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Il Milione (deutsche Übersetzung: "Der Milione") ist der Titel von Marco Polos Reisebeschreibungen.
Milione war eventuell die Kurzform des Spitznamens der Polo-Familie „Emilione“. Die Bezeichnung ist jedoch nicht letztgültig geklärt: gemeinhin pflegt man sie auch als Anspielung der Zeitgenossen auf Polos wenig glaubwürdig erscheinende Berichte von den sagenhaften Schätzen des Orients zu deuten. Das Buch ist auch bekannt als „Le meraviglie del mondo“ oder „Devisament du monde“ (deutsch: „Die Wunder der Welt“ oder „Aufteilung der Welt“). Der Reisebericht wurde – nach einem mündlichen Bericht Polos – zwischen September 1298 und Juli 1299 in altfranzösischer Sprache aufgezeichnet von Rustichello da Pisa (auch Rusticiano da Pisa). Der verlorengegangene Text wurde 1928 in rekonstruierter Form veröffentlicht.
Der Titel der ursprünglichen Handschrift des Werkes lautete vermutlich „Le livre de Marco Polo citoyen de Venise, dit Million, oú lón contre les merveilles du monde“ („Das Buch des Marco Polo, Bürger der Stadt Venedig, genannt Milione, worin von den Wundern der Welt berichtet wird“).
Die beiden Männer waren angeblich 1298 nach der Seeschlacht bei Curzola in Genueser Gefangenschaft geraten. Während der gemeinsamen Haft soll Polo seinem Freund, der sich zuvor bereits als Sammler und Herausgeber bretonischer Ritterepen hervorgetan hatte, die Erinnerungen an seine Reiseerlebnisse diktiert haben. Auf dieser Urschrift basieren circa 150[1] mitunter stark verfälschte Originalmanuskripte. Erst die moderne Literaturwissenschaft unternahm es, den ursprünglichen Text, soweit wie möglich, wieder herzustellen. Die Verwendung der französischen Sprache im italienischen Sprachraum zur Herstellung von Schriftlichkeit war dabei nichts Ungewöhnliches.
Inhaltsverzeichnis |
Obwohl das Werk ein weitgehend sachlicher Reisebericht ist, enthält es auch bluttriefende Erzählungen von Schlachten, anschauliche Beschreibungen prunkvoller Paläste, zauberhafter Gärten mit fremdartigen Blumen, feierlicher Zeremonien, Götzen und Potentaten. Mit seinen Erzählungen hat Polo ein Werk geschaffen, das sich durchaus mit den französischen Ritterromanen vergleichen lässt. Ein Höhepunkt des Buchs ist die Episode vom „Alten vom Berge“, der in abgewandelter Form bis in die neuere Zeit hinein mannigfaltige Interpretationen erfahren hat. Von historischem Wert ist besonders die Erzählung vom Leben in der prunkvollen Sommerresidenz des großen Khans, sowie über Bräuche des alten chinesischen Kaiserreichs. Der Autor bleibt dabei stets dezent im Hintergrund. Seine Verzauberung durch die fremdartige Umgebung ist aber fortwährend spürbar.
Von Polos Zeitgenossen wurde sein Werk vielfach als Märchensammlung verkannt. Für das nachfolgende Zeitalter der Entdecker besaß es aufgrund der Fülle der in ihm enthaltenen geographischen und ethnographischen Angaben jedoch einen hohen Wert. So hatte Christoph Kolumbus eine Abschrift des Reiseberichts in den Händen, die er mit zahlreichen Anmerkungen versah.
Die Glaubwürdigkeit der Berichte Marco Polos ist in der Geschichtsforschung allerdings bis heute umstritten.
Bis heute grundlegend ist die sogenannte Edizione integrale von Luigi Foscolo Benedetto: Marco Polo, Il Milione. L. S. Olschki, Florenz 1928 (= Comitato geografico nazionale italiano, 3). Berücksichtigenswert sind außerdem die folgenden Ausgaben: