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Holocaustkenntnis von Zeitzeugen

Die Holocaustkenntnis von Zeitzeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus wurde ab den 1990er Jahren ein besonderes Forschungsthema. Ausgangspunkt dafĂŒr war der Zugang zu neuen Quellen und die Verlagerung von Forschungsschwerpunkten.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Davon haben wir nichts gewusst! Diese und Ă€hnliche Aussagen begegneten den Alliierten ab 1945 hĂ€ufig. Damit reagierten sehr viele Deutsche bei Vernehmungen und angeordneten Besuchen von befreiten Konzentrations- und Vernichtungslagern auf die Frage nach den NS-Massenmorden, besonders an den Juden. Ihre stereotype Antwort galt schon damaligen Beobachtern als Schutzbehauptung, die eine befĂŒrchtete Bestrafung abwehren sollte, oder als VerdrĂ€ngung.

Das behauptete Nichtwissen gilt als eins der letzten „Tabus der Zeitgeschichte“, das etwa durch systematische Aktenvernichtung des NS-Regimes, fortwirkende psychologische Abwehrmechanismen bei TĂ€tern[1] und spĂ€t veröffentlichte PrimĂ€r- und SekundĂ€rquellen begĂŒnstigt wurde.

Dazu gehören Geheimberichte von NS-Propagandabehörden, SS und Gestapo, Verhörprotokolle der Alliierten und regelmĂ€ĂŸige Umfragen des Allensbacher Meinungsforschungsinstituts aus den 1950er und 1960er Jahren: Darin erklĂ€rten zwischen 25 und 40 Prozent der befragten Deutschen (bezogen auf die Gesamtbevölkerung entsprach das 20 bis 35 Millionen Personen), die die NS-Zeit bewusst miterlebt hatten, sie hĂ€tten sehr wohl von den Massenmorden an Juden in den eroberten Gebieten Osteuropas gewusst.

Erst gut 50 Jahre nach Kriegsende begannen Historiker, das behauptete Nichtwissen zu ĂŒberprĂŒfen und die Haltung der deutschen Bevölkerung zu den NS-Verbrechen wissenschaftlich zu untersuchen. Diese VerspĂ€tung wird ebenso wie die relativ abstrakte, von Opferschicksalen losgelöste Gedenkkultur aus weiterwirkender VerdrĂ€ngung (Karola Fings) oder aus der Forschungslogik erklĂ€rt (Dieter Pohl): Erst nachdem die Ursachen und VerlĂ€ufe der NS-Verbrechen weitgehend aufgeklĂ€rt wurden, hĂ€tten Historiker die Frage nach der Haltung der Zivilbevölkerung sinnvoll stellen können. Die Forschung dazu ist auch durch den wachsenden Zeitabstand der noch lebenden Zeitzeugen, die immer weniger werden, erschwert. Ihre Eigenwahrnehmung werten Historiker zudem meist nicht als mit schriftlichen und sonstigen Dokumenten gleichrangige Quelle aus.

Deutschland

Vorkriegszeit

SĂ€mtliche staatliche Maßnahmen (Gesetze, Verordnungen) gegen die Juden wurden bis 1939 vom NS-Regime selbst veröffentlicht. Einige wie der Judenboykott vom 1. April 1933 wurden vom Regime gezielt auch dazu in die Wege geleitet, um die Reaktionen der Bevölkerung darauf zu testen.

In den ab 1933 fĂŒr Regimegegner und andere unerwĂŒnschte Personenkreise eingerichteten Konzentrationslagern wurden die Juden bereits deutlich schlechter behandelt als die meisten anderen KZ-Insassen. Erfahrungsberichte entlassener HĂ€ftlinge bestĂ€tigten dies auch fĂŒr Nichtjuden,[2] waren aber wĂ€hrend des Regimes (und noch lange danach) nicht allgemein zugĂ€nglich. Viele der vor und im Krieg eingerichteten Lager lagen jedoch nahe bei deutschen Ortschaften, so dass die dortigen VorgĂ€nge vielen Einwohnern vor Ort bekannt waren oder werden konnten. So gab es anfangs im Konzentrationslager Dachau einen „Tag der offenen TĂŒr“ fĂŒr die Bevölkerung, und die Staatsanwaltschaft Weimar nahm sogar einige einschlĂ€gige Strafanzeigen an, bis dies unterbunden wurde. Die HĂ€ftlinge der 23 innerdeutschen KZs und ihrer zahlreichen Außenlager wurden tĂ€glich durch deutsche Dörfer und StĂ€dte zu den Arbeitsorten gefĂŒhrt. Zudem waren einige Deutsche zeitweise in den KZs und Lagern beschĂ€ftigt oder leisteten Hilfsdienste, z. B. als Warenlieferanten, die sie zu Augenzeugen machten.

Die Enteignung („Arisierung“) jĂŒdischen Besitzes machte viele Deutsche zu direkten oder indirekten Nutznießern eines wichtigen Teilschrittes auf dem Weg zum Holocaust. Die Frage, was mit den enteigneten und nun vielfach nicht mehr ausreisefĂ€higen Juden geschehen sollte, drĂ€ngte sich besonders seit den Novemberpogromen 1938 allgemein auf. Darauf reagierten die NS-Zeitungen mit verstĂ€rkter antisemitischer Propaganda, die weitere Schritte wie die Errichtung von Ghettos und Lagern im Osten vorbereiteten.

Kriegszeit

TĂ€terwissen

FĂŒr hochrangige NSDAP-FunktionĂ€re und Mitarbeiter der NS-Behörden wurde die Absicht zur Judenvernichtung ab Herbst 1941 fast unverhĂŒllt ausgesprochen. SpĂ€testens seit der Wannseekonferenz im Januar 1942 waren die oberen Ebenen der Ministerien und NS-Behörden in die Planungen zur Deportation von Millionen Juden in Arbeits- und Vernichtungslager eingeweiht. Dass „Endlösung“ Vernichtung bedeutete, war den Konferenzteilnehmern bewusst, wie der Konferenzplaner und Protokollant, „Judenreferent“ Adolf Eichmann 1961 in seinem Prozess in Israel aussagte. In der zweiten seiner „Posener Reden“ sagte Heinrich Himmler zu den versammelten Gau- und Reichsleitern am 6. Oktober 1943:[3]

Der Satz 'Die Juden mĂŒssen ausgerottet werden' mit seinen wenigen Worten, meine Herren, ist leicht ausgesprochen. FĂŒr den, der durchfĂŒhren muss, was er fordert, ist es das AllerhĂ€rteste und Schwerste, was es gibt. [...] Sie wissen nun Bescheid, und Sie behalten es fĂŒr sich. Man wird vielleicht in ganz spĂ€ter Zeit sich einmal ĂŒberlegen können, ob man dem deutschen Volke etwas mehr darĂŒber sagt. Ich glaube, es ist besser, wir – wir insgesamt – haben das fĂŒr unser Volk getragen, haben die Verantwortung auf uns genommen (die Verantwortung fĂŒr eine Tat, nicht nur fĂŒr eine Idee) und nehmen dann das Geheimnis mit in unser Grab.

Die UnabhĂ€ngige Historikerkommission – AuswĂ€rtiges Amt untersuchte die Rolle des AuswĂ€rtigen Amtes in der Zeit des Nationalsozialismus und urteilte in ihrer nicht unumstrittenen Publikation, das AA sei Wegbereiter der „Endlösung“sowie aktiver UnterstĂŒtzer der Judendeportation und sogar der Judenvernichtung gewesen: „Die Mitwisser im Amt waren auch MittĂ€ter.”[4].

Der Judenreferent im AuswĂ€rtigen Amt, Franz Rademacher, scheute sich 1941 nicht, der Personalabteilung in seiner Dienstreise-Abrechnung unverhĂŒllt den wahren Zweck zu offenbaren: „Art des DienstgeschĂ€fts: Liquidation von Juden in Belgrad'”.[5].

Beobachterwissen

Mitteilungen ĂŒber die Massenmorde hinter der Ostfront und in den Arbeits- und Vernichtungslagern waren den Beteiligten strengstens untersagt. Jedoch gab es außer den TĂ€tern relativ viele nicht direkt beteiligte Tatzeugen aus den dort stationierten MilitĂ€rverbĂ€nden. Einige an der Ostfront stationierten Soldaten machten mit privaten Fotoapparaten Aufnahmen von Misshandlungen und Hinrichtungen einzelner Juden, die in manchen privaten Fotoalben auftauchten. Auf dem Weg in den Heimaturlaub fuhren viele ZĂŒge von der Ostfront auf Strecken neben den Vernichtungslagern; LokfĂŒhrer von DeportationszĂŒgen und andere Bahnbedienstete kamen in ihre unmittelbare NĂ€he.[6] Das Erfurter Unternehmen Topf und Söhne, ursprĂŒnglich Ofenbauer, war an der Konstruktion, Inbetriebnahme und Wartung von Verbrennungsöfen sowie der EntlĂŒftungsanlage von Gaskammern in Birkenau beteiligt. Mehrere namentlich bekannte Firmenmitarbeiter hatten sich nachweislich tagelang in Auschwitz aufgehalten, dabei die BauplĂ€ne gesehen und die EntlĂŒftungsanlage sowie die Krematoriumsöfen montiert.[7]

Durch die Auswertung von abgehörten GesprĂ€chen unter HĂ€ftlingen der Alliierten weiß man seit 2011, dass der Holocaust in all seinen Formen unter den meisten Wehrmachtssoldaten bekannt war. Beobachter erzĂ€hlten ihren Kameraden in allen Details von Massenerschießungen, von den Problemen der SchĂŒtzen mit „Überanstrengung“ beim Morden, besonders von Kleinkindern, von Gaswagen, von Leichenverbrennungen bei der Aktion 1005. Vielfach wurden Soldaten wie auch Anwohner von SS-Offizieren zum Zuschauen eingeladen, so dass es zu einem „Exekutionstourismus“ kam.[8]

Informationspolitik

Gleichzeitig erzeugte die NS-Informationspolitik mit allgemeinen Andeutungen in Zeitungs- und Wochenschauberichten, die auf organisierte Judenvernichtung schließen ließen, bewusst eine Art Mitwisserschaft der Deutschen. So sprach Adolf Hitler in reichsweit ausgestrahlten Reden offen von der „Vernichtung“ der Juden, die er schon am 30. Januar 1939 fĂŒr den Fall eines neuen Weltkriegs „prophezeit“ hatte. Darauf kam er bis 1943 öfter – 1942 allein fĂŒnfmal – in wortgleicher Formulierung zurĂŒck: Von den Juden, die ihn fĂŒr seine „Prophezeiung“ frĂŒher verlacht hĂ€tten, lachten inzwischen viele nicht mehr; bald wĂŒrde keiner mehr von ihnen lachen. Auch die deutsche Presse erwĂ€hnte diese Reden oft. Dass Hitler damit die laufende Vernichtung der Juden meinte, verstanden laut Saul FriedlĂ€nder viele Zuhörer, deren TagebucheintrĂ€ge die Reden vermerkten: darunter der OsnabrĂŒcker Bischof Hermann Wilhelm Berning, dem der Vollzug von Hitlers Vernichtungsabsicht im Februar 1942 klar war.[9]

FlĂŒsterpropaganda

Seit der auf den Polenfeldzug folgenden ersten Urlaubswelle fĂŒr Wehrmachtssoldaten im Winter 1939/40 sickerten immer mehr Einzelheiten ĂŒber die VorgĂ€nge in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten durch. An Massenerschießungen beteiligte Deutsche berichteten ihren Verwandten in Briefen oder beim Heimaturlaub davon. In Verbindung mit den Pressemeldungen ergab die „FlĂŒsterpropaganda“ dann allmĂ€hlich immer genauere Vorstellungen davon, was mit Juden „im Osten" geschah. Die im Oktober 1941 begonnenen Deportationen aus den deutschen GroßstĂ€dten vollzogen sich öffentlich auf VersammlungsplĂ€tzen und Bahnhöfen und waren vielfach von großen Mengen Schaulustiger begleitet.[10] Auch die Einrichtung von Ghettos und großen Lagern wurden in Deutschland öffentlich bekannt gegeben. Ihr Zweck wurde jedoch fĂŒr die meisten Deutschen mit der typischen NS-Tarnsprache bemĂ€ntelt und verschleiert. Die Transporte dorthin wurden als „Umsiedelung“ oder „Evakuierung“ ausgegeben und waren von einer intensiven Hetzpropaganda begleitet. Deutsche Juden wurden dabei als „Volksfeinde“, Verbrecher oder VerbĂŒndete der Kriegsgegner beschrieben, die entsprechend keine „Vorzugsbehandlung“ verdient hĂ€tten. Dass mit Begriffen wie „Umsiedlung“ Massenexekutionen gemeint waren, war etwa in der westfĂ€lischen Stadt Minden vielen Einwohnern seit Ende 1941 bekannt. So schrieb Ruth Andreas-Friedrich am 2. Dezember 1942 in ihr Tagebuch: [11]

In Scharen tauchen die Juden unter. Furchtbare GerĂŒchte gehen um ĂŒber das Schicksal der Evakuierten. Von Massenerschießungen und Hungertod, von Folterungen und Vergasungen.

Stimmungsberichte

Seit der Niederlage in der Schlacht von Stalingrad und den alliierten Luftangriffen auf deutsche StĂ€dte trat die offene antisemitische Propaganda etwas zurĂŒck, da diese nun vermehrt auf UnverstĂ€ndnis und Unmut in Teilen der Bevölkerung stieß, den die Gestapo registrierte. Besonders der Versuch, das Massaker von Katyn als Vernichtungsabsicht der Sowjetunion gegenĂŒber allen Deutschen auszugeben, scheiterte: Den Meldungen aus dem Reich zufolge, in denen die Gestapo die Überwachungs- und Stimmungsberichte zusammenfasste, bezeichnete „ein großer Teil der Bevölkerung“ die Aufregung um Katyn als „heuchlerisch, weil deutscherseits in viel grĂ¶ĂŸerem Umfang Polen und Juden beseitigt worden“ seien.[12] Der Kenntnisstand einzelner Personen wird durch Justiz- und Polizeiakten, TagebĂŒcher und Briefe deutlich. Eine zahlenmĂ€ĂŸige Aussage, wie viele Leute sichere Kenntnis oder Detailwissen besaßen, lĂ€sst sich hieraus nicht ableiten.

Wissen aus auslÀndischen Medien

Ab Juli 1942 sendeten die Auslandsabteilungen etwa der BBC regelmĂ€ĂŸig auch in deutscher Sprache Details zur Judenvernichtung. Eine frĂŒhe Reportage nannte erste Zahlen, noch ohne daraus auf eine Ausrottungsabsicht zu schließen: Eine internationale Kommission gibt folgende Ziffern. In Deutschland sind von den etwa 200.000 Juden, die es 1939 dort gab, mindestens 160.000 verschleppt worden oder zugrunde gegangen. In Österreich leben von 75.000 Juden höchstens noch 15.000, in Böhmen und MĂ€hren, wo es auch 80.000 Juden gab, gibt es nunmehr an die 10.000. Thomas Mann sprach ĂŒber den britischen Sender im September 1942 von „Massentötungen durch Giftgas“.[13] Unter den millionenfach ĂŒber deutschem Gebiet abgeworfenen FlugblĂ€ttern der Alliierten war ein Text der Weißen Rose, der von dem Mord an 300.000 polnischen Juden berichtet, dem fĂŒrchterlichsten Verbrechen, „dem sich kein Ă€hnliches in der ganzen Menschheitsgeschichte an die Seite stellen kann“.[14]

Das Abhören auslĂ€ndischer Radiosender galt als Rundfunkverbrechen, war in Deutschland streng verboten und konnte sogar mit der Todesstrafe geahndet werden, war aber dennoch weit verbreitet. Meist bezog sich die Neugier der Hörer, vor allem nach 1943, dabei freilich auf die FrontverlĂ€ufe. Da solche Meldungen oft mit Propaganda gegen die deutsche KriegfĂŒhrung vermischt waren, war ihre GlaubwĂŒrdigkeit fĂŒr die Deutschen nicht immer erkennbar.

Veröffentlichungen

In den letzten beiden Kriegsjahren gaben NS-Zeitschriften auch fĂŒr die nicht direkt beteiligten Partei- und Regimemitglieder immer deutlicher Details zum Holocaust bekannt. Die bisherige Geheimhaltungspolitik seitens der Wehrmacht wurde immer mehr gelockert, und es kam 1943 zu einem regelrechten „Hinrichtungstourismus“ (Ernst Klee) von TĂ€terangehörigen, die bei einer Massenerschießung zuschauen wollten.[15] Die Vernichtungslager waren jedoch weiterhin abgeschirmt. In einem Artikel des Danziger Vorposten vom 13. Mai 1944 hieß es, das Judentum habe „weitere schwere Einbußen ... zu verzeichnen,“ es seien fĂŒnf Millionen Juden „neutralisiert“ und „ausgeschaltet“ worden.[16]

Kenntnis von systematischer Vergasung

Die systematische Judenvernichtung mittels industrieller Methoden blieb den meisten Deutschen verborgen und war auch fĂŒr diejenigen, die ĂŒber Auslandssender oder Erfahrungsberichte von Soldaten davon gehört hatten, meist unvorstellbar. Ein damaliges Gesamtwissen ĂŒber Ausmaß und DurchfĂŒhrung des Holocaust nehmen Historiker daher nicht an.

Doch auch dieses Defizit wird weniger auf Verbote, Restriktionen und MĂ€ngel zugĂ€nglicher Informationen, sondern eher auf psychologische Mechanismen zurĂŒckgefĂŒhrt. Das eigentliche RĂ€tsel blieb, warum trotz vieler Andeutungen von so vielen so effektiv „weggehört“ wurde.

Neueste Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass trotz mangelnder Detailkenntnisse ĂŒber den genauen organisatorischen und technischen Ablauf spĂ€testens im Sommer 1943 die große Mehrheit der Deutschen damit gerechnet hat, dass alle im NS-Herrschaftsbereich lebenden Juden umgebracht werden sollten.[17]

Ebenfalls ist darauf hingewiesen worden, dass die NS-Verbrechen ohne ein großes Heer von deutschen und nichtdeutschen Helfern aus den Bevölkerungen von Deutschland besetzter Staaten undurchfĂŒhrbar gewesen wĂ€ren. Das NS-Regime konnte vielfach auf Kollaborateure zurĂŒckgreifen, die etwa im Baltikum von sich aus aktiv wurden, um Juden aufzuspĂŒren, auszuliefern oder selbst zu ermorden.

Alliierte

Wissen der Regierungen

Der britische Geheimdienst entschlĂŒsselte die Kodierung von Funkmeldungen der deutschen Polizei – nicht von SS und SD – im September 1939. Im Folgejahr entschlĂŒsselten britische und französische Abhörspezialisten fast alle aufgefangenen FunksprĂŒche der deutschen Polizeibataillone in den besetzten Gebieten Polens, auch nachdem deren Code geĂ€ndert wurde. Dadurch erfuhren sie frĂŒhzeitig von Zwangsumsiedelungen und Exekutionen im Generalgouvernement.

Im August 1941 Ă€nderten die Deutschen den Code der Polizeimeldungen in den besetzten sowjetischen Gebieten erneut. Dennoch konnten die Briten bis dahin etwa die HĂ€lfte, danach ein Viertel aller polizeilichen FunksprĂŒche auffangen und entschlĂŒsseln. Sie erkannten, dass Tarnbegriffe wie „Sonderaufgabe“ Massenmord bedeuteten. So erfuhren sie von tausenden Massenhinrichtungen durch die Ordnungspolizei und die Waffen-SS hinter der Ostfront, die an die Höheren SS- und PolizeifĂŒhrer gemeldet werden mussten.

Premierminister Winston Churchill erhielt tÀglich Kurzberichte von dechiffrierten deutschen Polizeimeldungen und wöchentliche Zusammenfassungen daraus. In seiner Rundfunkrede vom 24. August 1941 gab er erstmals Teile dieses Wissens bekannt:

Hunderttausende – wirklich Hunderttausende – von Exekutionen werden durchgefĂŒhrt; deutsche Polizeitruppen ermorden kaltblĂŒtig russische Patrioten, die ihr Vaterland verteidigen. [...] Wir werden Zeugen eines namenlosen Verbrechens.

Er nannte also nur eine TĂ€tergruppe, nicht aber die Juden als Hauptopfergruppe und deutete die Morde als Reaktion auf sowjetische Kriegserfolge im Rahmen von Kampfhandlungen. Dies spiegelte die deutsche Gleichsetzung von Juden mit Bolschewiken und Partisanen.[18]

Durch den deutschen Doppelagenten Paul ThĂŒmmel erfuhren die Briten Ende Juli 1941 von Massenerschießungen an mĂ€nnlichen Juden in der Ukraine durch Wehrmachtssoldaten. Seit dem 28. August 1941 enthielten auch die Geheimdienstberichte an Churchill eindeutige Hinweise auf Juden als Opfer und Zahlen der Ermordeten mit steigender HĂ€ufigkeit und Tendenz. Am 12. September folgerte der zusammenfassende Bericht an ihn:[19]

...die Zahlen bieten [...] aufschlußreiche Hinweise auf eine Politik der grausamen EinschĂŒchterung, wenn nicht der völligen Vernichtung.

Danach stellte der britische Geheimdienst gesonderte Mordberichte an Churchill ein. Am 13. September verbot Kurt Daluege den Höheren SS- und PolizeifĂŒhrern, Exekutionszahlen zu funken. Beides reagierte vermutlich auf Churchills Augustrede: Die Kriegsgegner wollten einander nichts mehr ĂŒber ihr Wissen ĂŒber die Massenmorde an Juden verraten. Zudem waren die Briten nun vorwiegend an Informationen ĂŒber den Kriegsverlauf interessiert. Dennoch erfuhren sie weiterhin von nun als „Aktion nach Kriegsgebrauch“ getarnten Exekutionen und von der Zusammenarbeit zwischen SS, Polizei und Wehrmachtsteilen dabei.[20]

Ein Geheimbericht des Informationsministeriums vom 22. Januar 1942 stellte anhand regelmĂ€ĂŸig ausgewerteter Pressemeldungen und zensierter Privatpost aus ganz Europa klar:[21]

Die Deutschen verfolgen eindeutig eine Politik zur Ausrottung der Juden. [...]

Nun wurde der begonnene Holocaust den Alliierten in immer mehr Details bekannt. Dieses allmĂ€hlich aus vielen Einzelteilen zusammengesetzte Wissen wurde in den Regierungen anfangs kaum Ernst genommen und dann nur zögernd der Öffentlichkeit weitergegeben.[22]

Wissen der Bevölkerung

Seit Oktober 1941 erfuhren britische Zeitungsleser von einzelnen deutschen Massenmorden an Juden Osteuropas, etwa von 45.000 deportierten Juden von Schitomir, Pogromen an Tausenden Juden in der Ukraine sowie etwa 6.000 ermordeten Juden von CzyĆŒew in Ostpolen. Diese Berichte gelangten vor allem ĂŒber die Jewish Telegraphic Agency, die polnische Exilregierung und einzelne osteuropĂ€ische Korrespondenten in die britische Öffentlichkeit.

Ende Oktober erschien zuerst in Schweden, dann in der Londoner Times und im deutschsprachigen Exilantenblatt Die Zeitung ein Bericht ĂŒber Deportationen deutscher und österreichischer Juden in die besetzten Gebiete. Dort wĂŒrden sie auf die eine oder andere Weise umgebracht; dies solle alle deutschsprachigen Juden treffen. Es gebe ein umfassendes Programm fĂŒr Massenmorde.

Im November 1941 berichtete Richard Lichtheim, Vertreter der Jewish Agency for Palestine in Genf, an Chaim Weizmann, den PrĂ€sidenten der Jewish Agency: Ganze ZĂŒge mit deutschen, österreichischen und böhmisch-mĂ€hrischen Juden gingen nach Lodz und von da aus an unbekannte Orte weiter östlich, vermutlich bis nach Minsk. Er drĂ€ngte Weizmann, dies weltweit bekannt zu machen. Auf DrĂ€ngen von Gerhart M. Riegner, einem 1933 in die Schweiz geflohenen deutschjĂŒdischen Rechtsanwalt, sandte der JĂŒdische Weltkongress im Februar 1942 einen Bericht an das britische Außenministerium, der die Judenverfolgung in NS-Deutschland von Februar 1933 bis November 1941 auf 160 Seiten prĂ€zise dokumentierte.

WĂ€hrend des Krieges in den USA vorgenommene Umfragen zeigen, dass der Holocaust selbst fĂŒr die von freien Medien informierte US-Bevölkerung bis Ende 1944 vielfach nicht geglaubt wurde: Das Ausmaß des Holocaust erleichterte seine Tarnung....[23]

Betroffene

HolocaustĂŒberlebende berichteten, dass die unmittelbar betroffenen Opfer ihr bevorstehendes Schicksal nicht ahnten oder trotz GerĂŒchten von den Vernichtungslagern nicht wahrhaben wollten:[24]

Der mit bĂŒrokratischer GrĂŒndlichkeit geplante, fabrikmĂ€ĂŸig betriebene millionenfache Mord – diese nie erlebte Dimension des Verbrechens ĂŒberforderte die Vorstellungskraft selbst derer, die den Nazis alle nur möglichen Schandtaten zutrauten. Das Undenkbare zu denken, Auschwitz fĂŒr wirklich zu halten – dagegen strĂ€ubte sich ein psychischer Selbstschutzreflex. Das galt auch fĂŒr die designierten Opfer, vor allem fĂŒr die Juden Westeuropas. Bis zuletzt hielten sie die Deutschen eines solchen Verbrechens nicht fĂŒr fĂ€hig...

Konrad Löw schrieb dazu in der FAZ am 1. MÀrz 2007:[25]

Das Urteil ĂŒber den wahren Sachverhalt fĂ€llt noch schwerer, wenn man sich vergegenwĂ€rtigt, dass selbst zahlreiche jĂŒdische Opfer ganz entschieden ihr Nichtwissen beteuern. Der Auschwitz-FlĂŒchtling Friedemann BedĂŒrftig glaubte zu wissen: „Die in Auschwitz Ankommenden hatten samt und sonders nicht nur keine Ahnung, wo sie waren, sondern auch nicht die geringste davon, was ihnen zugedacht war. Sie ließen sich nicht etwa wegen ihrer 'rassischen Minderwertigkeit', wie die Nazis gerne behaupteten, fast widerstandslos zur Schlachtbank fĂŒhren, sondern weil sie gar nicht wussten, dass sie sich auf die Reise dahin begaben.“

Löw warf Historikern wie Peter Longerich, Saul FriedlĂ€nder, Ian Kershaw u. a. vor, solche Aussagen jĂŒdischer Quellen in ihren Untersuchungen zum Thema zu ĂŒbergehen.

Aussagen von Zeitzeugen

WĂ€hrend des Krieges

Das seit 1938 gefĂŒhrte Tagebuch des Celler Ingenieurs Karl DĂŒrkefĂ€lden zeigt, dass man sich damals als Privatperson Informationen ĂŒber den Judenmord verschaffen konnte.[26] Er war oppositionell eingestellt und schrieb persönliche EindrĂŒcke auf, befragte gezielt Kollegen, Bekannte und Verwandte; er misstraute den offiziellen Nachrichten und ging Risiken ein, indem er Feindsender abhörte.[27]

Im Februar 1942 hörte DĂŒrkefelden auf einer Bahnfahrt einen deutschen Soldaten von Massenvernichtungen im Osten reden. Kurz darauf las er in der NiedersĂ€chsischen Tageszeitung, dass Hitler die Ausrottung der Juden angekĂŒndigt habe. Diese beiden BruchstĂŒcke fĂŒhrten ihn zu dem eigenen Schluss: Die Juden werden systematisch vernichtet. Im Juni 1942 bestĂ€tigten persönliche Berichte seines Schwagers und seines Arbeitgebers von Massenexekutionen bei Kiew und BiaƂystok ihn darin. Weitere Berichte von Soldaten auf Heimaturlaub kamen im Sommer dazu. Im Herbst 1942 hörte DĂŒrkefĂ€lden eine deutschsprachige BBC-Sendung mit Zahlenangaben ĂŒber Massenmorde an Juden. So drĂ€ngte sich ihm in diesem Jahr die Erkenntnis, dass die Deportationen der Juden aus Deutschland auf deren Vernichtung zielten, unabweisbar auf, ohne dass er selbst je an der Front oder in der NĂ€he von NS-Lagern war. Von einem in Wilna stationierten Soldaten, der zuvor Angestellter seiner Firma gewesen war, erfuhr er zudem im Januar 1943, dass „die Juden aus Frankreich und anderen besetzten LĂ€ndern nach Polen geholt und dort teils erschossen, teils vergast“ wĂŒrden. Daraus kombinierte er ein relativ genaues Bild von der Dimension des Judenmordes, auch ohne etwas ĂŒber die Todesfabriken selbst zu erfahren.[28]

1943 schrieb Helmuth James Graf von Moltke, der durch die Judenverfolgung zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus gebracht wurde: Mindestens neun Zehntel der Bevölkerung weiß nicht, dass wir Hunderttausende von Juden umgebracht haben ... Sie haben immer noch die Vorstellung, dass die Juden nur ausgegrenzt worden sind und nun im Osten in Ă€hnlicher Weise wie vorher in Deutschland weiterlebten.[25] Dagegen schrieb Landesbischof Theophil Wurm am 21. September 1944 an einen Pastor der Deutschen Christen:[29]

Jedermann weiß oder kann wissen, wie das Dritte Reich mit den Juden verfahren ist, besonders seit der Nacht vom 9. zum 10. 11. 1938 und im Kriege bis zur völligen Vernichtung draußen in Polen und Russland. Auch dĂŒrfte das nicht unbekannt sein, dass in den besetzten Gebieten ĂŒber die WiedereinfĂŒhrung des in barbarischen Zeiten ĂŒblichen Geiselsystems an völlig unschuldigen Personen schweres Unrecht verĂŒbt worden ist. Dann erinnere ich an den systematischen Mord der Geisteskranken und an das ganze System der Gestapo und der Konzentrationslager, an die Tatsache, dass es eine unabhĂ€ngige Rechtsprechung nicht mehr gibt ... Ich frage nur: Kann ein Christ Segen erhoffen fĂŒr ein Volk, das dies alles hat geschehen lassen ... ?

Nach Kriegsende

Passanten vor einem Schaufenster, in dem das US-MilitÀr Fotos aus Konzentrationslagern aushÀngte (Linz, Mai 1945)

Besonders die Besatzungsvertreter der USA konfrontierten die Deutschen in der Zeit nach 1945 mit den Folgen ihrer teils aktiven, teils passiven Zustimmung zum NS-Regime. Sie zwangen zum Beispiel Einwohner Weimars, das am 11. April 1945 befreite KZ Buchenwald, das nahe der Stadt lag, fĂŒnf Tage darauf zu besuchen, um Lebensmittelkarten zu erhalten. Margaret Bourke-White, Korrespondentin der Illustrierten Life im Nachkriegsdeutschland, beobachtete die Szene:[30]

Frauen fielen in Ohnmacht oder weinten. MĂ€nner bedeckten ihr Gesicht und drehten die Köpfe weg. Als die Zivilisten immer wieder riefen: â€șWir haben nichts gewußt! Wir haben nichts gewußt!â€č, gerieten die Ex-HĂ€ftlinge außer sich vor Wut. â€șIhr habt es gewußtâ€č, schrien sie. â€șWir haben neben euch in den Fabriken gearbeitet. Wir haben es euch gesagt und dabei unser Leben riskiert. Aber ihr habt nichts getan.â€č

Dies veranschaulichte nach ihrer Aussage beispielhaft, was sich so oder Àhnlich in vielen Orten des besiegten Deutschlands abspielte:

Wir alle bekamen diese Worte so hĂ€ufig und monoton zu hören, daß sie uns wie eine deutsche National-Hymne vorkamen.

Volker Ullrich beschrieb die Reaktionen der meisten Deutschen angesichts des Grauens in der ZEIT am 21. April 1995 wie folgt:

Nur wenige Deutsche waren bereit, sich den grauenvollen Bildern aus den befreiten Konzentrationslagern auszusetzen und eigene Schuld zu bekennen. Die meisten reagierten mit einer erschreckenden GefĂŒhlsstarre und jenem eingeĂŒbten Wegseh-Reflex, den Stephan Hermlin wĂ€hrend der VorfĂŒhrung von Dokumentarfilmen ĂŒber Buchenwald und Dachau beobachtete: „Im halben Licht des Projektionsapparats sah ich, wie die meisten nach Beginn des Films das Gesicht abwandten und so bis zum Ende der Vorstellung verharrten.“
Die Neigung, die eigene Beteiligung zu leugnen und sich aus der Verantwortung zu stehlen, reichte hinauf bis in die Spitzen des gestĂŒrzten Regimes. Wenn einer Schuld an den Verbrechen hatte, dann war es Hitler, dann waren es Himmler und die SS-Clique – man selbst hatte damit nichts zu tun gehabt und wollte damit auch nicht mehr behelligt werden. „Niemand ist ein Nazi. Niemand ist je einer gewesen“, bemerkte die amerikanische Journalistin Martha Gellhorn im April 1945. „Ein ganzes Volk, das sich vor der Verantwortung drĂŒckt, ist kein erbaulicher Anblick.“ ...

Manche Zeitzeugen unter den Deutschen wiesen die Behauptung, nichts gewusst zu haben, bereits bei ihrem Aufkommen als ZwecklĂŒge zurĂŒck. Kurt Scharf, Mitglied der Bekennenden Kirche und spĂ€ter Landesbischof von Berlin-Brandenburg, schrieb dazu in einem Interview:[31]

Wer behauptet, er habe damals von alledem nichts gewusst, der hat nichts wissen wollen! Der hat aus Angst weggehört oder sich Augen und Ohren zugehalten. Man sah ja doch die Juden mit dem Stern. [...]
Wer in seiner Gemeinde eine jĂŒdische Familie hatte, der wusste, was an den Juden geschah. Und er erlebte mit, dass sie abtransportiert wurden. In Berlin erlebte man das in großem Ausmaß. Schon 1932 gab es Hakenkreuzschmierereien auf dem KurfĂŒrstendamm, 1938 dann die brennenden Synagogen, das ZertrĂŒmmern der jĂŒdischen GeschĂ€fte – die sogenannte Kristallnacht: Das hat ganz Deutschland gewusst. Das haben Goebbels und Streicher im Rundfunk verkĂŒndet, und das wurde in den Wochenschauen der Filmtheater gezeigt. [...]
Wir haben die Sammellager in der Oranienburger Straße in Berlin erlebt, wo die Juden zusammengetrieben wurden. [...] Die Theorie von der Herrenrasse wurde in jeder Zeitung verbreitet. [...]
Was in unserer Gemeinde dann wirklich die letzten Zweifel an der menschenverachtenden BrutalitĂ€t des Nationalsozialismus beseitigt hat, das war von 1941 an die Ankunft der Transporte mit russischen Kriegsgefangenen. [...] Nacht fĂŒr Nacht kamen Transporte an auf unserem kleinen Sachsenhausener Bahnhof, Viehwagentransporte, in denen die russischen Kriegsgefangenen zusammengepfercht waren, in den Viehwagen stehend, wochenlang unterwegs, oft kaum mit Nahrung versorgt. Sie kamen nachts an, und unter grellen Scheinwerfern nahmen SS-Leute mit Peitschen und Hunden die Transporte in Empfang. Die Gefangenen stolperten heraus und fielen auf den Bahnsteig, soweit sie sich noch bewegen konnten. Ein Teil von ihnen waren Leichen: auf dem Transport Gestorbene hatten noch zwischen den anderen gestanden. Diejenigen, die sich noch bewegen konnten, wurden von den Hunden gehetzt und unter PeitschenschlĂ€gen vom Bahnhof in das KZ getrieben. Auf diesem Weg verendeten dann auch wieder soundsoviele. Dies alles hörten wir mit...
Wenn jemand behauptet, er habe von all dem nichts gewusst, ist meine Kontrollfrage immer: HÀttest du dich denn damals gern in ein Konzentrationslager einliefern lassen? Da hÀtte jeder gesagt: Um Gottes willen!

In der Bundesrepublik

Nach GrĂŒndung der Bundesrepublik 1949 erklĂ€rten Politiker wie Theodor Heuss, Richard von WeizsĂ€cker oder Helmut Schmidt[32], vom Holocaust keine Kenntnis gehabt zu haben. Schmidt Ă€ußerte verschiedentlich, er habe weder von der „Reichskristallnacht“ etwas mitbekommen noch je einen Judenstern gesehen. In einem Interview der FAZ vom 9. April 2005[33] antwortete er auf die Frage, wann er zum ersten Mal eine Idee davon gehabt habe, dass die Nationalsozialisten Verbrecher seien:

Nach dem Krieg [...] Ich habe von dem Genozid an den Juden nichts gewusst, wie viele Menschen damals.

Auf die RĂŒckfrage, man habe doch gewusst, dass es Konzentrationslager gab, entgegnete Schmidt:

Ich habe davon nichts gewusst, mein Vater auch nicht.

Auf den Hinweis auf die bei Hamburg gelegenen Konzentrationslager KZ Neuengamme und KZ Bergen-Belsen sagte Schmidt:

Mein Vater und auch meine Schwiegereltern, die Juden versteckten – nicht auf Dauer, nur fĂŒr eine Nacht auf dem Boden und eine Nacht im Keller, und ein paar Tage spĂ€ter kam jemand anders fĂŒr eine Nacht –, wir haben davon nichts gewusst.

DemgegenĂŒber schrieb Franz Josef Strauß in seinen Lebenserinnerungen, er sei als Wehrmachtssoldat mehrfach Zeuge von Massenerschießungen von Juden im Osten gewesen.[34]

Albert Speer beteuerte im NĂŒrnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wie alle ĂŒbrigen angeklagten NS-TĂ€ter ein Nichtwissen vom Holocaust und versuchte dies bis zu seinem Tod glaubhaft zu machen. Er wurde durch neue Dokumentenfunde nachtrĂ€glich belastet: Er trieb selbst die Enteignung von Juden voran, profitierte persönlich davon und genehmigte Lieferungen von Baumaterial fĂŒr das KZ Auschwitz-Birkenau. Er bestritt jedoch stets, bei Himmlers Posener Reden anwesend gewesen zu sein, obwohl Himmler ihn laut redigiertem Redemanuskript einmal direkt ansprach. Da Speer in engem Kontakt mit Hörern der Rede stand, die ihn danach aufsuchten, gilt es als „schlicht unmöglich“, dass er nichts davon erfahren hat.[35]

Historische Untersuchungen

Nachkriegsstudien

Hannah Arendt, vom nationalsozialistischen Regime 1937 ausgebĂŒrgert, publizierte seit 1943 vor allem ĂŒber den Holocaust. Sie schrieb Ende 1944 in ihrem amerikanischen Exil den Artikel Organisierte Schuld:

WĂ€hrend die Verbrechen, die seit Beginn des Regimes in den Konzentrationslagern zur tĂ€glichen Routine gehören, frĂŒher ein eifersĂŒchtig gehĂŒtetes Monopol der SS und der Gestapo waren, werden zu den Massenmorden heute beliebige Wehrmachtangehörige abkommandiert. Die Berichte ĂŒber diese Verbrechen, welche am Anfang möglichst geheim gehalten wurden ..., wurden erst auf dem Weg der von den Nazis selbst inszenierten FlĂŒsterpropaganda verbreitet, und sie werden heute von ihnen völlig offen als Liquidationsmaßnahmen zugestanden, um diejenigen 'Volksgenossen', welche man aus organisatorischen GrĂŒnden nicht hat in die 'Volksgemeinschaft' des Verbrechens aufnehmen können, wenigstens in die Rolle der Mitwisser und Komplizen zu drĂ€ngen.[36]

Diese Mitwisserschaft und das behauptete Nichtwissen der Deutschen vom Holocaust wurden bereits in der Nachkriegszeit von verschiedenen Wissenschaftlern analysiert. In ihrem zunĂ€chst nur in den USA erschienenen Essay Besuch in Deutschland. Die Nachwirkungen des Naziregimes[37] (1950) beschrieb Hannah Arendt die Teilnahmslosigkeit der deutschen Nachkriegsgesellschaft. WĂ€hrend in Europa wegen der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager tiefe Trauer herrsche, werde nirgends weniger ĂŒber die Verbrechen des Nationalsozialismus gesprochen als in Deutschland:

Die GleichgĂŒltigkeit, mit der sich die Deutschen durch die TrĂŒmmer bewegen, findet ihre genaue Entsprechung darin, dass niemand um die Toten trauert.

Stattdessen hörte sie von zahlreichen Geschichten ĂŒber die Leiden der Deutschen, die gegen die Leiden der anderen aufgerechnet wĂŒrden, wobei die „Leidensbilanz“ in Deutschland stillschweigend als ausgeglichen gelte:

Der Durchschnittsdeutsche sucht die Ursachen des letzten Krieges nicht in den Taten des Naziregimes, sondern in den Ereignissen, die zur Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies gefĂŒhrt haben.

Diese VerdrĂ€ngung erklĂ€rten Margarete und Alexander Mitscherlich in ihrer sozialpsychologischen Studie der Nachkriegsgesellschaft „Die UnfĂ€higkeit zu trauern“ 1967 anhand ihrer Therapiearbeit mit Zeitzeugen aus einer unbewussten Abwehr heraus. Diese diene ihnen dazu, sich der Konfrontation mit den NS-Verbrechen und ihrer passiven oder aktiven Beteiligung daran zu entziehen. Die Folgen seien „eine eingeschrĂ€nkte RealitĂ€tswahrnehmung und die Verbreitung stereotyper Vorurteile“.[38]

Die Überzeugung, die Zeitgenossen hĂ€tten von den Morden nichts wissen können, war aber auch in der Linken weit verbreitet. So schrieb zum Beispiel Ulrike Meinhof 1972, die Anerkennung dieser Tatsache, das heißt „daß wir das deutsche Volk vom Faschismus freisprechen“, sei Voraussetzung fĂŒr eine breite UnterstĂŒtzung der RAF, „denn die Leute haben ja wirklich nicht gewusst, was in den Konzentrationslagern vorging.“[39]

Neu erschlossene Quellen

US-Nachrichtendienste und Psychologen sammelten ihre Erfahrungen mit verhörten Deutschen in den letzten Kriegsmonaten. Die Verhörprotokolle der alliierten Armeen wurden jedoch erst Jahrzehnte spĂ€ter veröffentlicht. Als einer der Ersten hat der israelische Historiker David Bankier die Verhöre der US-Armee 1995 ausgewertet. Er bezeichnete ihr eindeutiges Ergebnis als „Geheimnis, das keines geblieben ist“: Fast jeder Deutsche habe gegen Kriegsende irgendeine Kenntnis von den NS-Verbrechen gehabt. Auch die Methode der Vergasung sei in „weiten Kreisen“ GesprĂ€chsthema gewesen. Viele Befragte hĂ€tten sich erleichtert gezeigt, erstmals frei darĂŒber sprechen zu können. Die Vernehmer beobachteten, dass „ein merkwĂŒrdiges SchuldgefĂŒhl bezĂŒglich der Juden im Vordergrund gestanden“ habe, „eine unbehagliche Stimmung und hĂ€ufig ein offenes EingestĂ€ndnis“ von einem „großen Unrecht“.[40]

Bankiers Urteil folgten 2006 mit Peter Longerich, Frank Bajohr und Dieter Pohl auch einige deutsche Historiker. Longerich versuchte, die Verbreitung und Inhalte des Wissens der Deutschen vom Holocaust genauer zu erfassen. Er untersuchte dazu alle verfĂŒgbaren Quellen unter der Fragestellung, welche Informationen ĂŒber NS-Verbrechen welchen Kreisen damals zugĂ€nglich waren und sich in der deutschen Bevölkerung herumsprechen konnten:

  • geheime Lage- und Stimmungsberichte der Gestapo und Sicherheitsdienste
  • Protokolle der tĂ€glichen Konferenzen des Goebbels-Ministeriums aus den Jahren 1941/42
  • regionale und ĂŒberregionale Presseberichte
  • TagebĂŒcher und Briefe von Zeitgenossen, darunter Feldpost von Frontsoldaten
  • neu zugĂ€ngliche, bisher unberĂŒcksichtigte Akten auch aus der Sowjetunion, darunter noch unveröffentlichte Protokolle der alle zwei Wochen im Reichspropagandaministerium stattfindenden „Ministerkonferenz“, die das Staatliche MilitĂ€rarchiv in Moskau verwahrt.

Seit den letzten Jahren konzentriert sich die Holocaustforschung auf konkrete lokale und regionale AblĂ€ufe bei den Deportationen von Juden aus deutschen StĂ€dten: zum einen, um Einzelschicksale der Opfer so weit wie möglich aufzuklĂ€ren, zum anderen, um damalige Reaktionen und Beteiligung der Nichtjuden genauer zu ermitteln. Auch das Zentrum fĂŒr Antisemitismusforschung an der TU Berlin widmet sich seit einigen Jahren verstĂ€rkt der Aufhellung der Bevölkerungshaltung: So leitet Bernward Dörner ein Forschungsprojekt zum Thema Der Mord an den europĂ€ischen Juden und die deutsche Gesellschaft. Wissen und Haltung der Deutschen 1941 bis 1945.

Entwicklung und Funktion der Bevölkerungshaltung

Die neueren historischen Studien untersuchen die gegenseitige Beeinflussung von Regime und Bevölkerung und die verschiedenen lĂ€ngerfristigen und kurzfristigen Interessenlagen der Deutschen, die ihre Haltung zur Judenverfolgung erklĂ€ren. Nach Auffassung der fĂŒr den Regionalbereich Köln mit solchen Forschungen befassten Historikerin Karola Fings ist die historische Hauptfrage dabei nicht, was die Deutschen von den NS-Verbrechen wussten, sondern was sie wissen konnten, wenn sie es hĂ€tten wissen wollen.[41]

Longerich hat zunĂ€chst die Entwicklung der antisemitischen Propaganda und die Bevölkerungsreaktionen darauf fĂŒr jede Phase der NS-Herrschaft untersucht. Er kam mit dieser wissenschaftlichen Methodik zu dem dreifachen Ergebnis:

  • Das NS-Regime habe die Bevölkerung durch eine Mischung aus Schweigen und VernichtungsankĂŒndigung in Mithaftung fĂŒr die Verbrechen nehmen wollen und dabei flexibel auf die sich verĂ€ndernde Bevölkerungsstimmung reagiert, um diese zu lenken.
  • Informationen ĂŒber die Judenvernichtung seien unter den Deutschen viel weiter verbreitet gewesen als bisher angenommen: Nicht die Mehrheit, aber doch ein erheblicher Anteil der Bevölkerung und nicht etwa nur eine kleine, auf eine bestimmte Region, Berufssparte oder auf ein soziales Milieu beschrĂ€nkte Minderheit habe trotz der Geheimhaltung der genauen Details vom Holocaust gewusst und dessen Ausmaß und Formen realistisch einschĂ€tzen können.
  • Die meisten Deutschen hĂ€tten dieses Wissen nicht in Handlungen fĂŒr die Juden und gegen deren Verfolgung umgesetzt; zwar habe man die NS-Verbrechen nicht gewollt, sich aber der staatlichen Propaganda gefĂŒgt.[42]

Antisemitische Kampagnen des Regimes seien im Kriegsverlauf zunehmend auf Skepsis, UnverstĂ€ndnis und Kritik gestoßen, ohne jedoch auch nur AnsĂ€tze einer öffentlichen Opposition zur Judenverfolgung auszulösen. Die vorherrschende GleichgĂŒltigkeit und PassivitĂ€t hĂ€tten dazu gedient, sich jeder Eigenverantwortung fĂŒr Krieg, Kriegsverbrechen und Kriegsfolgen durch ostentative Ahnungslosigkeit zu entziehen. Dies habe dann in der verbreiteten Distanzierung vom eigenen Wissen gegenĂŒber den Siegern resultiert.

Anders als Longerich vermutet Armin Pfahl-Traughber in der mangelnden aktiven Beteiligung vieler Deutscher an antisemitischen NS-Kampagnen keine Distanz zum Antisemitismus, sondern nur eine Abneigung gegen das gewalttÀtige Vorgehen der Nationalsozialisten.[43]

Die Frage nach der Kenntnis vom Holocaust verband sich mit der Debatte um eine mögliche deutsche Kollektivschuld. Diese wurde jedoch auch von einigen Vertretern der Kriegsgegner Deutschlands zurĂŒckgewiesen. Diese bemĂŒhten sich in den NĂŒrnberger Prozessen intensiv darum, erstmals nach einem Weltkrieg nicht nur direkt AusfĂŒhrende, sondern vor allem die Initiatoren und Planer des Völkermords haftbar zu machen. Die innerdeutsche Kollektivschulddebatte wurde daher zum Teil ebenfalls als Ablenkung von eigener, individuell zurechenbarer Verantwortung gedeutet.

Siehe auch

Literatur

Wissen von nichtjĂŒdischen Deutschen

  • Frank Bajohr, Dieter Pohl: Der Holocaust als offenes Geheimnis. Die Deutschen, die NS-FĂŒhrung und die Alliierten. C.H. Beck, MĂŒnchen 2006, ISBN 3406549780
  • Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes und Moshe Zimmermann: Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik, Karl Blessing Verlag, MĂŒnchen 2010, ISBN 3-896-67430-7, ISBN 978-3-89667-430-2
  • Bernward Dörner: Die Deutschen und der Holocaust. Was niemand wissen wollte, aber jeder wissen konnte. PropylĂ€en, Berlin 2007, ISBN 3-549-07315-1
  • David Bankier: Die öffentliche Meinung im Hitler-Staat. Die 'Endlösung' und die Deutschen (1. Auflage 1995), BWV Berliner-Wissenschaft 2002, ISBN 3870614781
    • ders.: Warum “Die Endlösung” ein öffentliches Geheimnis war, in: Ludmila NeslĂĄdkovĂĄ (Hrsg.): Nisko 1939–1994
  • Walter Kempowski: Haben Sie davon gewußt? Deutsche Antworten. 1. Auflage 1979; Btb Berliner Taschenbuchverlag, Berlin 1999, ISBN 3442725410
  • Otto D. Kulka, Eberhard JĂ€ckel: Die Juden in den geheimen NS-Stimmungsberichten 1933–1945. Droste, 2004, ISBN 3770016165
  • Peter Longerich: „Davon haben wir nichts gewusst!“ Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933–1945. Siedler, MĂŒnchen 2006, ISBN 3886808432
  • Hans Mommsen: Was haben die Deutschen vom Völkermord an den Juden gewusst? In: Walter H. Pehle (Hrsg.): Der Judenpogrom 1938. Von der „Reichskristallnacht“ zum Völkermord. Fischer TB, 1. Auflage Frankfurt 1988; 7. Auflage 1999, ISBN 3596243866
  • Saul K. Padover: LĂŒgendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45. Econ Tb 2001, ISBN 3548750060
  • Karl-Heinz Reuband: GerĂŒchte und Kenntnisse vom Holocaust in der deutschen Gesellschaft vor Ende des Krieges. Eine Bestandsaufnahme auf der Basis von Bevölkerungsumfragen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Jahrbuch fĂŒr Antisemitismusforschung Band 9, Campus, Frankfurt 2000, S. 196-233
  • Karl-Heinz Reuband: Zwischen Ignoranz, Wissen und Nicht-Glauben-Wollen: GerĂŒchte ĂŒber den Holocaust und ihre Diffusionsbedingungen in der Bevölkerung. In: B. Kosmala und C. Schoppmann (Hrsg.): Überleben im Untergrund. Hilfe fĂŒr Juden in Deutschland 1941-1945. Metropol, Berlin 2002, S. 33-62
  • Jochanan Shelliem (Hrsg.):Weinen Sie nicht, die gehen nur baden! Der Audio Verlag, Dav; Januar 2005, ISBN 3898134091
  • Jörg Wollenberg (Hrsg.): „Niemand war dabei und keiner hat’s gewußt.“ Die deutsche Öffentlichkeit und die Judenverfolgung 1933–1945. Piper, 2. Auflage MĂŒnchen 1989, ISBN 3492110665

Individuelle Erfahrungsberichte

  • Petra Bopp: Fremde im Visier - Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg. Christof Kerber Verlag, 2009. 159 Seiten. ISBN 3-86678-294-2[44]
  • Herbert u. Sibylle Obenaus (Hrsg.): „Schreiben, wie es wirklich war ...“ Aufzeichnungen Karl DĂŒrkefĂ€ldens aus den Jahren 1933–1945. FackeltrĂ€ger, Hannover 1985, ISBN 3771623111
  • Harald Welzer, Sabine Moller, Karoline Tschuggnall: Opa war kein Nazi. Nationalsozialismus und Holocaust im FamiliengedĂ€chtnis. Fischer TB, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3596155150
  • Sabine WĂŒrich, Karola Fings, Rolf Sachsse, Martin Stankowski: Das GedĂ€chtnis der Orte. Emons, 2004, ISBN 3897053497

Wissen von Juden

  • Andreas Kruse, Eric Schmitt: Wir haben uns als Deutsche gefĂŒhlt. LebensrĂŒckblick und Lebenssituation jĂŒdischer Emigranten und LagerhĂ€ftlinge. Steinkopff, Darmstadt 2000, ISBN 3-7985-1035-0

Wissen der Alliierten

  • Richard Breitman: Staatsgeheimnisse. Verbrechen der Nazis – von den Alliierten toleriert. Blessing, 1999, ISBN 3896670565
  • Walter Laqueur: The Terrible Secret. Suppression of the Truth about Hitler's „Final Solution“. Boston 1980; Nachdruck Henry Holt, 1998, ISBN 0805059849 (englisch)
    • deutsch: Was niemand wissen wollte. Die UnterdrĂŒckung der Nachrichten ĂŒber Hitlers Endlösung. Ullstein, 1981; TB 1984
  • Michaela Hoenicke Moore: Know Your Enemy. The American Debate on Nazism, 1933–1945. Cambridge UP, 2010. 408 S. ISBN 9780521829694 (Inhaltsverz.; englisch)

Allgemein

  •  Das schreckliche Geheimnis. In: Der Spiegel. Nr. 35, 24, S. 124 (24. August 1981, online).</span>
  • celle-im-nationalsozialismus.de: Wilfried Köppen: Amtshilfe – Bis Celle ohne Juden war, (1982)
    aus: Werner Holtfort, Norbert Kandel, Wilfried Köppen, Ulrich Vultejus: Hinter den Fassaden. Geschichten aus einer Deutschen Stadt Göttingen, Seite 97-102

Weblinks

Einzelbelege

  1. ↑ Bernward Dörner: Rezension von P. Longerich: Davon haben wir nichts gewusst! fĂŒr HSozkult, 14. Juni 2006
  2. ↑ Nikolaus Wachsmann: GefĂ€ngnisse, Ghettos, Lager: Die Juden in Gefangenschaft im Dritten Reich
  3. ↑ Bradley F. Smith, Agnes F. Petersen (Hrsg.): Heinrich Himmler. Geheimreden 1933 – 1945, PropylĂ€en, Frankfurt 1974, ISBN 3-549-07305-4, Zitat aus S. 169ff
  4. ↑ Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes und Moshe Zimmermann: Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik. Karl Blessing, MĂŒnchen 2010, S. 16.
  5. ↑ Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes und Moshe Zimmermann: Das Amt und die Vergangenheit..., S. 15.
  6. ↑ Beispiel: Der Bericht des Wehrmacht-Unteroffiziers Wilhelm Cornides vom 31. August /1. September 1942 (nach Peter Longerich: Die Ermordung der europĂ€ischen Juden, MĂŒnchen 1989, S.212f)
  7. ↑ Annegret SchĂŒle: Technik ohne Moral, GeschĂ€ft ohne Verantwortung. In: Irmtrud Wojak und Susanne Meinl (Hrsg.): Im Labyrinth der Schuld. Frankfurt 2003, ISBN 3-593-37373-4, S. 199 - 229
  8. ↑ Sönke Neitzel, Harald Welzer: Soldaten: Protokolle vom KĂ€mpfen, Töten und Sterben. S. Fischer, 2011, ISBN 3100894340; rezensiert von Jan Fleischhauer (Der Spiegel, 4. April 2011): Zeitgeschichte: Frauen, Kinder, alles
  9. ↑ Christian Semler, Stefan Reinicke (taz, 10. November 2006): Die Juden waren der ideale Feind. Interview mit Saul FriedlĂ€nder
  10. ↑ Wege in die Vernichtung. Die Deportation der Juden aus Mainfranken 1941–1943. Hrsg, von der Generaldirektion der staatlichen Archive Bayerns. MĂŒnchen 2003, ISBN 3-921635-77-2, S. 106ff und Fotos
  11. ↑ Ruth Andreas-Friedrich: Der Schattenmann. Schauplatz Berlin. Tagebuchaufzeichnungen 1938–1948, Frankfurt am Main 2000, S. 98
  12. ↑ Heinz Boberach: Überwachungs- und Stimmungsberichte als Quellen fĂŒr die Einstellung der deutschen Bevölkerung zur Judenverfolgung. in: Ursula BĂŒttner: Die Deutschen und die Judenverfolgung im Dritten Reich. Überarb. Neuaufl. Frankfurt/M 2003, ISBN 3-596-15896-6, S. 51
  13. ↑ Peter Longerich: Davon haben wir nichts gewusst..., S. 229 und Anm. 115 auf S. 410
  14. ↑ Guido Knopp, „Holocaust“, S. 333 / 2. Flugblatt
  15. ↑ Ernst Klee: 'Schöne Zeiten'. Judenmord aus der Sicht der TĂ€ter und Gaffer. Fischer, Frankfurt am Main 1988, ISBN 310039304X, S. 7f
  16. ↑ Frank Bajohr, Dieter Pohl: Der Holocaust... ISBN 3406549780, S. 58
  17. ↑ Bernward Dörner: Die Deutschen und der Holocaust. Berlin 2007, S. 608.
  18. ↑ Richard Breitman: Staatsgeheimnisse, Goldmann, MĂŒnchen 2001, S. 126
  19. ↑ Richard Breitman: Staatsgeheimnisse, a.a.O. S. 130
  20. ↑ Richard Breitman: Staatsgeheimnisse, a.a.O. S. 132ff
  21. ↑ Richard Breitman: Staatsgeheimnisse, a.a.O. S. 137
  22. ↑ Armin Pfahl-Traughber, a.a.O. S. 8 (pdf)
  23. ↑ Guido Knopp: Holokaust, a.a.O. S. 334
  24. ↑ Wir sind die letzten – FRAGT UNS AUS! (Arno Lustiger) Unterrichtsimpulse fĂŒr Sekundarstufe I und II, Seite 18 (Zugriff am 14. September 2007)
  25. ↑ a b Professor Dr. Konrad Löw in der F.A.Z., 1. MĂ€rz 2007, Nr. 51 / Seite 7
  26. ↑ Herbert u. Sibylle Obenaus (Hrsg.): Schreiben, wie es wirklich war ... Aufzeichnungen Karl DĂŒrkefĂ€ldens aus den Jahren 1933–1945. Hannover 1985
  27. ↑ Peter Longerich: Davon haben wir nichts gewusst... S. 231f
  28. ↑ Frank Bajohr, Dieter Pohl: Der Holocaust als offenes Geheimnis. MĂŒnchen 2006, ISBN 3406549780; S. 60/61 sowie Unterrichtsimpulse Bistum Augsburg, a.a.O. S. 18 (pdf)
  29. ↑ GĂŒnter Brakelmann, Evangelische Kirche und Judenverfolgung S. 74
  30. ↑ zitiert nach Volker Ullrich: Das offene Geheimnis – Peter Longerich untersucht ein heikles Kapitel unserer jĂŒngeren Geschichte: Was wussten die Deutschen vom Holocaust? (DIE ZEIT 20. April 2006)
  31. ↑ Heinrich W. Grosse: BewĂ€hrung und Versagen. Die Bekennende Kirche im Kirchenkampf. Aktion SĂŒhnezeichen Friedensdienste e.V., 1991, ISBN 3892460248, S. 31f
  32. ↑ Bryan Mark Rigg, in: Hitlers jĂŒdische Soldaten, Kap. 9
  33. ↑ “Die Deutschen bleiben ein gefĂ€hrliches Volk – Warum man nach dem Zusammenbruch des ‘Dritten Reiches’ in die Politik ging und was heute fehlt: Helmut Schmidt erinnert sich”, FAZ 9. April 2005, S. 36
  34. ↑ Peter Lieb: Verbrechen der Wehrmacht – Was konnten Wehrmachtsoldaten von den NS-Verbrechen hinter der Front wissen? Tagebuch eines TĂ€ters gazette.de
  35. ↑ Gitta Sereny: Albert Speer: Sein Ringen mit der Wahrheit. MĂŒnchen 2001, ISBN 3-442-15141-4, S. 484; Berliner Morgenpost 12. MĂ€rz 2007: Briefe Speers versteigert; Stefan Krebs / Werner Tschacher: Speer und Er. Und Wir? Deutsche Geschichte in gebrochener Erinnerung. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, H. 3, 58 (2007), S. 163-173
  36. ↑ Hannah Arendt: Die verborgene Tradition. Acht Essays, Frankfurt a. M. 1976, S.33. In der Zeitschrift Jewish Frontier im Januar 1945 erstmals veröffentlicht.
  37. ↑ In: Zur Zeit. Politische Essays. Hamburg 1999, S.43–70
  38. ↑ Margarete und Alexander Mitscherlich, Die UnfĂ€higkeit zu trauern – Grundlagen kollektiven Verhaltens. 1967, Zitat aus der Rezension von CI Leipzig (19. MĂ€rz 2007)
  39. ↑ zit. nach Veit Medick, Radikal antijĂŒdisch, in: tageszeitung vom 6./7. Oktober 2007, taz mag, S. III
  40. ↑  Ort des Unfassbaren. In: Der Spiegel. Nr. 4, 2005 (24. Januar 2005, online).</span>
  41. ↑ FunkhausgesprĂ€che vom 9. November 2006 um 20.05 Uhr auf WDR 5
  42. ↑ Rezensionsnotiz – SĂŒddeutsche Zeitung, 27. Dezember 2006
  43. ↑ Armin Pfahl-Traughber: Rezension von Davon haben wir nichts gewusst! fĂŒr „Blick nach Rechts“
  44. ↑ Rezension: Ausstellung Wehrmachtsfotografien 2009/2010 gezeigt in Oldenburg, MĂŒnchen, Frankfurt am Main und Jena. Die Zeit Nr. 2010/19
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