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Hexe

Dieser Artikel befasst sich mit der Hexe in der Mythologie. Zur deutschen Automarke (1905–1907) siehe Hexe (Automarke).

Eine Hexe ist im Volksglauben eine mit ZauberkrÀften ausgestattete, meist weibliche, heil- oder unheilbringende Person, die im Rahmen der Christianisierung hÀufig mit DÀmonen oder dem Teufel im Bunde geglaubt wurde.

Zur Zeit der Hexenverfolgung wurde der Begriff Hexe vereinzelt als Fremdbezeichnung auf Frauen und MĂ€nner angewandt, die unter dem Vorwurf der Zauberei verfolgt wurden. SpĂ€ter setzte er sich, insbesondere in der wissenschaftlichen Untersuchung des PhĂ€nomens „Hexenverfolgung“, allgemein durch.

Zur Anwendung des Begriffs auf MĂ€nner als „Hexer“ oder „Hexenmeister“ siehe: Hexer.

Hexentanzplatz in Trier (Flugblatt, 1594)
Hexenszene (um 1700)
Verbrennung einer Hexe in Willisau (Schweiz), 1447

Inhaltsverzeichnis

Methodik und Quellen der Hexenforschung

In die Vorstellungen zur Hexe sind Elemente unterschiedlicher Herkunft eingeflossen. Dies fĂŒhrt im Allgemeinen zur Begriffsverwirrung, da diese verschiedenen Strömungen nicht getrennt werden, sondern auch rĂŒckwirkend in ein Hexenbild hineininterpretiert werden.

  • ZunĂ€chst kann die Etymologie des Wortes untersucht werden. Hier erhĂ€lt man Informationen ĂŒber die Vorstellungen zu einer Zeit, als die etymologische Motivation noch lebendig war, grob geschĂ€tzt bis spĂ€testens 1000 n. Chr. Diese Erkenntnis darf auch maximal fĂŒr das Westgermanische verwendet werden. Zudem können andere Hexenbezeichnungen in den jeweiligen Sprachen und jeweiligem Kontext analysiert und dann zu einem Vergleich herangezogen werden.
  • Eine zweite Strömung entstammt MĂ€rchen und Sagen. Hier finden sich aber auch andere Figuren, die in gleichem Sujet die Rolle der Grazyna einnehmen können, wie Riese, Menschenfresser oder Drache. Es ist bemerkenswert, dass viele Sujets europaweit oder darĂŒber hinaus verbreitet sind – allerdings immer mit den jeweils regionaltypischen Entsprechungen von Hexe oder Menschenfresser. MĂ€rchen und Sagen wurden zudem erst spĂ€t aufgezeichnet – sie sind also bereits beeinflusst von den neuzeitlichen Hexenvorstellungen und Hexenprozessen. Dies gilt freilich nicht fĂŒr die griechischen Sagen ĂŒber Hexen (vgl. unten).
  • Drittens gibt es Informationen ĂŒber den Glauben an Zauberei und die Bestrafung von Zauberinnen aus der Bibel, also aus dem Nahen Osten. Die Vorstellungen gelten also wieder nur fĂŒr eine Region und fĂŒr die Begriffe in der jeweiligen Sprache.
  • Viertens liegen Dokumente zum Hexenglauben aus Mittelalter und Neuzeit vor, einschließlich der Akten zu den Hexenprozessen. Diese sind vom Volksglauben der jeweiligen Region, aber auch der biblischen Tradition beeinflusst. Es ist darauf zu achten, dass die frĂŒhen Dokumente nicht deutsch, bzw. in der jeweiligen Volkssprache, verfasst waren. Es ist daher immer riskant, die lateinischen Begriffe malefica u. a. mit deutsch Hexe zu ĂŒbersetzen – wo doch ÜbeltĂ€ter wesentlich neutraler wĂ€re.

Etymologie

Hexe

Albrecht DĂŒrer ca. 1500: Die Hexe

Die Wurzeln des deutschen Wortes Hexe finden sich nur im westgermanischen Sprachraum: mittelhochdeutsch hecse, hesse, althochdeutsch hagzissa, hagazussa, mittelniederlĂ€ndisch haghetisse, altenglisch haegtesse: („gespenstisches Wesen“) – im modernen Englisch verkĂŒrzt zu hag.[1] Die genaue Wortbedeutung ist ungeklĂ€rt; der erste Bestandteil von hagazussa ist wahrscheinlich althochdeutsch hag („Zaun, Hecke, Gehege“), der zweite ist möglicherweise mit germanisch/norwegisch tysja („Elfe, böser/guter Geist“) und litauisch dvasia „Geist, Seele“ verwandt, also vermutlich ein auf Hecken oder Grenzen befindlicher Geist. Eine andere Herleitung versteht zussa als „sitzen“, so dass eine hagazussa eine auf oder in der Hecke sitzende Person bezeichnen könnte.

Aus dieser Sicht steht kein Zweifel an der Zugehörigkeit des Begriffs zur Religion. Allerdings ist nicht nachgewiesen, dass der Begriff Hexe (bzw. dessen VorgĂ€nger) vor der Christianisierung eine Bezeichnung fĂŒr kultisch tĂ€tige Personen war. Es sind auch Menschen mit besonderem Wissen (siehe: Esoterik), niedere mythische Wesen oder Göttinnen vor- bzw. nichtchristlicher Religionen in Betracht zu ziehen.

Wenn die Begriffsintention sich auf die auf verschiedenen Seiten hĂ€ngenden Beine bezieht, ließe sich der Begriff metaphorisch als Beschreibung einer Wesenheit begreifen, die mit einem Bein im Reich der Lebenden, mit dem anderen im Reich der Toten weilt. Es gibt auch die Varianten, dass der profane und der heilige Bereich hier einander gegenĂŒber stehen und somit die Grenze bilden, oder das Diesseits und das Jenseits.

Gisela Bleibtreu-Ehrenberg[2] dagegen sieht − hier u. a. auf Mircea Eliade, Erik Noreen, Lily Weiser-Aall, Joseph Hansen (Zauberwahn, Inquisition und Hexenprozeß im Mittelalter, MĂŒnchen und Leipzig 1900), Hans von Hentig und Jan de Vries fußend − im althochdeutschen hag nicht die umzĂ€unte Hecke, sondern die einzelne Zaunlatte, auf der das Hexenwesen reite und die sich in der volkstĂŒmlichen Vorstellung spĂ€ter zum typischen Besen entwickelt habe. Des Weiteren sieht sie in den spĂ€ter als Hexerei bezeichneten Kultpraktiken eine bronzezeitliche, maternale Naturreligion, die sich aus dem steinzeitlichen Schamanismus entwickelt habe, und erkennt im hag ein weltweit verbreitetes anthropologisches Charakteristikum des Schamanismus, nĂ€mlich den tranceerzeugende Musik hervorbringenden Trommelschlegel, ĂŒber den es in den meisten Sprachen schamanistischer Kulturen wörtlich heiße, dass der Schamane auf diesem Schlegel in die Geisterwelt reite. Aus diesem steinzeitlichen Ritt auf dem Trommelschlegel habe sich ĂŒber Vermittlung der bronzezeitlichen maternalen Religion, die wiederum von ab Beginn der Eisenzeit nach Europa einwandernden patriarchalen indogermanischen StĂ€mmen stark negativ umgedeutet und bekĂ€mpft worden sei, die Vorstellung eines auf einer Zaunlatte reitenden, zumeist weiblichen oder weibischen Zauberwesens entwickelt.

Witch

Walter W. Skeats etymologisches Wörterbuch leitet das englische witch (Hexe) ab aus altenglisch wicche, angelsĂ€chsisch wicca (mask.) oder wicce (fem.): einer verderbten Form von witga der Kurzform von witega („Seher, Wahrsager“), das seinerseits von angelsĂ€chsisch witan („sehen, wissen“) herrĂŒhrt; ein entfernter indogermanischer Verwandter auch die indischen Veden. Entsprechend entwickelt islĂ€ndisch vitki (Hexe) aus vita („wissen“) oder vizkr („Kluger, Wissender“). Wizard („Zauberer“) stammt von normannisch-französisch wischard, altfranzösisch guiscart („der Scharfsinnige“). Die englischen Wörter wit („Verstandeswitz, Geist“) und wisdom („Weisheit“) stammen aus der gleichen Wurzel.

Andere Bezeichnungen

Eine Ă€ltere deutsche Bezeichnung der Hexe ist Unholde oder Unholdin, mĂ€nnliche Form Unhold. Dieser Ausdruck bezeichnet auch Gespenster oder allgemein dĂ€monische Wesen. In SĂŒddeutschland wurden Drude oder Trude und Truderer, Trudner, in Norddeutschland die niederdeutschen AusdrĂŒcke Töversche und Töverer (= „Zauberische“, vgl. niederlĂ€ndisch tovenaar, „Zauberer“), Wickersche und Wicker (vgl. englisch witch, „Wahrsagende“), Galstersche und Galsterer (mittelhochdeutsch Galster bedeutet „Zauberlied“, vergleiche Nachti-„gall“) oder Böterin und Böter (= Gesund-„Betende“, Heilende) verwendet.

Nach den zugeschriebenen Eigenschaften und FÀhigkeiten der Hexen wurden auch die Begriffe Milchstehlerin und Milchstehler[3], Bockreiterin und Bockreiter, Gabelreiterin und Gabelreiter, Weissagerin und Weissager, Zeichendeuterin und Zeichendeuter, Mantelfahrerin und Mantelfahrer, Kristallseherin und Kristallseher oder allgemein Böse Leute (Malefikanten) verwendet.

Als lateinische Bezeichnungen begegnen, auch in deutschen Quellen, unter anderem: lamia (DĂ€monin), saga (Wahrsagerin), striga (alte Hexe, griechisch ÏƒÏ„ÏÎŻÎłÎŸ „Eule“), venefica und veneficus (Giftmischende, zu lateinisch venenum malum „böser Saft“, „Gift“), maga und magus (Zaubernde, abgeleitet und umgedeutet vom persischen Mager), malefica und maleficus („Schaden ZufĂŒgende“), incantatrix und incantator (mit einem „Zauberspruch“ Belegende), fascinatrix und fascinator (mit dem „Bösen Blick“ Behexende, zu griechisch ÎČÎŹÏƒÎșÎ±ÎœÎżÏ‚ „neidisch redend, behexend“),[4] sortilega und sortilegus (Losorakel-Deutende), pythonissa (Beschwörerin eines „Python“, griechisch πύΞωΜ „Verfaulter; Totengeist“).

Neuere, zeitgenössische Bildungen fĂŒr die deutschen AusdrĂŒcke Gabelreiterin und Gabelreiter scheinen bacularia und bacularius („Besen“-Reitende, zu lateinisch baculus „Stab“, oder „Zauberstab“-Tragende, zum baculum „Stab“ der Auguren) zu sein; in der lateinischen Bibel (Vulgata) begegnen die Wörter nicht, und mittel- und neulateinisch ist bacularius eine Nebenform zu baccalarius (abhĂ€ngiger Landmann; auch Baccalaureus).[5] Ähnliches gilt fĂŒr herbaria (KrĂ€uterfrau, zu herba „Kraut“): herbariae sind „pflanzenfressende“ Tiere, herbarius (KrĂ€uterkundler) ist eine neutrale Bezeichnung des Botanikers.[6]

Im Französischen werden Hexen gelegentlich auch als vaudoises, lateinisch valdenses (ursprĂŒnglich „Waldenser“) bezeichnet.

Herkunft des Hexenglaubens

Siehe auch: Hexenlehre

Der Hexenglaube ist ein paneuropĂ€ischer Aberglaube (Volksglaube), dessen Wurzeln im vorchristlichen Götterglauben liegen. Er ist allerdings auch im afrikanischen Kulturkreis, animistischen Religionen etc. nach wie vor verbreitet. Diese weitgehende Übereinstimmung fĂ€llt nicht ins Auge, weil die Bezeichnungen regional unterschiedlich sind. So ist im postkeltischen Kulturkreis von Feen (Morgane etc.) die Rede, die gut und böse sein konnten, in Irland zweigesichtig dargestellt wurden. Im postgermanischen Raum steht der Begriff Elfe primĂ€r fĂŒr ein gutes Wesen, wĂ€hrend es ansonsten eher (wohl als Folge christlicher Indoktrination) die böse Hexe gibt. Die Bezeichnungen Fee und Elfe wurden nicht auf Menschen angewendet und somit auch nicht Gegenstand der Hexenverfolgung. Sie behielten ihren Charakter als mythische Wesen.

Das mĂ€rchenhafte Stereotyp der Hexe, nĂ€mlich einer alten Frau, die auf einem Besen reitet – hinzu kommt oft die Begleitung durch einen schwarzen Vogel (wahrscheinlich einer der beiden Raben Odins) oder eine Katze – leitet sich von der Vorstellung eines Wesens ab, das sich in Hecken oder eher in Hainen aufhĂ€lt oder auf Grenzen reitet. Vermutlich ist das Stereotyp als solches relativ neu und Illustrationen in deutschen MĂ€rchenbĂŒchern geschuldet, denn genaue Entsprechungen (außer der FĂ€higkeit zu fliegen) fehlen vielerorts in benachbarten LĂ€ndern. Aus der Zaunstange, meist gegabelte Äste, wurde in der bildlichen Darstellung der Hexenbesen. Diese Version unterlag jedoch bereits christlicher Einflussnahme. FĂŒr das Bild von der Zaunreiterin gibt es verschiedene ErklĂ€rungen: Es könnte sich einmal um eine Art archaischer (Wald)-Priesterinnen gehandelt haben, andererseits wird auch ein abstraktes Bild bemĂŒht: Wesen, die auf ZĂ€unen sitzen, befinden sich auf einer Grenze von kultiviertem Raum zur unkultivierten Natur.

Wenn die Hecke vielleicht mit dem Bannkreis, der vorchristliche Kultorte umgab und eine Trennlinie zwischen der diesseitigen Welt und der jenseitigen Welt darstellt, identifiziert werden kann, so ist die Hexe eine Person, die zwischen beiden Welten vermitteln kann. Sie besitzt somit divinatorische, aber auch heilende FÀhigkeiten und hohes Wissen, und hat damit die Eigenschaften der vorchristlichen KulttrÀger.

Von je her sind die Bedeutungen Orakelsprechende, Zaubersprechende, (Hell-)Seherin und weitere in der Bezeichnung Hexe eingeschlossen – alles Attribute, die auch der nordischen Freya, der irischen Brigid und anderen archaischen Göttinnen zugeordnet wurden.

Eine mögliche Herkunft des Archetypus „Hexe“ ist, wenn die Etymologie des englischen witch stimmt, eine Frau mit okkultem oder Naturheilwissen, die unter UmstĂ€nden einer Priesterschaft angehörte. Dies ist eine Übertragung der FĂ€higkeiten (Heilen, Zaubern, Wahrsagen) der Göttin Freya und vergleichbarer Göttinnen in anderen Regionen auf ihre Priesterinnen, die im frĂŒhchristlichen Umfeld noch lange in der gewohnten Weise agierten. Mit dem Vordringen des Christentums wurden die heidnischen Lehren und ihre AnhĂ€nger dĂ€monisiert.

Der Begriff des Hexenglaubens ist im Übrigen doppeldeutig. Er bezeichnet nicht nur die Überzeugung von der realen und bedrohlichen Existenz der Hexen, wie er im Volksglauben verwurzelt war und sich als Reaktion der Obrigkeit zum Hexenwahn steigern konnte. Daneben kann er heute die (naturreligiösen) Überzeugungen beschreiben, die sich auf ein vorchristliches VerstĂ€ndnis berufen und bestimmte Menschen beiderlei Geschlechts, die angeblich ĂŒber besondere FĂ€higkeiten und Kenntnisse (siehe: Esoterik) verfĂŒgen, als Hexen bezeichnen.

FrĂŒher Wortgebrauch

Der Begriff „Hexereye“ taucht erstmals 1419 in einem Prozess gegen einen Mann im schweizerischen Luzern auf. Allerdings ist schon 1402/03 in einem Rechnungsbuch aus Schaffhausen von einem „hegsen brand“, also einer Hexenverbrennung, die Rede.[7] Der Malleus Maleficarum des Dominikaners Heinrich Kramer, gen. Institoris nennt die Hexen „maleficae“ [Pl.] anstelle des mĂ€nnlichen Äquivalents „malefici“ [Pl.] ursprĂŒnglich „ÜbeltĂ€ter“, erst spĂ€ter „Zauberer“.

Der Humanist und BegrĂŒnder der bayerischen Geschichtsschreibung Johannes Aventinus (1477-1534), eigentlich Johannes Turmair, meinte um 1526, der Begriff „Hexe“ fĂŒr die alten Zauberinnen stamme von der „hauptmannin ... frau HĂ€cs“ (Varianten: HĂ€ts, Hets, HĂ€tz) ab, der Frau des sagenhaften Königs Theuer, Bruder des Königs Baier, die „ein grosse Ă€rztin“ und AnfĂŒhrerin der Amazonen gewesen und spĂ€ter vergöttert worden sein solle[8].

Antike Wurzeln

Im Alten Testament der Bibel wird Zauberei mit der Todesstrafe bedroht. Besonders die Stelle (2 Mos 22,17 LUT) – die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen – diente den Verfolgern der Hexen spĂ€ter als Rechtfertigung.

Auch in vielen antiken heidnischen Kulten gab es bereits das Bild der Schadenszauberin und krÀuterkundigen Zauberin. Beispiele sind die mythologischen Gestalten Kirke und Medea. Beide sind mÀchtige Zauberinnen mit KrÀuterwissen und verschiedenen magischen FÀhigkeiten, die sie einsetzen, um zu helfen und zu schaden.

Vor allem die antike Göttin Hekate war stark mit dem antiken Hexenglauben verbunden. UrsprĂŒnglich wurde sie als eine gĂŒtige und wohltĂ€tige Göttin angesehen, doch ab dem 5. Jahrhundert vor Christus wurde sie zur Schirmherrin aller magischen KĂŒnste. Man glaubte, sie fĂŒhre die Zauberinnen an und lehre diese ihre KĂŒnste. Die Hexenbilder des antiken Griechenlandes erinnern stark an die Hexenbilder, die im ausgehenden Mittelalter und der frĂŒhen Neuzeit entstanden (FĂ€higkeit der Verwandlung, das VerhĂ€ngen von Zaubern, Hexenflug, KrĂ€uterwissen, Menschenopfer und Leichenmissbrauch).

Im antiken römischen Recht stand die Schadenszauberei (z. B. mittels Fluchtafeln) unter Strafe.

Christliche Kirchenlehre

In der spĂ€tantiken und frĂŒhmittelalterlichen Kirche gab es zwei konkurrierende Ansichten zur Hexerei. Augustinus von Hippo schloss von der physikalischen Unmöglichkeit des Zauberns auf eine implizite Einladung des Teufels zur Bewerkstelligung der sonst unmöglichen Aufgabe.

Diese semiotische Auffassung der Hexerei trat aber zunĂ€chst in den Hintergrund zugunsten einer Auffassung, die sich aus den Regelungen der KirchenvĂ€ter zum Umgang mit Frauen ableitete, die glaubten, mit Diana des nachts auszufahren: Diese Frauen, so heißt es dort, seien mit Nachsicht zu behandeln, denn da das, was sie zu tun glaubten, physikalisch unmöglich sei, basiere es auf Einbildung. Ebenso sind die Regelungen Karls des Großen gegenĂŒber den Sachsen zu verstehen.

SpĂ€ter wurde die Lehre vom Teufelspakt entwickelt. Obwohl noch fast 1000 Jahre bis zur organisierten Verfolgung vergingen, ist dies eine der Grundlagen, die zur Hexenverfolgung fĂŒhrten. Im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts festigte sich das Bild der Hexen als Hexensekte oder -kult mit ZusammenkĂŒnften und Riten, die auf die Übernahme der Weltherrschaft fĂŒhren sollte (J. Baptier u. a.). Dies fĂŒhrte spĂ€ter zusammen mit der Folter als Verhörmethode zu der explosionsartigen Ausbreitung der Beschuldigungen. Das Zeitalter der legalen Hexenverfolgungen hatte begonnen.

Die Römisch-katholische Kirche steht Hexerei wie auch anderen Formen der Magie und Zauberei ablehnend gegenĂŒber. Dem Katechismus der Katholischen Kirche zufolge verstoßen derartige Praktiken „schwer gegen die Tugend der Gottesverehrung“, auch wenn sie dazu dienen sollten, „Gesundheit zu verschaffen“ (KKK 2117).

Hexenverfolgungen in Mittelalter und Neuzeit

→ Hauptartikel: Hexenverfolgung

Hexen im Spiegel der Gesetze

Gesetze stehen vor allem im Zusammenhang mit der Hexenverfolgung.

FrĂŒhneuzeitliches HexenverstĂ€ndnis

Zu den Merkmalen einer Hexe gehörten laut der Hexenlehre der frĂŒhneuzeitlichen Hexentheoretiker:

  1. der Hexenflug auf Stöcken, Tieren, DÀmonen oder mit Hilfe von Flugsalben
  2. Treffen mit dem Teufel und anderen Hexen auf dem sogenannten Hexensabbat
  3. der Pakt mit dem Teufel
  4. der Geschlechtsverkehr mit dem Teufel (in Gestalt von incubus und succubus, der sogenannten Teufelsbuhlschaft) und
  5. der Schadenszauber.

Diese fĂŒnf Merkmale bildeten ab etwa 1400 den elaborierten Hexencode.

FĂŒr den Schadenszauber spielte die Vorstellung der begrenzten GĂŒter eine Rolle: wenn Ernte, Milchertrag oder sonstiges Gut eines Bauern sinkt, so liegt die Ursache darin, dass jemand durch zauberische Mittel dieses fortgenommen hat.
Frauen, die sich veterinÀrmedizinisch betÀtigt hatten, kamen ebenfalls schnell in das Visier der Verfolger, da man davon ausging, sie hÀtten das Vieh behext und so ihre heilerischen Erfolge erzielt (bzw. im Falle von Misserfolgen vermutete man sofort, dass die Behandlung lediglich dem Versiegen der Milch etc. dienen sollte).[9]

Vor allem Frauen wurden der Hexerei beschuldigt. Zum Teil war die kirchliche ErbsĂŒndenlehre der Grund dafĂŒr. Sie legte nahe, dass Frauen besonders empfĂ€nglich fĂŒr die EinflĂŒsterungen des Teufels seien. Der Hexenhammer behauptet, Frauen seien von Natur aus schlecht, und die wenigen guten Frauen seien schwach und den VerfĂŒhrungen des Teufels leichter ausgeliefert; gerade in ihrer Funktion als Hebamme kĂ€men sie mit schlechten SĂ€ften in Verbindung, die sie verderben und fĂŒr die VerfĂŒhrung des Teufels anfĂ€llig machten.

Von großer Bedeutung war die Idee einer allgemeinen Hexenverschwörung. Aus der Übertragung von Stereotypen, die man jahrhundertelang den Juden zugeschrieben hatte, bildete sich die Vorstellung einer „Synagoga Satanae” (Synagoge des Satans), spĂ€ter „Hexensabbat” genannt. Man glaubte hier einer orgiastischen Versammlung auf der Spur zu sein, bei der Gott und seine Kirche verhöhnt wurden. Man glaubte, dass die gesamte Existenz des Christentums durch diese „Hexensekte“ bedroht sei.

Somit entstand ein vermischtes NeuverstĂ€ndnis der Hexen. Nicht mehr der Schaden, den die Hexen anrichten, war ihr entscheidendes Merkmal, sondern der Abfall vom Glauben und der damit verbundenen Zuwendung zum Teufel. Nunmehr bildeten sie eine geistliche Gefahr; die Kirche ging gegen ihre abtrĂŒnnigen GlĂ€ubigen, nach den GrundsĂ€tzen des Augustinus von Hippo, mit Zwang und Feuer fĂŒr ihre Seelenrettung vor.

Geographische Verbreitung

Die neuzeitliche Hexenverfolgung konzentrierte sich hauptsĂ€chlich auf das Territorium des Heiligen Römischen Reiches, England, die Schweiz, die Niederlande, Lothringen, Schottland und Polen. Historiker fĂŒhren diese Tatsache auf die relativ schwache Position der Zentralgewalt in diesen LĂ€ndern zurĂŒck. Spanien, Portugal und Italien blieben vom PhĂ€nomen der Hexenverfolgung weitgehend verschont. EinzelfĂ€lle sind auch in den amerikanischen Kolonien (Hexenprozesse von Salem) und fĂŒr Finnland dokumentiert. Im 17. Jahrhundert wurden in der Finnmark fast 140 Hexenprozesse durchgefĂŒhrt, der erste 1601.

Hexen in Skandinavien

The Night-Hag Visiting Lapland Witches von Johann Heinrich FĂŒssli

Seit frĂŒhester Zeit galten die Samen als besonders zauberkundig. Saxo Grammaticus schreibt:

„Sunt autem Finni ultimi Septentrionis populi, vix quidem habitabilem orbis terrarum partem cultura ac mansione complexi. Acer iisdem telorum est usus. Non alia gens promptiore jaculandi peritia fruitur. Gandibus & latis sagittis dimicant, incantationum studiis incumbunt, veationibus callent. Incerta illis habitatio est, vagaque domus, ubicunque, ferma occupaverint locantibus sedes. Pandis trabibus vecti, conferta nivibus juga percurrunt.“

„Die Finnen sind ein Volk im Ă€ußersten Norden, die einen kaum bewohnbaren Teil des Erdkreises bewohnen und dort das Land bebauen. Der tĂŒchtige Gebrauch der Speere ist bei ihnen ĂŒblich. Kein anderes Volk zieht besseren Nutzen aus der praktischen Kenntnis des Speerschleuderns. Sie kĂ€mpfen mit schweren und dicken Pfeilen, sie widmen sich der Zauberei, haben Erfahrung in der Jagd. Ihr Wohnsitz ist nicht fest, und ihr Haus ist unstet, wo auch immer, nehmen ihren Wohnsitz in der Wildnis. Auf Reisen laufen sie auf gekrĂŒmmten Brettern durch zusammenhĂ€ngende Bergketten voller Schnee.“

– Adam von Bremen: Saxonis grammatici historié Danicé[10]

und Adam von Bremen schreibt ĂŒber Olav den Heiligen:

„Dicunt eum inter cetera virtutum opera magnum Dei zelum habuisse, ut maleficos de terra disperderet, quorum numero cum tota barbaries exundet, praecipue vero Norvegia monstris talibus plena est. Nam et divini et augures et magi et incantatores ceterique satellites antichristi habitant ibi, quorum praestigiis et miraculis infelices animae ludibrio daemonibus habentur.“

„Neben anderen tĂŒchtigen Leistungen soll er Gott mit solchem Eifer gedient haben, dass er aus seinem Lande die Zauberer austilgte, die es in der Welt der Barbaren ĂŒberall mehr als reichlich gibt, doch ist Norwegen in ganz besonderem Ausmaße voll solcher Teufelswesen. Hier wohnen Wahrsager, Vogeldeuter, Zauberer, Beschwörer und andere Diener des Antichrist, und ihre Gaukeleien und KĂŒnste machen die unglĂŒcklichen Seelen zum Spielwerk böser Geister.“

– Adam von Bremen: Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum[11]

und ĂŒber die Samen schreibt er:

„Omnes vero christianissimi, qui in Norvegia degunt, exceptis illis, qui trans arctoam plagam circa oceanum remoti sunt. Eos adhuc ferunt magicis artibus sive incantationibus in tantum prevalere, ut se scire fateantur, quid a singulis in toto orbe geratur; tum etiam potenti murmure verborum grandia cete maris in littora trahunt, et alia multa, quae de maleficis in Scriptura leguntur omnia illis ex usu facilia sunt.“

„Auch sind alle Bewohner Norwegens gute Christen, mit Ausnahme derer, die fern im Norden am Ozean leben. Die sollen durch ZauberkĂŒnste und Beschwörungen ĂŒber solche Macht verfĂŒgen, dass sie sich rĂŒhmen, sie wĂŒssten, was jeder Mensch auf der ganzen Erde tut. Auch ziehen sie mit wirksamen Zauberformeln große Walfische aus dem Meere an den Strand, und sie sind gewohnt, noch vieles andere, was man in der Heiligen Schrift von Zauberern liest, mit Leichtigkeit auszufĂŒhren.“

– Adam von Bremen: Gesta Hammaburgensis ecclesiae Pontificum[12]

Schon in den islĂ€ndischen Sagas werden Zauberinnen erwĂ€hnt. Der Zauber bezog sich in der Regel auf die HerbeifĂŒhrung schweren Unwetters oder die Herstellung von Kleidung, die kein Schwert durchdringen konnte. Wie die Praktiken vollzogen wurden, wird so gut wie nie geschildert. Eine der ganz seltenen Schilderungen betrifft den Versuch einer zauberkundigen Frau, ihren missratenen Sohn dadurch vor Verfolgung zu schĂŒtzen, dass sie seine Gegner in Wahnsinn verfallen lassen wollte.

„Og er ĂŸeir brÊður komu að mĂŠlti Högni: ‚Hvað fjanda fer hĂ©r að oss er eg veit eigi hvað er?‘ Þorsteinn svarar: ‚Þar fer LjĂłt kerling og hefir breytilega um bĂșist.‘ HĂșn hafði rekið fötin fram yfir höfuð sĂ©r og fĂłr öfug og rĂ©tti höfuðið aftur milli fĂłtanna. Ófagurlegt var hennar augnabragð hversu hĂșn gat ĂŸeim tröllslega skotið. Þorsteinn mĂŠlti til Jökuls: ‚Dreptu nĂș Hrolleif, ĂŸess hefir ĂŸĂș lengi fĂșs verið.‘ Jökull svarar: ‚Þess er eg nĂș albĂșinn.‘ HjĂł hann ĂŸĂĄ af honum höfuðið og bað hann aldrei ĂŸrĂ­fast. ‚JĂĄ, jĂĄ,‘ sagði LjĂłt, ‚nĂș lagði allnĂŠr að eg mundi vel geta hefnt Hrolleifs sonar mĂ­ns og eruð ĂŸĂ©r Ingimundarsynir giftumenn miklir.‘ Þorsteinn svarar: ‚Hvað er nĂș helst til marks um ĂŸað?‘ HĂșn kvaðst hafa ĂŠtlað að snĂșa ĂŸar um landslagi öllu ‚en ĂŸĂ©r ĂŠrðust allir og yrðuð að gjalti eftir ĂĄ vegum Ăști með villidĂœrum og svo mundi og gengið hafa ef ĂŸĂ©r hefðuð mig eigi fyrr séð en eg yður.‘“

„Und als die BrĂŒder herbeikamen, sprach Högni:‚ Was fĂŒr ein Teufel kommt dort auf uns zu? Ich weiß nicht, was es ist.‘ Thorstein erwiderte: ‚Da kommt Ljot, das alte Weib, und hat sich sonderbar geputzt.‘ Sie hatte sich die Kleider vorn ĂŒber den Kopf geworfen und ging rĂŒckwĂ€rts und streckte den Kopf zwischen den Beinen nach hinten. GrĂ€ulich war der Blick ihrer Augen, wie sie ihn wie die Trolle zu schießen wussten. Thorstein rief Jökul zu: ‚Jetzt schlag Hrolleif tot. Du hast lange darauf gebrannt.‘ Jökul antwortete: ‚Dazu bin ich gern bereit‘, und hieb ihm den Kopf ab und wĂŒnschte ihn zum Teufel. ‚Ja, ja,‘ sagte Ljot, ‚nun war es nahe daran, dass ich meinen Sohn Hrolleif hĂ€tte rĂ€chen können. Aber die Ingimundssöhne sind gewaltige GlĂŒcksmĂ€nner.‘ Thorstein antwortete: ‚Warum meinst du das?‘ Sie sagte, sie habe das ganze Land umstĂŒrzen wollen, ‚und ihr wĂ€ret toll geworden und verrĂŒckt draußen bei den wilden Tieren geblieben. Und so wĂ€re es auch gekommen, wenn ihr mich nicht eher gesehen hĂ€ttet, als ich euch.‘“

– VatnsdƓla saga[13]

Als die englische Mystery and Company of Merchant Adventurers for the Discovery of Regions, Dominions, Islands, and Places unknown versuchte, die Nordostpassage nach China zu finden, gab sie den Versuch wegen Packeis und StĂŒrmen auf. Diese Erfahrung fĂŒhrte im 17. Jahrhundert zur Behauptung der EnglĂ€nder, es gebe eine Hexenplage im Norden. Auf dem BergrĂŒcken Domen bei Vardö wurde 1662 einer der Einstiege in die Hölle identifiziert (ein anderer war der Vulkan Hekla auf Island). Der Berg wurde fĂŒr den Versammlungsort der Hexen gehalten.

Moderner politischer Gebrauch des Hexenbegriffs

  • 1949: Simone de Beauvoir veröffentlicht Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau, in dem sie Hexen als den Ă€ltesten und abgegriffensten aller Mythen bezeichnet: Der Mann werde durch „das abgegriffene Vokabular der Feuilletonromane, in denen die Frau als Hexe, als Zauberin beschrieben wird“ angelockt und ausgesaugt. „Die verderbte Hexe stellt die Leidenschaft der Pflicht, den gegenwĂ€rtigen Augenblick der Einheit der Zeit entgegen, sie hĂ€lt den Wanderer der Heimat fern, sie breitet Vergessen ĂŒber ihn aus“.
  • 1975: Alice Schwarzer in „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“: Feministinnen sind „Mannweiber“, „Politfurien“ und „Brockenhexen“. „Ich habe sehr schnell versucht, die Markierung als ‚Hexe vom Dienst‘ zu unterlaufen. Aus politischen GrĂŒnden, aber auch aus privaten: Eine solche HĂ€me verletzt trotz allen Wissens um die Motive der Geifernden.“
  • Elga Sorge schrieb das Manifest der bekennenden Frauenkirche als Hexenkonvent.
  • Emma Bonino, Feministin und Politikerin, ehemalige EU-Kommissarin, Angehörige der Radikalen Partei in Italien, wurde vom Papst als Hexe bezeichnet, nachdem sie das Informationszentrum fĂŒr Sterilisation und Abtreibung 1975 gegrĂŒndet hat.
  • In den 1970er Jahren demonstrieren italienische Frauen gegen das Abtreibungsverbot und laufen mit den Worten „Tremate, tremate, le streghe son tornate“ durch die Straße („Erzittert, erzittert, die Hexen sind zurĂŒckgekehrt“). Silvia Bovenschen[14] ist die frĂŒheste Quelle hierfĂŒr; in anderen Quellen datiert man es auf die 1960er oder 1980er Jahre, auch der UniversitĂ€t Padua zu. Als Orte kursieren Rom, Mailand und die UniversitĂ€t von Padua; als Grund wird teilweise auch der Todesfall einer Frau infolge einer Vergewaltigung genannt.
  • 1977 und 1978 gab es in Freiburg und 1981 in Kassel in der Walpurgisnacht Demonstrationen von Frauen gegen Vergewaltigung.
  • Der Begriff „Hexenverfolgung“ wird in der Gegenwart im Unterschied zur historischen Bedeutung im ĂŒbertragenen Sinn fĂŒr öffentliche lautstarke und unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸige Kritik an einer in der öffentlichen Meinung in Ungnade gefallenen oder aus anderen GrĂŒnden missliebigen Person gebraucht.

Neue Hexen

Wicca-Zeremonie in Avebury (Mai 2005)

Der Hexenbegriff im europĂ€isch-amerikanischen Kulturraum hat eine grundlegende Wandlung erfahren. Durch Margaret Alice Murrays Buch Witch-Cult in Western Europe (Hexen-Kult in Westeuropa) wurde der Hexenbegriff 1921 in einem neuen Konzept der Öffentlichkeit nahe gebracht. Mit der Rezeption der frĂŒhen Forschung zu den Hexenverfolgungen (u. a. Jules Michelet: La SorciĂšre) durch die alternative Szene und die Frauenbewegung, insbesondere der Vorstellung, die Hexen seien eigentlich weise Frauen gewesen, die von den Herrschenden verfolgt wurden, bietet der Hexentopos ein weites Spektrum der Identifikation fĂŒr das Neuheidentum und die Esoterikszene.

Der Begriff Hexe wird hierbei in positiver Weise neu verstanden. Als Hexe bezeichnen sich heutzutage viele Frauen, die sich unter anderem mit HeilkrÀutern und den alten europÀischen Religionen beschÀftigen.

Zu nennen ist hier vor allem die Wicca-Religion, die sich heute als neue Form einer heidnischen Naturreligion der Hexen versteht, in den USA viele AnhÀnger hat und dort als Religion anerkannt ist. Die Celtic Witches berufen sich speziell auf Wurzeln in der keltischen Mythologie und Religion.

MĂ€nnliche Hexen

MĂ€nnliche Hexen bezeichnen sich heute manchmal als „Hexe“, auch wenn es ihnen freisteht, sich Hexer, Zauberer oder Hexenmeister zu nennen.

Die weibliche und die mÀnnliche AusprÀgung entstammen allerdings nicht dem gleichen historischen Ursprung und rufen deswegen auch jeweils andere Assoziationen hervor.

Überlieferungen, Sagen, MĂ€rchen

Urbilder der Hexenvorstellung sind die Figuren der Medea und der Circe aus der griechisch-römischen Mythologie (siehe: Antike Wurzeln)

HĂ€nsel und Gretel
Ludwig Richter

MĂ€rchen von Hexen finden sich zahlreich in der Sammlung der Kinder- und HausmĂ€rchen der BrĂŒder Grimm. Das bekannteste ist wohl das MĂ€rchen von HĂ€nsel und Gretel, in dem die Hexe mit allen Merkmalen dargestellt wird, die ihr der Volksglaube angedichtet hat. Dazu gehört insbesondere auch die Bedrohung von Kindern. UnterstĂŒtzt wurden die beiden von ihrem Bruder Ludwig Grimm, der als Illustrator der ersten Auflage der Hexe ihr typisches Aussehen gab.

Im Harz, wo in der Walpurgisnacht das Treffen der Hexen auf dem Blocksberg (Brocken) vermutet wurde, wird der Hexenglaube als folkloristisches Brauchtum weiter gepflegt.

Im Bereich der schwĂ€bisch-alemannischen Fastnacht wie auch in der tirolischen Fastnacht treten Fastnachtshexen auf, die sich im 20. Jahrhundert vor allem im schwĂ€bisch-alemannischen Raum explosionsartig vermehrt haben. Inwieweit sie sich auf die Hexenverfolgung oder die MĂ€rchenhexe zurĂŒckfĂŒhren lassen, ist in der volkskundlichen Forschung nicht ausreichend geklĂ€rt. Als Fastnachtsfeuer werden oftmals am Fastnachtsdienstag oder Funkensonntag Hexenpuppen als Symbol der zu Ende gehenden Fastnacht verbrannt. Gerade in jĂŒngerer Zeit fĂŒhrte dies immer wieder zu Diskussionen, da die Kombination Hexe – Scheiterhaufen an die mittelalterlichen Hexenverbrennungen erinnern, auch wenn die Fastnachtsfeuer grundsĂ€tzlich damit nichts zu tun haben.

Fastnachtsfeuer am Funkensonntag bei Herdwangen (Baden-WĂŒrttemberg) mit angebrachter Strohhexenpuppe

Die literarischen und filmischen Verarbeitungen des Hexenmotivs sind zahllos und reichen von Shakespeares Macbeth bis etwa zum Blair Witch Project. Das traditionelle (Schreckens-)Bild der Hexe lebt in modernen MĂ€rchen wie Hexen von Eastwick fort.

Daneben zeigt sich jedoch eine neue Tradition positiver Hexenbilder in der Literatur. WĂ€hrend Die kleine Hexe bei Otfried Preußler (1957) wegen ihrer guten Taten noch zur Außenseiterin wird, kennen heutige KinderbĂŒcher ĂŒberwiegend „gute“ Hexen (Bibi Blocksberg, Lisbeth, Zilly, Charmed) oder lassen gute und böse Hexen gleichermaßen zu (Harry Potter). Der Begriff der Hexe hat hier seine frĂŒhere negative Bedeutung weitgehend eingebĂŒĂŸt.

Ein Beleg dafĂŒr, dass die Bedrohung auch von mĂ€nnlichen Akteuren ausgehen konnte, ist das MĂ€rchen vom Rumpelstilzchen. Hier wird der mythische Tenor der MĂ€rchen besonders deutlich: Es geht im Kern um die Menschenopfer im Glauben der Ackerbauern. Eine durch die Ernte reich gewordene Frau soll ihr Kind als Opfer hergeben. Dies wird im letzten Moment dadurch verhindert, dass das MĂ€nnchen bei seinem Namen genannt, also erkannt wird.

Die Hexe lebt oft in einem besonderen Hexenhaus. Im MĂ€rchen von HĂ€nsel und Gretel ist es zum Beispiel ein Pfefferkuchenhaus. Die Hexe Baba Jaga lebt dagegen in einem HĂ€uschen auf einem HĂŒhnerbein, das sich drehen kann.

Psychoanalytische Deutung

Der Analytischen Psychologie in der Tradition Carl Gustav Jungs gelten die in TrÀumen, Sagen, Mythen und MÀrchen auftretenden Hexen als AusprÀgung des nefasten Aspekts des so genannten Mutterarchetyps, also der zerstörenden und verschlingenden Mutter.

BerĂŒhmte Hexen

Authentische Personen

  • Die „Kindhexe“ Agatha Gatter
  • Die Hexen von Salem (USA). Salem ist bekannt durch die im Jahr 1692 stattgefundenen Hexenprozesse. Dieser Umstand trug der Stadt den Beinamen The Witch City ein.
  • Elisabeth von DoberschĂŒtz, geborene von Strantz, Ehefrau des frĂŒheren Stadthauptmanns von Neustettin Melchior von DoberschĂŒtz, wurde am 17. Dezember 1591 vor den Toren Stettins enthauptet und verbrannt.
  • Sidonie von Borcke (1548–1620) aus dem Jungfrauenstift Marienfließ wurde am 28. September 1620 vor dem MĂŒhlentor enthauptet und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
  • Tempel Anneke, bĂŒrgerlicher Name Anna Roleffes, war eine der letzten in Braunschweig verurteilten und dort am 30. Dezember 1663 nach neun Monaten Kerkerhaft und zahlreichen Verhören vor dem Wendentor hingerichteten „Hexen“.
  • Hester Jonas, genannt „die Meurer“, wurde 1635 verhaftet, am Hexenstuhl gefoltert und am Heiligen Abend 1635 im Alter von etwa 64 Jahren vor der WindmĂŒhle zu Neuss enthauptet und verbrannt. Das vollstĂ€ndige Protokoll des Prozesses ist in Neuss erhalten.
  • Anna Göldin, in Glarus im Juni 1782 als letzte Hexe (in der Schweiz) hingerichtet
  • Anna Truels, im Jahr 1567 auf der nordfriesischen Insel Nordstrand verbrannt[15]
  • Theodor Becker
  • Angelina Alcott
  • Catherine Monvoisin, genannt „La Voisin“, versorgte mit ihrem Pariser Hexenzirkel Madame de Montespan, die MĂ€tresse Ludwigs XIV., und dessen Hofgesellschaft mit Gift und hielt gegen Bezahlung schwarze Messen ab. 1680 wurde sie mit ihren AnhĂ€ngern an der Place de GrĂšve verbrannt.
  • Maria Holl, (* 1549, † 1634), die „Hexe von Nördlingen“, widerstand als eine der ersten Frauen allen Torturen wĂ€hrend des 1593/1594 gegen sie gefĂŒhrten Hexenprozesses. Durch ihre Kraft befreite sie die Stadt Nördlingen vom Hexenwahn. Ihre BestĂ€ndigkeit fĂŒhrte zu Zweifeln an der Richtigkeit von Hexenprozessen und letztlich zum Umdenken von Bevölkerung und Obrigkeit.
  • Anna Schnidenwind, geb. Trutt (* um 1688 in Wyhl am Kaiserstuhl; † 24. April 1751 in Endingen am Kaiserstuhl) war eine der letzten Frauen, die in Deutschland als Hexe öffentlich hingerichtet wurden.
  • Margaret Barcley († 1618) wurde als Dame aus einem gutem schottischen Haus in Irvine (Ayrshire) als Hexe vor Gericht gestellt, gefoltert und verurteilt. Sie wurde stranguliert und verbrannt.

Fiktive Gestalten

Hexenfiguren in anderen Kulturen

Hexen und Hexensabbat in der Weltliteratur

Siehe auch

Literatur

  • Gabriele Becker u. a. (Hrsg.): Aus der Zeit der Verzweiflung. Zur Genese und AktualitĂ€t des Hexenbildes. Edition Suhrkamp. Suhrkamp, Frankfurt am Main 19959, ISBN 3-518-10840-9, ISBN 3-518-10840-4 (formal falsche ISBN).
  • Petra Roeder: Crimen mixtum – Vorwurf Hexerei. Saxa et Libri. Bd 7, Emmendingen 2008, ISBN 3-940220-13-2.
  • Eva Labouvie: Wider Wahrsagerei, Segnerei und Zauberei. Kirchliche Versuche zur Ausgrenzung von Aberglaube und Volksmagie seit dem 16. Jh. In: Richard van DĂŒlmen (Hrsg.): Verbrechen, Strafen und soziale Kontrolle. Studien zur historischen Kulturforschung, Bd 3, Frankfurt/M. 1990, S. 15-55.
  • Anita Lackenberger: Ein teuflisch Werk. Die Torturen der Hexe von Wien, Folterprotokoll 1583. Freya, Unterweitersdorf 1998, ISBN 3-901279-68-7.
  • Claude Lecouteux: Hagazussa-Striga-Hexe. in: Hessische BlĂ€tter fĂŒr Volks- und Kulturforschung. Marburg 1985, 18, S. 57–70. ISSN 0175-3479
  • Monika LĂŒcke/Dietrich LĂŒcke: Ihrer Zauberei halber verbrannt. Hexenverfolgungen in der FrĂŒhen Neuzeit auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2011, ISBN 978-3-89812-828-5.
  • Matthias Pöhlmann (Hrsg.): Neue Hexen. Zwischen Kult, Kommerz und Verzauberung. EZW-Texte. Bd 186. Evangelische Zentralstelle fĂŒr Weltanschauungsfragen, Berlin 2006. ISSN 0085-0357
  • Gilbert G. Groud: Magie Noire. Über Hexenglauben in Afrika. Albin Michel, Paris 2003, ISBN 2-226-13642-8.
  • Gerd Schwerhoff: Vom Alltagsverdacht zur Massenverfolgung. Neuere deutsche Forschungen zum frĂŒhneuzeitlichen Hexenwesen. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht. Seeze 46.1995, S. 359-380, ISSN 0016-9056.
  • Felix Wiedemann: Rassenmutter und Rebellin. Hexenbilder in Romantik, völkischer Bewegung, Neuheidentum und Feminismus. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2007. ISBN 3-8260-3679-4 (ĂŒberarbeitete Diss. Freie UniversitĂ€t Berlin 2006. Ideengeschichtliche Studie, ĂŒber die Vorstellungen von „den Hexen frĂŒherer Zeiten“ in Deutschland von der Romantik bis heute)
  • Ulrich Molitor, Konrad Lauterbach: Von Unholden und Hexen. Originalausgabe 1489, Neu ins Deutsche von Nicolaus Equiamicus. Ubooks, Diedorf 2008. ISBN 3-86608-089-1
  • Nicolas RĂ©my: Daemonolatreia oder Teufelsdienst. U-Books, Diedorf 2009. ISBN 3-86608-113-8
  • Rolf Übel: Wegen vielgeĂŒbter Zauberei und Hexenwerk. Hexenverfolgung im SĂŒden der Pfalz und im Nord-Elsass. Landau in der Pfalz 2003. ISBN 3-929893-14-2
  • Felix Wiedemann: Germanische Weise Frau, Priesterin, Schamanin. Das Bild der Hexe im Neuheidentum. In: Uwe Puschner, G. Ulrich Großmann (Hrsg.): Völkisch und national. Zur AktualitĂ€t alter Denkmuster im 21. Jahrhundert. Wissenschaftliche BeibĂ€nde zum Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums. Bd 29. Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 2009, S. 266-279. ISBN 3-534-20040-3
  • Johannes Dillinger: Hexen und Magie. Eine historische EinfĂŒhrung. Campus, Frankfurt M 2007. ISBN 3-593-38302-0
  • Wolfgang Behringer: Hexenverfolgung in Bayern. Volksmagie, Glaubenseifer und StaatsrĂ€son in der FrĂŒhen Neuzeit. Oldenbourg, MĂŒnchen 1988, ISBN 3-486-53902-7
  • Wolfgang Behringer: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. dtv, MĂŒnchen 1993, ISBN 3-432-02957-9 (formal falsche ISBN)

Weblinks

 Commons: Hexen â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Hexenwesen â€“ Quellen und Volltexte
Wiktionary Wiktionary: Hexe â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Hexe â€“ Zitate
Überblicke, Bibliographien und allgemeine Ressourcen
Einzelne Quellen

Einzelnachweise

  1. ↑ hag in der englischsprachigen Wikipedia
  2. ↑ Gisela Bleibtreu-Ehrenberg: Tabu HomosexualitĂ€t – Die Geschichte eines Vorurteils. S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 1978, S. 84, 259-263. ISBN 3-10-007302-9
  3. ↑ Auch Buttervögel, Schmiervögel oder SchmalzflĂŒgel, weil man meinte, dass Hexen sich zum Stehlen oder Vergiften der Milch und Butter in Schmetterlinge verwandeln können.
  4. ↑ Zauberwort durch Entlehnung aus einer nördlichen Sprache, etwa Thrakisch oder Illyrisch; daraus entwickelt sich die lateinische Bezeichnung fascinum „Phallus als apotropĂ€isches Amulett“ gegen den Bösen Blick: vgl. Julius Pokorny, Indogermanisches Etymologisches Wörterbuch. Bern/MĂŒnchen 1947–1966, 5. Auflage 2005, unter dem Stichwort *baba [digitale Ressource].
  5. ↑ Vgl. z. B. „wenn er auch ein dreyfacher Bacularius oder gar ein Doctor in allen sieben FacultĂ€ten wĂ€re“; Christoph Martin Wieland, Die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva. In: Werke Bd. 1, MĂŒnchen 1964, S. 89.
  6. ↑ Vgl. Peter Schöffer: Herbarius Latinus. Mainz 1484; Karl Ernst Georges: Lateinisch-deutsches Handwörterbuch. Bd. I, 2. digitale Aufl, Berlin 2004, S. 3034.
  7. ↑ Vgl. Erster Beleg fĂŒr eine Hexenverbrennung 1402 im Stadtarchiv Schaffhausen
  8. ↑ Vgl. Johannes Aventinus: Bayerische Chronik Buch I, Kapitel 65 Von den kriegsweibern (SĂ€mmtliche Werke 4/1), hrsg. von Matthias Lexer, MĂŒnchen: Christian Kaiser 1882, S. 148–153 (Online-Ressource, abgerufen am 5. Januar 2012); erste Drucke der Handschriften in Frankfurt von Simon Schard 1566 und Nikolaus Cisner 1580. Hier klingen wohl die griechische Göttin Hekate oder das germanische Götterpaar Teut und Herta an.
  9. ↑ Petrissa Rinesch: VeterinĂ€rmedizinische Aspekte in österreichischen Hexenprozessen. in: Historia animalium ex ossibus. BeitrĂ€ge zur PalĂ€oanatomie, ArchĂ€ologie, Ägyptologie, Ethnologie und Geschichte der Tiermedizin. Festschrift fĂŒr Angela von den Driesch zum 65. Geburtstag. Rahden Westf 1999. ISBN 3-89646-388-8
  10. ↑ Saxonis grammatici historiĂŠ DanicĂŠ libros XVI. Hrsg. v. Stephanus Johannis Stephanius. Sorö 1645. Lib. V, S.93, Zeile 3 bis 9.
  11. ↑ Adam von Bremen: Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum II, 57
    Übersetzung von Werner Trillmich.
  12. ↑ Adam von Bremen: Gesta Hammaburgensis ecclesiae Pontificum. Bd IV, 32.
    Übersetzung von Werner Trillmich.
  13. ↑ VatnsdƓla saga Kap. 26.
  14. ↑ Silvia Bovenschen: Die aktuelle Hexe, die historische Hexe und der Hexenmythos. Die Hexe – Subjekt der Naturaneignung und Objekt der Naturbeherrschung. In: Becker, Bovenschen, Brackert
  15. ↑ Christian Peter Hansen: Das schleswig'sche Wattenmeer und die friesischen Inseln, Glogau 1865, Fußnote auf Seite 76
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