlinger Wacholderhain steht sein bemerkenswerter Spruch:
Im Naturpark Schönbuch bei Ammerbuch-Entringen gibt es im Gewann Steingart einen Hermann-Löns-Brunnen, der von einer Freundesgruppe um den KĂŒnstler Ugge BĂ€rtle Mitte der 1920er Jahre errichtet wurde.[10]
Der erste Lönsstein von 1921 auf dem Wietzer Berg bei MĂŒden
Lönsstein in Gifhorn-Winkel
Löns-Zimmer im Heidemuseum Walsrode
Wegen des besonderen Bezugs von Löns nach Walsrode hat der Verband der Hermann-Löns-Kreise in Deutschland und Ăsterreich e. V. hier seinen Sitz. Er befindet sich im Heidemuseum Rischmannshof in der Hermann-Löns-StraĂe. VorlĂ€ufer des Verbandes waren Vereinigungen, wie der 1920 in Bayern gegrĂŒndete âHermann-Löns-Bundâ und der 1921 gegrĂŒndete âLönsbund Celleâ.
In Deutschland tragen etwa 600 StraĂen und rund 80 PlĂ€tze sowie ungefĂ€hr 125 Schulen den Namen des Dichters. In Hannover wurde zwischen 1936 bis 1939 der fast 90 Hektar groĂe Hermann-Löns-Park angelegt, ein ParkgelĂ€nde mit typisch niedersĂ€chsischer LandschaftsprĂ€gung. Weitere Löns-Parkanlagen gibt es in Braunschweig und Apolda. Auch Jagdverbindungen wurden nach dem Dichter benannt, z. B. die âAJV Hermann Lönsâ in MĂŒnster. Im Paderborner Stadtteil SchloĂ Neuhaus gibt es das âHermann-Löns-Stadionâ (FuĂballstadion mit einer KapazitĂ€t von 10.165 PlĂ€tzen). In Bergisch Gladbach wurde das GelĂ€nde der bis 1996 bestehenden Hermann-Löns-Kaserne (Sitz des Wachbataillons) zum Neubaugebiet âHermann-Löns-Viertel". Es bietet rund 1.200 Einwohnern Wohnraum und so genanntem âruhigem Gewerbeâ Raum. Ein weiteres nach Löns benanntes Viertel ist der in Eschweiler liegende Hermann-Löns-Anger.
2006 gab die Ăsterreichische Post zum 140. Geburtstag von Hermann Löns eine Sondermarke mit dem Nominalwert von 0,55 ⏠heraus. Sie zeigt die bronzene Hermann-Löns-Statue in Walsrode.
1939 wurde in Hannover die Hermann-Löns-Gesellschaft e. V. gegrĂŒndet, die sich zum Ziel gesetzt hatte, ErinnerungsstĂŒcke und Literatur des "Heide"-Dichters und Journalisten Hermann Löns (1866-1914) zusammenzutragen. Den Aufbau des Archivs finanzierte hauptsĂ€chlich die Stadt Hannover, sodass 1941 das Archiv in "StĂ€dtisches Hermann-Löns-Archiv" umbenannt wurde.
Am 12. Januar 1967 ĂŒbernahm das Kulturamt der Stadt Hannover den gesamten Bestand des Vereins. Die Stadtbibliothek erhielt zahlreiche Handschriften, BĂŒcher von und ĂŒber Löns, Bilder sowie eine Reihe von ErinnerungsstĂŒcken. Die Bilder und ErinnerungsstĂŒcke wurden an das Historische Museum in Hannover abgegeben. Die Literatur- und Manuskriptsammlung ging endgĂŒltig in den Besitz der Stadtbibliothek Hannover ĂŒber.
In der Folgezeit wurden die BestĂ€nde des Archivs durch das Zusammenziehen von vorhandenen BibliotheksbestĂ€nden, Ăbernahmen und Leihgaben von anderen Institutionen, durch Geschenke von Privatpersonen und AnkĂ€ufe kontinuierlich ergĂ€nzt.
Als letzte groĂe Schenkung ĂŒbernahm das Löns-Archiv im Mai 2007 die Autografensammlung des Löns-Sammlers Karl-Heinz Beckmann aus Ascheberg-Herbern.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Löns, Hermann |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Journalist und Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 29. August 1866 |
| GEBURTSORT | Culm, Bromberg, WestpreuĂen |
| STERBEDATUM | 26. September 1914 |
| STERBEORT | bei Loivre, Reims, Frankreich |