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Holocaust

Dieser Artikel behandelt den Völkermord an den Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Andere Bedeutungen des Begriffs siehe unter Holocaust (BegriffsklÀrung).
Blick von der Zugrampe innen auf die Haupteinfahrt des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Fotografie vom 27. Januar 1945

Als Holocaust [ˈhoːlokaÊŠÌŻst, holoˈkaÊŠÌŻst] (vom griechischen ᜁλόÎșÎ±Ï…ÏƒÏ„ÎżÎœ holĂłkauston ‚vollstĂ€ndig verbrannt‘) oder Schoah (auch Shoah; hebrĂ€isch Ś”Ö·Ś©ÖŒŚŚ•ÖčŚÖžŚ” ha'Schoah ‚das Unheil‘ oder ‚die Katastrophe‘) wird der Völkermord an mindestens 5,6 bis 6,3 Millionen Menschen bezeichnet, die das nationalsozialistische Deutschland als „Jude“ definierte. Er grĂŒndete auf dem vom NS-Regime propagierten Antisemitismus, zielte auf die vollstĂ€ndige Vernichtung der europĂ€ischen Juden und wurde ab 1941 systematisch, ab 1942 auch mit industriellen Methoden durchgefĂŒhrt.

Inhaltsverzeichnis

Bezeichnungen

→ Hauptartikel: Holocaust (Begriff)

Die Nationalsozialisten nannten ihr Ziel, alle Juden aus Europa zu vertreiben, seit 1940 offiziell „Endlösung der Judenfrage“. Seit 1941 umschrieb dieser zynische Ausdruck zur Tarnung ihre systematischen Judenmorde. Er wird oft in historischen Werken darĂŒber zitiert.

Im deutschen Sprachraum wurde das Verbrechen nach 1945 uneinheitlich als Judenvernichtung, Judenmord oder Massenmord an den europĂ€ischen Juden bezeichnet. Seit etwa 1960 bĂŒrgerte sich „Auschwitz“, der Ort des grĂ¶ĂŸten nationalsozialistischen Vernichtungslagers, als Symbol-Name dafĂŒr ein.

Die heute ĂŒbliche Bezeichnung „Holocaust“ stammt vom griechischen Wort holokautoma fĂŒr ein vollstĂ€ndig verbranntes Tieropfer. Seit etwa 1600 bezeichnete das englische Wort auch Feuertode, seit etwa 1800 auch Massaker, seit 1895 auch den Völkermord an den Armeniern. Im Dezember 1942 verwendete die britische Tageszeitung News Chronicle noch ohne Kenntnis der NS-Vernichtungsmethoden das Wort erstmals fĂŒr Adolf Hitlers Vernichtungsplan an den Juden. Bis 1972 wurde es in der Geschichtswissenschaft der USA dafĂŒr ĂŒblich. Seit 1979 verbreitete die Fernsehserie Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß es in vielen weiteren Staaten, darunter der Bundesrepublik Deutschland.

Seitdem wird der Begriff meist auf die systematische, auf Vernichtung zielende Ermordung der europĂ€ischen Juden begrenzt. Manchmal umfasst er auch den Mord an Hunderttausenden zur „minderwertigen Fremdrasse“ erklĂ€rten Roma (Porajmos, Roma-Holocaust). Weitere Massenmorde der Nationalsozialisten werden nur selten als Teil des Holocaust beschrieben, da andere Opfergruppen nicht völlig ausgerottet werden sollten. Die Morde an

beruhten großenteils ebenfalls auf rassistischem Denken und gehörten zur umfassenden Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten.

Deportation von Sinti und Roma, Fotografie: Asperg 1940

In Israel und im Judentum wird das Verbrechen seit 1948 als Schoah („Katastrophe“, „großes UnglĂŒck“) bezeichnet. Daran erinnert seit 1959 der Gedenktag Jom haScho'a. Seit 1985 wird das hebrĂ€ische Wort auch in Europa fĂŒr den Holocaust verwendet. JĂŒdische Theologen bezeichnen das Ereignis auch als dritten Churban (hebrĂ€isch: „Vernichtung“, „VerwĂŒstung“) und deuten es damit wie die beiden Zerstörungen des Jerusalemer Tempels (586 v. und 70 n. Chr.) als eine alle Nachfahren der Israeliten betreffende Großkatastrophe der jĂŒdischen Geschichte.

Vorgeschichte

Zu den historischen Voraussetzungen des Holocaust gehört der moderne Antisemitismus (bis 1945), der seit etwa 1870 in Europa entstand und seinerseits eine lange Vorgeschichte im Antijudaismus des Mittelalters und der Neuzeit hatte. Zu den Entstehungs- und Aufstiegsbedingungen des Nationalsozialismus gehören vor allem der Erste Weltkrieg 1914-1918 und die Weltwirtschaftskrise 1929-1932.

Ziele des Nationalsozialismus

Die 1919 gegrĂŒndete NSDAP strebte mit ihrem 25-Punkte-Programm die Ausgrenzung und Vertreibung der Juden aus einer als „FĂŒhrerstaat“ verfassten großdeutschen „Volksgemeinschaft“ an.

Adolf Hitler hatte schon vor seinem Parteibeitritt die „Entfernung“ der deutschen Juden zum unabdingbaren politischen Ziel eines solchen Staates erklĂ€rt. In seiner zweiteiligen Programmschrift Mein Kampf (1925/1926) sowie seinem unveröffentlichten Zweiten Buch (1928) fĂŒhrte er seinen Rasse-Antisemitismus aus, befĂŒrwortete Massenmorde an Juden im Falle eines neuen Weltkriegs und erklĂ€rte die Vernichtung des „jĂŒdischen Bolschewismus“ zum Hauptziel nationalsozialistischer Außenpolitik. Gemeint war die kriegerische Eroberung der von einem angeblichen „Weltjudentum“ beherrschten Sowjetunion und die folgende Germanisierung durch Massenumsiedlungen und Massenmorde.

Der konsistente, fanatische „Erlösungsantisemitismus“ Hitlers und seiner AnhĂ€nger gilt als wesentliche, aber nicht alleinige und nicht ausreichende Ursache des Holocaust.[1]

Judenverfolgung im Deutschen Reich 1933-1939

Bis 1941 strebten die Nationalsozialisten die Vertreibung und Enteignung der deutschen Juden an. Sofort nach Hitlers Machtantritt am 30. Januar 1933 begannen die NSDAP und ihre Unterorganisationen SA, SS, NSDStB und Hitlerjugend mit teils ungeplanten, teils organisierten Gewalttaten gegen Juden. Eine staatliche „Judenpolitik“ entstand erst als Reaktion darauf.

Wichtige Stationen waren der „Judenboykott“ vom 1. April 1933 und das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933, das die Entlassung aller „nichtarischen“ Beamten vorsah und so erstmals ein Rasse-Kriterium in ein Staatsgesetz einfĂŒhrte. Es leitete die gesellschaftliche Ausgrenzung von Juden aus BerufsverbĂ€nden, Unternehmen, Vereinen, Schulen und dem Kulturleben ein. Diese wurde mit zahlreichen weiteren antijĂŒdischen Gesetzen und Verordnungen fortgesetzt und bis 1945 stĂ€ndig verschĂ€rft.

Ebenfalls 1933 errichtete das NS-Regime Konzentrationslager, zunĂ€chst fĂŒr politische Gegner. Diese Lager waren ein Modell fĂŒr spĂ€tere Arbeits- und Vernichtungslager fĂŒr Juden und andere rassistisch verfolgte Gruppen. Verhungern, Folter und willkĂŒrliche Morde gehörten schon in den ersten KZs zum Alltag. JĂŒdische LagerhĂ€ftlinge wurden dort bereits besonders schikaniert und hatten die höchsten Sterblichkeitsraten. Am 12. April 1933 wurden im Konzentrationslager Dachau erstmals auch Juden ermordet.

Im Sommer 1935 erzwangen erneute Boykottaktionen aus der NSDAP die NĂŒrnberger Gesetze vom September, die die BĂŒrgerrechte deutscher Juden stark einschrĂ€nkten. „Volljuden“ und „jĂŒdische Mischlinge“ wurden erst nachtrĂ€glich und unlogisch definiert, da auch Nichtjuden durch Heirat mit Juden oder Eintritt in die jĂŒdische Religion zu „Geltungsjuden“ wurden.

Hitler redete 1936 und 1937 kaum ĂŒber Juden und ergriff keine weiteren Initiativen zu ihrer vollstĂ€ndigen Vertreibung.[2] Doch am 30. November 1937 bekrĂ€ftigte er laut Joseph Goebbels: „Die Juden mĂŒssen aus Deutschland, ja aus ganz Europa heraus.“ Das werde noch dauern, doch er sei dazu „fest entschlossen“.[3]

1938, parallel zur laufenden AufrĂŒstung der Wehrmacht und Kriegsvorbereitung, verschĂ€rfte das NS-Regime die Verfolgung reichsdeutscher Juden erneut. Sie mussten zum Beispiel zusĂ€tzlich „typisch jĂŒdische“ Vor- und Zunamen annehmen (Januar), wurden nach dem Anschluss Österreichs massenhaft beraubt (MĂ€rz), mussten ihr ganzes Vermögen „anmelden“ (26. April), erhielten keine staatlichen AuftrĂ€ge und Approbationen mehr (September), aber einen Judenstempel in ihre ReisepĂ€sse (Oktober), der mit Auslandsmaßnahmen gegen jĂŒdische Emigranten gerechtfertigt wurde.

Bei der „Polenaktion“ vom 27. Oktober 1938 wurden etwa 15.000 Juden gewaltsam aus Deutschland nach Polen deportiert. Der Mord eines Betroffenen an einem deutschen Diplomaten diente als willkommener Vorwand fĂŒr die reichsweiten Novemberpogrome 1938, bei denen etwa 400 Personen ermordet, ĂŒber 1400 Synagogen, andere VersammlungsrĂ€ume und Friedhöfe zerstört und bis zu 36.000 Juden in KZs interniert wurden. Mit der am 12. November verhĂ€ngten „Judenbuße“ mussten die Opfer fĂŒr die Zerstörungen aufkommen; mit der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben und der Verordnung ĂŒber den Einsatz des jĂŒdischen Vermögens wurde die staatliche „Arisierung“ beschleunigt.

Von 510.000 deutschen Juden, die 1933 den israelitischen Kultusgemeinden angeschlossen waren, wanderten bis zum Kriegsbeginn im September 1939 278.000 bis 315.000 aus; bis 1940 flohen nochmal 15.000. Von in „Mischehen“ oder versteckt im Reich lebenden Juden entkamen 10.000 bis 15.000 dem Holocaust. Bis zu 195.000 deutsche Juden wurden darin ermordet. Etwa 6000 ĂŒberlebten die Lager. Von etwa 200.000 österreichischen Juden wurden etwa 65.500 in der NS-Zeit getötet, die ĂŒbrigen konnten nach dem Anschluss und nach Kriegsbeginn fliehen.[4]

Die Maßnahmen des NS-Regimes schufen auch ohne einen „grundlegenden Plan“ wesentliche administrative Voraussetzungen, die den Holocaust ermöglichten: darunter die gesetzliche Definition des Begriffs „Jude“, Enteignung und Konzentration in besonderen Wohnbereichen.[5] Nationalsozialistische Verfolgung und Ermordung der Juden werden daher als ineinander ĂŒbergehende, untrennbare „Vernichtungspolitik“ beschrieben.[6]

Verlauf

Eskalation

Als „Holocaust“ oder „Völkermord an den Juden“ bezeichnet die Holocaustforschung jenen Vernichtungsprozess, der im Zweiten Weltkrieg von angeordneten Massenerschießungen osteuropĂ€ischer Juden bis zur systematischen Vergasung von Juden aus allen von Deutschland besetzten Gebieten Europas in eigens dazu eingerichteten Vernichtungslagern reichte.[7]

FĂŒr einige Historiker begann der Holocaust im September 1939, weil im Polenfeldzug und danach schon tausende Juden ermordet und dabei die meisten spĂ€teren Vernichtungsmethoden erprobt wurden: Isolierung in Ghettos und Lagern, Verhungernlassen, Deportation, Massenerschießungen und Morde mit Giftgas.[8] FĂŒr viele Historiker begann der Holocaust mit dem Krieg gegen die Sowjetunion am 22. Juni 1941, weil dann systematische, zentral vorbereitete und befohlene Massenmorde an Juden in ganzen Regionen einsetzten.[9]

Die Morde geschahen regional in verschiedenem Tempo und zeitlich versetzt. Sie wurden auf immer mehr Opfergruppen ausgeweitet und mit immer radikaleren Methoden vollzogen. WĂ€hrend einige Opfergruppen noch vertrieben oder deportiert wurden, wurden andere schon vernichtet, so dass sich „Konzeption, Entscheidungsbildung und DurchfĂŒhrung nicht immer klar abgrenzen lassen“.[10]

Ab 23. Juni 1941 wurden sowjetische jĂŒdische MĂ€nner, ab 15. August auch Frauen, Kinder und Greise erschossen. Ab Oktober wurden auch deutsche Juden deportiert und der Bau der ersten Vernichtungslager begonnen. Ab 25. November wurden auch deutsche Juden erschossen. Ab 8. Dezember wurden Juden mit Abgasen ermordet. Ab Februar 1942 wurden auch west- und sĂŒdeuropĂ€ische Juden nach Osteuropa deportiert. Ab MĂ€rz wurden Vernichtungslager mit Gaskammern in Betrieb genommen und dorthin deportierte Juden sofort nach ihrer Ankunft ermordet. Ab Juli wurden Juden aus ganz Europa in Vernichtungslager deportiert. Das NS-Regime schob einzelne dieser Schritte allenfalls auf, setzte den Morden aber keine Grenze, hielt sie nie an und nahm keine Entscheidung dazu zurĂŒck.[11] Die zeitweise ausgesetzte Ermordung der ungarischen Juden wurde fortgesetzt und beschleunigt, als die Kriegsniederlage lĂ€ngst feststand. Die Überlebenden von aufgelösten Vernichtungs- und Arbeitslagern wurden auf TodesmĂ€rsche geschickt.

Erste Massenmorde und Deportationen

Mit dem Polenfeldzug gelangten rund zwei Millionen polnische Juden unter die Herrschaft der Nationalsozialisten. Am 3. September 1939, zwei Tage nach Kriegsbeginn, verĂŒbten Deutsche ein erstes Massaker an polnischen Juden, das sie als Rache fĂŒr den Bromberger Blutsonntag ausgaben. Bis Ende Dezember 1939 ermordeten deutsche SS-, SD- und Wehrmachtsangehörige rund 7000 polnische Juden, zum Teil wahllos. Diese Morde begleiteten die Massaker deutscher Einsatzgruppen an ĂŒber 60.000 Polen, die das NS-Regime befohlen und mit Listen von Zielpersonen vorbereitet hatte. Sie sollten die polnische Oberschicht entmachten, einschĂŒchtern und möglichst viele polnische Juden aus dem deutsch besetzten Teil Westpolens nach Ostpolen vertreiben.[12]

Ein Insasse des Warschauer Ghettos hÀlt den Körper eines verhungerten Kindes

Am 21. September 1939 hatten Hitler, Himmler, Heydrich und Albert Forster in Berlin als Nahziel vereinbart, binnen eines Jahres alle „Reichsjuden“ in ein ĂŒberwachtes, unwirtliches „Judenreservat“ bei Lublin in Polen zu bringen und dort Zwangsarbeit leisten zu lassen. Zu diesem Zweck erstellte Adolf Eichmann, damals Leiter der „Zentralstelle fĂŒr jĂŒdische Auswanderung in Prag“, den Nisko-Plan. Vom 18. bis 26. Oktober 1939 ließ er etwa 5.000 Juden aus Wien, Kattowitz und Ostrau nach Nisko bringen und zwang sie zum Bau eines angeblichen Durchgangslagers fĂŒr spĂ€tere „Umsiedlungen“. Diese Transporte sollten umfassende Deportationen aus dem „Altreich“ erproben und vorbereiten, wurden aber nach örtlichen Protesten eingestellt. Die Deportierten flohen großenteils ĂŒber die Grenze nach Ostpolen oder starben an Hunger und KĂ€lte im Lager.

Die deutsche Sicherheitspolizei im annektierten Westpolen wollte alle Juden ihres Gebiets in das neugeschaffene Generalgouvernement vertreiben. Von Dezember 1939 bis MĂ€rz 1940 wurden rund 175.000 Polen, darunter viele Juden, dorthin deportiert. Im MĂ€rz 1940 wurden diese Transporte wegen organisatorischer Probleme vorerst eingestellt, ohne die „Umsiedlungs“-PlĂ€ne aufzugeben. Damit hatte sich ein Muster des Umgangs mit Juden in den eroberten Gebieten etabliert: Deutsche Bezirksverwaltungen drĂ€ngten auf ihre Abschiebung in Nachbargebiete, diese wurde kurzfristig organisiert und mit Bahntransporten ohne RĂŒcksicht auf Menschenleben brutal umgesetzt. Dabei erschossen SS und Polizei bereits manche Deportierte bei der Ankunft.[13]

Die ersten Euthanasiemorde mit Gaswagen geschahen in Polen. Ab Mai 1940 wurden jĂŒdische Patienten deutscher Heil- und Pflegeanstalten ausgesondert und im Rahmen der Aktion T 4, spĂ€ter der Aktion 14f13, mit Giftgas ermordet.[14]

Ghettoisierung

Die Ghettoisierung von „Reichsjuden“ war 1938 erwogen, aber nur in Form von JudenhĂ€usern realisiert worden. Seit Kriegsbeginn begannen die deutschen Kommunen von sich aus, Juden in besonderen Wohnbereichen zu separieren oder abzuschieben. Tausende im Deutschen Reich lebende polnische Juden wurden in KZs interniert.[15]

Anstelle des vorerst gescheiterten „Judenreservats“ wurde in Polen ein „Reichsghetto“ geplant.[16] Gauleiter im Wartheland und die Stadtverwaltung von Lodz begannen im Dezember 1939 von sich aus, das Ghetto Lodz einzurichten, das bis 1944 bestand. Bis April 1940 zwangen sie 157.000 Juden, dorthin umzuziehen. Es war ummauert und polizeilich bewacht; wer zu fliehen versuchte, durfte erschossen werden. Im Herbst 1940 teilte die Stadtverwaltung in Warschau ein „Seuchensperrgebiet“ ab und machte daraus das hermetisch abgeriegelte Warschauer Ghetto. Dort wurden bis Mai 1941 500.000 polnische Juden eingepfercht.

Schon im Winter 1940/41 starben tausende Ghettobewohner, vor allem Kinder und Alte, an Hunger, KĂ€lte, unbehandelten Krankheiten und EntkrĂ€ftung. Die offiziellen Lebensmittelrationen waren extrem niedrig und auf Massensterben angelegt. Hinzu kamen tĂ€gliche willkĂŒrliche Morde der NS-Wachmannschaften. Bis Herbst 1942 starben um die 100.000 Juden in Warschau und um die 25.000 in Lodz. Überlebenschancen hatten fast nur Bewohner, die ĂŒber gute Außenbeziehungen und körperliche Konstitution verfĂŒgten.

Im FrĂŒhjahr 1941 richteten Stadt- und Bezirksverwaltungen ohne zentrale Order viele Ghettos im Generalgouvernement ein, um Wohnungen fĂŒr Wehrmachtssoldaten frei zu machen und die erwartete baldige Abschiebung der polnischen Juden in eroberte sowjetische Gebiete vorzubereiten. Dabei beschrĂ€nkten sich manche Beamte auf Ausgangsverbote in nicht ummauerten „jĂŒdischen Wohnbezirken“. Erst ab 1942 dienten neue Ghettos direkt zum Sammeln der örtlichen Juden fĂŒr ihre Ermordung.[17]

DeportationsplÀne

Am 7. Oktober 1939, nach dem Sieg im Polenfeldzug, ernannte Hitler den ReichsfĂŒhrer SS Heinrich Himmler zum „Kommissar zur Festigung des deutschen Volkstums“. Damit erhielt Himmler die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr alle rassistischen „Umvolkung“splĂ€ne in den schon oder kĂŒnftig eroberten Gebieten Osteuropas.[18] Himmler gab den Generalplan Ost in Auftrag, der ab 24. Juni 1941 erweitert wurde und die Deportation von bis zu 31 Millionen Slawen und ihr millionenfaches Massensterben vorsah. Juden blieben darin unerwĂ€hnt, da ihr „Verschwinden“ vorausgesetzt wurde.[19]

Im Mai 1940, als sich der Sieg im Westfeldzug abzeichnete, erwogen das AuswĂ€rtige Amt und das Reichssicherheitshauptamt den Madagaskarplan: Er sah vor, die Insel Madagaskar vom besiegten Frankreich zu ĂŒbernehmen und bis zu 5,8 Millionen europĂ€ische Juden dorthin abzuschieben. Himmler hoffte, den „Begriff der Juden“ durch diese „Auswanderung“ „völlig auslöschen zu sehen“. Das Assimilieren „rassisch wertvoller Elemente“ aus nichtjĂŒdischen Minderheiten durch Kindesraub und Bildungsentzug hielt er fĂŒr das „mildeste und beste“, wenn man die „bolschewistische Methode der physischen Ausrottung eines Volkes aus innerer Überzeugung als ungermanisch und unmöglich“ ablehne.[20] Demnach wurde in Himmlers Umgebung schon an Völkermord gedacht.[21]

Im November 1940, nach der Luftschlacht um England, wurde der Plan illusorisch. Dennoch erwĂ€hnten manche NS-Akten ihn noch bis Anfang 1942. Dokumente sprachen ab 1941 von einer „territorialen Endlösung“ „in einem noch zu bestimmenden Territorium“. Himmler und Heydrich erwogen, die Juden nach dem Krieg gegen die Sowjetunion, der damals vorbereitet wurde, in unwirtliche Regionen hinter dem Ural, die PripjatsĂŒmpfe oder die Eismeer-Lager, abzuschieben und dort zugrunde gehen zu lassen.

Die Vorhaben spiegeln einen fehlenden Gesamtplan, Kompetenzchaos und Konkurrenz beteiligter NS-Behörden ebenso wie ihr kontinuierliches DrĂ€ngen auf eine „Endlösung“. Da sie die Juden wĂ€hrend des Krieges einerseits leichter als innere Kriegsgegner behandeln, andererseits nicht mehr einfach in unbesetzte Gebiete abschieben konnten, gewannen radikalere Lösungsideen an Boden. Laut Dieter Pohl zielten alle diese großangelegten DeportationsplĂ€ne auf einen schleichenden Völkermord, weil sie schlechte Lebensbedingungen, Zwangsarbeit und Zwangssterilisierung beinhalteten: Die Deportierten sollten die letzte Generation Juden sein.[22]

Entschlussbildung

Das NS-Regime ließ möglichst wenige BeschlĂŒsse zu NS-Verbrechen schriftlich festhalten, behandelte sie als Geheime Reichssache und ließ viele Akten vernichten, da den EntscheidungstrĂ€gern Ausmaß und Tragweite dieser Verbrechen klar waren. Schriftdokumente dienten oft nachtrĂ€glicher Legitimation, setzten also informelle Entscheidungen voraus und können von weitergehenden mĂŒndlichen Anweisungen begleitet gewesen sein.[23]

Hitlers Reden waren zwar bewusst allgemein, mehrdeutig und verschleiernd, wirkten aber als Richtlinien fĂŒr zahlreiche Maßnahmen der mit Juden befassten NS-Behörden, die dem „FĂŒhrerwillen“ entgegenkamen und die Hitler dann wiederum absegnete. Am 30. Januar 1939 drohte er im Reichstag die „Vernichtung der jĂŒdischen Rasse in Europa“ im Falle eines neuen Weltkriegs an. Ob dies als Folge von Abschiebungen oder direkte Mordabsicht zu verstehen war, ließ er offen; ein Vernichtungsplan existierte noch nicht. Auf diese Rede kam er wĂ€hrend des Holocaust oft zurĂŒck, je viermal allein 1941 und 1942, und deutete seinen Vollzug an: „Die Juden haben einst auch in Deutschland ĂŒber meine Prophezeiungen gelacht. [
] Von denen, die damals lachten, lachen heute UnzĂ€hlige nicht mehr 
“[24]

Ein schriftlicher Holocaustbefehl Hitlers wurde nicht gefunden und hat wahrscheinlich nicht existiert.[25] Mehrere schriftliche und mĂŒndliche Befehle Hitlers fĂŒr einzelne Vernichtungsschritte sind jedoch belegt. Er hatte im Oktober 1939 die Aktion T 4 befohlen und den schriftlichen Erlass auf den 1. September 1939, den Beginn des Polenfeldzugs, zurĂŒckdatiert. Er verstand das Ausmerzen „unwerten Lebens“ zur „Reinerhaltung arischen Blutes“ also als Teil seines Krieges. Der Erlass legitimierte die geheim vorbereiteten Krankenmorde, um ein öffentliches Euthanasiegesetz zu vermeiden und bei beteiligten Ärzten Ängste vor strafrechtlichen Folgen auszurĂ€umen. Nachdem trotz der Geheimhaltung kirchliche Proteste laut geworden waren, ließ Hitler die Aktion T 4 am 24. August 1941 einstellen, aber die Krankenmorde in den besetzten Gebieten Osteuropas fortsetzen. Das zeigte laut Karl Schleunes sein KalkĂŒl, die innenpolitische Zustimmung zu seiner Politik nicht zu gefĂ€hrden, um so die rassistische Vernichtung ungehindert durchzufĂŒhren. Diese Haltung habe auch sein Vorgehen beim Holocaust bestimmt.[26]

Ab Februar 1941 plante das NS-Regime mit SS und WehrmachtsgenerĂ€len den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Massentötungen wurden bei verschiedenen Treffen besprochen. Am 3. MĂ€rz gab Hitler dem OKW Richtlinien, mit SS und Polizei zusammenzuarbeiten, um die „jĂŒdisch-bolschewistische“ Intelligenz zu beseitigen. Wie in Polen 1939 sollten zuerst die Eliten in Staat, Partei und Armee dezimiert werden. Der von Hitler angeordnete Kriegsgerichtsbarkeitserlass des OKW vom 13. Mai 1941 erlaubte den Wehrmachtssoldaten, des Widerstands verdĂ€chtige Zivilisten sofort zu erschießen, ohne militĂ€rstrafrechtliche Folgen befĂŒrchten zu mĂŒssen. Hitlers Kommissarbefehl vom 6. Juni 1941 befahl, kriegsgefangene politische Offiziere der Roten Armee sofort auszusondern und zu erschießen. Hinzu kam das HungerkalkĂŒl, die deutschen Truppen vor Ort zu ernĂ€hren und dafĂŒr Millionen sowjetische Zivilisten dem Verhungern auszuliefern. Diese Befehle und PlĂ€ne betrafen Juden besonders, da sie mit Unruhestiftern und „Bolschewisten“ identifiziert wurden und vorrangig in StĂ€dten lebten.[27]

Im Mai 1941 ließ Heydrich auf Befehl Hitlers vier mobile „Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD“ (A bis D) aufstellen und in wenigen Wochen ausbilden. Ab Juli kamen mehrere Einsatzgruppen „zur besonderen Verwendung“ (z.b.V.) hinzu. Ihr offizieller Auftrag war die PartisanenbekĂ€mpfung hinter den vorrĂŒckenden Heeresgruppen der Wehrmacht durch „Repressalien“, also Massakern als Vergeltung fĂŒr angebliche oder wirkliche AnschlĂ€ge auf deutsche Soldaten. Das Oberkommando des Heeres erlaubte ihnen mit einem Abkommen eigenstĂ€ndiges Vorgehen und sagte ihnen zugleich enge Zusammenarbeit zu.[28] Hinzu kamen einige Bataillone der Ordnungspolizei und zwei Brigaden der Waffen-SS ohne besondere Aufgabenstellung. Die Himmler direkt unterstellten drei Höheren SS- und PolizeifĂŒhrer (HSSPF) Erich von dem Bach-Zelewski, Friedrich Jeckeln und Hans-Adolf PrĂŒtzmann lenkten und koordinierten die MordeinsĂ€tze all dieser Gruppen.[29]

Himmler hatte die HSSPF am 21. Mai schriftlich einem „Sonderauftrag des FĂŒhrers“ unterstellt, seine „Sonderbefehle“ in den kĂŒnftig besetzten Gebieten durchzufĂŒhren. Am 17. Juni wies Heydrich sie in Berlin mĂŒndlich an, eine „Selbstreinigung“ - Pogrome - gegen Juden und Kommunisten in den bald besetzten Gebieten auszulösen. In seinen Einsatzbefehlen vom 29. Juni 1941 erinnerte er sie daran. Am 2. Juli listete er ihnen die Personengruppen auf, die sie auftragsgemĂ€ĂŸ ermorden sollten. Dabei ergĂ€nzte er explizit „Juden in Partei- und Staatsstellungen“ und erlaubte den TĂ€tern mit bewusst vagen Begriffen, die Opfergruppen auszuweiten. Weitere Befehle aus dem RSHA verlangten von der Wehrmacht, alle jĂŒdischen Kriegsgefangenen der SS auszuliefern. Demnach lag den Adressaten kein allgemeiner Judenmord-Befehl aus der Reichskanzlei vor.[30]

Am 16. Juli 1941 ĂŒbertrug Hitler Himmler auf dessen DrĂ€ngen die FĂŒhrung ĂŒber SS, Polizei und SD auch im Osten.[31] Himmler verstĂ€rkte die Einsatzgruppen bis zum Jahresende von 3000 auf 33.000 Mann, wobei er hilfswillige Einwohner der besetzten Gebiete einbezog.[32] Am 31. Juli erteilte Hermann Göring Heydrich den Auftrag, einen „Gesamtentwurf“ fĂŒr eine „Gesamtlösung der Judenfrage“ zu erstellen. Der Text wurde im Reichssicherheitshauptamt verfasst und Göring nur zur Unterschrift vorgelegt, sollte also schon laufende PlĂ€ne autorisieren.[33] Hitler befahl den Einsatzgruppenleitern per Funk am 1. August, ihm laufend ĂŒber ihre Ergebnisse zu berichten.

Nach ĂŒbereinstimmenden spĂ€teren Aussagen beteiligter Kommandeure befahl Jeckeln ihnen im August, die Exekutionen auf Frauen und Kinder zu erweitern, „um keine RĂ€cher entstehen zu lassen.“ Am 15. August listete ein Einsatzgruppenbericht erstmals „Juden, JĂŒdinnen und Judenkinder“ als Mordopfer auf. Ende August berichtete Einsatzgruppe D, ihr Operationsgebiet sei nunmehr „judenfrei“. Parallel dazu sollten nun alle Juden der eroberten Gebiete in Ghettos gebracht und registriert werden; die registrierten Juden wurden alle bald darauf erschossen.[34] Einsatzkommandoleiter Otto Bradfisch zufolge antwortete Himmler auf seine Nachfrage in Gegenwart aller SchĂŒtzen bei einer Massenerschießung in Minsk: Es gebe einen „FĂŒhrerbefehl ĂŒber die Erschießung aller Juden“, der Gesetzeskraft habe. Laut Friedrich Jeckeln beauftragte Himmler ihn vor dem „Rigaer Blutsonntag“ (30. November 1941), Hinrich Lohse mitzuteilen: „
es ist mein Befehl, was auch des FĂŒhrers Wunsch ist.“[35] Diese Nachkriegsaussagen werden auf den ab August verallgemeinerten Kommissarbefehl bezogen.[36]

Ende August war der deutsche Vormarsch ins Stocken geraten. Hitler erlaubte Goebbels am 17. September 1941 entgegen seiner bisherigen Absicht, die deutschen Juden schon wĂ€hrend des Krieges nach Osten zu deportieren. Am 2. Oktober schlug Himmler ihm vor, sie in die Ghettos von Riga, Reval und Minsk zu „verlagern“. Heydrich bekrĂ€ftigte am 10. Oktober im RSHA Hitlers Ziel, das Deutsche Reich bis zum Jahresende „judenfrei“ zu machen, und nannte neben Ghettos auch neugebaute KZs als Zielorte. Viktor Brack bot am 25. Oktober an, arbeitsunfĂ€hige Juden aus den Ghettos im Osten mit seinen Euthanasie-Apparaten zu vergasen. Am 1. November begann die SS, das Vernichtungslager Belzec zu bauen, das zur Leerung ĂŒberfĂŒllter Ghettos dienen sollte.[37]

In diesen Wochen hĂ€uften und steigerten sich Hitlers interne hasserfĂŒllte Aussagen ĂŒber Juden, die er als „Weltfeind“ hinter allen gegen Deutschland kriegfĂŒhrenden MĂ€chten sah. Die „Ausschaltung“ der Juden sei Bedingung fĂŒr jeden positiven Wandel in den besetzten oder verbĂŒndeten LĂ€ndern, da sie sonst durch Rassenmischung destruktiv wirkten. Am 21. Oktober erklĂ€rte er: „Wenn wir diese Pest ausrotten, so vollbringen wir eine Tat fĂŒr die Menschheit, von deren Bedeutung sich unsere MĂ€nner draußen noch gar keine Vorstellung machen können.“ Am 25. Oktober erinnerte er die NS-Spitzen an seine „Prophezeiung“ vom 30. Januar 1939: „Es ist gut, wenn uns der Schrecken vorangeht, daß wir die Juden ausrotten.“ [38]

Am 12. Dezember 1941, einen Tag nach seiner KriegserklĂ€rung an die USA, erklĂ€rte Hitler den in der Reichskanzlei versammelten Gauleitern: Da der Weltkrieg nun eingetreten sei, mĂŒsse die Judenvernichtung „die notwendige Folge“ sein. Heydrich hatte die wichtigsten Ministerialbeamten mit Berufung auf Görings Auftrag zur Wannseekonferenz am 11. Dezember eingeladen, die wegen Hitlers KriegserklĂ€rung auf den 20. Januar 1942 verschoben wurde. Dort besprachen sie die weitere Organisation des laufenden Holocaust. Laut dem einzigen erhaltenen Konferenzprotokoll waren 11 Millionen Juden Europas zur Deportation vorgesehen. Alle wichtigen NS-Machtbereiche sollten daran mitwirken, alle Teilnehmer stimmten der DurchfĂŒhrung zu. Heydrichs „Judenreferent“ Adolf Eichmann, Organisator und Protokollant der Konferenz, bestĂ€tigte 1961 in Aussagen wĂ€hrend seiner Haft in Israel, Heydrich habe ihm einige Tage vor der Konferenz persönlich und wörtlich mitgeteilt: „Der FĂŒhrer hat die physische Vernichtung der Juden befohlen.“[39] Im Eichmann-Prozess bestĂ€tigte er ferner, was die Tarnsprache des Protokolls meinte: „Es wurde von Töten und Eliminieren und Vernichten gesprochen.“[40]

Himmler berief sich in TagebucheintrĂ€gen und in seinen Posener Reden vor NS-TĂ€tern vom Oktober 1943 öfter auf Hitlers persönlichen Auftrag zur „Ausrottung“ der Juden. Laut Himmlers Leibarzt Felix Kersten soll er diesen Auftrag im FrĂŒhjahr 1941 erhalten haben.[41]

Wegen des Verlaufs und der erhaltenen Dokumente gehen Historiker davon aus, dass Hitler und die NS-Spitzenvertreter den Holocaust nicht an einem einzigen Datum, sondern ĂŒber lĂ€ngere Zeit beschlossen, planten und anordneten. Einige glauben, dass die Absicht der NS-Spitzen, alle sowjetischen Juden zu vernichten, im FrĂŒhjahr 1941 schon feststand und die Einsatzgruppen dann schrittweise an diese Aufgabe herangefĂŒhrt wurden. Die meisten nehmen an, dass erst nach Beginn dieser systematischen Morde beschlossen wurde, auch die europĂ€ischen Juden zu deportieren und zu ermorden. Kernfrage ist, ob dieser Beschluss auf die deutschen Siege im Juli oder die Misserfolge Ende August folgte. Viele halten die Monate September und Oktober 1941 fĂŒr den wahrscheinlichsten Entscheidungszeitraum. Einige sehen Hitlers Rede am 12. Dezember 1941 als Grundsatzentscheidung zum Holocaust an. Andere glauben, dass es keinen ausdrĂŒcklichen Befehl Hitlers zur „Endlösung“ gab und die NS-TĂ€tergruppen vor Ort im engen Zusammenspiel mit den Zentralbehörden die Opfergruppen ausweiteten.[42]

Systematische Massenerschießungen

Die Einsatzgruppen erschossen am 24. Juni 1941, zwei Tage nach dem Überfall auf die Sowjetunion, in GargĆŸdai erstmals die erwachsenen mĂ€nnlichen Juden einer Ortschaft.[43] In den ersten sechs Wochen folgten Massenmorde an hunderten bis tausenden Personen bei jedem Einsatz.

Ab Juli verĂŒbten auch antikommunistische Milizen in Nordostpolen, der Westukraine, Litauen und Weißrussland in enger Kooperation mit deutschen Einsatzgruppen und Wehrmacht pogromartige Massenmorde an jĂŒdischen MĂ€nnern, die sie als Rache fĂŒr vorherige, angeblich von Juden gesteuerte Massenmorde des NKWD rechtfertigten. Solche Milizen waren etwa die Gruppe „Eiserner Wolf“ in Litauen und die „Donnerkreuzler“ in Lettland; auch in der Ukraine gab es mehrere solche Gruppen. Seit FrĂŒhjahr 1941 hatten das RSHA und deutsche MilitĂ€rgeheimdienste Kontakte zu ihnen aufgebaut und geplant, sie nach dem Überfall als Auslöser von Pogromen gegen „jĂŒdische Bolschewisten“ zu benutzen.[44] Dieser Mordwelle fielen um die 40.000 sowjetische Juden zum Opfer.[45]

Am 15. Juli wurden in Mitau erstmals alle Juden einer Ortschaft ermordet. Ab 15. August erschoss besonders das Einsatzkommando 3 in Litauen und Lettland fast tĂ€glich auch jĂŒdische Frauen, Kinder und Greise auf SammelplĂ€tzen eroberter sowjetischer Orte; in Kaunas, Ponary bei Wilna und Schaulen, die ein Judenghetto hatten, auch mehrmals. In Estland konnten etwa 1000 Juden fliehen, 950 wurden ermordet.

Beim Massaker von Kamenez-Podolsk am 29./30. August 1941 wurden nach einer Absprache zwischen Jeckeln und Wehrmacht erstmals alle Juden einer grĂ¶ĂŸeren Stadt ermordet. Unter den 23.000 Opfern waren 14.000 aus Ungarn deportierte Juden. Ab 15. September begannen die Einsatzgruppen C und D sowie die Polizeibataillone, alle Juden grĂ¶ĂŸerer StĂ€dte der Ukraine zu ermorden: zuerst in Shitomir, dann in der Schlucht von Babyn Jar bei Kiew. Ab Oktober ermordeten Einsatzgruppen und Bataillone in der Westukraine alle Juden, die sie bei der ersten Mordwelle ĂŒbrig gelassen hatten. Auch in Weißrussland ermordeten SS, Polizei und die 707. Infanteriedivision ab Oktober die Juden in grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten wie Witebsk, Polozk, Borisow und in lĂ€ndlichen Gegenden. In weiter östlichen Gebieten Russlands konnten viele Juden rechtzeitig fliehen; die Verbliebenen wurden ebenfalls ermordet, so in Smolensk, Rostow und Kalinin. Am 30. November und 7./8. Dezember ließ der neue HSSPF Friedrich Jeckeln in Riga mit allen verfĂŒgbaren Polizeibataillonen den Großteil der lettischen Juden ermorden, um das dortige Ghetto fĂŒr nachrĂŒckende Judentransporte aus dem Deutschen Reich zu leeren.[46]

In Kaunas trafen vom 25. bis 29. November 1941 die ersten Transporte von deportierten Berliner Juden ein. Einsatzkommandos erschossen sie sofort nach ihrer Ankunft; so auch am 30. November in Riga. Damit begann faktisch die „Endlösung“ fĂŒr deutsche Juden. Zwar verbot Himmler die Erschießungen von Berliner Juden am 30. November und rĂŒgte Friedrich Jeckeln fĂŒr die Missachtung seiner „Richtlinien“. Doch man nimmt an, dass er die Ermordung reichsdeutscher Juden nur noch etwas aufschieben wollte, um das Durchsickern der Nachrichten davon im Reich zu verhindern. Im Februar 1942 wurden erneut deutsche Juden nach Lublin deportiert und in Riga erschossen.[47]

Erschießung von Juden aus Kiew bei Ivangorod, Ukraine (1942)
WĂ€hrend die meisten Juden im Generalgouvernement bereits in Vernichtungslagern ermordet wurden, wurden die Massenerschießungen in frĂŒher sowjetisch, nun deutsch besetzten Gebieten fortgesetzt. In WĂ€ldern bei GroßstĂ€dten richtete die Ordnungspolizei abgeriegelte Exekutionsorte ein: Ponar bei Wilna, Rumbula und BiÄ·ernieki bei Riga, Bronnaja Gora bei Brest und weitere. Die dorthin transportierten Opfer mussten sich entkleiden und wurden gruppenweise an RĂ€ndern ausgehobener Gruben erschossen, in die sie dann hineinfielen. Das Reserve-Polizei-Bataillon 101 war an der Exekution von 38.000 Juden und der Deportation von 45.000 Juden in Vernichtungslager beteiligt.[48] Darunter war auch das Massaker von JĂłzefĂłw am 13. Juli 1942. Auch in Serbien, Kroatien und RumĂ€nien wurden dort lebende Juden seit September 1941 massenhaft erschossen (s.u.).

Die folgende, unvollstĂ€ndige Tabelle umfasst nur grĂ¶ĂŸere und exemplarische kleinere Massenerschießungen.[49] AbkĂŒrzungen fĂŒr Einsatzgruppe = EG, Einsatzkommando = EK, Litauische Aktivistenfront = LAF, Organisation Ukrainischer Nationalisten = OUN, Polizeibataillon = PB, Sonderkommando = SK, Sicherheits- und Ordnungspolizei = OP.

Ort Datum TĂ€tereinheit Opfer
Bialystok 27. Juni 1941 PB 309 2000 MĂ€nner und Frauen
Lemberg 30. Juni-2. Juli 1941 OUN 4000 MĂ€nner
Daugavpils 1./2. Juli 1941 EK 1a 1150 MĂ€nner
Riga Anfang Juli 1941 EG A, litauische Hilfspolizei 400
Zloczow Anfang Juli 1941 SK 4b, OUN, SS-Wikinger 2000
Tarnopol 7. Juli 1941 SK 4b, OUN 800
Luzk 2. Juli 1941 SK 4a 1160 MĂ€nner
Lemberg 2.-6. Juli 1941 EK 5, 6, z.b.V. 2500 MĂ€nner
Kaunas 4.-6. Juli 1941 EK 3 2977 MĂ€nner
Brest 6. Juli 1941 PB 307 4000 MĂ€nner
Bialystok 8. Juli 1941 PB 316, 322 3000 MĂ€nner
Mitau 15. Juli 1941 EK 2 1550
Kaunas 25.-28. Juli 1941 LAF 3800
Lviv 29.-31. Juli 1941 OUN 2000
Pinsk 7.-8. August 1941 SS-Kavalleriebrigade 9000
Kamenez-Podolsk 27.-29. August 1941 PB 320, SS 26500
Shitomir 19. September 1941 EG C, D 3145
Kiew, Babij Jar 29.-30. September 1941 SK 4a, PB 45, 314 33771
Weißrussland ab Oktober 1941 707. Infanteriedivision 19000
Dnjepropetrowsk 13.-14. Oktober 1941 PB 314 11000
Rowno 5.-6. November EK 5, PB 320 15000
Riga 30. November, 7.-8. Dezember 1941 alle PB 26000
Simferopol 13.-15. Dezember 1941 EG D, Wehrmacht 12.000
Charkow ab 1. Januar 1942 PB 314 12000
Minsk 28.-30. Juli 1942 OP 10000
Luzk 19.-23. August 1942 OP 14700
Wladimir Wolynsk 1.-3. September 1942 OP 13500
Brest 15.-16. Oktober 1942 OP, PB 310 19000
Pinsk 28. Oktober 1942 PB 306, 310 18000

Am 31. Dezember 1941 meldete Himmler an Hitler 363.000 von August bis November als „Partisanen“ ermordete Juden. Bis zum Jahresende ermordeten die TĂ€tereinheiten mindestens 500.000 von etwa 2,5 Millionen sowjetischen Juden, die in den von Deutschen besetzten Gebieten lebten.[50] Bis zur Wannseekonferenz am 20. Januar waren etwa 900.000 Juden ermordet worden. Die Einsatzgruppen und Polizeibataillone erschossen insgesamt mindestens 2,2 Millionen Menschen, meist Juden, also etwa ein Drittel der Holocaustopfer.[51]

Vernichtungslager

Karte der Arbeits- und Vernichtungslager und Deportationswege im von Deutschland besetzten Europa um 1942
Bekanntmachung zur „Verkleinerung“ des Ghettos Litzmannstadt vom 22. August 1944

Bei der Planung des Vernichtungskrieges im FrĂŒhjahr 1941 hatte Hitler Hans Frank zugesagt, das Generalgouvernement dĂŒrfe als erstes „judenrein“ werden, also die dort lebenden Juden in die eroberten sowjetischen Gebiete abschieben. Als sich abzeichnete, dass der Kriegsverlauf diese Abschiebung vereiteln wĂŒrde, forderten die Gauleiter im besetzten Polen Massenmorde an Juden aus polnischen Ghettos. Dort breiteten sich infolge der gewollten ÜberfĂŒllung und völligen Abriegelung Seuchen aus. Angebliche ArbeitsunfĂ€higkeit, Ansteckungsgefahren und Belastungen der Deutschen und der Wehrmacht durch „unnĂŒtze Esser“ waren einige der VorwĂ€nde, um „radikale Lösungen“ fĂŒr die Ghettobewohner zu fordern.

Massenerschießungen galten bald als „ineffizient“. Gemeint war nicht nur ein fĂŒr die Mörder zu geringes Mordtempo, sondern auch die Probleme der TĂ€ter mit der Mordarbeit, die ihnen zu aufwĂ€ndig, nervenbelastend und vor allem zu auffĂ€llig wurde.[52] Anonymisierte Tötungsmethoden sollten die psychische Hemmschwelle der TĂ€ter senken oder beseitigen.

Der Gauleiter Arthur Greiser erreichte in Absprache mit Viktor Brack im Oktober 1941, dass im Wartheland die bei der Aktion T4 bewÀhrte Mordmethode der Vergasung mit Kohlenstoffmonoxid angewandt werden durfte. Dazu errichtete ein Sonderkommando der SS, dessen Mitglieder an den Krankenmorden 1939/40 beteiligt waren, in wenigen Wochen das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno). Am 8. Dezember wurden dort die ersten Juden aus Prag vergast.[53]

Zur geplanten RĂ€umung der polnischen Großghettos wurden von November 1941 bis Juli 1942 die Vernichtungslager Belzec, Sobibor und Treblinka gebaut. Deren Ärzte, Verwaltungs- und Transportspezialisten stammten ĂŒberwiegend aus der Aktion T4 und stiegen zum Teil in der SS-Hierarchie auf. Am 16. MĂ€rz 1942 begannen SS und Polizei in Absprache mit der MilitĂ€rverwaltung, zunĂ€chst die Ghettos von Lemberg und Lublin, ab Mai die im Distrikt Krakau zu leeren und die Bewohner nach Belzec zu transportieren. JudenrĂ€te zwang man zur Auswahl der Opfer, die sofort nach Ankunft ermordet wurden. Ab Mai 1942 wurden als „arbeitsunfĂ€hig“ eingestufte Juden der nĂ€heren Umgebung in Sobibor ermordet. Ende Mai war bei allen Zivilverwaltungsstellen in Polen Konsens, sĂ€mtliche „arbeitsunfĂ€higen“ Juden zu ermorden, so dass sie diese in drei Kategorien einstuften (kriegsfĂ€hig - arbeitsfĂ€hig - arbeitsunfĂ€hig) und auch in kleineren Orten ĂŒberall Ghettos fĂŒr sie einrichteten. Diese Vorbereitungen wurden in Lublin zentral organisiert; das gesamte Mordvorhaben wurde nach dem kurz zuvor ermordeten Reinhard Heydrich Aktion Reinhard genannt. Als Mordmethode wurden meist Motorabgase benutzt. Fast alle Ankömmlinge wurden ungeachtet ihrer ArbeitsfĂ€higkeit umgebracht und nur ausnahmsweise verschont, um in ein internes HĂ€ftlingskommando eingegliedert zu werden.[54]

Weitere Vernichtungslager waren das KZ Majdanek und Maly Trostinez bei Minsk in Weißrussland.

Ab August 1942 wurden auf Befehl der MilitĂ€rverwaltungen, die Nahrungsmittelkontingente einsparen wollten, noch bestehende Ghettos in Weißrussland und der Ukraine „gerĂ€umt“: Das bedeutete vollstĂ€ndige Ermordung ihrer Bewohner, besonders in Wolhynien, Luzk, Wladimir Wolynsk, Brest-Litowsk und Pinsk. Dabei wurden in Maly Trostinez auch Gaswagen eingesetzt. An vielen dieser Massaker waren Wehrmachtseinheiten, drei Polizeibataillone, die stationĂ€re Schutzpolizei, die Gendarmerie und auslĂ€ndische Helfer direkt beteiligt.

Zur Tarnung der geplanten Ermordung diente fĂŒr einen Kreis privilegierter Juden das Ghetto Theresienstadt genannte Konzentrationslager bei Prag. 1941 wurde es als Durchgangslager zum spĂ€teren Abtransport in die Vernichtungslager eingerichtet. Juden aus Deutschland konnten sich sogar unter Vorspiegelung einer Versorgung dort „einkaufen“. In TerezĂ­n lebten mehr als 140.000 Juden auf engstem Raum unter Beteiligung einer minimalen „jĂŒdischen Selbstverwaltung“. Einer Delegation des Roten Kreuzes wurde dieses KZ im Juli 1944 als Ort eines relativ „normalen Lebens“ der HĂ€ftlinge vorgetĂ€uscht.

Hauptziel der Transporte aus allen Teilen Europas wurde 1942 das grĂ¶ĂŸte Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau II. Am 26. September 1941 hatte Himmler Rudolf HĂ¶ĂŸ zum Ausbau des seit 1940 bestehenden Zwangsarbeitslagers beauftragt. Dort gehörten einzelne Morde durch Wachpersonal zum Alltag. So ließ Karl Fritzsch zwischen 31. August und 5. September 1941 auf eigene Initiative zur Erprobung des giftgashaltigen Produkts Zyklon B erstmals 850 sowjetische Kriegsgefangene und kranke HĂ€ftlinge ermorden.[55] FĂŒr das Zusatzlager waren sechs große Krematorien vorgesehen. Ob sie schon bei Baubeginn fĂŒr Morde gedacht waren, ist ungewiss. Ab Dezember 1942 wurden auch „Reichsjuden“ dorthin deportiert, ab MĂ€rz 1942 nur noch dorthin. Ende Juni 1942 begannen die Selektionen von arbeitsfĂ€higen und sofort zu ermordenden Juden an der Rampe, wo die ZĂŒge eintrafen. Ab Juli 1942 waren zwei Gaskammern („Bunker“) fertiggestellt, wo bis Februar 1943 die Morde stattfanden. Im MĂ€rz 1943 waren die Krematorien mit jeweils einer Gaskammer fertiggestellt und dienten dann zur tĂ€glichen Ermordung und sofortigen Verbrennung von tausenden Ankömmlingen.[56]

Aus dem ganzen von deutschen Truppen besetzten Europa wurden bis Kriegsende Menschenmassen in die Vernichtungslager deportiert. Soweit sie nicht schon beim Zugtransport, meist in ungeheizten Viehwaggons, umgekommen waren, wurden sie nach ihrer Ankunft zum Teil in ArbeitsfĂ€hige und Nicht-ArbeitsfĂ€hige selektiert. Kinder und ihre MĂŒtter, Alte und Kranke, wurden gleich nach der Selektion in Gaskammern gefĂŒhrt, die meist als DuschrĂ€ume getarnt waren. In Auschwitz wurden sie mit Zyklon B „vergast“ Damit wurden fast alle in Transporten ankommenden Menschen sofort ermordet. Das Gas verursachte einen qualvollen, bis zu 20 Minuten dauernden Erstickungstod. Die Leichen wurden anschließend in Krematorien verbrannt. Körperliche Überreste – Haare und GoldzĂ€hne – und PrivatgĂŒter der Opfer – Kleidung, Schuhe, Brillen, Koffer usw. – wurden von der SS industriell verwertet.

Hinzu kamen Menschenversuche zu militĂ€rischen, medizinischen und anderen Zwecken in den Lagern. Die Opfer wurden zum Beispiel in Druckkammern extrem hohem oder niedrigem Luftdruck ausgesetzt, in Eiswasser unterkĂŒhlt, mit Bakterien infiziert, fĂŒr chirurgische Versuche und vieles mehr missbraucht. Die TĂ€ter, etwa der SS-Arzt Josef Mengele, nahmen den Tod oder lebenslange GesundheitsschĂ€den der Versuchspersonen bewusst und ohne jede Skrupel in Kauf. An vielen deutschen und schweizerischen Forschungseinrichtungen fanden sich noch bis vor kurzem menschliche Körperteile, die einst von den Nationalsozialisten zu „Untersuchungszwecken“ angefordert und geliefert worden waren.

Eine exemplarische Beschreibung fĂŒr Auschwitz-Birkenau gibt Raul Hilberg: Nach der Entladung der Deportations-ZĂŒge erfolgte die Selektion: Alte, Kranke und gelegentlich auch kleine Kinder wurden bereits auf der Rampe aussortiert. Im Stammlager Auschwitz brachte man die Alten und Kranken auf Lastwagen zu den Gaskammern, krĂ€ftige Personen kamen zunĂ€chst zum Arbeitseinsatz. Die Selektion verlief dabei oberflĂ€chlich, die Angekommen wurden an dem Arzt vorbeigetrieben, der in eine von zwei Richtungen wies: entweder zum Arbeitseinsatz oder sofort in die Gaskammer. Auch in den Lagern selbst und vor allem in den dortigen KrankenhĂ€usern kam es zu regelmĂ€ĂŸigen Selektionen. Die der Gaskammer zugeteilten MĂ€nner und Frauen mussten sich entkleiden, wobei der Eindruck erweckt wurde, dass die Kleider nach dem angekĂŒndigten gemeinsamen Duschen zurĂŒckgegeben wĂŒrden. Zur Beschleunigung des Ablaufes behauptete die Wachmannschaft beispielsweise, man solle sich beeilen, da sonst das Wasser in den Duschen oder die Suppe nach dem Duschen kalt wĂŒrde. Es kam gelegentlich auch im Winter vor, dass die entkleideten Menschen stundenlang barfuß im Freien stehen mussten, bis sie an die Reihe kamen, wobei sie in manchen FĂ€llen die Schreie derer hörten, die vor ihnen in die Gaskammern gegangen waren. Die Opfer entdeckten in den Gaskammern, dass die vermeintlichen Duschen nicht funktionierten. Nach dem Schließen der TĂŒren löschte die Wachmannschaft die Beleuchtung, ein SS-Mann mit spezieller Gasmaske öffnete den Deckel des Schachtes an der Decke und schĂŒttete Zyklon B in die Gaskammer. In Panik stießen die stĂ€rkeren die schwĂ€cheren Menschen nieder und stellten sich auf die Liegenden und Umfallenden, um gasfreie Luftschichten zu erreichen. Der Todeskampf dauerte bei Zyklon B in der Regel etwa zwei Minuten. Das Schreien hörte auf und die Sterbenden fielen ĂŒbereinander, sofern genĂŒgend Platz war. Innerhalb von fĂŒnfzehn Minuten waren alle in der Gaskammer tot. Man ließ das Gas entweichen und nach etwa einer halben Stunde wurde die TĂŒre geöffnet. Die Leichen fanden sich turmartig angehĂ€uft, manche in sitzender und halbsitzender Position, Kinder und Ă€ltere Menschen zuunterst. An der Stelle, wo das Gas eingeworfen worden war, befand sich ein freier Raum, da die Menschen von dort zurĂŒckgewichen waren. Eine HĂ€ufung von Menschen befand sich gepresst an der EingangstĂŒre, die sie zu öffnen versucht hatten. Die Haut der Leichen war rosafarben, teilweise stand Schaum vor den Lippen oder es hatte Nasenbluten eingesetzt. Einige Leichen waren mit Kot und Urin bedeckt, bei manchen schwangeren Frauen hatte die Geburt eingesetzt. JĂŒdische Sonderkommandos mit Gasmasken beseitigten zunĂ€chst die Leichen an der TĂŒr, um sich den Weg freizumachen. Dann spritzten sie die Leichen ab und zerrten die Leichen auseinander. Sofern den Frauen das Haar noch nicht geschoren worden war, wurde es jetzt geschnitten und vor dem Einpacken in Salmiaklösung gewaschen. In allen Lagern wurden die Körperhöhlen nach versteckten Wertsachen durchsucht, die GoldzĂ€hne gezogen. Abschließend wurden die Leichen zu den Krematorien abtransportiert.[57]

Über drei Millionen Menschen wurden durch Giftgas getötet; ein Drittel von ihnen durch Zyklon B, die meisten durch Motorabgase.[58]

Lager Baubeginn Mordbeginn Schließung/Befreiung Ermordete Überlebende
Auschwitz-Birkenau II Oktober 1941 MĂ€rz 1942 27. Januar 1945 900.000-1,1 Mio
Kulmhof Oktober 1941 Dezember 1941 MĂ€rz 1943 200.000-250.000
Belzec 1. November 1941 MĂ€rz 1942 Dezember 1942 435.000 3
Sobibor Februar 1942 April 1942 Oktober 1942 160.000-200.000 40
Treblinka 1. Juni 1942 22. Juli 1942 21. August 1943 850.000 50
Majdanek Oktober 1941 Februar 1943 23. Juli 1944 250.000
Maly Trostinez November 1941 11. Mai 1942 Juni 1944 200.000

Europaweite Judenvernichtung

Beginn systematischer Deportationen

Datum Land, Stadt Ziel[59]
16. Oktober 1941 Böhmen und MÀhren Ghetto Lodz
24. November 1941 Prag Theresienstadt
25. November 1941 Berlin Kaunas, Riga
16. MĂ€rz 1942 Lublin Belzec
30. Juni 1942 Wien Sobibor
17. Juli 1942 Frankreich, Benelux Auschwitz
22. Juli 1942 Warschau Auschwitz
4. MĂ€rz 1943 Thrakien, Mazedonien, Pirot Treblinka
15. MĂ€rz 1943 Griechenland Auschwitz
2. Oktober 1943 DĂ€nemark Theresienstadt
17. Oktober 1943 Italien Auschwitz
15. Mai 1944 Ungarn Auschwitz

Balkan

Nach dem Balkanfeldzug (6. April-1. Juni 1941) ließ die deutsche MilitĂ€rverwaltung in Serbien Lager fĂŒr Gegner, Partisanen und Juden einrichten. Ab September 1941 veranlasste sie Massenmorde an mĂ€nnlichen Juden in den Ortschaften. Ab dem 16. Oktober wurden nach jedem Partisanenanschlag hunderte internierte Juden ermordet.[60] Ab Dezember 1941 wurden jĂŒdische Frauen, Kinder und Greise Serbiens in das Lager Semlin interniert. Im Mai 1942 ermordete die dortige Gestapo 6000 von ihnen mit einem Gaswagen.

In Kroatien erließ das faschistische Ustascha-Regime schon im April 1941 Rassegesetze gegen Juden und Roma, denen bald Kleiderkennzeichen fĂŒr Juden folgten. Nach Angehörigen der serbischen Minderheit ermordeten sie ab August 1941 auch Tausende kroatische Juden in dazu eingerichteten Lagern. Ab August 1942 deportierten sie auf DrĂ€ngen der Deutschen 5500 internierte Juden nach Auschwitz. Im Mai 1943 wurden die auf italienischen Druck hin zwischenzeitig eingestellten Transporte wieder aufgenommen. Die italienischen Besatzungsbehörden retteten Tausenden kroatischen Juden das Leben, indem sie diese auf der Insel Rab internierten.

Benelux-Staaten

Ebenfalls im Juli 1942 begannen die Deportationen von etwa 25.000 Juden aus Belgien und etwa 107.000 Juden aus den Niederlanden. WĂ€hrend stĂ€ndige zĂ€he Verhandlungen mit dem Vichy-Regime die Deportationen aus Belgien im FrĂŒhjahr 1943 stocken ließen, gingen die aus den Niederlanden unvermindert weiter.

Bulgarien

In Bulgarien fĂŒhrte die Regierung im Juli 1942 Rassengesetze ein und gab bulgarische Juden auf deutschem Gebiet zur Deportation frei. Im MĂ€rz und April 1943 verhaftete sie circa 11.300 im von ihr besetzten Mazedonien und Thrakien aufgefundene bulgarische Juden, um sie den Deutschen auszuliefern. Die ĂŒbrigen inlĂ€ndischen bulgarischen Juden blieben jedoch verschont.

Deutsches Reich

Am 17. September 1941 entschied Hitler, die bis dahin fĂŒr die Nachkriegszeit vorgesehene Deportation aller reichsdeutschen und europĂ€ischen Juden aus von Deutschland besetzten Gebieten nach Osteuropa noch wĂ€hrend des Krieges zu beginnen. Nun fuhren die ersten TransportzĂŒge aus Berlin, MĂŒnchen, Wien, Prag nach ƁódĆș, um zunĂ€chst 19.000 Juden in das ohnehin völlig ĂŒberfĂŒllte dortige Ghetto zu sperren. DafĂŒr wurden ab Januar 1942 nichtdeutsche Ghettobewohner nach Kulmhof zur Vergasung gebracht. Ab MĂ€rz mussten auch Juden im Alter von ĂŒber 65 Jahren, die bis dahin verschont worden waren, die DeportationszĂŒge besteigen. Die Presse durfte nichts mehr darĂŒber berichten. Im Mai wurden grĂ¶ĂŸere Gruppen auch deutscher Juden in Minsk und Kulmhof ermordet. Ab Juni sind erste direkte Transporte aus dem Reich in Vernichtungslager wie Sobibor und Belzec nachgewiesen.[61]

Frankreich

Im MĂ€rz 1942 wurden erstmals auch 1000 französische, in CompiĂšgne inhaftierte Juden nach Auschwitz deportiert. Im Mai besuchte Heydrich Paris, um ein großes Deportationsprogramm mit dem Vichy-Regime zu besprechen. Dazu gehörte die EinfĂŒhrung des Judensterns. Am 16. und 17. Juli nahm die Polizei in Paris bei einer Razzia etwa 13.000 Juden ohne gĂŒltigen Pass fest. Sie wurden mit regelmĂ€ĂŸigen ZĂŒgen vom Sammellager Drancy nach Auschwitz gebracht und dort meist sofort ermordet. Auch aus der unbesetzten Zone Frankreichs wurden ab 17. August 1942 eingewanderte Juden mitsamt ihren Kindern, die eigentlich als französische StaatsbĂŒrger rechtlichen Schutz genossen, in die osteuropĂ€ischen Vernichtungslager deportiert. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in den bislang unbesetzten Teil Frankreichs im November 1942 wurden diese Transporte von den Gefolgsleuten Eichmanns organisiert. Die französischen und italienischen Behörden in der bis September 1943 italienisch besetzten Zone um Nizza verweigerten oft die Auslieferung, so dass mehr als die HĂ€lfte aller französischen Juden dem Abtransport entgingen. 75.000 von ihnen wurden deportiert, etwa 3000 davon ĂŒberlebten die Lager.

Italien

Etwa 9000 Juden Italiens wurden nach dem Sturz Benito Mussolinis von Oktober 1943 bis Dezember 1944 großenteils nach Auschwitz deportiert. Zudem wurden viele Juden Norditaliens und der AdriakĂŒste bis Kriegsende von Einsatzgruppen, die aus Polen dorthin verlegt worden waren, aufgespĂŒrt und ermordet.[62]

Griechenland

In Griechenland wurden die Juden je nach Besatzungsbehörde sehr verschieden behandelt. Im italienisch besetzten westlichen Teil schĂŒtzten die Behörden sie bis September 1943; in den deutsch und bulgarisch besetzten östlichen Teilen wurden die Juden aus mehreren Ghettos Salonikis ab MĂ€rz 1943 nach Auschwitz transportiert. Nach der Kapitulation Italiens vor den Alliierten schickten die Deutschen mit großem logistischem Aufwand tausende weiterer Juden aus Korfu und dem damals italienischen Rhodos dorthin. Insgesamt wurden rund 54.000 Juden aus Griechenland ermordet.

Deportation jĂŒdischer Frauen, ĂŒberwacht von einem rumĂ€nischen Soldaten, 17. Juli 1941

RumÀnien

Die Regierung RumĂ€niens unter Antonescu ließ etwa 350.000 rumĂ€nische Juden in den von ihr besetzten Gebieten in großen Massenmorden nahezu vollstĂ€ndig ausrotten. Nur die Juden Transsylvaniens blieben bis MĂ€rz 1944 unter dem Schutz Ungarns, bis auch sie mit den ungarischen Juden direkt nach Auschwitz deportiert wurden. Die bereits fest geplante Deportation der Juden AltrumĂ€niens ließ der Staatschef im Oktober 1942 ĂŒberraschend stoppen. Diese waren jedoch weiterhin Verfolgung und Pogromen ausgesetzt.

Skandinavien

DĂ€nemark wurde ab 9. April 1940 von der Wehrmacht besetzt. Seine demokratisch gewĂ€hlte Regierung durfte unter deutscher Besatzung zunĂ€chst weiterarbeiten. Sie verhinderte erfolgreich die EinfĂŒhrung von Judenstern und Rassengesetzen. Als der dĂ€nische Widerstand im Sommer 1943 anwuchs, beschloss die deutsche MilitĂ€rverwaltung die Deportation der dĂ€nischen Juden. Weil der 1./2. Oktober 1943 als Termin der Festnahme durchgesickert war, konnten 7200 von ihnen rechtzeitig mit Fischerbooten in das neutrale Schweden fliehen. 483 dĂ€nische Juden wurden nach Theresienstadt deportiert, wo bis auf 50 alle ĂŒberlebten (siehe Rettung der dĂ€nischen Juden).

734 norwegische Juden fanden in Auschwitz den Tod. Finnland lehnte eine Auslieferung der finnischen Juden ab. Von diesen kÀmpften einige auf deutscher Seite gegen die Sowjetunion.

Slowakei

Das im MĂ€rz 1939 gebildete Marionettenregime der Slowakei unter Jozef Tiso hatte schon im November 1938 mit eigenen Deportationen slowakischer Juden nach Ungarn und in Arbeitslager begonnen. Auf das DrĂ€ngen des slowakischen MinisterprĂ€sidenten Vojtech Tuka[63] hin wurden ab MĂ€rz 1942 unter der Regie Eichmanns etwa 58.000 slowakische Juden in den Distrikt Lublin, nach Auschwitz und Majdanek deportiert. Die meisten starben dort an Hunger, Zwangsarbeit und Seuchen. Im August 1942 wurden diese Transporte nach kirchlichen Protesten vorĂŒbergehend gestoppt. Zwei Jahre spĂ€ter besetzte die Wehrmacht die Slowakei; eine eigene Einsatzgruppe inhaftierte und deportierte etwa 12.000 untergetauchte slowakische Juden.

Ungarn

Ungarn war von 1941 bis 1944 mit NS-Deutschland verbĂŒndet. Es hatte die Karpato-Ukraine besetzt und erhielt 1940 von Hitler den nördlichen Teil SiebenbĂŒrgens zugesprochen.

Sofort nach dem Überfall auf die Sowjetunion begann die Regierung von Miklos Horthy, die Juden aus den ungarisch besetzten Gebieten ĂŒber die östlichen Grenzen zu treiben und nach Ost-Galizien zu deportieren. Dies war eine Mitursache fĂŒr das Massaker von Kamenez-Podolsk, wo sich 14.000 deportierte ungarische Juden gesammelt hatten. Danach unterließ Horthy weitere Deportationen, schuf aber Bataillone aus jĂŒdischen Zwangsarbeitern, die mit den ungarischen Truppen gegen die Rote Armee kĂ€mpfen mussten. Davon starben etwa 42.000, viele auch durch Morde deutscher Polizisten.

Weil Horthy die ĂŒbrigen ungarischen Juden trotz der NĂ€he der Roten Armee noch nicht deportieren ließ, besetzte die Wehrmacht im MĂ€rz 1944 Ungarn. Ein auf Hitlers Befehl entsandtes Einsatzkommando Eichmanns richtete mit Hilfe deutschfreundlicher ungarischer Beamter und Polizei Ghettos fĂŒr die Juden ein. Ab 15. Mai 1944 wurden insgesamt 437.000 ungarische Juden zunĂ€chst aus den Randprovinzen, ab Juli 1944 auch aus Budapest nach Auschwitz deportiert; 320.000 davon wurden dort direkt vergast. Viele Leichen wurden unter freiem Himmel verbrannt, weil die Krematorien nicht schnell genug arbeiteten. 15.000 Juden wurden entgegen Hitlers Prinzip von 1941, keine Juden mehr ins Deutsche Reich zu bringen, nach Strasshof an der Nordbahn in Niederösterreich deportiert.

Nach massiven Protesten der WestmĂ€chte und des Vatikan ließ Horthy die Transporte am 6. Juli unterbrechen. Eichmann konnte danach noch einige wenige Transporte durchfĂŒhren.

Am 15. Oktober gelang den rechtsextremen Pfeilkreuzlern mit deutscher Hilfe ein Putsch gegen Horthy. Sie ermordeten etwa 9000 Juden aus dem Budapester Ghetto. Viele Ghettobewohner konnten zeitweise mit schwedischen oder schweizerischen SchutzpĂ€ssen ĂŒberleben. Aber etwa 78000 der verbliebenen Juden Ungarns wurden gefasst und von Eichmann auf einen Todesmarsch nach Österreich geschickt. Die Überlebenden mussten in Lagern am SĂŒdostwall Zwangsarbeit leisten.[64]

Schlussphase

→ Hauptartikel: Sonderaktion 1005 und Todesmarsch

Schon Ende 1941, nach der verlorenen Schlacht vor Moskau, planten die HolocausttĂ€ter im RSHA, die Spuren von NS-Massenmorden zu beseitigen, bevor die Rote Armee sie entdecken konnte. Ab Herbst 1942 wurden zuerst in Kulmhof und Belzec Leichen exhumiert und verbrannt. Das Lager wurde geschlossen. Die GebĂ€ude und ZĂ€une des Lagers Treblinka mussten „Arbeitsjuden“ abreißen; dann wurden sie erschossen. Das GelĂ€nde wurde umgepflĂŒgt und BĂ€ume darauf gepflanzt.[65]

Nachdem Wehrmachtssoldaten im April 1943 MassengrĂ€ber von Opfern des sowjetischen Massakers von Katyn entdeckt hatten, ließ das RSHA die „Sonderaktion 1005“ einleiten: Mehrere Sonderkommandos zwangen Juden und sowjetische Kriegsgefangene zum Aufgraben der MassengrĂ€ber von Juden und Verbrennen ihrer Leichen, etwa in Babij Jar. Sie mussten die Knochen der Mordopfer zermahlen und zusammen mit der Asche der Leichen in WĂ€ldern zerstreuen. Im MĂ€rz 1944 wurden auch diese Zwangsarbeiter als unliebsame Zeugen ermordet. Solche Vertuschungssuche folgten auch in Polen und auf dem Balkan. Da sich Massenerschießungen und Lagerstandorte aber kaum geheimhalten ließen, wurden nach Kriegsende fast alle MassengrĂ€ber von NS-Verbrechen entdeckt.

Seit der verlorenen Schlacht um Stalingrad im MĂ€rz 1943 zog sich die Wehrmacht allmĂ€hlich aus Osteuropa zurĂŒck. Gefangene der Deutschen sollten der Roten Armee auf keinen Fall in die HĂ€nde fallen. Beim RĂŒckzug verĂŒbten Wachpersonal, Gestapo und Sicherheitspolizei daher viele Massaker an zehntausenden GefĂ€ngnis- und LagerhĂ€ftlingen, teils auf eigene Initiative, teils auf zentralen Befehl. So befahl der Chef der Sicherheitspolizei im Generalgouvernement am 20. Juli 1944 die „TotalrĂ€umung“ aller dortigen GefĂ€ngnisse, die „Liquidierung“ der Insassen, falls Transporte unmöglich seien, das Verbrennen der Leichen und Sprengen der GebĂ€ude.

DemgemĂ€ĂŸ hatten Lagerverwaltungen und regionale PolizeifĂŒhrer seit Dezember 1943 die ersten Transporte nach Westen organisiert und dabei „nicht transportfĂ€hige“ Menschen selektiert und direkt ermordet. Im Januar 1945 begann die „Evakuierung“ aller KZs im Osten, die bis in die letzten Kriegstage im April fortgesetzt wurde. Aus dem KZ Stutthof mussten 17.000, aus Auschwitz 58.000 Menschen zu Fuß nach Westen marschieren. Wer nicht mitkam oder stĂŒrzte, wurde von Bewachern, teils auch Einheimischen beim Durchzug eines Ortes, erschossen. Auch bei Weitertransporten in völlig ĂŒberfĂŒllten ZĂŒgen starben tausende, ebenso in Aufnahmelagern. Nur etwa 1500 Personen dieser beiden TodesmĂ€rsche erreichten das Altreich lebend.

Bei diesen Maßnahmen wurden die etwa 200.000 Juden, die die Zwangsarbeits- und Vernichtungslager bis dahin ĂŒberlebt hatten, erneut besonders brutal behandelt. Man schĂ€tzt, dass etwa 100.000 Menschen durch TodesmĂ€rsche, insgesamt 300.000 durch Gefangenenmorde umkamen.

Ab Februar 1945 ließen NS-Behörden auch Akten verbrennen. Per Runderlass ordneten Gauleiter an, besonders „Geheimbefehle des FĂŒhrers“ und andere Geheimdokumente zu Mord- und Ausrottungsbefehlen zu vernichten.[66]

Gesamtzahlen jĂŒdischer Opfer

Die Opferzahlen des Holocausts ließen sich bis 1990 nur annĂ€hernd schĂ€tzen. Im NĂŒrnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wurde 1946 erstmals die ungefĂ€hre Zahl von sechs Millionen ermordeter Juden genannt. In einer eidesstattlichen ErklĂ€rung sagte Wilhelm Höttl, bis 1945 Mitarbeiter im Reichssicherheitshauptamt, aus, Eichmann habe ihm berichtet:[67]

„In den verschiedenen Vernichtungslagern seien etwa vier Millionen Juden getötet worden, wĂ€hrend weitere zwei Millionen auf andere Weise den Tod fanden, wobei der grĂ¶ĂŸte Teil davon durch die Einsatzkommandos der Sicherheitspolizei wĂ€hrend des Feldzuges gegen Rußland durch Erschießen getötet wurde.“

Holocaustforscher nahmen jedoch zunÀchst an, von 1939 bis 1945 seien weniger Juden ermordet worden: Gerald Reitlinger schÀtzte sie 1953 auf 4,2 bis 4,7,[68] Raul Hilberg 1961 auf 5,1 Millionen.[69] Martin Gilbert kam 1982 auf 5,7 Millionen.[70] 1987 trug die von einem internationalen Autorenkollektiv verfasste EnzyklopÀdie des Holocaust die damals möglichen genauesten SchÀtzungen aus vielen EinzellÀndern zusammen und kam so auf etwa 5,6 Millionen.

Durch die Freigabe sowjetischer Archive seit 1990 konnten die bis dahin ungewissen Opferzahlen fĂŒr Polen und die Sowjetunion etwa anhand von Deportationslisten, ZugfahrplĂ€nen und Mitgliedlisten jĂŒdischer Gemeinden vor und nach dem Holocaust ĂŒberprĂŒft werden. Dabei stellte sich heraus, dass die Opferzahlen der Konzentrationslager Auschwitz zwar niedriger lagen als zuvor vermutet, dass aber allein dort 1,1 Millionen Menschen, darunter mindestens 900.000 Juden, ermordet worden waren.[71]

Wolfgang Benz befasste sich in „Dimension des Völkermords“ (erschienen 1991, 2. Auflage. 1996) mit allen heute zugĂ€nglichen Quellen, Auswertungs- und Berechnungsmethoden der Opferzahlen. Burkhard Asmuss veröffentlichte 2002 eine Aufstellung mit teilweise gröberen SchĂ€tzungen.[72] Insgesamt erhĂ€rtete sich dabei eine Gesamtopferzahl von mindestens 5,6 bis zu 6,3 Millionen ermordeten jĂŒdischen Menschen. Dazu kommen Zahlen fĂŒr Verletzte und Vertriebene.

Die GedenkstĂ€tte Yad Vashem in Jerusalem nannte im Dezember 2010 ĂŒber vier Millionen Opfer in ihrer Personenkartei namentlich, also als identifiziert. 2,2 Millionen Namen wurden von Angehörigen oder Freunden beigesteuert, die anderen stammen aus Archiven oder Recherchen.[73]

Land Dimension des Völkermords (2/1996) EnzyklopÀdie des Holocaust (4/2002) Burkhard Asmuss (1/2002)
Albanien deportiert 591 — —3
Belgien 28.518 28.900 25.000
Bulgarien 11.3931 — —
DĂ€nemark 116 60 —3
Deutschland 160.000–195.0002 134.500–141.500 165.000
Estland — — 1.000
Frankreich 76.134 77.320 75.000
Griechenland 59.185 60.000–70.000 59.000
Italien 6.513 7.680 7.000
Jugoslawien 60.000–65.000 56.200–63.300 65.000
Lettland — — 67.000
Litauen — — 160.000
Luxemburg 1.200 1.950 —3
Niederlande 102.000 100.000 102.000
Norwegen 758 762 —3
Österreich 65.900 50.000 65.000
Polen 2.700.000 2.900.000–3.000.000 3.000.000
RumĂ€nien 211.214 271.000–287.000 350.000
Sowjetunion 2.100.000 1.211.500–1.316.500 1.000.000
Tschechoslowakei 143.000 146.150–149.150 260.000
Ungarn 550.000 550.000–569.000 270.000
weitere LĂ€nder — — 2.8003
Summe 6.276.522–6.316.522 5.596.022–5.863.122 5.673.800
Anmerkungen:
Keine Angaben: -
1 Die Zahlen beziehen sich auf Juden aus bulgarisch besetzten Gebieten; alle bulgarischen Juden wurden gerettet.
2 Benz nennt 165.000 als realistische SchÀtzung.
3 Asmuss fasst die Opfer aus Albanien, DĂ€nemark, Luxemburg, Norwegen und Nordafrika in einer Zahl unter „weitere LĂ€nder“ zusammen.

TĂ€ter

Der Holocaust war kein Projekt einer Einzelbehörde und wurde nicht nur von bestimmten dazu beauftragten TĂ€tern durchgefĂŒhrt, sondern von vielen Institutionen aller deutschen Gesellschaftsbereiche ermöglicht, mit getragen, geplant, organisiert und vollzogen. Seit den Forschungen Raul Hilbergs werden dabei bĂŒrokratische EntscheidungsablĂ€ufe, Arbeitsteilung, ZustĂ€ndigkeiten und ihr Zusammenwirken untersucht, aber auch gemeinsame Interessen, ideologischer Konsens und praktische BĂŒndnisse zwischen alten und neuen Eliten, FĂŒhrung und Bevölkerungen.

Historiker gehen heute von bis zu 500.000 „an den Schreibtischen wie auf den SchauplĂ€tzen“ an den Judenmorden beteiligten, meist mĂ€nnlichen, Deutschen und Österreichern sowie nochmals einigen Hunderttausend Kollaborateuren aus den von Deutschland besetzten oder mit ihm verbĂŒndeten Staaten aus.[74] HaupttĂ€ter waren Mitglieder aller MachtsĂ€ulen des NS-Staates:

  • Adolf Hitler und der engere FĂŒhrungszirkel des NS-Regimes, die die Leitlinien der Vernichtungspolitik bestimmten und in allgemeine Befehle und Verordnungen umsetzten,
  • die Massenpartei NSDAP, die die Hetzpropaganda entfaltete, die den Holocaust vorbereitete und begleitete, deren Gauleiter und Ortsgruppenleiter die Entrechtung und Deportation der Juden und anderer Opfergruppen in ihrem Bereich vorantrieben, deren SA und Hitlerjugend direkt an Verfolgungs- und Mordaktionen in der Vorkriegszeit (zum Beispiel Judenboykotte 1933ff., Novemberpogrome 1938) und gegen Kriegsende (Endphaseverbrechen gegen KZ-HĂ€ftlinge auf TodesmĂ€rschen usw.) teilnahmen;
  • die SS als dem FĂŒhrer persönlich verpflichtete elitĂ€re Terrororganisation, deren weitverzweigte Untergliederungen die rassistische Bevölkerungs- und Vernichtungspolitik in den eroberten und eingegliederten Gebieten durchfĂŒhrten und dort das entsprechende Lager- und Ghettosystem organisierten. Hier wird nicht nur den Einsatzgruppen, sondern auch den Polizeibataillonen und ihren jeweiligen Vorgesetzten, den Höheren SS- und PolizeifĂŒhrern sowie den SS-HauptĂ€mtern – besonders dem Reichssicherheitshauptamt – eine Hauptverantwortung an den Massenmorden zugewiesen.
  • die Gestapo, Ordnungs-, Sicherheits- und Kriminalpolizei: Sie sollten möglichst alle „Reichs- und Volksfeinde“ aufspĂŒren, ĂŒberwachen und „ausschalten“ und wirkten dabei mit der SS zusammen.
  • die Wehrmacht: Deren Oberkommandos und GenerĂ€le trugen die Vernichtungsziele des Krieges gegen die Sowjetunion mit, setzten sie in völkerrechtswidrige Befehle um und halfen auf vielfĂ€ltige Weise bei der Judenvernichtung, etwa indem sie Soldaten fĂŒr Massenerschießungen bereitstellten, die Judenkennzeichnung in besetzten Gebieten erzwangen, jĂŒdische Kriegsgefangene aussonderten und Juden als Partisanen ermorden ließen oder selbst ermordeten.
  • viele Wirtschafts- und IndustrieverbĂ€nde und Unternehmen, die von der Arisierung, Zwangsarbeit und vom Aufbau der Vernichtungsindustrie in den Lagern profitierten und daran mitwirkten.
  • die zivilen und militĂ€rischen Besatzungsverwaltungen, besonders in Osteuropa, die die wirtschaftliche Ausbeutung und rassistische Bevölkerungspolitik in ihren Gebieten organisierten, durchfĂŒhrten, zum Teil in einen Wettlauf bei deren „Entjudung“ eintraten und dazu Druck auf die Berliner Zentralbehörden ausĂŒbten.
  • das Personal vieler Staats- und Verwaltungsbehörden, die mit Gesetzen, Verordnungen, Verwaltungsakten und konkreten Maßnahmen an der Judenverfolgung, -ausgrenzung, -deportation und -vernichtung mitwirkten: [75] Es gab kaum eine Behörde, [
], die nicht „von Amts wegen“ fĂŒr die „Lösung“ einer „Judenangelegenheit“ zustĂ€ndig war.

Als indirekte, aber deswegen nicht weniger verantwortliche TĂ€tergruppen werden erachtet:

  • Wissenschaftsinstitute, UniversitĂ€ten und FakultĂ€ten, die – z. B. in der Medizin, Völkerkunde und Raumplanung – mit interessegeleiteter Forschung ideologische GrĂŒnde lieferten, PlĂ€ne erstellten, AuftrĂ€ge vergaben und sich – etwa durch die Abnahme von Leichen fĂŒr „anatomische Rassestudien“ oder von lebenden HĂ€ftlingen fĂŒr Menschenversuche – an Mordaktionen beteiligten.
  • die Kirchen, die ihre Tauf- und Eheregister zur Erfassung der „Nichtarier“ zur VerfĂŒgung stellten, selbst „Ariernachweise“ erstellten und die ausfĂŒhrenden TĂ€ter ĂŒberwiegend moralisch entlasteten.
  • Bevölkerungsteile in Deutschland und den von Deutschen besetzten Gebieten, die die Judenverfolgung unterstĂŒtzten.

Holocaustkenntnis in der NS-Zeit

Deutschland

Die NS-Propaganda behandelte die NS-Verbrechen in der deutschen Öffentlichkeit mit einer Doppelstrategie: Einerseits redeten die NS-Spitzenvertreter offen ĂŒber eine Vernichtung der Juden als Vergeltung fĂŒr den Krieg, andererseits ließen sie bewusst offen, wann und wie diese geschehen wĂŒrde. Mehrdeutige Rhetorik war schon lange eingeĂŒbt und beabsichtigt, um die Deutschen ĂŒber das Geschehen im Unklaren zu lassen, aber zugleich dafĂŒr in Mithaftung zu nehmen. So ließ man die zunehmende Judenverfolgung in Deutschland vor aller Augen geschehen und stellte sie als Volkswillen dar. Die Deportationen vollzogen sich auf öffentlichen PlĂ€tzen und Bahnhöfen. Sie wurden offiziell als „Umsiedlungen“ in Arbeitslager dargestellt. Andererseits achtete das NS-Regime bei der Ermordung der deportierten Juden oder Sinti und Roma auf strengste Geheimhaltung. SS-Angehörigen war es unter Androhung der Todesstrafe verboten, darĂŒber zu berichten.

Obwohl die Deportationen bereits ein schweres Unrecht waren und viele Deportierte auf den Transporten starben, nahmen die meisten Deutschen diese LĂŒge hin. Im Lauf des Holocaust sickerten immer mehr Einzelheiten durch; die Geheimhaltung wurde zeitweise kaum noch streng ĂŒberwacht und VerstĂ¶ĂŸe wurden nicht bestraft. Dass „Umsiedlung“ tatsĂ€chlich Massenmord bedeutete, erfuhren manche Deutsche von Soldaten auf Heimaturlaub und durch „FlĂŒsterpropaganda“ (Hannah Arendt). Der WiderstandskĂ€mpfer Helmuth James Graf von Moltke schrieb 1943: Mindestens neun Zehntel der Bevölkerung weiß nicht, dass wir Hunderttausende von Juden umgebracht haben. Doch selbst das Zehntel, das ansatzweise Bescheid wusste, hat – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nichts dagegen unternommen, obwohl die geplanten Folgen der nationalsozialistischen Rassenpolitik, Isolation, Entrechtung, Verarmung und das allmĂ€hliche Verschwinden der Juden aus dem gesellschaftlichen Leben in Deutschland fĂŒr jeden offensichtlich war. Nichtwissen und Nicht-Wissen-Wollen ĂŒber den Holocaust gingen dabei ineinander ĂŒber.

Alliierte

Seit 1933 kritisierten auslĂ€ndische Staaten die nationalsozialistische Innenpolitik, besonders die Verfolgung von Juden und anderen Minderheiten. Bei der von US-PrĂ€sident Roosevelt angestoßenen Konferenz von Évian im Juli 1938 war jedoch fast kein Teilnehmerstaat zur Aufnahme jĂŒdischer FlĂŒchtlinge oder Erhöhung seiner Einwanderungsquoten bereit.

Nach Kriegsbeginn verstĂ€rkte sich die Kritik der Alliierten; dennoch wurden die europĂ€ischen Juden nicht prĂ€ventiv vor den vorrĂŒckenden Truppen der AchsenmĂ€chte evakuiert. Seit 1941 wurde den Alliierten die systematische Ausrottungspolitik des NS-Regimes durch EntschlĂŒsselung der Codes fĂŒr die regelmĂ€ĂŸigen Polizeiberichte nach Berlin bekannt. Sie verurteilten diese Ă€ußerst scharf und begrĂŒndeten damit auch ihre Kriegsstrategie. Mitte Dezember 1942 warnten die USA, Großbritannien und weitere zehn Regierungen die deutsche Regierung, dass „die Verantwortlichen einer Vergeltung nicht entgehen“ wĂŒrden (Interalliierte ErklĂ€rung zur Vernichtung der Juden vom 17. Dezember 1942). Gezielte Maßnahmen, um den Holocaust zu beenden oder aufzuhalten, ergriffen sie aber nicht. Ihre KriegsfĂŒhrung richtete sich seit Kriegseintritt der USA auf die vollstĂ€ndige Kapitulation des NS-Regimes.

Als die ersten Nachrichten ĂŒber die Massenvernichtung eintrafen, versuchte das US-Außenministerium deren Veröffentlichung zu unterdrĂŒcken. Auf Druck der öffentlichen Meinung trat im April 1943 auf Bermuda erneut eine internationale Konferenz zusammen, um Lösungen fĂŒr FlĂŒchtlinge zu erörtern. Wie die Vorkriegskonferenz von Évian verlief auch sie ergebnislos. Erst nach Intervention des Finanzministers Henry Morgenthau kĂŒndigte Roosevelt am 22. Januar 1944 die Einsetzung des War Refugee Board an. Dieses Gremium trug zur Rettung mehrerer Tausend Juden bei.

Die britische Regierung behinderte und unterließ in einzelnen FĂ€llen mögliche Hilfeleistungen. Als im Dezember 1942 einige britische Abgeordnete verlangten, jĂŒdischen FlĂŒchtlingen mĂŒsse sichere Zuflucht versprochen werden, lehnte der britische Außenminister dies mit der BegrĂŒndung ab, es gebe „Sicherheitsbedenken“ und „geografische Probleme“. Anfang 1943 wurde bekannt, dass man gegen Hinterlegung einer gewissen Summe in der Schweiz 70.000 rumĂ€nische Juden hĂ€tte retten können. Die Regierung hatte den Plan jedoch blockiert, da sie eine SchwĂ€chung der eigenen und eine StĂ€rkung der deutschen Position befĂŒrchtete.

Die sowjetischen Behörden lieferten deutsche Juden – darunter viele Kommunisten, die in der Sowjetunion Zuflucht gesucht hatten – nach Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes im August 1939 den Nationalsozialisten aus. Nach dem Überfall der Wehrmacht im Juni 1941 blieb die besondere GefĂ€hrdung der sowjetischen Juden unberĂŒcksichtigt. Die sowjetische Berichterstattung verschwieg die deutsche Ausrottungspolitik. JĂŒdische FlĂŒchtlinge fanden oft keine UnterstĂŒtzung durch die Partisanen, wurden von diesen nicht als MitkĂ€mpfer aufgenommen und zum Teil ihrer Waffen und Nahrungsmittel beraubt.

Widerstand und Rettungsversuche

Juden

Am 31. Dezember 1941 rief Abba Kovner die Juden in aller Welt mit einem Flugblatt zum Widerstand auf und kritisierte, die Opfer ließen sich „wie Schafe zur Schlachtbank“ fĂŒhren. Damit entstand das hartnĂ€ckige Klischee vom widerstandslosen Verhalten aller Opfer. Erst seit den 1980er Jahren hat die Forschung dieses Bild differenziert und korrigiert.[76]

Nur wenige Juden ahnten das Ausmaß des ihnen zugedachten „Schicksals“. Viele hielten Informationen ĂŒber Massenvernichtungslager, die um 1942/43 zunehmend in den jĂŒdischen Ghettos Polens, Litauens und Weißrusslands kursierten, nur fĂŒr GerĂŒchte. Ein Ausrottungsplan gegen alle Juden schien den meisten anfangs schon wegen der Dimension unglaubhaft. Viele glaubten, wenigstens als Sklavenarbeiter ĂŒberleben zu können, bis die Deutschen besiegt seien.

Ein Gegenbeispiel und ein Anstoß fĂŒr den jĂŒdischen Widerstand insgesamt war der Aufstand im Warschauer Ghetto vom 19. April bis zum 16. Mai 1943. Diesen organisierte die jĂŒdische Kampforganisation „ZOB“, als die Nationalsozialisten das Ghetto gĂ€nzlich auflösen und alle noch ĂŒbrigen Juden in die Vernichtungslager, vor allem nach Treblinka, deportieren wollten. Die Untergrundorganisation hatte von Kurieren zwischen dem „arischen“ Teil Warschaus und dem abgeriegelten jĂŒdischen Ghetto unter Lebensgefahr Waffen erhalten und konnte den eindringenden RĂ€umkommandos der SS anfangs hohe Verluste beibringen und sie in die Flucht schlagen. Als die SS mit Panzern und ArtilleriegeschĂŒtzen zurĂŒckkehrte, hielten sich die jĂŒdischen Widerstandsgruppen trotz der Übermacht noch in einem etwa vierwöchigen HĂ€userkampf. Zuletzt mussten sie aufgeben und wurden meist erschossen. Nur wenige Beteiligte konnten sich durch AbwasserkanĂ€le retten.

Auch in anderen jĂŒdischen Ghettos bildeten sich Widerstandsgruppen, die Ghettobewohnern zur Flucht verhalfen und einzelne Revolten begannen, etwa in BiaƂystok und Vilnius. Ferner gab es in manchen Lagern AufstĂ€nde jĂŒdischer HĂ€ftlinge, so den Aufstand von Treblinka von etwa 400 HĂ€ftlingen am 2. August 1943, der zu einer Massenflucht jĂŒdischer Lagerinsassen fĂŒhrte und das Lager zerstören sollte. Am 14. Oktober 1943 fĂŒhrten sowjetisch-jĂŒdische Kriegsgefangene den Aufstand von SobibĂłr in Ostpolen an. Sie töteten neun Angehörige der Wachmannschaften, was einen Massenaufstand der HĂ€ftlinge bewirkte. 65 jĂŒdischen Gefangenen gelang die Flucht. Ende 1943 gaben die Nationalsozialisten das Lager auf.

Im KZ Auschwitz-Birkenau gab es etwa 700 Fluchtversuche, davon etwa 300 erfolgreiche. Am 7. Oktober 1944 erfolgte dort ein Aufstand des jĂŒdischen Sonderkommandos, das an den Verbrennungsöfen fĂŒr die vergasten Leichen eingesetzt war. Mit von Frauen eingeschmuggeltem Sprengstoff wurde ein Teil des Krematoriums IV zerstört. 250 Gefangene versuchten zu flĂŒchten, wurden aber bald gefasst und umgebracht.

Europaweit waren tausende untergetauchte Juden am Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer beteiligt, besonders in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Italien, den Balkanstaaten und Griechenland. In Osteuropa, besonders im katholisch geprĂ€gten Polen, konnten sich aus KZs und Ghettos entkommene Juden nur selten bestehenden Partisanengruppen anschließen, da dort auch manche NS-Gegner Antisemiten waren. Darum bildeten sich dort eigene jĂŒdische Partisaneneinheiten, die trotz ihrer anfĂ€nglichen Unerfahrenheit bald als besonders entschlossene und motivierte KĂ€mpfer gegen die Deutschen galten. Die vorrĂŒckende Rote Armee versorgte sie darauifhin teilweise bevorzugt mit Waffen, besonders fĂŒr den „Schienenkrieg“ mit AnschlĂ€gen und Sabotageaktionen gegen Eisenbahntransporte der Wehrmacht an die Ostfront. JĂŒdische WiderstandskĂ€mpfer stĂŒrmten bei der „Operation Torch“ die als uneinnehmbar geltende Festung Algier von innen und leisteten damit einen entscheidenden Beitrag fĂŒr die Landung der Alliierten und deren anschließenden erfolgreichen Feldzug gegen die deutsche Wehrmacht in Nordafrika.

Viele Juden, die in den 1930er Jahren und zum Kriegsbeginn ins sichere Ausland emigrieren konnten, schlossen sich dort den Truppen der Alliierten an. In vielen Armeen gab es eigene jĂŒdische Einheiten, etwa die JĂŒdische Brigade in der British Army. 10.000 deutschsprachige Juden kĂ€mpften dort, ca. 9500 in den US-StreitkrĂ€ften. Gegen Ende des Krieges wurde die jĂŒdische Fluchthilfe-Bewegung Beriha (hebrĂ€isch „Flucht“) gegrĂŒndet, mit deren Hilfe zwischen 1944 und 1948 etwa 250.000 Juden aus osteuropĂ€ischen LĂ€ndern flĂŒchten konnten. Nach dem Krieg dienten emigrierte deutsche Juden den Alliierten oft als Übersetzer im besetzten Deutschland. Man schĂ€tzt, dass europaweit bis zu 1,5 Millionen Juden am regulĂ€ren militĂ€rischen Kampf und am Partisanenkampf gegen die NS-Herrschaft beteiligt waren.

NichtjĂŒdische Deutsche

Vereinzelt setzten sich auch nichtjĂŒdische Deutsche gegen den geplanten und laufenden Genozid an den Juden zur Wehr. Solche Rettungstaten waren mit stĂ€ndiger Lebensgefahr verbunden und selten.

Der deutsche Industrielle Oskar Schindler bewahrte im Deutschen Reich 1200 jĂŒdische Zwangsarbeiter vor der Vernichtung, indem er sie bis Kriegsende als kriegswichtig fĂŒr seinen Betrieb deklarierte und fĂŒr ihren Unterhalt persönlich aufkam.

Auch die als Rote Kapelle bezeichnete Berliner Gruppe versteckte Juden und verhalf ihnen zu falschen PĂ€ssen, mit denen sie ausreisen konnten. Das BĂŒro GrĂŒber der Bekennenden Kirche half seit 1938 Christen jĂŒdischer Herkunft, aber auch Juden zur Ausreise. Eine Ă€hnliche Anlaufstelle gab es auch auf katholischer Seite.

Am 27. Februar 1943 versammelten sich die Ehepartner und Angehörigen von „Mischjuden“, die als Zwangsarbeiter in Berliner RĂŒstungsbetrieben beschĂ€ftigt waren und nun deportiert werden sollten, vor dem Gestapohauptquartier in der Berliner Rosenstraße. Dies war die einzige öffentliche Protestdemonstration wĂ€hrend des Krieges gegen eine Deportation, die zudem erfolgreich war: Die inhaftierten Personen wurden freigelassen.[77]

Das Untertauchen von jĂŒdischen Bewohnern wĂ€hrend der NS-Zeit zur Rettung vor der Deportation fĂŒhrte zu der Redewendung „als U-Boot leben“. Zum Teil wurde von den betreffenden Personen versucht, dieses Verschwinden durch einen vorgetĂ€uschten Selbstmord oder die AnkĂŒndigung einer Reise plausibel zu machen. Das Verschwinden aus der Einwohnerliste konnte fĂŒr die als U-Boot bezeichnete Person und fĂŒr ihre Helfer schwerwiegende Folgen haben.

Im Falle der Entdeckung wurde die Person ohne gĂŒltige Aufenthaltsgenehmigung verhaftet. Allerdings konnte sie nicht mit einem gerichtlichen Verfahren rechnen, sondern wurde dadurch in aller Regel zum HĂ€ftling in einem Konzentrationslager. Davor kam jedoch eine Zeit der Vernehmungen und Folter durch die Gestapo, die auf diese Weise weitere „U-Boote“ suchte. Sollte die Verbindung zu weiteren Helfern bekannt werden, waren auch diese massiv gefĂ€hrdet. Die rechtlichen oder faktischen Bedrohungen konnten sich nach Reichsgebiet oder Besatzungsstatut und nach Position der jeweiligen Person zur Besatzungsmacht, der Polizei bzw. den NSDAP-Stellen unterscheiden.

Es gab in Deutschland relativ viele lokale verdeckte Netzwerke von Helfern, die Menschen in Not (FlĂŒchtlingen, vor allem Juden u. a.) halfen. Oftmals hatten die FlĂŒchtlinge Adressen von Menschen bei sich, die sie zwar nicht kannten, von denen sie aber durch andere wussten, dass sie ihnen auf ihrer Flucht weiterhelfen wĂŒrden. Oft bekamen die FlĂŒchtlinge dann von diesen Helfern eine weitere Adresse als neuen Anlaufpunkt auf ihrem Weg. Es waren in aller Regel Privatleute, die aus ihrem Gewissen heraus Menschen auf der Flucht versteckten oder anderweitig weiterhalfen und keine RĂŒcksicht darauf nahmen, dass sie und ihre Familie, wĂŒrden sie entdeckt, Schlimmes zu erwarten hĂ€tten. Solche Netzwerke sind zum einen Teil aus den verfolgten politischen Parteien und Organisationen heraus entstanden, zum anderen aus christlichen Gruppierungen heraus. Vielfach handelten Menschen deshalb zugunsten dieser Flucht-Netzwerke, weil Angehörige durch die NSDAP oder Gestapo-Stellen bereits zu Tode gekommen waren und sie deshalb möglicherweise ihr eigenes Leben gering schĂ€tzten oder auch aus einem tiefen, innerem Humanismus heraus, den die inzwischen Jahre dauernde Propaganda der Nationalsozialisten nicht erschĂŒttert hatte: Tiefgreifendere wissenschaftliche Untersuchungen sind dazu noch erforderlich.

Das Untertauchen einer Person in einem von Kriegswirtschaft geprĂ€gten Land war schwierig. Lebensmittel waren nicht auf dem freien Markt erhĂ€ltlich, sondern nur gegen Abschnitte von Lebensmittelkarten, die eine Bezugsberechtigung und deren ÜberprĂŒfung voraussetzten. Das MitsichfĂŒhren von GepĂ€ck konnte bei Kontrollen sofort Verdacht auslösen. Der lĂ€nger als ĂŒbliche Aufenthalt in einer GaststĂ€tte, Bibliothek oder einem Kino konnte Nachfragen zur IdentitĂ€t auslösen. Die Gestapo versuchte, Spitzel in Netzwerke einzuschleusen (Berlin – Februar 1943; zum Beispiel Stella Goldschlag).

Besetzte oder verbĂŒndete Staaten

Eine kleine Anzahl von Juden wurde gerettet, weil die Regierungen ihrer HeimatlÀnder der Forderung des Deutschen Reichs zu ihrer Auslieferung nicht nachgaben.

Finnland, seit 1941 Deutschlands VerbĂŒndeter im Krieg gegen die Sowjetunion, lieferte seine Juden grĂ¶ĂŸtenteils nicht aus, obwohl Himmler dies im Sommer 1942 bei einem Finnland-Aufenthalt von der finnischen Regierung gefordert hatte. Regierungschef Rangell soll darauf geantwortet haben, Finnlands Juden seien BĂŒrger wie alle anderen und dienten auch als Soldaten im Krieg gegen die Sowjetunion. Diese Praxis wurde aber schon ab Dezember 1942 eingestellt, nachdem Zeitungen und einige Politiker dagegen protestiert hatten. Zwar wurde jĂŒdischen FlĂŒchtlingen zeitweise die Einreise nach Finnland verweigert; aber die etwa 1.800 finnischen Juden entgingen dem Zugriff der Deutschen. Einige auslĂ€ndische Juden wurden dennoch ausgeliefert, weil sie Kommunisten waren. Neuere Forschungen ergaben, dass Finnland von 1941 bis 1944 insgesamt 129 FlĂŒchtlinge an das Deutsche Reich auslieferte, dazu ĂŒber 2800 sowjetische Kriegsgefangene, von denen 78 Juden waren.

In DĂ€nemark ergriff König Christian X. Partei fĂŒr die Juden, als die deutschen Besatzungsbehörden auch sie zum Tragen des Judensterns zwingen wollten. Ein zum Widerstand gehörender Mitarbeiter der Besatzungsmacht warnte die dĂ€nische Untergrundbewegung vor drohenden Razzien der SS. Daraufhin gelang es unter Mithilfe großer Teile der Bevölkerung im September und Oktober 1943, die meisten der im Land lebenden ca. 6000 Juden in das neutrale Schweden zu schleusen. So wurde eine vergleichsweise niedrige Anzahl dĂ€nischer Juden, 161 Menschen, in deutschen Lagern ermordet. (Siehe auch Rettung der dĂ€nischen Juden.)

Der italienische Faschismus war ursprĂŒnglich nicht antisemitisch. Dazu kam, dass Italien anfangs ein VerbĂŒndeter Deutschlands und kein besetztes Land war. Zwar wurden nach Kriegsbeginn antijĂŒdische Gesetze erlassen, aber die Regierung und besonders die Armee widersetzten sich dem DrĂ€ngen der Deutschen, die italienischen Juden in den Tod zu schicken. Sie wurden interniert, aber unter besseren Bedingungen als in den deutschen Konzentrationslagern und ohne stĂ€ndige Todesdrohung. Daher flĂŒchteten einige Juden aus dem besetzten Frankreich und aus Jugoslawien nach Italien. Erst nach dem Frontwechsel Italiens 1943 behandelten die Deutschen das Land wie ein besetztes Gebiet und ĂŒberfĂŒhrten die italienischen Juden in ihre eigenen Vernichtungslager.

Auch das Beispiel Bulgariens – ebenfalls ein VerbĂŒndeter Deutschlands – beweist, dass ein entschiedener Widerstand die deutschen PlĂ€ne erfolgreich durchkreuzen konnte. Hier wurden dank der festen Haltung von Regierung und Bevölkerung etwa 50.000 Juden gerettet.

In Polen gab es neben Personen, die Juden auslieferten – viele auch um selbst zu ĂŒberleben – einige (auch katholische) Gruppierungen wie die Ć»egota, die den Juden halfen, obwohl dafĂŒr, anders als in Westeuropa, nicht nur die Todesstrafe fĂŒr den einzelnen Helfer, sondern regelmĂ€ĂŸig auch fĂŒr seine Familie oder das ganze Dorf drohte. Mehr als eine halbe Million polnischer Juden ĂŒberlebte den Holocaust, viele durch Hilfen aus der Bevölkerung. Viele Polen waren entsetzt ĂŒber die Ermordung jĂŒdischer Kinder und versteckten sie zum Beispiel auf dem Land, bei den Partisanen oder in katholischen Klöstern. So stellen die Polen auch mehr als ein Drittel aller in Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern Ausgezeichnete dar.

Übriges Europa

Die von den AchsenmĂ€chten umschlossene neutrale Schweiz lieferte keine Juden mit Schweizer BĂŒrgerrecht aus. WĂ€hrend des Krieges nahm sie zigtausende von FlĂŒchtlingen, darunter auch viele Juden, legal auf, viele weitere schafften den GrenzĂŒbertritt illegal und wurden von den Behörden (geduldet) oder von Privaten (illegal) im Land behalten. Insbesondere in den letzten Kriegsjahren, als auch die Schweiz nur noch wenige FlĂŒchtlinge aufnehmen konnte, konnten an der Westschweizer Landesgrenze FlĂŒchtlinge doch auf Soldaten hoffen, die einmal auch wegschauten, oder auf hilfsbereite BĂŒrger, die die FlĂŒchtlinge mit Kost und Logis versorgten. Insgesamt ĂŒberlebten in der Schweiz 275.000 FlĂŒchtlinge – davon 26.000 aus dem Ausland in die Schweiz geflĂŒchtete Juden. Es wurde aber auch eine große unbekannte Anzahl von FlĂŒchtlingen – darunter mindestens 30.000 Juden – an der Grenze zurĂŒckgewiesen oder illegal Eingereiste den Nationalsozialisten ĂŒbergeben.

Die Schweiz wurde von Hitler mehrfach aufgefordert, keine weiteren Juden aufzunehmen und geflĂŒchtete Juden auszuliefern. Zumindest letzterer Forderung wurde nie entsprochen, der ersten im Laufe des Krieges mal mehr, mal weniger, je nach aktueller Kriegslage und subjektiv eingeschĂ€tzter Invasionsgefahr. Die Schweiz versuchte wĂ€hrend des Krieges, zwischen ihren humanitĂ€ren GrundsĂ€tzen (Aufnahme von FlĂŒchtlingen) und militĂ€rischen Selbstschutz-Interessen (Geringhalten von Invasionsabsichten seitens der Nationalsozialisten) die Balance zu finden. Ob der Schweiz das gelungen ist, oder ob sie mehr Juden hĂ€tte aufnehmen können oder mĂŒssen und ob die Aufnahme von mehr Juden zu einer Invasion der Schweiz gefĂŒhrt hĂ€tte, ist noch nicht ausreichend erforscht und deshalb aus den verschiedenen Sichtweisen heraus umstritten. Insgesamt allerdings ĂŒberlebten Hunderttausende Personen in der Schweiz, die in den NachbarlĂ€ndern wohl nicht ĂŒberlebt hĂ€tten.

Befreiung der Überlebenden in den Lagern

Entsprechend dem Fortschritt der alliierten Angriffe gegen die Hitler-Koalition wurden Überlebende in den Lagern zu sehr verschiedenen Zeitpunkten befreit. Als Beispiele werden hier jeweils KZ genannt, die von einem der Alliierten als erste in seinem Frontabschnitt erreicht wurden.
1944

  • 23. Juli: die Rote Armee befreit das KZ Majdanek als erstes der großen KZ/Vernichtungslager im von Deutschland besetzen Polen.
  • Im August 1944 können auch westliche Journalisten erstmals aus dem KZ Majdanek berichten (Titelgeschichten des Life-Magazin am 28. August und in der New York Times am 30. August 1944).

1945 (im Osten)

  • 27. Januar: Das KZ Auschwitz-Monowitz wird am Vormittag, das Stammlager Auschwitz I und das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau am frĂŒhen Nachmittag durch die Soldaten der sowjetischen 322. Division befreit.[78]

(im Westen)

In den Monaten darauf erfolgt die RĂŒckfĂŒhrung der meisten noch lebenden ehemaligen KZ-HĂ€ftlinge in die Heimatorte/-lĂ€nder; Stichworte Displaced Persons – DP-Camps). Nach dem strengen Winter 1945/1946 bleiben Gruppen von DPs aus ganz verschiedenen GrĂŒnden heimatlos in Deutschland und werden nicht mehr repatriiert.

Fast ĂŒberall in den befreiten Lagern entstanden HĂ€ftlingsvereinigungen, die dort zunĂ€chst wichtige soziale (Überlebens-) Funktionen fĂŒr die Mitgefangenen ausĂŒben.

Folgen

GedenkstÀtte Yad Vashem in Jerusalem, Halle der Erinnerung

Traumatisierung der Überlebenden

Viele Überlebende der Vernichtungslager und Menschen, die sich der drohenden Ermordung durch Flucht oder andere UmstĂ€nde entziehen konnten, litten und leiden unter Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Der Psychiater und Psychoanalytiker William Niederland prĂ€gte dafĂŒr in den 1960er Jahren den Begriff vom Überlebenden-Syndrom. Vielen Holocaust-Überlebenden war und ist es zum Teil bis heute nicht möglich, ĂŒber ihre Erfahrungen in den Todeslagern zu sprechen.

Juristische Aufarbeitung

→ Hauptartikel: NS-Prozesse und Kriegsverbrecherprozess

Das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen kam erst ans Licht der Weltöffentlichkeit, als alliierte Truppen die Gebiete befreiten, in denen sich die Konzentrations- und Vernichtungslager befanden. Die Alliierten hatten auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 neben der Entmilitarisierung auch die durchgehende „Entnazifizierung“ Deutschlands fĂŒr die Zeit nach ihrem Sieg vereinbart und diesen Beschluss auf der Potsdamer Konferenz Ende Juli 1945 bekrĂ€ftigt.

Die Bestrafung nationalsozialistischer Verbrechen begann mit den von den Alliierten MĂ€chten eröffneten NĂŒrnberger Prozessen und den Folgeprozessen zwischen 1945 und 1948, insbesondere mit dem NĂŒrnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher.

Seit 1945 sind in Westdeutschland insgesamt 912 Gerichtsverfahren gegen 1875 Personen wegen wĂ€hrend des zweiten Weltkrieges begangener NS-Tötungsverbrechen durchgefĂŒhrt worden. Von den Angeklagten wurden 14 zum Tode, 150 zu einer lebenslĂ€nglichen und 842 zu einer zeitlich begrenzten Freiheitsstrafe verurteilt.[80]

Ab 1949, nach der GrĂŒndung der beiden deutschen Staaten, ging die Strafverfolgung in deren ZustĂ€ndigkeit ĂŒber. Sie kam aber in Folge des Kalten Krieges bald zum Erliegen. Parallel hierzu wurde jedoch auch die Aufhebung von NS-Unrechtsurteilen sowie die Wiedergutmachung insbesondere enteigneter Opfer betrieben.

In der DDR fanden einige Schauprozesse gegen untergeordnete FunktionstrĂ€ger des NS-Regimes statt, in denen es weniger um deren individuelle Verantwortung als um Schuldzuweisungen an die westdeutsche Seite ging. Ehemalige NSDAP-Mitglieder konnten in der DDR Karriere machen, solange sie nur die SED-Herrschaft anerkannten. In der Bundesrepublik Deutschland wird die wenig nachdrĂŒckliche Strafverfolgung oft erklĂ€rt mit mangelndem Interesse in der Bevölkerung bzw. dem Einfluss ehemaliger NSDAP-Mitglieder in Staat und Verwaltung. Die Initiative zu deren AufspĂŒrung blieb im Wesentlichen Privatleuten wie Simon Wiesenthal ĂŒberlassen. Der niederlĂ€ndische Historiker Friso Wielenga spricht fĂŒr 1952-1958 von einer Phase des relativen Schweigens, in der die BeschĂ€ftigung mit der NS-Zeit trotzdem nicht vollstĂ€ndig ausgesetzt habe. Ähnliche Prozesse des nachlassenden Interesses, der BewĂ€ltigung (auch eigenen) Leides durch VerdrĂ€ngung lĂ€sst sich auch in anderen LĂ€ndern als Deutschland beobachten.

Erst ab 1958 begann die westdeutsche Justiz in grĂ¶ĂŸerem Umfang, NS-Verbrechen zu verfolgen. Damals erreichten der PrĂ€sident des Internationalen Auschwitz Komitees Hermann Langbein und der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer die Weiterverfolgung einer Strafanzeige von Adolf Rögner. Sie fĂŒhrte zur Verhaftung eines berĂŒchtigten Folterers, des ehemaligen SS-Manns Wilhelm Boger. LangjĂ€hrige Ermittlungen Bauers ermöglichten 1963 schließlich die Eröffnung des Hauptverfahrens zu den Auschwitz-Prozessen in Frankfurt am Main.

Die Zeugenberichte und das große Medienecho auf diese Prozesse trugen bei vielen Deutschen zum Bewusstsein fĂŒr die NS-Verbrechen bei. Andererseits verstĂ€rkten sich auch öffentlich erhobene Forderungen nach einem „Schlussstrich“. Die Angeklagten in den Auschwitz-Prozessen ließen keine Reue erkennen und beriefen sich stets auf den so genannten „Befehlsnotstand“. Ihre Verteidiger versuchten, die Gerichtsverfahren als „Schauprozesse“ zu diskreditieren, wobei sie einen Teil der öffentlichen Meinung hinter sich wussten.

1965 kam es im Deutschen Bundestag zu einer Debatte ĂŒber die VerjĂ€hrung von Verbrechen aus der NS-Zeit (VerjĂ€hrungsdebatte); nach damaligem Recht betrug die VerjĂ€hrungsfrist 20 Jahre und wurde ab 1945 gezĂ€hlt. ZunĂ€chst wurde die Frist auf 1969 geschoben, indem man auf GrĂŒndung der Bundesrepublik 1949 verwies. 1969 wurde die VerjĂ€hrungsfrist um zehn Jahre verlĂ€ngert und 1979 fĂŒr Mord und Völkermord gĂ€nzlich aufgehoben.

In den folgenden Prozessen wurden in der Regel nur die unmittelbar ausfĂŒhrenden TĂ€ter der unteren RĂ€nge in der Befehlskette belangt (dies ist hĂ€ufig bei Großverbrechen). Die letzten grĂ¶ĂŸeren Verfahren gegen NS-TĂ€ter waren die Majdanek-Prozesse von 1975 bis 1981 vor dem Landgericht DĂŒsseldorf. Von ursprĂŒnglich 15 dort angeklagten SS-Angehörigen wurden am Ende sechs MĂ€nner und zwei Frauen verurteilt: Dabei wurden nur eine lebenslĂ€ngliche und sieben zeitlich befristete Haftstrafen zwischen drei und zwölf Jahren verhĂ€ngt. Die FreisprĂŒche und die als zu niedrig empfundenen Freiheitsstrafen lösten damals weltweite Proteste aus.

Aufsehen erregend war ferner der Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem 1961. Der ehemalige Leiter des so genannten Judenreferats im Reichssicherheitshauptamt hatte den Transport von Millionen europĂ€ischer Juden in die Vernichtungslager organisiert. Er konnte nach dem Krieg unter falschem Namen in Argentinien untertauchen. Der israelische Geheimdienst Mossad spĂŒrte ihn dort jedoch 1960 auf und entfĂŒhrte ihn nach Jerusalem. Die Prozessbeobachterin Hannah Arendt sprach in diesem Zusammenhang von der „BanalitĂ€t des Bösen“. Die von Eichmann zur Schau gestellte bĂŒrokratische GefĂŒhlskĂ€lte entsprach allerdings nicht seinem fanatischen Antisemitismus, der spĂ€ter erforscht wurde. Eichmann wurde im Dezember 1961 fĂŒr schuldig befunden und zum Tod verurteilt. Nach einer Revisionsverhandlung wurde er im Mai 1962 gehĂ€ngt.

In Österreich wurde die Verfolgung von Kriegsverbrechern kaum wahrgenommen. Da eine zentrale Staatsanwaltschaft fehlt, wurden zahlreiche NS-Prozesse nicht gefĂŒhrt. Lediglich 20 Personen wurden seit 1955 in Österreich verurteilt, 23 Personen sprach man frei. 1966 kritisierte Simon Wiesenthal in seinem Memorandum an die Regierung das Desinteresse österreichischer Behörden an der Ausforschung und Strafverfolgung von NS-TĂ€tern in Österreich. Seine Feststellung blieb folgenlos, denn StaatsanwĂ€lte und Polizisten waren stets ĂŒberlastet, Ermittlungen wurden verzögert, ehemalige NS-Angehörige befanden sich unter den ermittelnden Beamten, Prozessbeobachter zu deutschen Parallelprozessen wurden nicht entsandt. Insgesamt wurden seit 1955 etwa gegen 5500 Personen Erhebungen gefĂŒhrt.

Nachdem 1972 die zwei Erbauer der Auschwitzer Krematorien, Fritz Ertl und Walter Dejaco, und 1975 Johann Gogl von den österreichischen Geschworenen freigesprochen wurden, schien Wiesenthal vorĂŒbergehend zu resignieren: „In Österreich bleiben etwa 800 Nazis, gegen die ermittelt wurde, unbestraft.“ Unmittelbar nach 1945 hatte es hingegen noch ernsthaftere Versuche gegeben hatte, NS-TĂ€ter zu verfolgen; dafĂŒr zustĂ€ndig waren die „Volksgerichte“.

EntschÀdigungen

Die alliierten MilitĂ€radministrationen fĂŒr das besetzte Deutschland und Österreich erließen – ebenso wie die spĂ€teren Regierungen der Bundesrepublik, der DDR und Österreichs – Regelungen, die alle Maßnahmen des Hitler-Regimes zur Entrechtung und Enteignung der Juden außer Kraft setzten. Eine vollstĂ€ndige EntschĂ€digung zumindest fĂŒr die materiellen Verluste der Betroffenen fand nicht statt. Zahlreiche Überlebende der Vernichtungslager und ihre gesetzlichen Erben mussten zum Teil ĂŒber Jahrzehnte vor deutschen und österreichischen Gerichten um die RĂŒckerstattung von Eigentum oder um EntschĂ€digungszahlungen klagen.

Die Regierung der DDR erklĂ€rte sich selbst als in einer antifaschistischen Tradition stehend. Sie wies bis kurz vor der Wende alle AnsprĂŒche zurĂŒck, die sich aus Handlungen des Deutschen Reichs ergeben konnten. Nach bundesdeutscher Auffassung hingegen ist die Bundesrepublik Rechtsnachfolgerin des Reichs. Dies fĂŒhrte bereits unter dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer zu einer Wiedergutmachungspolitik, die zumindest ansatzweise eine kollektive EntschĂ€digung vorsah.

In Verhandlungen mit David Ben Gurion einigte sich Adenauer auf UnterstĂŒtzungszahlungen fĂŒr den Staat Israel, der als Rechtsnachfolger der ermordeten Juden betrachtet wurde. Diese Zahlungen lagen nicht zuletzt im Interesse der Bundesrepublik, die geachtetes Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft sein wollte. Die so genannten Wiedergutmachungszahlungen werden von deutschen Rechtsextremisten bis heute abgelehnt. Sie stießen aber auch in Israel auf heftige Kritik („Blutgeld“).

In einer Anfrage der Nachrichtenagentur AFP teilte das Bundesfinanzministerium mit, dass seit Kriegsende rund 68 Milliarden Euro an EntschĂ€digungen fĂŒr ĂŒberlebende Holocaust-Opfer geleistet wurden. Zur Zeit erhielten mehr als 100.000 Menschen monatliche Renten aus Deutschland.[81]

Kirchliche Aufarbeitung

→ Hauptartikel: Kirchen und Judentum nach 1945

Erste ErklĂ€rungen in der EKD nach Kriegsende wie das Stuttgarter Schuldbekenntnis (Oktober 1945) und das DarmstĂ€dter Wort (1947) nannten den Holocaust, den Antisemitismus und Antijudaismus nicht, sondern sprachen von einer Mitschuld der Christen am Weltkrieg, an Aufstieg und Verbrechen des Nationalsozialismus. Bereits diese allgemeinen Aussagen lösten in Westdeutschland weithin öffentliche Empörung und heftigen Widerspruch aus und fanden wenig Zustimmung. In einem Wort zur Judenfrage (1948) deutete die EKD-Leitung das „jĂŒdische Schicksal“ sogar als Strafe Gottes zur Warnung fĂŒr Juden und als Mahnung an sie, Christen zu werden. Erst ab 1950 distanzierte sich die EKD von dieser Sicht und vom Antisemitismus. In den 1960er Jahren begann ein intensiver Diskussionsprozess, der sich seit der Rheinischen SynodalerklĂ€rung von 1980 in zahlreichen landeskirchlichen Bekenntnissen zum „ungekĂŒndigten Bund“ Gottes mit dem Volk Israel niederschlug: Das Christsein sei ohne jĂŒdische Existenz nicht möglich. Zudem wird erkannt, dass der Holocaust nie hĂ€tte geschehen können, wenn die Kirchen nicht jahrhundertelang alle Maßnahmen gegen Juden – außer der fabrikmĂ€ĂŸigen Vergasung – vorexerziert hĂ€tten. Einzelne Landeskirchen haben Schuldbekenntnisse verabschiedet, die sich auch von judenfeindlichen Äußerungen Martin Luthers distanzierten.

Innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche ist das Verhalten von Papst Pius XII. wĂ€hrend des Holocaust bis heute umstritten. Der Papst hatte sich einerseits fĂŒr die Rettung der römischen Juden eingesetzt, andererseits aber zu dem Völkermord geschwiegen, auch nachdem ihm die Tatsachen bekannt geworden waren. Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld an Antijudaismus und Antisemitismus und mit der Verantwortung von Katholiken fĂŒr den Holocaust begann erst nach Pius’ Tod im Jahr 1958. Sein Nachfolger Johannes XXIII. sprach die Juden erstmals in der Geschichte des Papsttums als „BrĂŒder“ an. Das von ihm initiierte Zweite Vatikanische Konzil verabschiedete 1965 die ErklĂ€rung Nostra Aetate, nach der es nicht lĂ€nger kirchliche Lehrmeinung sei, die Juden kollektiv fĂŒr den Tod Jesu Christi verantwortlich zu machen.

United States Holocaust Memorial Museum, Washington, D.C., seit 1993

Ursachenforschung

→ Hauptartikel: Holocaustforschung

Leugnung und Verharmlosung

→ Hauptartikel: Holocaustleugnung und Geschichtsrevisionismus

Antisemiten und Geschichtsrevisionisten begannen unmittelbar nach Kriegsende, den Holocaust entweder zu leugnen oder zu relativieren, manchmal sogar ihn zu verherrlichen. Holocaustleugnung ist eine Grundtendenz im Rechtsextremismus, wird auch von Teilen der Neuen Rechten, des Islamismus und Antizionismus vertreten und hat sich zu einer international vernetzten Strömung entwickelt. Leugnung und Relativierung ordnet die Antisemitismusforschung als sekundĂ€ren Antisemitismus ein. Holocaustleugnung ist in der Bundesrepublik Deutschland nach § 130 Abs. 3 StGB als Volksverhetzung, nach § 189 StGB als Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener strafbar. Ähnliche StraftatbestĂ€nde gelten auch in einigen anderen Staaten.

Mahnung und Erinnerung

Gedenkstein fĂŒr Margot und Anne Frank im ehemaligen KZ Bergen-Belsen
Polnisches Ehrenzeichen KrzyĆŒ Oƛwięcimski (1985 bis 1999)

Heute erinnern zahlreiche Mahnmale und Museen in der ganzen Welt an den Holocaust (siehe Liste der GedenkstĂ€tten fĂŒr die Opfer des Nationalsozialismus). Zudem leisten Initiativen und Organisationen auf unterschiedlichsten Ebenen und mit den unterschiedlichsten Mitteln ihren Beitrag zur Erinnerung und Aufarbeitung des Holocaust. Einige solche Initiativen der Versöhnungsarbeit sind zum Beispiel die Aktion SĂŒhnezeichen und die österreichischen Gedenkdienste.

Die bedeutendste HolocaustgedenkstĂ€tte ist Yad Vashem in Jerusalem, wo sich unter anderem die Allee der Gerechten unter den Völkern befindet. In Deutschland und den ehemals deutsch besetzten Gebieten sind vor allem die GedenkstĂ€tten auf den GelĂ€nden der ehemaligen Konzentrationslager von Bedeutung, insbesondere das polnische Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau. Bedeutende Einrichtungen sind etwa das Dokumentationszentrum des Bundes JĂŒdischer Verfolgter des Naziregimes in Wien, das US-Holocaust Memorial in Washington, D.C., das ungarische Dokumentationszentrum in Budapest, das JĂŒdische Museum in Berlin und das 2005 eingeweihte Denkmal fĂŒr die ermordeten Juden Europas in Berlin. Die Datenbank JewishGen eröffnet genealogische Einblicke.

Mit dem polnischen Ehrenzeichen Auschwitzkreuz (KrzyĆŒ Oƛwięcimski) wurden vom 14. MĂ€rz 1985 bis 1999 ehemalige Gefangene der KZs geehrt. Von dieser Auszeichnung waren weder Nicht-Polen noch bereits Verstorbene ausgeschlossen. Der Orden ist ein silbernes Kreuz, auf dem Stacheldraht lĂ€uft. In der Mitte der Rote Winkel mit dem P, wie ihn polnische Gefangene auf der StrĂ€flingskleidung trugen. EingeprĂ€gt sind die Jahreszahlen 1939 und 1945, auf der RĂŒckseite steht die Inschrift „PRL / WIĘĆčNIOM / HITLEROWSKICH / OBOZÓW KONCENTRACYJNYCH“ („Die Volksrepublik Polen an Gefangene der Hitler-Konzentrationslager“).

In Deutschland ist seit 1996 der 27. Januar Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Nach einem Beschluss der Vereinten Nationen (UN) wird seit 2006 zu eben diesem Datum weltweit der Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust begangen.

Das Projekt A Letter To The Stars wurde im FrĂŒhjahr 2002 initiiert und ist ein wichtiges Zeitgeschichte-Projekt in Schulen der Republik Österreich. 2008 wurden Zeitzeugen/Überlebende aus Israel an viele Schulorte eingeladen.

Mahnmal „Die Rampe“ von E. R. Nele in Kassel

Die Bildhauerin E. R. Nele setzte sich in ihrem Werk mehrfach mit der Holocaust-Thematik auseinander. Das Mahnmal „Die Rampe“ (K 18 wĂ€hrend der Documenta VII) steht in Kassel.[82]

Grabstein auf dem Judenfriedhof in Hagen im Bremischen mit einer Inschrift, die auf den Holocaust Bezug nimmt.

Siehe auch

Literatur

Gesamtdarstellungen

1. Die Jahre der Verfolgung 1933–1939. 2. Auflage, DTV, MĂŒnchen 2000, ISBN 3-423-30765-X.
2. Die Jahre der Vernichtung 1939–1945. C.H. Beck, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-406-54966-7.

Judenverfolgung ab 1933

  • Christopher R. Browning: Die Entfesselung der „Endlösung“. Nationalsozialistische Judenpolitik 1939–1942. PropylĂ€en, Berlin 2006, ISBN 3-549-07187-6.
  • Uwe D. Adam: Judenpolitik im Dritten Reich. Droste, DĂŒsseldorf 2003, ISBN 3-7700-4063-5.
  • Joseph Walk (Hrsg.): Das Sonderrecht fĂŒr die Juden im NS-Staat: eine Sammlung der gesetzlichen Maßnahmen und Richtlinien. MĂŒller, 2. Auflage, Heidelberg 1996, ISBN 3-8252-1889-9.

Konzentrations- und Vernichtungslager

Einzelregionen

  • Ilja Altman: Opfer des Hasses. Der Holocaust in der UdSSR 1941–1945. Muster-Schmidt-Verlag, Gleichen/ZĂŒrich 2008, ISBN 978-3-7881-2032-0.
  • Vincas Bartusevicius und andere (Hrsg.): Holocaust in Litauen. Krieg, Judenmorde und Kollaboration im Jahre 1941. Böhlau, Köln 2003, ISBN 3-412-13902-5.

Entscheidungsprozess

TÀter und MitlÀufer

  • Rainer C. Baum: The Holocaust and the German Elite. Genocide and National Suicide in Germany, 1871–1945. Rowman and Littlefield, Totowa, London 1981, ISBN 0-7099-0656-0.
  • Daniel Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust. Goldmann, MĂŒnchen 2000, ISBN 3-442-15088-4.
  • Raul Hilberg: TĂ€ter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933–1945. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-13216-9.
  • Richard Rhodes: Die deutschen Mörder. Die SS-Einsatzgruppen und der Holocaust. LĂŒbbe, Bergisch Gladbach 2004, ISBN 3-7857-2183-8.
  • Karin Orth: Die Konzentrationslager-SS. Sozialstrukturelle Analysen und biographische Studien. DTV, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-423-34085-1.
  • Peter Longerich: „Davon haben wir nichts gewusst.“ Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933–1945. Siedler, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-88680-843-2.
  • Bernward Dörner: Die Deutschen und der Holocaust. Was niemand wissen wollte, aber jeder wissen konnte. PropylĂ€en, Berlin 2007, ISBN 978-3-549-07315-5.
  • Michael Wildt: Volksgemeinschaft als SelbstermĂ€chtigung. Gewalt gegen Juden in der deutschen Provinz 1919 bis 1939. Hamburger Edition, Hamburg 2007, ISBN 978-3-936096-74-3.

Opfer

  • Wolfgang Benz (Hrsg.): Dimension des Völkermords. Die Zahl der jĂŒdischen Opfer des Nationalsozialismus. DTV, MĂŒnchen 1996, ISBN 3-423-04690-2.
  • Alexandra Rossberg, Johan Lansen (Hrsg.): Das Schweigen brechen. Berliner Lektionen zu SpĂ€tfolgen der Schoa. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-518-39231-X.
  • Claude Lanzmann: Shoah. Trotzdem, Grafenau 1999, ISBN 3-922209-87-4. (Interviews mit Überlebenden; Begleitbuch zu Lanzmanns Filmdokumentation auf DVD)
  • Martin Doerry (Hrsg.), Monika Zucht (Fotografien): Nirgendwo und ĂŒberall zu Haus. GesprĂ€che mit Überlebenden des Holocaust. DVA, 2006, ISBN 3-421-04207-1. (Fotobeispiele)

Widerstand- und Hilfsaktionen

Juden
  • Michael Berger, Gideon Römer-Hillebrecht (Hrsg.): JĂŒdische Soldaten - JĂŒdischer Widerstand in Deutschland und Frankreich. Schöningh Verlag, Paderborn, 2012, ISBN 978-3-506-77177-3
  • Arno Lustiger: Zum Kampf auf Leben und Tod. Das Buch vom Widerstand der Juden 1933–1945. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2002, ISBN 3-89996-269-9.
  • Wilfried Löhken, Werner Vathke (Hrsg.): Juden im Widerstand. Drei Gruppen zwischen Überlebenskampf und politischer Aktion, Berlin 1939–1945. Edition Hentrich, Berlin 1993, ISBN 3-89468-068-7
NichtjĂŒdische Deutsche
  • Kurt R. Grossmann: Die unbesungenen Helden. Menschen in Deutschlands dunklen Tagen. 1961. Neuauflage: Ullstein, 1984, ISBN 3-548-33040-1.
  • Anton M. Keim (Hrsg.), Benyamin Z. Barslai: Yad Vashem: Die Judenretter aus Deutschland. Matthias-GrĂŒnewald, 2. Auflage 1984, ISBN 3-7867-1085-6
  • Wolfram Wette (Hrsg.): Zivilcourage. Empörte, Helfer und Retter aus Wehrmacht, Polizei und SS. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-596-15852-4
  • Zentrum fĂŒr Antisemitismusforschung der TU Berlin (Hrsg.): SolidaritĂ€t und Hilfe fĂŒr Juden wĂ€hrend der NS-Zeit. Metropol, Berlin 1996ff. (bisher sieben BĂ€nde)
Andere
  • Carol Rittner, R.S.M. and Sondra Meyers: The Courage to Care: Rescuers of Jews During the Holocaust. New York University Press, 1986, ISBN 0-8147-7397-4
  • Nechama Tec: When light pierced the darkness: Christian Rescue of Jews in Nazi-Occupied Poland. Oxford University Press Inc, USA 1986, ISBN 0-19-503643-3
  • Alexander Bronowski: Es waren so wenige. Retter im Holocaust. (1991) HĂ€nssler, 2002, ISBN 3-7751-3811-0
  • Wolfram Wette (Hrsg.): Stille Helden. Judenretter im DreilĂ€ndereck wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges. Herder-Taschenbuch, Freiburg 2005, ISBN 3-451-05461-2
  • Franz Severin Berger, Christiane Holler, Holly Holunder: Überleben im Versteck. Schicksale in der NS-Zeit. Ueberreuter, 2002, ISBN 3800038366

Juristische Aufarbeitung

  • Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen MilitĂ€rgerichtshof. NĂŒrnberg 14. November 1945 – 1. Oktober 1946. 23 BĂ€nde. NĂŒrnberg 1947.
  • Hermann Langbein: Der Auschwitz-Prozeß. Eine Dokumentation. 2 BĂ€nde. Europa, Wien 1965.

Gedenken

  • Stefanie Endlich: Wege zur Erinnerung. GedenkstĂ€tten und -orte fĂŒr die Opfer des Nationalsozialismus in Berlin und Brandenburg. Metropol, Berlin 2007, ISBN 978-3-938690-45-1.
  • S. Lillian Kremer: Holocaust Literature. An Encyclopedia of Writers and Their Work. Routledge, New York 2002. Band 1: ISBN 0-415-92983-0, Band 2: ISBN 0-415-92984-9. (englisch)

Filme

Weblinks

 Commons: Holocaust â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Holocaust â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary Wiktionary: Schoah â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Holocaust â€“ Zitate
Opfer
Gedenken
Filme

Einzelnachweise

  1. ↑ Saul FriedlĂ€nder: Das Dritte Reich und die Juden: Die Jahre der Verfolgung 1933-1939. MĂŒnchen 2000, S. 87
  2. ↑ Ian Kershaw: Der NS-Staat. Hamburg 1999, S. 171
  3. ↑ Die TagebĂŒcher von Joseph Goebbels, Teil 2/Band 3, 30. November 1937, S. 351
  4. ↑ Österreichische Historikerkommission: Schlussbericht der Historikerkommission der Republik Österreich. Band 1. Oldenbourg Verlag, Wien 2003, S. 291–293; Wolfgang Benz: Geschichte des Dritten Reiches. C.H. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 228.
  5. ↑ Raul Hilberg: Die Vernichtung der europĂ€ischen Juden, Band 1. Fischer Taschenbuch Verlag, 1990, ISBN 3-596-24417-X, S. 56f.
  6. ↑ Peter Longerich: Politik der Vernichtung: Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung. ISBN 3-492-03755-0, S. 16
  7. ↑ Eberhard JĂ€ckel, JĂŒrgen Rohwer (Hrsg.): Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Fischer TB, Frankfurt am Main 1987, S. 10
  8. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, ISBN 3-534-15158-5, S. 70
  9. ↑ Christopher Browning: The Final Solution and the German Foreign Office. Holmes & Meier Publishers, New York/ London 1978, ISBN 0841904030, S. 8
  10. ↑ Peter Longerich: Politik der Vernichtung: Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung. S. 16
  11. ↑ Martin Broszat, in: Eberhard JĂ€ckel, JĂŒrgen Rohwer (Hrsg.): Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Fischer TB, Frankfurt am Main 1987, S. 66
  12. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 49f.
  13. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 64f.
  14. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 32 und 69
  15. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 32 und 69
  16. ↑ Götz Aly: Endlösung: Völkerverschiebung und der Mord an den europĂ€ischen Juden. Fischer Taschenbuch Verlag, 1998, ISBN 3596140676, S. 127-131
  17. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 65-68
  18. ↑ Markus Leniger: Nationalsozialistische „Volkstumsarbeit“ und Umsiedlungspolitik 1933 - 1945: Von der Minderheitenbetreuung zur Siedlerauslese. Frank & Timme, 2. Auflage 2010, ISBN 3865960820, S. 11
  19. ↑ Dieter Pohl: Nationalsozialistische Judenverfolgung in Ostgalizien 1941–1944. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, MĂŒnchen 1996, ISBN 3-486-56233-9, S. 97.
  20. ↑ Zitiert nach Katharina Meng: Russlanddeutsche Sprachbiografien. Narr, 2001, ISBN 3823351516, S. 491
  21. ↑ Peter Longerich: Politik der Vernichtung. MĂŒnchen 1998, ISBN 3-492-03755-0, S. 273f.
  22. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 65 und 80
  23. ↑ Eberhard JĂ€ckel, JĂŒrgen Rohwer (Hrsg.): Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Fischer TB, Frankfurt am Main 1987, S. 14-17
  24. ↑ Eberhard JĂ€ckel: Hitlers Weltanschauung. Deutsche Verlags-Anstalt, 1981, ISBN 3421060835, S. 72-75
  25. ↑ Eberhard JĂ€ckel, JĂŒrgen Rohwer (Hrsg.): Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Frankfurt am Main 1987, S. 15
  26. ↑ Karl A. Schleunes: Nationalsozialistische Entschlußbildung und die Aktion T 4. In: Eberhard JĂ€ckel, JĂŒrgen Rohwer (Hrsg.): Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Frankfurt am Main 1987, S. 70-78
  27. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 31f., 55f. und 71
  28. ↑ Rolf-Dieter MĂŒller, Hans-Erich Volkmann: Die Wehrmacht: Mythos und RealitĂ€t. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, MĂŒnchen 1999, ISBN 3486563831, S. 841
  29. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 71f.
  30. ↑ Alfred Streim: Zur Eröffnung des allgemeinen Judenvernichtungsbefehls. In: Eberhard JĂ€ckel, JĂŒrgen Rohwer ((Hrsg.): Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Frankfurt am Main 1987, S. 112
  31. ↑ Ian Kershaw: Wendepunkte. SchlĂŒsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg. 2. Auflage, MĂŒnchen 2008, S. 570.
  32. ↑ Jonathan C. Friedman: The Routledge History of the Holocaust. Taylor & Francis, 2011, ISBN 0415779561, S. 159
  33. ↑ Eberhard JĂ€ckel, JĂŒrgen Rohwer (Hrsg.): Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Frankfurt am Main 1987, S. 15
  34. ↑ Alfred Streim: Zur Eröffnung des allgemeinen Judenvernichtungsbefehls. In: Eberhard JĂ€ckel, JĂŒrgen Rohwer ((Hrsg.): Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Frankfurt am Main 1987, S. 114-116
  35. ↑ Gerald Fleming: Hitler und die Endlösung. Limes, 1982, ISBN 3809021962, S. 57 und 62
  36. ↑ Ian Kershaw: Der NS-Staat. Frankfurt am Main 1994, S. 157
  37. ↑ Raul Hilberg: Die Aktion Reinhard. In: Eberhard JĂ€ckel, JĂŒrgen Rohwer ((Hrsg.): Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Frankfurt am Main 1987, S. 125-128
  38. ↑ Saul FriedlĂ€nder: Das Dritte Reich und die Juden Band 2: Die Jahre der Vernichtung 1939−1945. C.H. Beck, MĂŒnchen 2006, ISBN 3406549667, S. 301
  39. ↑ Jochen von Lang, Avner W. Less (Hrsg.): Das Eichmann-Protokoll: Tonbandaufzeichnungen der israelischen Verhöre. P. Zsolnay, 1991, ISBN 3-552-04308-X, S. 70.
  40. ↑ Gideon Botsch (Hrsg.): Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europĂ€ischen Juden: Katalog der stĂ€ndigen Ausstellung. Verlag Haus der Wannsee-Konferenz, Gedenk- und BildungsstĂ€tte, Berlin 2006, ISBN 3-9808517-4-5, S. 121.
  41. ↑ Dossier Kersten im Centre de Documentation Juive bzw. Felix Kersten: The Kersten Memoirs, 1940–1945. Time Life Education, 1992, ISBN 0-8094-8737-3.
  42. ↑ Eberhard JĂ€ckel, JĂŒrgen Rohwer ((Hrsg.): Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg. Frankfurt am Main 1987, S. 61-64; Peter Longerich: Holocaust: The Nazi Persecution and Murder of the Jews. Oxford University Press, 2010, S. 259
  43. ↑ Bericht von den Ereignissen in GargĆŸdai/Garsden im Juni 1941
  44. ↑ Peter Longerich: Holocaust: The Nazi Persecution and Murder of the Jews. 2010, S. 192f.
  45. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 74
  46. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 73-77
  47. ↑ Dieter Pohl: Holocaust. Herder, Freiburg 2000, S. 78ff.
  48. ↑ Christopher R. Browning: Ganz normale MĂ€nner. Das Reservebataillon 101 und die Endlösung in Polen. Frankfurt a.M. 1999, S. 189.
  49. ↑ zusammengetragen aus Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 73 und 96; Peter Longerich: Holocaust: The Nazi Persecution and Murder of the Jews. 2010, S. 196-198
  50. ↑ Christian Zentner: Illustrierte Geschichte des Dritten Reiches. BechtermĂŒnz, 1990, S. 331.
  51. ↑ Gerhard Th. Mollin: 20. Januar 1942 Wannseekonferenz. In: Dirk Blasius, Wilfried Loth: Tage deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3525362919, S. 64
  52. ↑ Gunnar Heinsohn: Lexikon der Völkermorde. Reinbek 1999. S 344.
  53. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 87f.
  54. ↑ Barbara Distel: Sobibor. In: Wolfgang Benz, Wolfgang / Barabara Distel: Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 8: Riga. Warschau. Kaunas. Vaivara. PlaszĂłw. Klooga. Chelmo. Belzec. Treblinka. Sobibor. MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-406-57237-1, S. 384–385.
  55. ↑ Robert Jan van Pelt: Auschwitz. In: GĂŒnther Morsch, Bertrand Perz: Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Berlin 2011, ISBN 978-3-940938-99-2, S. 201 mit Anmerkung 14
  56. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 99f.
  57. ↑ Raul Hilberg: Die Vernichtung der europĂ€ischen Juden. Frankfurt am Main 1990. Band 2, S. 1037-1043.
  58. ↑ Achim Trunk: Die todbringenden Gase. In: GĂŒnther Morsch, Bertrand Perz: Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Berlin 2011, ISBN 978-3-940938-99-2, S. 24.
  59. ↑ Quelle: Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933-1945. Darmstadt 2003, S. 63
  60. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 79
  61. ↑ Dieter Pohl: Holocaust. Herder, Freiburg 2000, S. 78ff.
  62. ↑ Dieter Pohl: Holocaust. Herder, Freiburg 2000, S. 83–93.
  63. ↑ Eleonore Lappin-Eppel: Ungarisch-JĂŒdische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in Österreich 1944/45. LIT Verlag MĂŒnster, S. 35.
  64. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 105-108
  65. ↑ Wolfgang Benz: Der Holocaust. C.H. Beck, 7. Auflage, MĂŒnchen 2008, S. 115
  66. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 147-152
  67. ↑ Dokument 2738-PS, US-296 des Internationalen MilitĂ€rgerichtshofs; zitiert nach: Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen MilitĂ€rgerichtshof. NĂŒrnberg 14. November 1945–1. Oktober 1946. NĂŒrnberg 1947, Bd. 3, S. 635.
  68. ↑ Gerald Reitlinger: The Final Solution. 1953
  69. ↑ Raul Hilberg: The Destruction of the European Jews. 1961
  70. ↑ Martin Gilbert: Endlösung. Die Vertreibung und Vernichtung der Juden. Ein Atlas. 1982
  71. ↑ Francisek Piper: Die Zahl der Opfer von Auschwitz. 1993.
  72. ↑ Burkhard Asmuss (Hrsg.): Holocaust. Der nationalsozialistische Völkermord und die Motive seiner Erinnerung. Deutsches Historisches Museum. Berlin 2002, ISBN 3-932353-60-9.
  73. ↑ Yad Vashem, 21. Dezember 2010: 4 Million Victims of Holocaust Identified
  74. ↑ Konrad Kwiet: Rassenpolitik und Völkermord. In: EnzyklopĂ€die des Nationalsozialismus, 1998, S. 62; Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945. Darmstadt 2003, S. 29.
  75. ↑ Konrad Kwiet: Rassenpolitik und Völkermord. In: EnzyklopĂ€die des Nationalsozialismus, 1998, S. 59.
  76. ↑ David Bankier (Hrsg.): Fragen zum Holocaust. Interviews mit prominenten Forschern und Denkern: Interviews mit Christopher Browning, Jacques Derrida, Saul FriedlĂ€nder, Hans Mommsen u.a. Wallstein Verlag, 2006, S. 76
  77. ↑ Dieter Pohl: Holocaust. Herder, 2000, S. 82.
  78. ↑ Nikolai Politanow: „Wir trauten unseren Augen nicht.“ In spiegel.de vom 27. Jan. 2008.
  79. ↑ Giergielewicz, Jerzy: Endstation Neuengamme, Außenlager DrĂŒtte. Der Weg eines 17-jĂ€hrigen aus Warschau durch vier Konzentrationslager, hg. v. d. KZ-GedenkstĂ€tte Neuengamme u. der Gedenk- und DokumentationsstĂ€tte KZ DrĂŒtte, Bremen 2002.
  80. ↑ Christiaan Frederik RĂŒter/Dick W. de Mildt: Justiz und NS-Verbrechen. Schwerpunkte der Strafverfolgung in Westdeutschland 1945–1997. Homepage des Instituts fĂŒr Strafrecht an der UniversitĂ€t Amsterdam. An dieser Stelle wird eine Unterteilung und Bewertung der Nachkriegszeit in Abschnitten von jeweils etwa sieben Jahren vorgenommen.
  81. ↑ Meldung der AFP vom 6. Dezember 2011 gehostet bei Google News
  82. ↑ Alfred Gottwaldt: Der deutsche Â»Viehwaggon« als symbolisches Objekt in KZ-GedenkstĂ€tten. Teil 2: Standorte der Wagen in acht LĂ€ndern (in: GedenkstĂ€ttenrundbrief 140, S. 3–19)
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