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Das Hildebrandslied (Hl) ist eines der frühesten poetischen Textzeugnisse in deutscher Sprache aus dem 9. Jahrhundert. Es ist das einzig überlieferte Textzeugnis eines Heldenlieds germanischen Typs in der deutschen Literatur, und darüber hinaus, generell das älteste erhaltene germanische Heldenlied. Das überlieferte heldenepische Stabreimgedicht besteht in herkömmlicher Zählung aus 68 Langversen. Es erzählt primär in althochdeutscher Sprache eine Episode aus dem Sagenkreis um Dietrich von Bern.
Als ältestes und einziges Werk seiner Art ist das Hl ein zentrales Objekt germanistisch-mediävistischer Sprach- und Literaturwissenschaft. Den heutigen geläufigen Titel erhielt der eigentlich anonyme Text durch die wissenschaftlichen Ersteditoren Jacob und Wilhelm Grimm.
Inhaltsverzeichnis |
| althochdeutsch <poem>
Ik gihorta dat seggen, dat sih urhettun ænon muotin, Hiltibrant enti Hadubrant untar heriun tuem. sunufatarungo iro saro rihtun. garutun se iro gudhamun, gurtun sih iro suert ana, helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun. </poem> |
deutsch <poem>
Ich hörte (glaubwürdig) berichten, daß zwei Krieger, Hildebrand und Hadubrand, (allein) zwischen ihren beiden Heeren, aufeinanderstießen. Zwei Leute von gleichem Blut, Vater und Sohn, rückten da ihre Rüstung zurecht, sie strafften ihre Panzerhemden und gürteten ihre Schwerter über die Eisenringe, die Männer, als sie zu diesem Kampf ritten. </poem> Übertragung: Horst Dieter Schlosser, Althochdeutsche Literatur. Berlin 2004. |
Hildebrand hat Frau und Kind verlassen und ist als Krieger und Gefolgsmann mit Dietrich in die Verbannung gezogen.[1] Nun kehrt er nach 30 Jahren heim. An der Grenze, zwischen zwei Heeren, stellt sich ihm ein junger Krieger entgegen. Hildebrand fragt diesen, wer sin fater wari (wer sein Vater wäre). So erfährt Hildebrand, dass dieser Mann, Hadubrand, sein eigener Sohn ist. Er gibt sich Hadubrand zu erkennen und versucht durch das Angebot von Geschenken (goldenen Armringen) sich diesem verwandtschaftlich, väterlich zuzuwenden. Hadubrand weist die Geschenke brüsk zurück und meint, er sei ein listiger alter Hunne, denn Seefahrer hätten ihm berichtet, dass sein Vater tot sei (tot is hiltibrant). Mehr noch, die Annäherungsversuche des ihm Unbekannten, der sich als sein Vater ausgibt, sind für Hadubrand ein feiger Verrat an der Ehre seines totgeglaubten Vaters. Ist die Verspottung als „alter Hunne“ und die Zurückweisung der Geschenke schon eine Herausforderung zum Kampf, so bleibt Hildebrand nach den Worten Hadubrands, dass sein Vater im Gegensatz zu dem ihm unbekannten Gegenüber ein Mann von Ehre und Tapferkeit sei, kein Weg mehr offen. Nach den Sitten ist er nun gefordert um seiner eigenen Ehre willen die Herausforderung des Sohnes zum Kampf anzunehmen unter Inkaufnahme des Todes, seines, oder des Sohnes. Welt- und kampferfahren ahnt Hildebrand die Dinge, die folgen werden, voraus und klagt so über sein furchtbares Schicksal: “welaga nu, waltant got”, quad Hiltibrant, “wewurt skihit”; “Wehe, waltender Gott”, sprach Hildebrand, “ein schlimmes Schicksal nimmt seinen Lauf!” Zwischen zwei Heeren stehen nun Vater und Sohn; es kommt zum unausweichlichen Kampf. Hier bricht der Text ab. Vermutlich, wie ein späterer altnordischer Text aussagt, endet der Kampf mit dem Tod Hadubrands.
Der einzige erhaltene Textzeuge des Hildebrandsliedes (Hl) wird in der Universitätsbibliothek Kassel unter der Signatur 2° Ms. theol. 54 aufbewahrt. Das Manuskript gehört zu den Altbeständen der Landesbibliothek Kassel. Die Handschrift befand sich als Kriegsbeute nach 1945 zeitweilig in den USA, wo kriminelle Antiquare eines der beiden Blätter abtrennten und die Handschrift für eine hohe Summe verkauft wurde. Es konnte erst 1972 wieder mit dem Codex vereinigt werden.[2] Der Text des Hl befindet sich auf den Seiten 1r und 76v einer frühmittelalterlichen Pergament-Handschrift, also auf der Vorderseite des Blattes 1 und der Rückseite des Blattes 76. Bei diesen Seiten handelt es sich um die ursprünglich leer gebliebenen Außenseiten des Kodex.
Der Hauptteil des Kodex wurde wahrscheinlich um 830 im Kloster Fulda geschrieben und enthält die biblischen Texte Sapientia Salomonis und Jesus Sirach in lateinischer Sprache. Das althochdeutsche Hildebrandslied ist offensichtlich ein nachträglicher Eintrag etwa des 3. – 4. Jahrzehnts des 9. Jahrhunderts. Die Aufzeichnung bricht ab, weil der Platz auf dem letzten Blatt nicht ausreichte.
Beim Hildebrandslied handelt es sich auf Grund der Handlung im Spektrum der Dietrichsagen um eine Sprosssage, die vom Rezipienten Vorwissen verlangt.[3] Aus diesem Sagenkreis um Dietrich hat sich die Hildebrandsage als wichtigste herausgebildet, mit dem Zweikampfmotiv als grundlegende Fabel.[4]
Das Hildebrandslied wurde um 830–840 von zwei unbekannten Fuldaer Mönchen in hauptsächlich althochdeutscher Sprache, jedoch in einer eigentümlichen altsächsisch-altbairischen Mischsprache[5] und mit angelsächsischen Schreibbesonderheiten aufgezeichnet. Aus dem Schriftbild des Textes ist festzustellen, dass die zweite Schreiberhand für die Verse 30–41 verantwortlich war. Die geringfügigen angelsächsischen, beziehungsweise altenglischen Einflüsse werden beispielsweise im Vers 9 deutlich, in der Phrase: ƿer ſin fater ƿarı. Durch die Verwendung des altenglischen Schriftzeichens Ƿ für den uu-Laut, sowie in der Ligatur „æ“, beispielhaft im Vers 1.
Die Mischung aus hoch- und niederdeutschem Dialekt versucht man damit zu erklären, dass vermutlich der beziehungsweise die niederdeutschen Schreiber das hochdeutsche Lied nur ungeschickt wiedergeben konnten. Diese Abschreibfehler zeigen an, dass die Niederschreiber nach Vorlage arbeiteten. Zu diesem Umstand kommen althochdeutsche Lexeme, die nur im Hildebrandslied zu finden sind (Hapax legomenon), wie unter anderen das auffällige Kompositum sunufatarungo (Vers 3), dessen letztlich genaue Bedeutung ungeklärt ist, beziehungsweise sich im wissenschaftlichen Diskurs befindet.[6]„Eindeutig oberdeutsch sind die anlautenden Tenues in prut (»Braut, Ehefrau«) oder pist (»bist«) oder die anlautenden Affrikaten in chind (»Kind«) etc. Niederdeutsch ist das durchweg unverschobene t in to (»zu«), uuêt (»weiß«), luttila (»lützel, klein«) oder der Nasalschwund vor Dentalen z.B. in ûsere (»unsere«) oder ôdre (»andere«). Der Beweis dafür, daß eine oberdeutsche Vorlage niederdeutsch eingefärbt wurde, liegt in den hyperkorrekten Formen vor wie urhettun - althochdeutsch urheizzo (»Herausforderer«) oder huitte - althochdeutsch hwizze (»weiße«). Hier nämlich entsprechen die geschriebenen Doppelkonsonanten tt nicht etwa dem niederdeutschen Lautstand, sondern erklären sich als mechanische Umsetzung der korrekten oberdeutschen Geminaten zz, denen im Niederdeutschen einfaches t entspräche.“
– Dieter Kartschoke, Geschichte der deutschen Literatur im frühen Mittelalter, Seite 127
Georg Baesecke stellte zur Veranschaulichung der mischsprachlichen Einfärbungen dem überlieferten Text eine rein althochdeutsche Übertragung gegenüber, exemplarisch die Verse 1–3 (Korrekturen von Schreibfehlern in Kursiv):
Die Entstehung des ursprünglichen Hildebrandsliedes wird, da in der gotischen Sprache die im Langobardischen nachgewiesene Namenendung auf „-brand“ fehlt, in Oberitalien angesetzt. Von den Langobarden kam das Hildebrandslied vermutlich in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts (770–780) nach Bayern und von dort nach Fulda. Helmut de Boor fasste den Weg der Überlieferung zusammen und folgerte, dass anhand der Grundlage einer gotisch-langobardischen Originalschrift eine altbairische Eindeutschung erfolgte. Nach der Übernahme in Fulda erfolgte die altsächsische Einfärbung und hiernach die heute überlieferte letzte Eintragung.[7]
Der Aufbau des Liedes ist schlicht und klar sowie durch die Verwendung altepischer Formen bewusst künstlerisch verfasst und beabsichtigt besondere Stilmittel. Exemplarisch für die altepischen Formen ist die Eröffnung der einleitenden Handlung im Vers 1 Ik gihorta dat seggen. Diese Form findet sich parallel in anderen germanischen Literaturen[8] und im althochdeutschen Kontext in der Eröffnung des Wessobrunner Gebetes in der Weise: Dat gafregin ih mit firahim.., „Das erfrug ich bei den Menschen“.[9] Ebenfalls sind Gestaltungsmittel erkennbar, wie sie in der übrigen germanischen Heldendichtung geläufig sind, beispielsweise im Abvers (66) durch die Form huitte scilti als strahlender, oder leuchtender Schild in der konkreten Zweikampfsituation. Des Weiteren in der Form garutun se iro suert ana (Vers 5) vergleichend mit Vers 13-14 des altenglischen Hengestlied; in der Weise gyrde hine his swurde.[10] Die besonderen Stilmittel sind zum einen Pausen und zum anderen der Stabreim in der Prosodik. Die Versmetrik zeigt sich exemplarisch und idealtypisch in der Phrase des dritten Verses:Die Regeln des Stabreimverses werden jedoch durch die Verwendung von Prosazeilen (Verse 33-35a) und Endreimbindungen vielfach nicht berücksichtigt. Ebenfalls finden sich Störungen im Anlaut und in einigen Abversen Doppelstäbe (V.18 heittu hadubrant), sowie zweifache Stabreime in der Form »abab«. Des Weiteren weist die Prosodik, analog zum ebenfalls aus dem Fuldaer Kontinuum stammenden altsächsischen Heliand, den Hakenstil auf, der Übernahme des stabenden Anlautes in die Hebung des folgenden Anverses. Der Aufbau des Liedes lässt sich wie folgt schematisch umfassen:„Hiltibrant enti Hadubrant untar heriun tuem“
Die innere Gliederung des Dialogteils wird in der Forschung, respektive der älteren, entgegen dem Gesamtaufbau des Textes unterschiedlich gewertet und ist umstritten. Dies hat zu unterschiedlichen, beziehungsweise zu untereinander abweichenden Editionen geführt;[11] insbesondere durch die Annahme, dass die Verse 10f., 28f., 32, 38, 46 unvollständig seien, und besonders die Verse 46f. die Anmutung des Dialogs vom inneren Zusammenhang nachteilig beeinträchtigten. Daher wurde teilweise der Wortlaut textkritisch bearbeitet und die Versfolge in der Zuweisung des jeweiligen Protagonisten modifiziert.[12] Die neuere Forschung geht mit dem Korpus konservativer um, und misst der überlieferten Version eine bewusste künstlerische Form bei. Lediglich die Verse 46–48 werden heute von der überwiegenden Zahl der Forscher Hadubrand zugeschrieben, und die Platzierung nach dem Vers 57 befürwortet. In der folgenden Tabelle werden anhand der Editionen von Steinmeyer, Baesecke und De Boor[13] vergleichend textkritsche Eingriffe gegenübergestellt:[14]
| Steinmeyer | Baesecke | De Boor |
|---|---|---|
| Hild. 11 – 13 | Hild. 11 – 13 | Hild. 11 – 13 |
| Had. 15 – 29 | Had. 15 – 29 | Had. 15 – 29 |
| Hild. 30 – 32 +35b | Hild. 30 – 32 +35b | Hild. 30 – 32 |
| Had. 37 – 44 | Had. 37 – 44 | Had. 46 – 48 |
| Hild. 49 – 57 | Hild. 46 – 48 | Hild. 35b |
| Had. 46 – 48 | Had. fehlt | Had. 37 – 44 |
| Hild. 58 – 62 | Hild. 49 – 57 | Hild. 49 – 62 |
| Had. fehlt | ||
| Hild. 58 – 62 |
Zeitlich dürfte die Handlung im 5. Jahrhundert einzuordnen sein (Heldenalter). Als Hinweis hierfür dienen die Personen, die im Text angeführt werden: Odoaker (Otacher Vers 18, 25), der gegen den Ostgotenkönig Theoderich den Großen (Theotrich Vers 19, Detrich Vers 23, Deotrich Vers 26) kämpfte. In Vers 35 wird der Herr (Gefolgsherr) der Hunnen Huneo truthin genannt; vermutlich handelt es sich dabei um Attila. Odoaker war ein Germane vom Stamme der Skiren und hatte im Jahre 476 den letzten weströmischen Kaiser Romulus Augustulus abgesetzt; daraufhin riefen ihn seine Truppen zum König Italiens (rex Italiae) aus. In der germanischen Heldensage wurde Theoderich, ausgehend von den kurzen, episodischen Liedformen, zum Dietrich von Bern (Verona) der heute überlieferten Epik tradiert. Attila wurde später der Etzel/Atli aus dem deutschen und nordischen Nibelungenkontext. Hinter der Figur des Hildebrand wurde von der älteren Forschung (Müllenhof, Heusler) der historische ostgotische Heerführer Gensimund gesehen. Rudolf Much gab schon im frühen 20. Jahrhundert den Hinweis auf Ibba oder Hibba, der bei den zeitgenössischen Historiographen wie Jordanes als Militär Theoderichs erfolgreich operierte.[15]
Nach Much und weiteren Forschern nach ihm wurde Ibba als Kurzform oder Kosename von Hildebrand vermutet mit dem Hinweis, dass die „Ibba“ – ebenso wie die Endung „-brand“ – im Gotischen nicht nachweisbar sei. Damit würden die Passagen des Liedes bezüglich des jahrzehntelangen Fernbleibens Hildebrands von Frau und Kind mit der Flucht Theoderichs (Ibba/Hildebrand im Gefolge) ihren historischen Grund in der Rabenschlacht finden, zum anderen Ibba/Hildebrand, aufgrund des Namens vermutlich fränkischer Herkunft, ein Gefolgsmann des Theoderich, der sich durch Treue einen hohen Rang in der ostgotischen politisch-militärischen Nomenklatur erworben hat. Dass der Zweikampf zwischen den zwei Heeren aus der verworrenen politischen Situation heraus gegeben war, in der es zu solchen Konfrontationen von nahen Verwandten kam, ist vergleichend historisch belegt. Diese Erfahrungen wurden demnach schon als Bestandteil der langobardischen Urform im Lied reflektiert.
Da der Schluss der Handlung nicht überliefert ist, kann nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden, ob das Ende tragisch gestaltet war. Man kann aber davon ausgehen, denn der Text baut in seiner dramaturgischen Komposition auf den Klimax des Zweikampfes hin aus. Durch die psychologische Gestaltung des Wortwechsels zwischen Vater und Sohn; Hildebrands Zwiespalt zwischen dem väterlichen Versuch der Zuwendung und Annäherung, und der beibehaltenden Wahrung seiner Ehre und selbstverständlichen Position als Krieger spitzt die Tragik der Handlung zu. Zeugnis davon gibt das sogenannte „Hildebrands Sterbelied“ in der altnordischen Fornaldarsaga Ásmundar saga kappabana aus dem 13. Jahrhundert. Das Sterbelied ist ein fragmentarisch erhaltenes Lied im eddischen Stil innerhalb des Prosatextes der Saga.[16] In sechs unvollständigen Strophen beklagt Hildibrand, besonders in der Strophe 4., retrospektiv den Kampf mit dem Sohn und dessen tragischen Tod:[17]
| <poem>
„Liggr þar inn svási at hǫfði, eptirerfingi, er ec eiga gat; óviliandi aldrs syniaðag.“</poem> |
<poem>
Dort liegt mir zu Häupten, der einzige Erbe, der mein eigen ward; wider Willen ward ich sein Töter.</poem> |
Im deutschen Jüngeren Hildebrandslied siegt ebenfalls der Vater, aber die beiden erkennen einander rechtzeitig. Dieser Text ist deutlich hochmittelalterlich geprägt, indem der Zweikampf vom Wesen her die Form des ritterlichen Turniers zeigt, in der Ausprägung eines quasi sportlichen Wettkampfes. Eine spätere Variante (in Deutschland erst in Handschriften zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert erhalten) bietet allerdings eine versöhnliche Variante an: Mitten im Kampf wenden sich die Streitenden voneinander ab, der Sohn erkennt den Vater, und sie schließen sich in die Arme. Diese Version endet mit einem Kuss des Vaters auf die Stirn des Sohnes und den Worten: „Gott sei Dank, wir sind beide gesund.“ Schon im 13. Jahrhundert ist diese versöhnliche Variante aus Deutschland nach Skandinavien gelangt und ist dort in der Thidrekssaga eingeflossen (älteste erhaltene Handschrift schon um 1280), einer thematischen Übertragung deutscher Sagen aus dem Kreis um Dietrich von Bern. In der Thidreksaga wird der Ausgang des Kampfes geschildert, das, nachdem sich Vater und Sohn erkannt haben, beide mit Freuden zur Mutter und Ehefrau zurückkehren. Insgesamt im Vergleich mit den späteren Interpolationen, ist die Tragik die größere und dem germanisch-zeitgenössischen Empfinden entsprechender, wenn der Vater seinen Sohn erschlagen hat - er löscht damit seine Familie, beziehungsweise Geschlechtslinie aus.
„In drei außergermanischen Sagen liegt diese individuell geprägte Fabel vor: der irischen von Cuchullin und Conlaoch, der russischen von Ilja und Sbuta Sokolniek, der persischen von Rostem und Suhrab.“
– Andreas Heusler, „Hildebrand“ in RGA 1, Band 2
Aufgrund der inhaltlichen Ähnlichkeit wird diese Tragödie oft mit der Geschichte von Rostam und Sohrab aus dem Schāhnāme, dem im 10. Jahrhundert im Iran entstandenen iranischen Nationalepos von Firdausi, verglichen. In diesem mit mehr als 50.000 Versen umfassenden umfangreichsten Epos der Weltliteratur wird unter anderem auch von dem Kampf zwischen Vater Rostam und Sohn Sohrab berichtet. Rostam, der seine Ehefrau noch vor der Geburt seines Sohnes verlässt, hinterlässt ihr seinen Armreif, den sie Tochter oder Sohn als Erkennungszeichen geben möge. Sohrab, der sich volljährig geworden auf die Suche nach seinem Vater begibt, wird in einen Zweikampf mit seinem Vater mit tödlichem Ausgang verwickelt. An dem Sterbenden entdeckt Rostam den Armreif und erkennt, dass er seinen eigenen Sohn erschlagen hat. Friedrich Rückert hat diesen Teil aus dem Schahname, der einen der Höhepunkte des Epos darstellt, mit seiner 1838 erschienen Nachdichtung Rostem und Suhrab im deutschen Sprachraum bekannt gemacht.[18] Während bei Firdausi der Vater seinen Sohn erdolcht, erschlägt bei Sophokles, im Oidipus Tyrannos der Sohn seinen Vater Laios. Entweder liegt dem Stoff eine indogermanische Ursage zugrunde, oder es kann eine direkte Beeinflussung angenommen werden.[19] Hermann Schneider ging bei dem Motiv von ein Wandersage, einer Weltnovelle aus. Der Indogermanischen Annahme fehlt im Hl der wesentliche Aspekt gegenüber den genannten Vergleiche, der der "Vatersuche" also eine thematische Umkehrung zum inhaltlichen Aufbau des Hl.
Eine erste wissenschaftliche Edition des Hildebrandliedes veröffentlichten die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm im Jahre 1812.
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