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| Klassifikation nach ICD-10 | ||
|---|---|---|
| C79.3 | SekundÀre bösartige Neubildung des Gehirns und der HirnhÀute | |
| ICD-10 online (WHO-Version 2011) | ||
Als Hirnmetastase wird eine Absiedlung von Krebszellen (Metastasierung) in das Hirngewebe bezeichnet, die von bösartigen Tumoren auĂerhalb des Gehirns ausgeht. Synonym sind die Begriffe Hirnfilia (von lateinisch filia âTochterâ) oder zerebrale Metastase (lateinisch cerebralis âzum Gehirn gehörigâ).
HĂ€ufige Ausgangstumore sind Lungenkrebs, Brustkrebs, Nierenzellkarzinom und bösartiges Melanom.[1] Hirnmetastasen sind die hĂ€ufigsten im Bereich des Gehirns[2] auftretenden bösartigen Tumoren und können sich unter anderem durch Kopfschmerzen, neurologische Ausfallerscheinungen, KrampfanfĂ€lle und WesensĂ€nderungen bemerkbar machen. Behandlung und Heilungsaussichten sind von vielen Faktoren abhĂ€ngig, Hirnmetastasen sind jedoch meist ein prognostisch ungĂŒnstiges Zeichen.
Inhaltsverzeichnis |
Von den hier behandelten soliden Hirnmetastasen abzugrenzen ist die Aussaat von Tumorzellen in die FlĂŒssigkeitsrĂ€ume des zentralen Nervensystems bei der Meningeosis neoplastica sowie die seltene diffuse Infiltration des Hirngewebes durch Tumorzellen eines nicht-hirneigenen Tumors (Karzinose).
VerlĂ€ssliche epidemiologische Daten ĂŒber die HĂ€ufigkeit von Hirnmetastasen im deutschsprachigen Raum liegen nicht vor. FĂŒr die Vereinigten Staaten wurde die jĂ€hrliche Inzidenz auf etwa 8,3 pro 100.000 Einwohnern geschĂ€tzt. Dort machen Hirnmetastasen etwa die HĂ€lfte aller klinisch diagnostizierten Hirntumoren aus.[3] Die Zahl der zu Lebzeiten unerkannt bleibenden Hirnmetastasen ist jedoch vermutlich höher: In einer Untersuchung aus den 1960er Jahren konnten Hirnmetastasen autoptisch bei etwa 1,6 % aller Verstorbenen und etwa 8 % aller Verstorbenen mit bösartigen Tumoren, die auĂerhalb des zentralen Nervensystems lagen, nachgewiesen werden.[4]
Die hĂ€ufigsten PrimĂ€rtumoren bei Hirnmetastasen sind Lungenkrebs (54â72 %), Brustkrebs (20â34 %), malignes Melanom und Nierenzellkarzinom. GrundsĂ€tzlich kann jedoch jeder bösartige Tumor in das Gehirn metastasieren. Bei Kindern ĂŒberwiegen Absiedlungen von Rhabdomyosarkomen und Keimzelltumoren.[5] Hirnmetastasen treten bei etwa 20 % aller Patienten mit Lungenkrebs, 7 % aller Patienten mit malignem Melanom, 7 % aller Patienten mit Nierenzellkarzinom, 5 % aller Patienten mit Brustkrebs und 2 % aller Patienten mit Darmkrebs auf.[6]
Hirnmetastasen sind meist im Bereich des GroĂhirns gelegen, können jedoch auch in Kleinhirn und Hirnstamm auftreten. Ăberwiegend erreichen die Tumorzellen das Gehirn mit dem Blutstrom (hĂ€matogene Metastasierung). Die Extravasation, also das Verlassen der GefĂ€Ăe, geschieht auf der arteriolĂ€ren oder kapillĂ€ren Ebene, weswegen die Tumoransiedlung vorzugsweise an der Grenze zwischen Hirnrinde und Marklager erfolgt. Ein Sonderfall ist die Metastasierung bösartiger Tumoren in vorbestehende gutartige Hirntumoren.[7]
Hirnmetastasen können sich bemerkbar machen, bevor der PrimÀrtumor klinisch auffÀllig wird. So ist bei etwa einem Drittel der Patienten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung kein Tumorleiden bekannt. In EinzelfÀllen bleibt der PrimÀrtumor trotz intensiver Suche verborgen (Cancer of Unknown Primary). Andererseits können Hirnmetastasen auch noch Jahre nach dem Auftreten und der Behandlung eines Krebsleidens zeitlich versetzt (metachron) auftreten.
Insgesamt entsprechen die Symptome von Hirnmetastasen denen von bösartigen hirneigenen Tumoren wie dem Glioblastom. Da die meisten Hirnmetastasen rasch wachsen und sich eine Gewebsschwellung der Umgebung (perifokales Ădem) entwickelt, betrĂ€gt die Lebenserwartung unbehandelt nur einige Wochen bis wenige Monate.
Ein hĂ€ufiges aber unspezifisches Symptom sind Kopfschmerzen. Ursache hierfĂŒr ist die raumfordernde Wirkung von Metastase und Ădem, die zu einer Dehnung der schmerzempfindlichen HirnhĂ€ute fĂŒhren kann.
Weitere neurologische Symptome treten in AbhĂ€ngigkeit von der Lokalisation auf: befindet sich die Hirnmetastase im Bereich des GroĂhirns, können epileptische AnfĂ€lle, Paresen, SensibilitĂ€tsstörungen, GesichtsfeldausfĂ€lle oder Sprachstörungen auftreten. Persönlichkeits- und StimmungsĂ€nderungen (zum Beispiel beim Frontalhirnsyndrom) sind nicht selten auch fĂŒr die Umstehenden erkennbar. Manchmal kommt es zur Ausbildung eines akuten organischen Psychosyndroms mit paranoiden oder aggressiven ZĂŒgen im Sinne eines Delirs. Bei einer Lokalisation im Bereich von Kleinhirn oder Hirnstamm können Schwindel, Ataxie oder Hirnstammsyndrome auftreten.
Durch Zunahme des Hirndrucks kann es zu Apathie, MĂŒdigkeit und BewusstseinstrĂŒbungen kommen. Unstillbares Erbrechen oder Koma sind SpĂ€tzeichen mit schlechter Prognose.
Bei neurologischen Symptomen oder Beschwerden, die angesichts einer bekannten Krebserkrankung an das mögliche Vorliegen von Hirnmetastasen denken lassen, kommt der gezielten neurologischen Untersuchung eine wichtige Rolle zu. Gesucht wird unter anderem nach Hirndruckzeichen (Stauungspapille), HirnnervenausfÀllen und zentralen LÀhmungen, die sich durch gesteigerten Muskeltonus und betonte Eigenreflexe, manchmal auch durch Pyramidenbahnzeichen bemerkbar machen. Psychische VerÀnderungen, Verlangsamung oder Störungen des Erlebens fallen oft schon im AnamnesegesprÀch auf.
KernstĂŒck der Diagnostik sind bildgebende Verfahren, wobei die Kernspintomographie (MRT) der Computertomographie (CT) ĂŒberlegen ist.
Computertomographie
Die Computertomographie spielt als schnell durchfĂŒhrbares und breit verfĂŒgbares Verfahren vor allem eine Rolle in der Notfallmedizin. GröĂere Metastasen grenzen sich als hypodense oder selten (Malignes Melanom, Chorionkarzinom) hyperdense Struktur gegen das normale Hirnparenchym ab. Da Metastasen aber auch isodens sein können, ist womöglich nur die raumfordernde Wirkung als Massenverschiebung oder die hypodense Formation des Perifokalödems abgrenzbar. Zentrale Einblutungen, wie sie insbesondere bei Metastasen von malignen Melanomen oder Nierenzellkarzinomen vorkommen, sind in der CT gut nachweisbar. In AbhĂ€ngigkeit von der gewĂ€hlten Schichtdicke liegt die Nachweisgrenze bei etwa einem Zentimeter, so dass kleinere Metastasen der nativen Computertomographie entgehen können.
Da die Computertomographie einen relativ geringen Weichteilkontrast aufweist, ist die Gabe von Kontrastmittel entscheidend: aufgrund der Störung der Blut-Hirn-Schranke im Bereich der Metastase kommt es zur Anreicherung von Kontrastmittel (Enhancement), das bei Vorliegen einer zentralen Nekrose hÀufig ring- oder girlandenförmig erscheint.
Kernspintomographie
Die Kernspintomographie weist bei besserer Weichteildifferenzierung, insbesondere nach Gabe von Gadolinium als Kontrastmittel, eine deutlich höhere SensitivitĂ€t auf und ist somit geeigneter fĂŒr die Suche nach Hirnmetastasen. So ist im Vergleich zur CT-Untersuchung die Rate der Patienten mit im MRT nachgewiesenen Hirnmetastasen mehr als doppelt so hoch.[8] Das gilt besonders fĂŒr sehr kleine Befunde und Metastasen im Bereich der hinteren SchĂ€delgrube. Die Kernspintomographie kann zur Abgrenzung gegen Hirnabszesse oder andere möglicherweise Ă€hnlich imponierende LĂ€sionen um eine Kernspinresonanzspektroskopie ergĂ€nzt werden.[9]
Positronen-Emissions-Tomographie
Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) als funktionelles bildgebendes Verfahren (sie gibt, vereinfacht gesprochen, die StoffwechselaktivitÀt bildlich wieder) erlaubt die Beantwortung spezieller Fragen. Eine solche wÀre zum Beispiel die Unterscheidung eines lokalen Rezidivs von einer Strahlennekrose unter der Behandlung, wenn diese Differenzierung nicht aus der Kernspintomographie allein abgeleitet werden kann.[10]
Angiographie
Die Angiographie spielt heute bei der Metastasendiagnostik nur noch eine untergeordnete Rolle[11], kann aber im Einzelfall zur Operationsplanung sinnvoll sein.
Bei an der HirnoberflĂ€che gelegenen Metastasen kann es zu einer Aussaat von Tumorzellen in die FlĂŒssigkeitsrĂ€ume des zentralen Nervensystems kommen, was als Meningeosis neoplastica bezeichnet wird. Im durch Lumbalpunktion gewonnenen Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) können dann Tumorzellen nachgewiesen werden, deren Zytologie und immunhistochemisches Expressionsprofil hĂ€ufig RĂŒckschlĂŒsse auf den PrimĂ€rtumor zulassen.
Ist beim Nachweis von Hirnmetastasen kein zugrunde liegendes Krebsleiden bekannt, gilt es zunĂ€chst, den PrimĂ€rtumor aufzufinden. Zum Untersuchungsprogramm gehört die grĂŒndliche Untersuchung der Haut, eine Röntgenaufnahme des Thorax, Sonographie und/oder Computertomographie von Thorax, Abdomen und Becken, bei Frauen eine gynĂ€kologische Untersuchung und eine Mammographie sowie bei begrĂŒndetem Verdacht eine Bronchoskopie mit bronchoalveolĂ€rer Lavage, gegebenenfalls auch die Positronen-Emissions-Tomographie oder die Skelettszintigraphie. Laboruntersuchungen auf erhöhte Tumormarker sind eher unspezifisch und helfen meistens nicht weiter.
Wird kein PrimÀrtumor gefunden, kann zur Diagnosesicherung eine Gewebeprobe operativ entnommen werden, was meist durch eine stereotaktische Biopsie erfolgt. Bei einer MortalitÀt von unter 1 % kann so in bis zu 96 % der FÀlle eine histologische Diagnose gestellt werden.[12]
Differentialdiagnostisch zu bedenken sind neben bösartigen hirneigenen Tumoren und Lymphomen auch entzĂŒndliche Erkrankungen des Gehirns, deren Klinik und Bildgebung denen von Hirnmetastasen Ă€hneln kann.[13] So werden nicht selten EntzĂŒndungsherde bei der Toxoplasmose oder solitĂ€re entzĂŒndliche Entmarkungsherde[14] unter dem klinischen Verdacht einer Hirnmetastase operiert. Auch septisch-embolische Hirnabszesse, die bei einer hĂ€matogenen Streuung aus einem EntzĂŒndungsherd (zum Beispiel einer infizierten Herzklappe bei Endokarditis) auftreten können, sind manchmal schwer von Metastasen zu unterscheiden. Weiterhin abzugrenzen sind gutartige Hirntumoren wie zum Beispiel Meningeome, die im Verlauf eines Tumor-Stagings zufĂ€llig gefunden werden.
Wenn sich durch erweiterte Bildgebung (Kernspintomographie, Spektroskopie) und Zusatzuntersuchungen (Liquorentnahme) keine KlÀrung erreichen lÀsst, ist auch hier die Biopsie angezeigt.
Die neuropathologische Untersuchung des durch stereotaktische Biopsie oder Resektion gewonnenen Operationsmaterials dient der Sicherung der Diagnose und dem Ausschluss anderer Erkrankungen, deren klinisches und radiologisches Bild dem einer Hirnmetastase Àhnelt. Da Hirnmetastasen sich auch primÀr durch eine Hirnblutung bemerkbar machen können,[15] wird bei der neurochirurgischen AusrÀumung von Hirnblutungen gewonnenes Material immer auf das etwaige Vorliegen von Tumorbestandteilen untersucht.
Histologie
Die Histologie von Hirnmetastasen Ă€hnelt hĂ€ufig dem des PrimĂ€rtumors und kann so erste Hinweise auf deren Herkunft geben. Charakteristisch fĂŒr Hirnmetastasen ist die relativ deutliche Abgrenzung des Tumors gegenĂŒber dem umgebenden Hirngewebe, das von Tumor zapfenförmig infiltriert wird.
Immunhistochemie
Insbesondere wenn eine Hirnmetastase die bisher einzige erkennbare Manifestation eines Krebsleidens ist, können immunhistochemische Untersuchungen wertvolle Hinweise auf die Lokalisation des PrimĂ€rtumors geben. Hierbei werden Expressionsmuster von Proteinen, die relativ typisch fĂŒr die verschiedenen PrimĂ€rtumoren sind, untersucht.
So wird bei Hirnmetastasen von Adenokarzinomen eine Gruppe immunhistochemischer Marker eingesetzt, die unter anderem die Zytokeratinsubtypen CK7 und CK20, den thyroidalen Transkriptionsfaktor 1 (TTF1) und das Prolactin-induzierte Protein (PIP, GCDFP-15) umfasst.[16][17][18]
Bei Metastasen bösartiger Melanome, die kein Melaninpigment aufweisen, kann deren melanosomale Differenzierung durch eine FĂ€rbung fĂŒr melanosomale Antigene (melanA und HMB45) nachgewiesen werden.
| PrimÀrtumor | Expressionsprofil |
|---|---|
| Lungenkrebs | CK7+, CK20â, TTF1+, GCDFP15â, melanosomale Antigeneâ |
| Brustkrebs | CK7+, CK20â, TTF1â, GCDFP15+, melanosomale Antigeneâ |
| Darmkrebs | CK7â, CK20+, TTF1â, GCDFP15â, melanosomale Antigeneâ |
| Malignes Melanom | CK7â, CK20â, TTF1â, GCDFP15â, melanosomale Antigene+ |
Therapie und Prognose sind eng miteinander verknĂŒpft, da einerseits von den Prognosefaktoren abhĂ€ngig ist, welche Therapieoptionen infrage kommen, und andererseits die Auswahl des therapeutischen Verfahrens die Lebenserwartung wesentlich beeinflusst.
Es gibt verschiedene therapeutische Verfahren, die bei Hirnmetastasen zum Einsatz kommen. Welches Verfahren angewendet wird, ist unter anderem von der Anzahl, Lage und GröĂe der Hirnmetastasen sowie vom PrimĂ€rtumor abhĂ€ngig. Einen wichtigen Stellenwert hat darĂŒber hinaus der Allgemeinzustand des Patienten, der die Prognose und damit auch die Auswahl des Verfahrens maĂgeblich beeinflusst. Patienten in schlechtem Allgemeinzustand tolerieren invasive Verfahren wie eine operative Entfernung der Hirnmetastasen weniger gut als Patienten in gutem Allgemeinzustand. Mit Hilfe des Karnofsky-Indexes wird der Allgemeinzustand objektivier- und vergleichbar. Nach Möglichkeit werden operative, radio- und chemotherapeutische Verfahren kombiniert.
Glucocorticoide fĂŒhren ĂŒber eine RĂŒckbildung des Ădems zu einer Verminderung des Drucks auf das umgebende Hirngewebe (Masseneffekt) und damit zu einer Linderung der Beschwerden; die Lebenserwartung wird ohne weitere MaĂnahmen auf durchschnittlich ein bis zwei Monate erhöht.[19] Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Dexamethason, initial mit relativ hohen Dosen von bis zu 24 Milligramm pro Tag. Sie wird so bald wie möglich reduziert, da eine lĂ€ngerfristige Gabe von Glukokortikoiden zu einem Cushing-Syndrom fĂŒhren kann.[20][21] Bei der notfallmĂ€Ăigen Behandlung mit Glukokortikoiden wird dessen Diagnose erschwert, falls differentialdiagnostisch auch ein Lymphom in Frage kommt.
Epileptische AnfĂ€lle, die symptomatisch bei Hirnmetastasen auftreten, werden mit krampfhemmenden Medikamenten (Antikonvulsiva) behandelt. Im Gegensatz zu GelegenheitsanfĂ€llen wird eine Dauerbehandlung hier bereits nach dem erstmaligen Anfallsereignis begonnen, da ein hohes Wiederholungsrisiko besteht. Zur symptomatischen Behandlung gehört auch die Gabe von Analgetika bei Kopfschmerzen und Antiemetika, wenn Ăbelkeit und Erbrechen auftreten.
Bei ausreichend gutem Allgemeinzustand des Patienten werden solitĂ€re und singulĂ€re Hirnmetastasen nach Möglichkeit vollstĂ€ndig operativ reseziert. Wesentlich fĂŒr die Entscheidung zur Operation sind der Allgemeinzustand des Patienten, das Stadium der Tumorerkrankung und die operative ZugĂ€nglichkeit der Hirnmetastase. Wenn die genannten Bedingungen zutreffen, kann in EinzelfĂ€llen auch bei zwei oder drei gut erreichbaren Metastasen operiert werden. Hirnmetastasen kleinzelliger Bronchialkarzinome werden im Allgemeinen nicht operiert, da sie auf Strahlen- und Chemotherapie gut ansprechen.
Bei Verlegung der Liquorwege (Hydrocephalus) durch Massenverschiebung kann unter UmstĂ€nden die Ableitung des Liquors ĂŒber eine innere oder Ă€uĂere Drainage erwogen werden.[22]
Die Ganzhirnbestrahlung ist eine wichtige Therapieoption im Rahmen des Behandlungskonzepts von Hirnmetastasen.[23] Die Bestrahlung erfolgt in der Regel fraktioniert, das heiĂt in mehreren Einzeldosen bei einer Gesamtdosis von 30 bis 45 Gray, und umfasst das gesamte Gehirn einschlieĂlich der SchĂ€delbasis und der ersten beiden Halswirbel. In EinzelfĂ€llen konnte ein völliges Verschwinden der Hirnmetastasen erreicht werden.[24] Die Ganzhirnbestrahlung kann als adjuvante Therapie andere Therapieformen ergĂ€nzen, die alleinige Therapieform darstellen oder auch prophylaktisch eingesetzt werden.
Bei solitĂ€ren oder singulĂ€ren Hirnmetastasen kann die Ganzhirnbestrahlung adjuvant nach operativer Entfernung der Hirnmetastasen oder der stereotaktischen Radiochirurgie durchgefĂŒhrt werden. Ob eine zusĂ€tzliche Ganzhirnbestrahlung im Vergleich zur alleinigen Operation einen Ăberlebensvorteil bietet, wird derzeit im Rahmen randomisierter Studien untersucht.[25] Bei Vorliegen multipler Metastasen kann die Ganzhirnbestrahlung zusĂ€tzlich zur Operation oder auch als alleinige Therapieform eingesetzt werden. Eine prophylaktische Ganzhirnbestrahlung kann bei Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom das Auftreten symptomatisch werdender Hirnmetastasen verringern und die Ăberlebenszeit auch bei fortgeschrittener Erkrankung verlĂ€ngern.[26]
Nach einer Ganzhirnbestrahlung kann es zu verschiedenen Nebenwirkungen und Komplikationen wie einer Ădembildung kommen. Insbesondere bei gröĂeren Metastasen besteht aufgrund des Druckes der Ădeme auf benachbarte Strukturen die Gefahr von schwerwiegenden neurologischen Ausfallerscheinungen. Die Gabe von Glukokortikoiden kann das AusmaĂ der Ădeme und damit das der Nebenwirkungen reduzieren.
Die meisten in das Gehirn metastasierenden Tumoren sind wenig sensibel fĂŒr eine Chemotherapie, die daher nur eine geringe Rolle bei der Behandlung von Hirnmetastasen einnimmt. Wichtige Ausnahmen hiervon sind das kleinzellige Bronchialkarzinom, das Mammakarzinom, das Chorionkarzinom und Keimzelltumore. Es werden in der Regel dieselben Zytostatika verwendet, die bei Metastasen auĂerhalb des Gehirns Anwendung finden. Bei vielen Patienten fĂŒhrt die Chemotherapie zu einem vorĂŒbergehenden Ansprechen, die LebensverlĂ€ngerung ist aber insgesamt gering.
Eine pauschale Aussage zur Prognose bei Hirnmetastasen ist nicht möglich, da sie von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Zu den wichtigsten Prognosefaktoren gehören
Generell gelten metastasierte Krebsleiden als nicht endgĂŒltig heilbar, Ausnahmen hiervon sind einige Keimzelltumore. Die Gesamtprognose bei Metastasen im Gehirn ist schlecht. Unbehandelt liegen die Ăberlebenszeiten im Rahmen von wenigen Wochen bis einigen Monaten. Eine rapide Verschlechterung mit plötzlichem Versterben kann durch massive Einblutung in eine Metastase oder durch akuten Liquoraufstau entstehen. Metastasen der hinteren SchĂ€delgrube (Kleinhirn und Hirnstamm) fĂŒhren schon bei geringer GröĂenzunahme zur Einklemmung und damit zum Tod. Die optimale Therapie erlaubt im Fall des Ansprechens eine Besserung der LebensqualitĂ€t und eine VerlĂ€ngerung des Ăberlebens, im Einzelfall um mehrere Monate bis einige Jahre.
Hirnmetastasen kommen auch bei Tieren vor. Speziell bei kleinen Haus- und Heimtieren (Hunde und Katzen) wird seit Mitte der 1980er Jahre in der Tiermedizin eine Zunahme an Hirnmetastasen beobachtet, was vor allem auf verfeinerte Untersuchungsmethoden zurĂŒckgefĂŒhrt wird. Eine neuere Untersuchung gelangt zu dem Schluss, dass mehr als 60 % aller im Hirn festgestellter Tumoren metastatischen Ursprungs sind. Prozentual scheinen Hunde etwas öfter als Katzen betroffen zu sein. HĂ€ufigste PrimĂ€rtumoren sind Sarkome (Fibro-, Osteo-, Chondro- und HĂ€mangiosarkome). Weiterhin kommen Hirnmetastasen von Karzinomen der MilchdrĂŒse, der Lunge, der Nase und der Nieren sowie lymphatischer Tumoren vor.[27]
Die Möglichkeit der Bildung von Hirnmetastasen ist schon seit einigen Jahrhunderten bekannt. Die Bedeutung von Hirnmetastasen wurde vor allem hinsichtlich der HĂ€ufigkeit bis ins spĂ€te 19. Jahrhundert hinein deutlich unterschĂ€tzt. Ihr Auftreten wurde als selten und ungewöhnlich gewertet. Die ersten bedeutenden Veröffentlichungen gehen auf die britischen Ărzte William Richard Gowers und Byrom Bramwell im Jahre 1888 zurĂŒck. Gowers veröffentlichte eine Klassifikation, in der die Ursachen intrakraniellen Wachstums in sechs Kategorien eingeteilt und nach HĂ€ufigkeit geordnet waren. Hirnmetastasen waren als Untergruppe von Karzinomen an dritter Stelle vertreten. Bramwell erkannte, dass Hirnmetastasen prinzipiell von jedem bösartigen Tumor ausgehen können, eine Ansicht, die bis heute unumstritten ist. DarĂŒber hinaus unterstrich Bramwell die Bedeutung von Hirnmetastasen, indem er das mögliche Wachstum im Hirngewebe mit dem Wachstum von Mikroorganismen auf dem 1882 im Umfeld von Robert Koch aufgekommenen Agar-NĂ€hrboden verglich. Die erste klinisch-pathologische Studie geht auf Globus und Selinsky aus dem Jahre 1927 zurĂŒck. Sie beschrieben typische Symptome und pathologische VerĂ€nderungen, die bei Hirnmetastasen auftreten. Die Erkenntnisse ĂŒber die Eigenschaften von Hirnmetastasen basieren teilweise noch heute auf diesen frĂŒhen Veröffentlichungen und wurden durch zahlreiche Forschungsarbeiten stetig erweitert.[28]
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Dieser Artikel wurde am 26. April 2008 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |