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Hydrochinon

Strukturformel
Strukturformel Hydrochinon
Allgemeines
Name Hydrochinon
Andere Namen
  • 1,4-Dihydroxybenzol
  • Benzol-1,4-diol
  • Benzen-1,4-diol
  • Eldoquin
  • Chinol
Summenformel C6H6O2
CAS-Nummer 123-31-9
PubChem 785
Kurzbeschreibung

farb- und geruchloser, kristalliner Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 110,11 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,36 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

170 °C[1]

Siedepunkt

286 °C[1]

Dampfdruck

15 mPa (20 Â°C)[1]

Löslichkeit

löslich in Wasser: 72 g·l−1 (20 Â°C)[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [2]
05 – Ätzend 08 – GesundheitsgefĂ€hrdend 07 – Achtung 09 – UmweltgefĂ€hrlich

Gefahr

H- und P-SĂ€tze H: 351-341-302-318-317-400
EUH: keine EUH-SĂ€tze
P: 273-​280-​305+351+338 [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung aus RL 67/548/EWG, Anh. I [2]
GesundheitsschÀdlich UmweltgefÀhrlich
Gesundheits-
schÀdlich
Umwelt-
gefÀhrlich
(Xn) (N)
R- und S-SĂ€tze R: 22-40-41-43-68-50
S: (2)-26-36/37/39-61
MAK

nicht festgelegt[1]

Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Hydrochinon (1,4-Dihydroxybenzol) ist ein Phenol und neben Brenzcatechin (1,2-Dihydroxybenzol) und Resorcin (1,3-Dihydroxybenzol) das dritte mögliche Dihydroxybenzol. Hier befinden sich die beiden Hydroxygruppen in der para-Stellung.

Inhaltsverzeichnis

Entdeckung

Friedrich Wöhler erhielt 1844 bei der trockenen Destillation (> 280 Â°C) der ChinasĂ€ure ein Produktgemisch, das neben Benzol, BenzoesĂ€ure und SalicylsĂ€ure als Hauptbestandteil eine neue farblose Verbindung enthielt. Nach Lösen des Destillats in Wasser, Abfiltrieren der unlöslichen Anteile und Abdestillieren der leichter flĂŒchtigen Komponenten, kristallisierte aus der zurĂŒckbleibenden Lösung zunĂ€chst BenzoesĂ€ure und aus deren Mutterlauge letztendlich Hydrochinon aus, das er durch wiederholte Umkristallisation in Form von farblosen, sechsseitigen Prismen rein erhielt.[4]

Vorkommen

Hydrochinon kommt als ca. 10%ige Lösung zusammen mit 28%igem Wasserstoffperoxid in AbwehrdrĂŒsen der BombardierkĂ€fer vor. Im Verteidigungsfall wird dem Gemisch Katalase zugemischt und dem Angreifer als 100 Â°C heißes, Ă€tzendes Abwehrmittel entgegengespritzt.[5][6][7]

Darstellung

Hydrochinon kann durch die Elbs-Oxidation aus Phenol synthetisiert werden.[8]

Herstellung von Hydrochinon mit der Elbs-Oxidation.

Eigenschaften

Hydrochinon ist ein stĂ€rkeres Reduktionsmittel als Brenzcatechin, da das aus Brenzcatechin entstehende o-Benzochinon energiereicher und somit ein stĂ€rkeres Oxidationsmittel ist. Ursache fĂŒr Letzteres ist die elektrostatische Abstoßung der benachbarten Carbonylgruppen.

Hydrochinon ist ein farbloser, mĂ€ĂŸig wasserlöslicher Feststoff. Es lĂ€sst sich durch Oxidation in Benzochinon (Chinon) ĂŒberfĂŒhren:

Hydrochinon Chinon.svg

Bei dieser Reaktion entsteht als Zwischenprodukt der tieffarbige, schwer wasserlösliche Charge-Transfer-Komplex Chinhydron (nicht abgebildet).

Verwendung

In der Fotolabortechnik wird Hydrochinon als Reduktionsmittel zum Entwickeln von Filmen und Bildern eingesetzt. Wegen der Gefahren fĂŒr Umwelt und Gesundheit gibt es Bestrebungen, die Substanz fĂŒr diese Anwendungen nach Möglichkeit durch weniger riskante Stoffe zu ersetzen. In Hautcremes wird die Verwendung von Hydrochinon trotz möglicher GesundheitsgefĂ€hrdungen seit Anfang der 1990er Jahre geduldet. Es wird auch als Inhibitor fĂŒr Radikalreaktionen genutzt, um die Bildung von Etherperoxiden zu verhindern.

Toxikologie

Im Tierversuch konnte eine krebserzeugende Wirkung nachgewiesen werden. Die KanzerogenitÀt beim Menschen und bei Exposition innerhalb der zulÀssigen Grenzwerte ist umstritten.

Reaktionen

Die einfache Bromierung von Hydrochinon mit Kaliumbromid und Brom in Tetrachlorkohlenstoff fĂŒhrt zum Bromhydrochinon.[9]

Einfache Bromierung von Hydrochinon

VollstĂ€ndige Bromierung zum analytischen Nachweis liefert das 2,5-Dibromhydrochinon[10], dessen Schmelzpunkt bei 186 Â°C liegt.[11] Ebenfalls bekannt ist das Tetrabromhydrochinon, welches jedoch aus Benzochinon dargestellt wird.

Methylierung mit Dimethylsulfat ergibt das 1,4-Dimethoxybenzol, dessen Schmelzpunkt bei 56 Â°C liegt.

Methylierung von Hydrochinon

Eine direkte Nitrierung des Hydrochinons ist nicht möglich, da es dabei zerfĂ€llt.[12] Die Hydroxygruppen mĂŒssen daher durch Reaktion mit EssigsĂ€ureanhydrid und SchwefelsĂ€ure als Katalysator[13] mit Acetylgruppen geschĂŒtzt werden, dann findet eine Nitrierung an den Positionen 2 und 6 statt. Die Verseifung des entstehenden Dinitrodiacetylhydrochinons fĂŒhrt schließlich zu 2,6-Dinitrohydrochinon (Schmelzpunkt 135–136 Â°C).[12]

Herstellung von 2,6-Dinitrohydrochinon

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f g Eintrag zu CAS-Nr. 123-31-9 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 28. Januar 2007 (JavaScript erforderlich).
  2. ↑ a b Eintrag zu CAS-Nr. 123-31-9 im European chemical Substances Information System ESIS (ergĂ€nzender Eintrag)
  3. ↑ Datenblatt Hydroquinone bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 4. April 2011.
  4. ↑ F. Wöhler: "Ueber das Chinon", in: Pharmaceutisches Centralblatt, 1844, Nr. 39, S. 609–615 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google Buchsuche).
  5. ↑ H. Schildknecht, K. Holoubekal: "Die BombardierkĂ€fer und ihre Explosionschemie", in: Angewandte Chemie, 1961, 73 (1), S. 1–7; doi:10.1002/ange.19610730102.
  6. ↑ Werner Nachtigall, A. Wisser: Biologisches Design, Springer-Verlag Berlin, 1. Auflage (21. Februar 2005), ISBN 978-3-540-22789-2 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google Buchsuche).
  7. ↑ Gerhard G. Habermehl: Gift-Tiere und ihre Waffen, Springer-Verlag Berlin, 5. Auflage, aktualis. u. erw. A. (Juni 1994), ISBN 978-3-540-56897-1 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google Buchsuche).
  8. ↑ K. Elbs: Ueber Nitrohydrochinon, in: J. Prakt. Chem., 1893, 48, S. 179–185; doi:10.1002/prac.18930480123.
  9. ↑ Autorengemeinschaft: Organikum, 19. Auflage, Johann Ambrosius Barth, Leipzig · Berlin · Heidelberg 1993, ISBN 3-335-00343-8, S. 331.
  10. ↑ M. Kohn, L. W. Guttmann: Zur Kenntnis der Bromsubstitionsprodukte des Hydrochinons, in: Monatshefte fĂŒr Chemie, 1924, 45 (10), S. 573–588; doi:10.1007/BF01524599.
  11. ↑ Autorengemeinschaft: Organikum. 19. Auflage, Johann Ambrosius Barth, Leipzig · Berlin · Heidelberg 1993, ISBN 3-335-00343-8, S. 653.
  12. ↑ a b Dissertation: Methylether des 2,6-Dinitrohydrochinons und einige Derivate, Gustav Walther, UniversitĂ€t Basel (1904).
  13. ↑ H. Bock, S. Nick, C. NĂ€ther, J. W. Bats: Struktur ladungsgestörter MolekĂŒle, 47 [1,2]- Dinatrium- und Dikalium-Nitranilate: Die Cyanin-Verzerrung der Kohlenstoff-Sechsringe, in: Z. Naturforsch., 1994, 49b, S. 1021–1030; PDF.
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