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| Humboldt-UniversitÀt zu Berlin | |
|---|---|
| GrĂŒndung | 16. August 1809, Lehrbetrieb ab 10. Oktober 1810 |
| TrÀgerschaft | staatlich |
| Ort | Berlin |
| Bundesland | Berlin |
| Staat | Deutschland |
| PrÀsident | Jan-Hendrik Olbertz |
| Studenten | 30.061 (WS 2011/12)[1], einschl. Promotionsstudierende |
| Mitarbeiter | 5848 (2011) ohne Charité[1] |
| davon Professoren | 419 (2011)[1] |
| Jahresetat | 352 Mio. ⏠(2011) ohne Charité, ohne Drittmittel[1] |
| Website | www.hu-berlin.de |
Die Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin (kurz: HU Berlin) ist die Ă€lteste und nach der Studentenzahl zweitgröĂte der Berliner Hochschulen. Sie hat ihren Hauptsitz Unter den Linden in der Dorotheenstadt im Ortsteil Mitte (Bezirk Mitte) von Berlin.
Die erste Berliner UniversitÀt (Alma Mater Berolinensis), die heutige Humboldt-UniversitÀt, nahm im Jahr 1810 den Lehrbetrieb auf.
Inhaltsverzeichnis |
Die UniversitĂ€t wurde am 16. August 1809[2] auf Initiative des liberalen preuĂischen Bildungsreformers und Sprachwissenschaftlers Wilhelm von Humboldt gegrĂŒndet und nahm 1810 als Berliner UniversitĂ€t (Alma Mater Berolinensis) ihren Betrieb auf. Von 1828 bis 1946 trug sie den Namen Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t, zu Ehren ihres GrĂŒnders, des preuĂischen Königs Friedrich Wilhelm III.
1949 erhielt die UniversitÀt ihren heutigen Namen Humboldt-UniversitÀt zu Berlin.
Wesentliche Impulse zur UniversitĂ€tsgrĂŒndung gingen von bedeutenden Wissenschaftlern dieser Zeit aus, vor allem von dem Philosophen Johann Gottlieb Fichte und dem Theologen Friedrich Schleiermacher.
Unter dem Eindruck der Reformideen Schleiermachers entwickelte der Diplomat und Sprachwissenschaftler Wilhelm von Humboldt seine UniversitĂ€tskonzeption. Humboldt war seit Februar 1809 fĂŒr ein Jahr Sektionschef fĂŒr Kultus und Unterricht im Ministerium des Innern. Sein oberstes Ziel war es, ein neues Bildungssystem in PreuĂen einzufĂŒhren. Die HauptsĂ€ulen seines Konzepts waren die enge Verbindung von Forschung und Lehre, freie Wissenschaft um ihrer selbst Willen und Persönlichkeitsformung.
Zu den ersten Professoren, deren Berufung auf Wilhelm von Humboldt zurĂŒckging, gehörten August Boeckh (Philologie), Albrecht Thaer (Landwirtschaft), Friedrich Carl von Savigny (Jura), Christoph Wilhelm Hufeland (Medizin) und Carl Ritter (Geographie). Sie trugen Humboldts Konzept mit. Der Betrieb der Wissenschaften verlange, so der Gelehrte und Staatsmann, dass Akademien, UniversitĂ€ten und relativ selbststĂ€ndige Forschungseinrichtungen zusammengefĂŒhrt werden. Humboldts Konzepte, wie die erst spĂ€ter berĂŒhmt gewordene Denkschrift âĂber die innere und Ă€uĂere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlinâ, beeinflussten die Idee der modernen UniversitĂ€t.
Alles, was fĂŒr die Ausbildung der Studierenden geeignet war, wurde der UniversitĂ€t angegliedert oder konnte von den Studenten genutzt werden. So bekam sie das leer stehende Palais des Prinzen Heinrich von PreuĂen, erbaut 1748 bis 1766, ĂŒbereignet. Mehrfach umgebaut und in den Jahren 1913 bis 1920 durch Anbauten erweitert, ist es in der StraĂe Unter den Linden noch heute das HauptgebĂ€ude der UniversitĂ€t.
Nachdem am 28. September 1810 Theodor Schmalz zum ersten Rektor berufen worden war und sich am 6. Oktober die ersten Studenten immatrikuliert hatten[3], konnte am 10. Oktober 1810 der Lehrbetrieb aufgenommen werden[4]. Die FÀcher wurden in die FakultÀten Jura, Medizin, Philosophie und Theologie gegliedert. Die Naturwissenschaften waren damals Teil der Philosophischen FakultÀt.
Neben der starken Verankerung traditioneller FĂ€cher, wie der Altertumswissenschaft, der Rechtswissenschaft, Philologie und Geschichte, Medizin und Theologie, entwickelte sich die Berliner UniversitĂ€t zum Wegbereiter fĂŒr zahlreiche neue naturwissenschaftliche Disziplinen. Das verdankte sie besonders der Förderung des Naturwissenschaftlers Alexander von Humboldt, Bruder des GrĂŒnders Wilhelm. So richtete Georg Ludwig Hartig 1821 an der UniversitĂ€t einen Lehrstuhl fĂŒr Forstwirtschaft ein, aus dem spĂ€ter die Forstliche Hochschule Eberswalde wurde. Mit dem Bau modernster Forschungs- und Lehreinrichtungen fĂŒr die Naturwissenschaften wurde in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts begonnen. BerĂŒhmte Forscher, wie der Chemiker August Wilhelm von Hofmann, der Physiker Hermann von Helmholtz, die Mathematiker Ernst Eduard Kummer, Leopold Kronecker, Karl WeierstraĂ, die Mediziner Johannes Peter MĂŒller, Albrecht von Graefe, Rudolf Virchow und Robert Koch, trugen den wissenschaftlichen Ruhm der Berliner UniversitĂ€t ĂŒber die nationalen Grenzen.
Im Zuge der Erweiterung der UniversitĂ€t wurden andere in der Stadt bereits vorhandene Einrichtungen schrittweise eingegliedert. Ein Beispiel hierfĂŒr sind die CharitĂ©, die PĂ©piniĂšre und das Collegium medico-chirurgicum. Das Collegium medico-chirurgicum wurde 1809 aufgelöst, die BĂŒcherei von der PĂ©piniĂšre ĂŒbernommen, und das medizinische und chirurgische UniversitĂ€tsklinikum entstand 1810 zuerst in zwei Wohnungen der FriedrichstraĂe 101, bis nach mehreren UmzĂŒgen 1818 ein als Bleizucker- und StĂ€rkefabrik gebauter GebĂ€udekomplex in der ZiegelstraĂe 5/6 erworben wurde. Die Entbindungsanstalt entstand 1816 in der Oranienburger StraĂe, wurde spĂ€ter in die DorotheenstraĂe verlegt, und war der VorlĂ€ufer der 1882 eröffneten I. UniversitĂ€ts-Frauenklinik in der ArtilleriestraĂe (heute TucholskystraĂe). Friedrich I. lieĂ 1710 ein QuarantĂ€ne-Haus fĂŒr Pestkranke vor den Toren der Stadt errichten. Der âSoldatenkönigâ Friedrich Wilhelm verfĂŒgte im Jahre 1727: âEs soll das Haus die CharitĂ© (frz. fĂŒr âBarmherzigkeitâ, âMildtĂ€tigkeitâ) heiĂenâ. 1829 bezog die Medizinische FakultĂ€t der UniversitĂ€t diesen Standort, und erst 1927 wurde die chirurgische UniversitĂ€tsklinik als letzte Klinik in die CharitĂ© verlagert.
FĂŒr die seit 1810 zur UniversitĂ€t gehörenden natur-historischen Sammlungen wurde 1889 ein eigenes GebĂ€ude errichtet, das heutige Museum fĂŒr Naturkunde. Eine bereits seit 1790 bestehende Tierarzneischule bildete 1934 den Grundstock der VeterinĂ€rmedizinischen FakultĂ€t, und die 1881 gegrĂŒndete Landwirtschaftliche Hochschule Berlin wurde als Landwirtschaftliche FakultĂ€t der UniversitĂ€t angegliedert.
Die liberale Sozialreformerin der deutschen Frauenbewegung Alice Salomon war eine der wenigen Frauen, die am Anfang des 20. Jahrhunderts studieren durften. Jahrzehntelang hatten engagierte Frauen darum gekĂ€mpft, dass auch sie am wissenschaftlichen Leben teilnehmen konnten. Jedoch erst im Jahr 1908 wurde Frauen in PreuĂen das Recht zur Immatrikulation gewĂ€hrt. Von den vier FakultĂ€ten hatte die Philosophische FakultĂ€t den gröĂten weiblichen Zulauf. Schon vor dem Immatrikulationsrecht hatte es an der Berliner UniversitĂ€t Studentinnen gegeben, allerdings nur als Doktorandinnen mit Ausnahmegenehmigung. Als erste Frau promovierte 1899 die Physikerin Elsa Neumann. Die erste Frau, die in Berlin zur Professorin ernannt wurde war die Mikrobiologin Lydia Rabinowitsch-Kempner, die 1912 den Titel verliehen bekam. Allerdings erhielt sie keine Anstellung an der UniversitĂ€t. 1926 wurde Lise Meitner als erste Physikerin an einer preuĂischen UniversitĂ€t zur auĂerordentlichen Professorin ernannt. Bei anderen begabten Wissenschaftlerinnen, wie der jĂŒdischen Historikerin Hedwig Hintze, endete nach 1933 der akademische Weg mit dem Entzug der Lehrbefugnis und Emigration. Im Jahr 1947 ging dann Liselotte Richter als erste deutsche Professorin fĂŒr Philosophie und Theologie in die Annalen der UniversitĂ€t ein. Die Berliner UniversitĂ€t war schon zwischen 1919â1945 die deutsche UniversitĂ€t mit den meisten Dozentinnen.
Mit der MachtĂŒbernahme der Nationalsozialisten begann auch an der Berliner UniversitĂ€t die Diffamierung jĂŒdischer Wissenschaftler und Studierender. Vorlesungen jĂŒdischer Dozenten wurden boykottiert, Hörer tĂ€tlich angegriffen. Auch politisch missliebige Dozenten waren von Verfolgung betroffen. Die Beteiligung von Studierenden und Lehrenden an der BĂŒcherverbrennung vom 10. Mai 1933 war fĂŒr eine wissenschaftlich renommierte Institution wie die Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t besonders beschĂ€mend.
Etwa ein Drittel der Mitarbeiter wurde in den kommenden Monaten und Jahren von den Nationalsozialisten entlassen. Mehr als 250 jĂŒdischen Professoren und Angestellten wurde 1933/1934 aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums die Lehrbefugnis oder Anstellung entzogen, zahlreiche Doktortitel wurden aberkannt. Viele Studierende und Gelehrte, darunter auch einige nichtjĂŒdische, kehrten ihrer ehemaligen Alma mater fĂŒr immer den RĂŒcken, die einst als HeimstĂ€tte des humanistischen Denkens gegolten hatte.
Die Vertreibung und Ermordung jĂŒdischer Gelehrter und Studierender sowie politischer Gegner des Nationalsozialismus haben der UniversitĂ€t und dem geistigen Leben in Deutschland schweren Schaden zugefĂŒgt. Widerstand aus der UniversitĂ€t heraus blieb eher selten.
Der Neubeginn der UniversitĂ€t im Januar 1946 geht auf einen Prikas (Befehl-Nr. 4) der Sowjetischen MilitĂ€radministration zurĂŒck. Die SMAD, die die Berliner UniversitĂ€t nach sowjetischem Vorbild umgestalten wollte, bestand darauf, dass diese âneueröffnetâ und nicht âwiedereröffnetâ wurde, da sie bei einer Wiedereröffnung unter Vier-MĂ€chte-Kontrolle gestanden hĂ€tte. Der von der SMAD mit der Eröffnung beauftragte PrĂ€sident der Deutschen Zentralverwaltung fĂŒr Volksbildung (DZVV), Paul Wandel, sagte in seiner Rede zum Festakt am 29. Januar 1946: âIch sprach von der Neueröffnung und nicht von der Wiedereröffnung der UniversitĂ€t. [âŠ] Die Berliner UniversitĂ€t muĂ in der Tat in fast allem neu beginnen. Sie haben das Bild der alten UniversitĂ€t vor sich. Was davon blieb, ist eine einzige TrĂŒmmerstĂ€tte.â
Der Lehrbetrieb wurde zunÀchst in sieben FakultÀten in zum Teil kriegszerstörten GebÀuden wiederaufgenommen. Viele LehrkrÀfte waren tot oder verschollen. Doch bereits zum Wintersemester 1946 wurde eine Wirtschaftswissenschaftliche und eine PÀdagogische FakultÀt neu eröffnet. Um politisch oder rassisch verfolgten jungen Menschen, die wÀhrend der Zeit des Nationalsozialismus keine Möglichkeit hatten, die Hochschulreife zu erwerben, diese Chance zu geben, wurde eine Vorstudienanstalt eingerichtet. Daraus ging die Arbeiter-und-Bauern-FakultÀt (ABF) hervor, die bis 1962 existierte.
Der Ost-West-Konflikt im Nachkriegsdeutschland fĂŒhrte zu einer immer stĂ€rker werdenden kommunistischen Einflussnahme auf die UniversitĂ€t. Dies blieb nicht unumstritten und hatte starke Proteste innerhalb der Studentenschaft und von Teilen des Lehrkörpers zur Folge. Eine Antwort darauf war unter anderem die Verhaftung mehrerer Studenten durch die sowjetische Geheimpolizei MWD im MĂ€rz 1947. Die Urteile des sowjetischen MilitĂ€rtribunals in Berlin-Lichtenberg lauteten jeweils 25 Jahre Zwangsarbeit und wurden mit angeblicher Bildung einer âUntergrundbewegung an der UniversitĂ€t Berlinâ, sowie angeblicher Spionage begrĂŒndet. Daraufhin wurden bereits Ende 1947 Forderungen nach einer freien UniversitĂ€t laut. 18 weitere Studenten und Lehrende wurden zwischen 1945 und 1948 verhaftet oder verschleppt, viele blieben wochenlang verschwunden. Einige brachte man in die Sowjetunion und exekutierte sie dort. Nachdem im FrĂŒhjahr 1948 die UniversitĂ€tsleitung mehreren Studenten ohne ordentliches Rechtsverfahren die Zulassung zum Studium entzogen hatte, forderten die oppositionellen Studenten eine Freie UniversitĂ€t, die mit UnterstĂŒtzung vor allem der Amerikaner, der Zeitung Der Tagesspiegel und des Regierenden BĂŒrgermeisters Ernst Reuter im amerikanischen Sektor in Dahlem gegrĂŒndet wurde. Damit bewahrten die Studenten nach ihrem VerstĂ€ndnis das Humboldtsche Ideal der Freiheit von Lehre und Forschung. WĂ€hrend der lateinische Wahlspruch: âVeritas â Iustitia â Libertasâ (Wahrheit â Gerechtigkeit â Freiheit) die ideologische Distanz zur kommunistisch dominierten alten Berliner UniversitĂ€t zum Ausdruck bringen sollte, wollte man sich gleichzeitig mit einem historisierenden Siegel (der Berliner BĂ€r mit der Fackel der Freiheit) an ihre Tradition erinnern. Die jahrzehntelange Teilung der Stadt in Ost- und West-Berlin zementierte letztendlich die Spaltung in zwei eigenstĂ€ndige UniversitĂ€ten dauerhaft.
1949 erhielt die alte Berliner UniversitĂ€t Unter den Linden den Namen Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin. Zwischen 1946 und 1949 hieĂ sie â wie in den Anfangsjahren bis 1828 auch â Berliner UniversitĂ€t oder UniversitĂ€t Berlin. Mit dem Bezug auf beide Gelehrte â Wilhelm und Alexander von Humboldt â stellte sich die UniversitĂ€t den Idealen des Humanismus und der freien Entfaltung der Wissenschaft. Studieninhalte, Studienablauf und Forschungsbedingungen orientierten sich an den politischen Grundlagen der 1949 gegrĂŒndeten DDR. Mit der beginnenden Entspannung in Europa Mitte der siebziger Jahre konnte die Humboldt-UniversitĂ€t auf einigen Wissenschaftsgebieten den internationalen Anschluss wiederherstellen und durch weltweite Kooperationen festigen. Hervorzuheben sind die langjĂ€hrigen und intensiven Forschungs- und Austauschbeziehungen zu Hochschulen in Mittel- und Osteuropa, insbesondere mit Einrichtungen in der Sowjetunion. Es gab in dieser Zeit intensive Kooperationen mit UniversitĂ€ten in Japan und den USA, sowie mit EntwicklungslĂ€ndern in Asien, Afrika und Lateinamerika.
An der Humboldt-UniversitĂ€t, der gröĂten UniversitĂ€t der DDR, wurden bis 1990 fast 150.000 Studierende ausgebildet. International anerkannte Forscher lehrten an der UniversitĂ€t. Viele konnten auch nach der Wiedervereinung ihren Platz in der akademischen Welt behaupten.
Die inhaltliche Erneuerung nach der politischen Wende 1989 wurde von einem erheblichen Personalwechsel begleitet. Von 1989 bis 1994 schieden im Hochschulbereich fast 3000 Wissenschaftler, teils aus AltersgrĂŒnden, zumeist aus politischen, fachlichen oder strukturellen GrĂŒnden, aus. In Eigenverantwortung von Struktur- und Berufungskommissionen sowieso auf Grundlage von zahlreichen Gutachten und Empfehlungen von Expertengruppen gab sich die Humboldt-UniversitĂ€t ein neues wissenschaftliches GefĂŒge: Forschungs- und Lehrinhalte wurden evaluiert, verĂ€ndert und neu definiert.
Seit der deutschen Wiedervereinigung hat Berlin vier UniversitÀten, die versuchen, ihre StudienplÀne zu koordinieren. Traditionelle StudiengÀnge wurden im Rahmen der Studienreform umstrukturiert und das Lehrangebot auf eine moderne und international vergleichbare Grundlage gestellt und die Forschung neu ausgerichtet und gestÀrkt.
Durch die Erneuerung gelang es der Humboldt-UniversitĂ€t, in Forschung und Lehre wieder an Ansehen und AttraktivitĂ€t zu gewinnen. Diese Entwicklung dokumentieren auch die betrĂ€chtlichen Fördermittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die an die Humboldt-UniversitĂ€t flieĂen und als Indikator fĂŒr den wissenschaftlichen Erfolg gelten. Enge Kontakte und Kooperationen mit der Wirtschaft stĂ€rken die Verankerung der UniversitĂ€t in der Gesellschaft.
Seit 1994 verfĂŒgt die UniversitĂ€t ĂŒber elf FakultĂ€ten und mehrere interdisziplinĂ€re Zentren und Zentralinstitute. Mit ĂŒber 300 Liegenschaften in Berlin und Brandenburg zĂ€hlt sie zu den bedeutendsten Standortfaktoren der Region. Im Wintersemester 2004/2005 waren 40.828 Studierende an der Humboldt-UniversitĂ€t einschlieĂlich CharitĂ© eingeschrieben. Diese Zahl ist seit 1989 stark angestiegen. Im Wintersemester 1992/1993 studierten noch 20.425 Personen an der UniversitĂ€t, somit hat sich die Zahl seither verdoppelt. Inzwischen unterliegen alle StudiengĂ€nge einer ZulassungsbeschrĂ€nkung. Auch wegen der fĂŒr junge Menschen attraktiven Hauptstadtlage bewarben sich beispielsweise im Wintersemester 2007/2008 25.750 Abiturienten fĂŒr nur 3.455 StudienplĂ€tze.[5] Sie studieren auf den verschiedenen Standorte in Mitte, Adlershof und im Norden Berlins. 5791 (14,1 Prozent) auslĂ€ndische Studierende aus mehr als 100 LĂ€ndern lernen und forschen derzeit an der Humboldt-UniversitĂ€t. Der Semesterbeitrag fĂŒr Studierende betrug fĂŒr das Wintersemester 2008/2009 242,68 Euro, einschlieĂlich eines Semestertickets fĂŒr den ĂPNV-Bereich Berlin und Umland.
GegenwĂ€rtig pflegt die HU Partnerschaften zu ĂŒber 170 wissenschaftlichen Einrichtungen auf allen Kontinenten. Sie bezeichnet sich als ReformuniversitĂ€t im Zeichen der Exzellenz und verfĂŒgt ĂŒber ein Management mit einem hauptamtlichen PrĂ€sidium. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, ein System der QualitĂ€tssicherung in Forschung und Lehre sowie die Studienreform machen die HU zu einer der fĂŒhrenden deutschen Hochschulen mit breiter nationaler und internationaler Anerkennung, wie zahlreiche Hochschulrankings jedes Jahr zeigen. Dennoch hat die Humboldt-UniversitĂ€t in der Exzellenzinitiative des Bundes und der LĂ€nder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen ihre selbst gesteckten Ziele nicht erreicht. In der ersten Runde im Jahr 2006 wurde ihr Zukunftskonzept nicht zur Antragsstellung aufgefordert. Im Jahr 2007 kam sie zwar in die Vorrunde, wurde jedoch nicht als sogenannte âEliteuniversitĂ€tâ ausgezeichnet. Allerdings bekam sie in der ersten Runde eine Graduiertenschule und in der zweiten Runde zwei weitere Graduiertenschulen sowie ein eigenes Exzellenzcluster (Exzellenzcluster Topoi) bewilligt, an zwei weiteren ist sie gemeinsam mit anderen Berliner Wissenschaftseinrichtungen beteiligt.
In der Vorrunde der dritten Exzellenzinitiative 2011 wurde die HU neben sechs weitere deutschen UniversitÀten zum Langantrag aufgefordert. Daneben kam sie mit drei Graduiertenschulen und zusammen mit der Charité mit zwei Clustern weiter.[6] Im World University Ranking 2011/12 der Times Higher Education erreichte die HU Platz 109.[7]
Das PrĂ€sidium der Humboldt-UniversitĂ€t setzt sich zusammen aus dem PrĂ€sidenten Jan-Hendrik Olbertz, dem VizeprĂ€sidenten fĂŒr Studium und Internationales (VPSI), Michael KĂ€mper-van den Boogaart, dem VizeprĂ€sidenten fĂŒr Forschung (VPF), Peter Frensch sowie der VizeprĂ€sidentin fĂŒr Haushalt, Personal und Technik (VPH), Marina Frost. Dem PrĂ€sidenten ist der PrĂ€sidialbereich mit drei Referaten und der Pressestelle unterstellt, dem VizeprĂ€sidenten fĂŒr Studium und Internationales unterstehen fĂŒnf, dem VizeprĂ€sidenten fĂŒr Forschung vier, der VizeprĂ€sidentin fĂŒr Haushalt vier Abteilungen.[8]
Die Humboldt-UniversitÀt gliedert sich in elf FakultÀten, die jeweils mehrere Institute umfassen. Daneben bestehen verschiedene zentrale und interdisziplinÀre Einrichtungen.[9]
Die Humboldt-UniversitĂ€t verfĂŒgt ĂŒber kein zusammenhĂ€ngendes CampusgelĂ€nde, der GroĂteil der geisteswissenschaftlichen FakultĂ€ten und Institute befindet sich im Ortsteil Mitte, verteilt um das HauptgebĂ€ude. Es liegt am Boulevard Unter den Linden und wurde ursprĂŒnglich von unter anderem Johann Boumann als Palais des Prinzen Heinrich erbaut und spĂ€ter erweitert. Als zentrale UniversitĂ€tsbibliothek wurde das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum am 12. Oktober 2009 eröffnet. Der Neubau befindet sich an den Stadtbahnbögen. Die Juristische FakultĂ€t nutzt die ehemalige Königliche Bibliothek (sogenannte âKommodeâ), die Theologische FakultĂ€t unterhielt bis 2006 LehrrĂ€ume im Berliner Dom.
Zusammen mit der CharitĂ© bilden die GebĂ€ude an der Luisen-, Philipp- und InvalidenstraĂe den Campus Nord. Hier sind in erster Linie die landwirtschaftlich-gĂ€rtnerischen und biologischen Institute sowie die Asien- und Afrikawissenschaften zu finden. Ebenfalls auf dem Campus Nord ist das seit 2009 zur Leibniz-Gemeinschaft gehörende Naturkundemuseum. In den ehemaligen ReuĂschen GĂ€rten, dem sogenannten âCampus der Lebenswissenschaftenâ, sind das Anatomische Theater und das Bernsteinzentrum fĂŒr Computational Neuroscience Berlin.
Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Institute mit Ausnahme der Biologie befinden sich auf dem Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort (WISTA) in Berlin-Adlershof im SĂŒdosten der Stadt auf dem ehemaligen Flugplatz Johannisthal. Die GebĂ€ude, die von der Humboldt-UniversitĂ€t genutzt werden, sind von 1998 bis 2003 entstanden. Zu den bekanntesten Einrichtungen der seit 1912 von der Deutschen Versuchsanstalt fĂŒr Luftfahrtforschung errichteten Forschungsanlagen gehört der GroĂe Windkanal.[17]
In Berlin-Baumschulenweg befindet sich das SpĂ€th-Arboretum der UniversitĂ€t. Als Teil des Instituts fĂŒr Biologie ist es Sitz der Arbeitsgruppe fĂŒr Systematische Botanik.[18]
Die Bibliothek der UniversitĂ€t ist mit rund 6,5 Millionen BĂŒchern und etwa 9.000 laufenden Zeitschriften eine der gröĂten UniversitĂ€tsbibliotheken Deutschlands. Die UniversitĂ€tsbibliothek gliedert sich in die Zentralbibliothek â das Grimm-Zentrum â mit 12 integrierten Teil- und Zweigbibliotheken, die Zweigbibliothek fĂŒr Naturwissenschaften auf dem Campus Adlershof, die Zweigbibliothek Campus Nord sowie acht weitere Teil- und Zweigbibliotheken, wie zum Beispiel die des Japanzentrums, der Juristischen oder der Theologischen FakultĂ€t.[19]
Die Humboldt-UniversitĂ€t ist, obwohl sie weder Medizin noch Ingenieurwissenschaften anbietet, eine traditionelle VolluniversitĂ€t mit 261 StudiengĂ€ngen[20]. Der Studiengang Medizin an der CharitĂ© ist eine gemeinsame FakultĂ€t mit der Freien UniversitĂ€t Berlin, die ingenieurwissenschaftlichen StudiengĂ€nge können, historisch bedingt, nur an der Technischen UniversitĂ€t Berlin studiert werden. Das Angebot fĂŒr LehramtsstudiengĂ€nge umfasst alle vier Laufbahnen des Berliner Modells.
Neben den klassischen StudienfĂ€chern bietet die Humboldt-UniversitĂ€t auch âkleineâ FĂ€cher wie Afrika- und Asienwissenschaften, Deaf Studies oder EuropĂ€ische Ethnologie an. Als einzige Berliner UniversitĂ€t hat die HU Agrarwissenschaft, Evangelische Theologie und Sozialwissenschaft. Es können 12 agrarwissenschaftliche StudiengĂ€nge studiert werden.[21] Deutschlandweit einmalig ist der Studiengang Rehabilitationwissenschaften mit dem Schwerpunkt GebĂ€rdensprach- und AudiopĂ€dagogik.[22] Im Rahmen der finanziellen KĂŒrzungen der spĂ€ten 1990er Jahre wurde an der Berliner UniversitĂ€ten das Angebot neu strukturiert und zusammengelegt. So gab die HU Pharmazie und VeterinĂ€rmedizin an die FU ab und konnte dafĂŒr Bibliotheks- und Sportwissenschaft behalten.
Alle grundstĂ€ndigen StudiengĂ€nge an der Humboldt-UniversitĂ€t bis auf Mathematik (Monobachelor) waren im Wintersemester 2011/12 zulassungsbeschrĂ€nkt und hatten einen NC zwischen 1,4 in Psychologie und 2,9 in Gartenbauwissenschaft oder Altgriechisch. Auf ca. 3.200 StudienplĂ€tze in Bachelor-StudiengĂ€ngen erhielt die HU rund 29.250 Bewerbungen. Die Anzahl der Bewerbungen variierte stark nach Fach: FĂŒr Psychologie bewarben sich z. B. 3.537 Personen auf 90 PlĂ€tze, in Betriebswirtschaftslehre 3.021 auf 140 PlĂ€tze. In Physik hingegen gab es 81 Bewerbungen fĂŒr 30 PlĂ€tze, fĂŒr den Studiengang Ungarische Literatur und Kulturen (Hungarologie) mit zehn PlĂ€tzen gingen zehn Bewerbungen ein. Alle ZweitfĂ€cher in Kombinationsbachelor-StudiengĂ€ngen waren zulassungsbeschrĂ€nkt, der NC lag zwischen 1,3 in Biologie und 3,0 in Bibliothek- und Informationswissenschaft.[23]
Bei den MasterstudiengĂ€ngen gab es zum Wintersemester 2011/12 einige ohne BeschrĂ€nkung, zum Beispiel Mathematik, GrĂ€zistik oder Skandinavistik. FĂŒr die ĂŒbrigen waren Noten zwischen 1,3 in Kulturwissenschaft und 2,8 in Wirtschaftsinformatik erforderlich.[23]
Die wissenschaftlichen Sammlungen der UniversitĂ€t mit mehreren Millionen Objekten gehören zu den bedeutendsten im deutschsprachigen Raum. Sie gehen zurĂŒck bis auf das Jahr 1700, als die PreuĂische Akademie der Wissenschaften gegrĂŒndet wurde. Nach 1810 wurden Teile dieser und anderer wissenschaftlicher Sammlungen in die UniversitĂ€t eingegliedert. Insgesamt gehören ĂŒber 100 Sammlungen der Humboldt-UniversitĂ€t an.
Bis Ende 2008 war auch die naturwissenschaftliche Sammlung im 1889 gegrĂŒndeten Museum fĂŒr Naturkunde darunter. Im Jahr 2009 wurde das Naturkundemuseum mit seinen 30 Millionen Objekten ausgegliedert.[24]
In der Geschichte der Humboldt-UniversitĂ€t gibt es zahlreiche berĂŒhmte Wissenschaftler. Als 1901 der Nobelpreis zum ersten Mal verliehen wurde, ging eine der begehrten Auszeichnungen an die Berliner UniversitĂ€t, an den niederlĂ€ndischen Chemiker Jacobus Henricus van't Hoff. Ein Jahr spĂ€ter wurde Theodor Mommsen, Professor fĂŒr Alte Geschichte, gewĂŒrdigt â als erster deutscher NobelpreistrĂ€ger fĂŒr Literatur. Den Nobelpreis fĂŒr Physik erhielten zahlreiche Forscher, die mit der UniversitĂ€t wissenschaftlich verbunden waren. Unter den insgesamt 29 NobelpreistrĂ€gern[25] waren auch Albert Einstein und Max Planck. FĂŒr ihre Leistungen in der Chemie wurden Emil Fischer, Walther Nernst und Otto Hahn, in der Medizin Robert Koch und Otto Warburg ausgezeichnet. Zu den politisch profilierten Professoren der Humboldt-UniversitĂ€t gehörte Ernst Niekisch, der Herausgeber der 1934 verbotenen Zeitschrift Widerstand. Zeitschrift fĂŒr nationalrevolutionĂ€re Politik, der 1948 Professor der Soziologie wurde.
Doch nicht nur die NobelpreistrĂ€ger prĂ€gten und prĂ€gen den Ruf der Berliner UniversitĂ€t. Ihre Alumni bestimmten die Entwicklung der Gesellschaft im 19. und 20. Jahrhundert mit: Heinrich Heine, Adelbert von Chamisso, Ludwig Feuerbach, Otto von Bismarck, Karl Marx, Franz Mehring, Wilhelm und Karl Liebknecht, Kurt Tucholsky und Alfred Wegener waren einst als Studierende an der Berliner Alma mater eingeschrieben. Nachdem das Frauenstudium in PreuĂen 1908 erlaubt worden war, konnten auch weibliche Studierende und Lehrende den akademischen Ruf der HU vertreten, unter ihnen Alice Salomon, Liselotte Richter, Lise Meitner und Clara von Simson[26]. Die Erstsynthese des Amphetamins wurde 1887 durch den Chemiker LazÄr Edeleanu an der Humboldt-UniversitĂ€t durchgefĂŒhrt.
FĂŒr eine Liste bekannter ehemaliger Studenten und Mitarbeiter, siehe Liste der Angehörigen der Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin.
Staatliche UniversitĂ€ten: Freie UniversitĂ€t Berlin | Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin | Technische UniversitĂ€t Berlin | UniversitĂ€t der KĂŒnste Berlin
Private Hochschulen mit Promotionsrecht: ESCP Europe Campus Berlin | Steinbeis-Hochschule Berlin
Staatliche Fachhochschulen: Alice Salomon Hochschule Berlin | Beuth Hochschule fĂŒr Technik Berlin | Evangelische Hochschule Berlin | Hochschule fĂŒr Technik und Wirtschaft Berlin | Hochschule fĂŒr Wirtschaft und Recht Berlin | Katholische Hochschule fĂŒr Sozialwesen Berlin
Private Fachhochschulen: akkon hochschule fĂŒr humanwissenschaften | bbw Hochschule | Berliner Technische Kunsthochschule | BEST-Sabel-Hochschule Berlin | Dekra Hochschule Berlin | design akademie berlin | Deutsche UniversitĂ€t fĂŒr Weiterbildung | EBC Hochschule Berlin | European School of Management and Technology | Hertie School of Governance | Hochschule der populĂ€ren KĂŒnste FH | H:G Hochschule fĂŒr Gesundheit und Sport | Hochschule fĂŒr Medien, Kommunikation und Wirtschaft | IB-Hochschule Berlin | International Business School | Internationale Hochschule fĂŒr Exekutives Management | International Psychoanalytic University Berlin | Mediadesign Hochschule Berlin | Psychologische Hochschule Berlin | Quadriga Hochschule Berlin | SRH Hochschule Berlin | Touro College Berlin
Kunst- und Musikhochschulen: Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin | Hochschule fĂŒr Musik âHanns Eislerâ Berlin | Hochschule fĂŒr Schauspielkunst âErnst Buschâ Berlin | Kunsthochschule Berlin-WeiĂensee
52.518055555613.3933333333Koordinaten: 52° 31âČ 5âł N, 13° 23âČ 36âł O