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Homöopathie

Samuel Hahnemann

Die Homöopathie [ˌhomĂžopaˈtiː] (von altgriechisch áœ…ÎŒÎżÎčÎżÏ‚ hĂłmoios ‚gleich, gleichartig, Ă€hnlich‘ sowie Ï€ÎŹÎžÎżÏ‚ pĂĄthos ‚Leid, Schmerz, Affekt, GefĂŒhl‘; wörtlich also „Àhnliches Leiden“)[1] ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode, die auf den ab 1796 veröffentlichten Vorstellungen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann beruht.

Ihre namengebende und wichtigste Grundannahme ist das von Hahnemann formulierte Ähnlichkeitsprinzip: „Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden“ (similia similibus curentur, Hahnemann). Danach solle ein homöopathisches Arzneimittel so ausgewĂ€hlt werden, dass es an Gesunden Ă€hnliche Symptome hervorrufen könne wie die, an denen der Kranke leidet, wobei auch der „gemĂŒthliche und geistige Charakter“[2] des Patienten berĂŒcksichtigt werden solle. Hierzu wurden von Hahnemann und seinen Nachfolgern ausgedehnte Tabellen (Repertorien) erstellt, mit deren Hilfe der Homöopath den Patienten und seine Krankheitserscheinungen einem sogenannten Arzneimittelbild zuordnen soll.

Zur Herstellung der Arzneimittel werden die Grundsubstanzen einer sogenannten Potenzierung unterzogen, das heißt sie werden wiederholt (meist im VerhĂ€ltnis 1:10 oder 1:100) mit Wasser oder Alkohol verschĂŒttelt oder mit Milchzucker verrieben. Die VerdĂŒnnung wurde zunĂ€chst wegen der Giftigkeit vieler der verwendeten Stoffe durchgefĂŒhrt. Erst in einer spĂ€teren Phase verordnete Hahnemann so genannte Hochpotenzen, bei denen die Ausgangsstoffe so stark verdĂŒnnt werden, dass sie nicht mehr nachweisbar sind. Hahnemann nahm an, dass durch das besondere Verfahren der Potenzierung oder „Dynamisierung“ eine „im innern Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft“ wirksam werde.

Diese behauptete selektive Steigerung erwĂŒnschter Wirkungen durch die Prozeduren des Potenzierungsverfahrens, die von einigen Autoren auch als „rituell“ bezeichnet werden,[3][4] widerspricht jedoch naturwissenschaftlichen Erkenntnissen.[5] Auch das hahnemannsche Ähnlichkeitsprinzip ist wissenschaftlich nicht haltbar.[6][7] Klinische Studien nach wissenschaftlichen Standards konnten keine ĂŒber den Placebo-Effekt hinausgehende Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel nachweisen.[8] Erfolge einer Behandlung[9] werden somit ihrem Umfeld, nicht dem Mittel selbst zugeschrieben, etwa dem Glauben des Patienten an die Wirksamkeit der Behandlung oder der QualitĂ€t der Beziehung zwischen Therapeuten und Patienten.[10][11] Der Fachbereich Humanmedizin der Philipps-UniversitĂ€t Marburg verwarf die Homöopathie 1992 im Rahmen der „Marburger ErklĂ€rung zur Homöopathie“ als Irrlehre.[12]

Im Jahr 2009 wurden in Deutschland Homöopathika fĂŒr 403 Mio. Euro umgesetzt; das entspricht acht Prozent aller rezeptfreien Arzneimittel. Davon wurden 27 % von einem Therapeuten verordnet, 73 % wurden direkt vom Anwender in der Apotheke gekauft.[13] Bei einer 2009 in Deutschland durch das Allensbach-Institut durchgefĂŒhrten Befragung brachten 17 % der Personen, die schon von homöopathischen Arznei- bzw. Heilmitteln gehört haben, die Homöopathie mit dem VerdĂŒnnungs- oder Ähnlichkeitsprinzip in Verbindung.[14]

Inhaltsverzeichnis

GrundsÀtze

Die Homöopathie ist eine weit verzweigte Praxis mit vielen Varianten. Alle homöopathischen Lehren berufen sich auf Hahnemann und das Ähnlichkeitsprinzip, weichen aber in anderen Punkten teilweise erheblich voneinander ab. Die meisten Homöopathen sehen das Ähnlichkeitsprinzip, die „ArzneimittelprĂŒfung am Gesunden“, die Erhebung des individuellen Krankheitsbildes durch eine ausfĂŒhrliche Anamnese und die „Potenzierung“ bei der Herstellung der homöopathischen Arzneimittel als GrundsĂ€tze der Homöopathie an.[15][16]

Ähnlichkeitsprinzip (Simile-Prinzip)

400 Pf-Sondermarke von Deutschland (1996) mit einer Silhouette Hahnemanns und Ähnlichkeitsregel

Nach dem Ähnlichkeits- oder Simileprinzip – â€žsimilia similibus curentur“ („Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt“) – sollen Krankheiten durch Mittel geheilt werden, die bei einem Gesunden Ă€hnliche Symptome hervorrufen, wie sie bei dem Kranken beobachtet werden:[15]

„Jedes wirksame Arzneimittel erregt im menschlichen Körper eine Art von eigner Krankheit, eine desto eigenthĂŒmlichere, ausgezeichnetere und heftigere Krankheit, je wirksamer die Arznei ist. Man ahme der Natur nach, welche zuweilen eine chronische Krankheit durch eine andre hinzukommende heilt und wende in der zu heilenden (vorzĂŒglich chronischen) Krankheit dasjenige Arzneimittel an, welches eine andre, möglichst Ă€hnliche, kĂŒnstliche Krankheit zu erregen im Stande ist und jene wird geheilet werden; Similia similibus.“

– Samuel Hahnemann, 1796[17]

Die Idee eines Simile-Prinzips lĂ€sst sich nicht allein auf Hahnemann zurĂŒckfĂŒhren. Ansatzweise findet sie sich bereits im Corpus Hippocraticum und den Schriften des Theophrast von Hohenheim (Paracelsus)[18]:

„Die Krankheit entsteht durch EinflĂŒsse, die den Heilmitteln Ă€hnlich wirken, und der Krankheitszustand wird beseitigt durch Mittel, die ihm Ă€hnliche Erscheinungen hervorrufen.“

– Hippokrates von Kos (460 v. Chr. – um 370 v. Chr.)[19]

„Ähnliches wird durch Ähnliches behandelt und nicht GegensĂ€tze durch GegensĂ€tze.“

– Theophrast von Hohenheim (1493–1541)[20]

Auch wurden im Mittelalter Amulette zur Heilung in Form von Pflanzen getragen, die mittels Ähnlichkeitsprinzip, nach Name oder Form der Pflanze, Körperteilen zugeordnet wurden (→Signaturenlehre).[20]

Die Entwicklung zum zentralen Prinzip der Homöopathie geht unter anderem auf einen Selbstversuch Hahnemanns zurĂŒck, mit dem er herausfinden wollte, wie die damals schon als Mittel gegen Malaria bekannte Chinarinde wirkt („Chinarindenversuch“).[18][21] Nach sechs Jahren weiterer Experimente an sich und seinen Familienmitgliedern mit anderen Substanzen formulierte Hahnemann 1796 das Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie in Form eines Postulats, veröffentlicht in Christoph Wilhelm Hufelands Journal der praktischen Arzneikunde. Hahnemann schrieb hierzu in seinem Grundlagenwerk der Homöopathie, dem Organon der Heilkunst:

„Durch Beobachtung, Nachdenken und Erfahrung fand ich, daß im Gegentheile von der alten Allöopathie die wahre, richtige, beste Heilung zu finden sei in dem Satze: WĂ€hle, um sanft, schnell, gewiß und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein Ă€hnliches Leiden fĂŒr sich erregen kann, als sie heilen soll!“

– Samuel Hahnemann[22]

Voraussetzungen fĂŒr die Anwendung des Ähnlichkeitsprinzips in der Homöopathie sind zum einen die Kenntnis der Wirkung der homöopathischen Mittel (siehe „Homöopathische ArzneimittelprĂŒfung“) und zum anderen die exakte Erfassung des Symptombildes des Patienten in der homöopathischen Anamnese (siehe „Wahl des Mittels“).[15]

Schon Zeitgenossen Hahnemanns haben die Beliebigkeit des Ähnlichkeitsprinzips kritisiert,[20] welches aus wissenschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar ist.[23] Bis heute wurde noch kein Medikament nach diesem Prinzip entdeckt, das Eingang in die evidenzbasierte Medizin gefunden hat.[24] Hahnemanns Chinarindenversuch konnte nie reproduziert werden. Es wird vermutet, dass Hahnemann allergisch auf Chinarinde reagiert hatte.[25][26]

Homöopathische ArzneimittelprĂŒfung

Historisches Homöopathieset

Bis heute werden in der Homöopathie so genannte ArzneimittelprĂŒfungen durchgefĂŒhrt, die jedoch keineswegs arzneimittelrechtlichen Medikamentenstudien gemĂ€ĂŸ dem Arzneimittelgesetz (siehe unten) entsprechen, sondern nach Hahnemanns Vorgaben durchgefĂŒhrt werden: Homöopathische PrĂŒfer, die gesund sein mĂŒssen, nehmen ein Mittel ein und notieren anschließend alle VerĂ€nderungen und Reaktionen, die sie an sich feststellen.

Die aufgezeichneten Symptome mehrerer solcher PrĂŒfungen werden zu einem so genannten homöopathischen Arzneimittelbild zusammengefasst und in Verzeichnissen geordnet. Je nach Ordnungskriterium handelt es sich dabei entweder um so genannte Arzneimittellehren (nach Mitteln geordnet) oder um so genannte Repertorien, die nach Symptomen zusammengestellt werden[27][28].

Hahnemann selbst hatte schon im Jahre 1805 Wirkungen von 27 verschiedenen Mitteln an gesunden Menschen beschrieben[29][30]. Er betonte, dass sĂ€mtliche Befindlichkeiten der Probanden wĂ€hrend der Wirkungszeit des Mittels als durch dieses ursĂ€chlich hervorgerufen gelten mĂŒssten, selbst wenn der PrĂŒfer Ähnliches in anderen ZusammenhĂ€ngen beobachtet habe [31].

Diese PrĂŒfungen wurden bereits im 19. Jahrhundert als „höchst unwissenschaftlich“ kritisiert. Ihre „Kunst“ bestĂŒnde darin, „durch wirksame oder giftige Arzneistoffe, lange vor Hahnemann bekannte Erscheinungen und Vergiftungssymptome hervorzurufen, welche allerdings dieser oder jener Krankheit, oft aber auch mehreren und sehr verschiedenen Leiden zukommen“[32]. Schon 1927 fand man in den Originalschriften von Samuel Hahnemann[33], dass Berichte von nicht weniger als 716 Symptomen vorlagen, die Hahnemann durch Reiben mit Magneten an Personen erhalten hatte.[34] Eine von einigen Homöopathen durchgefĂŒhrte Untersuchung von ArzneimittelprĂŒfungen der Jahre 1945 bis 1995 ergab, dass diese PrĂŒfungen sehr unterschiedlich gehandhabt wurden und meist von sehr niedriger QualitĂ€t waren.[35]

Bis heute gibt es keine einheitlichen Vorschriften fĂŒr ArzneimittelprĂŒfungen, lediglich Empfehlungen.[36]

Homöopathische Anamnese

Bei der homöopathischen Anamnese eines Patienten, d. h. einer Beobachtung und Befragung, wird versucht, das gesamte Symptombild und die Art der „Verstimmung der Lebenskraft“ zu erfassen. Im Unterschied zur Anamnese in der naturwissenschaftlichen Medizin wird in der homöopathischen Anamnese der Patient auch ĂŒber eine Vielzahl von Sachverhalten befragt, die aus naturwissenschaftlicher Sicht unerheblich sind. Ziel ist es, dasjenige Mittel herauszufinden, bei welchem die beim gesunden Menschen beobachteten Symptome möglichst mit denen ĂŒbereinstimmen, die bei der Anamnese des Kranken erfasst wurden (Repertorisierung, Repertorisation).[37][38][39][40]

Potenzierung

→ Hauptartikel: Potenzieren (Homöopathie)

Ein weiterer Grundsatz der Homöopathie ist die Verwendung „potenzierter“ Mittel. Unter Potenzierung ist die starke VerdĂŒnnung bei gleichzeitiger „Dynamisierung“ (VerschĂŒttelung oder Verreibung siehe unten) zu verstehen. Die Mittel werden durch stufenweise durchgefĂŒhrtes Potenzieren aus „Urtinkturen“ (pflanzlichen und tierischen Ursprungs: Symbol: Ø oder mineralischen und chemischen Ursprungs: Symbol O) und aus VerdĂŒnnungsmitteln wie Alkohol, destilliertem Wasser, Glycerin und Milchzucker hergestellt. Homöopathische Mittel werden flĂŒssig (Dilution) oder als Globuli, in tiefen Potenzen auch in Form von Tabletten angewendet.[16]

Hahnemann fĂŒhrte die Potenzierung um 1798 ein.[41] Nach seinen Anweisungen wurden Homöopathika in Hunderterschritten potenziert („C-Potenzen“). Das heute gebrĂ€uchlichere Dezimalsystem zur Potenzierung und Bezeichnung der Potenzen, z. B. D10, wurde vom Heilpraktiker und spĂ€teren Arzt Arthur Lutze entwickelt und von Constantin Hering in die Behandlung eingefĂŒhrt.[42][43]

Aus der Sicht der Homöopathen ist die Wirkung einer bloßen VerdĂŒnnung nicht mit der eines potenzierten, also verschĂŒttelten oder verriebenen Mittels vergleichbar. Schon im Organon der Heilkunst (Anmerkung zu § 11) wurde die Wirkung eines potenzierten Mittels nicht der körperlichen Substanz oder physischen Wirkung eines Arzneistoffes, sondern einer immateriellen, daraus freigewordenen „spezifischen Arzneikraft“ zugeschrieben.[44] Homöopathen, die sogenannte Hochpotenzen anwenden, nehmen an, bei der Potenzierung, auch Dynamisierung genannt, werde durch die Energiezufuhr beim VerschĂŒtteln oder Verreiben eine Information an das Lösungsmittel abgegeben und bei jedem Potenzierungsschritt verstĂ€rkt, auch wenn keine MolekĂŒle des Arzneimittels mehr in der Lösung vorhanden sind.[45][46] Es existieren keine Belege fĂŒr die Existenz der postulierten immateriellen Energiezufuhr durch die rituellen mechanischen Prozeduren. Die mit dieser Methode hergestellten Lösungen unterscheiden sich nicht von einfach nur verdĂŒnnten Lösungen.[24]

Die VerdĂŒnnung unter die chemische Auflösungsgrenze (ab D23 – siehe auch Avogadro-Konstante) ist kein zwingendes Element der Homöopathie. Viele Heilpraktiker und einige Ärzte arbeiten in Deutschland auch mit den VerdĂŒnnungen 1:10.000 und 1:1.000.000 (D4 und D6), in denen die Stoffe noch in nennenswerter Konzentration vorliegen. Bei diesen nur schwach verdĂŒnnten Mitteln sind die regulĂ€ren Dosis-Wirkungs-Beziehungen des verwendeten Stoffes zu beachten und diverse Wirkungen möglich. Neben der bekanntesten D-Potenzierungsreihe (1:10) gibt es noch die C-Reihe (1:100), die M (1:1000) und die LM- oder Q-Reihe (1:50.000).

Die Fluxionspotenzierung nach Dellmour ist eine Sonderform der flĂŒssigen Potenzierung, die ohne VerschĂŒtteln erfolgt. Durch Turbulenzen der zuzufĂŒgenden FlĂŒssigkeit bei der Zugabe ins PotenzierungsgefĂ€ĂŸ soll das VerschĂŒtteln unnötig sein. Jedoch sei der Dynamisierungseffekt geringer, so dass sehr hohe Potenzgrade hergestellt werden mĂŒssten.[43]

Bei der K-Potenzierung nach Semjon Nikolajewitsch Korsakow, einem russischen Homöopathen, erfolgt die Potenzierung vereinfacht in nur einem Glas. Die Methode wurde zwar nicht in das Homöopathische Arzneimittelbuch (HAB) aufgenommen, dennoch stellen einige Firmen aus Zeit- und KostengrĂŒnden Hochpotenzen nach dieser Methode her.[43]

Aus Sicht einiger heutiger Homöopathen mĂŒsse man eine „Schwache Quantentheorie“ zur ErklĂ€rung der Homöopathie heranziehen.[47][48] Dabei wird das PhĂ€nomen der VerschrĂ€nkung jedoch ohne klare mathematische Definition auf grundlegend verschiedene Systeme wie ein homöopathisches Mittel und Krankheitssymptome angewandt; die extrem leichte Zerstörbarkeit verschrĂ€nkter ZustĂ€nde wird nicht berĂŒcksichtigt.[49]

Als Versuch der ErklĂ€rung eines „GedĂ€chtniseffekts von Wasser“ werden von einigen Homöopathen strukturelle VerĂ€nderung am Wasser als Lösungsmittel angefĂŒhrt.[50] Diese GedĂ€chtnisfunktion ist jedoch, selbst nach Ansicht von anderen Vertretern der Homöopathie, nicht mit den Kenntnissen ĂŒber Wasser vereinbar.[51]

D Skala C Skala VerdĂŒnnung / Mischung Bemerkungen
Ø/O Ø/O 1:1
  • Urtinktur, unverdĂŒnnt
  • Ungiftige Urtinkturen, etwa von Calendula officinalis, sind apothekenpflichtig, aber frei erhĂ€ltlich.[52]
D1 — 1:10
1:101
  • Niedrigpotenzen von Giften wie Quecksilber (Mercurius solubilis), Tollkirsche (Belladonna), SalzsĂ€ure (Muriaticum acidum) usw. sind toxisch. So kann beispielsweise das vor allem in der Laienhomöopathie als D6 oder D12 verwendete Arsen(III)-oxid (Arsenicum album) in der Dosierung von 1g der D1-Lösung tödlich sein.[53]
D2 C1 1:100
1:102
D4 C2 1:10.000
1:104
  • Entspricht im Volumen ca. einem Tropfen auf einen halben Liter Lösungsmittel.
  • Bei auf D4 verdĂŒnnten Giften können Vergiftungserscheinungen auftreten. Beispielsweise fĂŒhrt Arsenicum album D4, 3 mal tĂ€glich 5 Tropfen ĂŒber Wochen aufgenommen, zu chronischen Vergiftungserscheinungen.[54]
D6 C3 1:1.000.000
1:106
D8 C4 1:100.000.000
1:108
  • Entspricht etwa einem Tropfen auf 5 m3 Lösungsmittel
  • Grenzwert beispielsweise von Arsen im Trinkwasser. Ab dieser Konzentration sind auch bei langfristigem Konsum keine Gesundheitsrisiken zu erwarten.[58]
D23 — 1:1023
  • EntsprĂ€che etwa einem Tropfen im Volumen des Mittelmeers
  • Ab dieser Potenz enthĂ€lt die Mischung statistisch kein MolekĂŒl der Urtinktur mehr; dementsprechend wird ab hier nicht mehr verdĂŒnnt, sondern nur noch Lösungsmittel mit Lösungsmittel gemischt. Siehe auch Avogadro-Konstante
D60 C30 1:1060
  • Hier wĂ€re weniger als ein Tropfen in mehreren Erdvolumina vorhanden.[59]
  • Von Hahnemann bevorzugte und fĂŒr die ArzneimittelprĂŒfungen empfohlene Potenz. Hochpotenzen von Belladonna haben bei homöopathischen ArzneimittelprĂŒfungen keinen Unterschied zu Placebos ergeben.[60]
D1000 C500 1:101.000
  • Höchste von Herstellern regulĂ€r lieferbare D Potenz[61]
— C1000 1:102.000
  • Höchste von Herstellern regulĂ€r lieferbare C Potenz[61]

Legende: grĂŒn = Niedrigpotenzen die eine toxikologische oder pharmakologische Wirkung besitzen können; gelb = Die Potenzierung und chemische Wirksamkeit stĂ¶ĂŸt an die chemisch-physikalischen Grenzen; rose = Hochpotenzen. Potenzierungen in diesem Bereich ĂŒberschreiten die chemischen und physikalischen Möglichkeiten.

Homöopathie in der Geschichte der Medizin

Behandlung mit Drastika aus homöopathischer Sicht. GemĂ€lde von Alexander Beydeman (1826–1869) aus dem Jahr 1857

Eine große Bedeutung fĂŒr die Geschichte der Medizin hat Hahnemann vor allem als scharfzĂŒngiger Kritiker der zeitgenössischen Medizin, die zahlreiche ĂŒberlieferte brachiale Methoden wie zum Beispiel Aderlass, Brech- und AbfĂŒhrkuren und sogenannte Drastika nutzte:[62]

„Es scheint das unselige HauptgeschĂ€ft der alten Medicin zu sein, die Mehrzahl der Krankheiten, die langwierigen, durch fortwĂ€hrendes SchwĂ€chen und QuĂ€len des ohnehin schon an seiner Krankheitsplage leidenden, schwachen Kranken und durch HinzufĂŒgung neuer, zerstörender Arzneikrankheiten, wo nicht tödtlich, doch wenigstens unheilbar zu machen, – und, wenn man dies verderbliche Verfahren einmal am Griffe hat, und gegen die Mahnungen des Gewissens gehörig unempfindlich geworden, ist dieß ein sehr leichtes GeschĂ€ft!“

– Samuel Hahnemann[63]

Gegen die traditionelle Medizin des 18. Jahrhunderts setzte Hahnemann die Idee und Praxis der Homöopathie mit dem Ziel, zu einer individualisierten und milden Behandlung zu gelangen. Er wollte damit zeigen, dass Krankheiten auch ohne die gewaltsamen Eingriffe, wie sie damals ĂŒblich waren, in Heilung enden können. Seine Anregung zu experimentellen Untersuchungen ĂŒber die Arzneiwirkung im gesunden Menschen war neu. Die Ideen und Experimente der Homöopathie blieben, weil ihre Beweisverfahren zu weit von gewissenhafter Kritik, von naturwissenschaftlicher Logik und grĂŒndlicher Forschung entfernt waren, fĂŒr die sich entwickelnde wissenschaftliche Medizin des 19. Jahrhunderts von geringer Bedeutung.[62] Trotz zahlreicher AnlĂ€ufe wurde die Homöopathie im 19. und 20. Jahrhundert an keiner deutschsprachigen UniversitĂ€t dauerhaft institutionalisiert. Die Einrichtung von LehrstĂŒhlen scheiterte am hartnĂ€ckigen Widerstand der medizinischen FakultĂ€ten.[64]

Erste Hinweise auf die ArzneimittelprĂŒfung am Gesunden finden sich 1790 in der als Fußnote eingeschobenen Schilderung des „Chinarindenversuchs“ in Hahnemanns Übersetzung von William Cullens Arzneimittellehre.[65]

Hahnemanns Heilkunde der Erfahrung (1805)

1805 formulierte Hahnemann seine Sichtweise in der Arbeit Heilkunde der Erfahrung.[66][67] Er trat in dieser Schrift als eine Art Reformator auf,[68][69] der die seit der Antike gewonnenen medizinischen Kenntnisse verwarf: „Zwei tausend Jahre wurden von den Aerzten verschwendet, um die unsichtbaren innern VerĂ€nderungen des Körpers bei den vorkommenden Krankheiten, ihre nĂ€chste Ursache und das apriorische Wesen derselben zu ergrĂŒbeln, weil sie wĂ€hnten, nicht eher heilen zu können, bis sie diese unmögliche Kenntniss ergrĂŒbelt hatten.“[70]

Gegen eine ErgrĂŒndung der Ursachen von Krankheiten setzte er seine Erfahrungsheilkunde: „Wenn wir aber auch die den Krankheiten zum Grunde liegenden, innern KörperverĂ€nderungen nie einsehen können, so hat doch die Uebersicht ihrer Ă€ussern Veranlassungen einigen Nutzen. Keine VerĂ€nderung entsteht ohne Ursache. Die Krankheiten werden ihre Entstehungsursachen haben, so verborgen sie uns auch in den meisten FĂ€llen bleiben.“[70]

Der Arzt habe die Rolle, eine Krankheit ĂŒber ihre Symptome zu beschreiben: „Mit diesem sorgfĂ€ltigen Eifer wird der Arzt das reine Bild der Krankheit aufgezeichnet, er wird die Krankheit selbst vor sich haben in Zeichen, ohne welche sich keine verborgene Eigenschaft der Dinge, und eben, so wenig eine Krankheit dem blos nach Wahrnehmungen seiner Sinne erkennenden, irdischen Menschen ausspricht.“[70] Die nachfolgende Aufgabe sei: „Ist die Krankheit gefunden, so mĂŒssen wir das Heilmittel suchen.“[70]

1805 verwendete Hahnemann das Wort Homöopathie nicht, operierte aber mit Ähnlichkeiten von „Reizen“, die zu Krankheiten fĂŒhren: „Blos jene Eigenschaft der Arzeneien, eine Reihe spezifischer Krankheitssymptomen im gesunden Körper zu erzeugen, ist es, wodurch sie Krankheiten heilen, das ist, den Krankheitsreiz durch einen angemessenen Gegenreiz aufheben und verlöschen können.“[70]

Gegen diese Reize verwendete er Arzneimittel: „So gewiss jede Pflanzenart in ihrer Ă€ussern Gestalt, in der eigenen Art ihres Lebens, in ihrem Geschmacke, Geruche u.s.w. von einer andern Pflanzenart und Gattung – so gewiss jedes Mineral, jedes Salz in seinen Ă€ussern sowohl, als innern physischen Eigenschaften verschieden ist, so gewiss sind sie sĂ€mmtlich unter sich selbst, in ihren ArzneikrĂ€ften, das ist, in ihrer krankmachenden Kraft verschieden; jede dieser Substanzen wirkt auf eine eigene, bestimmte Weise eine AbĂ€nderung unsers Gesundheitszustandes. Die meisten Substanzen des Thier- und Pflanzenreiches sind in ihrem rohen Zustande arzneilich, die aus dem Mineralreiche aber sowohl im rohen als im zubereiteten Zustande. Am reinsten zeigen die Arzeneimittel die Natur ihrer krankhaften Potenz und ihre absolute, wahre Wirkung im gesunden menschlichen Körper, wenn man jedes allein und unvermischt nehmen lĂ€sst.“[70]

Der Chinarindenversuch – Die Geburtsstunde der Homöopathie?

Heutige Homöopathen sehen den Selbstversuch Hahnemanns mit Chinarinde als Geburtsstunde der Homöopathie an, da er das Ähnlichkeitsprinzip (Simile-Prinzip) belege.[71][72]

„Ich nahm des Versuchs halber etliche Tage zweimahl tĂ€glich jedesmahl vier Quentchen gute China ein; die FĂŒse, die Fingerspitzen, u.s.w. wurden mir erst kalt, ich ward matt und schlĂ€frig, dann fing mir das Herz an zu klopfen, mein Puls ward hart und geschwind, eine unleidliche Aengstlichkeit, ein Zittern (aber ohne Schauder), eine Abgeschlagenheit durch alle Glieder; Dann ein Klopfen im Kopfe, Röthe der Wangen, Durst, kurz alle mir sonst beim Wechselfieber gewöhnlichen Symptome erschienen nacheinander; doch ohne eigentlichen Fieberschauder.“

– Samuel Hahnemann (1790)[73]

Hahnemann selbst erwĂ€hnte den Versuch außerhalb dieser Beschreibung nur weitere drei Mal, in einem kĂŒrzeren Fachartikel[74], der Beantwortung eines Briefes[75] und seiner Reinen Arzneimittellehre (Bd. 3. 1817/1830).
Historisch gesehen spielte der Chinarindenversuch Hahnemanns innerhalb der Homöopathie auch in Bezug auf seine GĂŒltigkeit und Nachvollziehbarkeit nur eine untergeordnete Rolle. Fundstellen in einschlĂ€gigen Zeitschriften und Lexika sind dazu selten.[72][76][77] Teile der Versuchsbeschreibung Hahnemanns finden sich jedoch auf zahllosen entsprechenden Webseiten.

Hahnemanns Versuch konnte bis heute weder von Homöopathen noch von wissenschaftlichen Medizinern erfolgreich reproduziert werden. Zwei Beispiele: Der Arzt Johann Christian Jörg ließ 1821 vier Medizinstudenten eine nach der Beschreibung Hahnemanns gewonnene Tinktur aus Chinarinde trinken. Bei keinem der Probanden traten die von Hahnemann beobachteten Symptome auf.[78] Die beiden Ärzte Hans-Joachim KrĂ€mer und Ernst Habermann fĂŒhrten 1997 einen Selbstversuch nach Hahnemanns Angaben durch, der ebenso keine der Angaben Hahnemanns bestĂ€tigte, aber zu Verdauungsproblemen fĂŒhrte.[79]

Der medizingeschichtlich arbeitende Homöopath Georg Bayr wertet den Versuch aus heutiger Sicht: „Der Chinarindenversuch basiert auf Intuition. Er war zufĂ€llig. Es war ein zeitbedingter Irrtum. Der Irrtum war fruchtbar, da die Homöopathie daraus entstand.“[80]

Der Wirkmechanismus der Chinarinde bzw. des darin enthaltenen Chinins, das 1820 entdeckt wurde, auf die Krankheit Malaria ist heute bekannt. Chinin wirkt bei ungeschlechtlichen Formen des Malariaerregers als Hemmer der NucleinsĂ€uresynthese und hindert so den Erreger an seiner Vermehrung.[81] Chinin wirkt außerdem schmerzstillend, fiebersenkend und örtlich betĂ€ubend.[82] Möglicherweise handelte es sich bei Hahnemanns Selbstbeobachtungen um eine allergische Reaktion aufgrund einer Sensibilisierung fĂŒr Chinin, da er das Mittel bereits frĂŒher eingenommen hatte.[26][83] Andererseits ist Chinin als Diastereomer des Chinidin bekannt, das die Herzfrequenz erhöht. Dieser Effekt der Herzfrequenzerhöhung wurde zu dieser Zeit als Fieber gewertet, da Thermometer fĂŒr die Fiebermessung nicht ĂŒblich waren. Dies könnte ebenfalls Hahnemanns Beobachtung erklĂ€ren.

Hahnemann verzichtete zunĂ€chst auf Versuche einer theoretischen BegrĂŒndung. In seinem SpĂ€twerk[84] bezog er sich – offensichtlich bemĂŒht um eine nach damaligen MaßstĂ€ben wissenschaftliche BegrĂŒndung â€“ auf vitalistische Vorstellungen („Umstimmung der Lebenskraft“).

Hahnemanns Lehre von den chronischen Krankheiten

Nach jahrelangen praktischen Erfahrungen mit der Homöopathie stellte Hahnemann fest, dass bestimmte chronische KrankheitsverlĂ€ufe homöopathisch nicht zu heilen waren. Ab 1816 entwickelte er deshalb eine Methode zur Behandlung chronischer Krankheiten. 1828 veröffentlichte er die Ergebnisse seiner Forschung in einem fĂŒnfbĂ€ndigen Werk mit dem Titel Die chronischen Krankheiten. Nach seiner Theorie liege den chronischen Krankheiten ein Miasma, eine Art tief liegendes „Ur-Übel“, zugrunde. Hahnemann unterteilte die Miasmen in Psora (als Folge der KrĂ€tze), Sykosis (Feigwarzenkrankheit als Folge der Gonorrhoe) und Syphilis. Hahnemanns Arbeit nach der Erkenntnis der Miasmen war der Versuch, die Psora auszumerzen, wie er schrieb. Von Gegnern wurde kritisiert, dass er zwölf Jahre weiter die homöopathische Behandlung propagierte, obwohl „die homöopathische Behandlung von sieben Achteln der chronischen Krankheiten eine ganz nutzlose gewesen sei.“[32]

Sein VerstĂ€ndnis der chronischen Krankheiten bewegte sich zwar im Rahmen der damaligen medizinischen Erkenntnisse. Die Miasma-Lehre gilt heute jedoch als ĂŒberholt. Mit der Entdeckung des Cholera-Erregers 1884 durch Robert Koch wurde das Ende der Miasma-Lehre in der Hochschulmedizin eingelĂ€utet. Syphilis und Cholera werden erfolgreich mit Antibiotika behandelt. Feigwarzen sind Folge einer Infektion mit Humanen Papillomviren.

In der klassischen Homöopathie jedoch werden die praktischen Konsequenzen der Miasma-Lehre bis heute berĂŒcksichtigt.[85]

Weltweite Verbreitung

Hampton House in Bristol – das frĂŒhere Bristol Homeopathic Hospital

Schon zu Hahnemanns Lebzeiten und spÀter verbreitete sich die Homöopathie auch international.[16]

Die Ausbreitung in Frankreich wurde durch Hahnemanns Pariser Praxis befördert, die er dort von 1835 bis zu seinem Tod 1843 betrieb.[16]

In Großbritannien praktizierten homöopathische Ärzte schon seit den 1830er Jahren. Die englische Königsfamilie ließ sich seit dem 19. Jahrhundert homöopathisch behandeln und trat auch öffentlich fĂŒr diese Therapieform ein.[16]

WĂ€hrend sich die Homöopathie auch in weiteren europĂ€ischen LĂ€ndern, wie Belgien und den Niederlanden, Österreich und der Schweiz, Spanien, Italien und Griechenland verbreitete, ist sie in Skandinavien vergleichsweise schwach vertreten.[16]

In den Zwanziger und Dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden homöopathische Praktiken sowohl innerhalb als auch außerhalb der akademischen Medizin in den Vereinigten Staaten eingefĂŒhrt.[86][87]

Auch in LĂ€ndern SĂŒdamerikas, wie Brasilien, Kolumbien, Chile und Argentinien, etablierte sich die Homöopathie. Der Argentinier TomĂĄs Pablo Paschero bezog dabei Methoden der Tiefenpsychologie in die Behandlung ein.[85]

Um 1830 wurde die Homöopathie unter anderem durch den siebenbĂŒrgischen Arzt Johann Martin Honigberger nach Indien gebracht, wo sie aufgrund der historisch bereits bekannten Simile-Idee breit akzeptiert wurde.[28] Allerdings haben auch politische GrĂŒnde eine Rolle dabei gespielt: die Homöopathie kam aus dem Deutschen Reich, das politisch der Gegner der britischen Kolonialherren war. Heute ist die Homöopathie im öffentlichen Gesundheitswesen Indiens fest verankert und anerkannt. In den 1980er Jahren waren 17,6 % des lizenzierten medizinischen Personals Homöopathen. 7 % aller Ambulanzen wurden von Homöopathen geleitet. Es existieren 200 Colleges und ein eigener Forschungsrat.[88]

Der erste Doppelblindversuch der Medizingeschichte im Jahr 1835

Viele Methoden experimenteller Medizin wurden zuerst in der Auseinandersetzung mit alternativer Medizin entwickelt: So publizierte bereits 1835 der Theologe und Redakteur George Löhner einen, unter Beteiligung von Ärzten, Apothekern und anderen Honoratioren bei NĂŒrnberg durchgefĂŒhrten Test der Wirkung einer homöopathischen Kochsalzlösung an einer Gruppe von 55 freiwilligen, gesunden Probanden. 42 Personen hatten „gar nichts Ungewöhnliches“ bemerkt (19 Kochsalz-Potenz, 23 Wasser), 9 Personen hatten „etwas Ungewöhnliches“ bemerkt (6 Kochsalzpotenz, darunter aber einer, der wusste, dass er die Potenz eingenommen hatte, 3 Wasser). WĂ€hrend die Kommission folgerte, dass die Potenzierung keine Wirkung habe,[89] reagierten homöopathische Zeitschriften mit heftigen Polemiken.[90]

Der Medizinhistoriker Michael Stolberg kritisiert, dass eine Verzerrung durch die persönliche Haltung der Versuchsteilnehmer zur Homöopathie nicht ausgeschlossen wurde; durch eine Mitteilung, nichts Ungewöhnliches bemerkt zu haben, konnten diese das Gesamtergebnis negativ beeinflussen. Er wĂŒrdigt jedoch auch die Anwendung moderner Elemente des Studiendesigns: Der Versuch sei „ein sehr frĂŒhes Beispiel fĂŒr Randomisierung und doppelte Verblindung.“[91]

Laienhomöopathie

Beim Homöopathen. GemĂ€lde von Wilhelm Schreuer (1866–1933)

Die medizinische Versorgung erfolgte im 18. Jahrhundert durch Ärzte, ĂŒberwiegend aber durch Bader und WundĂ€rzte. ZusĂ€tzlich trugen viele Laien mit Kenntnissen ĂŒber die Heilkraft von Pflanzen, Mineralien und anderen Wirkstoffen zu Heilbehandlungen bei.[16] Die Ausbreitung der Homöopathie förderten nicht nur Ärzte, sondern auch Patienten und Laienbehandler. Im 19. Jahrhundert gewann die Homöopathie besonders in Kreisen des Adels und bei gebildeten BĂŒrgern AnhĂ€nger und Multiplikatoren. Auch stand die Homöopathie von Anfang an der Religion nahe. Viele der ersten Homöopathen waren Pfarrerssöhne oder Theologiestudenten. In Frankreich trat der Klerus offen fĂŒr Hahnemanns Lehre ein. Viele auf dem Land lebende Pfarrer praktizierten Homöopathie, besonders in Österreich. Aber auch Gutsbesitzer, Kaufleute und andere waren an der Verbreitung der Homöopathie beteiligt. Gefördert wurde diese Entwicklung durch die so genannte homöopathische Hausarztliteratur, wie Carl Gottlob Casparis Homöopathischer Haus- und Reisearzt[92] und Constantin Herings Homöopathischer Hausarzt,[93] die seit Ende der 1820er Jahre erschien.[94][95] In ihr wurde die Behandlung hĂ€ufiger Krankheiten mit einfachen Mitteln geschildert. In diese Zeit fallen auch die ersten homöopathischen VereinsgrĂŒndungen.[16] Ab etwa 1830 gab es auch Zeitschriften, die sich vor allem an Laien richteten. So gab beispielsweise der Paderborner Arzt Peter Meinolf Bolle zwischen 1855 und 1871 die PopulĂ€re Homöopathische Zeitung heraus. Die bedeutendste homöopathische Laienzeitschrift war die Leipziger populĂ€re Zeitschrift fĂŒr Homöopathie, welche ab 1870 erschien.[95]

Laienvereine

Die deutschen homöopathischen Laienvereine sind ein weltweit einmaliges PhĂ€nomen. Zwischen 1870 und 1933 wurden 444 solcher Vereine gegrĂŒndet, vor allem in WĂŒrttemberg, Sachsen, Preußen und Baden.[95] 1914 waren zwei Prozent der wĂŒrttembergischen Bevölkerung Mitglied in einem homöopathischen Verein. Die Vereine boten neben Geselligkeit und Freizeitgestaltung vor allem Zugang zu homöopathischem Wissen und Behandlung in Form von Selbsthilfe. Sie schafften homöopathische Hausarztliteratur an und machten diese ihren Mitgliedern zugĂ€nglich. HerzstĂŒcke der Vereine waren die homöopathischen Vereinsapotheken mit teilweise großen VorrĂ€ten homöopathischer Arzneien, fast immer in tiefen D-Potenzen. Vereinsmitglieder durften sich kostenlos, abgesehen vom Mitgliedsbeitrag, die gewĂŒnschten Mittel herausgeben lassen. Diese Praxis war jedoch von Beginn an juristisch umstritten und wurde schließlich untersagt. Da die Vereine zu den wichtigsten Abnehmern ihrer Produkte gehörten, unterstĂŒtzten die Arzneimittelhersteller deren Bildungsarbeit. Die Vereine setzten sie sich zudem fĂŒr die Einrichtung homöopathischer LehrstĂŒhle an den UniversitĂ€ten und die GrĂŒndung homöopathischer KrankenhĂ€user ein.[16] In der „Krise der Medizin“ in den 1920er Jahren fanden Naturheilkunde, Lebensreformbewegung und alternative Heilverfahren verstĂ€rkt Zulauf. Die naturheilkundlichen und homöopathischen LaienverbĂ€nde gewannen viele AnhĂ€nger auch unter Arbeitern und KleinbĂŒrgern. Der Dachverband Reichsbund fĂŒr Homöopathie und Gesundheitspflege umfasste im Jahr 1930 348 Vereine mit 38.200 Mitgliedern. Der Nationalsozialismus griff mit der „Neuen Deutschen Heilkunde“ diese sich zu einer Massenbewegung entwickelnde Tendenz auf und vereinnahmte sie fĂŒr seine Ziele. Die homöopathischen Laienvereine wurden davon zunĂ€chst mit erfasst. Im Laufe der Zeit nahm ihre AktivitĂ€t aber deutlich ab. Am Ende des „Dritten Reiches“ war das homöopathische Laienwesen weitgehend zerstört.[16][96] Die ersten Neu- und WiedergrĂŒndungen erfolgten in den 1950er Jahren. Die bereits am 24. Februar 1868 in Stuttgart gegrĂŒndete Hahnemannia ist heute der Dachverband der homöopathischen Laienvereine.[97]

Homöopathie im Nationalsozialismus

→ Hauptartikel: Homöopathie im Nationalsozialismus

In der so genannten Neuen Deutschen Heilkunde sollten die seit Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend naturwissenschaftlich fundierte „Schulmedizin“ und die „biologischen Heilverfahren“ zusammengefasst werden. Die homöopathischen Laienvereine bekannten sich hĂ€ufig begeistert zur nationalsozialistischen Bewegung. In der Laienzeitschrift „Homöopathische MonatsblĂ€tter“ erschienen AufsĂ€tze zur „Rassenhygiene“ und zu Nationalistisch-Völkischem, sogar zum Wert der Homöopathie fĂŒr die Behandlung von Erbkrankheiten. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte vollzog 1933 die Gleichschaltung und wurde 1935 Mitglied der „Reichsarbeitsgemeinschaft fĂŒr eine Neue Deutsche Heilkunde“.[96]

Erstmals in ihrer Geschichte genoss die Homöopathie staatliche UnterstĂŒtzung. Bei allen vordergrĂŒndigen Erfolgen und aller Hoffnung von Homöopathen auf Anerkennung gab es jedoch auch frĂŒhzeitig kritische Stimmen, die vor einer Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus warnten. Man befĂŒrchtete durch die Zusammenschließung mit anderen Methoden eine VerwĂ€sserung der Lehre und einen Verlust der EigenstĂ€ndigkeit.[96] Auf staatlicher Seite erlahmte andererseits das Interesse an der Homöopathie aus unterschiedlichen GrĂŒnden, der wichtigste dĂŒrfte eine Untersuchung der Homöopathie im Auftrag des Reichsgesundheitsamts zwischen 1936 und 1939 gewesen sein. Es wurden klinische Versuche, ArzneimittelprĂŒfungen und Quellenstudien zu einzelnen homöopathischen Arzneien durchgefĂŒhrt. Die klinischen Versuche hatten keinerlei Erfolg gezeigt. Die NachprĂŒfungen homöopathischer Mittel konnten die Ergebnisse vorheriger PrĂŒfungen nicht reproduzieren.[96]

Über das Schicksal jĂŒdischer Homöopathen ist bisher nur wenig bekannt. In der homöopathischen Presse wurden teilweise eindeutig antisemitische Äußerungen verbreitet. Die 1933 beginnende „Ausschaltung“ jĂŒdischer, sozialdemokratischer und marxistischer Ärzte vollzog sich auch in der Homöopathie. Prominentestes Opfer der Ausschaltung innerhalb der Homöopathie war der jĂŒdische Arzt Otto Leeser (1888–1964). Er galt als Vertreter der naturwissenschaftlich-kritischen Richtung der Homöopathie in Deutschland.[96]

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Homöopathische Zentralapotheke in Esslingen am Neckar

Deutschland

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden einige Laienvereine wiedergegrĂŒndet, erreichten aber nicht annĂ€hernd die frĂŒhere Bedeutung.[95] Die Teilung Deutschlands brachte eine unterschiedliche Entwicklung der Homöopathie mit sich.

Bundesrepublik Deutschland bis 1989

In der Bundesrepublik erlebte die Homöopathie seit Mitte der 1970er Jahre mit der Zunahme der Beliebtheit alternativer Heilmethoden auch bei Laien wieder einen Aufschwung.[16] Zu dieser Zeit waren etwa 200 Homöopathen in der Bundesrepublik tĂ€tig. Bis 1993 stieg die Zahl auf 2.212 homöopathisch behandelnde Ärzte. 1978 erkannte der deutsche Gesetzgeber im Arzneimittelgesetz die Homöopathie, neben der Anthroposophisch erweiterten Medizin und der Phytotherapie, als „Besondere Therapierichtung“ an. Die Mittel der besonderen Therapierichtungen können zugelassen und dĂŒrfen verordnet werden, auch ohne dass fĂŒr sie ein Wirksamkeitsnachweis erbracht wurde.[98] Die Homöopathische Centralofficin Dr. Willmar Schwabe, einer der bedeutendsten Hersteller homöopathischer Arzneimittel, verlegte 1946 ihren Firmensitz von Leipzig nach Karlsruhe. Der Betrieb in Leipzig wurde in der DDR jedoch weitergefĂŒhrt. In Karlsruhe wurde 1961 die Homöopathika-Produktion abgespalten und fortan als Deutsche Homöopathie-Union weitergefĂŒhrt.[99] Die Firma Biologische Heilmittel Heel, 1936 in Berlin gegrĂŒndet, baute nach dem Krieg ihr Werk in Baden-Baden wieder auf und ist heute international an zehn Standorten tĂ€tig.[100]

Deutsche Demokratische Republik

In der DDR fĂŒhrte die Homöopathie eher ein Schattendasein. War sie in den Anfangsjahren noch recht verbreitet, wurde sie zunehmend verdrĂ€ngt. UnterstĂŒtzt wurde dies durch die Tatsache, dass ab 1949 keine neuen Heilpraktiker mehr zugelassen wurden. 1959 wurde eine Kampagne gegen die Homöopathie gefĂŒhrt. Es wurde eine Wanderausstellung mit dem Titel „Aberglauben und Gesundheit – Ausstellung gegen Aberglauben und Kurpfuscherei“ gestartet. 1961 folgte eine öffentliche Ächtung der Homöopathie, die von der Sowjetunion unterstĂŒtzt wurde. Es wurde zwar kein Behandlungsverbot erlassen, es gab jedoch ein Fortbildungsverbot. Von Laien und den wenigen Heilpraktikern sowie wenigen Ärzten wurde Homöopathie jedoch weiter eingesetzt.[101][102] Homöopathische Arzneimittel wurden ab 1952 in Leipzig vom VEB Homöopharm Dr. Willmar Schwabe und dessen Nachfolgeunternehmen sowie auch in den Bombastus-Werken in Freital hergestellt.[103]

Bundesrepublik Deutschland ab 1990
GebĂ€ude der EuropĂ€ischen Bibliothek fĂŒr Homöopathie in Köthen

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde mit UnterstĂŒtzung der Karl und Veronica Carstens-Stiftung bereits am 28. April 1990 eine erste Weiterbildungsveranstaltung zur Homöopathie fĂŒr Ärzte in Wittenberg durchgefĂŒhrt.[104] In Zusammenarbeit mit der FakultĂ€t fĂŒr Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften der Otto-von-Guericke-UniversitĂ€t Magdeburg hat der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte ein Konzept fĂŒr einen berufsbegleitenden zweijĂ€hrigen Masterstudiengang „Wissensentwicklung und QualitĂ€tsförderung in der homöopathischen Medizin – Integrated Practice in Homoeopathy“ fĂŒr Ärztinnen, Ärzte und andere approbierte Heilberufe erarbeitet, der mit dem Erwerb eines Master of Arts abgeschlossen werden soll. Es fand sich jedoch bislang keine Hochschule, die diesen Studiengang umsetzen wird.[105] An einigen UniversitĂ€ten wird Homöopathie, teilweise mit UnterstĂŒtzung der Karl und Veronica Carstens-Stiftung, als Wahlkurs angeboten.[106][107][108][109][110] Die Stiftung unterstĂŒtzt auch zahlreiche studentische Arbeitskreise Homöopathie finanziell.[111]

In Köthen wurde 2009 im restaurierten GebĂ€ude des Spitals der Barmherzigen BrĂŒder neben dem Hahnemannhaus die EuropĂ€ische Bibliothek fĂŒr Homöopathie eingerichtet. Betreiber ist der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZvhÄ). Das GebĂ€ude wurde dafĂŒr im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 fĂŒr 2,6 Millionen Euro saniert, davon 751.064 Euro aus dem Programm Stadtumbau Ost, sowie 1,16 Millionen Euro aus dem EuropĂ€ischen Fonds fĂŒr regionale Entwicklung.[112][113]

2003 wurde auf dem Deutschen Ärztetag die Zusatz-Weiterbildung Homöopathie in der neuen (Muster-)Weiterbildungsordnung neu geordnet. Voraussetzung zum Erwerb der Zusatzweiterbildung Homöopathie ist die Facharztanerkennung. Die Weiterbildung gliedert sich in 6 Monate Weiterbildung bei einem Weiterbildungsbefugten, oder 100 Stunden Fallseminare einschließlich Supervision, und 160 Stunden Kurs-Weiterbildung.[114][115] Die Zahl der FachĂ€rzte mit dieser Zusatzweiterbildung stieg von 2212 im Jahr 1993 auf 6712 im Jahr 2009.[116]

Homöopathische Behandlungen und Arzneimittel sind nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung enthalten.[117] Einige Kassen bieten die PrĂ€parate aber als Satzungsleistung an und bezahlen unter bestimmten Bedingungen homöopathische Behandlungen bei Ärzten mit der Zusatzbezeichnung „Homöopathie“, beispielsweise im Rahmen von VertrĂ€gen zur Integrierten Versorgung.[118]

Private Krankenversicherungen ĂŒbernehmen in Deutschland die Kosten fĂŒr homöopathische Behandlungen bei allen Ärzten[119], private Zusatzversicherungen darĂŒber hinaus auch bei Heilpraktikern (gegebenenfalls abzĂŒglich einer vereinbarten Selbstbeteiligung). Meist werden auch die Kosten fĂŒr homöopathische Arzneimittel ĂŒbernommen.[120]

Homöopathische Arzneimittel sind in Deutschland apothekenpflichtig. 2007 betrug der Anteil homöopathischer Arzneimittel im deutschen Apothekenmarkt am Umsatz 1,09 %, an der Zahl der verkauften Einheiten 3,26 % (3,16 % im Vorjahr).[121] Homöopathische Arzneimittel hatten 2009 mit etwa 403 Mio. Euro einen Anteil von rund 8 % an rezeptfreien Medikamenten. Dabei wurden 2 % (103 Mio. Euro) durch Therapeuten verordnet und 6 % (300 Mio. Euro) durch SelbstkĂ€ufe erworben. GegenĂŒber 2008 nahm die VerordnungshĂ€ufigkeit um 4 % ab, der Selbstkauf um 2 % zu.[13]

Laut einer Umfrage des Instituts fĂŒr Demoskopie Allensbach aus dem Jahre 2009 hat jeder zweite Deutsche bereits Homöopathika gegen diverse Indikationen eingenommen und jeder Vierte ist ĂŒberzeugter Anwender, wobei mehr als 80 % der Befragten Homöopathika fĂŒr Naturheilmittel oder HeilkrĂ€uterprodukte halten. Nur 17 % der Befragten definierten Homöopathie ĂŒber das VerdĂŒnnungs- oder Ähnlichkeitsprinzip. WĂ€hrend 1970 nur knapp jeder vierte Westdeutsche schon einmal selbst Homöopathika genommen hatte (24 Prozent), waren es 2009 mit 57 Prozent jedoch mehr als doppelt so viele.[122]

Schweiz

Die Schweizer Jost KĂŒnzli, Adolphe Voegeli und Rudolf Flury spielten nach 1945 als homöopathische Lehrer in Europa eine bedeutende Rolle. Es wurden mehrere Zeitschriften, wie Homöopathie, Homoeopathia und die Schweizerische Zeitschrift fĂŒr Homöopathie begrĂŒndet und wieder eingestellt. Innerhalb des Schweizerischen Vereins Homöopathischer Ärztinnen und Ärzte (SVHA) kam es in den 1970er- und 1980er-Jahren vermehrt zu FlĂŒgelkĂ€mpfen zwischen den unterschiedlichen Homöopathierichtungen.[123]

Von 1999 bis 2005 wurde die Homöopathie zusammen mit den vier anderen alternativen Heilmethoden provisorisch in den Leistungskatalog der Grundversicherung der Krankenkassen aufgenommen.[123] Die Behandlungen wurden von der Krankenkassen-Grundversicherung ĂŒbernommen, sofern sie von einem Arzt verschrieben wurden. Am 30. Juni 2005 hat das Bundesamt fĂŒr Gesundheit, Teil des Eidgenössischen Departements des Inneren, diese Leistungspflicht nach den Ergebnissen der von ihm in Auftrag gegebenen Studie Programm Evaluation KomplementĂ€rmedizin wieder gestrichen, da die Autoren zu dem Schluss kamen, dass „die vorliegenden placebokontrollierten Studien zur Homöopathie [
] keinen eindeutigen Effekt ĂŒber Placebo hinaus“ belegen.[124] Am 17. Mai 2009 stimmte eine Mehrheit des Schweizer Stimmvolks dafĂŒr, dass die BerĂŒcksichtigung der KomplementĂ€rmedizin in der Bundesverfassung verankert wird. Die Verfassung enthĂ€lt nun den Satz „Bund und Kantone sorgen im Rahmen ihrer ZustĂ€ndigkeiten fĂŒr die BerĂŒcksichtigung der KomplementĂ€rmedizin.“ Zur Umsetzung dieses Verfassungszusatzes wird ab 2012 die Homöopathie neben vier weiteren alternativmedizinischen Behandlungsmethoden unter bestimmten Voraussetzungen von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung bezahlt. Diese Regelung gilt provisorisch bis Ende 2017. In dieser Zeit gelten Wirksamkeit, ZweckmĂ€ssigkeit und Wirtschaftlichkeit der fĂŒnf komplementĂ€rmedizinischen Methoden als teilweise umstritten und werden hinsichtlich dieser Kriterien evaluiert.[125]

FĂŒr Ärzte besteht die Möglichkeit, einen von der FMH anerkannten FĂ€higkeitsnachweis Homöopathie zu erwerben. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und wird in Form von Seminaren und Supervision absolviert.[126]

Österreich

Bereits kurz nach dem Krieg gab es in Wien eine Interessenvertretung fĂŒr Homöopathie.[127] 1953 wurde die Österreichische Gesellschaft fĂŒr Homöopathische Medizin (ÖGHM) als grĂ¶ĂŸte Vereinigung homöopathischer Ärzte Österreichs gegrĂŒndet. Sie hat heute etwa 900 Mitglieder.[128] In Österreich unterliegen homöopathische Arzneimittel dem Arzneimittelgesetz von 1983.[129] In ihm wurde die Homöopathie als Teil der Medizin anerkannt. Seitdem ist die AusĂŒbung der Homöopathie in Österreich Ärzten vorbehalten. Die Österreichische Ärztekammer verleiht dafĂŒr seit 1995 ein eigenes Diplom fĂŒr den Bereich Homöopathie, welches zur AusĂŒbung berechtigt. Zur Erlangung des Diploms ist eine mehrjĂ€hrige Ausbildung zu absolvieren, die etwa 350 Fortbildungsstunden umfasst.[130][131] 1991 wurde in Salzburg die Ärztegesellschaft fĂŒr Klassische Homöopathie (ÄKH) gegrĂŒndet, die heute ĂŒber 130 Mitglieder verfĂŒgt,[132] und 1994 die Österreichische Gesellschaft fĂŒr VeterinĂ€rmedizinische Homöopathie (ÖGVH). 1995 wurde eine Ausbildung zum Fachtierarzt fĂŒr VeterinĂ€rmedizinische Homöopathie durch die Delegiertenversammlung der TierĂ€rzte Österreichs beschlossen.[133]

Weltweit

Homöopathische Pillen und Tropfen

Heute ist die Homöopathie in fast allen LĂ€ndern der Erde vertreten.[16] Weltweit liegt der Umsatz mit homöopathischen Arzneimitteln geschĂ€tzt in einer GrĂ¶ĂŸenordnung von 2 Milliarden Euro. Das sind weniger als ein Prozent des gesamten Arzneimittelmarkts. Die grĂ¶ĂŸten MĂ€rkte sind Frankreich, USA, Deutschland und Indien. Die HĂ€lfte des Homöopathie-Marktes entfĂ€llt auf Europa.[134]

In Großbritannien forderte ein Ausschuss des Unterhauses Anfang 2010 aufgrund fehlender Wirkungsnachweise, Homöopathie nicht mehr mit öffentlichen Mitteln zu finanzieren.[135] Trotz der Empfehlungen des Ausschusses hat die Regierung Großbritanniens beschlossen, die Homöopathie weiterhin ĂŒber das NHS bezahlen zu lassen. Sie stimmt zwar weitgehend mit den EinschĂ€tzungen des Ausschusses ĂŒberein, glaubt aber, dass der informierte Patient und sein Arzt in der Lage seien, die geeignete Behandlung zu finden. Dies schließe auch eine alternative Methode wie die Homöopathie ein.[136]

JĂ€hrlich findet im April, in der Geburtswoche Hahnemanns, die World Homeopathy Awareness Week statt, um auf die Behandlungsmethode aufmerksam zu machen.[137]

Richtungen in der Homöopathie

Die Homöopathie ist keine einheitliche Lehre. Es gibt verschiedene Richtungen, die sich teilweise gegenseitig bekĂ€mpfen. Auch können Heilpraktiker oder Schulmediziner, die Homöopathie anwenden, nicht generell einer Richtung zugeordnet werden. Das große Spektrum an Richtungen verdeutlichen die zahlreichen Eigenbezeichnungen, wie Klassische Homöopathie, genuine Homöopathie, die Bönninghausen- und Boger-Methode, die miasmatische und wissenschaftliche Homöopathie, die naturwissenschaftlich-kritische Richtung, die prozessorientierte und kreative Homöopathie, die Impuls- und Resonanzhomöopathie, die Seghal- und Herscue-Methode, die central delusion, C4-Homöopathie, sowie quantenlogische Homöopathie.[85][138][139] Auch Begriffe, wie organotrope und personotrope Homöopathie werden benutzt.[140] Die Spaltung der Homöopathie begann bereits zu Hahnemanns Zeiten, der Abweichler von seiner reinen Lehre auch als Bastard-Homöopathen bezeichnete.[32][85][141] Hahnemann forderte bereits 1796: „Macht's nach, aber macht's genau nach.“[139]

Klassische Homöopathie

Der Begriff „Klassische Homöopathie“ entstand aus dem BemĂŒhen, sich vom großen Spektrum der als „homöopathisch“ bezeichneten Heilmethoden abzugrenzen. Grundlagen der Klassischen Homöopathie sind die Lehre Hahnemanns und die sich daran orientierenden Weiterentwicklungen der Heilmethode (zum Beispiel durch Bönninghausen, Hering, Kent u. a.). Werden die Lehren Hahnemanns dabei besonders stringent eingehalten, bezeichnet man sie auch als „genuine Homöopathie“.[138] Im Gegensatz zu vielen anderen Richtungen der Homöopathie wird in der Klassischen Homöopathie immer nur ein Mittel auf einmal verabreicht, meistens in einer mittleren oder hohen Potenz. Arzneimittel werden nach grĂŒndlicher Anamnese nach dem individuellen Symptombild des Kranken ausgewĂ€hlt.[140]

Klassische Homöopathen behandeln sowohl akute Krankheiten als auch chronische Leiden (konstitutionelle Behandlung).

Naturwissenschaftlich-kritische Homöopathie

Die sogenannte naturwissenschaftlich-kritische Homöopathie ist eine Richtung der Homöopathie, die homöopathische Arzneimittel als ErgĂ€nzung zu schulmedizinischen Therapieformen einsetzt. HĂ€ufig werden niedrige Potenzen bis D12 verwendet, in denen noch ein chemisch nachweisbarer Rest der Arzneisubstanz vorhanden ist. Die Behandlung mit Hochpotenzen wird abgelehnt.[85] Arzneimittel werden außerdem nicht nach dem oft sehr komplexen gesamten Symptombild des Kranken, sondern nach Pathologie (Krankheit) verordnet. Das erleichtert besonders die Findung des passenden Arzneimittels, weil zum Beispiel fĂŒr eine ErkĂ€ltungskrankheit nur noch aus einer Liste von wenigen Mitteln ausgewĂ€hlt werden muss.[139] Dieses Vorgehen steht jedoch im Widerspruch zu Hahnemanns Lehre, der in seinem Organon einer Vermischung der Homöopathie mit nicht-homöopathischen Behandlungsmethoden entgegentrat und sie als Verrat anprangerte:[142]

„§ 52: Es giebt nur zwei Haupt-Curarten: diejenige welche all’ ihr Thun nur auf genaue Beobachtung der Natur, auf sorgfĂ€ltige Versuche und reine Erfahrung grĂŒndet, die (vor mir nie geflissentlich angewendete) homöopathische, und eine zweite, welche dieses nicht thut, die (heteropathische, oder) allöopathische. Jede steht der andern gerade entgegen und nur wer beide nicht kennt, kann sich dem Wahne hingeben, dass sie sich je einander nĂ€hern könnten oder wohl gar sich vereinigen liessen, kann sich gar so lĂ€cherlich machen, nach Gefallen der Kranken, bald homöopathisch, bald allöopathisch in seinen Curen zu verfahren; diess ist verbrecherischer Verrath an der göttlichen Homöopathie zu nennen!“[143]

Wichtige Vertreter dieser Homöopathierichtung waren Moritz MĂŒller, Ludwig Grießelich, Friedrich Rummel, Franz Hartmann, Otto Leeser und Fritz Donner. Obwohl sie mit der Hygea eine eigene Zeitschrift hatten,[85] waren Rummel und Hartmann auch in der Schriftleitung der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung tĂ€tig.[141]

Komplexmittelhomöopathie

Verbreitet ist auch die Verwendung von „Komplexmitteln“, d. h. einer Vermengung von verschiedenen Mitteln, die fĂŒr eine bestimmte Krankheit nach organotropen Gesichtspunkten oder auch klinischen Indikationen zusammengestellt wird. Sie enthalten Einzelsubstanzen in sehr unterschiedlicher Dosierung, die sich in ihrer Wirkung verstĂ€rken sollen.[144] Der evangelische Geistliche Emanuel Felke gilt als BegrĂŒnder der Komplexmittelhomöopathie.[145] Die Therapie mit Komplexmitteln widerspricht ebenfalls dem Wesen der ursprĂŒnglichen Homöopathie.[140] Hahnemann schreibt in seinem Organon:

„§ 273: In keinem Fall von Heilung ist es nöthig und deßhalb allein schon unzulĂ€ssig, mehr als eine einzige, einfache Arzneisubstanz auf einmal beim Kranken anzuwenden. Es ist nicht einzusehen, wie es nur dem mindesten Zweifel unterworfen sein könne, ob es naturgemĂ€ĂŸer und vernĂŒnftiger sey, nur einen einzelnen, einfachen, wohl gekannten Arzneistoff auf einmal in einer Krankheit zu verordnen, oder ein Gemisch von mehreren, verschiednen. In der einzig wahren und einfachen, der einzig naturgemĂ€ĂŸen Heilkunst, in der Homöopathie, ist es durchaus unerlaubt, dem Kranken zwei verschiedne Arzneisubstanzen auf einmal einzugeben.“[146]

Neben Emanuel Felke waren der Italiener Cesare Mattei[147] und der Schweizer Emil BĂŒrgi[148] bekannte Vertreter dieser Richtung.

Tierhomöopathie

Die erste Publikation zum Thema Tierhomöopathie stammt vom Hofapotheker Donauer aus dem Jahr 1815.[16][149] Hahnemann selbst vertrat 1829 den Standpunkt, dass „
 Thiere 
 ebenso sicher und gewiß, als die Menschen zu heilen“ wĂ€ren.[150][151] Eigene Schritte in Richtung der Entwicklung einer Tierhomöopathie unternahm er allerdings nicht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlor diese bis in die 1930er Jahre an Bedeutung.[151] Den wichtigsten Einfluss auf ihre neuerliche Verbreitung hatte in der Nachkriegszeit Hans Wolter.[152]

HomöopathieanhĂ€nger behaupten, es gebe Behandlungserfolge bei Tieren und diese ließen sich nicht durch Placeboeffekte erklĂ€ren, da Tiere nicht an eine Wirksamkeit von Homöopathika „glauben“ können.[153][154][155] Allerdings sind durchaus placeboĂ€hnliche Effekte bei Tieren nachgewiesen worden, die beispielsweise durch klassische Konditionierung oder die fĂŒrsorglichen Behandlung erklĂ€rt werden. Ferner beeinflusst die Meinung der Tierhalter zur Behandlungsart ihre Beurteilung des Behandlungserfolgs.[156][157][158][159] Diese Effekte werden auch von Tierhomöopathen genutzt.[160]

J. C. L. Genzke veröffentlichte 1837 ein Lehrbuch Homöopathische Arzneimittellehre fĂŒr TierĂ€rzte und berichtete darin ĂŒber 67 ArzneimittelprĂŒfungen an Hunden, Pferden und Rindern.[161] Die Auswahl der Arzneimittel in der Tierhomöopathie erfolgt jedoch auf der Grundlage von Arzneimittelbildern (AMB), die ĂŒberwiegend humanhomöopathischer Herkunft sind.[162] Die Übertragbarkeit der AMB vom Menschen auf Tiere wird damit begrĂŒndet, dass es beim Tier nichts gĂ€be, was nicht auch latent oder homolog im Menschen als Organ, Verhaltensmuster oder Grundform einer Pathologie vorhanden sei.[163]

In der seit dem 1. Januar 2009 geltenden EU-Bioverordnung fĂŒr die tierische Erzeugung in der Ökologischen Landwirtschaft wird gefordert, dass Krankheiten der Tiere unverzĂŒglich zu behandeln sind. Dabei dĂŒrfen „[
] chemisch-synthetische allopathische Tierarzneimittel einschließlich Antibiotika [
] erforderlichenfalls unter strengen Bedingungen verwendet werden, wenn die Behandlung mit phytotherapeutischen, homöopathischen und anderen Erzeugnissen ungeeignet ist.“[164]

Große Metaanalysen zur Beurteilung der Wirksamkeit der Homöopathie in der VeterinĂ€rmedizin fehlen. Die wenigen bislang durchgefĂŒhrten, methodisch gut gestalteten klinischen Studien zeigten jedoch keine medizinische Wirksamkeit der VeterinĂ€rhomöopathie.[165]

Homöopathika im Arzneimittelrecht

→ Hauptartikel: Homöopathisches Arzneimittel

Homöopathische ArzneimittelprĂŒfungen entsprechen nicht Medikamentenstudien gemĂ€ĂŸ dem Arzneimittelgesetz (AMG). Bei homöopathischen ArzneimittelprĂŒfungen wird keine erwartete Wirksamkeit ĂŒberprĂŒft, sondern es wird durch Selbstbeobachtung der PrĂŒfer erhoben, ob und welche Symptome durch ein homöopathisches Mittel hervorgerufen werden. Bei Medikamentenstudien gemĂ€ĂŸ dem Arzneimittelgesetz wĂŒrde man einen PrĂŒfer im homöopathischen Sinne als Proband bezeichnen. Auch die Art der Datenerhebung durch Selbstbeobachtung entspricht nicht den in Medikamentenstudien verlangten wissenschaftlichen ObjektivitĂ€tskriterien.

Die europĂ€ische Gesetzgebung sieht seit der Richtlinie 2001/83 ein eigenes Zulassungsverfahren fĂŒr homöopathische Arzneimittel vor, bei dem wissenschaftliche Tests nicht erforderlich sind. In der Novelle zu dieser Richtlinie (2004/27) wird dieses vereinfachte Zulassungsverfahren erstmals fĂŒr alle MitgliedslĂ€nder verpflichtend. Die Richtlinie verlangt den Aufdruck „Homöopathisches Arzneimittel ohne genehmigte Heilanzeigen“.[166]

Anwendung

Wahl des Mittels

Homöopathische Globuli

Grundlage fĂŒr die Wahl eines homöopathischen Mittels ist einerseits die Anamnese und andererseits die Kenntnis der Wirkungen und Symptome, die eine Arznei bei einem gesunden Menschen auslösen kann. Um diese Kenntnisse zu erlangen, werden so genannte ArzneimittelprĂŒfungen durchgefĂŒhrt.[167]

Als Hilfsmittel dienen dabei homöopathische Arzneimittellehren und Repertorien. In Arzneimittellehren werden die Mittel mit allen bei der ArzneimittelprĂŒfung beobachteten Symptomen beschrieben. Repertorien sind nach Symptomen hierarchisch gegliedert und verzeichnen alle Mittel, bei denen das jeweilige Symptom beobachtet wurde. Die sogenannte Wertigkeit eines Mittels (einwertig bis vierwertig) gibt einen Hinweis darauf, wie bewĂ€hrt das Mittel bei der Heilung dieses Symptoms ist. Eine hohe Wertigkeit im Repertorium erhĂ€lt ein Mittel nur, wenn es sowohl bei der ArzneimittelprĂŒfung bei einer hohen Zahl von gesunden Probanden dieses Symptom hervorrief als auch viele Berichte ĂŒber Heilungen von FĂ€llen mit diesem Symptom existieren.[85][168]

Eine klare statistische Definition fĂŒr eine solche „hohe Anzahl“ gibt es dabei nicht. Deshalb werden in modernen Repertorien auch Kennzeichnungen fĂŒr bewĂ€hrte Mittel gefĂŒhrt, die auf die Erfahrung einzelner Homöopathen mit hohem Ansehen zurĂŒckgehen. So werden zum Beispiel die sogenannten KĂŒnzli-Punkte von vielen Autoren zitiert.[168]

Dosierung

Potenzierte Mittel gibt es in Form von alkoholischen Lösungen, Tabletten und Globuli (mit homöopathischer Lösung imprĂ€gnierte KĂŒgelchen aus Zucker). Bei der Einnahme von Lösungen sollte nach Empfehlung von manchen Homöopathen auf die Verwendung eines metallenen Löffels verzichtet werden, da dieser die vermeintlichen „Erinnerungseigenschaften“ der FlĂŒssigkeit beeinflussen könne. Stattdessen kann ein Löffel aus Holz oder Kunststoff verwendet werden. Auch nahm Hahnemann an, dass der Genuss oder Geruch verschiedener Substanzen die Wirkung einiger homöopathischer Mittel beeintrĂ€chtigen könne.[169]

Homöopathische Mittel sind unter die Zunge zu trĂ€ufeln bzw. unter der Zunge aufzulösen und ca. eine Minute im Mund zu belassen, um die Resorption ĂŒber die Mundschleimhaut zu verbessern. Das beste Ergebnis soll erreicht werden können, wenn die homöopathischen Arzneimittel sofort nach dem Auftreten der ersten Symptome eingenommen werden. Homöopathische Hochpotenzen sollen besonders wirksam sein, weshalb von Seiten der Homöopathen gefordert wird, dass diese immer durch einen versierten Homöopathen verordnet werden und der Verlauf beobachtet wird.[170]

Gegenanzeigen

AbhĂ€ngig von Wirkstoff und TrĂ€gersubstanz kann es UmstĂ€nde geben, die auch gegen die Gabe eines bestimmten homöopathischen Mittels sprechen. So sollten beispielsweise trockene Alkoholiker keine alkoholischen Lösungen einnehmen, da diese einen RĂŒckfall auslösen können. Auch Allergien oder UnvertrĂ€glichkeiten gegen Bestandteile des Mittels, wie beispielsweise Honigbiene als Tiefpotenz bei Bienengiftallergie, können der Einnahme entgegenstehen.[171] Schwangere und Stillende sollten Medikamente erst nach RĂŒcksprache mit einem Arzt einnehmen, das Gleiche gilt fĂŒr die Behandlung von Kindern.

Als relative Kontraindikation gelten Erkrankungen, die eine Substitutionstherapie erfordern, wie Diabetes mellitus Typ 1, akute Erkrankungen, die aus vitaler Indikation oder zur Vermeidung von SpĂ€tfolgen eine rasche schnell wirksame Behandlung erfordern und fĂŒr die es bewĂ€hrte Therapien gibt, wie beim akuten Herzinfarkt, bei allergischem Asthma oder allergischem Schock. Organische Erkrankungen, bei denen eine lebensbedrohliche Verschlechterung vorprogrammiert ist, wie bei bösartigen Erkrankungen, sollten ebenfalls nicht homöopathisch behandelt werden.[171]

Nebenwirkungen

Als Nebenwirkung sehen Homöopathen eine vorĂŒbergehende VerstĂ€rkung der Symptome an, welche sie homöopathische Verschlimmerung (auch Erstverschlimmerung) nennen. Die Existenz eines solchen PhĂ€nomens ist nicht belegt.[172]

Bei niedrigen Potenzstufen (bis etwa D6) kann eine regulĂ€re unerwĂŒnschte Arzneimittelwirkung auftreten, weil im Mittel noch nennenswerte Stoffmengen enthalten sind. So können z. B. durch die Anwendung von Mercurius (Quecksilber), Arsenicum (Arsen) oder Nux vomica (Brechnuss), einer Pflanze, die Strychnin-Alkaloide enthĂ€lt, Vergiftungen hervorgerufen werden.[173][174]

Homöopathisches Repertorium

siehe ausfĂŒhrlicher: Repertorium (Homöopathie)

Ein homöopathisches Repertorium enthĂ€lt eine Sammlung von Symptomen und die dazugehörenden Arzneimittel aus verschiedenen Arzneimittellehren oder ArzneimittelprĂŒfungen. Der Homöopath repertorisiert anhand der Symptome eines Patienten im Repertorium das am hĂ€ufigsten vorkommende Mittel und kann daraus das „Àhnlichste“ Mittel fĂŒr den Patienten aussuchen.

Bereits Hahnemann benutzte ein handschriftliches Findebuch. Die ersten gedruckten Repertorien stammen von seinen unmittelbaren SchĂŒlern Bönninghausen und Jahr. Ende des 19. Jahrhunderts veröffentlichte der homöopathische Arzt James Tyler Kent ein sehr umfassendes Repertorium in englischer Sprache, das bis heute das meistbenutzte Werk dieser Art ist. Weiterhin existieren auch digitale Repertorien.[175]

Kritik an der Homöopathie

Bis heute existiert weder ein formaler, reproduzierbarer Nachweis noch eine akzeptable naturwissenschaftliche BegrĂŒndung fĂŒr eine Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel, die ĂŒber den Placebo-Effekt hinausgeht.[8][176] Die Homöopathie wird von Teilen der wissenschaftlichen Medizin auch als wirkungslose, in einigen FĂ€llen sogar gefĂ€hrliche Behandlung abgelehnt.[6]

Weiterhin werden auch die theoretischen Grundprinzipien der Homöopathie angegriffen. Das Ähnlichkeitsprinzip sei von Hahnemann durch seinen Selbstversuch mit Chinarinde belegt worden. Dieser ist jedoch nicht reproduzierbar und Hahnemann zeigte möglicherweise bloß eine allergische Reaktion auf die Chinarinde.[26] Das zweite wichtige Prinzip der Homöopathie, das besagt, dass homöopathische Mittel in „potenzierter“ Form wirksamer seien als Urtinkturen, gilt nach heutigen medizinischen und physikalischen Erkenntnissen als widerlegt, da geringere Wirkstoffkonzentrationen eine geringere Wirkung zur Folge haben.[24][32][177][178][179][180]

Die homöopathische Medikation nach dem „Ähnlichkeitsprinzip“ ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht nachvollziehbar.[23][180][181] Die Beliebigkeit des Prinzips wurde schon zu Zeiten Hahnemanns kritisiert.[20] Eine Unterscheidung in subjektive oder objektive Symptome ist in der Homöopathie kaum von Bedeutung. WĂ€hrend in der Medizin Symptome als Krankheitserscheinungen angesehen werden, sind Symptome in der Homöopathie die Krankheit selbst und nicht bloße Erscheinung derselben.[181] Untersuchungen, wie etwa Röntgenbilder, Ultraschall oder Gewebeproben, werden zur KlĂ€rung der Ursache einer Krankheit nicht herangezogen. So werden bei konsequenter DurchfĂŒhrung beispielsweise allergisch, bakteriell oder viral hervorgerufene Erkrankungen gleich behandelt, wenn sie dieselben Symptome zeigen.[24][179][180] Hinzu kommt, dass dieselben Symptome Bestandteil verschiedener Arzneimittelbilder sind. Die sich daraus ergebende Vielzahl an ĂŒbereinstimmenden Bildern macht die Wahl des Mittels willkĂŒrlich.[177]

Geschichtliche Entwicklung der Kritik

Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Homöopathie scharf kritisiert.[178] 1851 bezeichnete der britische Arzt Robert Mortimer Glover sie als die schlimmste Art von Quacksalberei, die es je gegeben hĂ€tte und vermutlich je geben wĂŒrde.[182] Karl Wilhelm Fickel, zeitweilig leitender Oberarzt an der homöopathischen Lehranstalt Leipzig und unter dem Pseudonym Ludwig Heyne Autor homöopathischer Schriften, wandte sich komplett von der Homöopathie ab und veröffentlichte 1840 seine Schrift Direkter Beweis von der Nichtigkeit der Homöopathie als Heilsystem.[177] Er urteilte: „Als Heilsystem ist die Homöopathie eine Irrlehre, in praktischer Anwendung ein Unding.“[183] Carl Ernst Bock bezichtigte 1855 Hahnemann der FĂ€lschung und bezeichnete die Homöopathie als „ein Gewebe von TĂ€uschungen, Unwissenheit und Unwahrheiten“.[32]

Auch Lexika fanden schon frĂŒh klare Worte:

„Es wĂŒrde zu weit fĂŒhren, das mystische, ĂŒberall den Erfahrungen der Chemie, Physik und Pathologie widersprechende System, das, anstatt auf Beobachtungen, auf gĂ€nzlich unbewiesenen GlaubenssĂ€tzen aufgebaut ist, hier auszufĂŒhren, zumal eine treue Wiedergabe bei den vielfachen Änderungen, welche die H. tĂ€glich erfĂ€hrt, ganz unmöglich wĂ€re. [Es folgt eine knappe Beschreibung der Zubereitung von Homöopathika] Diese Probe dĂŒrfte ausreichen, um zu zeigen, daß die H. dem gesunden Verstand mehr als dem kranken Körper zumutet, und es ist bedauerlich, daß aus Mangel an Kritik die H. von vielen Dilettanten und Dilettantinnen selbst in FĂ€llen betrieben wird, bei denen im Vertrauen auf die ZuckerkĂŒgelchen die rechtzeitige Ă€rztliche Hilfe verabsĂ€umt wird.“

– Homöopathie. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 8, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, S. 697.

Fritz Donner, ein Vertreter der naturwissenschaftlich-kritischen Homöopathie, war in den Jahren 1936 bis 1939 an ÜberprĂŒfungen homöopathischer Arzneimittel beteiligt, die vom damaligen Reichsgesundheitsamt angeordnet worden waren. Die erwartete Wirksamkeit ließ sich dabei nicht nachweisen. Er zitierte Hanns Rabe, den damaligen 1. Vorsitzenden des Deutschen Zentralverbandes homöopathischer Ärzte (DZV), mit den Worten: „Wir können doch das gar nicht, was wir behaupten!“[34] Seine Beobachtungen fasste er in einen Report fĂŒr die Robert Bosch Stiftung zusammen, der 1969 zunĂ€chst in französischer Sprache, jedoch erst 1995 in deutscher Sprache veröffentlicht wurde.[34][184][185][186] Donner untersuchte auch homöopathische ArzneimittelprĂŒfungen und erwĂ€hnte dabei unseriöse Praktiken der PrĂŒfer. Bereits wĂ€hrend seiner TĂ€tigkeit am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus war bei ihm und einigen seiner Kollegen der Verdacht aufgekommen, dass es bei ArzneimittelprĂŒfungen Placebosymptome gegeben haben könnte.[34]

Aktueller Stand der Kritik

Kein Nachweis der Wirksamkeit

In mehr als 100 wissenschaftlichen Studien konnte kein belastbarer Nachweis fĂŒr eine Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel erbracht werden, die ĂŒber den Placebo-Effekt hinausgeht.[176]

Eine erste Metaanalyse von Klaus Linde und Mitarbeitern aus dem Jahr 1997 kam zwar zu dem Schluss, dass die Gesamtheit der Ergebnisse der Studien nicht vollstĂ€ndig durch den Placeboeffekt erklĂ€rbar waren und dass einige der untersuchten Homöopathika folglich wirksam sein mĂŒssten.[187] Bei weiteren Untersuchungen fanden die Autoren allerdings, dass Studien geringerer QualitĂ€t bessere Ergebnisse fĂŒr die homöopathische Behandlung zeigten als Studien mit strengen Kriterien.[188] Linde rĂ€umte daher ein, dass die damalige Schlussfolgerung so nicht haltbar sei und die Metaanalyse die Effekte zumindest deutlich ĂŒberschĂ€tzt haben dĂŒrfte.[189]

Eine Studie aus dem Jahr 2003, die angeblich einen empirischen Nachweis der Wirksamkeit hochpotenzierter Homöopathika geliefert hatte, wurde Ende 2005 zurĂŒckgezogen. Ein Forschungspreis, der den Forschern (der Apothekerin Franziska Schmidt und den Pharmakologen Karen Nieber und Wolfgang SĂŒĂŸ) zugesprochen worden war, wurde zurĂŒckgegeben. Der Chemiker Klaus Keck (Konstanz), der Mathematiker Gerhard Bruhn (Darmstadt) und der Geophysiker Erhard Wielandt (Stuttgart) hatten zuvor öffentlich bemĂ€ngelt, dass die Ergebnisse der Studie „nicht auf objektiven Messungen, sondern auf vorurteils- und methodisch bedingten Messfehlern“ beruhten.[190] Selbst erklĂ€rte BefĂŒrworter der Homöopathie haben diese Fehler bestĂ€tigt.

Entgegen der Studienlage bestehen BefĂŒrworter der Homöopathie darauf, dass eine Behandlung mit homöopathischen Arzneimitteln ĂŒber den Placebo-Effekt hinaus wirke.[187][191][192][193] Oftmals werden dabei jedoch EinzelfĂ€lle oder Selbsttests als Beleg angegeben. Auch kann der Rechtfertigungsdruck, der auf alternativen Methoden lastet, dazu verfĂŒhren, hauptsĂ€chlich Erfolgsgeschichten zirkulieren zu lassen. Solche Anekdoten besitzen wissenschaftlich keine Relevanz, weil hierfĂŒr eine Doppelblindstudie mit einer Kontrollgruppe, die Placebos erhĂ€lt, notwendig wĂ€re. Um festzustellen, ob zwischen einem homöopathischen Wirkstoff und einem Placebo ein nennenswerter Wirkungsunterschied besteht, benutzen Statistiker zum Beispiel den Vierfeldertest. An EinzelfĂ€llen lĂ€sst sich dagegen nicht eruieren, auf welchen Effekt eine Genesung zurĂŒckzufĂŒhren ist, und ob eine andere Behandlung andere Ergebnisse gebracht hĂ€tte.

Zudem können Erfolge, die der Homöopathie auch von unabhĂ€ngigen Studien nachgesagt wurden, nach strengen wissenschaftlichen Anforderungen mit methodischen SchwĂ€chen und anderen verzerrenden EinflĂŒssen erklĂ€rt werden, wie eine Metaanalyse zur Wirksamkeit homöopathischer Behandlungen betont, die 2005 in der renommierten Medizinzeitschrift The Lancet von Shang et al. dokumentiert wurde[176] und laut dem Kommentar des Herausgebers das „Ende der Homöopathie“ markiere.[194] Eine schweizerisch-britische Forschergruppe hatte insgesamt 220 Studien in Bezug auf den Behandlungserfolg verschiedenster Erkrankungen mit homöopathischen oder schulmedizinischen Methoden ausgewertet. Es zeigte sich ein vergleichsweise schlechteres Abschneiden der Homöopathie, bei der die gemessenen Effekte nicht gegen die Annahme der Nullhypothese (die Homöopathie beruhe einzig auf dem Placebo-Effekt) sprechen. Auch bestĂ€tigte die breitangelegte Metauntersuchung die Vermutung, dass Studien mit wenigen Teilnehmern und niedriger QualitĂ€t eher nicht vorhandene Wirkungen vorspiegeln als solche mit einer höheren Teilnehmerzahl und guter QualitĂ€t. Die erwĂ€hnte Metastudie wurde 2006 von dem österreichischen Homöopathie-BefĂŒrworter Friedrich Dellmour[195] und dem Schweizerischer Verein Homöopathischer Aerztinnen und Aerzte[196] hauptsĂ€chlich mit dem Argument kritisiert, dass sich die Homöopathie nicht fĂŒr Doppelblindstudien eigne und nur deshalb keine Wirksamkeit feststellbar sei. Außerdem gab es von mehreren Seiten Kritik an der Methodik der Metastudie.[197][198] Dennoch konnte die Grundaussage nicht widerlegt werden. Klaus Linde und Wayne Jonas gingen trotz ihrer Kritik mit dem Ergebnis konform, dass es keinen stabilen Nachweis durch Placebo-kontrollierte Studien gibt.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass nicht wissenschaftlich fundierte Therapieeinrichtungen – darunter die Homöopathie – solche Besonderheiten geltend machten, um sich der wissenschaftlichen PrĂŒfung ihrer Hypothesen zu entziehen. Sowohl prinzipiell als auch in der Praxis, sei die DurchfĂŒhrung sauber geplanter und durchgefĂŒhrter placebokontrollierter, doppelblinder Studien möglich. Zudem wĂŒrden diese auch durchgefĂŒhrt. In solchen Untersuchungen zeige sich kein Unterschied zwischen der homöopathischen Behandlung und der Placebomedikation. Untersuchungen ohne solche Kontrolle, wie sie teilweise auch von Krankenkassen veranlasst und gefördert wĂŒrden, seien zum Nachweis der Wirksamkeit nicht geeignet. Auch der oft zitierte Satz „Wer heilt hat recht“ könne die Beweispflicht fĂŒr die Wirksamkeit nach wissenschaftlichen Prinzipien nicht ersetzen.[199]

Aus utilitaristisch-ethischer Sicht wurde die Homöopathie auch als ethisch inakzeptabel bezeichnet.[200]

UnplausibilitÀt der Wirkung homöopathischer Mittel

Eine Wirkung der homöopathischen Arzneimittel wird von Kritikern der Homöopathie als unplausibel abgelehnt. Sie sehen ErklĂ€rungen fĂŒr die angebliche Wirksamkeit einer homöopathischen Behandlung in:

  • der Spontanheilung einer Erkrankung
  • unerkannten „Behandlungen“ durch Nahrungsbestandteile, UmwelteinflĂŒsse oder zufĂ€llige Mitbehandlungen bei der Therapie anderer Erkrankungen
  • der Regression zur Mitte, einer zeitweiligen Minderung der Symptome bei zyklischen Erkrankungen
  • nicht-homöopathischen Behandlungen, die parallel zur homöopathischen Behandlung stattfinden
  • einem Wegfall von Nebenwirkungen herkömmlicher Behandlungen, die auf Veranlassung des homöopathischen Behandlers beendet werden
  • VerĂ€nderungen in der LebensfĂŒhrung auf Empfehlung des Homöopathen, wie DiĂ€ten, Stressreduktion, Verminderung des Alkohol- oder Kaffeekonsums
  • einem Placeboeffekt
  • einer Art psychotherapeutischer Heilung durch die Zuwendung und Überzeugung des Homöopathen.[11][201][202][203]

BezĂŒglich der Potenzierung ist heute unbestritten, dass grĂ¶ĂŸere VerdĂŒnnungen als etwa 1:1024 (die sog. Avogadro-Konstante) – was einer Potenzierung von D24 oder C12 entspricht – statistisch gesehen kein einziges MolekĂŒl der Ausgangssubstanz enthalten. Eine solche VerdĂŒnnung entspricht ungefĂ€hr dem Auflösen einer Kopfschmerztablette im Atlantik.[204] Da die Herstellung der homöopathischen Arzneien ĂŒblicherweise nicht in einem keim- und staubgefilterten Reinraum durchgefĂŒhrt wird, muss angenommen werden, dass im VerdĂŒnnungsprozess, etwa beim Öffnen des MischgefĂ€ĂŸes und der Zugabe von VerdĂŒnnungslösung, die Konzentration der Wirksubstanz zwar abnimmt, aus der Luft aber Verunreinigungen hinzukommen. Dies bewirkt, dass schließlich in den hochpotenzierten PrĂ€paraten außer der TrĂ€gersubstanz (Wasser, Ethanol oder Milchzucker) nur die Verunreinigung der TrĂ€gersubstanzen (alle drei enthalten metallische Verunreinigungen) und die Verunreinigungen aus der Umgebung enthalten sind. Auch die besten Filtrierverfahren lassen manchmal mehr Reststoffe im Wasser zurĂŒck, als sich homöopathische Wirkstoffe darin befinden. Somit kann eine Stoff-Wirkungsrelation nicht vernĂŒnftig untersucht werden.[180][205]

Homöopathen vertreten die These, dass eine Wirkung durch im Wasser „gespeicherte“ Information eintrete. Wirkstoffe sollen beispielsweise „AbdrĂŒcke“ in Wasserclustern hinterlassen, die dann an andere Wassercluster weitergegeben werden. Diesen „GedĂ€chtniseffekt von Wasser“ wollte 1988 Jacques Benveniste mittels der Beeinflussung weißer Blutzellen (Leukozyten) durch hochgradig verdĂŒnnte Antigene nachgewiesen haben.[206] Die Ergebnisse ließen sich jedoch nicht reproduzieren.[207] Sollte eine solche Informationsspeicherung funktionieren, bestĂŒnde die Frage, wie lange eine solche Speicherung erhalten bliebe. WĂ€ren die Cluster stabil, dann mĂŒsste das Wasser vor der Verwendung gereinigt werden, denn sonst enthielte es noch alte Informationen. Falls sie nicht stabil wĂ€ren, wĂŒrde eine homöopathische Arznei schnell unwirksam werden. Was mit diesen spekulativen Speicherclustern nach der Einnahme durch den Patienten geschĂ€he, bliebe dann aber der reinen Phantasie ĂŒberlassen. Der Clusteransatz kann jedenfalls die Wirkung homöopathischer Mittel in ungelöster Form (Globuli) nicht erklĂ€ren und bleibt als generelle ErklĂ€rung unzureichend.[205][207][208][209]

Interne WidersprĂŒche

In Hahnemanns Organon gab es bereits in den sechs Auflagen von 1810–1842 umfangreiche Einarbeitungen, Streichungen, Änderung von ĂŒbernommenen Teilen und WidersprĂŒche. Verschiedene Schulen nutzen unterschiedliche Auflagen als Handlungsanweisung.[210] (siehe Abschnitt „Richtungen in der Homöopathie“)

An einigen Stellen sehen Kritiker WidersprĂŒche in der homöopathischen Theorie und Praxis. So wird nicht erklĂ€rt, warum nur die gewĂŒnschten Eigenschaften eines jeweiligen Stoffes durch eine „Potenzierung“ ihre Wirkung verstĂ€rken und nicht auch die unerwĂŒnschten Nebenwirkungen bzw. die Wirkungen und Nebenwirkungen all der anderen Spurenelemente, Reststoffe etc., die sich außerdem noch im Alkohol bzw. Wasser oder im GefĂ€ĂŸ befunden haben.

Ein Beispiel zu den verunreinigenden Reststoffen im Wasser wurde im Nachgang des Leipziger Skandals 2003 (siehe Abschnitt „Kein Nachweis der Wirksamkeit“) von Wissenschaftlern als Gedankenexperiment errechnet: Wenn auch nur eine einzige Tollkirsche in einen Bach fĂ€llt, dessen Wasser in die Leipziger Trinkwasserversorgung fĂŒhrt (34 Millionen m3 Jahresverbrauch), dann wĂŒrde dies zu einer Atropinkonzentration im Trink-/Brauchwasser von D17 fĂŒhren.[211] Dies bedeutet, dass es methodisch gar nicht möglich ist, grĂ¶ĂŸere Atropin-VerdĂŒnnungen als D17 herzustellen, weil das homöopathische Heilmittel bereits mit D17-Atropin-Wasser hergestellt wird. Selbst das reinste auf der Welt herstellbare destillierte Wasser enthĂ€lt immer noch einige MolekĂŒle fast aller hĂ€ufigeren Elemente und zahlreicher chemischer Verbindungen als Verunreinigungen. Da sich in hochpotenzierten Homöopathika jedoch rein mathematisch gar keine MolekĂŒle der Ausgangssubstanz befinden dĂŒrften, ist diese Konzentration an Verunreinigungen im fertigen Medikament in jedem Falle höher als die des Homöopathikums, denn durch die Luft gelangen solche Verunreinigungen bei jeder Potenzierung in die Lösung. Die anfĂ€nglichen Verunreinigungen werden bei der Potenzierung natĂŒrlich ebenso „mitpotenziert“ wie das Homöopathikum, so dass die Verunreinigungen im fertigen Medikament nicht nur als erneute Verunreinigungen durch die Umwelt vorliegen, sondern auch in höchstpotenzierter Form (höherpotenzig als die Wirksubstanz selbst). Jedes Homöopathikum ist also in Wahrheit ein buntes Gemisch aus mehr oder minder hohen Potenzen unterschiedlichster Substanzen, unter denen die vermeintliche Wirksubstanz keinerlei hervorgehobene Rolle mehr spielen kann. Nach Auffassung der Wissenschaftler fĂŒhrt dieser Umstand ein zentrales Prinzip der Homöopathie ad absurdum.[211]

Viele Homöopathen fĂŒhren an, die Schulmedizin heile keine Krankheiten, sondern unterdrĂŒcke nur Symptome, wĂ€hrend die Homöopathie die Ursache des Leidens bekĂ€mpfe.[212][213][214] Nach Hahnemann kann man eine Krankheit aber nur durch ihre Symptome kennen,[70] was sich in der Praxis der homöopathischen Anamnese und Verschreibung nach Symptombild widerspiegelt.[215] Kritiker sehen in der Argumentation, dass das Verschwinden von Symptomen bei schulmedizinischer Behandlung als UnterdrĂŒckung, bei homöopathischer als Heilung gewertet wird, ein Messen mit zweierlei Maß.[216]

Risiken der Homöopathie

Der Verzicht auf eine normale medizinische Versorgung kann bei akuten NotfĂ€llen lebensgefĂ€hrlich sein, wenn der Einsatz einer wirksamen Therapie verzögert wird. Ein Extrembeispiel ist die von einer Homöopathin bei der Indikation „Herz hört auf zu schlagen“ vorgeschlagene Gabe des homöopathischen Mittels Aconitum in der Potenz C30 oder C200.[217] Aconitum (Blauer Eisenhut) wĂŒrde in einer ArzneimittelprĂŒfung Herzsymptome oder sogar den Herztod verursachen, also ist dieses Arzneimittel nach homöopathischer Raison bei Herzstillstand sinnvoll. Da das verstĂ€rkte Auftreten der Symptome unter dem Begriff Erstverschlimmerung als Teil des Heilungsprozesses verstanden wird, könnten wichtige Notfallbehandlungen versĂ€umt oder erst verspĂ€tet vorgenommen werden. Eine konventionelle Therapie darf hier nicht durch eine homöopathische Behandlung ersetzt werden.[218][219]

Auch bei Erkrankungen, die keine Notfallsituationen darstellen, kann die alleinige homöopathische Behandlung, durch den Verzicht auf eine nachgewiesen wirksame Behandlung, zum Tode fĂŒhren. 2002 starb in Australien ein neun Monate altes MĂ€dchen, deren Eltern ein Ekzem des Kindes ausschließlich homöopathisch behandelten.[220][221] 2005 starb, ebenfalls in Australien, eine 45-jĂ€hrige Frau an den Folgen einer Darmkrebserkrankung, die auch ausschließlich homöopathisch behandelt wurde.[222][223]

Schutzimpfungen

Impfgegner lehnen Schutzimpfungen oft auch mit Hinweis auf die Homöopathie ab.[224][225] Hahnemann zeigte sich aber im „Organon der Heilkunst“ beeindruckt von der Schutzimpfung und hat sie als Indiz fĂŒr die Existenz des Simile-Prinzips und Beispiel fĂŒr das Funktionieren desselben angefĂŒhrt.[226] Homöopathisch tĂ€tige deutsche Ärzte mit der Zusatzweiterbildung Homöopathie impfen seltener als Nicht-Homöopathen, lehnen jedoch eine Impfung nicht grundsĂ€tzlich ab.[227] Impfungen gegen Kinderkrankheiten, bei Risikogruppen und als ineffektiv beurteilte Impfungen werden von homöopathischen Ärzten allerdings weniger akzeptiert und angewandt.[228] Verschiedene homöopathische Fachgesellschaften stehen Schutzimpfungen zwar kritisch gegenĂŒber, halten sie jedoch grundsĂ€tzlich fĂŒr sinnvoll.[229][230][231] GrĂŒnde fĂŒr das zurĂŒckhaltendere Verhalten bei manchen Impfungen, wie gegen Masern, Mumps, Windpocken und Keuchhusten, ist auch die positive EinschĂ€tzung einer möglichen homöopathischen Alternativbehandlung.[227][230]

Gelegentlich werden von Homöopathen auch „homöopathische Impfungen“ (orale Gaben von Krankheitsprodukten, „Nosoden“, in Potenz) oder „homöopathische Malariaprophylaxe“ angeboten. Solche Angebote werden von den DachverbĂ€nden offiziell abgelehnt. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) beispielsweise schreibt: „Kein homöopathisches Mittel ist in der Lage, eine nachweisbare Immunisierung hervorzurufen“. Andererseits stellt derselbe Verband die – wissenschaftlich unbelegte â€“ Möglichkeit einer „homöopathischen Vorbeugung“ wie auch eine „homöopathische Therapie“ „als Behandlungs-Alternativen“ in Aussicht.[229] Steffen Rabe, MĂŒnchner Kinderarzt und Internetbeauftragter im DZVhÄ, hĂ€lt sogar eine bewusst herbeigefĂŒhrte Ansteckung mit dem Masernvirus, sogenannte „Masernpartys“, im Alter zwischen etwa drei und acht Jahren fĂŒr „eine Überlegung wert“.[232] Die gezielte Verbreitung der unter UmstĂ€nden sogar tödlich verlaufenden Kinderkrankheit Masern kann allerdings strafbar sein.[233][234][235][236]

Schwere Infektionskrankheiten

Nach einem Artikel des British Medical Journal aus dem Jahre 2009 warnt die WHO davor, bestimmte ernste Krankheiten wie Infektionen mit HIV, Tuberkulose und Malaria sowie bei Kindern zusĂ€tzlich Durchfall oder Grippe homöopathisch zu behandeln. Diese Warnung war eine Antwort auf die BefĂŒrchtungen einer Gruppe junger Ärzte und Forscher, dass die Anwendung von Homöopathie bei diesen fĂŒnf Krankheiten in EntwicklungslĂ€ndern lebensgefĂ€hrliche Folgen hĂ€tte.[237]

Verwandte Behandlungsmethoden

Es gibt verschiedene Therapieformen, die einzelne oder mehrere GrundsĂ€tze der homöopathischen Lehren aufgreifen, wie zum Beispiel Anthroposophische Medizin, Bach-BlĂŒtentherapie, Isopathie und SchĂŒĂŸler-Salze.[238]

Literatur

Schriften von Samuel Hahnemann

Materia medica und Repertorien

  • Timothy Field Allen: The Encyclopedia of Pure Materia Medica, 10 BĂ€nde, Reprint, New Delhi 1995 (ursprĂŒnglich: 1874–1879)
  • Richard Hughes, Jabez P. Dake: A Cyclopedia of Drug Pathogenesy, 4 BĂ€nde, Reprint, New Delhi 1979 (ursprĂŒnglich: 1884–1891)
  • James Tyler Kent: Repertory of the homoeopathic materia medica. B. Jain Publishers, 2004, ISBN 8-170-21153-0
  • William Boericke: Homöopathische Mittel und ihre Wirkungen – Materia Medica und Repertorium. Verlag Grundlagen und Praxis GmbH & Co. Wissenschaftlicher Autorenverlag, Leer, 1. deutschsprachige Auflage 1972, 8. Auflage 2004, ISBN 3-937268-08-1
  • Clemens Maria Franz von Bönninghausen: Systematisch-alphabetisches Repertorium der Homöopathischen Arzneien. Coppenrath, 1833

SekundÀrliteratur

  • Gudrun Barwig: Homöopathie im Nationalsozialismus Naturheilpraxis 12 (1996), online
  • Georg Bayr: Hahnemanns Selbstversuch mit der Chinarinde 1790. Die Konzipierung der Homöopathie, Haug, Heidelberg 1989, ISBN 3-8304-0210-4
  • Tilman Borghardt: Homöopathie in Indien, Barthel & Barthel Verlag, Reihe „Dissertationen“, Berg 1990, ISBN 3-88950-050-1
  • Gudrun Bornhöft, Peter F. Matthiessen: Homöopathie in der Krankenversorgung. Wirksamkeit, Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit, Vas-Verlag fĂŒr Akademische Schriften 2006, ISBN 978-3-88864-419-1
  • Anthony Campbell: Homeopathy in Perspective: Myth and Reality, 2004, PDF (552 KB)
  • Martin Dinges (Hrsg): Weltgeschichte der Homöopathie: LĂ€nder, Schulen, Heilkundige, Beck, MĂŒnchen 1996
  • Martin Dinges: Homöopathie: Patienten, Heilkundige, Institutionen; von den AnfĂ€ngen bis heute, Haug, Heidelberg 1996
  • Sigrid Heinze (Hrsg.): Homöopathie 1796–1996: eine Heilkunde und ihre Geschichte. Katalog zur Ausstellung des Deutschen Hygiene-Museums Dresden vom 17. Mai bis 20. Oktober 1996, Berlin 1996
  • Wolfgang H. Hopff: Homöopathie kritisch betrachtet. Thieme, Stuttgart 1991, ISBN 3-13-765401-7
  • Robert JĂŒtte: Samuel Hahnemann. BegrĂŒnder der Homöopathie., dtv â€“ Deutscher Taschenbuch Verlag, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-423-24447-X
  • Martin Lambeck: Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik. Verlag CHBeck, MĂŒnchen 2003, ISBN 3-406-49469-2, S. 50ff.
  • Otto Prokop: Homöopathie. Was leistet sie wirklich?. Ullstein Taschenbuch, Berlin 1995, ISBN 3-548-35521-8
  • Josef M. Schmidt: Taschenatlas Homöopathie in Wort und Bild. Grundlagen, Methodik, Geschichte, Haug, Heidelberg 2001
  • Martin Schmitz (Hrsg.): Strömungen der Homöopathie: Konzepte – Lehrer – Verbreitung, Forum Homöopathie, KVC Verlag Essen, 2. Auflage 2002
  • Michael Shermer, Lee Traynor: Heilungsversprechen. Alternativmedizin zwischen Versuch und Irrtum. Alibri Verlag Gunnar Schedel, Aschaffenburg 2004, ISBN 3-932710-86-X
  • Rudolf Tischner: Geschichte der Homöopathie in vier Teilen, Leipzig 1932–1939, Faksimile-Nachdruck: Springer, Wien 1998
  • Rudolf Tischner: Das Werden der Homöopathie. Geschichte der Homöopathie vom Altertum bis zur neuesten Zeit, Neuauflage der Ausgabe von 1950. Sonntag, Stuttgart 2001
  • Matthias Wischner: Kleine Geschichte der Homöopathie, Forum Homöopathie, KVC Verlag, Essen 2004, ISBN 3-933351-41-3
  • Rainer Wolf, JĂŒrgen Windeler: Erfolge der Homöopathie â€“ nur ein Placebo-Effekt? Regiomontanusbote 4 (1997) online

Wissenschaftliche Metastudien zur Wirksamkeit

  • Klaus Linde, Nicola Clausius, Gilbert Ramirez, Dieter Melchart, Florian Eitel, Larry V. Hedges, Wayne B. Jonas: Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? - A meta-analysis of placebo-controlled trials. Lancet 350 (1997), 834-843, PMID 9310601, online (PDF-Dokument; 3,18 MB).
  • Ezard Ernst: A systematic review of systematic reviews of homeopathy. British Journal of Clinical Pharmacology 54 (2002), 577–582, PMID 12492603, doi:10.1046/j.1365-2125.2002.01699.x.
  • Aijing Shang, Karin Huwiler-MĂŒntener, Linda Nartey, Peter JĂŒni, Stephan Dörig, Jonathan A C Sterne, Daniel Pewsner, Matthias Egger: Are the Clinical Effects of Homoeopathy Placebo Effects? Comparative Study of Placebo-Controlled Trials of Homoeopathy and Allopathy. Lancet 366 (2005), 726–732, PMID 16125589 online (PDF-Dokument; 604 kB). vgl. dazu auch die deutschsprachige Zusammenfassung in wissenschaft-online im August 2005

Weblinks

 Commons: Homöopathie â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Homöopathie â€“ Zitate
Wiktionary Wiktionary: Homöopathie â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellentexte

VerbÀnde

Über Homöopathie

Einzelnachweise

  1. ↑  Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. G. Freytag Verlag/Hölder-Pichler-Tempsky, MĂŒnchen/Wien 1965.</span>
  2. ↑ Samuel Hahnemann: Organon der Heilkunst., 6. Auflage, § 5
  3. ↑ Colin Goldner: "Heilung nach dem Ähnlichkeitsprinzip", SĂŒddeutsche Zeitung, 17. April 2007: "Die Herstellung der Homöopathika unterliegt strengsten rituellen Vorschriften." Aufgerufen am 7. August 2010
  4. ↑ Zum Beispiel in: Frank Peter Meyer: Vorlesungen ĂŒber Homöopathie. S. 24 Gustav Fischer Verlag Jena, Stuttgart 1996. ISBN 3-334-61014-4
  5. ↑ Informationen – Die Homöopathie ist ein großer Irrtum. Promed e.V. Verein gegen unlautere Praktiken im Gesundheitswesen, abgerufen am 21. Februar 2010.
  6. ↑ a b  Otto Prokop: Homöopathie. Was leistet sie wirklich?. Ullstein Taschenbuch, Berlin 1995, ISBN 3-54-835521-8, S. 28.</span>
  7. ↑ We conclude that the principle of like-cures-like is theoretically weak. It fails to provide a credible physiological mode of action for homeopathic products. House of Commons: Evidence Check 2: Homeopathy, 22. Februar 2010. PDF-Datei, S. 16
  8. ↑ a b Björn Lemmer, Kay Brune: Pharmakotherapie: Klinische Pharmakologie, 132006, S. 19
  9. ↑ „Wir leugnen nicht, dass sich mit ‚Homöopathie‘ mitunter therapeutische Wirkungen erzielen lassen, wobei es sich um so genannte Placebo-Effekte handelt.“ (Marburger ErklĂ€rung: Homöopathie als Irrlehre und TĂ€uschung des Patienten. In: Deutsche Apothekerzeitung, Nr. 11/1993. Volltext.)
    Ähnlich auch eine EinschĂ€tzung der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP): „Unbestritten ist, dass homöopathische Mittel bei vielen Beschwerden helfen können, also wirksam sind. Hier geht es aber darum, zu beweisen, dass ihre Wirksamkeit ĂŒber einen reinen Placebo-Effekt – die positive Folge einer Scheinbehandlung – hinausgeht.“ (Link, Februar 2010.)
  10. ↑ Aijing Shang, Karin Huwiler-MĂŒntener, Linda Nartey, Peter JĂŒni, Stephan Dörig, Jonathan A C Sterne, Daniel Pewsner, Matthias Egger: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet 366 (2005), 731, PMID 16125589
  11. ↑ a b Sarah Brien, Laurie Lachance, Phil Prescott, Clare McDermott, George Lewith: Homeopathy has clinical benefits in rheumatoid arthritis patients that are attributable to the consultation process but not the homeopathic remedy: a randomized controlled clinical trial. Rheumatology 49 (2010), doi:10.1093/rheumatology/keq234.
  12. ↑ Fachbereich Humanmedizin der Philipps-UniversitĂ€t Marburg: Marburger ErklĂ€rung: Homöopathie als „Irrlehre“ und TĂ€uschung des Patienten. In: Deutsche Apothekerzeitung, Nr. 11/1993
  13. ↑ a b Homöopathische Arzneimittel: Marktbedeutung und Akzeptanz nach Angaben des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller
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] rĂŒhren bloß von dieser her und mĂŒssen als deren eigentĂŒmlich zugehörig, als ihre Symptome angesehen werden und aufgezeichnet werden; gesetzt auch die Person hĂ€tte Ă€hnlich ZufĂ€lle vor lĂ€ngerer Zeit bei sich von selbst wahrgenommen."
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