Suche im Lexikon
Lexikon auf Ihrer Homepage Lexikon als Lesezeichen hinzufügen

Holocaustforschung

Die Holocaustforschung erforscht den Holocaust an etwa sechs Millionen Juden Europas (Shoa) und sein VerhĂ€ltnis zu weiteren Massenmorden in der Zeit des Nationalsozialismus: darunter dem Porajmos an hunderttausenden Roma, der Aktion T4 an ĂŒber hunderttausend Behinderten und der millionenfachen Ermordung von Slawen (siehe Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus, Generalplan Ost, Hungerplan).

Als Teil der umfassenderen NS-Forschung bezieht sich Holocaustforschung auf historische Entstehungsbedingungen, Entscheidungsprozess, Organisation, DurchfĂŒhrung, TĂ€ter, MittĂ€ter, Opfer, Auswirkungen und Besonderheiten des Holocaust. Dies wird weltweit erforscht, jedoch besonders in den USA, Großbritannien, Israel, Polen und Deutschland.

Yad Vashem, Jerusalem, gegr. 1953

Inhaltsverzeichnis

AnfÀnge

USA

Robert H. Jackson (1892-1954), ehemals Hauptanklagevertreter beim IGN

Schon wĂ€hrend des Holocaust sammelten jĂŒdische und nichtjĂŒdische Zeitzeugen und WiderstandskĂ€mpfer Berichte von den systematischen NS-Massenmorden an Juden, die ab 1941 bis 1949 in einigen Staaten erschienen.[1]

HolocaustĂŒberlebende und wĂ€hrend der NS-Zeit aus Europa emigrierte Historiker schufen die Grundlagen der angelsĂ€chsischen Holocaustforschung. Diese begann 1945 unmittelbar nach Kriegsende im Zusammenhang der ersten NS-Prozesse. Wesentliche Voraussetzung dafĂŒr war die Sicherung von NS-Archiven durch die Alliierten und die Sammlung von Zeitzeugenberichten durch Institute zur JĂŒdischen Geschichte. So baute Jacob Robinson das 1925 in Berlin gegrĂŒndete Institute for Jewhish History (YIVO) in New York City ab 1940 neu auf. Er war 1945 als Mitglied der UN-Menschenrechtskommission Berater des US-ChefanklĂ€gers Robert H. Jackson und half 1952 beim Aushandeln des Reparationsvertrages zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland.

Sein Mitarbeiter, der polnische HolocaustĂŒberlebende Philip Friedman, hatte bis zur deutschen Besetzung Polens eine Zweigstelle dieses Instituts in Warschau geleitet. Er emigrierte nach dem Krieg in die USA und veröffentlichte die ersten historischen Werke zum Holocaust aus der Opferperspektive. Robinson und Friedman veröffentlichten 1960 das erste regelmĂ€ĂŸige Journal zum Holocaust, gefolgt von umfassenden Bibliographien.[1] Diese Sammlungen vornehmlich jĂŒdischer Holocaustliteratur gelten als Grundlagenwerke fĂŒr die Holocauststudien, die seit 1967 als spezieller Wissenschaftszweig entstanden sind. Dabei spielen Zeugnisse der Opfer eine ebenso entscheidende Rolle wie Zeugnisse der TĂ€ter.

Deutschland

In Deutschland stand unter dem Eindruck der nun bekannt werdenden Details aus den Vernichtungslagern in der unmittelbaren Nachkriegszeit die Frage nach den Schuldigen im Vordergrund, die meist apologetisch beantwortet wurde. Dass die Alliierten die NS-Archive beschlagnahmt hatten, erschwerte die empirische Grundlagenforschung.

Ab 1950 standen die Akten der ersten NĂŒrnberger Prozesse zur VerfĂŒgung. Es erschienen zunĂ€chst vereinzelte Quellendokumentationen, meist von HolocaustĂŒberlebenden wie Bruno Blau, Hans-GĂŒnter Adler und Joseph Wulf.[1] Ab 1960 begann eine schrittweise RĂŒckgabe von ArchivbestĂ€nden. Seit der bundesrepublikanischen Strafverfolgung von NS-TĂ€tern kamen vermehrt empirische Untersuchungen zu den NS-Massenverbrechen in Gang, hĂ€ufig als Gerichtsgutachten und Gutachten fĂŒr Wiedergutmachungsbehörden[2] oder als Publikationen der staatlichen Bildungsarbeit.

Ab etwa 1960 setzte eine breitere historische Forschung zur NS-Zeit ein. Vorangetrieben wurde sie 1961 durch das epochale Werk Raul Hilbergs, 1963 durch den Eichmann-Prozess, die These der Prozessbeobachterin Hannah Arendt von der „BanalitĂ€t des Bösen“ und die Auschwitzprozesse 1963-1966. Die deutsche Forschung konzentrierte sich jedoch stĂ€rker als die Forschung in den USA, Israel und Großbritannien auf Aufstiegsbedingungen, „Machtergreifung“, Herrschaftskonsolidierung und KriegfĂŒhrung des NS-Regimes und thematisierte den Holocaust noch kaum.

Institutionen

Bereits seit etwa 1942 sammelten und veröffentlichten verschiedene Einrichtungen Dokumente des Holocaust:

  • das Yidisheer visnshaftlekher institutin in New York,
  • die Wiener Library in London,
  • das Centre de Documentation Juive Contemporaine in Paris,
  • das Zydowski Instytut Historyczny in Warschau.

1953 wurde in Israel die nationale Gedenk- und ForschungsstĂ€tte Yad Vashem gegrĂŒndet. Dort erscheinen seit 1957 die regelmĂ€ĂŸigen Yad Vashem Studies, die als Grundlage der spĂ€teren Holocaust Studies in den USA gelten.

Ab 1967 entstand in den USA eine eigenstĂ€ndige Forschungsrichtung zum Holocaust mit besonderen LehrstĂŒhlen, Forschungsinstituten und Fachzeitschriften. Eine davon unabhĂ€ngige Einrichtung ist das 1977 gegrĂŒndete Simon Wiesenthal Center mit Hauptsitz in Los Angeles. Das 1946 gegrĂŒndete umfangreiche Archiv Wiesenthals befindet sich seit 1954 in Yad Vashem; das von ihm 1961 neu gegrĂŒndete Dokumentationszentrum des Bundes JĂŒdischer Verfolgter des Naziregimes befindet sich seit 1975 beim Simon-Wiesenthal-Institut in Wien.[3]

1980 wurde das Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. gegrĂŒndet. Es besitzt eine eigene Forschungsabteilung und die Fachzeitschrift Holocaust and Genocide Studies.

1994 begann der US-Regisseur Steven Spielberg das Projekt der Shoah Foundation, einer Sammlung von rund 52.000 auf Videos aufgezeichneten Interviews mit HolocaustĂŒberlebenden. Seit 2006 hat die Freie UniversitĂ€t Berlin Zugang zu diesem Archiv der Oral History.[4]

In der Bundesrepublik Deutschland ĂŒbernahm das 1949 gegrĂŒndete Institut fĂŒr Zeitgeschichte eine fĂŒhrende Rolle bei der Sammlung und Herausgabe von Dokumenten des Holocaust. Seit 2009 gibt es in Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv und etwa 40 weiteren internationalen Archiven eine auf insgesamt 16 BĂ€nde konzipierte Dokumentenreihe unter dem Titel heraus: Verfolgung und Ermordung der europĂ€ischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945.[5]

In Polen legten das JĂŒdische Historische Institut Warschau und das staatliche Institut fĂŒr Nationales Gedenken (IPN) je eigene Archive zum Holocaust an, die ab 1989 fĂŒr die internationale Holocaustforschung geöffnet wurden. Mit dem Deutschen Historischen Institut Warschau entwickelten sie gemeinsame Forschungsprojekte.[6]

1995 wurde in Frankfurt a.M. das Fritz-Bauer-Institut als Studien- und Dokumentationszentrum zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust gegrĂŒndet.[7]

Gesamtdarstellungen

Zahlreiche Werke befassten sich zunĂ€chst mit Einzelepisoden und Einzelaspekten des Holocaust. Sie lieferten die Basis fĂŒr spĂ€tere Gesamtdarstellungen. Von diesen sind in der internationalen Forschergemeinschaft weitgehend anerkannt:

Léon Poliakov, 1952

LĂ©on Poliakovs Breviaire de la haine (1951), englisch erschienen als Harvest of Hate (1979), stĂŒtzte sich auf die damals zugĂ€nglichen Dokumente der NĂŒrnberger Prozesse und andere Quellen aus dem Center for Contemporary Jewish Documentation in Paris. Trotz heute erheblich verbesserter Quellenlage folgt die Forschung nach wie vor weitgehend seinen damaligen Fragestellungen.

Gerald Reitlingers Buch Die Endlösung (1953) basiert auf denselben Quellen, die auch Poliakov auswertete, analysierte sie aber ausgiebiger und bezieht die Judenretter stÀrker in das Gesamtbild ein. Seine SchÀtzung der Opferzahlen auf 4,5 Millionen ist inzwischen widerlegt.

Raul Hilbergs 1955 abgeschlossene Dissertation erschien erst 1961 als Buch The Destruction of the European Jews, deutsch: „Die Vernichtung der europĂ€ischen Juden“. Es gilt als Hauptwerk der Holocaustforschung, auf das sich viele weitere Forschungen stĂŒtzten. Hilberg sichtete dafĂŒr ab 1945 zahllose Quellen des NS-Regimes in Deutschland und in den USA. Er untersuchte die Vorgeschichte und ideologische KontinuitĂ€ten ebenso wie die Funktionsweise des NS-Regimes und stellte die bĂŒrokratischen EntscheidungsablĂ€ufe und das Zusammenwirken der verschiedenen NS-Behörden ins Zentrum seiner Analyse. Die gebundene dreibĂ€ndige Originalausgabe enthĂ€lt detaillierte Karten der Vernichtungslager, Ghettos und Deportationen aus den einzelnen LĂ€ndern. In der gekĂŒrzten Studienausgabe fehlen die Fußnoten.

Nora Levins The Holocaust (1968) beschreibt detailliert die Judenverfolgung ab 1933 und die Reaktionen auf das Bekanntwerden der NS-Massenverbrechen in den besetzten, neutralen und gegnerischen EinzellĂ€ndern ab 1940. Die Autorin beschreibt das Zusammenwirken von Opfern und TĂ€tern in den betroffenen Gebieten, speziell die Haltung der JudenrĂ€te, vergleicht die Bedingungen fĂŒr die Rettung der meisten Juden Italiens und Frankreichs mit der Auslieferung der meisten Juden der Niederlande und unterzieht die Kollaborateure der NS-Herrschaft einer umfassenden Kritik. Sie berĂŒcksichtigt auch das Schicksal der ĂŒberlebenden KZ-HĂ€ftlinge nach ihrer Befreiung, das die meisten Holocaustwerke bislang ĂŒbergingen.

Lucy Davidowicz veröffentlichte 1975 The War against the Jews. Sie analysierte wie Levin zunĂ€chst die antisemitische Gesetzgebung im Dritten Reich, ihre Ausdehnung und Radikalisierung in den eroberten Gebieten und die GrĂŒnde dafĂŒr. Der Hauptteil vergleicht die LebensumstĂ€nde der Juden vor und nach ihrer Ghettoisierung und beschreibt die Rolle jĂŒdischer Organisationen, die den Nationalsozialisten teilweise unabsichtlich in die HĂ€nde gespielt hĂ€tten. FĂŒr Osteuropa sind die Quellen sehr genau angegeben; aber die Situation in einzelnen LĂ€ndern wird nicht grĂŒndlich untersucht, und die Opferzahlen werden nur im Anhang prĂ€sentiert. Die Rettungsaktionen in DĂ€nemark und Schweden sowie die Kollaboration in den ĂŒbrigen LĂ€ndern werden nicht dargestellt.

Der israelische Historiker Yehuda Bauer ging 1983 in A History of the Holocaust den Wurzeln des Antisemitismus nach und beschreibt die Wanderungsbewegungen der Juden in Europa als einen Mitgrund dafĂŒr. Er gibt dem Scheitern der Weimarer Republik als Aufstiegsgrund der NSDAP breiten Raum. Seine Kritik an MitlĂ€ufern und dem Versagen der Großkirchen gegenĂŒber der nationalsozialistischen Judenverfolgung ist zurĂŒckhaltender als die seiner VorgĂ€nger. Stattdessen zitiert Bauer Beispiele damaliger christlicher Hilfs- und Rettungaktionen fĂŒr Juden und nennt Namen von Judenrettern, die in der Holcaustforschung bisher nicht erwĂ€hnt worden waren. Dabei bezieht er sich auch auf TĂ€terquellen, z. B. SS-Akten oder Diplomaten neutraler LĂ€nder. Als erster Historiker erwĂ€hnt er eine Intervention des Vatikans gegen die Deportation der ungarischen Juden 1944, ohne diese auf pĂ€pstliche Initiative zurĂŒckzufĂŒhren. Die in Israel verfĂŒgbaren Quellen, vor allem Berichte Überlebender, hat Bauer dagegen kaum ausgewertet.

Der Brite Martin Gilbert stĂŒtzte sich 1985 in Der Holocaust vor allem auf zeitgenössische Quellen, die er chronologisch anbietet, und Interviews mit Überlebenden, die er unkommentiert fĂŒr sich sprechen lĂ€sst. Als erster Historiker stellt er schon die Massenmorde im Polenfeldzug 1939 als Beginn des Holocaust dar. Diese sieht er als bewusste Beschleunigung des allmĂ€hlichen Sterbens der parallel oder spĂ€ter ghettosierten Juden durch Verhungern und Seuchen. Seine Darstellung mit Fotos und Augenzeugenberichten von TĂ€tern, Opfern und Beobachtern ist bewusst anschaulich und bezieht die gesamte Breite der Massenverbrechen auch außerhalb der Vernichtungslager ein.

Die Israelin Leni Yahil wertete in The Holocaust (1987) die in Yad Vashem inzwischen gesammelten Materialien aus. Sie erwĂ€hnt erstmals die bislang unbeachteten Karaiten und Krimtschaken auf der Krim, von denen nur die zweite Gruppe rassisch verfolgt wurde. Sie betont den jĂŒdischen Widerstand und beschreibt den Glauben der orthodoxen Juden als Hindernis dafĂŒr (ohne deren tatsĂ€chliche Debatten darĂŒber wĂ€hrend der NS-Zeit darzustellen). Sie beschreibt die Rettungsaktionen aller neutralen LĂ€nder außer der TĂŒrkei und Portugal. Den Antisemitismus beschreibt sie erst ab 1932. Die angebotenen Karten lassen die Unterschiede zwischen deutschen KZs fĂŒr politische HĂ€ftlinge, Arbeits- und Vernichtungslagern nicht erkennen.[1]

Debatte zur Entscheidung und Planung des Holocaust

In den 1960er und 1970er Jahren ĂŒberlagerten Konflikte um die Gesamtdeutung der NS-Zeit im Rahmen von Totalitarismus- oder Faschismustheorien besonders in Deutschland die Holocaustforschung. Um 1969 begann ein Grundsatzstreit um die Frage, ob der Holocaust eher programmatisch-ideologische Absichten vollzog (Intentionalisten, Programmologen) oder sich eher aus widersprĂŒchlichen und chaotischen Strukturen entwickelte (Strukturalisten, Funktionalisten). Die empirische Detailforschung zum Holocaust war davon anfangs kaum berĂŒhrt, wurde aber seit etwa 1975 zunehmend in diesen Streit einbezogen.

Teilaspekt war die Frage nach Zeitpunkt und Rolle konkreter Befehle Hitlers zur DurchfĂŒhrung des Holocaust. Alan Bullock (Hitler, 1952) hatte Hitler als treibende Kraft bei der gesamten NS-Judenpolitik dargestellt; Gerald Reitlinger (Die Endlösung, 1953) hatte einen im FrĂŒhjahr 1941 erteilten „FĂŒhrerbefehl“ zum Holocaust fraglos angenommen. Dieser Sicht folgend verwiesen etwa Eberhard JĂ€ckel (Hitlers Weltanschauung, 1969) und Joachim Fest (Hitler. Eine Biographie, 1973) auf die kontinuierliche RadikalitĂ€t öffentlicher Drohungen Hitlers gegen die Juden. Lucy Dawidowicz (Der Krieg gegen die Juden, 1975) zufolge soll Hitler die Judenvernichtung schon seit den 1920er Jahren geplant und daran unbeirrbar festgehalten haben.

Im Gefolge Hilbergs betonte Uwe Dietrich Adam (Judenpolitik im Dritten Reich, 1972) auf breiterer Quellenbasis dagegen, dass Hitler den „Prozess der Vernichtung“ zwar abgesegnet, aber nicht langfristig geplant habe. Vielmehr seien die Judendeportationen und Massenerschießungen unter teilweise chaotischen BegleitumstĂ€nden nach der militĂ€rischen Niederlage im Russlandkrieg ausgeweitet und verschĂ€rft worden. Dies habe auch Hitler selbst in seinen EntscheidungsspielrĂ€umen eingeengt.

Der britische Geschichtsrevisionist und spĂ€tere Holocaustleugner David Irving behauptete 1977 (Hitlers Krieg. Die Siege 1939-1942), Hitler habe erst im Oktober 1943 von der organisierten Judenvernichtung erfahren; Heinrich Himmler und Reinhard Heydrich hĂ€tten diese eigenmĂ€chtig initiiert. Darauf antwortete zuerst Martin Broszat mit einer differenzierten Analyse der Quellen im Kriegsverlauf. Er kam zu dem Ergebnis, dass Hitlers fanatischer Judenhass und seine Gesamtverantwortung fĂŒr den Holocaust unbestreitbar seien. Aber der Holocaust sei „nicht nur aus vorgegebenem Vernichtungswillen“ zu erklĂ€ren, „sondern auch als ‚Ausweg’ aus einer Sackgasse, in die man sich selbst manövriert hatte“. Es sei wahrscheinlich, „dass es ĂŒberhaupt keinen umfassenden allgemeinen Vernichtungsbefehl gegeben hat, das ‚Programm’ der Judenvernichtung sich vielmehr aus Einzelaktionen heraus bis zum FrĂŒhjahr 1942 allmĂ€hlich und faktisch entwickelte“.[8]

Hans Mommsen wurde 1976 Hauptvertreter dieser „strukturalistischen“ Deutung des Holocaust in Deutschland: Er sieht diesen als Ergebnis einer „kumulativen Radikalisierung“, fĂŒr die Hitler, die Berliner Machtzentralen des NS-Regimes und die regionale VerwaltungsbĂŒrokratie in den eroberten Gebieten gleichermaßen verantwortlich gewesen seien. Er bekrĂ€ftigte 1979, der stĂ€ndige Konkurrenzkampf untergebener NS-Stellen um die „Gunst des FĂŒhrers“, das Eigengewicht „sekundĂ€rer bĂŒrokratischer Apparaturen“ und die „Segmentierung der Verantwortlichkeiten“ habe eine Eigendynamik bewirkt, so dass es keines „förmlichen, geschweige denn schriftlich fixierten Befehls von seiten Hitlers“ mehr bedurft habe.[9] 1983 betonte er nochmals, die „politisch-psychologische Gesamtstruktur“ des NS-Systems mĂŒsse rekonstruiert werden, um den Holocaust angemessen erklĂ€ren zu können.[10]

Dagegen zeichnete der Brite Gerald Fleming 1982 eine KontinuitĂ€tslinie von Hitlers frĂŒhem Antisemitismus zu seinen Äußerungen zur „Judenpolitik“ 1941: Er wies nach, dass Hitler sich von Januar bis Juni 1941 intensiver als zuvor damit befasste. Darum erklĂ€rte er etwa seinen Befehl, ihn persönlich regelmĂ€ĂŸig ĂŒber die seit Juni 1941 laufenden Massenerschießungen sowjetischer Juden zu unterrichten, als Vollzug eines lange gehegten Plans.[11] Christopher Browning belegte mit einer genauen Analyse der AktenbestĂ€nde des AuswĂ€rtigen Amtes die Ausweitung der Massenerschießungen seit Juni 1941 und widerlegte damit Broszats Annahme, der Holocaust habe sich erst 1942 aus einer „Sackgasse“ der militĂ€rischen Kriegsplanung, von der die Deportationen abhĂ€ngig gewesen seien, entwickelt. Er hĂ€lt es zudem fĂŒr wahrscheinlich, dass Hitler im Juli 1941 in die konkrete Vorbereitung des Holocaust durch Himmler und Heydrich einwilligte und die dadurch ausgelösten DurchfĂŒhrungsplĂ€ne im Oktober und November 1941 billigte.[12]

Peter Longerich stellte als Gerichtsgutachter fĂŒr den Prozess David Irvings gegen Deborah Lipstadt (London 1996-2000) nochmals alle Dokumente zusammen, die Hitlers Wissen vom und Initiative beim Holocaust belegen.[13]

Wegen vieler schriftlich dokumentierter Aussagen höchster NS-AmtstrĂ€ger gelten mĂŒndliche „FĂŒhrerbefehle“ zur Judenvernichtung heute als erwiesen. Nur mit Hitlers Erlaubnis, Billigung und Anordnung, so der weitgehende historische Konsens, konnten untergebene NS-TĂ€tergruppen die Juden systematisch ausrotten. Christopher Browning stellte ferner Übereinstimmung zwischen Intentionalisten und Strukturalisten in folgenden Punkten heraus:

  • Der Holocaust wurde nicht an einem einzelnen Datum beschlossen, sondern entwickelte sich in Wechselwirkung mit der Kriegslage.
  • Dieser Prozess radikalisierte sich stufenweise von unorganisierten Massakern im Polenfeldzug ĂŒber umfassende DeportationsplĂ€ne bis zu Massenerschießungen und dem Bau und Betrieb von Vernichtungslagern.
  • Die wichtigsten Entscheidungen zum Holocaust fielen in der zweiten JahreshĂ€lfte 1941.[14]

Im Rahmen dieses Konsenses setzen einige Historiker eigene Akzente, deuten und gewichten bestimmte Dokumente und Faktoren verschieden. Nach Longerich schlug die Vertreibung der Juden schon im Herbst 1939 zum Massenmord um. Alle seit dem Polenfeldzug geplanten und durchgefĂŒhrten Judendeportationen hĂ€tten mittelfristig ihre Vernichtung angestrebt und einkalkuliert. Diese sei dann nur noch zunehmend ausgeweitet und beschleunigt worden. Dabei habe es vier Eskalationsstufen gegeben. Seit Juli 1942 seien die Deportierten sofort nach Ankunft am Zielort ermordet worden; damit sei der Entschluss zur „Endlösung“ unumkehrbar geworden.[15]

Ähnlich deutete Magnus Brechtken den Madagaskarplan als Todesurteil fĂŒr das europĂ€ische Judentum: Er habe sich nur in Ort und Methode von der Vergasung in Auschwitz unterschieden.[16] Richard Breitman zufolge kalkulierten die Planer des Russlandfeldzugs Anfang 1941 bereits die Vernichtung großer Bevölkerungsteile der zu erobernden Gebiete ein. Dieser Grundsatzentscheidung seien Ende August/Anfang September 1941 die Entscheidungen zur praktischen DurchfĂŒhrung der Judenmorde gefolgt.[17]

Dem widersprach Philippe Burrin: Die sowjetischen Juden seien erst infolge des gescheiterten Blitzkrieges zur unterschiedslosen Ermordung freigegeben worden. Seit Oktober 1941 habe Hitler seinen am 20. Januar 1939 artikulierten bedingten Vorsatz zur Judenvernichtung in die Tat umgesetzt.[18]

Dagegen betonte Browning im Anschluss an frĂŒhere Thesen von Christian Streit[19] und Alfred Streim[20], die Befehle zur Ermordung auch der jĂŒdischen Frauen und Kinder in den sowjetischen Gebieten seien nicht aus EnttĂ€uschung ĂŒber den ausgebliebenen Blitzsieg, sondern noch wĂ€hrend der Siegesgewissheit ergangen. Anfang Oktober sei der Mordbeschluss dann auf alle europĂ€ischen Juden ausgedehnt worden; dabei habe Himmlers DrĂ€ngen auf mehr Kompetenzen fĂŒr die SS eine wichtige Rolle gespielt.[21] Auch Dieter Pohl[22], Götz Aly[23] und Peter Witte[24] sehen im Oktober 1941 den kritischen Wendepunkt der NS-Judenpolitik.

Dem widersprachen Hans Safrian, L.J. Hartog und Christian Gerlach: Sie sehen den Dezember 1941 als SchlĂŒsselzeitraum und den Kriegseintritt der USA als auslösenden Faktor. Safrian zufolge wurde die Vertreibung der sowjetischen Juden Anfang Dezember unmöglich, so dass die Wannseekonferenz verschoben wurde, um andere Optionen auszuarbeiten.[25] FĂŒr Hartog setzte der japanische Angriff auf Pearl Harbor Hitlers eigentliches Streben nach Judenvernichtung frei: Es sei obsolet geworden fĂŒr ihn, die deutschen Juden als Geiseln zum Erpressen der USA zu benutzen, um deren Kriegseintritt zu verzögern. Er habe die Juden unter allen UmstĂ€nden ausrotten wollen und dazu auch den Weltkrieg gefĂŒhrt.[26]

Gerlach datiert Hitlers Entscheidung exakt auf den 12. Dezember 1941: An jenem Tag habe Hitler seinen engsten Vertrauten mitgeteilt, dass er die Judenfrage endgĂŒltig durch Ermordung aller europĂ€ischen Juden lösen wolle. Dies bestĂ€tigten TagebucheintrĂ€ge von Goebbels am 16. Dezember und andere, bislang unbeachtete Dokumente.[27]

Saul FriedlĂ€nder datiert den Übergang zum Holocaust auf den SpĂ€therbst 1941 und erklĂ€rt ihn mit Burrin und Gerlach als Reaktion auf das Scheitern des Blitzkrieges und den Kriegseintritt der USA. Zugleich betont er die ideologische Konstante in Hitlers Denken: Er habe daran geglaubt, die Welt von „dem Juden“ als dem absolut Bösen befreien zu mĂŒssen. Die „Endlösung“ sei somit als Versuch einer „Erlösung“ zu deuten.[28]

SingularitÀtsdebatte

Als „SingularitĂ€t“, „Einzigartigkeit“ (englisch uniqueness) oder „Beispiellosigkeit“ (unprecedentedness) bezeichnet man besondere historische Merkmale, die den Holocaust bisher von allen anderen Völkermorden und Massenmorden der Geschichte unterscheiden.

1978 entstand in den USA bei der Planung des Holocaust Memorial Museums ein Streit um die Definition des Holocaustbegriffs: Vertreter nichtjĂŒdischer Opfergruppen wollten ihre Verfolgung in der NS-Zeit als Teil des Holocaust in dessen nationales Gedenken einbezogen sehen. In der dadurch angestoßenen Forschung betonten die meisten israelischen, deutschen, britischen und US-amerikanischen Holocaustforscher die SingularitĂ€t des Holocaust hinsichtlich der realen und angestrebten Opferzahlen, der staatlichen Planung als gesellschaftliches Gesamtprojekt und seiner systematischen und auch industriellen DurchfĂŒhrung. Eine Minderheit bestreitet diese SingularitĂ€t und betont Parallelen von Vernichtungszielen, DurchfĂŒhrung und GrĂ¶ĂŸenordnung zu anderen Völkermorden.

Die vergleichende Völkermordforschung hat sich erst im Gefolge dieser Kontroverse entwickelt. Sie lehnt die Deutung der SingularitĂ€t als „Unvergleichbarkeit“ ab, weil die einmaligen Besonderheiten des Holocaust erst im Vergleich mit anderen Völkermorden feststellbar seien. Einige ihrer Spezialuntersuchungen zur Entstehung, Planung und DurchfĂŒhrung anderer Völkermorde haben die Grundannahme der meisten Holocaustforscher zur SingularitĂ€t bestĂ€tigt.

In Deutschland entstand eine SingularitĂ€tsdebatte seit 1986 im Historikerstreit um die Thesen von Ernst Nolte: Dieser deutete die Arbeitslager Stalins als unmittelbare Vorbilder der nationalsozialistischen Arbeits- und Vernichtungslager und den Holocaust als vorbeugende Vernichtung von Menschengruppen, die erst im Krieg gegen die Sowjetunion und als Reaktion auf die kommunistische Ideologie zu Feinden erklĂ€rt worden seien.[29] Geschichtsrevisionisten griffen Noltes Thesen auf, um den Holocaust als gewöhnlichen, nicht qualitativ von anderen Großverbrechen unterscheidbaren Massenmord zu relativieren.[30]

Kriterien und Argumente

Dagegen haben viele Historiker die singulÀren Besonderheiten des Holocaust hervorgehoben, so Israel Gutman 1987:[31]

„Er entsprang nicht einem wirklichen Konflikt zwischen dem deutschen Volk und den Juden in Deutschland oder in der Welt. In Wahrheit waren die Juden ein loyaler und ergebener Teil der deutschen Gesellschaft; sie leisteten einen großen Beitrag zur Entwicklung und zur BlĂŒte der deutschen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. [
] Es handelte sich vielmehr um einen Vernichtungsfeldzug, der sich aus der Rassenideologie der Nazis ergab und nur aus diesem Grund beschlossen wurde. [
] Doch die nationalsozialistische Rassenlehre beschrĂ€nkte sich nicht darauf, den Juden als ein Wesen zu definieren, das entgegen dem von der darwinistischen Theorie festgelegten Prozess der natĂŒrlichen Auslese, Anpassung und des Überlebens minderwertige rassisch-biologische WesenszĂŒge angenommen hĂ€tte. Nach Hitlers GrundsĂ€tzen waren die Juden weder eine religiöse noch eine nationale Gruppe, sondern eine machthungrige, gut organisierte subversive „Rasse“, die sich das Ziel gesetzt hatte, den natĂŒrlichen Wettkampf der menschlichen Rassen aufzuheben
 Auf solchen grundlosen Behauptungen beruhte der „Krieg“ gegen die Juden, der stĂ€ndig verschĂ€rft wurde, bis er das Stadium der unnachgiebigen physischen Vernichtung erreichte. [
] Das Ziel war, alle Juden ohne RĂŒcksicht auf Alter, Geschlecht, Anschauung, Beruf oder Stand zu fangen und zu töten.“

Eberhard JĂ€ckel nennt als entscheidende historische Besonderheit des Holocaust, dass „noch nie zuvor ein Staat mit der AutoritĂ€t seines verantwortlichen FĂŒhrers beschlossen und angekĂŒndigt hatte, eine bestimmte Menschengruppe einschließlich der Alten, der Frauen, der Kinder und der SĂ€uglinge möglichst restlos zu töten, und diesen Beschluss mit allen nur möglichen staatlichen Machtmitteln in die Tat umsetzte.“[32]

Dieter Pohl sieht als Besonderheiten des Holocaust, auch gegenĂŒber anderen von NS-Massenmorden, ein staatliches Programm, eine Gruppe von Menschen nur wegen ihrer Herkunft restlos und in kĂŒrzester Zeit zu ermorden, beruhend auf einer zur Staatsdoktrin des Deutschen Reiches erhobenen Judenfeindschaft mit Merkmalen einer Welt-Verschwörungstheorie, die sich daher rasant verbreiten und fĂŒr große Bevölkerungsteile „handlungsrelevant“ werden konnte:[33]

„FĂŒr die ExplosivitĂ€t des Antisemitismus im Vergleich zu den anderen Vorurteilen sorgte vor allem der von vielen geteilte Glaube, Juden seien als Kollektiv dabei, die Welt zu beherrschen, sie seien eine Bedrohung fĂŒr die Menschheit.“

Dies habe den Massenmord dennoch nicht zwangslÀufig verursacht:

„Vielmehr ist die fundamentale Bedeutung der Expansionspolitik fĂŒr die Eskalation der Gewalt zu unterstreichen, die generell mörderische Politik in Osteuropa wie auch die Zersetzung konventioneller Politikstrategien. Utopische PlĂ€ne zur Neugestaltung und die radikale Ausbeutung der besetzten Gebiete setzten jegliche AnsĂ€tze zu einer rechtmĂ€ĂŸigen Politik außer Kraft. Immer mehr Extremisten wetteiferten um ein möglichst radikales Vorgehen gegen die Juden. Dieses Verbrechen war zugleich von einem gigantischen Raubzug begleitet. In den Köpfen der Antisemiten geisterte die Vorstellung, Europas Juden besĂ€ĂŸen sagenhafte ReichtĂŒmer. So war jede Verfolgungsmaßahme auch von der Enteignung begleitet
“

Pohl hebt „gravierende Unterschiede“ zu Massenmorden unter Stalin hervor: Dort hĂ€tten Diktatur und Staatsterror die Politik schon seit 1918 bestimmt und sich vornehmlich gegen eigene BĂŒrger gerichtet:[34]

„In Deutschland hingegen konnte man einen Absturz der Zivilisation beobachten, den wohl niemand fĂŒr möglich gehalten hatte. Nachdem der Krieg von Hitler entfesselt war, ermordete das nationalsozialistische Regime in fast vier Jahren [
] einen erheblichen Teil der europĂ€ischen Bevölkerung; an die 97% aller Ermordeten waren AuslĂ€nder. Spezifisch war vor allem das Ziel und das daraus resultierende Vorgehen: der Versuch, eine Minderheit mit allen MĂ€nnern, Frauen und Kindern restlos auszurotten, wo man ihrer habhaft wurde. Allein schon das Verbrechen an jĂŒdischen Kindern sucht seinesgleichen
Mindestens 1,5 Millionen jĂŒdische Kinder wurden im Zweiten Weltkrieg umgebracht
“

Yehuda Bauer bezeichnete den Holocaust als einzigartige, vorher nie da gewesene Form eines Genozids, gemessen an dessen UN-Definition:[35]

„Weil er zum Tod jedes Einzelnen mit drei oder vier jĂŒdischen Großeltern fĂŒhren sollte. Mit anderen Worten: Das Verbrechen dieser Menschen war, ĂŒberhaupt geboren zu sein. [
] Alle anderen Genozide, die es vor, wĂ€hrend und nach dem NS-Regime gab, waren lokaler Natur, d. h., der Genozid ereignete sich innerhalb einer bestimmten geografischen Region. Im Falle des Holocaust hatte Deutschland jedoch jeden einzelnen Juden auf der ganzen Welt im Visier. Die NS-Ideologie war eine universale, globale und mörderische Ideologie. [
] [Sie] wurzelte nicht in einem politischen, ökonomischen oder militĂ€rischen Pragmatismus. Sie grĂŒndete auf der puren Fantasie von einer jĂŒdischen Verschwörung, die angeblich die ganze Welt beherrschte. [
] Die Juden aber hatten den niedrigsten Rang im Lager. Ihre Erniedrigung erreichte Tiefen, wie man sie in der Geschichte nie zuvor gekannt und erfahren hatte.“

Joachim Fest fasste drei Hauptargumente fĂŒr die SingularitĂ€t des Holocaust zusammen:

  • „dass deren Betreiber nicht nach Schuld oder Unschuld fragten, sondern die rassische Zugehörigkeit zur ausschließlichen Ursache der Entscheidung ĂŒber Leben oder Tod machten“
  • „die administrative und mechanische Form [
], in der das Massenmorden vollzogen wurde“
  • dass „solche RĂŒckfĂ€lle ins Entmenschte sich in einem alten Kulturvolk ereigneten.“ (siehe Zivilisationsbruch-These).

Peter Longerich dagegen erklĂ€rte, die SingularitĂ€t des Holocaust lasse sich weder mit der reinen Opferzahl noch mit einer besonderen historischen Rolle jĂŒdischer Opfer oder dem Umstand, dass die Mörder einer Kulturnation angehörten, begrĂŒnden:

„Die These von der Einzigartigkeit des Holocaust lĂ€sst sich hingegen wohl nur dann aufrechterhalten, wenn man die Intentionen der Verfolger zur vollstĂ€ndigen Ermordung der Juden hervorhebt und gleichzeitig den systematischen Charakter der Verfolgungsmaßnahmen und Massentötungen betont, bis hin zur Existenz von regelrechten Tötungsfabriken. Legt man diese Definitionskriterien an, so spricht einiges dafĂŒr, dass der Holocaust tatsĂ€chlich beispiellos ist [
].“

Dies könne vergleichende Genozidforschung bestĂ€tigen, da sich eine Absicht vollstĂ€ndiger Ausrottung und analoge Systematik fĂŒr nichtjĂŒdische Opfergruppen nicht nachweisen lasse; am ehesten Ă€hnele der Völkermord an den Armeniern dem Holocaust darin.[36]

Den Vorrang der Judenvernichtung auch im Kriegsverlauf zeigen folgende Maßnahmen: Die Nationalsozialisten und ihre Helfer organisierten in den ĂŒberfallenen europĂ€ischen Staaten (u. a. Polen, Frankreich, Niederlande, Tschechoslowakei, Sowjetunion), sofort den Zugriff auf die jĂŒdischen Bevölkerungsteile, nicht aber auf andere im Deutschen Reich verfolgte Opfergruppen wie Behinderte und Homosexuelle. Sie gaben der Ghettoisierung und Deportationen in Konzentrations-, Arbeits- und Vernichtungslager seit 1941 in Osteuropa absolute PrioritĂ€t. Von der Wehrmacht dringend benötigtes Material wurde zunĂ€chst an die Vernichtungslager geliefert; dafĂŒr wurde sogar verzögerter Nachschub fĂŒr die Front in Kauf genommen, ohne RĂŒcksicht auf Nachteile fĂŒr die KriegfĂŒhrung. Staatsbehörden, Wehrmacht und Einsatzgruppen arbeiteten dabei Hand in Hand, wie etwa im NĂŒrnberger Nachfolgeprozess ĂŒber die „Einsatzgruppen“ nachgewiesen wurde (siehe auch: Verbrechen der Wehrmacht).

FĂŒr Saul FriedlĂ€nder zeigen Heinrich Himmlers Posener Reden, dass den TĂ€tern der Ausnahmecharakter ihrer Judenvernichtung vollauf bewusst war. Wie Glaubens- oder Parteigegner in Mittelalter und Neuzeit hĂ€tten sie ihre Ziele zwar „mit Stolz propagiert und im Sinne einer ideologischen Notwendigkeit als verbindliches Ziel allgemein und wie selbstverstĂ€ndlich anerkannt“, aber dennoch die DurchfĂŒhrung nach außen strikt geheim gehalten. Himmlers Forderung an seine Hörer, dieses „niemals geschriebene und niemals zu schreibende Ruhmesblatt unserer Geschichte“ als Geheimnis mit ins Grab zu nehmen, erklĂ€rt FriedlĂ€nder wie folgt:[37]

„Hier deutet Himmler an, dass er und die Anwesenden sich - in diesem Falle - einer absoluten GrenzĂŒberschreitung bewusst sind, was die nachfolgenden Generationen nicht verstehen werden, nicht einmal als notwendiges Mittel zum „gerechtfertigten“ Zweck. [
] Die fĂŒr alle Zeiten auferlegte Geheimhaltung kann nur bedeuten, dass es kein „höheres“, „stichhaltiges“ Argument gibt, dass eine derartige totale Vernichtung in den Augen der Nachwelt „rechtfertigen“ könnte. [
] Meiner Ansicht nach liegt darin ein nicht unwesentlicher Unterschied zwischen dem nationalsozialistischen und dem stalinistischen „Vorhaben“. Ganz abgesehen davon, wieviele Verbrechen von und unter Stalin begangen wurden, formal wurden sie im Namen eines universalen „Ideals“ begangen, oder - genauer - dieses Ideal wurde höchstwahrscheinlich von den TĂ€tern selbst als ErklĂ€rung fĂŒr ihr Handeln aufrechterhalten. Nehmen wir Himmlers feierlichen Wunsch nach Geheimhaltung ernst, dann wird die Ausrottung der Juden durch die Nazis zu einem Ziel, das kein „höherer, allgemein verstĂ€ndlicher“ Zweck rechtfertigen kann. Infolgedessen scheint die Einzigartigkeit des nationalsozialistischen Vorhabens nicht nur in der Tat selbst zu liegen, sondern auch in der Sprache der TĂ€ter und in der Art und Weise, wie diese sich selbst wahrgenommen haben.“

Demnach habe die fĂŒr die Nationalsozialisten selbst aus keinem umfassenderen Ziel zu rechtfertigende Judenvernichtung „fĂŒr eine AmoralitĂ€t jenseits aller Kategorien des Bösen“ gestanden. Auch die verbreitete Verleugnung und VerdrĂ€ngung der bekannten Tatsachen der Judenverfolgung in der Bevölkerung, auch bei den Opfern selber, weise auf einen „gemeinsamen Nenner“ hin: „Die ‚Endlösung’ war gewissermaßen ‚undenkbar’.“

EinwÀnde

Der Althistoriker Christian Meier betonte 1990, SingularitĂ€t des Holocaust könne nicht Unvergleichbarkeit meinen, sondern nur, dass die nur durch Vergleiche feststellbaren NS-Verbrechen derart aus der Reihe anderer Verbrechen herausragten, dass damit „ein neues Kapitel in der Geschichte aufgeschlagen ist“.[38] Der Althistoriker Egon Flaig kritisierte die SingularitĂ€tsthese 2007 als trivial: Einzigartigkeit und Unwiederholbarkeit kennzeichne jedes historische Ereignis.[39]

Im Anschluss an die Thesen Ernst Noltes bestreitet StĂ©phane Courtois seit 1997 die SingularitĂ€t des Holocaust hinsichtlich der Opferzahlen und ideologischen Ursachen. Die Nationalsozialisten hĂ€tten mit ihren Konzentrationslagern auf Gulags im Stalinismus reagiert. Die Massenverbrechen in von der totalitĂ€ren Ideologie des Staatskommunismus beherrschten Systemen ĂŒberstiegen im Gesamtergebnis die des Holocaust weit. Dessen behauptete SingularitĂ€t habe diese historische Erkenntnis verstellt.[40]

Manche Forscher stellten einen auf völlige Ausgrenzung und teilweise Ausrottung zielenden Rassismus auch bei anderen Völkermorden fest, etwa beim Völkermord an den Nama und den Herero 1904 und beim Völkermord an den Armeniern 1909–1917. Die US-Autoren Ward Churchill und David Stannard beschrieben die allmĂ€hliche, etwa 400-jĂ€hrige weitgehende Dezimierung der Ureinwohner Amerikas („Indianer“) als mit dem Holocaust vergleichbaren, von einer Ausrottungsabsicht bestimmten Völkermord. Sie verbanden dies mit scharfen Angriffen auf US-Historiker, die an der SingularitĂ€t des Holocaust festhalten.[41]

Einige Historiker haben den NS-Massenmord an Roma und Sinti („Porajmos“) mit dem Holocaust verglichen, um so Gleichstellungs- und EntschĂ€digungsansprĂŒche von Opfernachfahren dieser NS-Verfolgten zu unterstĂŒtzen. Dies fĂŒhrte 1998/99 zu einer öffentlichen Kontroverse zwischen Yehuda Bauer und Gilad Margalit auf der einen, Romani Rose vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und dem Historiker Silvio Peritore auf der anderen Seite. Wolfgang Wippermann hĂ€lt im Ergebnis einer Studie von 2005 fest, der Genozid an Sinti und Roma sei ebenso singulĂ€r gewesen wie der an den Juden, da beide rassistisch motiviert und befohlen worden seien, auf Ausrottung gezielt hĂ€tten und systematisch vollzogen worden seien.[1]

Der ehemalige Bundesbeauftragte fĂŒr die Stasi-Unterlagen Joachim Gauck warnte 2006 in einem Vortrag vor der Robert Bosch Stiftung davor, den Judenmord in eine Einzigartigkeit zu ĂŒberhöhen, die ihn dem Verstehen und der Analyse seiner Ursachen entziehe. Eine solche „Entweltlichung des Holocaust“ rĂŒcke das historische Geschehen in eine religiöse Dimension: Es erscheine nunmehr als „das absolute Böse“, aus dem „bestimmte postreligiöse Milieus“ eine Orientierung wĂŒrden zu gewinnen hoffen, die ihnen durch den Verlust des „Koordinatensystem[s] religiöser Sinngebung“ abgehe.[42]

Forschung zu DurchfĂŒhrung und TĂ€tern

Seit Mitte der 1960er Jahre wuchsen die historischen Detailkenntnisse zur DurchfĂŒhrung des Holocaust in den von NS-Deutschland besetzten Einzelstaaten. Jacob Presser beschrieb 1965 die nationalsozialistische Verfolgung der Juden in den Niederlanden, Leni Yahil 1969 in DĂ€nemark, Frederick Charry 1972 in Bulgarien, Meir Michaelis 1978 in Italien, Michael Marrus und Robert Paxton 1981 in Frankreich, Randolph Braham 1981 in Ungarn. Helen Fein verglich 1979 erstmals die DurchfĂŒhrung des Holocaust in verschiedenen LĂ€ndern.

Adalbert RĂŒckerl wertete bis 1977 Gerichtsakten aus NS-Prozessen zu den AblĂ€ufen in den NS-Vernichtungslagern aus. Helmut Krausnick und Hans Heinrich Wilhelm gaben 1981 eine grĂŒndliche Studie zu den Einsatzgruppen heraus. Eugen Kogon und andere dokumentierten 1983 den Einsatz von Giftgas in den NS-Vernichtungslagern.

Auch der Zusammenhang des Holocaust mit anderen NS-Massenverbrechen wurde seit etwa 1980 genauer untersucht. Christian Streit und Alfred Streim beschrieben 1981 und 1983 die Ermordung von Millionen sowjetischer Kriegsgefangener. Diemut Majer analysierte die rechtliche Diskriminierung von „fremdvölkischen“ Gruppen in Deutschland seit 1933. Ulrich Herbert legte 1985 eine Studie zum NS-Umgang mit osteuropĂ€ischen „Fremdarbeitern“ vor. Ernst Klee und Hans-Walter Schmuhl analysierten 1985 und 1987 die Euthanasie-Morde von 1939/40 an Anstaltspatienten in Deutschland und Polen. Viele dieser Detailforschungen flossen in neuere Gesamtdarstellungen ein, etwa den historiografischen Überblick von Michael Marrus (1987) und die von etwa 200 Historikern erstellte EnzyklopĂ€die des Holocaust (1989).

Die Öffnung osteuropĂ€ischer Archive in den 1990er Jahren ermöglichte detaillierte Untersuchungen zur DurchfĂŒhrung des Holocaust in Einzelregionen anhand von Originalquellen. So erschienen Arbeiten ĂŒber die Judenverfolgung im Warthegau von Ian Kershaw (1992), in Lettland von Dieter Pohl (1993) und Andrew Ezergailis (1996), in Ostgalizien von Thomas SandkĂŒhler (1996) und Dieter Pohl (1997), im Distrikt Lublin von Bogdan Musial (1999), in Weißrussland von Christian Gerlach (1999), in Ostoberschlesien von Sybille Steinbacher (2000). Ralf Ogorreck legte 1996 eine neue Arbeit ĂŒber die Einsatzgruppen in der Sowjetunion vor.

Ferner wurde die Rolle verschiedener Teilbereiche von NS-TĂ€tern, Behörden und PlĂ€nen bei der Judenvernichtung nĂ€her untersucht. Götz Aly und Susanne Heim wiesen 1991 nach, dass bereits die PlĂ€ne der Ostforschung der NS-Zeit auf das „Verschwinden“ der Juden hinausliefen. Wieweit sie die realen Entscheidungen zum Holocaust mit beeinflussten, ist ungeklĂ€rt. 1995 beschrieb Aly den Holocaust als Beginn und Teil der umfassenden NS-VölkermordplĂ€ne zur Änderung der Bevölkerungsstruktur Osteuropas. Christian Gerlach und andere stellten den Holocaust in den Kontext der gezielten deutschen Hungerpolitik in Osteuropa.

Zudem untersuchten Dieter Maier (1994), Wolf Gruner (1997), Norbert Frei, Bernd C. Wagner und andere (2000) das NS-System der Ausbeutung und „Vernichtung durch Arbeit“ in besonderen Lagern, ArbeitsauftrĂ€gen und Behandlungsweisen fĂŒr vor allem jĂŒdische Zwangsarbeiter. Maier und Gruner zeigten dabei die Rolle deutscher Arbeits- und Gemeindeverwaltungen seit 1938, Alfons Kenkmann und Bernd A. Rusinek (1999) die der Finanzbehörden auf. Hannes Heer und Klaus Naumann haben 1995 die Rolle der Wehrmacht beim Holocaust, den sie als Teil des rassistischen Vernichtungskrieges darstellen, untersucht und betont. Robert Jan van Pelt und Deborah Dwork haben 1996 anhand der Architekturgeschichte von Auschwitz den Entscheidungsprozess zum Holocaust untermauert. Die bauliche, funktionale und soziale Entwicklung der ĂŒbrigen NS-Konzentrationslager haben Ulrich Herbert, Karin Orth und Christoph Dieckmann 1998, Karin Orth 2000 nochmals im Detail nachgezeichnet.

Die Regionalisierung und Diversifizierung der Forschung hat Ă€ltere Interpretationen des Holocaust als eines bĂŒrokratischen „Verwaltungsmordes“, den ein relativ ĂŒberschaubarer HaupttĂ€terkreis vorwiegend aus ideologischen Motiven (Intentionalisten) oder aus konkurrierenden, verselbstĂ€ndigten Behördeninteressen (Funktionalisten) organisierte und vollzog, korrigiert. Peter Longerich resumierte 2002:[43]:

„Je mehr die Forschung von thematischen Querschnitten, regional angelegten Arbeiten und von Mikrostudien geprĂ€gt wird, desto mehr wird deutlich, dass es sich bei der Ermordung der europĂ€ischen Juden um ein gigantisches Massaker an Millionen von Menschen handelt, verĂŒbt von mehr als hunderttausend TĂ€tern und Helfern unter den Augen einer unabsehbar großen Zahl von Zeitgenossen, die in passiver Haltung Zeugen des Verbrechens wurden.“

Siehe auch

Literatur

Quellen
  • Jacob Apenszlak: The Black Book of Polish Jewry. New York 1943
  • Wassili Grossmann, Ilja Ehrenburg: Das Schwarzbuch. Der Genozid an den sowjetischen Juden. (Russisch, 1946) Deutsch: Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1994
  • Eugene Levai: Black Book on the Martyrdom of Hungarian Jewry. Central European Times Publication, ZĂŒrich 1948
  • Kriegsverbrecherprozesse vor dem NĂŒrnberger MilitĂ€rgericht nach Kontrollrats-Gesetz Nr. 10 (Akten und Verhörsprotokolle des IMT, 1947-49, 42 BĂ€nde) Microfilm-Ausgabe, Olms, Hildesheim
  • Black Book of Localities whose Jewish Population was Exterminated by the Nazis, Jerusalem 1965
  • Yeshayahu Jelinek: The Holocaust of Slovakian an Croatian Jewry from the Historiographical Viewpoint. A comparative Analysis. (1988, enthĂ€lt jugoslawische Berichte von 1946 ff.)
Quellenkritik
  • Saul FriedlĂ€nder: Die Quellen des Holocaust. EntschlĂŒsseln und Interpretieren. Frankfurt a.M. 2002, ISBN 3-100-33626-7.
  • JĂŒrgen Finger, Sven Keller, Andreas Wirsching: Vom Recht zur Geschichte. Akten aus NS-Prozessen als Quellen der Zeitgeschichte. Göttingen 2009, ISBN 3-525-35500-9.
Dokumentationen
  • Seymour Krieger: Nazi Germanys War against the Jews. American Jewish Conference, New York 1947
  • Bruno Blau: Das Ausnahmerecht fĂŒr die Juden in Deutschland. (1952) Verlag Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland, 2. Auflage 1954
  • Institut fĂŒr Zeitgeschichte (Hrsg.): Augenzeugenberichte, 1953
  • Helmut Heiber: Aus den Akten des Gauleiters Kube. In: Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte, Heft 1, 1956, S. 67-92. Online verfĂŒgbar: Archiv IfZ (pdf-Datei)
  • Martin Broszat (Hrsg.): Kommandant in Auschwitz: Autobiographische Aufzeichnungen des Rudolf HĂ¶ĂŸ. (1958) Deutscher Taschenbuch Verlag, Neuauflage 1998, ISBN 3423301279
  • Hans-GĂŒnter Adler: Arbeiten zum KZ Theresienstadt (1955, 1958), zu Judendeportationen aus Deutschland (1974)
  • Joseph Wulf: Das Dritte Reich und seine Vollstrecker. Die Liquitation der Juden im Warschauer Ghetto. Dokumente und Berichte. (1958, 1961) Erweiterte Neuausgabe, Wiesbaden 1989, ISBN 3925037470
  • Joseph Wulf: Lodz. Bundeszentrale fĂŒr Heimatdienst, Bonn 1962
  • John Mendelsohn (Hrsg.): The Holocaust. Selected document in eighteen volumes. (New York 1982) Lawbook Exchange Ltd, Nachdruck 2010, ISBN 1616190000
  • Staat Israel, Justizministerium: The Trial of Adolf Eichmann: Record of Proceedings in the District Court of Jerusalem 1961. (Jerusalem 1992) Rubin Mass, 1998, ISBN 9650905030
Bibliographien
  • Philip Friedman: Bibliography of Books in Hebrew on the Jewish Catastrophe and Heroism in Europe, 1960
  • Jacob Robinson: The Holocaust and After: Sources and Literature in English, 1973
  • Philip Friedman: The Catastrophe of European Jewry: Antecents, History, Reflections (Hrsg.: Yad Vashem), Jerusalem 1976
  • Emil Fackenheim: The Jewish Return into History, New York 1978
  • Harry Jams Cargas: The Holocaust: An Annotated Bibliography. American Library Association, Chicago/London 1985
  • Abraham J. Edelheit, Herschel Edelheit: Bibliography on Holocaust Literature. Westview Press, Boulder/Colorado 1986
Gesamtdarstellungen
  • LĂ©on Poliakov: Breviaire de la haine, 1951; englisch: Harvest of Hate, 1979
  • Gerald Reitlinger: Die Endlösung, 1953
  • Joseph Tenenbaum: Race and Reich. The Story of an Epoch. Twayne, New York 1956
  • Raul Hilberg: The Destruction of the European Jews, 1961; deutsch: Die Vernichtung der europĂ€ischen Juden
  • Nora Levin: The Holocaust, 1968
  • Uwe Dietrich Adam: Judenpolitik im Dritten Reich, 1972
  • Lucy Davidowicz: The War against the Jews, 1975
  • Louis S. Snyder: Encyclopedia of the Third Reich, New York 1976
  • Yehuda Bauer: A History of the Holocaust, 1982
  • Martin Gilbert: Der Holocaust, 1985
  • Leni Yahil: The Holocaust, 1987
  • Israel Gutman (Hrsg.): EnzyklopĂ€die des Holocaust, 1. Auflage 1987, 2. Auflage 1998
  • Steven T. Katz: The Holocaust in Historical Context. Vol. 1: The Holocaust and Mass Death before the Modern Age, New York : Oxford University Press, 1994 ISBN 0-19-507220-0
  • Götz Aly: Endlösung, 1995
  • Saul FriedlĂ€nder: Das Dritte Reich und die Juden, Band 1-3
  • Christopher Browning: Judenmord: NS-Politik, Zwangsarbeit und das Verhalten der TĂ€ter. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3100052102
  • Dieter Pohl: Holocaust. Die Ursachen - das Geschehen - die Folgen. Herder Spektrum, Freiburg im Breisgau 2000
Entscheidung und Planung
  • Alan Bullock: Hitler. Eine Studie ĂŒber Tyrannei, englisch 1952, deutsch 1977
  • Eberhard JĂ€ckel: Hitlers Weltanschauung, 1969
  • Joachim Fest: Hitler. Eine Biographie, 1973
  • Martin Broszat: Hitler und die Genesis der Endlösung, 1977
  • Hans Mommsen: Hitlers Stellung im nationalsozialistischen Herrschaftssystem, in: Gerhard Hirschfeld (Hrsg.): Der „FĂŒhrerstaat. Mythos und RealitĂ€t, 1981, S. 43-72
  • Christopher Browning: Zur Genesis der „Endlösung“. Eine Antwort an Martin Broszat, 1981
  • Gerald Fleming: Hitler und die Endlösung. „Es ist des FĂŒhrers Wunsch
“, 1982
  • Hans Mommsen: Die Realisierung des Utopischen: Die „Endlösung der Judenfrage“ im „Dritten Reich“, 1983
  • Philippe Burrin: Hitler und die Juden. Die Entscheidung fĂŒr den Völkermord, S. Fischer, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3100463080
  • Dieter Pohl: Von der „Judenpolitik“ zum Judenmord. Der Distrikt Lublin des Generalgouvernements 1939-1944, Frankfurt am Main 1993
  • Hans Safrian: Die Eichmann-MĂ€nner, Wien 1995
  • Peter Witte: Two Decisions concerning the 'Final Solution of the Jewish Question': Deportations to Lodz and the Mass Murder in Chelmno, in: Holocaust and Genocide Studies 9/3, London/Jerusalem 1995
  • Magnus Brechtken: „Madagaskar fĂŒr die Juden“. Antisemitische Idee und politische Praxis 1885-1945, MĂŒnchen 1997
  • Christian Gerlach: Die Wannseekonferenz, das Schicksal der deutschen Juden und Hitlers Grundsatzentscheidung, alle Juden Europas zu ermorden, in: Werkstatt Geschichte, Nr. 18/1997, S. 7-44
  • L. J. Hartog: Der Befehl zum Judenmord. Hitler, Amerika und die Juden, Syndikat Buchgesellschaft Bodenheim, 1. Auflage 1997, 2. Auflage 2000, ISBN 3931705110
  • Richard Breitman: Official Secrets: What the Nazis Planned, What the British and Americans Knew, Hill & Wang Publishers, 1. Auflage 1998, ISBN 0809038196 (englisch); deutsche Erstausgabe: Staatsgeheimnisse. Die Verbrechen der Nazis - von den Alliierten toleriert, Blessing, 1999, ISBN 3896670565
  • Peter Longerich: Die Eskalation der NS-Judenverfolgung zur 'Endlösung'. Herbst 1939 bis Sommer 1942, Vortrag auf dem Symposium on the Origins of Nazi Policy, Gainesville, Florida/USA, 1998
  • Peter Longerich: Der ungeschriebene Befehl. Hitler und der Weg zur „Endlösung“, Piper, MĂŒnchen 2001, ISBN 3492042953
SingularitÀtsdebatte
  • Eberhard JĂ€ckel: Die elende Praxis der Untersteller, in: Historikerstreit, MĂŒnchen 1987, ISBN 3-492-10816-4
  • Saul FriedlĂ€nder: Die „Endlösung“. Über das Unbehagen in der Geschichtsdeutung. In: Walter H. Pehle (Hrsg.): Der historische Ort des Nationalsozialismus. AnnĂ€herungen. Fischer TB, Frankfurt 1990, ISBN 3-596-24445-5
  • Egon Flaig: Das Unvergleichliche, hier wird's Ereignis, in: Merkur 701, Oktober 2007, S. 978 - 981
  • Christian Meier: Zur SingularitĂ€t des Holocaust, in (ders.): 40 Jahre nach Auschwitz, 2. erweiterte Auflage, MĂŒnchen 1990
Shoa und Porajmos
  • Romani Rose: „FĂŒr beide galt damals der gleiche Befehl“. Eine Entgegnung auf Yehuda Bauers Thesen zum Genozid an den europĂ€ischen Juden, Sinti und Roma, in: BlĂ€tter fĂŒr deutsche und internationale Politik 43 (1998), S. 467-472
  • Yehuda Bauer: „Es galt nicht der gleiche Befehl fĂŒr beide“. Eine Entgegnung auf Romani Roses Thesen zum Genozid an den europĂ€ischen Juden, Sinti und Roma. In: BlĂ€tter fĂŒr deutsche und internationale Politik, 43 (1998), H. 11, S. 1380-1386
  • Gilad Margalit: Eine Antwort auf Silvio Peritore, in: GWU 50 (1999), H. 10, S. 610-616
  • Silvio Peritore: Die ‘Zigeunerfrage‘ im Nationalsozialismus. Anmerkungen zum Artikel von Gilad Margalit, in: GWU 50 (1999), H. 10, S. 605-609
  • Wolfgang Wippermann: AuserwĂ€hlte Opfer? Shoa und Porrajmos im Vergleich. Eine Kontroverse. Frank & Timme, Berlin 2005, ISBN 3865960030
Opferzahlen
  • Wolfgang Benz (Hrsg.): Dimension des Völkermords. Die Zahl der jĂŒdischen Opfer des Nationalsozialismus. (1991) Dtv, MĂŒnchen 1996, ISBN 3-423-04690-2
  • Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933-1945, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, ISBN 3-534-15158-5
Biografisches
  • Philip Friedman: Martyrs and Fighters: The Epic of the Warsaw Ghetto, 1954
  • Philip Friedman: Their Brothers Keepers: The Christian heroes and heroines who helped the opressed to escape the Nazi terror. New York 1957
Zeitschriften
  • Jacob Robinson, Philip Friedman: Guide to Jewish History Under Nazi Impact, 1960
Forschungsgeschichte
  • Saul S. Friedman (Hrsg.): Holocaust Literature. A Handbook of Critical, Historical, and Literary Writings. Greenwood Press, Westport/Connecticut/London 1993, ISBN 0-313-26221-7
  • Ulrich Herbert, Olaf Groehler: Zweierlei BewĂ€ltigung. Vier BeitrĂ€ge ĂŒber den Umgang mit der NS-Vergangenheit in den beiden deutschen Staaten. Ergebnisse Verlag, Hamburg 1992. 88 S.
  • Ulrich Herbert: Nationalsozialistische Vernichtungspolitik 1939-1945. Neue Forschungen und Kontroversen. Fischer TB, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3596137721
  • Ulrich von Hehl: Nationalsozialistische Herrschaft, Oldenbourg, 1. Auflage 1999, ISBN 3486550209 (Teil II: Grundprobleme und Tendenzen der Forschung)
  • Peter Longerich: Holocaust, in: Wilhelm Heitmeyer: Internationales Handbuch der Gewaltforschung. 2002, S. 177-214
  • Saul FriedlĂ€nder: Den Holocaust beschreiben - Auf dem Weg zu einer integrierten Geschichte. Wallstein Verlag GmbH, Jena 2010, ISBN 3835306715

Weblinks

Quellen
Holocaust im Historikerstreit

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e FĂŒr die Publikationen siehe das Literaturverzeichnis.
  2. ↑ Beispiele in der zweibĂ€ndigen Sammlung Gutachten des Instituts fĂŒr Zeitgeschichte, 1958
  3. ↑ Simon Wiesenthal Archiv: Geschichte des Dokumentationszentrums
  4. ↑ Der Spiegel, 4. Dezember 2006: Holocaust-Forschung: FU Berlin bekommt riesiges Video-Archiv
  5. ↑ Hans Michael Kloth (Der Spiegel, 18. November 2009): Holocaust-Forschung: Denkmal zum DurchblĂ€ttern
  6. ↑ Jochen Böhler: Zweit-Weltkriegs- und Holocaust-Forschung am Deutschen Historischen Institut Warschau: Das Institutsprojekt „Auftakt zum Vernichtungskrieg. Der deutsche Überfall auf Polen 1939“.
  7. ↑ Homepage Fritz-Bauer-Institut
  8. ↑ Martin Broszat: Hitler und die Genesis der Endlösung, 1977, S. 63 + Anmerkung 27
  9. ↑ Hans Mommsen: Hitlers Stellung im nationalsozialistischen Herrschaftssystem, in: Gerhard Hirschfeld (Hrsg.): Der „FĂŒhrerstaat. Mythos und RealitĂ€t, 1981, S. 43-72
  10. ↑ Hans Mommsen: Die Realisierung des Utopischen: Die „Endlösung der Judenfrage“ im „Dritten Reich“, 1983
  11. ↑ Gerald Fleming: Hitler und die Endlösung. „Es ist des FĂŒhrers Wunsch
“, 1982, S. 14 ff.
  12. ↑ Christopher Browning: Zur Genesis der „Endlösung“. Eine Antwort an Martin Broszat, 1981
  13. ↑ Peter Longerich: Der ungeschriebene Befehl. Hitler und der Weg zur „Endlösung“, Piper, MĂŒnchen 2001, ISBN 3492042953
  14. ↑ Christopher Browning: Judenmord. 2. Kapitel: Der Entscheidungsprozess im Machtzentrum - Weichenstellungen fĂŒr die „Endlösung“, a.a.O., S. 47-55
  15. ↑ Peter Longerich: Die Eskalation der NS-Judenverfolgung zur „Endlösung“. Herbst 1939 bis Sommer 1942, Vortrag auf dem Symposium on the Origins of Nazi Policy, Gainesville, Florida/USA, 1998
  16. ↑ Magnus Brechtken: „Madagaskar fĂŒr die Juden“. Antisemitische Idee und politische Praxis 1885-1945, MĂŒnchen 1997
  17. ↑ Richard Breitman: Official Secrets: What the Nazis Planned, What the British and Americans Knew, Hill & Wang Publishers, 1. Auflage 1998, ISBN 0-809-03819-6 (englisch); deutsche Erstausgabe: Staatsgeheimnisse. Die Verbrechen der Nazis - von den Alliierten toleriert, Blessing, 1999, ISBN 3-896-67056-5.
  18. ↑ Philippe Burrin: Hitler und die Juden. Die Entscheidung fĂŒr den Völkermord, S. Fischer, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3100463080
  19. ↑ Christian Streit: Keine Kameraden, Dietz Verlag, Bonn 1997 (Neuauflage), ISBN 3801250237
  20. ↑ Alfred Streim: Die Behandlung sowjetischer Kriegsgefangener im Fall Barbarossa, MĂŒller Jur.Vlg.C.F., 1981, ISBN 3811422812
  21. ↑ Christopher Browning: Judenmord. 2. Kapitel: Der Entscheidungsprozess im Machtzentrum - Weichenstellungen fĂŒr die „Endlösung“, a.a.O., S. 47–55.
  22. ↑ Dieter Pohl: Von der „Judenpolitik“ zum Judenmord. Der Distrikt Lublin des Generalgouvernements 1939-1944, Frankfurt am Main 1993
  23. ↑ Götz Aly: Endlösung, 1995, siehe Literatur
  24. ↑ Peter Witte: Two Decisions concerning the 'Final Solution of the Jewish Question': Deportations to Lodz and the Mass Murder in Chelmno, in: Holocaust and Genocide Studies 9/3, London/Jerusalem 1995
  25. ↑ Hans Safrian: Die Eichmann-MĂ€nner, Wien 1995
  26. ↑ L. J. Hartog: Der Befehl zum Judenmord. Hitler, Amerika und die Juden, Syndikat Buchgesellschaft Bodenheim, 1. Auflage 1997, 2. Auflage 2000, ISBN 3931705110; dargestellt in Chronologie des Holocaust: Hitlers Drohung: Die grĂ¶ĂŸte Geiselnahme der Geschichte
  27. ↑ Christian Gerlach: Die Wannseekonferenz, das Schicksal der deutschen Juden und Hitlers Grundsatzentscheidung, alle Juden Europas zu ermorden, in: Werkstatt Geschichte, Nr. 18/1997, S. 7-44; dargestellt von Ulrich Herbert: Eine „FĂŒhrerentscheidung“ zur „Endlösung“? Neue AnsĂ€tze in einer alten Diskussion, in: Neue ZĂŒrcher Zeitung vom 14./15. MĂ€rz 1998
  28. ↑ Saul FriedlĂ€nder: Das Dritte Reich und die Juden, Band 1, a.a.O., S. 111-120
  29. ↑ Ernst Nolte: Vergangenheit, die nicht vergehen will. FAZ, 6. Juni 1986; in: Ernst Reinhard Piper (Hrsg.): „Historikerstreit“. Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung. Piper Verlag, MĂŒnchen/ZĂŒrich 1987, ISBN 3-492-10816-4, S. 39-46
  30. ↑ Beispiele: Max Brym: Geschichtsrevisionisten und Antisemiten im intellektuellen Gewand
  31. ↑ Israel Gutman (Hrsg.): EnzyklopĂ€die des Holocaust, 2. Auflage 1998, Vorwort zur 1. Auflage 1987, S. 12
  32. ↑ Eberhard JĂ€ckel, Die elende Praxis der Untersteller, in: Historikerstreit, MĂŒnchen 1987, ISBN 3-492-10816-4, S. 118
  33. ↑ Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933-1945, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, ISBN 3-534-15158-5, S. 109 f.
  34. ↑ Dieter Pohl: Holocaust. Die Ursachen - das Geschehen - die Folgen. Herder Spektrum, Freiburg im Breisgau 2000, S. 182
  35. ↑ David Bankier (Hrsg. im Auftrag der GedenkstĂ€tte Yad Vashem): Fragen zum Holocaust. Interviews mit prominenten Forschern und Denkern: Interviews mit Christopher Browning, Jacques Derrida, Saul FriedlĂ€nder, Hans Mommsen u. a., Wallstein Verlag, 2006, S. 88 f.)
  36. ↑ Peter Longerich: Holocaust, in: Wilhelm Heitmeyer: Internationales Handbuch der Gewaltforschung. 2002, S. 179 f.
  37. ↑ Saul FriedlĂ€nder: Die „Endlösung“. Über das Unbehagen in der Geschichtsdeutung. In: Walter H. Pehle (Hrsg.): Der historische Ort des Nationalsozialismus. AnnĂ€herungen. Fischer TB, Frankfurt 1990, ISBN 3-596-24445-5, S. 84 f.
  38. ↑ Christian Meier: Zur SingularitĂ€t des Holocaust, in (ders.): 40 Jahre nach Auschwitz, 2. erweiterte Auflage, MĂŒnchen 1990, S. 38
  39. ↑ Egon Flaig: Das Unvergleichliche, hier wird's Ereignis, in: Merkur 701, Oktober 2007, S. 978-981
  40. ↑ Stephane Courtois und andere (Hrsg.): Das Schwarzbuch des Kommunismus: UnterdrĂŒckung, Verbrechen und Terror. Piper, einmalige Sonderausgabe, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-492-04664-9, S. 35 und öfter
  41. ↑ Ward Churchill: A Little Matter of Genocide: Holocaust and Denial in the Americas 1492 to the Present. City Lights, 1998, ISBN 0872863239; David E. Stannard: Uniqueness as Denial: The Politics of Genocide Scholarship. In: Alan S. Rosenbaum (Hrsg.): Is the Holocaust unique? Perspectives on Comparative Genocide. (1994) Westview Press, 3. Auflage 2008, ISBN 978-0-8133-4406-5O, S. 163-208
  42. ↑ Joachim Gauck: Welche Erinnerungen braucht Europa? Stiftungsvortrag der Robert Bosch Stiftung im Rahmen der Vortragsreihe „Europa bauen, den Wandel gestalten“ am 28. MĂ€rz 2006 in Stuttgart (Zugriff am 26. Februar 2012)
  43. ↑ Peter Longerich: Holocaust. In: Wilhelm Heitmeyer: Internationales Handbuch der Gewaltforschung. VS Verlag fĂŒr Sozialwissenschaften, 2002, ISBN 3-531-13500-7, S. 188
Impressum AGB Datenschutz KundenserviceMediadatenfreenet AGJobsSitemap
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.