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Der Hoden [ËhoËdnÌ©] oder (seltener) der/die Hode [ËhoËdÉ] (v. mittelhochdt.: hode, v. althochdt.: hodo, v. idg.: *skeu(t)- âbedecken, verhĂŒllenâ) oder der Testikel (v. lat.: testiculus, Vkl. von testis Zeuge [der VirilitĂ€t], Hode, Plural: testes) â (altgriech.: áœÏÏÎčÏ orchis) ist ein paarig angelegtes, inneres mĂ€nnliches Geschlechtsorgan vieler sich geschlechtlich fortpflanzender Gewebetiere. Er gehört, wie der Eierstock der weiblichen Individuen, zu den sogenannten KeimdrĂŒsen (Gonaden) und produziert die SamenfĂ€den (Spermien). Zudem werden im Hoden mĂ€nnliche Geschlechtshormone (Androgene), vor allem das Testosteron, gebildet. Die Hoden entstehen bei Wirbeltieren embryonal in der Bauchhöhle, wandern aber bei den meisten SĂ€ugetieren in den Hodensack.
Inhaltsverzeichnis |
Der menschliche Hoden ist etwa pflaumenförmig, wiegt etwa 20 Gramm und hat ein mittleres Volumen von 20â25 ml. Die mittlere LĂ€nge betrĂ€gt 5 cm, die Dicke etwa 3 cm.[1] Die Hoden entwickeln sich erst in der PubertĂ€t zu ihrer vollen GröĂe und erreichen im 4. Lebensjahrzehnt ihre MaximalgröĂe. Im Alter nimmt die HodengröĂe wieder ab.[2] Das Hodenvolumen gibt unter anderem Aufschluss ĂŒber den funktionellen Zustand des Hodens. Liegt das Hodenvolumen unterhalb von 8 ml, ist davon auszugehen, dass die Spermienproduktion nur eingeschrĂ€nkt oder gar nicht funktioniert. Testosteron wird dagegen teilweise noch bis zu einem Volumen von 1,5 ml produziert; darunter ist der Hoden in der Regel funktionslos.
Bei den SĂ€ugetieren variiert die Hodenform von rundlich bis eiförmig. In der GröĂe gibt es deutliche Unterschiede, eine enge Beziehung zum Körpergewicht besteht jedoch nicht. Die gröĂten Hoden in der Tierwelt besitzen SĂŒdkaper, sie machen mit je 500 kg 2 % des Körpergewichts aus.[3] Relativ groĂe Hoden haben Nagetiere, Schafe (bis zu je 300 g) und Hausschweine (bis zu je 750 g), relativ kleine dagegen die Raubtiere. Bei Tieren mit einer jahreszeitlichen Periodik in der Fortpflanzung unterliegt die HodengröĂe darĂŒber hinaus saisonalen Schwankungen, die Hoden sind in der Paarungszeit deutlich gröĂer als in der Paarungsruhe.
Bei den meisten SĂ€ugetieren liegen beide Hoden bei geschlechtsreifen Individuen im Hodensack (Scrotum) oder in hodensackĂ€hnlichen Hauttaschen. Die Hoden entstehen zwar in der Bauchhöhle, wandern aber etwa zum Geburtszeitpunkt, bei Nagetieren erst zur PubertĂ€t, durch den Leistenkanal in den Hodensack. Dieser Vorgang wird als Hodenabstieg (Descensus testis) bezeichnet. Bei einigen SĂ€ugetieren (beispielsweise Hamster, FledermĂ€use) findet ein saisonaler Hodenabstieg statt, und die Hoden liegen nur zur Paarungszeit auĂerhalb der Bauchhöhle. Innerhalb der SĂ€ugetiere gibt es allerdings einige Tiergruppen, bei denen die Hoden generell in der Bauchhöhle verbleiben, die so genannten Testiconda. Dabei können die Hoden am Ort der Anlage verbleiben (wie bei Elefanten) oder zwar absteigen, aber dennoch in der Bauchhöhle verweilen (beispielsweise bei Walen, s. a. Tabelle).
Testiconda
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kein Hodenabstieg
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unvollstÀndiger Hodenabstieg
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saisonaler Hodenabstieg
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| Kloakentiere, Goldmulle, RĂŒsselspringer, Igeltenreks, Schliefer, Elefanten, SeekĂŒhe, Dreifinger-Faultiere, AmeisenbĂ€ren | Wale, GĂŒrteltiere | MaulwĂŒrfe, SchlitzrĂŒssler, Erdferkel, SpitzmĂ€use, Fledertiere, einige Nagetiere |
Die Ă€uĂere anatomische Gliederung des Hodens erfolgt nach dem ihm anliegenden und mit ihm verwachsenen Nebenhoden. Der zum Nebenhodenkopf zeigende Hodenabschnitt wird als Kopfende (Extremitas capitata), der zum Nebenhodenschwanz zeigende als Schwanzende (Extremitas caudata) bezeichnet. Am Schwanzende befindet sich hĂ€ufig ein funktionsloses, warzenförmiges Rudiment des sogenannten MĂŒller-Ganges, das als Hodenanhang (Appendix testis, eine Morgagni-Hydatide) bezeichnet wird. Der zum Nebenhoden zeigende Rand ist der Nebenhodenrand (Margo epididymalis), ihm gegenĂŒber liegt der freie Rand (Margo liber). AuĂerdem lassen sich eine zur Mitte zeigende (Facies medialis) und eine nach auĂen zeigende FlĂ€che (Facies lateralis) unterscheiden.
Der Hodenabstieg erfolgt in eine Aussackung des Bauchfells und der inneren Rumpffaszie (hier als Fascia spermatica interna bezeichnet), den Scheidenhautfortsatz (Processus vaginalis). Der Scheidenhautfortsatz gehört zu den HodenhĂŒllen im Inneren des Hodensacks. Der Bauchfellanteil dieser AusstĂŒlpung wird als Scheidenhaut (Tunica vaginalis testis) bezeichnet. Sie kleidet dabei das Hodensackinnere aus (sogenanntes Wandblatt, Lamina parietalis oder Periorchium), stĂŒlpt sich dann als Doppellamelle ins Innere und ĂŒberzieht als Eingeweideblatt (Lamina visceralis oder Epiorchium) den Hoden. Zwischen den beiden BlĂ€ttern befindet sich ein sehr enger Spaltraum, das Cavum vaginale, das die Verschieblichkeit des Hodens im Hodensack sicherstellt. Die Verbindungsstelle zwischen den beiden BlĂ€ttern ist das Hodengekröse (Mesorchium), welches der Befestigung des Hodens im Hodensack dient. Der Hoden ist auĂerdem am Schwanzende mit einem kurzen Band mit dem Nebenhoden verbunden (Hodeneigenband, Ligamentum testis proprium). Dieses setzt sich vom Nebenhodenschwanz als Nebenhodenschwanzband (Ligamentum caudae epididydimis) fort und befestigt den Hoden zusĂ€tzlich indirekt am Boden des Hodensacks. Am Scheidenhautfortsatz setzt auch der Hodenhebermuskel (Musculus cremaster) an, der als Schutzvorrichtung den Hoden bei BerĂŒhrung oder KĂ€lte nĂ€her an die Bauchwand zieht. Bei Nagetieren und SĂ€ugetieren mit saisonalem Hodenabstieg, selten auch bei einzelnen Individuen anderer SĂ€ugetiere, kann der Muskel den Hoden gĂ€nzlich in die Bauchhöhle zurĂŒckziehen (âPendelhodenâ).
Direkt unter dem BauchfellĂŒberzug des Hodens liegt eine dicke weiĂliche Bindegewebskapsel, die Tunica albuginea. Sie sorgt fĂŒr die mechanische Festigkeit des Organs und hĂ€lt einen gewissen Innendruck aufrecht. Von dieser Kapsel ziehen Septen in das Innere und unterteilen den Hoden in HodenlĂ€ppchen (Lobuli testis). Der Hoden des Mannes besitzt etwa 350 HodenlĂ€ppchen. Die Septen bilden zudem einen Bindegewebskörper, das Mediastinum testis, das in der Humananatomie auch Corpus Highmori genannt wird.
Die Blutversorgung des Hodens erfolgt ĂŒber die Hodenarterie (Arteria testicularis). Sie entspringt, entsprechend dem Ort der embryonalen Anlage des Hodens (s. u.), unmittelbar hinter der Nierenarterie direkt aus der Bauchaorta im Lendenbereich. Bei den Tieren mit Hodenabstieg muss sich die Hodenarterie entsprechend verlĂ€ngern und verlĂ€uft an der rĂŒckenseitigen Bauchwand entlang, in einem kurzen Gekröse (Mesorchium proximale) zum Leistenkanal. AuĂerhalb der Bauchhöhle tritt sie in den Samenstrang. Hier legt sie sich in enge spiralige Windungen, das sogenannte Rankenkonvolut. Dabei ist beispielsweise beim Bullen ein zwei Meter langer Arterienabschnitt auf einer SamenstranglĂ€nge von 13 cm untergebracht. Das Rankenkonvolut ist vom Rankengeflecht (Plexus pampiniformis) der Hodenvene (Vena testicularis) umsponnen. Hierdurch entsteht eine groĂe KontaktflĂ€che zwischen zu- und abfĂŒhrendem Blut, die als WĂ€rmeĂŒbertrager fungiert. Im Hodensack liegt die Temperatur wenige Grad unter der Körperinnentemperatur, was fĂŒr die Bildung fruchtbarer Spermien bei SĂ€ugetieren mit Hodenabstieg unerlĂ€sslich ist. Das ankommende Blut in der Arterie wird durch diese Anordnung vom abflieĂenden Blut der Vene heruntergekĂŒhlt.
Die Hodenarterie verlĂ€uft am Nebenhodenrand zunĂ€chst zum Schwanzende des Hodens. Von dort zieht sie innerhalb der Hodenkapsel am freien Rand bei den meisten SĂ€ugetieren (eine Ausnahme machen beispielsweise WiederkĂ€uer) wieder zum Kopfende. Ihre Aufzweigungen verlaufen geschlĂ€ngelt in der Tunica albuginea ĂŒber die SeitenflĂ€chen und treten ĂŒber die Hodensepten ins Innere zum Mediastinum testis und von dort wieder zentrifugal zurĂŒck zu den SamenkanĂ€lchen, um die sie ein Kapillarnetz bilden.
Die Innervation des Hodens wird durch den Sympathikus, einen Teil des vegetativen Nervensystems, vermittelt. Die Nervenfasern kommen aus dem Grenzstrang des Lendenbereichs und ziehen, die Hodenarterie geflechtartig umspinnend (Plexus testicularis, Syn. Nervus spermaticus superior), zum Hoden. Eine zweite Gruppe von Nervenfasern verlĂ€uft von Kreuzganglien des Grenzstrangs mit dem Samenleiter (Ductus deferens) zum Hoden (Plexus deferentialis, Syn. Nervus spermaticus inferior). Die efferenten Nervenfasern treten vor allem an die BlutgefĂ€Ăe und regulieren damit die Durchblutung und die Temperatur des Hodens. Eine Beteiligung an der Feinsteuerung der Spermienbildung, dem Spermientransport und der Hormonproduktion im Hoden einiger SĂ€ugetiere wird derzeit diskutiert,[4] primĂ€r erfolgt diese Steuerung aber ĂŒber Hormone. Die Zellkörper jener Nervenfasern, die Informationen zum Zentralnervensystem leiten (Visceroafferenzen), liegen in den Spinalganglien des Lendenbereichs. Sie ĂŒbermitteln Schmerzempfindungen (Eingeweideschmerz), allerdings wird ein GroĂteil der hohen Schmerzempfindlichkeit des Hodens ĂŒber die sensiblen Nervenfasern der HodenhĂŒllen (Ăste des Nervus genitofemoralis) vermittelt. Die hohe SensitivitĂ€t gegenĂŒber BerĂŒhrungsreizen macht Hoden und Hodensack zu einer erogenen Zone. Andererseits wird die groĂe Schmerzempfindlichkeit auch bei BDSM (âcock and ball tortureâ) und Folterungen ausgenutzt; Hodenquetschungen können zu einem Schock fĂŒhren. Eine Neuralgie des Nervus genitofemoralis, die zum Beispiel nach chirurgischer Korrektur eines Leistenbruchs auftreten kann, Ă€uĂert sich in Hodenschmerzen.[5]
Die LymphgefĂ€Ăe des Hodens verlaufen zusammen mit den Hodenvenen zu den Lendenlymphknoten (Lymphonodi lumbales) rĂŒckenwĂ€rts der Aorta, bei HaussĂ€ugetieren auch zu den Darmbeinlymphknoten (Lymphonodi iliaci mediales) an der Aortenaufzweigung. In diesen, im RetroperitonĂ€um des Bauchs liegenden Lymphknoten können bei Hodenkrebs Metastasen auftreten.
Bei allen anderen Chordatieren liegen die Hoden in der Leibeshöhle und unterhalb der Nieren.
Bei den SchĂ€dellosen ist kein kompakter Hoden ausgebildet, die Gonaden sind noch segmental gegliedert, bei Asymmetron ist nur der rechte Hoden vorhanden. Bei Schleimaalen ist der langgestreckte Hoden ebenfalls nur einseitig in Form ein gelappten Bandes ausgebildet. Die RundmĂ€uler haben paarige Hoden, die ĂŒber die gesamte LĂ€nge der Leibeshöhle reichen.
Innerhalb der Knorpelfische entwickelt sich nur beim Kragenhai, dem anatomisch und morphologisch urtĂŒmlichsten Hai, die gesamte Hodenanlage zur langgestreckten KeimdrĂŒse, bei den ĂŒbrigen Vertretern, wie bei den anderen Wirbeltieren, nur deren Mittelabschnitt (s. u.). Bei den Echten Haien sind die Hoden ebenfalls lĂ€nglich, bei den Rochen kurz und platt. Bei Dornhaien und Zitterrochen liegen die Hoden weit vorn, nahe dem Herzbeutel, sonst im mittleren oder hinteren Rumpfabschnitt. Bei den meisten Knochenfischen sind die Hoden langgestreckt. Bei den Echten Knochenfischen liegen sie unterhalb der Nieren und der Schwimmblase und sind ĂŒber ein Mesorchium befestigt. Bei einigen Barschartigen sind beide Hoden am hinteren Ende miteinander verschmolzen. Die dĂŒnne Tunica albuginea ist bei Knochenfischen gelegentlich pigmentiert. In den Hoden von Fischen kann gleichzeitig Eierstockgewebe auftreten (Zwittergonade, Ovotestis). SĂ€gebarsche und Meerbrassen sind Hermaphroditen, besitzen also sowohl Hoden als auch Eierstöcke und können im Laufe ihres Lebens das Geschlecht wechseln.
Amphibien haben entweder lĂ€ngliche (Schwanzlurche, Schleichenlurche) oder rundliche (Froschlurche) Hoden. Sie sind ĂŒber ein Mesorchium an der Rumpfwand oder der Urniere befestigt. Medial (in Richtung Medianebene) des Hodens ist ein deutlicher Fettkörper ausgebildet. Bei Salamandern sind mehrere Hodenabteilungen zu einem Lappen verschmolzen, die Anzahl der Abteilungen nimmt im Alter zu. Bei Amphibien zeigt sich die beginnende Trennung von Harn- und Samenweg. Die NebenhodengĂ€nge (Ductuli epididymidis) mĂŒnden erst kurz vor der Kloake in den Wolff-Gang. MĂ€nnliche Kröten sind Hermaphroditen. Vor den Hoden liegt das sich aus der vorderen Gonadenanlage entwickelnde Bidder-Organ, ein primitiver Eierstock.[6][7]
Bei den Reptilien liegen die Hoden vor und unterhalb der Nieren in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Nebennieren. Die Hoden sind oval, bei Schildkröten eher rundlich, bei Schlangen langgestreckt. Die Nebenhoden liegen medial (zur Körpermitte hin) des jeweiligen Hodens. Das BindegewebsgerĂŒst des Hodens ist schwach entwickelt.
Auch bei den Vögeln liegen die Hoden vor den Nieren an den Nebennieren. Im Gegensatz zum Eierstock, der bei Vögeln nur einseitig ausgebildet wird, sind die Hoden stets paarig. Die HodengröĂe weist die stĂ€rksten jahreszeitlichen Schwankungen innerhalb der Wirbeltiere auf, sie nimmt beispielsweise bei Sperlingsvögeln in der Paarungszeit um bis das 800-fache zu und zur Paarungsruhe wieder ab. Bei einem Hauserpel sind die Hoden in der Paarungszeit etwa 8 cm lang und 4,5 cm breit. Das BindegewebsgerĂŒst des Hodens ist bei Vögeln nur gering entwickelt, die Tunica albuginea ist dĂŒnn, ein Mediastinum testis fehlt.[8] Die endoskopische Betrachtung des Hodens spielte frĂŒher eine groĂe Rolle zur Geschlechtsbestimmung bei Arten, die keinen Sexualdimorphismus zeigen, ist heute aber weitestgehend durch molekularbiologische Methoden ersetzt.
Innerhalb der Nesseltiere gibt es ungeschlechtliche und geschlechtliche Fortpflanzung. Bei geschlechtlicher Fortpflanzung werden die Keimzellen durch Platzen des Epithels in das umgebende Wasser oder den Gastralraum entlassen. Rippenquallen sind generell Zwitter und haben unter den kammartigen PlĂ€ttchen (âRippenâ) sitzende, in die Mesogloea eingelagerte Hoden und Eierstöcke.
Die meisten PlattwĂŒrmer (Plathelminthes) sind Zwitter. Sie besitzen keine Leibeshöhle (Coelom), die Hoden liegen den Eierstöcken benachbart in einem Bindegewebsraum (Interstitium) innerhalb des Tieres, bei BandwĂŒrmern innerhalb eines jedes Bandwurmgliedes (Proglottide). Einige PlattwĂŒrmer (Catenulida und Acoelomorpha) besitzen keine Gonaden. Auch BauchhĂ€rlinge (Gastrotricha) haben kein Coelom, die SĂŒĂwasserarten vermehren sich ungeschlechtlich ĂŒber Jungfernzeugung. Die Salzwasservertreter sind Zwitter, funktionell sind aber nur die Gonaden eines Geschlechts aktiv. Die Abgabe der Keimzellen erfolgt ĂŒber Spermienhaufen. RĂ€dertierchen (Rotatoria) haben ein Pseudocoelom mit einem paarigen oder unpaaren Hoden, bei einigen Arten kommen sogenannte ZwergmĂ€nnchen vor, bei anderen keine MĂ€nnchen, die Vermehrung erfolgt dann ĂŒber Jungfernzeugung. Cycliophora vermehren sich im sogenannten Fressstadium ungeschlechtlich. Bei der geschlechtlichen Vermehrung kommen ZwergmĂ€nnchen vor. Sie besitzen zwei externe âHodenâ und ein Kopulationsorgan neben der Haftscheibe. Bei KratzwĂŒrmern (Acanthocephala) zieht ein sogenanntes Genitalband durch den Körper, an dessen unterem Drittel die beiden Hoden sitzen. Von den Hoden zieht je ein Samenleiter zum Penis.
PriapswĂŒrmer (Priapulida) und Korsetttierchen (Loricifera) haben paarige Hoden, die mit den Protonephridien zu einem Harn- und Geschlechtsapparat vereinigt sind. Bei FadenwĂŒrmern (Nematoda) gibt es sowohl getrenntgeschlechtliche Arten als auch Zwitter. Der langgestreckte Hoden liegt unterhalb des Darms und mĂŒndet auch in diesen (s. Abb.). SaitenwĂŒrmer (Nematomorpha) haben paarige Hoden im Pseudocoelom. BĂ€rtierchen (Tardigrada) sind getrenntgeschlechtlich. WĂ€hrend die Leibeshöhle ein Pseudocoelom darstellt, gibt es um den unpaaren Hoden ein echtes Coelom. StummelfĂŒĂer (Onychophora) besitzen paarige Hoden, die ĂŒber AusfĂŒhrungsgĂ€nge in einen gemeinsamen Samenleiter mĂŒnden. Bei den GliederfĂŒĂern (Arthropoda: TausendfĂŒĂer, Insekten, Krebstiere und Cheliceraten) besitzen MĂ€nnchen paarige Hoden im blutgefĂŒllten Pseudocoel (Haemocoel) des Hinterleibs bzw. der hinteren Rumpfsegmente. Bei einigen GliederfĂŒĂern kommen auch Zwitter vor.
Die RingelwĂŒrmer haben paarige Hoden. GĂŒrtelwĂŒrmer sind zumeist Zwitter, befruchten sich aber gegenseitig. Die Hoden liegen im Coelom, bei RegenwĂŒrmern im 10. und 11. Körpersegment und der Samenleiter mĂŒndet im 15. Segment nach auĂen. Vielborster sind dagegen zumeist eingeschlechtlich und mĂ€nnliche Vertreter besitzen in jedem Körpersegment Hoden. Bei Weichtieren (Mollusca) kommen Zwitter, Zwittergonaden (Ovotestis) und getrenntgeschlechtliche Formen vor. Das Coelom ist auf zwei HohlrĂ€ume um die Gonaden (Gonadocoel) und um das dahinterliegende Herz (Perikard) reduziert. Bei ArmfĂŒĂern (Brachiopoda) liegen die Hoden im Coelom (genauer im Metacoel), die Gameten werden ĂŒber die Metanephridien abgeleitet.
Innerhalb der StachelhĂ€uter (Echinodermata) haben Seewalzen nur einen Hoden, bei Seeigeln und Seewalzen fĂŒllen die Hoden nahezu das gesamte Metacoel aus, bei den Seelilien (drei bis fĂŒnf Gonaden) und Seesternen (zwei pro Arm) liegen sie in den Armen und mĂŒnden zwischen diesen Armen mit jeweils einer Geschlechtsöffnung.
Die HodenlĂ€ppchen enthalten jeweils zwei bis vier gewundene SamenkanĂ€lchen (Tubuli seminiferi contorti s. convoluti), die das Hodenparenchym darstellen. Sie sind etwa 50 bis 80 cm lang und haben einen Durchmesser von 150 bis 300 ”m. Ihre Wand besteht aus einer BindegewebshĂŒlle mit kontraktionsfĂ€higen Myofibroblasten, einer Basalmembran und dem Keimepithel (Epithelium spermatogenicum).
Dieses Epithel besteht aus Samen- oder Keimzellen (Cellulae spermatogenicae) und Sertoli-Zellen. Aus den Keimzellen bilden sich die Spermien (Spermatogenese). Da die Spermatogenese die wichtigste Aufgabe des Hodens darstellt, sind die Keimzellen auch mengenmĂ€Ăig am hĂ€ufigsten im Hoden vorhanden. Bei der Spermienbildung werden die aufeinanderfolgenden Entwicklungsstadien der Keimzellen (Spermatogonien â Spermatozyten â Spermatiden â Spermien) allmĂ€hlich in Richtung Lumen transportiert. Die Spermienbildung dauert zwischen 35 (Maus, Schwein) und 64 Tagen (Mensch), anschlieĂend ist aber eine weitere Reifung in den Nebenhoden notwendig, damit die Spermien befruchtungsfĂ€hig werden. Diese dauert bei den meisten SĂ€ugetieren eine Woche, beim Mensch 8 bis 17 Tage. Pro Ejakulation werden beim Mann etwa 200 bis 300 Millionen Spermien aus dem Nebenhoden freigesetzt. Bei hĂ€ufigerer Ejakulation sinkt die Spermienmenge, da die tĂ€gliche SpermienbildungskapazitĂ€t begrenzt ist. Sie ist abhĂ€ngig von der Hodenmasse und der Zahl der Sertoli-Zellen und betrĂ€gt beim Mann zwischen 45 und 200 Millionen Spermien pro Tag.[9]
Die zweite wichtige Komponente der SamenkanĂ€lchen sind die Sertoli-Zellen (Epitheliocyti sustentantes). Sie sind etwa 70 bis 80 ”m lang und durchziehen radiĂ€r das gesamte Keimepithel bis zum Lumen. Die Sertoli-Zellen haben eine StĂŒtz- und Ammenfunktion fĂŒr die Samenzellen, sie ernĂ€hren die Samenzellen, sorgen fĂŒr ihre richtige hormonelle Umgebung und bewerkstelligen ĂŒber Plasmabewegungen deren Transport zum Lumen. Zudem phagozytieren die Sertolizellen degenerierte Samenzellen und Zellreste, die bei der Spermienentwicklung entstehen. Die Sertoli-Zellen werden durch das follikelstimulierende Hormon (FSH) der Hypophyse gesteuert, dessen AusschĂŒttung sie ĂŒber die Bildung des Hormons Inhibin B beeinflussen. Zudem sezernieren sie das Androgenbindungsprotein, das Anti-MĂŒller-Hormon und eine Kalium-reiche SeminalflĂŒssigkeit.
Die Sertoli-Zellen besitzen zahlreiche FortsĂ€tze, die die Keimzellen umgeben. Diese ZellfortsĂ€tze verbinden sich basal im SamenkanĂ€lchen ĂŒber Tight junctions mit denen benachbarter Sertoli-Zellen und bilden so die sogenannte Blut-Hoden-Schranke. Dieser Begriff ist eigentlich irrefĂŒhrend, denn diese Barriere liegt nicht zwischen Blut und Hodengewebe, sondern verlĂ€uft zwischen den Spermatogonien und Spermatozyten, teilt also zirkulĂ€r die HodenkanĂ€lchen in ein basales und ein zum Lumen gerichtetes (adluminales) Kompartiment. Die Blut-Hoden-Schranke ist fĂŒr die meisten EiweiĂe undurchlĂ€ssig und schĂŒtzt die Spermien vor Mutagenen und vor der körpereigenen Abwehr. Letzteres ist notwendig, weil die ersten Spermien erst nach Ende der PrĂ€gung der Lymphozyten entstehen (siehe Selbsttoleranz), das Immunsystem sie also fĂŒr körperfremde Zellen halten wĂŒrde.[10] Allerdings spielen auch entzĂŒndungshemmende Zytokine, deren AusschĂŒttung vermutlich Androgen-abhĂ€ngig ist, und die Zellen des Immunsystems im Hoden (dendritische Zellen, Makrophagen) eine Rolle beim Schutz vor Autoimmunreaktionen.[11]
Die gewundenen SamenkanĂ€lchen gehen bei vielen Wirbeltieren an beiden Enden in ein kurzes gerades SamenkanĂ€lchen (Tubulus seminiferus rectus) ĂŒber. Die geraden KanĂ€lchen sind von einem einschichtigen Epithel ausgekleidet und mĂŒnden in ein KanĂ€lchensystem im Mediastinum, das Hodennetz (Rete testis). Das KanĂ€lchensystem des Hodennetzes ist ebenfalls zumeist von einem einschichtigen Epithel ausgekleidet (bei Rindern zweischichtig). Beim Mann, Hengst und bei Nagetieren liegt das Hodennetz allerdings vorwiegend an der Hodenperipherie (âextratestikulĂ€res Reteâ). Vom Hodennetz ziehen mehrere geschlĂ€ngelt verlaufende Ductuli efferentes testis in den Nebenhodenkopf und vereinigen sich dort zum Nebenhodengang. Bei SĂ€ugetieren sind es etwa 15 Ductuli efferentes, die Zahl variiert innerhalb der Wirbeltiere zwischen einem (z. B. Rochen) und 32 (z. B. Axolotl).
Das Gewebe zwischen den gewundenen SamenkanĂ€lchen wird als Interstitium bezeichnet. Es macht bei den meisten Wirbeltieren etwa 10 bis 20 % des Hodengewebes aus, in ExtremfĂ€llen wie beim Waldmurmeltier fast 70 %. Im Interstitium finden sich neben Bindegewebe, BlutgefĂ€Ăen und Nervenfasern auch die Leydig-Zellen (Endocrinocyti interstitiales). Sie bilden ĂŒber spezielle Zellkontakte (Gap junctions) untereinander in Verbindung stehende ZellverbĂ€nde, sogenannte funktionelle Synzytien. Die Leydig-Zellen produzieren, in AbhĂ€ngigkeit vom luteinisierenden Hormon (LH), mĂ€nnliche Geschlechtshormone (Androgene wie Testosteron und Androstanolon) sowie Oxytozin, welches die MotilitĂ€t der SamenkanĂ€lchen fördert. Der Hoden ist damit auch ein endokrines Organ. Testosteron bewirkt in den SamenkanĂ€lchen die Reifung der Spermatiden. Um durch die Blut-Hoden-Schranke an seinen Wirkungsort zu gelangen, benötigt es das Androgenbindungsprotein der Sertoli-Zellen. Die Androgene haben darĂŒber hinaus vielfĂ€ltige Wirkungen im Körper, unter anderem fördern sie die Entwicklung der sekundĂ€ren Geschlechtsmerkmale, wirken anabol und steuern das Sexualverhalten. AuĂerdem bilden die Leydig-Zellen zahlreiche weitere hormonell wirksame Peptide, die auf Nachbarzellen (parakrin) oder auf die sie bildende Leydig-Zelle selbst (autokrin) wirken.
Die hormonelle Steuerung des Hodens erfolgt durch das stoĂweise, von Nervenzellen in der Eminentia mediana im Hypothalamus gebildete Gonadoliberin (GnRH). GnRH wirkt allerdings nicht direkt auf den Hoden, sondern regt die Bildung der Hormone LH und FSH im Hypophysenvorderlappen an. Die AusschĂŒttung dieser Hormone wird ĂŒber einen negativen RĂŒckkopplungsmechanismus auch vom Hoden selbst gesteuert: Die FSH-Sekretion wird durch das von den Sertoli-Zellen produzierte Inhibin B, die GnRH-Sekretion durch das von den Leydig-Zellen produzierte Testosteron gehemmt. Die saisonalen Schwankungen der GröĂe und AktivitĂ€t der Hoden bei vielen Tieren werden durch UnterdrĂŒckung der GnRH-Sekretion wĂ€hrend der Fortpflanzungsruhe unter dem Einfluss der TageslichtlĂ€nge vermittelt. Der genaue Mechanismus ist noch nicht im Detail bekannt: Bei SĂ€ugetieren sind vermutlich Opioide, dopaminerge Neurone und Melatonin in diesen Regelkreis involviert, bei Vögeln auch die Hormone der SchilddrĂŒse.
LH bindet an einen Membranrezeptor der Leydig-Zellen und induziert damit die Synthese von Androgenen. Dabei wird Cholesterin schrittweise, unter anderem ĂŒber Pregnenolon und Progesteron, zu Testosteron umgesetzt, wobei zwei verschiedene Synthesewege (Î4 und Î5) möglich sind. Die LH-Wirkung auf die Leydig-Zellen wird durch Prolactin potenziert, bei einer Ăberproduktion von Prolaktin kommt es jedoch durch Herabregulation der LH-Rezeptoren zu einer Hemmung der Testosteronsynthese. Auch in der Nebennierenrinde kann LH die Bildung von Androgenen induzieren, das dort gebildete Dehydroepiandrosteron gelangt ĂŒber das Blut in den Hoden und kann dort als Testosteron-VorlĂ€ufer genutzt werden. Etwa 97 % der Androgene werden im Hoden gebildet (beim Mann etwa 7 mg/Tag), der verbleibende Teil in den Nebennieren. Androgene wirken auf das Keimepithel und werden, an ein Protein gebunden, ĂŒber das Blut auch zu ihren anderen Zielorganen transportiert.
FSH bindet an entsprechende Rezeptoren der Sertoli-Zellen. Sowohl FSH als auch das Testosteron steuern die Spermiogenese. FSH leitet die Spermiogenese ein, Testosteron fördert die mitotischen und meiotischen Zellteilungen und damit die Bildung von Spermatozyten aus den Spermatogonien, wĂ€hrend FSH wiederum die endgĂŒltige Reifung der Spermatiden zu Spermien bewirkt.
Die UnterdrĂŒckung der hormonellen Anregung der Hodenfunktion wird auch bei der Entwicklung von VerhĂŒtungsmitteln fĂŒr den Mann gegenwĂ€rtig intensiv beforscht. Dabei werden Testosteron oder dessen Kombination mit GnRH-Antagonisten oder Gestagenen wie Progestin gegenwĂ€rtig als aussichtsreichste Kandidaten angesehen. Sie fĂŒhren zu stark erniedrigten Testosteron-Konzentrationen innerhalb des Hodens und damit zu einer starken oder vollstĂ€ndigen Reduzierung der Spermienbildung.[12][13][14] In der Tiermedizin ist seit 2008 ein PrĂ€parat auf der Basis des GnRH-Analogons Deslorelin (SuprelorinÂź) zugelassen, das bei RĂŒden eine sechsmonatige UnterdrĂŒckung der Fruchtbarkeit bewirkt. DarĂŒber hinaus ist ein Impfstoff fĂŒr Schweine (ImprovacÂź) zugelassen, der zu einer Antikörperbildung gegen GnRH fĂŒhrt und damit die Hodenfunktion unterdrĂŒckt.[15]
Voraussetzung der geschlechtlichen Fortpflanzung ist die Trennung der zur Fortpflanzung spezialisierten Zellen (Keimzellen) von den gewöhnlichen Körperzellen (somatische Zellen). Diese Trennung ist bereits bei Wimpertierchen in Form eines Mikronucleus, deutlicher dann bei Kugelalgen vollzogen, wo dem Hauptzellverband der Körperzellen eine kleine Gruppe Keimzellen (Gonidien) gegenĂŒbersteht, die allerdings noch nicht in Form eines abgegrenzten Organs ausgebildet ist. Das Vorhandensein von Hoden (oder prinzipiell von Gonaden) ist kein Grundmerkmal der Vielzeller.
Bei den Bilateria treten erstmals ein drittes Keimblatt, das Mesoderm, und damit komplexe Organe auf. Allerdings ist die geschlechtliche Fortpflanzung bei vielen Wirbellosen noch mit der Möglichkeit der ungeschlechtlichen Fortpflanzung kombiniert. Hierbei findet sich hÀufig ein Generationswechsel, also der sexuelle folgt auf einen asexuellen Fortpflanzungszyklus.
Die Differenzierung der Gonaden in Hoden und Eierstöcke ist Kennzeichen getrenntgeschlechtlicher Arten. Bislang ist nicht geklĂ€rt, ob Zwittrigkeit oder Getrenntgeschlechtlichkeit das plesiomorphe Merkmal der Bilateria ist. Beide KeimdrĂŒsen gehen in der Embryonalentwicklung aus derselben Anlage hervor. In vielen Tiergruppen ist trotz dieser vollzogenen Geschlechtertrennung auch Fortpflanzung ohne Befruchtung (Parthenogenese) möglich, die als reduzierte Form der sexuellen Fortpflanzung angesehen werden kann. Hier treten mĂ€nnliche Tiere nur ausnahmsweise auf. Parthenogenese findet man in zahlreichen Taxa, von den RĂ€dertierchen bis hin zu einigen Eidechsen. Bis zu den Amphibien sind auch Zwitterformen oder eine VerĂ€nderung des Geschlechts (Dichogamie) wĂ€hrend der Ontogenese anzutreffen. Dabei ist sowohl eine Umwandlung der Eierstöcke in Hoden (Proterandrie) als auch der Hoden in Eierstöcke (Proterogynie) möglich.
Ob aus der zunĂ€chst geschlechtsindifferenten Anlage der Gonaden ein Hoden oder ein Eierstock entsteht, ist bei den meisten Tieren genetisch determiniert. Bei WĂŒrmern und Fliegen ist das Geschlecht durch das VerhĂ€ltnis von X-Chromosomen und Autosomen festgelegt. Bei staatenbildenden Insekten entstehen Hoden bei Nachwuchs aus unbefruchteten Eiern, Eierstöcke bei Tieren mit diploiden Chromosomensatz, also aus befruchteten Eiern. Bei SĂ€ugetieren wird das Geschlecht durch das Y-Chromosom bestimmt. Auf diesem Geschlechtschromosom (Gonosom) ist ein Gen (Sex determining region of Y, Sry) lokalisiert, das mit Genen anderer Chromosomen interagiert und (beim Menschen ab der 7. Woche nach der Befruchtung) zur Bildung des Hoden-determinierenden Faktors fĂŒhrt. Dieser leitet die Entwicklung zum Hoden und damit zum mĂ€nnlichen Geschlecht generell ein. Es kodiert eine Reihe von Transkriptionsfaktoren, die sogenannten HMG-Proteine (high mobility group proteins). Diese Proteine haben zahlreiche weitere Funktionen in anderen Geweben, die genauen Mechanismen bei der Hodenentstehung werden gegenwĂ€rtig intensiv erforscht.[16] Mit der Expression von Sry differenzieren sich die Sertoli-Zellen, welche unter anderem das Anti-MĂŒller-Hormon bilden und damit die RĂŒckbildung der MĂŒller-GĂ€nge bewirken. Die weitere Entwicklung des Hodens und die der ĂŒbrigen Merkmale des mĂ€nnlichen Geschlechts wird durch Androgene gesteuert. Bei einigen Tiergruppen wird das Geschlecht dagegen durch Umweltfaktoren bestimmt. So ist bei einigen Amphibien und vielen Reptilien (Schildkröten, Alligatoren) das Geschlecht von der BebrĂŒtungstemperatur abhĂ€ngig.[17] (Siehe auch TemperaturabhĂ€ngige Geschlechtsbestimmung)
Bei vielen Tieren entstehen die Gonaden in enger Beziehung zum Exkretionssystem (Urniere, Nephridien), insbesondere die harnableitenden Wege werden als samenableitendes System mitgenutzt, weshalb man bei Wirbeltieren beide Organsysteme als Harn- und Geschlechtsapparat zusammenfasst. Bei den Wirbellosen sind Entstehungsort, Lage und AusfĂŒhrungsgĂ€nge allerdings sehr verschieden ausgebildet, so dass man davon ausgeht, dass die geschlechtliche Fortpflanzung mehrfach und unabhĂ€ngig voneinander in der Evolution entstanden ist. Die KomplexitĂ€t des Geschlechtsorgane ist dabei nicht von der Evolutionsstufe abhĂ€ngig, sie ist beispielsweise bei den PlattwĂŒrmern sehr hoch.
Hoden und Eierstock entstehen beim Embryo aus derselben Anlage, der sogenannten Genitalleiste. Sie bildet sich im Bereich der Urniere und reicht zunĂ€chst vom Thorax bis zur Lende. Bei den meisten Wirbeltieren wird nur der mittlere Teil dieser langgestreckten Anlage zur eigentlichen KeimdrĂŒse, die ĂŒbrigen Abschnitte entwickeln sich zu den KeimdrĂŒsenbĂ€ndern. In die Gonadenanlage wandern (beim Menschen in der 6. Embryonalwoche) unter dem Einfluss von Sry die Urkeimzellen aus dem Dottersack ein und das Epithel der primitiven Leibeshöhle (Coelom) wĂ€chst fingerartig als sogenannte primĂ€re KeimstrĂ€nge in die Anlage ein.
Die Keim- oder HodenstrĂ€nge dringen in die Gonadenanlage vor und umwachsen die Urkeimzellen. Dabei tritt vorĂŒbergehend eine Gliederung der KeimdrĂŒsenanlage in Rinde und Mark auf, wobei sich bei mĂ€nnlichen Embryonen jedoch nur das Mark zum Hoden entwickelt, die Rinde dagegen wieder zurĂŒckgebildet wird. Bei genetisch weiblichen Individuen finden Ă€hnliche VorgĂ€nge statt, allerdings spĂ€ter und der Eierstock bildet sich aus der Rinde, wĂ€hrend das Mark degeneriert. Die Verbindung der HodenstrĂ€nge zur OberflĂ€che geht schlieĂlich verloren. Aus den HodenstrĂ€ngen entwickeln sich ĂŒber die Sry-exprimierenden PrĂ€-Sertoli-Zellen die Sertoli-Zellen, die als Organisatoren der weiteren Hodenentwicklung angesehen werden [16] und dabei mit den myoiden Zellen interagieren. Aus den Urgeschlechtszellen entstehen die Spermatogonien.
Im Inneren bilden die HodenstrĂ€nge ein Netz aus untereinander in Verbindung stehenden StrĂ€ngen, das spĂ€tere Hodennetz (Rete testis). Das Hodennetz nimmt Verbindung zu einigen UrnierenkanĂ€lchen auf, die damit zu den Ductuli efferentes des Nebenhodenkopfes werden. Der UrnierenausfĂŒhrungsgang (Wolff-Gang) wird als Nebenhodenkanal und Samenleiter ebenfalls zum samenableitenden Weg umfunktioniert. Das Lumen der SamenkanĂ€lchen entsteht jedoch erst zur PubertĂ€t, bei Amphibien nach der Metamorphose, bis dahin sind die HodenstrĂ€nge solide.
Aus dem mesodermalen Anteil der Hodenanlage entstehen die Tunica albuginea, das BindegewebsgerĂŒst des Hodens und die Leydig-Zellen. Die Leydig-Zellen sind ebenfalls bereits in der frĂŒhen Hodenentwicklung anzutreffen, sie exprimieren den Steroidogenic factor 1 (Sf1), und ihre Testosteronproduktion bestimmt maĂgeblich die Entwicklung der mĂ€nnlichen Geschlechtsorgane.[16]
Beim Mann findet â im Gegensatz zur Frau (siehe Menopause) â kein plötzliches Aussetzen der Funktion der KeimdrĂŒsen in einem definierten Lebensalter statt. Sowohl die Hormonproduktion als auch die Reifung der Keimzellen sind potentiell bis ins hohe Alter erhalten.[18] TatsĂ€chlich sind bis in die zehnte Lebensdekade Vaterschaften belegt. In der RealitĂ€t bestehen jedoch ausgeprĂ€gte individuelle Unterschiede und viele MĂ€nner werden frĂŒher oder spĂ€ter infertil, was nicht mit Impotenz verwechselt werden darf. Die genauen Ursachen fĂŒr diese Unterschiede sind im Einzelnen unbekannt, vermutet werden unter anderem vaskulĂ€re Faktoren. Statistisch betrachtet kommt es etwa ab der vierten Lebensdekade zur sehr langsam voranschreitenden Involution des Hodens mit Abnahme von Gewicht, GröĂe und Spermienproduktion. FĂŒr den Einzelnen sind jedoch kaum Vorhersagen zu treffen.
Auch die strukturellen VerĂ€nderungen unterliegen demzufolge einer groĂen Bandbreite, als typisch kann jedoch ein Mischbild von normalen und deutlich atrophischen HodenkanĂ€lchen angesehen werden.[19] Ein bei manchen MĂ€nnern zu beobachtender deutlicher Abfall der Testosteronproduktion kann zu einem Climacterium virile mit Hitzewallungen, Kopfschmerz und weiteren Symptomen fĂŒhren.
Der Hoden galt in Antike und Mittelalter nur als Durchgangsstation fĂŒr den Samen. Alkmaion von Kroton (frĂŒhes 5. Jahrhundert v. Chr.) vermutete das Gehirn als Ursprung des Samens, der ĂŒber BlutgefĂ€Ăe zu den Hoden gelange. Die Atomisten (Anaxagoras, Demokrit) und Aristoteles bezogen das RĂŒckenmark in diesen Weg ein, Galenus (125â199) vermutete den Ursprung der Samenzellen in den BlutgefĂ€Ăen, ĂŒber welche sie in den Hoden gelangen. Diese Vorstellungen blieben bis ins Mittelalter erhalten. Die anatomischen Zeichnungen Leonardo da Vincis zeigen Verbindungen des Hodens zu Lunge und zum Gehirn, da Vinci vermutete die Herkunft der âgeistigen Kraftâ des Samens im Gehirn, wĂ€hrend die Hoden nur die stoffliche Grundlage fĂŒr die âniederen Regungenâ beitragen.
Erst mit Beginn der AufklĂ€rung im 17. Jahrhundert wurden die Vorstellungen vom mĂ€nnlichen Samen entmystifiziert und der direkte Zusammenhang zwischen Hoden und Fortpflanzung erkannt. Die erste moderne Beschreibung des Aufbaus des Hodens stammt von Reinier De Graaf (1641â1673). Nathaniel Highmore beschrieb 1651 den Bindegewebskörper des Hodens (Corpus Highmori), der 1830 von Astley Paston Cooper Mediastinum testis genannt wurde. Der Erfinder des Mikroskops, Antoni van Leeuwenhoek, entdeckte 1677 damit auch die Spermien, die er fĂŒr miniaturisierte vorgebildete Lebewesen (âSamentiereâ) hielt.
Mit der Entwicklung histologischer Techniken konnte auch der Feinbau des Hodens aufgeklĂ€rt werden. 1841 erkannte der Schweizer Anatom Albert von Kölliker erstmals den direkten Zusammenhang zwischen HodenkanĂ€lchen und Spermien und deckte auf, dass die Spermien in diesen KanĂ€lchen als Produkte einer zellulĂ€ren Differenzierung entstehen.[20] 1850 beschrieb Köllikers SchĂŒler Franz von Leydig erstmals die Zwischenzellen (Leydig-Zellen).
1865 entdeckte Enrico Sertoli die StĂŒtzzellen (Sertoli-Zellen). 1871 gelang es Victor Ebner, die Sertoli-Zellen von den Spermatogonien abzugrenzen und fĂŒnf Jahre spĂ€ter prĂ€gte La Valette St. George[21] den Begriff âSpermatogonieâ und die noch heute ĂŒbliche Einteilung der einzelnen Entwicklungsstadien der Samenzellen. Die Sertoli-Zellen wurden sehr lange als Synzitien betrachtet, erst 1956 konnten Don Wayne Fawcett und Mario H. Burgos nachweisen, dass jede Sertoli-Zelle eigene Zellgrenzen hat.
Bereits 1904 erkannte Hugo Ribbert, dass in das Blut verabreichtes Karmin nicht in das Lumen der SamenkanÀlchen und das Hodennetz gelangt. Dieser Entdeckung wurde lange Zeit keine Bedeutung zugemessen, obwohl sie der erste Nachweis der Blut-Hoden-Schranke war. Erst in den spÀten 1950er Jahren wurde diese Erkenntnis wieder aufgegriffen und 1963 gelang J. Brökelmann [22] der Nachweis der Tight junctions der Sertoli-Zellen als der morphologischen Grundlage der Blut-Hoden-Schranke. Paul J. Gardner und Edward A. Holyoke[23] konnten ein Jahr spÀter die Feinstruktur der Blut-Hoden-Schranke aufklÀren.
Obwohl die Auswirkungen von Kastrationen seit Jahrtausenden bekannt waren, gelang erst 1849 Arnold Adolph Berthold[24] mittels Hodentransplantationen bei HĂ€hnen der experimentelle Nachweis der Hormonbildung im Hoden. In hohem Alter unternahm Charles-Ădouard Brown-SĂ©quard Ende des 19. Jahrhunderts Selbstversuche mit FlĂŒssigkeit aus Hoden von Hunden und Meerschweinchen, denen er eine verjĂŒngende und stĂ€rkende Kraft zuschrieb, allerdings waren es eher homöopathische Hormonmengen, die er auf diese Weise gewann. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt die Transplantation von Tierhoden unter die Bauchdecke als VerjĂŒngungsmittel, insbesondere die Wiener Robert Lichtenstern und Eugen Steinach waren Protagonisten dieser Methode. Steinach wollte diesen VerjĂŒngungsprozess auch durch Unterbindung der Samenleiter erreichen (sein berĂŒhmtester Patient war Sigmund Freud) und beschrieb die Hodentransplantation als âTherapieâ bei HomosexualitĂ€t. Nach 1945 kamen diese umstrittenen Xenotransplantationen aus der Mode.[25]
1903 publizierten Pol Bouin und Paul Ancel erstmals die Erkenntnis, dass die Leydig-Zellen der Bildungsort der mĂ€nnlichen Geschlechtshormone sind.[26] 1931 isolierten Adolf Butenandt und Kurt Tscherning Androsteron (ein Metabolit des Testosterons) aus Urin von MĂ€nnern, 1935 konnte Ernst Laqueur das Testosteron selbst aus Stierhoden isolieren und prĂ€gte auch den Namen dieses Hormons (von testis âHodenâ und âSteroidâ).[27]
Die Existenz nichtsteroidaler Hormone im Hoden wurde bereits in den 1920er Jahren postuliert, aber erst 1932 von D. Roy McCullagh an kastrierten Ratten funktionell nachgewiesen und Inhibin genannt. Obwohl in den 1960er Jahren Bioassays fĂŒr dieses Hormon entwickelt wurden, war dessen Existenz ĂŒber einige Jahrzehnte umstritten und wurde erst 1979 allgemein akzeptiert. 1984/85 wurden die Struktur und die Untertypen des Hormons aufgedeckt. Mit der AufklĂ€rung der das Hormon codierenden DNA-Sequenz wurde 1985 auch die Zugehörigkeit des Inhibins zur Gruppe der ÎČ-transforming-growth-factors erkannt.
WÀhrend die Beziehungen zwischen LH und Testosteron bereits in den 1960er Jahren bekannt waren, wurde die FSH-AbhÀngigkeit der Sertoli-Zellen erst 1984 durch Joanne M. Orth bewiesen.
Die chromosomale Basis der Geschlechtsdifferenzierung wurde bereits zwischen 1910 und 1916, vor allem durch die Arbeiten von Thomas Hunt Morgan an Taufliegen aufgeklĂ€rt, wofĂŒr er 1933 den Nobelpreis fĂŒr Physiologie oder Medizin bekam. Alfred Jost erkannte 1947, dass die KeimdrĂŒsenanlage primĂ€r auf das weibliche Geschlecht determiniert ist und die AusprĂ€gung des mĂ€nnlichen Geschlechts abhĂ€ngig von Testosteron ist. Dennoch dauerte es bis in die frĂŒhen 1960er Jahre, bis das Y-Chromosom als maĂgeblicher Faktor bei SĂ€ugetieren identifiziert wurde. Die genaue Lokalisation des Gens fĂŒr den Hoden-determinierenden Faktor wurde erst 1990 ermittelt, seine vielfĂ€ltigen Funktionen sind noch nicht im Detail bekannt und Gegenstand aktueller Forschung [16].
Verletzungen des Hodens kommen beim Menschen als stumpfe Traumen vor allem bei Kampfsportarten und SchlĂ€gereien vor. Hier besteht die Gefahr der Einblutung unter die Hodenkapsel (HĂ€matocele), die in der Regel einer chirurgischen Versorgung bedarf. Verletzungen mit Eröffnung des Hodensacks (Stich- und PfĂ€hlungswunden, bei Tieren auch Bisse, Stacheldraht u. s. w.) können HodenentzĂŒndungen (s. u.) oder gar Abszesse verursachen, infolge der offenen Verbindung des Scheidenhautfortsatzes zur Bauchhöhle auch eine BauchfellentzĂŒndung.
Als Anorchie bezeichnet man das Fehlen eines oder beider Hoden. Etwa 5 % der wegen eines ausbleibenden Hodenabstiegs operierten mĂ€nnlichen Kinder haben nur einen oder keinen Hoden. Bei ihnen findet man hĂ€ufig kleine bindegewebige Knoten mit eingestreuten Leydig-Zellen. Da ein funktionell intakter Hoden fĂŒr die mĂ€nnliche GeschlechtsausprĂ€gung zwingend erforderlich ist, muss in der Embryonalphase mindestens ein intakter Hoden vorgelegen haben, der sich dann spĂ€ter zurĂŒckentwickelt haben kann.
In seltenen FĂ€llen können infolge von Entwicklungsstörungen auch beim Menschen und bei anderen SĂ€ugetieren neben Hoden gleichzeitig Eierstöcke auftreten (Hermaphroditismus verus â âechteâ Zwitter; siehe auch IntersexualitĂ€t). Bei bestimmten KeimdrĂŒsenfehlentwicklungen (Gonadendysgenesien) werden die Hoden nicht angelegt, bleiben unterentwickelt oder enthalten Eierstockgewebe (Ovotestis).
Bei Störungen der Wanderung des Hodens (Maldescensus testis) können verschiedene Lageanomalien auftreten. Dabei kann der Hoden in der Bauchhöhle verbleiben (Kryptorchismus, âBauchhodenâ), im Leistenkanal stecken bleiben (âLeistenhodenâ, âGleithodenâ) oder eine falsche Route nehmen und beispielsweise unter der Haut der Leistengegend oder der Oberschenkelinnenseite zu liegen kommen (Hodenektopie). Der Maldescensus testis ist eine der hĂ€ufigsten Fehlbildungen beim Menschen und tritt bei 3 bis 5 % der Neugeborenen und 33 % der FrĂŒhgeborenen auf,[28] auch bei Haustieren treten Kryptorchiden in Ă€hnlicher HĂ€ufigkeit auf und fĂŒhren zum Ausschluss von der Zucht. Bei falscher Position des Hodens können sich aufgrund der Temperaturempfindlichkeit des Keimepithels keine fruchtbaren Spermien bilden, die Androgenproduktion bleibt jedoch erhalten. Ein lĂ€nger als zwei Jahre ausbleibender Hodenabstieg fĂŒhrt zum Verlust der Spermatogonien und damit zu unumkehrbaren VerĂ€nderungen des Hodens.
Erblich bedingter Kleinwuchs der Hoden (Hypoplasie) ist bei Haustieren relativ hÀufig. Hodenhypoplasien können auch durch Chromosomenstörungen (Klinefelter-Syndrom), Infektionen oder hormonelle Störungen verursacht werden.
Eine HodenentzĂŒndung (Orchitis) kann bei Verletzungen des Hodensacks mit Eindringen von Bakterien oder bei einigen Infektionskrankheiten auftreten. Eine Orchitis ist beim Menschen eine mögliche Komplikation bei Mumps, Coxsackie-Virus-Infektionen und Windpocken. Auch Brucellose und Tuberkulose können sich am Hoden manifestieren. Bei Tieren können ebenfalls Tuberkulose und Brucellose sowie die Pseudotuberkulose (Schafe), die Ansteckende Blutarmut der Einhufer und die Feline Infektiöse AnĂ€mie (Katzen) mit einer Orchitis einhergehen. HodenentzĂŒndungen können zu einer Schrumpfung des Hodens (Hodenatrophie) und zu Unfruchtbarkeit fĂŒhren, weil gar keine (Aspermie) oder keine funktionstĂŒchtigen Spermien mehr gebildet werden können.
Als Varikozele bezeichnet man krampfaderĂ€hnliche Erweiterungen, die vor allem die linksseitigen Venen des Plexus pampiniformis im Samenstrang betreffen. Eine Varikozele kann zu einer eingeschrĂ€nkten Spermienbildung des gleichseitigen Hodens fĂŒhren.
Als Hydrozele oder Wasserbruch wird die Ansammlung seröser FlĂŒssigkeit in den HodenhĂŒllen bezeichnet. Daneben kann sich die FlĂŒssigkeit auch im Samenstrang ansammeln, dieses wird dann als Hydrozele funiculi spermatici bezeichnet.
Eine Hodentorsion ist eine abnorme Drehung des Hodens, wobei die spiralförmige Abklemmung des Samenstranges und der abfĂŒhrenden Venen zu einem Absterben des Hodens fĂŒhren kann. Eine hochgradige Hodentorsion ist ein sehr schmerzhafter Notfall, bereits nach zwei Stunden ist mit dauerhaften SchĂ€den des Hodens zu rechnen. Auch der Appendix testis kann eine sogenannte Hydatidentorsion vollziehen.
Zirkulationsstörungen mit der Gefahr der Entstehung von Nekrosen werden auch bei Erkrankungen der BlutgefĂ€Ăe wie Purpura Schönlein-Henoch, Endangiitis obliterans und Panarteriitis nodosa des Menschen, Arteriitis der Pferde sowie generell bei Thrombosen beobachtet.
Als Hodentumor wird eine krankhafte VergröĂerung des Hodens bezeichnet. Hodentumoren können gut- oder bösartig sein.
Zumeist harmlose HodenvergröĂerungen sind Zysten. Am Hoden können zwei verschiedene Zystenarten entstehen. Hydrozelen sind Aussackungen der Tunica vaginalis testis, die eine klare bernsteinfarbene FlĂŒssigkeit enthalten. Sie entstehen durch Verletzungen oder EntzĂŒndungen. Spermatozelen gehen vom Rete testis oder dem Nebenhoden aus und enthalten Spermien. Teratome sind zumeist gutartige Tumoren der Keimzellen.
Bösartige Hodentumoren (Hodenkrebs) werden in Entartungen der Keimzellen (germinale Hodentumoren: Seminome) und Nichtseminome untergliedert. Entartungen der Keimzellen sind die hÀufigste Krebserkrankung bei MÀnnern im Alter zwischen 20 und 40 Jahren und machen etwa 90 % aller Hodentumoren aus. Den Hauptrisikofaktor stellen nicht in den Hodensack gewanderte Hoden dar. Die verbleibenden 10 % entfallen auf tumoröse Entartungen anderer Gewebsanteile (Sertoli-Zell-Tumor, Leydig-Zell-Tumor, Non-Hodgkin-Lymphom u. a.).
Neben den oben genannten Krankheiten können auch die Blut-Hoden-Schranke ĂŒberwindende chemische Substanzen wie Umweltgifte (z. B. Cadmium), ZusĂ€tze zu Verpackungsmitteln (z. B. Phthalate, Diethylhexyladipat), einige Arzneimittel (z. B. Furazolidon) und Hormone (s. a. Endokrine Disruptoren) oder ionisierende Strahlung zu schweren BeeintrĂ€chtigungen des Epithels der SamenkanĂ€lchen fĂŒhren. Da die Spermienbildung mit sehr hohen Zellteilungsraten (Mitose, Meiose) einhergeht, ist das Keimepithel gegenĂŒber Zellgiften besonders empfindlich. Solche SchĂ€digungen können zu mannigfaltigen VerĂ€nderungen bis zum vollstĂ€ndigen Fehlen der Spermien fĂŒhren (siehe auch Spermiogramm).
Eine unzureichende Bildung von Androgenen wird als Hypogonadismus bezeichnet. Dieser kann angeboren sein, durch Erkrankungen des Hodens sekundĂ€r entstehen oder in einem Gonadotropin-Mangel (z. B. Unterfunktion der Hypophyse, Olfaktogenitales Syndrom) begrĂŒndet sein.
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Die Hodentastuntersuchung ist eine bei Mensch und Tieren mit Hodensack wichtige Grundlagenuntersuchung. Hier werden das Vorhandensein, GröĂe, Lage und Konsistenz des Hodens geprĂŒft. Als bildgebendes Verfahren wird vor allem die Ultraschalluntersuchung angewendet. Die Bestimmung des Hodenvolumens erfolgt entweder durch Vergleich mit der sogenannten Prader-Kette oder mittels Ultraschallvermessung. Bei der Diagnostik der Hydrozele hat die Diaphanoskopie noch einen gewissen Stellenwert. Zur Entnahme von Gewebeproben kann eine Hodenbiopsie durchgefĂŒhrt werden. Bei Tieren mit in der Bauchhöhle gelegenen Hoden wird neben der Ultraschalluntersuchung vor allem die Endoskopie eingesetzt.
Eine funktionelle Untersuchung ist die Erstellung eines Spermiogramms. Hier werden Anzahl, Gestalt und Beweglichkeit der Spermien beurteilt. Die Bestimmung des Gehalts von Inhibin B im Blut wird als Marker fĂŒr die Sertoli-Zell-Funktion und Fruchtbarkeit genutzt, die Aussagekraft ist allerdings umstritten.
Als Kastration wird die Unterbindung der Hodenfunktion bezeichnet. Sie kann durch operative Entfernung des Hodens (Orchektomie), Unterbindung der HodengefĂ€Ăe (âunblutige Kastrationâ), Bestrahlung oder chemische Substanzen erfolgen. Kastrationen werden beim Menschen vor allem bei Hodenkrebs durchgefĂŒhrt. Chirurgisch entfernte Hoden werden aus kosmetischen GrĂŒnden meist durch eine Hodenprothese ersetzt.
Die Kastration spielt als Symbol der Entmachtung auch in der Mythologie vieler Kulturen eine Rolle (vgl. auch Kastrationsangst). In der Ă€gyptischen Mythologie entreiĂt Horus seinem Halbbruder Seth die Hoden. In der griechischen Mythologie entfernt erst Kronos seinem Vater Uranos die Hoden und wird spĂ€ter selbst von seinem Sohn Zeus entmannt. Zur Entsagung weltlicher GelĂŒste war die Selbstentmannung der Galloi (Priester) im Kybele-Kult der Phryger, der sich auch auf das antike Griechenland und Rom verbreitete, ĂŒblich, ebenso bei den Hijras in Indien. Im Judentum ist die Kastration, sowohl von Menschen als auch Tieren, dagegen strikt verboten. Im Christentum war die Kastration ebenfalls verpönt. Eunuchen durften nicht zum Priester geweiht werden, es gab jedoch Strömungen, in denen die Selbstkastration als Ritual vollzogen wurde (siehe Skopzen). Historisch wurden auch Sklaven, Kriegsgefangene, SĂ€nger oder die Bewacher von Harems (siehe Palasteunuch) kastriert. Die nichtmedizinisch begrĂŒndete Kastration war insbesondere auf die Unterbindung der durch das Testosteron hervorgerufenen sekundĂ€ren Geschlechtsmerkmale (Stimmlage, Sexualverhalten) gerichtet. Kastraten waren im europĂ€ischen Musikleben des 17. und 18. Jahrhunderts beliebt und genossen oft hohes Ansehen. Zu den berĂŒhmtesten Kastraten des 18. Jahrhunderts zĂ€hlen Senesino, Farinelli, Caffarelli und Antonio Bernacchi. Kastrierte MĂ€nner können sich nicht selbst fortpflanzen und damit keine Familien bilden. Ăhnlich wie freiwillig enthaltsam lebende Kleriker (Eunuchen fĂŒr das Himmelreich) wurden sie als verlĂ€sslicher eingeschĂ€tzt und in verschiedenen Gesellschaften als FunktionĂ€re und Diener eingesetzt[29]. Die freiwillige Kastration von SexualstraftĂ€tern ist in Deutschland sowie in einigen Bundesstaaten der USA noch eine, wenn auch umstrittene, Therapiemethode.
In der Tiermedizin werden Kastrationen, neben medizinischen Indikationen (Hodenkrebs, Prostata- und AnaldrĂŒsenerkrankungen), vor allem zur Vermeidung von Nachwuchs, zur besseren Handhabbarkeit von Haustieren (Wallach, Ochse), zur Erhöhung der Mastleistung und FleischqualitĂ€t, bei Hausschweinen auch zur Vermeidung des âEbergeruchsâ des Fleisches durchgefĂŒhrt. Kastrationen bei Tieren wurden vermutlich bereits zu Beginn der Jungsteinzeit durchgefĂŒhrt [29]. Die Kastration ist eine der wenigen nach dem Tierschutzgesetz (§ 6) in Deutschland heute noch erlaubten nichtmedizinisch indizierten Organentfernungen, bei sehr jungen Tieren sogar ohne Schmerzausschaltung, was allerdings nicht unumstritten ist.
In der Japanischen Mythologie werden Tanuki, dem Marderhund Ă€hnliche DĂ€monen (YĆkai), als GlĂŒcksymbol hĂ€ufig mit ĂŒbergroĂen Hoden dargestellt. Im antiken Griechenland wurden Genitalien von Tieren, insbesondere Stieren (Taurobolium), als Opfer dargebracht. Im antiken Rom wurde ein Eid mit BerĂŒhren der Hoden geleistet, das lateinische Wort testis fĂŒr Hoden bedeutet eigentlich Zeuge (von tertius und stare â âals Dritter dabeistehenâ). Hoden galten als Symbol der Manneskraft und auch der schöpferischen Potenz. Nach Taylor[29] hatten sie bis in das spĂ€te 16. Jahrhundert noch eine stĂ€rkere Symbolkraft als der Penis.
Den Pflanzen, die in ihrer Erscheinungsform mĂ€nnlichen Genitalien Ă€hneln, wurde im Aberglauben eine aphrodisierende und fruchtbarkeitssteigernde Wirkung zugeschrieben. Aufgrund der Ăhnlichkeit der beiden Wurzelknollen der KnabenkrĂ€uter mit den Hoden benannte sie der griechische Philosoph Theophrastos von Eresos Orchis, die griechische Bezeichnung fĂŒr Hoden. Ihr Verzehr sollte angeblich der Geburt eines Knaben förderlich sein (âKnabenkrautâ). Orchis war spĂ€ter fĂŒr die gesamte Familie der Orchideen namensgebend.
Der Name Avocado leitet sich von dem indianischen Wort âahuacatlâ (Hoden) ab, der auf die hodenĂ€hnliche Form der Frucht dieses Baumes Bezug nimmt.
In der Kunst spielen Hoden, im Gegensatz zum Phallus, auĂerhalb der Erotik und Pornografie keine zentrale Rolle. âBlut und Hodenâ,[30] ein phonologisches Wortspiel zur Blut-und-Boden-Ideologie, wird in der Kunstkritik hĂ€ufig abwertend verwendet.
Eine der Figuren in Thomas Manns âTristanâ ist Herr Klöterjahn (âKlötenâ ist der niederdeutsche Ausdruck fĂŒr Hoden, ein Symbol fĂŒr LebenstĂŒchtigkeit und VitalitĂ€t). Im 2002 erschienenen Roman âSanningen om Sascha Knischâ (dt. Titel âDie Wahrheit ĂŒber Sascha Knischâ, 2003) des schwedischen Autors Aris Fioretos sind die Hoden das Leitmotiv. Der deutsche Film âEierdiebeâ thematisiert das Thema Hodenkrebs und Verlust eines Hodens.
Das Wappen des italienischen Adelshauses Colleoni aus Bergamo zeigt mehrere Paar Hoden und stellt vermutlich eine Anspielung auf coglione, eine italienische Bezeichnung fĂŒr Hoden, dar. Eine Statue des Bartolomeo Colleoni mit diesem Wappen am Sockel betet die Hauptfigur im ersten Band von Heinrich Manns Romandreiteiler Die Göttinnen oder Die drei Romane der Herzogin von Assy an. [31]
Hoden werden in vielen Regionen als Nahrungsmittel verarbeitet. Deutschland war das einzige Land in der EU, in dem Hoden als Lebensmittel verboten waren. Nach der EU-Verordnung Nr. 853/2004 vom 29. April 2004 [32] gelten jedoch Hoden als einzige Geschlechtsorgane als Lebensmittel, alle anderen sind als ungeeignet zum Genuss (Konfiskate) eingestuft.
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Dieser Artikel wurde am 9. November 2006 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |