|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| Strukturformel | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| (2S,4R)-4-Hydroxyprolin (2R,4S)-4-Hydroxyprolin (2S,4S)-4-Hydroxyprolin (2R,4R)-4-Hydroxyprolin | |||||||
| Allgemeines | |||||||
| Name | Hydroxyprolin | ||||||
| Andere Namen |
4-Hydroxypyrrolidin-2-carbonsäure | ||||||
| Summenformel | C5H9NO3 | ||||||
| CAS-Nummer |
| ||||||
| PubChem | 825 | ||||||
| Kurzbeschreibung |
farbloser Feststoff[1] | ||||||
| Eigenschaften | |||||||
| Molare Masse | 131,13 g·mol−1 | ||||||
| Aggregatzustand |
fest | ||||||
| Schmelzpunkt | |||||||
| Löslichkeit |
gut in Wasser (500 g·l−1 bei 20 °C)[1] | ||||||
| Sicherheitshinweise | |||||||
| |||||||
| Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. | |||||||
Hydroxyprolin (exakter L-4-Hydroxyprolin) ist eine α-Aminosäure, welche im Kollagen vorkommt. Die genaue chemische Bezeichnung der in der Natur vorkommenden Aminosäure lautet (2S,4R)-4-Hydroxypyrrolidin-2-carbonsäure. L-4-Hydroxyprolin entsteht durch Hydroxylierung in der 4-Stellung am Pyrrolidinring von L-Prolin, welches bereits in eine Polypeptidkette (Eiweiß) eines Kollagenmoleküls eingebaut ist, katalysiert durch das Enzym Prolylhydroxylase, unter Mitwirkung von Ascorbinsäure (Vitamin C). Hydroxyprolin hat im Kollagenmolekül die Funktion, den Zusammenhalt der Kollagen-Tripelhelix über einen gauche-Effekt zu stabilisieren. Die Theorie, dass von Hydroxyprolin ausgehende Wasserstoffbrücken die Tripelhelix stabilisieren, gilt als widerlegt. Von der 4-Hydroxypyrrolidin-2-carbonsäure gibt es insgesamt vier Stereoisomere, in unserer Umwelt spielt jedoch nur das (2S,4R)-Isomere als proteinogene Aminosäure eine Rolle. Enantiomer zur natürlichen (2S,4R)-Form ist die (2R,4S)-Form. Die (2S,4S)-Form und die (2R,4R)-Form sind Diastereomere der proteinogenen (2S,4R)-4-Hydroxypyrrolidin-2-carbonsäure [Synonym: (2S,4R)-4-Hydroxyprolin].
Wenn in der Literatur und in diesem Artikel von Hydroxyprolin – ohne weitere Zusätze – die Rede ist, ist jeweils das natürliche (2S,4R)-Hydroxyprolin [Synonym: L-4-Hydroxyprolin] gemeint.
Inhaltsverzeichnis |
Hydroxyprolin in Reinform liegt überwiegend als „inneres Salz“ bzw. Zwitterion vor, dessen Bildung dadurch zu erklären ist, dass das Proton der Carboxygruppe an das einsame Elektronenpaar des Stickstoffatoms der Aminogruppe wandert.
Im elektrischen Feld wandert das Zwitterion nicht, da es als Ganzes ungeladen ist. Genaugenommen ist dies am isoelektrischen Punkt (einem bestimmten pH-Wert) der Fall, bei dem das Hydroxyprolin auch seine geringste Löslichkeit in Wasser hat. Die beiden anderen Stereoisomeren mit (2S,4S)- bzw. (2R,4R)-Konfiguration verhalten sich analog, bilden also auch Zwitterionen.
Hydroxyprolin wird nicht direkt genetisch codiert, sondern entsteht erst als posttranslationale Modifikation. In Kollagen eingebautes L-Prolin wird durch das Enzym Prolyl-4-Hydroxylase und unter Beteiligung von Vitamin C zu L-Hydroxyprolin hydroxyliert. Hydroxyprolin ist erforderlich für dessen mechanische Eigenschaften als Strukturprotein. Die Mangelerkrankung Skorbut resultiert in einer Bindegewebsschwäche mit einem verminderten oder fehlendem Anteil von Hydroxyprolin und Hydroxylysin im Kollagen.
Die saure Hydrolyse von Kollagen ergibt nach der Neutralisation ein Proteinhydrolysat proteinogener α-Aminosäuren. Daraus läßt sich nach der 'Extraktionsmethode' (konkret mit der Hilfe von Ionenaustauschern) L-Hydroxyprolin gewinnen. Bis heute wird L-Hydroxyprolin nach dieser Trennmethode kommerziell gewonnen.[4]
(2S,4R)-N-Acetyl-4-hydroxyprolin (INN: Oxaceprol) wird als Arzneistoff gegen degenerative Gelenkerkrankungen verwendet. Für die vielstufige Synthese eines ACE-Hemmers wird (2S,4R)-4-Hydroxyprolin als Ausgangsstoff eingesetzt. (2S,4R)-4-Hydroxyprolin decarboxyliert thermisch durch Erhitzen in Tetraethylenglykoldimethylether in Gegenwart katalytischer Mengen Cyclohexen-3-on unter Bildung des cyclischen chiralen Aminoalkohols (R)-3-Hydroxypyrrolidin.[5]
Strukturisomere der vier 4-Hydroxyproline sind die vier 3-Hydroxyproline. Letztere sind durchgängig Exoten und besitzen nur geringe Bedeutung. Es gibt vier stereoisomere 3-Hydroxyproline: Die (2S,3R)-Form, die (2R,3S)-Form, die (2S,3S)-Form und die (2R,3R)-Form.
Die quantitative Analyse von Hydroxyprolin wird zur Bestimmung des Bindegewebsanteils in Fleischwaren herangezogen. Die Qualität von Fleischwaren ist aufschlussreich, da Hydroxyprolin nur in Kollagen und damit maßgeblich in Bindegewebe (Sehnen-, Knochen-, Knorpel- und Hautteilen) vorkommt; ein hoher Gehalt an Hydroxyprolin gilt daher als Indiz für eine erhöhte Verwendung minderwertiger Rohstoffe. Nach Messung des Gesamtstickstoffs nach Kjeldahl kann der BEFFE-Wert berechnet werden.
Die Probe wird mit Salzsäure aufgeschlossen und hydrolysiert, wobei insbesondere Polypeptide in die einzelnen Aminosäuren zerlegt werden. Das Fett wird abgetrennt und die Aminosäure mit Chloramin T oxidiert. Das Oxidationsprodukt bildet mit p-Dimethylaminobenzaldehyd ein rotgefärbtes Kondensationsprodukt. Dieses wird photometrisch bei 558 nm quantitativ nachgewiesen.[6]