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Die Hmong-Mien- oder Miao-Yao-Sprachen bilden eine kleine Gruppe genetisch verwandter Sprachen, die vor allem in Südchina, aber auch in Nordvietnam, Laos und Thailand gesprochen werden. Dazu gehören etwa 20 Sprachen mit rund 6 Mio. Sprechern. Hmong (Miao) und Mien (Yao) bilden die beiden Hauptzweige dieser Sprachfamilie. Eine weitere Sprache - das She oder Ho Nte - könnte einen dritten Zweig darstellen.
Inhaltsverzeichnis |
Miao ist die offizielle chinesische Bezeichnung dieser ethnolinguistischen Minorität. Die Vietnamesen benutzen Meo oder Man Meo, ihre Selbstbezeichnung ist jedoch Hmong, das auch zunehmend in der Linguistik Verwendung findet. Analog sieht die Situation bei den Yao aus: Yao ist die offizielle chinesische Bezeichnung, Man die vietnamesische, Mien die Selbstbezeichnung.
Zu den ethnischen Gruppen siehe die Artikel Miao und Yao. Allerdings stimmen ethnische und linguistische Zuordnung nicht überein. So gibt es ethnische Yao, die Miao-Sprachen sprechen (z.B. Bunu und Baheng), oder ethnische Miao, die zu Tai-Kadai- oder chinesischen Sprachen übergegangen sind. In China zählt bei Zuordnungen zu bestimmten Minderheiten in der Regel das Ethnos, nicht die Sprache, so dass entsprechende Minoritätenzahlen selten Aufschluss über Sprecherzahlen geben.
Früher wurden die Hmong-Mien-Sprachen von manchen - vor allem chinesischen - Forschern wegen ihres Tonsprachencharakters und der großen Anzahl von chinesischen Lehnwörtern zu den sinotibetischen Sprachen gerechnet. Diese Meinung wird heute nicht mehr vertreten.
Dagegen werden die Hmong-Mien-Sprachen von einigen Forschern (z.B. Paul K. Benedict) mit den austroasiatischen, austronesischen und den Tai-Kadai-Sprachen zu einer Makrofamilie "Austrisch" zusammengefasst. Diese Hypothese findet allerdings zur Zeit keine starke Unterstützung.
Hmong-Mien-Sprachen (Miao-Yao) (21 Sprachen, 6,3 Mio Sprecher)
Die Sprachnamen in Klammern (...) sind alternative Namen. Die dialektale Gliederung der größeren Sprachen findet man mit dem angegebenen Link.
Eine etwas ausführlichere Klassifikation findet sich bei Lewis (2009)[1]: In runden Klammern ist die Anzahl der zugehörigen Sprachen, in eckigen der Sprachcode angegeben.
Hmong-Mien (38)
Die Hmong-Mien-Sprachen besitzen wie das Chinesische hauptsächlich monosyllabische Lexeme (einsilbige Wortstämme), daraus transparent gebildete Komposita (zusammengesetzte Wörter) und nur sehr wenige morphologische Affixe (Präfixe oder Suffixe zur Bildung nominaler und verbaler Formen). Grammatische Funktionen werden vor allem durch freie Partikeln ausgedrückt. Das große Phoneminventar besteht aus bis zu 50 Konsonanten (darunter Retroflexe und Uvulare, pränasalisierte, glottalisierte und aspirierte Verschlusslaute) sowie sechs Vokalen. Alle Hmong-Mien-Sprachen sind tonal, sie haben zwischen sieben und zwölf phonemisch relevante Töne. In großem Umfang wurden Wörter aus dem Chinesischen entlehnt.