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Horst-Wessel-Lied

Das Horst-Wessel-Lied ist ein politisches Lied, das zunÀchst (seit etwa 1929) ein Kampflied der SA war und etwas spÀter zur Parteihymne der NSDAP avancierte. Es trÀgt seinen Namen nach dem SA-Mann Horst Wessel, der den Text zu einem nicht genau geklÀrten Zeitpunkt zwischen 1927 und 1929 auf eine vermutlich aus dem 19. Jahrhundert stammende Melodie verfasste.

Nach der MachtĂŒbernahme Adolf Hitlers 1933 fungierte das Lied nach dem Vorbild der Giovinezza im faschistischen Italien de facto als zweite deutsche Nationalhymne.[1] Der Alliierte Kontrollrat verbot 1945 nach der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg das Lied. Dieses Verbot ist aufgrund § 86a StGB in Deutschland bis heute in Kraft. In Österreich gelten aufgrund § 3 des Verbotsgesetzes 1947 vergleichbare Bestimmungen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Horst-Wessel-Lied war im August 1929 vom SA-Organ Der Angriff mit dem Titel Die Fahne hoch! als Gedicht abgedruckt worden. Wessel hat, wie George Broderick glaubhaft vermittelt, als Textvorlage das von den Reservisten des deutschen Kriegsschiffes „Königsberg“ zur selben Melodie gesungene Königsberg-Lied benutzt. Dieses war in Freikorps- und Marinekreisen wie dem Bund Wiking oder der Marine-Brigade Ehrhardt, in denen Wessel Mitglied war, verbreitet. Es begann mit dem Vers Vorbei, vorbei sind all die schönen Stunden und enthĂ€lt Wendungen wie diese: Zur Abfahrt steht die Mannschaft schon bereit (von Wessel geĂ€ndert in Zum Kampfe stehn wir alle schon bereit). Einige Formeln, die Wessel benutzte, erinnern an Modelle aus sozialistischen und kommunistischen Arbeiterliedern, etwa an das „letzte Gefecht“ der Internationale. Der Musikwissenschaftler und nationalsozialistische KulturfunktionĂ€r Joseph MĂŒller-Blattau schrieb dazu 1934 in einer musikwissenschaftlichen Zeitschrift: „Hier war die Melodie, die dem feschen Schwung der ‚Internationale‘ urtĂŒmlich Deutsches gegenĂŒberstellen konnte.“[2]

Kurz nachdem Wessel am 23. Februar 1930 an den Folgen einer Schussverletzung gestorben war, die ihm Albrecht Höhler, ein Mitglied des Roten FrontkĂ€mpferbundes, beigebracht hatte, wurde der Liedtext am 1. MĂ€rz erneut im Völkischen Beobachter unter der Überschrift Horst Wessels Gruß an das kommende Deutschland abgedruckt. Das Lied wurde bald zur offiziellen Parteihymne der NSDAP und zum „Evangelium der Bewegung“ (so Wessels Schwester Ingeborg). Nach der MachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten wurde es auf Anordnung von Reichsinnenminister Wilhelm Frick vom 12. Juli 1933 fĂŒr gewöhnlich direkt im Anschluss an die erste Strophe des Deutschlandliedes als quasi-offizielle Nationalhymne gesungen. Die formelle Erhebung des Liedes zur Nationalhymne lehnte Adolf Hitler allerdings ab.

Melodie

Nach § 86a StGB fĂ€llt das Lied in Deutschland heute unter die Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, die Verbreitung ist damit verboten. Dies gilt insbesondere fĂŒr die Melodie des Liedes. Das heißt, dass auch die Interpretation der Melodie mit verĂ€ndertem Text[3], nicht aber das in den Anfangstakten identische Lied vom WildschĂŒtz Jennerwein[4], rechtswidrig ist.

Handlungen, welche der staatsbĂŒrgerlichen AufklĂ€rung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst, Wissenschaft, Forschung, Lehre oder der Berichterstattung ĂŒber VorgĂ€nge des Zeitgeschehens oder der Geschichte bzw. Ă€hnlichen Zwecken dienen, sind nach der so genannten SozialadĂ€quanzklausel (§ 86 Absatz 3 StGB) hiervon ausgenommen. Dabei kommt es auf die zusammenfassende Wertung von Sinn und Zweck der Abbildung im Zusammenhang der Gesamtdarstellung an.[5]

Die von Horst Wessel zur Untermalung seines Textes verwendete Melodie mit einer der gÀngigen Harmonisierungen

In der „offiziellen“ Version im Liederbuch der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei des Reichsministeriums fĂŒr VolksaufklĂ€rung und Propaganda ist nur die Melodie ohne Harmonisierung notiert.[6]

Ursprung der Melodie

Zur ursprĂŒnglichen Herkunft der Melodie gibt es viele Spekulationen, die alle bis heute nicht ĂŒberzeugend belegt werden konnten. Sie ist offenbar schon lĂ€ngere Zeit vor dem oben erwĂ€hnten Königsberg-Lied mit Seemanns- und Soldatenliedern assoziiert gewesen und fand so zumindest im Norden Deutschlands einige Verbreitung.

Im Kaiserreich sang man die Melodie auch zu dem BĂ€nkellied Ich lebte einst im deutschen Vaterlande. Zu letzterem hĂ€lt sich hartnĂ€ckig die Legende, es entstamme der Oper Joseph et ses frĂšres (1807) des französischen Komponisten Étienne-Nicolas MĂ©hul. Diese Behauptung ist anhand der Partitur nicht zu belegen, wird aber unter anderem zwecks Umgehung des oben erwĂ€hnten Verbots der Melodie gebraucht. Nach einer (angesichts der Entstehungszeit kritisch zu hinterfragenden) Theorie des Musikschriftstellers Alfred Weidemann aus dem Jahr 1936 soll eine der wichtigsten „Urmelodien“ des Liedes eine von Peter Cornelius im Jahr 1865 in Weimar gehörte und aufgezeichnete Leierkastenmelodie gewesen sein.[7]

(Loudspeaker.svgHörbeispiel) Eine der vermuteten Urmelodien des Horst-Wessel-Liedes, aufgezeichnet von Peter Cornelius

In seinem Buch Hitler – The Missing Years[8] behauptet der ehemalige enge Hitler-Mitarbeiter Ernst Hanfstaengl, das Lied beruhe auf einem Wiener Kabarett-Lied aus der Zeit der Jahrhundertwende. Der Anfang des Liedes weist Gemeinsamkeiten mit dem oberbayrischen Volkslied Der WildschĂŒtz Jennerwein (Loudspeaker.svgHörbeispiel) aus dem 19. Jahrhundert auf. Eine Ähnlichkeit mit der Melodie des seit ungefĂ€hr 1890 nachweisbaren englischen Kirchenliedes How Great Thou Art (in Schweden auch unter dem Titel O store Gud verbreitet) ist ebenfalls festzustellen.[9]

Es bleibt jedoch in der Forschung umstritten, wie stichhaltig und aussagekrĂ€ftig solche melodischen „Abstammungslinien“ sind. In ihrer BeschrĂ€nkung auf schlichte, eingĂ€ngige Stilmittel der europĂ€ischen Musik des 19. Jahrhunderts Ă€hneln sich die oben genannten Melodien zwar, Übereinstimmungen können jedoch auch damit erklĂ€rt werden, dass der Einsatz immer gleicher Ausdrucksmöglichkeiten solche Parallelen erwarten lĂ€sst.

Musikalische Charakteristika

Die Melodie erweist sich aufgrund ihrer technischen Charakteristika als besonders gut geeignet fĂŒr den Zweck, den sie im Rahmen der nationalsozialistischen Propaganda erfĂŒllen sollte. Ihr Tonumfang betrĂ€gt eine None, sie ist rein diatonisch (verlangt also keine leiterfremden Töne) und kann ausschließlich mit den drei funktionalen Grundakkorden (also Tonika, Subdominante und Dominante) begleitet werden. All dies bedeutet in der Praxis, dass das Horst-Wessel-Lied auch von unausgebildeten Stimmen gesungen werden kann. Arrangements fĂŒr und AuffĂŒhrungen durch weniger versierte Musiker wie die im Rahmen von SA-Kundgebungen eingesetzten Amateur-Blaskapellen sind dadurch leicht realisierbar.

Innerhalb dieses engen Rahmens werden jedoch bemerkenswert viele musikalische Möglichkeiten ausgeschöpft. Besonders effektvoll ist etwa das Ende der zweiten Zeile im obigen Beispiel, wo die Umkehrung des Tonika-Dreiklangs fast den gesamten Umfang des StĂŒcks durchmisst. Im Gegensatz zum Text, der selbst vom rein handwerklichen Standpunkt Probleme aufwirft, zeichnet sich die Melodie durch einen vergleichsweise geschickten Umgang mit traditionellen Ausdrucksmitteln (etwa des Rhythmus oder der MelodiefĂŒhrung) aus.

Um einen martialisch-militĂ€rischen Effekt zu erzielen (der der Melodie zunĂ€chst nicht zwangslĂ€ufig eigen ist), wurden hĂ€ufig von Triolen geprĂ€gte fanfarenartige BlĂ€sereinwĂŒrfe in Dreiklangstönen auf den Pausen der Melodie oder am Anfang des Liedes eingesetzt.[10]
(Loudspeaker.svgHörbeispiel) BlÀsereinleitungen des Horst-Wessel-Liedes in der Version einer SA-Kapelle

Die mehrmalige Verwendung der Punktierung, die Schwung verleihen und Zuhörer oder SĂ€nger anfeuern soll, hat das Lied mit anderen politischen Kampfliedern gemeinsam. Ein weiteres in diesem und Ă€hnlichen Liedern hĂ€ufig anzutreffendes Charakteristikum ist die Tatsache, dass die Melodie den Spitzenton, der als melodischer Ausdruck des „bevorstehenden Sieges“ interpretiert werden kann, erst nach langsamem Aufstieg in der zweiten HĂ€lfte erreicht, um zum Ende des Liedes hin wieder abzusinken. Die beiden letzteren Merkmale können am Beispiel von BrĂŒder, zur Sonne, zur Freiheit, einem bekannten Kampflied der Arbeiterbewegung, besonders deutlich aufgezeigt werden, das acht Mal eine Punktierung aufweist. Der Spitzenton F wird hier erst nach langem Anlauf ĂŒber das C (Takt 4) und das E (Takt 6) im vorletzten Takt erreicht.[11](Loudspeaker.svgHörbeispiel)

Der Text des Horst-Wessel-Liedes kombiniert – im Gegensatz zu BrĂŒder, zur Sonne – erst sehr spĂ€t den musikalischen Effekt des „sieghaften Erreichens des Spitzentons“ mit entsprechenden Worten. In der zweiten (Es schau’n aufs Hakenkreuz) und besonders in der dritten Strophe (Bald flattern Hitlerfahnen) ist die Übereinstimmung von Text und Melodie im geschilderten Sinne jedoch deutlich.

Übernahme durch den Nationalsozialismus

Als vorteilhaft erwies sich fĂŒr die Popularisierung des Horst-Wessel-Liedes durch die Nationalsozialisten gerade die Tatsache, dass die Melodie sich bereits einer gewissen Bekanntheit erfreute, ohne allzu fest an einen bestimmten der verschiedenen frĂŒheren Texte gebunden zu sein. Ebenso hatte sich durch die frĂŒheren Versionen bereits ihre Eignung fĂŒr ein relativ breites Spektrum musikalischer Bearbeitung – etwa in Bezug auf Tempo oder Instrumentation – erwiesen. Die Verbundenheit mit dem einfachen Volk, die in der Selbstdarstellung der Partei eine wichtige Rolle spielte, wurde durch die VolkstĂŒmlichkeit der Melodie ebenfalls unterschwellig bestĂ€tigt.

Wie viel Aufmerksamkeit solchen unbedeutend erscheinenden Details von Seiten der NS-Propaganda geschenkt wurde, auch als das Kampflied der SA (ebenso wie die SA selbst) die ursprĂŒngliche Funktion lĂ€ngst eingebĂŒĂŸt hatte, zeigt eine Anweisung aus den Amtlichen Mitteilungen der Reichsmusikkammer vom 15. Februar 1939: „Der FĂŒhrer hat entschieden, daß das Deutschlandlied als Weihelied im Zeitmaß ÂŒ = M 80 zu spielen ist, wĂ€hrend das Horst-Wessel-Lied als revolutionĂ€res Kampflied schneller gespielt werden soll.“[12]

MusikÀsthetische Probleme

Das Verbot der Melodie in Deutschland wird bis heute kontrovers diskutiert. Die Auseinandersetzung entzĂŒndet sich dabei an der Frage, inwieweit eine Tonfolge schon die Inhalte ausdrĂŒcken kann, die ein wesentlich spĂ€ter unabhĂ€ngig verfasster Text formuliert oder impliziert.[13]

Im Kontext, dem die Melodie entstammt (nĂ€mlich der Musiksprache des frĂŒhen 19. Jahrhunderts), bietet sie in Hinsicht auf die Forderung nach Einfachheit und VolkstĂŒmlichkeit eine handwerklich befriedigende Lösung. Ein Ă€sthetischer Widerspruch entstand, als die Nationalsozialisten diese Melodie ideologisch fĂŒr sich reklamierten und sie mit einem Text koppelten, der sich sehr kĂ€mpferisch, revolutionĂ€r und zukunftsweisend gebĂ€rdet. Die kĂŒnstlerischen Errungenschaften der Moderne wurden von der Kulturpolitik der NSDAP aber grĂ¶ĂŸtenteils als „entartet“ abgelehnt, deswegen kam es niemals zu einer an zeitgenössischen MaßstĂ€ben ausgerichteten Zusammenarbeit von Textdichtern und Komponisten, wie dies etwa im politisch linken Spektrum bei Dichtern und Musikern wie Bertolt Brecht, Johannes R. Becher, Kurt Weill und Hanns Eisler der Fall war.

Gerade letztere Beispiele zeigen aber auch, wie misstrauisch die autoritĂ€ren Regimes dieser Zeit – unabhĂ€ngig von ideologischen PrĂ€gungen – der zeitgenössischen Kunst gegenĂŒberstanden: Auch in der Sowjetunion erfolgte ab den 1930er-Jahren unter Josef Stalin eine staatlich verordnete Abkehr von der Moderne hin zum Klassizismus und dem ĂŒberkommene Stilrichtungen wie Romantik und Realismus integrierenden Sozialistischen Realismus, deren musikalische Produkte von solchen des NS-Kulturbetriebs oft nur schwer zu unterscheiden sind.

Rezeption in der Musikwissenschaft

Nationalsozialistische Musikforscher begannen schon bald, die Bedeutung des einfachen Liedes ideologisch zu ĂŒberhöhen. Joseph MĂŒller-Blattau, Herausgeber des Riemann-Musiklexikons von 1939, stellte bereits 1933 „alte, typisch germanische Melodietypen“ fest und kam zu der Erkenntnis, das neue Volkslied sei der „wurzelechte Typus, der sich in höchster WĂŒrde im Horst-Wessel-Lied ausgeformt findet“.[14] Ernst BĂŒcken sah in ihm das „neue Gemeinschaftslied, das als Widerhall einer im Kampf zusammengeschlossenen, durch ihn geeinten Gemeinschaft fungiert“, verwirklicht.[15] Werner Korte verzichtete gleich programmatisch auf analytische Anstrengungen: „Derjenige, der z. B. das Horst-Wessel-Lied einer rein musikalischen Kritik unterziehen wĂŒrde, d.h. diese Melodie vom Standpunkt des absoluten Musikers bewerten wollte, kĂ€me zu einem so oder so formulierten Urteil, das ebenso begrĂŒndet sein kann wie es notwendig fĂŒr das Lied belanglos ist. Hier versagen alle bewĂ€hrten Methoden der kritischen Analyse, da hier Musik nicht als Selbstzweck, sondern im Dienste eines politischen Bekenntnisses vollzogen wird.“[16] Die VernachlĂ€ssigung musikalischer Analysen wurde durch unklare und unhaltbare Begriffe wie „Nordische“ oder „Germanische Musik“ kompensiert.[17]

Nach 1945 wurde das Lied in der Musik- und Literaturwissenschaft jahrelang kaum erwĂ€hnt. Auch in Neuauflagen von LiederbĂŒchern war es nicht mehr enthalten. In Paul Fechters 1960 erschienener Geschichte der deutschen Literatur wird Wessel nicht mehr erwĂ€hnt, obwohl der Autor noch 1941 geschrieben hatte, dass „Horst Wessel das bestimmende Lied der neuen Zeit“ geschaffen habe. Die weiterhin an Hochschulen aktiven Musikwissenschaftler konnten eine ĂŒbertriebene, sachlich ungerechtfertigte WĂŒrdigung angeblich völkischer Elemente in der Musik in ihren Vorkriegspublikationen nicht erkennen. So wurde von Friedrich Blume, der 1938 einen Aufsatz Musik und Rasse veröffentlicht hatte[18], alle Verantwortung zehn Jahre spĂ€ter auf „durch nichts qualifizierte, aufdringliche Gestalten, die plötzlich aufgetaucht“ seien, geschoben[19]. Blume stellte die Behauptung auf, dass „die ernsthaften Wissenschaftler von Besseler ĂŒber Blume, Fellerer, Osthoff, Vetter bis Zenck nicht ihrem FĂŒhrer treu ergeben, sondern ihren Überzeugungen treu geblieben waren.“[20]

Erst in den 1980er-Jahren hat sich die Musikwissenschaft, wie auch anhand der unten angegebenen Literaturliste ersichtlich, wieder vermehrt des ungeliebten Themas der Musik im Dritten Reich angenommen.

Text des Liedes

Kampflied der SA

Der Text Wessels glorifiziert die paramilitĂ€rische Unterorganisation der NSDAP, die SA. Die SA und der von ihr ausgeĂŒbte Terror spielten eine bedeutende Rolle bei der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur. Im Liedtext wird sie jedoch ausschließlich als Massenbewegung im Kampf fĂŒr Freiheit und soziale Gerechtigkeit dargestellt, wĂ€hrend der aggressive Charakter der Organisation und ihr ausgeprĂ€gter Antisemitismus nicht thematisiert werden.

<poem> Die Fahne hoch! Die Reihen fest (dicht/sind) geschlossen! SA marschiert Mit ruhig (mutig) festem Schritt |: Kam’raden, die Rotfront und Reaktion erschossen, Marschier’n im Geist In unser’n Reihen mit :| Die Straße frei Den braunen Bataillonen Die Straße frei Dem Sturmabteilungsmann! |: Es schau’n aufs Hakenkreuz voll Hoffnung schon Millionen Der Tag fĂŒr (der) Freiheit Und fĂŒr Brot bricht an :| Zum letzten Mal Wird Sturmalarm (/-appell) geblasen! Zum Kampfe steh’n Wir alle schon bereit! |: Schon (Bald) flattern Hitlerfahnen ĂŒber allen Straßen (ĂŒber Barrikaden) Die Knechtschaft dauert Nur noch kurze Zeit! :| Zum Abschluss wurde die erste Strophe wiederholt. </poem>

Historischer Hintergrund

Der Liedtext ist ohne eine relativ detaillierte Kenntnis der politischen VerhĂ€ltnisse in Deutschland um 1930, auf die Wessel sich bezieht, nur schwer verstĂ€ndlich. Dies liegt nicht nur an den Passagen, die sich in Wortwahl oder Intention auf Gegebenheiten beziehen, wie sie fĂŒr die spĂ€ten Jahre der Weimarer Republik typisch waren, sondern auch an gewissen sprachlichen und „technischen“ InkohĂ€renzen, auf die im Folgenden genauer eingegangen wird.

Der Begriff Rotfront bezeichnete im damaligen Sprachgebrauch die Kommunisten als die schĂ€rfsten Gegner der Nationalsozialisten bzw. der SA in den StraßenkĂ€mpfen, speziell die Kampforganisation der KPD, den Roten FrontkĂ€mpferbund. Die RotfrontkĂ€mpfer grĂŒĂŸten mit erhobener Faust und dem Ausruf „Rotfront“ (auch die Verbandszeitung hieß Die Rote Front). Der Ausdruck wird z. B. auch in dem bekannten Lied des Roten Wedding von Erich Weinert und Hanns Eisler verwendet.

FĂŒr den heutigen Leser, dem die Gleichsetzung von Nationalsozialismus und Rechtsextremismus selbstverstĂ€ndlich erscheint, mag es dagegen ĂŒberraschend erscheinen, dass Wessels Text die NSDAP mit dem Schlagwort Reaktion auch „nach rechts“ abgrenzt. Dies entsprach jedoch durchaus dem SelbstverstĂ€ndnis sehr vieler NSDAP-AnhĂ€nger und insbesondere der SA, die sich als Angehörige einer sozialrevolutionĂ€ren Bewegung in ebenso scharfem Gegensatz zu den konservativen und monarchistischen KrĂ€ften des BĂŒrgertums, etwa der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), sahen. Zwar kamen die Nationalsozialisten 1933 gerade in einer Koalition mit diesen „reaktionĂ€ren“ KrĂ€ften an die Macht (siehe Machtergreifung), und die sich sozialrevolutionĂ€r verstehenden Teile der Partei und der SA wurden 1934 im so genannten Röhm-Putsch ausgeschaltet. Dies hinderte die NSDAP aber nicht daran, das Horst-Wessel-Lied zur Partei- und zweiten Nationalhymne zu machen, die bei allen offiziellen Gelegenheiten abzusingen war.

Sinnbild der Inflationszeit: MilliardenbetrÀge im Alltag

Teils romantisierende, teils heroisierende Bilder mit AnklĂ€ngen an das MilitĂ€r und die Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts machen einen großen Teil des Textes aus und idealisieren dabei in erheblichem Maße den von außerordentlicher Gewaltbereitschaft geprĂ€gten politischen Alltag der Zeit. So endeten politische Versammlungen hĂ€ufig in StraßenkĂ€mpfen oder Saalschlachten, insbesondere zwischen den „Kampforganisationen“ der radikalen Parteien, aber auch mit der Polizei, bei denen es durchaus Verletzte und Tote geben konnte. In der Formulierung der von der „Reaktion“ erschossenen Kameraden klingt der Hitlerputsch von 1923 an. Die Anspielung auf Barrikaden, wie sie vor allem wĂ€hrend der Julirevolution von 1830 und der MĂ€rzrevolution von 1848 von den AufstĂ€ndischen gegen die staatliche Ordnungsmacht errichtet wurden, entspricht daher kaum der RealitĂ€t.

Ebenso suggeriert die Formulierung „braune Bataillone“, dass die SA in ihren braunen Uniformen grundsĂ€tzlich in großer zahlenmĂ€ĂŸiger StĂ€rke und mit militĂ€rischem Drill vorgegangen sei. TatsĂ€chlich drangen ihre Mitglieder ebenso oft mit kleinen, getarnten SchlĂ€gertrupps als Provokateure in Versammlungen politischer Gegner ein – eine Praxis, die in der polarisierten Lage wĂ€hrend der Weltwirtschaftskrise von vielen radikalen Gruppierungen geĂŒbt wurde.

Die Bezugnahmen auf den „Tag der Freiheit“ beziehungsweise das „Ende der Knechtschaft“ drĂŒcken ein in der Weimarer Republik weit verbreitetes diffuses GefĂŒhl aus, Opfer ungerechter VerhĂ€ltnisse zu sein. Das ĂŒberrascht insoweit, als die Republik ja die freiheitlichste Verfassung vorzuweisen hatte, die es in Deutschland bis dahin gegeben hatte. Die enormen sozialen, wirtschaftlichen und außenpolitischen Probleme, die sich vor allem infolge der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und des Versailler Vertrages ergeben hatten (Reparationen, Inflation, Ruhrbesetzung 1923 u. a.), fĂŒhrten zu Verschwörungstheorien aller Art und einer von breiten Bevölkerungsschichten geteilten Wahrnehmung einer UnterdrĂŒckung Deutschlands durch „das Ausland“, „das System“, „den Kapitalismus“, „das Judentum“ und so weiter.

Sprachliche und stilistische Mittel

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass der Text des Horst-Wessel-Liedes den Tonfall Ă€lterer Kampflieder verschiedener politischer Herkunft nachempfindet. Ganze Textfragmente finden sich bereits in StĂŒcken aus dem spĂ€ten 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert, wobei in der Forschung bis heute umstritten ist, inwieweit Wessel tatsĂ€chlich des Plagiats bezichtigt werden kann. Wilfried Kugel spekuliert in seiner Biographie des Schriftstellers Hanns Heinz Ewers, der Wessel anscheinend vom Studium kannte (1932 verfasste er einen Roman ĂŒber das Leben Horst Wessels), ĂŒber die Möglichkeit, dass Ewers der Ghostwriter fĂŒr den Text des Liedes gewesen sein könnte.[21]

Die Bedeutung, die dem Horst-Wessel-Lied seit 1933 zukam, wurde von vielen Deutschen – auch solchen, die ansonsten keine Gegner des NS-Regimes waren – kritisch gesehen oder zumindest gelegentlich bespöttelt. Dies lag zum Teil am Text selber, an dem verschiedene sprachliche SchwĂ€chen bemĂ€ngelt wurden: So bleibt zum Beispiel in dem Vers „Kam’raden, die Rotfront und Reaktion erschossen“ unklar, wer das handelnde Subjekt ist.

Die von Wessel bewusst oder unbewusst eingesetzten archaisierenden Stilelemente, wie zum Beispiel der „R“-Stabreim der ersten Strophe (bei Reihen, ruhig, Kam’raden, Rotfront, Reaktion und wiederum Reihen) wurden, insbesondere in der Kombination mit einer AbkĂŒrzung des modernen Sprachgebrauchs (SA), als Stilbruch empfunden.

Die zweite Strophe setzt mit der Wiederholung des Befehls Die Straße frei! ein sehr starkes Stilmittel ein. Da der Textzusammenhang drei Personengruppen erwĂ€hnt, wĂ€re im Sinne einer Intensivierung der Gesamtaussage auch zu erwarten, dass die Anzahl dieser Personen im vertrauten Dreischritt ansteigt, also der Einzelne (Sturmabteilungsmann), die Gruppe der VorkĂ€mpfer (braune Bataillone) und schließlich das ganze deutsche Volk (Millionen). Wessel verzichtet auf dieses sehr bekannte Stilmittel, um das Reimschema nicht brechen zu mĂŒssen, riskiert aber dadurch eine unfreiwillig komische Antiklimax.

Der Stil des Horst-Wessel-Liedes wurde unter anderem auch deswegen kritisiert, weil er solche VersatzstĂŒcke in nicht immer ĂŒberzeugender Weise zusammenfĂŒhrt. So ist die Forderung nach Freiheit und Brot eine typische Formel sozialrevolutionĂ€rer Bewegungen. Das Brot steht hier als pars pro toto fĂŒr den Wunsch nach Linderung materieller Nöte, wobei die rhetorische Figur dazu dient, den werttheoretischen Unterschied solcher ganz konkreten AnsprĂŒche zum abstrakt-philosophischen Begriff der Freiheit auszugleichen. Ebenso verwenden Texte, die politische Visionen thematisieren, gerne das Motiv (Topos) des anbrechenden Tages der Freiheit. Wessels Worte kombinieren diese beiden bereits etablierten Wendungen in einer Weise, die zwar bekannte Assoziationen und Emotionen wecken soll, aber stilistisch wenig ĂŒberzeugt, zumal aus metrischen GrĂŒnden zweimal die PrĂ€position fĂŒr eingeschoben wurde.

Die mit quasi-religiöser Inbrunst vorgetragene Verherrlichung der eigenen Symbole gehört ebenfalls zum typischen Repertoire politischer Kampflieder. Im Horst-Wessel-Lied fĂ€llt vor allem in der zweiten Strophe auf, dass das Hakenkreuz als Ausdruck der „Hoffnung von Millionen“ eine Rolle zugewiesen bekommt, wie sie in Europa traditionell nur dem christlichen Kreuzsymbol eingerĂ€umt wurde.

FĂŒr den aus einem religiös geprĂ€gten familiĂ€ren Umfeld stammenden Wessel, dessen Vater evangelischer Geistlicher war, mag die Verwendung solcher sprachlichen Bilder naheliegend gewesen sein.

Victor Klemperer formuliert in seinem 1947 erschienenen Werk LTI – Notizbuch eines Philologen seine „Notizen eines Philologen“ zu Sprache und Stil des Liedes:

„Es war alles so roh, so armselig, gleich weit von Kunst und Volkston entfernt – „Kameraden, die Rotfront und Reaktion erschossen, / Marschieren in unseren Reihen mit“: das ist die Poesie des Horst-Wessel-Liedes. Man muß sich die Zunge zerbrechen und RĂ€tsel raten. Vielleicht sind Rotfront und Reaktion Nominative, und die erschossenen Kameraden sind im Geist der eben marschierenden „braunen Bataillone“ anwesend; vielleicht auch – das „neue deutsche Weihelied“, wie es im amtlichen Schulliederbuch heißt, ist bereits 1927 von Wessel gereimt worden –, vielleicht, und das kĂ€me der objektiven Wahrheit nĂ€her, sitzen die Kameraden einiger verĂŒbter Schießereien halber gefangen und marschieren im eigenen sehnsĂŒchtigen Geist mit ihren SA-Freunden zusammen
 Wer von den Marschierenden, wer im Publikum wĂŒrde wohl an solche grammatischen und Ă€sthetischen Dinge denken, wer sich wegen des Inhalts ĂŒberhaupt Kopfschmerzen machen? Die Melodie und der Marschtritt, ein paar fĂŒr sich bestehende Einzelwendungen und Phrasen, die sich an die „heroĂŻschen Instinkte“ wenden: „Die Fahne hoch! 
 Die Straße frei dem Sturmabteilungsmann 
 Bald flattern Hitlerfahnen 
“: genĂŒgte das nicht zum Hervorrufen der beabsichtigten Stimmung?“

– Victor Klemperer: LTI – Notizbuch eines Philologen Aufbau-Verlag, Berlin 1947, S. 259f.

Lateinische Übersetzungen

Wie Klemperer zeigt, kann eine philologische Zergliederung des Textes auch auf eine politische Kritik hinauslaufen. Walter Jens erinnert sich an eine solche Kritik: Der Lehrer Ernst Fritz am Hamburger Johanneum ließ seine elfjĂ€hrigen SchĂŒler, darunter Jens, im Jahre 1934 das Horst-Wessel-Lied ins Lateinische ĂŒbersetzen. Dabei zielte er auf die angesprochene Uneindeutigkeit der Konstruktion „die Rotfront und Reaktion erschossen“. Diese muss im Lateinischen nach einer Richtung, also als Nominativ oder Akkusativ, aufgelöst werden. Fritz ließ seine SchĂŒler beide Möglichkeiten ausprobieren, was zwei völlig verschiedene politische Aussagen ergibt. Dazu kamen Anspielungen auf die mehrdeutige Zeitform von „erschossen“:

„So nahm er, das werde ich nie vergessen, im Latein-Unterricht das Horst-Wessel-Lied durch: ‚Kameraden, die Rotfront und Reaktion erschossen, marschier’n im Geist in unsern Reihen mit‘ – wer erschießt hier wen? Die Kameraden die Rotfront – das kann Horst Wessel doch nicht gemeint haben. Umgekehrt klingt's aber Ă€ußerst mißglĂŒckt. Sei dem, wie dem sei, wir wollen das Lied ins Lateinische ĂŒbersetzen: Sodales qui necaverunt oder: Sodales qui necati sunt oder vielleicht sogar: Sodales qui necabant – andauernde Vergangenheit, das heißt: die Kameraden von der SA töten immer noch. Das war politische Grammatik.“

– Walter Jens: Und bleibe, was ich bin: ein Scheiß-Liberaler.[22]

Eine vollstĂ€ndige lateinische Übersetzung des Horst-Wessel-Liedes, die im Jahrgang 1933 der Zeitschrift Das humanistische Gymnasium erschien, löste die oben angesprochenen Uneindeutigkeiten in die von Wessel intendierte Richtung auf. Der Autor, Arthur Preuß, gab den Text in einer geradlinigen, metrisch gebundenen, aber auf die gĂ€ngige Melodie nicht singbaren Fassung wieder. Die beiden Verse, die Ernst Fritz fĂŒr seine Kritik benutzt hatte, lauten bei ihm:

„Et quos rubra acies adversaque turba cecidit,
Horum animae comites agmina nostra tenent.“

– Das humanistische Gymnasium, 44. Jahrgang, 6. Heft, S. 235.

Neben dieser „neulateinischen“ Version des Horst-Wessel-Liedes, die mit Neologismen wie „rubra acies“ (‚rote Schlachtreihe‘ = Rotfront) und „adversa turba“ (‚widrige Menge‘ = Reaktion) aufwartete, enthielt der Jahrgang weitere Übersetzungen von deutschen Gedichten ins Lateinische, etwa von Goethe, Eichendorff und Hölderlin.[23] Und diese Latinisierung der NSDAP-Hymne war kein Einzelfall: Eine weitere lateinische Übersetzung des Liedes, von LateinschĂŒlern aus Amöneburg angeregt, erschien im Völkischen Beobachter; beide Werke wurden 1934 in der Zeitschrift Societas Latina, die sich der Förderung von Latein als lebendige Sprache verschrieben hatte, nachgedruckt.[24]

Das rechte Theorieorgan Etappe druckte im Jahr 2001 die oben erwĂ€hnte lateinische Version des Horst-Wessel-Liedes, angeblich als Satire, unter der Rubrik Culturcuriosa, Folge 1 ab.[25] Im Zuge einer Kontroverse um die geplante Ernennung des CDU-Politikers Peter D. Krause zum thĂŒringischen Kultusminister wurde dies aufgegriffen, da auch Krause zu der Zeit in der Etappe publizierte.[26]

VerhÀltnis von Text und Melodie

Nicht nur Wessels Text selbst, sondern auch seine Verbindung mit der schon vorher bekannten Melodie fĂŒhrte zu Verwerfungen, die als StilblĂŒten belĂ€chelt wurden. Besonders hĂ€ufig wird darauf hingewiesen, dass in der Eröffnungszeile der Text „Die Fahne hoch!“ gegen eine abwĂ€rts gerichtete Melodie gefĂŒhrt wird. Da das Versmaß nicht so konsequent durchgehalten ist wie normalerweise bei Hymnen und Marschliedern ĂŒblich, ergeben sich im Kontext des musikalischen Verlaufs teils unsinnige Betonungen auf bedeutungsmĂ€ĂŸig untergeordneten Silben. Am deutlichsten wird dies bei dem Wort „dauert“ in der letzten Strophe.

Da die Propaganda der NSDAP unter der FĂŒhrung von Joseph Goebbels sich jedoch dazu entschlossen hatte, Wessel als „MĂ€rtyrer der Bewegung“ und Identifikationsfigur fĂŒr den „einfachen Mann aus dem Volk“ zu stilisieren, setzte sie sich bewusst ĂŒber solche als „bildungsbĂŒrgerlich“ abgewertete Kritik hinweg.

Verbreitung und propagandistische Nutzung

Die Rolle Joseph Goebbels’

Zur Verbreitung des Horst-Wessel-Liedes hat besonders Joseph Goebbels beigetragen. Ein wichtiges Mittel war die VerklÀrung des Autors zum MÀrtyrer und seine Darstellung als Ikone der nationalsozialistischen Bewegung.

In einem Nachruf bezeichnete Goebbels Wessel als „Christussozialisten“ und ĂŒbertrug Attribute der Christusfigur, vom letzten Abendmahl bis zum Ecce homo, auf ihn: Er habe „den Kelch der Schmerzen bis zur Neige ausgetrunken [
] Dies Leiden trinke ich meinem Vaterland! [
] Sehet, welch ein Mensch!“[27] Diese Vermischung von Passion und vaterlĂ€ndischem Kampf konnte sich nicht nur auf die Familiengeschichte, sondern auch auf die oben erwĂ€hnten religiösen Elemente im Text des Liedes selber stĂŒtzen. Sie hatte besonders fĂŒr die Verehrung von Horst Wessel unter den Deutschen Christen Folgen: Das Horst-Wessel-Lied wurde nicht nur als Kampflied der SA und bei Massenveranstaltungen der NSDAP gesungen, sondern erklang zum Beispiel auch 1933 bei einer Trauerfeier fĂŒr einen toten SA-FĂŒhrer vom Glockenspiel der Parochialkirche in Berlin.[28]

Kanonisierung und Ritualisierung

Aufgrund der propagandistischen Anstrengungen von Goebbels konnte sich das Lied in nationalsozialistischen Kreisen rasch ausbreiten. Ein deutliches Indiz dafĂŒr sind die zahlreichen Textvarianten und Zusatzstrophen, die Broderick in seiner umfassenden Quellenrecherche nachweist.

Nach der MachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten endete diese erste, „wilde“ Phase der Ausbreitung. Nun wurde das Werk sehr schnell in den offiziellen Kanon von Partei und Staat aufgenommen und seine AuffĂŒhrung in hohem Maße reguliert und ritualisiert. So verlangt eine Anweisung von 1934 eine Verbindung mit dem Hitlergruß: „Die 1. und 4. Strophe dieses neuen deutschen Weiheliedes werden mit erhobenem rechten Arm gesungen“.[29] Bei allen Partei- und Staatsfeiern begleitete nun das Horst-Wessel-Lied in der geschilderten Form die erste Strophe des Deutschlandliedes. Wer sich am Absingen nicht beteiligte, nicht aufstand, den Hitlergruß nicht zeigte oder in anderer Weise gegen die Anweisungen verstieß, etwa die Melodie als Tanzmusik nutzte, war von massiven Sanktionen wie Anprangerung, SchlĂ€gen oder auch Verhaftung bedroht.[30] Insbesondere in den Schulen musste das Lied regelmĂ€ĂŸig gesungen werden, jeweils unmittelbar nach der ersten Strophe des Deutschlandliedes. Ein Erlass des Reichsinnenministers Wilhelm Frick von 1934 verlangte: „Zu Beginn der Schule nach allen Ferien und zum Schulabschluß vor allen Ferien hat eine Flaggenehrung vor der gesamten SchĂŒlerschaft durch Hissen bzw. Niederholen der Reichsfahnen unter dem Singen einer Strophe des Deutschland- und Horst-Wessel-Liedes stattzufinden.“[31] Zahlreiche Biografien von Zeitgenossen belegen die Nachwirkungen solcher PflichtauffĂŒhrungen.

Die Verwendung in Schulen betraf nicht nur das rituelle Absingen des Liedes bei Festlichkeiten. Den SchĂŒlern wurden Mythen ĂŒber die Entstehungszeit und Wirkung des Werkes und ĂŒber dessen Autor vermittelt. So wird in einem Geschichtsbuch aus dem Jahr 1942 die Rolle Wessels und des Liedes in der Zeit der StraßenkĂ€mpfe mit der Rotfront folgendermaßen geschildert:

„Polizei erschien. Horst Wessel mußte aufhören; aber unerschrocken schloß er noch die Kundgebung mit einem Sieg-Heil auf seinen FĂŒhrer, und bei Hinausgehen brauste ein Lied durch den Saal, das allen wie Feuer in die Seele drang: – Die Fahne hoch! Die Reihen fest geschlossen! – Horst Wessel hatte es gedichtet. – In den nĂ€chsten Tagen ließen sich die HĂ€lfte seiner Arbeitskameraden in die Nationalsozialistische Partei aufnehmen. Auch Richard war dabei. Bei den Kommunisten aber tobten die AnfĂŒhrer. Wieder hatten sich 15 Mitglieder von ihnen losgesagt. Die Worte Horst Wessels hatten sie bekehrt.“

– Heinrich Hausmann, Reinhold Thiele, Adolf Kroll: Sie alle bauten Deutschland – Ein Geschichtsbuch fĂŒr die Volksschule. Deutscher Schulverlag, Berlin 1942, 2. Auflage 1943.

Der Konflikt um das Urheberrecht

Die Geschichte des Liedes im Nationalsozialismus verlief nicht konfliktfrei. So unternahmen die Hinterbliebenen Wessels, vor allem seine Schwester Ingeborg, erhebliche Anstrengungen, von dem Werk Wessels und seiner rasanten Karriere zu profitieren. Einen hagiografischen Bildband ĂŒber Horst Wessel[32] sowie weitere biografische Schriften konnte sie in zahlreichen Auflagen im Parteiverlag der NSDAP publizieren, aber ihr „Versuch, 1933 eine Spieldose der Marke Organino mit der Melodie des Liedes auf den Markt zu bringen, wurde von höherer Parteistelle untersagt“.[33]

Um die Melodie entbrannte zudem ein Urheberrechtsstreit durch drei gerichtliche Instanzen zwischen zwei Verlagen. Eine „Kommandit-Gesellschaft“ hatte ein Arrangement des Werkes ohne Text, aber unter dem Titel Horst-Wessel-Lied veröffentlicht; der Sonnwend-Verlag, der eigenen Angaben nach die Verwertungsrechte von Wessels Hinterbliebenen erworben hatte, verklagte die Kommandit-Gesellschaft daraufhin wegen einer Urheberrechtsverletzung. In der Sache musste entsprechend geklĂ€rt werden, ob Horst Wessel als Urheber nicht nur des Texts, sondern auch der Melodie anzusehen sei. Die höchste Instanz, das Reichsgericht in Leipzig, entschied schließlich am 2. Dezember 1936, dass Wessel nicht Komponist des Liedes sei. Das erkenne man bereits an den Diskrepanzen zwischen Text und Melodie:

„Vor allem werde sich ein KĂŒnstler mit starkem musikalischen GefĂŒhl bei der Vertonung den Worten weit mehr anpassen, als es der Vertoner des Liedes ‚Die Fahne hoch‘ getan habe. Schon der Anfang zeige ein auffallendes Auseinandergehen von Wort und Ton: Der Text ‚Die Fahne hoch‘ weise auf eine Bewegung nach oben hin, die Melodie jedoch bewege sich (ohne ersichtliche Notwendigkeit) gerade abwĂ€rts.“[34]

Andererseits meinte das Gericht, bei der urheberrechtlichen WĂŒrdigung sei auch die „Wirkung auf das Volk im großen, der Widerhall, den die Tonschöpfung findet, die Stimmung, die sie erzeugt“, zu berĂŒcksichtigen.[35] Daher mĂŒsse Wessel, wenn schon nicht der Schutz des Urhebers der Melodie, so doch der Schutz des musikalischen Bearbeiters einer Volksweise zugesprochen werden. Mit diesen Hinweisen verwies das Reichsgericht den Fall an die Vorinstanz zurĂŒck. Ernst Fraenkel hat in seinem Doppelstaat diese Gerichtsentscheidung als Beispiel dafĂŒr angefĂŒhrt, dass, wo es um den Schutz des Privateigentums ging, der „Normenstaat“ im NS-Regime weiter existierte.[36]

Die Recherchen und Veröffentlichungen im Zuge der Prozesse erschienen dem Reichspropagandaministerium störend. Goebbels entschied, weitere Querelen zu unterbinden: „Ich stoppe die Prozesse ab“ (Tagebucheintrag, 30. Juni 1937).

1940 verbot das Propagandaministerium schließlich alle AuffĂŒhrungen dieses „durch Tradition und Inhalt geheiligten“ Liedes außerhalb offizieller Veranstaltungen, etwa in GaststĂ€tten, durch Straßenmusikanten oder in „sogenannten nationalen Potpourris“, was auch fĂŒr die Melodie ohne oder mit geĂ€ndertem Text galt.

Kopplung mit anerkannter Kunstmusik

Die nationalsozialistische Propaganda bevorzugte in der Zeit des NS-Staates feierliche, monumentalisierende Nutzungen des Liedes, wie beispielhaft in dem bekannten Propagandafilm Triumph des Willens realisiert: Die Filmmusik von Herbert Windt zitiert zunĂ€chst die OuvertĂŒre der Meistersinger von Richard Wagner und geht dann fließend und fast unmerklich in die Melodie des Horst-Wessel-Lieds ĂŒber. Eine solche Kopplung mit anerkannter Kunstmusik adelte das Lied und entzog es dem profanen Gebrauch. Ein spĂ€tes Zeugnis solcher Versuche stellt eine viersĂ€tzige Sinfonie von Friedrich Jung nach klassisch-romantischen Mustern dar, die 1942 im MĂŒnchner Odeon uraufgefĂŒhrt wurde: Sie zitiert das Horst-Wessel-Lied in einem Streichersatz.

HĂ€ufiger und leichter zu realisieren waren jedoch rein „Àußerliche“ Kopplungen. So wurden AuffĂŒhrungen klassischer und romantischer musikalischer Werke, die in der Kulturpolitik der Nationalsozialisten keine geringe Rolle spielten, gern durch Deutschlandlied und Horst-Wessel-Lied eingeleitet. Ein bekannt gewordenes Beispiel dafĂŒr ist eine AuffĂŒhrung der Achten Sinfonie Anton Bruckners wenige Tage nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Österreich durch Hans Knappertsbusch.[37]

Eine ganz spezielle Form der Kopplung nutzte Goebbels fĂŒr die Rundfunk-Sondermeldungen aus dem Russlandfeldzug im Rundfunk. Wie er am Tag des Überfalls auf die Sowjetunion, dem 22. Juni 1941, seinem Tagebuch anvertraute, hatte er in der Nacht Experimente mit unterschiedlichen musikalischen Motiven fĂŒr die Erkennungsmelodie anstellen lassen, unter anderem auch mit solchen aus dem Horst-Wessel-Lied. Das Ergebnis war, dass man bei der Fanfare aus Franz Liszts PrĂ©ludes (Russland-Fanfare) blieb, allerdings „zuzĂŒglich eines kurzen Motivs aus dem Horst Wessel Lied“.[38]

Konservierung eines historischen Moments zum Staatssymbol

Einzelheiten des Textes (insbesondere die oben bereits angesprochene Zeile ĂŒber „Rotfront und Reaktion“) waren nach einigen Jahren nationalsozialistischer Herrschaft fĂŒr viele jĂŒngere Deutsche nicht mehr ohne weiteres verstĂ€ndlich und auch nicht in allen FĂ€llen politisch opportun. Goebbels dachte in diesem Zusammenhang 1937 ĂŒber eine Neufassung nach, verzichtete aber letztlich wegen der breit etablierten Verwendung des Liedes darauf.[39] Die auf die spĂ€ten 1920er-Jahre bezogenen Textteile wirkten nun, da das Lied keine unmittelbar werbende Funktion mehr auszuĂŒben brauchte, eher als Zeitkolorit: Das Werk beschwor mit AuthentizitĂ€t suggerierenden Details die Erinnerung an die Gemeinschaft der „Kampfzeit“ samt dem am Ende stehenden Sieg des Nationalsozialismus. Die beschriebene Kampfsituation ließ sich spĂ€ter auch auf den Krieg ĂŒbertragen. Das Lied war in dieser Zeit somit fĂŒr neue propagandistische Anforderungen verwendbar.[40]

Die propagandistische Stilisierung des Horst-Wessel-Liedes zum Heiligtum lĂ€sst sich einordnen in eine Reihe anderer, Ă€hnlich besetzter Symbole, etwa die Blutfahne, die angeblich Blutspritzer eines beim Hitlerputsch getöteten Nationalsozialisten aufwies. In all diesen FĂ€llen wurden historische Momente des Kampfes konserviert und zu quasi-religiösen Symbolen des NS-Staates aufgewertet. Dieses Verfahren ist, unbeschadet der erheblichen inhaltlichen und formalen Unterschiede, nicht ungewöhnlich (auch die französische Marseillaise konserviert einen – freilich ganz anders gearteten – historischen Augenblick des Kampfes zum Staatssymbol). AuffĂ€llig sind aber die starken religiösen Akzente und der erhebliche Anteil der bewussten propagandistischen Inszenierung.

Politische Verwendung außerhalb Deutschlands

Das Lied war in den 1920er- und 1930er-Jahren auch die Hymne der finnischen faschistischen Partei IsÀnmaallinen Kansanliike sowie der British Union of Fascists.

Das Horst-Wessel-Lied nach 1945

Unmittelbar nach Kriegsende wurde das Horst-Wessel-Lied auf dem gesamten Gebiet des besiegten Deutschen Reiches durch Gesetz Nr. 1 des Alliierten Kontrollrats verboten. Dasselbe galt nicht nur fĂŒr alle nationalsozialistischen Lieder, sondern ausdrĂŒcklich auch fĂŒr das Deutschlandlied. Erst 1949 wurden die entsprechenden Gesetze aufgehoben. Das Horst-Wessel-Lied blieb jedoch in Deutschland und Österreich verboten: in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund der §§ 86 und 86a StGB, in der DDR aufgrund § 220 des Strafgesetzbuchs (zunĂ€chst „Staatsverleumdung“, spĂ€ter „Öffentliche HerabwĂŒrdigung“), in Österreich aufgrund des Verbotsgesetzes von 1947.

Gesungen

Durch die regelmĂ€ĂŸigen AuffĂŒhrungen im nationalsozialistischen Deutschland hatte das Lied freilich tiefe Spuren im GedĂ€chtnis hinterlassen und war keineswegs vergessen. Es gibt aber keine Statistik ĂŒber AuffĂŒhrungen des verbotenen Liedes nach 1945, lediglich einige Einzelfallberichte.

So berichtet der Journalist Otto Köhler, dass bei einem Traditionstreffen eines FallschirmjĂ€gerverbandes in WĂŒrzburg 1955 nacheinander die erste Strophe des Deutschlandliedes und der Anfang des Horst-Wessel-Liedes gesungen worden seien – freilich nur die erste Zeile, dann habe die Musikkapelle zum FallschirmjĂ€gerlied gewechselt.[41]

1957 wurde das Horst-Wessel-Lied mehrfach von angetrunkenen StaatsanwĂ€lten, darunter dem Ersten Staatsanwalt bei der Schleswig-Holsteinischen Generalstaatsanwaltschaft Kurt Jaager, in RĂ€umen des Oberlandesgerichts in Schleswig „gegrölt“[42], unter anderem auch zur Mittagszeit in der Kantine des Oberlandesgerichts[42]. Nur der mittlerweile schon pensionierte Jaager musste Konsequenzen erdulden: Dieser habe sich "durch sein zu missbilligendes Verhalten des Anrechts begeben, auf seiner frĂŒheren Dienststelle empfangen und begrĂŒĂŸt zu werden".[42]

Bei einer Gesangsprobe 1986 in Lingen stimmten die SĂ€nger als „Rausschmeißer“ eine Parodie des Horst-Wessel-Liedes mit unpolitischem Text an, und zwar so laut, dass eine SpaziergĂ€ngerin es hörte und einen Leserbrief an die Lokalzeitung schrieb. Die folgende juristische Auseinandersetzung ging bis zum Oberlandesgericht und fĂŒhrte zu der heute gĂŒltigen Rechtsprechung, dass auch das Vortragen der Melodie schon fĂŒr sich strafbar sei. BegrĂŒndet wurde dies mit allgemeinen politischen ErwĂ€gungen, insbesondere der Notwendigkeit, ein friedliches und stabiles politisches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.[43]

Im Zusammenhang mit Neonazi-AktivitĂ€ten gab es gelegentlich Prozesse, in denen auch das Singen des Horst-Wessel-Liedes zu den VorwĂŒrfen zĂ€hlte. Dies gilt interessanterweise auch fĂŒr die DDR: In den Jahren 1987-1989 gab es 11 Prozesse gegen Rostocker Jugendliche nach § 220 des DDR-Strafgesetzbuchs, u.a. mit diesem Vorwurf.[44] Seit den 80er Jahren wurde das Horst-Wessel-Lied auch von Rechtsrock-Bands verarbeitet, außerdem kursieren diverse Remixe im Internet.

Der spektakulĂ€rste Vorfall in diesem Zusammenhang ereignete sich 2000 in Halberstadt. Ein 60-jĂ€hriger Rentner beschwerte sich bei der Polizei, in der Wohnung ĂŒber ihm werde lautstark eine Aufnahme des Horst-Wessel-Liedes abgespielt. Die Polizeibeamten verwarnten den 28-jĂ€hrigen Wohnungsinhaber, allerdings nur wegen Ruhestörung. Der Rentner drohte diesem, er werde ihn anzeigen, wenn er noch einmal „Nazimusik“ höre. SpĂ€ter kam es zu einem Zusammentreffen der beiden im Treppenhaus, bei dem der Musikhörer den Rentner erstach. Er machte Notwehr geltend und wurde freigesprochen, da weder dieses Argument widerlegt noch das Abspielen des Liedes nachgewiesen werden könne.[45]

Deutschlandlied und Horst-Wessel-Lied

Viele Menschen kannten die unmittelbare Aufeinanderfolge der ersten Strophe des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes gut aus der Zeit des Nationalsozialismus, wo sie insbesondere in den Schulen vielfach eingeĂŒbt worden war. Die so entstandene Kopplung der beiden Lieder erwies sich bei der Diskussion um eine neue Nationalhymne in der Bundesrepublik Deutschland als problematisch. Der BundesprĂ€sident Theodor Heuss setzte dem Wunsch Konrad Adenauers, die dritte Strophe des Deutschlandliedes zur Nationalhymne zu machen, 1952 u. a. mit folgender BegrĂŒndung Widerstand entgegen:

„Sie haben recht: ich wollte vermieden wissen, daß in öffentlichen Veranstaltungen mit einem vaterlĂ€ndischen Akzent, gleichviel wie ihre Ausdehnung oder wie ihr Rang sei, ein Mißklang ertöne, weil sehr, sehr viele Menschen unseres Volkes Haydns große Melodie nur eben als Vorspann zu dem „dichterisch“ und musikalisch minderwertigen Horst-Wessel-Lied im GedĂ€chtnis haben, dessen banale Melodie den Marsch-Takt in ein Volksverderben abgab.“

– Theodor Heuss: Briefwechsel mit Adenauer 1952[46]

Heuss konnte sich mit seiner Kritik allerdings nicht durchsetzen.

FĂŒr DDR-BĂŒrger, die das Deutschlandlied lange nicht mehr als Nationalhymne erlebt hatten, konnte der gedankliche Konnex zwischen Deutschlandlied und Horst-Wessel-Lied noch wesentlich lĂ€nger fortbestehen. So schrieb der Buchautor Heinz Knobloch 1993:

„So kommt es, wenn ich heute das ‚Deutschlandlied‘ höre, hören muß, immer noch, daß es bei mir, sobald der letzte Ton verklungen ist, im Kopfe nahtlos weitergeht: ‚Die Fahne hoch!‘ Ich will das nicht! Es kommt von selber. So ist das, wenn eine neue Regierung sich nicht konsequent vom Alten trennen mag.“

– Heinz Knobloch: Knobloch 1993, S. 79.

Aber auch dem Hamburger Schriftsteller Ralph Giordano ging es noch 1994 so:

„...weil ich, unweigerlich und immer noch, nach dem letzten Ton der Nationalhymne das sich seinerzeit unter Hitler notorisch daran anschließende Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen des SA-Barden Horst Wessel fest im Ohr habe.“

– Ralph Giordano: Ostpreußen ade, 1994[47]

Als Chiffre, Zitat, Reminiszenz

In dem auf dem gleichnamigen Roman von Heinrich Mann basierenden deutschen Film Der Untertan aus dem Jahr 1951 wird neben der Wacht am Rhein und der Fanfare der Wochenschau im Zweiten Weltkrieg auch das Horst-Wessel-Lied zitiert. Da das Lied zum „musikalischen Inventar“ der NS-Zeit gehörte, entwickelte sich in der Nachkriegszeit die Praxis, es als akustische Kulisse in Filmen, Filmszenen und Hörspielen einzusetzen, die das Alltagsleben in Deutschland und Österreich zwischen 1933/1938 und 1945 darstellen. Überhaupt nur noch als musikalische Chiffre fĂŒr den (Neo-)Nazismus funktioniert das Horst-Wessel-Lied in entsprechenden Szenen aus Filmen wie Ralph Bakshis Die Welt in 10 Millionen Jahren (1977) oder John Landis’ Blues Brothers (1980).

Nicht nur als musikalische Chiffre, sondern auch als textliches VersatzstĂŒck wird das Horst-Wessel-Lied immer wieder zur Kennzeichnung rechtsextremer Bestrebungen verwendet. Die bekannteste Realisierung findet sich 1977 in Konstantin Weckers sehr erfolgreicher und populĂ€rer Ballade Willy. Der gesungene Refrain „Gestern hams den Willy derschlong“ weist keinerlei musikalische Referenzen zum Horst-Wessel-Lied auf. Der gesprochene Text erzĂ€hlt, wie „der Willy“ in einem Wirtshaus einen Gast ein Lied singen hört, „so was vom Horst Wessel“. Seine Reaktion „Halts Mei, Faschist!“ fĂŒhrt zum traurigen Ende: Er wird von dem Rechtsradikalen getötet. Vor allem das politisch-moralische Pathos des Vortrags und der Hauptfigur hat die Wirkung des StĂŒcks begrĂŒndet.

Neuere Verwendungen des Liedes sind meist durch den Werbe- und Provokationseffekt des Verbotenen motiviert. So ertönt auf dem 1987 erschienenen Album Brown Book der Gruppe Death in June als TitelstĂŒck eine Klangcollage, die das (vermutlich von Ian Read[48]) a cappella gesungene Horst-Wessel-Lied enthĂ€lt. Und auch Computerspiele wie Wolfenstein 3D und Return to Castle Wolfenstein verwenden die Melodie.

Eine ganz andere Rolle spielt das Lied in dem 1980 erschienenen Roman War and Remembrance des Amerikaners Herman Wouk. Dort denkt der Protagonist Aaron Jastrow wĂ€hrend des Transports in das KZ an das Lied: „Those early feelings flood over him. Ridiculous though he thought the Nazis were [in the mid-thirties], their song did embody a certain German wistfulness 
“ (RohĂŒbersetzung: ‚Diese frĂŒhen Empfindungen ĂŒberfluten ihn. So lĂ€cherlich er die Nazis [Mitte der dreißiger Jahre] auch fand, ihr Lied verkörperte doch eine gewisse deutsche Wehmut 
‘)[49]

Parodien

Vor 1933

Zu Beginn der 1930er-Jahre wurden Melodie und Textausschnitte des Wessel-Liedes so oft von kommunistischen und sozialdemokratischen Gruppierungen ĂŒbernommen und in deren Sinne umgedichtet, dass dies zu der Vermutung gefĂŒhrt hat, die eine oder andere dieser Versionen sei das eigentliche Original. Broderick weist jedoch in seiner Untersuchung nach, dass bis jetzt keine dieser Thesen ĂŒberzeugend belegt werden konnte. Meist handelt es sich um einzelne Wörter oder TeilsĂ€tze, die im jeweils gewĂŒnschten Sinne ausgetauscht oder umformuliert wurden, so beispielsweise, wenn aus „braunen“ die entsprechenden „roten Bataillone“ werden. Über diese politische „UmfĂ€rbungen“ hinaus scheint keine der ĂŒberlieferten Neutextierungen einen explizit kĂŒnstlerischen Anspruch verfolgt zu haben.

WĂ€hrend der NS-Zeit

In Ă€hnlicher Weise umgearbeitete Texte kursierten auch nach der Machtergreifung im Untergrund. Neu ist an dieser Art von Parodien, dass sie die von der nationalsozialistischen Herrschaft hervorgerufenen (oder zumindest nicht beseitigten) sozialen MissstĂ€nde anprangern und in vielen FĂ€llen die ungeliebten „Bonzen“ namentlich verspotten. Ein typisches Beispiel lautet etwa:

<poem> Die Preise hoch, die LĂ€den dicht geschlossen Die Not marschiert und wir marschieren mit Frick, Joseph Goebbels, Schirach, Himmler und Genossen Die hungern auch – doch nur im Geiste – mit </poem>

Mit der Entfesselung des Zweiten Weltkriegs durch das nationalsozialistische Deutschland Ă€nderte sich der Tenor solcher Parodien erneut. Ab 1939 und vor allem nach dem Beginn des Russlandfeldzuges Mitte 1941 wandten sich die parodistischen Texte (wie zum Beispiel ein von Erich Weinert verfasster) hauptsĂ€chlich gegen den „faschistischen Krieg“.

Eine sehr frĂŒhe Rezeption des Horst-Wessel-Liedes in der Literatur außerhalb des deutschen Sprachraumes bot der 1934 erschienene dystopische Roman A Cool Million des US-amerikanischen Autors Nathanael West: Hier geht es um einen gewissen Lemuel Pitkin, einen „All-American Boy“, der unter seltsamen UmstĂ€nden erschossen wird. Danach wird er zur Symbolfigur der faschistischen Bewegung des PrĂ€sidenten Shagpoke Whipple, die schließlich die Macht in den USA ĂŒbernimmt. Am Ende des Romans singt eine nach Hunderttausenden zĂ€hlende Parade amerikanischer Jugendlicher auf der Fifth Avenue den Lemuel Pitkin Song.

Der KĂ€lbermarsch

Eine der bekanntesten Parodien des Horst-Wessel-Liedes ist der KĂ€lbermarsch, ein StĂŒck aus Bertolt Brechts Schweyk im Zweiten Weltkrieg (1943). UrsprĂŒnglich sollte dieses Drama mit Musik von Kurt Weill am Broadway aufgefĂŒhrt werden. Weill hielt das jedoch nicht fĂŒr aussichtsreich, daher arbeitete Brecht mit dem Komponisten Hanns Eisler zusammen, der alle Songs vertonte. Die UrauffĂŒhrung fand erst 1957 im Theater der polnischen Armee in Warschau statt.

Das Lied wird in folgender Situation eingefĂŒhrt: Im MilitĂ€rgefĂ€ngnis in Prag befinden sich tschechische HĂ€ftlinge, die von den Deutschen zum MilitĂ€r eingezogen werden sollen. Nun wird das Horst-Wessel-Lied zweimal zitiert: zunĂ€chst als Marsch „von außen“, ĂŒber den sich die HĂ€ftlinge unterhalten („Das is eine grĂ€ĂŸliche Musik.“ - „Ich find sie hibsch, weil sie traurig is und mit Schmiß“), dann der leicht verĂ€nderte Refrain ohne Musik als „Übersetzung“. Schließlich trĂ€gt Schweyk den KĂ€lbermarsch vor, der immer im Wirtshaus Zum Kelch gesungen worden sei:

( Hörbeispiel?/i) Ausschnitt aus dem Refrain (Takte 12–17) des KĂ€lbermarsches
<poem> Hinter der Trommel her Trotten die KĂ€lber Das Fell fĂŒr die Trommel Liefern sie selber.
( Hörbeispiel?/i) Ausschnitt aus dem Refrain (Takte 12–17) des „KĂ€lbermarsches“

Der Metzger ruft. Die Augen fest geschlossen Das Kalb marschiert mit ruhig festem Tritt. Die KĂ€lber, deren Blut im Schlachthof schon geflossen Sie ziehn im Geist in seinen Reihen mit.

Sie heben die HĂ€nde hoch, Sie zeigen sie her Sie sind schon blutbefleckt Und sind noch leer. (Refrain)

Sie tragen ein Kreuz voran Auf blutroten Flaggen Das hat fĂŒr den armen Mann Einen großen Haken. (Refrain)</poem>

Die Strophen erhalten neuen Text und Melodie, wĂ€hrend sich der Refrain textlich und musikalisch auf das Horst-Wessel-Lied bezieht. Mittels Instrumentierung und Setzweise, sowie einer gegenĂŒber dem Original verĂ€nderten Rhythmik, Melodik und Harmonik wird hier ein brechtscher Verfremdungseffekt erreicht.

Die Begleitung durch zwei Klaviere, die durch speziell dafĂŒr prĂ€parierte Instrumente ausgefĂŒhrt wird, soll an ein altes mechanisches Klavier im Wirtshaus erinnern (siehe oben). Sie ist ungewöhnlich weit in den Bass gelegt, was dem Klangbild eine zusĂ€tzliche eigentĂŒmliche Wirkung verleiht. Die Begleitung ist bewusst noch monotoner als im Original gehalten. Die rhythmische Gleichförmigkeit wird verstĂ€rkt, indem die ursprĂŒnglich Schwung verleihende Punktierung beim AufwĂ€rtssprung des G zum E (Takt 2 im Notenbeispiel) weggelassen wird. Die gewohnte Harmonisierung in reinen DreiklĂ€ngen wird zum ersten Mal in Takt zwei durch den im Allgemeinen als relativ dissonant empfundenen ĂŒbermĂ€ĂŸigen Dreiklang (C+) durchbrochen. Besonders auffallend ist das „hartnĂ€ckige“ Festhalten am Leitton H in Takt fĂŒnf. Im Gegensatz zum Horst-Wessel-Lied, bei dem er dreimal erscheint, taucht er hier, fast penetrant, sechs Mal auf. Er löst sich auch nicht, wie zu erwarten wĂ€re, in ein C in Takt sechs auf, sondern bildet im ersten Viertel von Takt sechs einen erweiterten großen Septakkord. Hierbei ist es aufschlussreich, sich zu vergegenwĂ€rtigen, dass die mögliche Verwendung von ĂŒbermĂ€ĂŸigen Akkorden oder großen Septakkorden im Kontext der im Dritten Reich vorherrschenden anachronistischen Kunstideologie schwer vorstellbar erscheint (siehe hierzu den Abschnitt MusikĂ€sthetische Probleme). Das StĂŒck endet auf dem Dominantseptakkord C7, der nach „herkömmlichem“ MusikverstĂ€ndnis eigentlich nach einer Auflösung in die Tonika (hier F-Dur) verlangt. Die chromatische AbwĂ€rtsfigur des letzten Taktes löst dann nur noch zusĂ€tzliches Befremden und offene Fragen aus. Fast scheint es, als möchte die Musik dem Hörer mit den ihr eigenen, bescheidenen Mitteln sagen: „Dein geliebtes sinnliches Klangbild, den treibenden Rhythmus, den gewohnten Abschlusstriumph in reinem C-Dur, und ungetrĂŒbte reine Akkorde gönne ich dir nicht. Die wirklichen Folgen dieses Liedes in der RealitĂ€t sind nĂ€mlich ganz und gar nicht harmonisch.“

Brechts Text greift die militĂ€rischen Bilder des Horst-Wessel-Liedes auf, wendet aber ihr Pathos mit dem Bild des Schlachthofs ins Groteske. Dieser Eindruck wird durch das Springen zwischen Metapher und nicht-bildlicher Sprechweise noch verstĂ€rkt: Die KĂ€lber „heben die HĂ€nde hoch“ (eine Anspielung auf den Hitlergruß) und „tragen ein Kreuz voran“. Dem entspricht das Springen zwischen den KĂ€lbern als willigen Opfern des Metzgers und den TĂ€tern im Schlachthof („blutbefleckte HĂ€nde“), die beide ununterscheidbar mit dem Pronomen „sie“ angesprochen werden. Zwei weitere Bildebenen werden ebenfalls mit Bezug auf das Horst-Wessel-Lied eingefĂŒhrt: Das Essen spielt, wie im gesamten Drama, eine entscheidende Rolle (Fleisch statt des pathetisch aufgeladenen Brotes wie bei Wessel). Das Versprechen auf Fleisch wird aber nicht eingelöst (die HĂ€nde „sind noch leer“). Der religiöse Aspekt, der bereits mit Fleisch und Kelch angedeutet war und im Drama immer wieder erscheint, wird mit dem vorangetragenen „Kreuz“ angesprochen und prompt wieder mit einem umgangssprachlichen Bild zerstört („hat [
] einen großen Haken“).

Dem heroisierenden Gestus des Horst-Wessel-Liedes steht im SĂ€nger des KĂ€lbermarsches nicht ein Heroismus des Widerstands gegenĂŒber, sondern der kalkulierende Materialismus des „kleinen Mannes“, durch den die großen Worte ins Absurde gezogen werden. Dies korrespondiert mit der musikalischen Realisierung Eislers, welche sich ebenfalls einer heroischen Auflösung nach der „anderen Seite“ verweigert.

Es gibt eine weitere Vertonung des KĂ€lbermarschs durch Paul Dessau 1943, die unter dem Titel Horst-Dussel-Lied bekannt ist. Auch Dessau nutzte die Melodie des Horst-Wessel-Liedes fĂŒr den Refrain, unterlegte aber das C-Dur der Melodie mit einem Bass im harmonisch weitestmöglich entfernten, im Tritonus-Abstand stehenden Ges-Dur. Durch die auf diese Weise entstehenden fortgesetzten Dissonanzen denunzierte Dessau Albrecht DĂŒmling zufolge das Lied als „falsch“.[50]

Im politischen Witz

Zitate aus dem in der Zeit des Nationalsozialismus allgegenwĂ€rtigen Horst-Wessel-Lied oder zumindest Anspielungen darauf spielten auch eine bedeutende Rolle im damaligen Kabarett (Weiß Ferdl, Werner Finck) sowie im politischen Witz. So wurde zum Beispiel, als Goebbels im Zusammenhang mit der AufrĂŒstung des Dritten Reiches 1935 die Parole Kanonen statt Butter ausgab (womit gesagt werden sollte, dass die Produktion von KonsumgĂŒtern hinter den Interessen der RĂŒstungsindustrie zurĂŒckzustehen habe), von WitzerzĂ€hlern umgehend die „Horst-Wessel-Butter“ erfunden („marschiert im Geist auf unseren Broten mit“, in Anspielung auf die letzte Zeile der ersten Strophe).

Ebenfalls in Anspielung auf diese Zeile, sprachen die Soldaten der Wehrmacht in ihrer deftigen Soldatensprache von „Horst-Wessel-Suppe“, wenn diese als Bestandteil der Feldverpflegung wieder mal sehr dĂŒnn ausgefallen war und Inhalte wie Fleisch, etc. lediglich in der Phantasie der Esser vorhanden waren.

Casablanca und Der Fuehrer’s Face

In der berĂŒhmten Gesangskrieg-Szene des 1942 entstandenen Films Casablanca werden die singenden deutschen Offiziere von den GĂ€sten in Rick’s CafĂ© AmĂ©ricain ĂŒbertönt, als letztere die Marseillaise anstimmen. UrsprĂŒnglich war geplant, die Deutschen das Horst-Wessel-Lied singen zu lassen, was im Kontext wohl eine angemessene Wahl gewesen wĂ€re. Die Produzenten nahmen von dieser Idee aber aufgrund urheberrechtlicher Bedenken Abstand. Im Film singen die Offiziere daher Die Wacht am Rhein, ein patriotisches Lied aus der Kaiserzeit, das hier als Symbol der Gewalt und UnterdrĂŒckung fungiert.

Ähnliche urheberrechtliche ErwĂ€gungen standen im Raum, als die Walt-Disney-Studios 1942, nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg, den Propaganda-Zeichentrickfilm Der Fuehrer’s Face produzierten. Der Film stellt das armselige Leben von Donald Duck in Nutzi Land dar. Eine offensichtlich die SA persiflierende Blaskapelle intoniert das titelgebende Lied, das von dem seinerzeit sehr beliebten Parodisten und Bandleader Spike Jones und seinen City Slickers eingespielt worden war. Obwohl Der Fuehrer’s Face weder auf den Text noch die Melodie des Wessel-Liedes direkten Bezug nimmt, wurde das Lied unmittelbar als Parodie aufgefasst, deren Machart um so blasphemischer war, als sie die „Entweihung“ nationalsozialistischer Ikonen mit geradezu kindlich-leichtfertigem FĂ€kalhumor betrieb.

Nach 1945

In der unmittelbaren Nachkriegszeit, als das Horst-Wessel-Lied im Bewusstsein der Zeitgenossen noch lebendig war, wurden weitere Parodien erdacht. Sie formulierten, Ă€hnlich wie in den vorhergegangenen Jahren, unter Verwendung von Melodie, Versmaß und Textfragmenten des einstigen „nationalen Heiligtums“ Kommentare zu tagesaktuellen Problemen. Das seitens des Alliierten Kontrollrats bereits ergangene Verbot und die zunehmende Tabuisierung aller mit der Nazizeit verbundenen individuellen Erinnerungen verhinderten eine kĂŒnstlerische Reflexion ĂŒber das noch vor kurzer Zeit weit verbreitete Lied.

Nur selten riskieren KĂŒnstler, denen in ihrem jeweiligen Umfeld ein gewisser Enfant-terrible-Status zugestanden wird, ein Zitat aus Text oder Melodie des durch die deutsche Geschichte diskreditierten Liedes. So verarbeitete der Komponist Karlheinz Stockhausen in seinem 1967 entstandenen Werk Hymnen Aufnahmen von Nationalhymnen verschiedener LĂ€nder, darunter des Horst-Wessel-Liedes, als konkrete KlĂ€nge zusammen mit elektronischen KlĂ€ngen.

Vergleichbare Hymnen

Quellenangaben

  1. ↑ Stanislao G. Puliese (Hrsg.): Italian Fascism and Anti-Fascism. A Critical Anthology. Manchester University Press 2001. ISBN 0-7190-5639-X. Hier: S. 18 und 54–55.
  2. ↑ Joseph MĂŒller-Blattau: Das Horst-Wessel-Lied. In: Die Musik 26, 1934, S. 327.
  3. ↑ Urteil des Oberlandesgerichts Oldenburg vom 5. Oktober 1987, Aktenzeichen Ss 481/87, Fundstelle: NJW 1988, 351
  4. ↑ Urteil des Bayerischen Obersten Landesgerichts vom 15. MĂ€rz 1989, Aktenzeichen 3 St 133/88, Fundstelle: NJW 1990, 2006
  5. ↑ EzSt § 86a Nr. 2; MDR/S 84, 184
  6. ↑ Die „offizielle“ Version im Liederbuch der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei findet sich auf der Militaria-Website USMBOOKS.com, siehe http://usmbooks.com/images/NSLied3.jpg.
  7. ↑ Alfred Weidemann: Ein VorlĂ€ufer des Horst-Wessel-Liedes? In: Die Musik 28, 1936, S. 911f. Zitiert nach Wulf 1989, S. 270.
  8. ↑ Ernst Hanfstaengl: Hitler – The Missing Years. Arcade, New York 1994. ISBN 1-55970-272-9.
  9. ↑ Ähnlichkeiten zwischen dem Horst-Wessel-Lied und How Great Thou Art werden auf bei anesi.com aufgezeigt, abgerufen am 2. Februar 2010
  10. ↑ MP3-Aufnahme mit Fanfareneinleitung auf www.eri.ca
  11. ↑ Diether de la Motte: Melodie – Ein Lese- und Arbeitsbuch. BĂ€renreiter, Kassel 1993. ISBN 3-423-04611-2. Hier: S. 145ff.
  12. ↑ Wulf 1989, S. 128.
  13. ↑ Wolfgang Knies: Schranken der Kunstfreiheit als verfassungsrechtliches Problem. Beck, MĂŒnchen 1967.
  14. ↑ Joseph MĂŒller-Blattau: Neue Wege zur Pflege des deutschen Liedes. In: Die Musik 25, 1933, S. 664.
  15. ↑ Ernst BĂŒcken: Das deutsche Lied. Probleme und Gestalten. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg o.J. Hier: S. 187.
  16. ↑ Werner Korte: Nationale Musik im neuen Deutschland. In: Frankfurter Zeitung vom 11. August 1934.
  17. ↑ Fritz Stege: Deutsche und nordische Musik. In: Zeitschrift fĂŒr Musik, 1934, S. 1269–1271.
  18. ↑ Friedrich Blume: Musik und Rasse – Grundfragen einer musikalischen Rasseforschung. In: Die Musik 30, 1938, S. 736ff.
  19. ↑ Friedrich Blume: Bilanz der Musikforschung. In: Die Musikforschung 1/1, 1948, S. 3ff.
  20. ↑ Friedrich Blume: Bilanz der Musikforschung. In: Die Musikforschung 1/1, 1948, S. 6.
  21. ↑ Wilfried Kugel: Alles schob man ihm zu, er war 
 der Unverantwortliche – Das Leben des Hanns Heinz Ewers. Grupelleo, DĂŒsseldorf 1992. ISBN 3-928234-04-8.
  22. ↑ Und bleibe, was ich bin: ein Scheiß-Liberaler, Interview in der ZEIT vom 5. MĂ€rz 1993
  23. ↑ Vgl. den Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis des Jahrgangs
  24. ↑ Vgl. Uwe Dubielzig: Die neue Königin der Elegien. Hermann Wellers Gedicht „Y“., insbes. Fußnote 35.
  25. ↑ Etappe, Heft 16, Dezember 2001 / Januar 2002, S. 154.
  26. ↑ Artikel zur Kontroverse um Peter Krause auf Spiegel
  27. ↑ Zitiert nach Gailus, 2003.
  28. ↑ Vgl. Gailus, 2003.
  29. ↑ Zitiert nach Broderick 1995, S. 39 (Online-Fassung).
  30. ↑ FĂ€lle von Sorgerechtsentzug durch deutsche Gerichte, unter anderem wegen Nichtsingens des Liedes durch die Kinder, sind auf der Website www.standhaft.org dokumentiert: [1]. Knobloch 1993 zeigt ein Foto, auf dem eine BĂŒrgerin mit einem Pappschild durch die Straßen Neuruppins gefĂŒhrt wird: „Ich schamlose Person 
 habe es gewagt, beim Absingen des Horst-Wessel-Liedes sitzenzubleiben und somit die Opfer der nationalen Erhebung zu verhöhnen.“ Ebenso eine Zeitungsmeldung, nach der ein PĂ€rchen fĂŒr fĂŒnf Tage in „Schutzhaft“ genommen wurde, das auf die Melodie des Liedes einen populĂ€ren Tanz („Schieber“) getanzt hatte. Vgl. S. 133 und 138.
  31. ↑ Zitiert nach Hilmar Hoffmann: „Und die Fahne fĂŒhrt uns in die Ewigkeit.“ Fischer, Frankfurt 1988. Online unter [2].
  32. ↑ Ingeborg Wessel: Horst Wessel – Sein Lebensweg nach Lichtbildern zusammengestellt. Eher, Berlin 1933.
  33. ↑ Gailus, 2003.
  34. ↑ Entscheidungen des Reichsgerichts, 2. Dezember 1936, §1b; hier zitiert nach Broderick, Kapitel 2.2.
  35. ↑ Entscheidungen des Reichsgerichts, 2. Dezember 1936, §3c; hier zitiert nach Broderick, Kapitel 2.2.
  36. ↑ Ernst Fraenkel: Der Doppelstaat. Zuerst erschienen als The Dual State 1941. Hier verwendet wurde die 2., durchgesehene Auflage, hrsg. und eingel. von Alexander von BrĂŒnneck, EuropĂ€ische Verlags-Anstalt, Hamburg 2001, ISBN 3-434-50504-0, S. 135.
  37. ↑ Vgl. Werner Welzig: Raumgenossenschaft. Rede zur Eröffnung des X. Internationalen Germanistenkongresses, 10.–16. September 2000, Wien. Online unter [3]
  38. ↑ Elke Fröhlich (Hrsg.): Die TagebĂŒcher von Joseph Goebbels. K. G. Saur, MĂŒnchen. Teil I. 1993–1996. Band 9, S. 396.
  39. ↑ Vgl. Oertel 1988, S. 110, der auch Goebbels’ Tagebucheintrag vom 30. Juni 1937 zitiert: „Aber abschaffen kann man es nicht.“
  40. ↑ Vgl. Oertel 1988, S. 169: „Der Kult um Wessel diente wĂ€hrend des Krieges insofern der moralischen StĂ€rkung der Bevölkerung, als 
 durch seine Darstellung der „Kampfzeit“ zugleich auch dieser Zeitraum, der mit dem Sieg des Nationalsozialismus ĂŒber seine Gegner endete, lebendig werden sollte. Auf diese Weise versuchte man den Eindruck zu erwecken, die Situation des Krieges entspreche der Situation vor 1933.“
  41. ↑ Otto Köhler: Dresdner Presseclub schĂ€ndet KĂ€stner. In: Ossietzky, 15/2004. Online
  42. ↑ a b c Zitat aus dem Bericht des Schleswig-Holsteinischen Generalstaatsanwalts Eduard Nehm vom 28. MĂ€rz 1961 an Bernhard Leverenz, damals Jusitizminister des Landes Schleswig-Holstein. Personalakte Jaager, in: PA Landesarchiv Schleswig-Holstein Abteilung 786, Nr. 122 und 474; zit. nach: Klaus Godau-SchĂŒttke: Ich habe nur dem Recht gedient. Die „Renazifierung“ der Schleswig-Holsteinischen Justiz nach 1945, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1993, S.116f.
  43. ↑ Broderick, S. 36.
  44. ↑ Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern: Rechtsextremistische Subkulturen, 2005, S. 2. Online
  45. ↑ Anette Ramelsberger: Neonazi-Prozess. Die schlechteste aller Welten. In: SĂŒddeutsche Zeitung vom 30. August 2004. Online
  46. ↑ Briefwechsel zur Nationalhymne von 1952 auf der Website des Bundesministeriums des Inneren
  47. ↑  Ralp Giordano: Ostpreußen ade. 5 Auflage. dtv, MĂŒnchen 1999, ISBN 3-423-30566-5, S. 245 (Gebundene Ausgabe im Verlag Kiepenheuer und Witsch; Köln 1994; ISBN=3-462-02371-3).</span>
  48. ↑ Article:Death in June Demystified.
  49. ↑ Herman Wouk: War and Remembrance. Little, Brown & Co., Boston 1981. Hier: S. 981.
  50. ↑ Albrecht DĂŒmling: Laßt euch nicht verfĂŒhren! Brecht und die Musik. MĂŒnchen: Kindler, 1985, S. 503f.

Literatur

Filme

  • Ernst-Michael Brandt: „VerklĂ€rt, verhaßt, vergessen“ – Horst Wessel – Demontage eines Mythos. MDR 1997

CD

Weblinks

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