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Histidin

Strukturformel
L-Histidin - L-Histidine.svg  D-Histidine.svg
L-Histidin (links) und D-Histidin (rechts)
Allgemeines
Name Histidin
Andere Namen
  • (2S)-(−)-Histidin
  • L-Histidin
  • (R)-(+)-Histidin
  • D-Histidin
  • (S)-2-Amino-3-(1H-imidazol-4-yl) propansĂ€ure
  • Imidazolalanin
  • AbkĂŒrzungen:
Summenformel C6H9N3O2
CAS-Nummer
  • 71-00-1 (L-Enantiomer)
  • 351-50-8 (D-Enantiomer)
PubChem 6274
ATC-Code

V06DE00

DrugBank DB00117
Kurzbeschreibung

farblose Kristalle[1]

Eigenschaften
Molare Masse 155,16 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

287 °C (Zersetzung>)[1]

pKs-Wert
  • pKCOOH: 1,82[2]
  • pKNH2: 9,17[2]
  • pKSeitenkette: 6,00[2]
Löslichkeit

schlecht in Wasser (38,2 g·l−1 bei 20 Â°C)[3]

Sicherheitshinweise
Bitte beachten Sie die eingeschrĂ€nkte GĂŒltigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
keine Gefahrensymbole
R- und S-SĂ€tze R: keine R-SĂ€tze
S: keine S-SĂ€tze
LD50

5110 mg·kg−1 (Ratte, oral)[3]

Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Histidin, abgekĂŒrzt His oder H, ist in seiner natĂŒrlichen L-Form eine semi-essentielle proteinogene α-AminosĂ€ure.

Gemeinsam mit Arginin und Lysin zÀhlt sie zu den basischen AminosÀuren oder Hexonbasen, zusammen mit Phenylalanin, Tyrosin und Tryptophan zu den aromatischen AminosÀuren. Basische AminosÀuren besitzen zusÀtzlich zur obligatorischen α-Aminogruppe eine weitere basische Gruppe. Im Histidin ist dies der Imidazolring, der gleichzeitig die AromatizitÀt des Histidins bedingt[4].

In diesem Artikel betreffen die Angaben zur Physiologie allein die L-Histidin [Synonym: (S)-Histidin]. Wenn in diesem Artikel und in der wissenschaftlichen Literatur ohne jeden Zusatz „Histidin“ erwĂ€hnt wird, ist stets L-Histidin gemeint. Racemisches DL-Histidin [Synonym: (RS)-Histidin] und enantiomerenreines D-Histidin [Synonym: (R)-Histidin] sind synthetisch zugĂ€nglich und besitzen nur geringe praktische Bedeutung. Die Racemisierung von L-AminosĂ€uren kann zur AminosĂ€uredatierung – einer Altersbestimmung fĂŒr fossiles Knochenmaterial – herangezogen werden.[5]

Inhaltsverzeichnis

Eigenschaften

Tautomere des Histidins.

Der Imidazolring unterliegt einer Tautomerie, genauer einer Imin-Enamin-Tautomerie. Das Wasserstoffatom, das an eins der Stickstoffatome des Rings gebunden ist, kann zum anderen Stickstoffatom wechseln. Gleichzeitig verschiebt sich die Doppelbindung zwischen beiden Stickstoffatomen im Ring. Diese Reaktion ist reversibel und beide Tautomere stehen im Gleichgewicht. In der Strukturformel rechts ist nur ein Tautomer dargestellt.

Vorkommen

L-Histidin kommt in jungem Pflanzengewebe (gr. ጱστός: Gewebe) vor, daher leitet sich auch der Name ab. L-Histidin erfĂŒllt eine wichtige Aufgabe als Blutpuffer im HĂ€moglobin (siehe auch Funktionen).

L-Histidin ist in proteinreichen Nahrungsmitteln enthalten. Die folgenden Beispiele geben einen Überblick ĂŒber Histidingehalte und beziehen sich jeweils auf 100 g des Lebensmittels, zusĂ€tzlich ist der prozentuale Anteil von Histidin am Gesamtprotein angegeben:[7]

Lebensmittel Gesamtprotein Histidin Anteil
Rindfleisch, roh 21,26 g 0 678 mg 3,2 %
HĂ€hnchenbrustfilet, roh 21,23 g 0 791 mg 3,7 %
Lachs, roh 20,42 g 0 549 mg 2,7 %
HĂŒhnerei 12,57 g 0 309 mg 2,4 %
Kuhmilch, 3,7 % Fett 0 3,28 g 0 0 89 mg 2,7 %
WalnĂŒsse 15,23 g 0 391 mg 2,6 %
Weizenkeime, getrocknet 23,15 g 0 643 mg 2,8 %
Weizen-Vollkornmehl 13,70 g 0 317 mg 2,3 %
Mais-Vollkornmehl 0 6,93 g 0 211 mg 3,0 %
Reis, ungeschĂ€lt 0 7,94 g 0 202 mg 2,5 %
Sojabohnen, getrocknet 36,49 g 1097 mg 3,0 %
Erbsen, getrocknet 24,55 g 0 597 mg 2,4 %

Es ist auch Bestandteil mancher Medikamente und VitaminprÀparate.

Synthese

Im Stoffwechsel wird L-Histidin aus Phosphoribosylpyrophosphat (PRPP) und ATP in einer Abfolge von elf Reaktionen, die von acht Enzymen katalysiert werden, ĂŒber mehrere Zwischenprodukte, u. a. Imidazolglycerinphosphat, synthetisiert.

L-Histidin ist ein VorlÀufer in der Biosynthese von Histamin und Carnosin.

Umwandlung von L-Histidin zu Histamin durch die Histidindecarboxylase

Abbau

FĂŒr den Abbau inklusive Strukturformeln siehe Abschnitt Weblinks

L-Histidin kann entweder zum biogenen Amin Histamin decarboxyliert oder vollstÀndig zu L-Glutamat abgebaut werden. Dabei ist das Enzym Urocanase beteiligt.

Funktionen

Der isoelektrische Punkt von Histidin befindet sich im Neutralbereich. Daher ist es die einzige proteinogene AminosĂ€ure, die unter physiologischen Bedingungen sowohl Protonendonator als auch Protonenakzeptor sein kann. Als Beispiel dafĂŒr findet sich seine Rolle in der „katalytischen Triade“ (Asp-His-Ser) von Serinproteasen. Von funktioneller Bedeutung sind auch das „distale“ und das „proximale“ Histidin (Teile des Eisen-Bindungsplatzes) im Blutfarbstoff HĂ€moglobin und dem Muskelfarbstoff Myoglobin. Ebenfalls wichtige Bedeutung hat es als Ligand von Metallionenkomplexen der Elektronentransportketten in den Mitochondrien (oxidative Phosphorylierung) und in den Chloroplasten (Photosynthese).

In wÀssriger Lösung protolysiert Histidin entsprechend dem pH-Wert sowie seiner pKs-Werte wie in der Abbildung gezeigt.

Protolysegleichgewichte von Histidin

Verwendung

Bestandteil von Infusionslösungen zur parenteralen ErnÀhrung, peroral bei Gelenkrheumatismus und gegen renale AnÀmie.[8]

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Hermann Römpp, JĂŒrgen Falbe und Manfred Regitz: Römpp Lexikon Chemie. 9. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1992.
  2. ↑ a b c F.A. Carey: Organic Chemistry, 5th edition, The McGraw Companies 2001, S. 1059, Link
  3. ↑ a b c Datenblatt Histidin bei Merck, abgerufen am 13. MĂ€rz 2010.
  4. ↑ Jan Koolman, Klaus-Heinrich Röhm: Taschenatlas der Biochemie. 3. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2003, ISBN 3-13-759403-0, S. 60.
  5. ↑ Hans-Dieter Jakubke, Hans Jeschkeit: AminosĂ€uren, Peptide, Proteine, Verlag Chemie, Weinheim, 62, 1982, ISBN 3-527-25892-2.
  6. ↑ P. M. Hardy: The Protein Amino Acids in G. C. Barrett (Herausgeber): Chemistry and Biochemistry of the Amino Acids, Chapman and Hall, 1985, ISBN 0-412-23410-6, S. 9.
  7. ↑ NĂ€hrstoffdatenbank des US-Landwirtschaftsministeriums, 22. Ausgabe
  8. ↑ S. Ebel und H. J. Roth (Herausgeber): Lexikon der Pharmazie, Georg Thieme Verlag, 1987, S. 66, ISBN 3-13-672201-9.

Weblinks

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