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Imre Kertész

Imre Kertész in Szeged, 2007

Imre KertĂ©sz [ˈimrɛ ˈkɛrtes] (* 9. November 1929 in Budapest) ist ein jĂŒdisch-ungarischer Schriftsteller. Er erhielt den Nobelpreis fĂŒr Literatur im Jahre 2002.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Imre KertĂ©sz wurde am 9. November 1929 in Budapest geboren. Er stammt aus einer kleinbĂŒrgerlichen Familie. Wegen seiner jĂŒdischen Abstammung wurde KertĂ©sz 1944 als FĂŒnfzehnjĂ€hriger ĂŒber Auschwitz ins Konzentrationslager Buchenwald und in dessen Außenlager Wille in Tröglitz/Rehmsdorf bei Zeitz verschleppt. Er wurde am 11. April 1945 befreit und kehrte dann nach Budapest zurĂŒck.[1] Diese einjĂ€hrige, ihn bis heute prĂ€gende Zeit verarbeitete er zuerst in dem 1973 fertig gestellten Roman eines Schicksallosen.

Nach seinem Abitur 1948 fand Imre Kertész zunÀchst eine Anstellung als Journalist bei der Tageszeitung Vilågossåg, die er jedoch 1951 wieder aufgeben musste, da diese zum Parteiorgan der Kommunisten erklÀrt wurde.

Nach seinem MilitĂ€rdienst (1951–1953) ließ sich KertĂ©sz erneut in Budapest nieder und begann, als freier Schriftsteller und Übersetzer zu arbeiten. Seine Arbeit und Freiheiten als Schriftsteller wurden in seiner Heimat besonders nach dem Aufstand von 1956 durch die kommunistische Diktatur eingeschrĂ€nkt. Seinen Lebensunterhalt sicherte er sich zunĂ€chst mit dem Schreiben von Texten zu Musicals und kleinen TheaterstĂŒcken.

KertĂ©sz ĂŒbersetzte damals auch viel, unter anderen Werke von Friedrich Nietzsche, Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, Sigmund Freud, Joseph Roth, Ludwig Wittgenstein und Elias Canetti, welche allesamt sein eigenes Werk entscheidend prĂ€gten.

1960 begann er mit der 13-jĂ€hrigen Arbeit an dem Buch Roman eines Schicksallosen, das zu einem der bedeutendsten Werke ĂŒber den Holocaust zĂ€hlt. Die meisten seiner BĂŒcher sind autobiographisch inspiriert. In den 1990er Jahren veröffentlichte er selbstdokumentarische Aufzeichnungen ĂŒber die Jahre 1961 bis 1995.

Im Zusammenhang mit seinem (nicht ins Deutsche ĂŒbersetzten) TheaterstĂŒck Csacsifogat aus den 1950er Jahren sind gegen ihn 2002 von dem Autor und Dissidenten PĂĄl BĂĄn PlagiatvorwĂŒrfe erhoben worden. Diesen widerspricht KertĂ©sz.

Am 29. Januar 2007 war Imre KertĂ©sz Gastredner im Deutschen Bundestag anlĂ€sslich des offiziellen Gedenktages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Er las aus seinem Buch Kaddisch fĂŒr ein nicht geborenes Kind. [2]

Imre KertĂ©sz ist in zweiter Ehe verheiratet. Er lebt seit dem Jahr 2000 in seiner Wahlheimat Berlin.[3] KertĂ©sz hat sich wiederholt kritisch zur allgemeinen Lage in Ungarn geĂ€ußert.[4][5]

Werke

Prosawerke

Tetralogie der Schicksallosigkeit

Der Roman eines Schicksallosen bildet zusammen mit den BĂ€nden Fiasko, Kaddisch fĂŒr ein nicht geborenes Kind und Liquidation eine „Tetralogie der Schicksallosigkeit“.

Roman eines Schicksallosen

1975 publizierte KertĂ©sz seinen ersten Roman SorstalansĂĄg (‚Schicksallosigkeit‘) (dt. Mensch ohne Schicksal, 1990; NeuĂŒbersetzung Roman eines Schicksallosen, 1996), der auf seinen Erfahrungen von Auschwitz und Buchenwald aufbaut. Das Buch wurde nach seiner Veröffentlichung in einem staatlichen Verlag in Ungarn zunĂ€chst totgeschwiegen. Erst 1985 brachte ihm die Neuauflage in einem liberaleren politischen Klima die gebĂŒhrende literarische Anerkennung.

KertĂ©sz hat selbst gesagt: „Denke ich an einen neuen Roman, denke ich immer an Auschwitz.“ Dies bedeutet dennoch nicht, dass SorstalansĂĄg etwa autobiographisch im einfachen Sinn des Wortes ist. KertĂ©sz Ă€ußert dazu, dass er eine autobiographische Romanform verwende, aber keinen autobiographischen Roman geschrieben habe.

Das Buch wurde 2005 von Lajos Koltai unter dem Titel Fateless – Roman eines Schicksallosen verfilmt.

Fiasko und Kaddisch fĂŒr ein nicht geborenes Kind

Die Erfahrung der Ablehnung von Sorstalansåg hat Kertész in A kudarc, 1988 (dt. Fiasko, 2000), geschildert. Hier zeichnet Kertész die schwierige Entstehungsgeschichte seines Romanerstlings und die Existenz eines Schriftstellers unter den Bedingungen einer Diktatur nach.

Dieser Roman wird als zweiter Teil der Tetralogie angesehen, deren dritter Teil Kaddis a meg nem szĂŒletett gyermekĂ©rt, 1990 (dt. Kaddisch fĂŒr ein nicht geborenes Kind, 1992) ist. In dem Roman geht es um die bleibenden Folgen der Schoa, um das Überleben nach Auschwitz. Kaddisch ist der Titel eines Gebets, das die Juden fĂŒr ihre Toten sprechen. In Kaddis a meg nem szĂŒletett gyermekĂ©rt taucht die Hauptgestalt György Köves aus SorstalansĂĄg und A kudarc wieder auf. In Form seines Kaddisch gibt das Buch den Monolog eines Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden wieder, der nach Auschwitz kein neues Leben mehr in eine Welt setzen will, die die Existenz von Auschwitz zugelassen hat.

Liquidation

Den vierten Teil der „Tetralogie der Schicksallosigkeit“ bildet das Werk FelszĂĄmolĂĄs, 2003 (dt. Liquidation, 2003). Darin wird ein TheaterstĂŒck, das ein Freund vor seinem Selbstmord geschrieben hat, fĂŒr einen Budapester Intellektuellen „zum Gegenstand obsessiven Gedenkens und Erinnerns“ [6] an den in Auschwitz geborenen Freund und an sein eigenes Leben.

„Es geht um Auschwitz und nicht um romantische Ironie. Es geht nicht um die heitere Unendlichkeit sich unablĂ€ssig spiegelnder Fiktionen. Es geht um Tod, Mord, Selbstmord und Liquidation. Held B. ist im Jahr 1944 in Auschwitz geboren und im Stalinismus groß geworden. Er hat, wie KertĂ©sz, das eine Lager mit dem anderen vertauscht. Doch anders als KertĂ©sz ertrĂ€gt er die im Jahr 1990 anbrechende Freiheit nicht. Denn eine Freiheit ohne Mauern ist, genau genommen, keine Freiheit, sondern ein Zustand. Ein Zustand, an den man sich gewöhnen kann. An den er sich nicht gewöhnen wollte. Er war, heißt es an einer Stelle, ein Schriftgelehrter. Es ist dieser Glaube an die Schrift als die einzige Wahrheit, der diesem Werk ĂŒber alle Beschwernisse hinweg große WĂŒrde verleiht. Es ist ein Schriftglaube, wie man ihn aus den großen Kunstreligionen, aus den Schriften der Buchheiligen StĂ©phane MallarmĂ©, Gustave Flaubert oder Edmond JabĂšs – ihren TrĂ€umen von einem absoluten Buch ĂŒber Nichts – zu kennen meint. Aber das tĂ€uscht. Mit der poetischen Kabbala der vorletzten Jahrhundertwende hat dieser Schriftglaube nichts zu tun. Sein Ursprung liegt nicht im Salon, sondern im KZ. Seine Voraussetzung ist nicht Manierismus, sondern Zerstörung.[7]“

– Iris Radisch, © DIE ZEIT, 2003

ErzÀhlungen, Essays

KertĂ©sz verfasste auch ErzĂ€hlungen, Essays und Kurzromane. Darunter ist der 1977 in Ungarn erschienene Band A nyomkeresƑ (dt. Der Spurensucher, 1999). In der Titelgeschichte tritt der aus seinem Erstlingsroman bekannte Protagonist dreißig Jahre nach seiner Deportation nach Auschwitz-Birkenau diese Reise noch einmal an. Die „Neue ZĂŒrcher Zeitung“ schreibt dazu: „Der Sucher geht der grauenvollen Vergangenheit nach, die er jedoch vergebens heraufzubeschwören versucht. Nichts ist gleich geblieben, das Erlebnis ist verkĂŒmmert; ja sogar der Besucher muss feststellen, dass die Vergangenheit auch in ihm zu Schweigen geworden ist.“ [8] Der zweite Kurzroman dieses Bandes ist in SĂŒdamerika angesiedelt und schildert den Mechanismus des Terrors aus dem Blickwinkel eines Mitglieds der politischen Polizei.</br> 1991 erschien ein Band mit essayistischer Prosa Az angol lobogĂł (dt. Die englische Flagge, 1999).

Autobiographische Werke

Galeerentagebuch

1992 veröffentlichte KertĂ©sz das GĂĄlyanaplĂł (dt. Galeerentagebuch, 1993). In dieser „Galeerenarbeit der Selbstdokumentation“ geht KertĂ©sz Fragen nach der Determiniertheit und Freiheit des Individuums sowie der verlorenen Möglichkeit seiner Entfaltung in einer totalitĂ€ren Welt nach. Das Werk ist ein Tagebuch in belletristischer Form. Es umspannt die Jahre 1961–1991 als eine Sammlung von Beobachtungen, Aphorismen und philosophischen Exkursionen aus dreißig Jahren. Das Werk spielt sich in inneren Dialogen mit Nietzsche, Freud, Camus, Adorno, mit Musil, Samuel Beckett und Kafka ab. KertĂ©sz versucht Holocaust, ModernitĂ€t, Totalitarismus und Freiheit zu Ende zu denken.

Ich – ein anderer

„Meine einzige IdentitĂ€t ist die des Schreibens“, bekennt KertĂ©sz in Valaki mĂĄs. A vĂĄltozĂĄs krĂłnikĂĄja, 1997 (dt. Ich – ein anderer, 1998). Dieses Werk ist ein Art Fortsetzungsband zum Galeerentagebuch, der die Jahre 1991 bis 1995 umfasst, in denen sich das Leben KertĂ©sz' grundlegend verĂ€ndert hatte: Aus dem GefĂ€ngnisleben war ein rastloses Nomadenleben mit Lesereisen durch viele LĂ€nder geworden, an dem er Gefallen fand, das ihn andererseits in der stĂ€ndigen Zerstreuung auch bedrĂŒckte. KertĂ©sz sah sich genötigt, seine IdentitĂ€t neu zu definieren.

Ich – ein anderer ist eine Reise durch verschiedene StĂ€dte, Lebensphasen und durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Budapest, Berlin, Wien, Leipzig, MĂŒnchen, Tel Aviv – alles Orte, die der ErzĂ€hler in seinen Reisen aufsucht, auf Lesetour, fĂŒr einen Vortrag, um einen Preis entgegenzunehmen. KertĂ©sz legte 1997 mit diesem Buch einen Roman vor, der mehr noch als seine bisherigen Werke wie Roman eines Schicksalslosen oder Galeerentagebuch mit Autobiographischem verwoben ist oder sogar autobiographisch ist.

Gleichzeitig ist Ich – ein anderer auch das Zeugnis einer existenziellen Krise zwischen „Leben und Tod“, die der ErzĂ€hler, der seine IdentitĂ€t als „sich selbst schreibende IdentitĂ€t“ definiert, durchlebt: „Mein Körper strebt Richtung Tod, mein Kopf dreht sich zum Leben um, mein Fuß holt unschlĂŒssig zu einem Schritt aus. Einem Schritt wohin? Egal. Denn wer den Schritt tut, bin schon nicht mehr ich. Das ist ein anderer.“

Dossier K.

Eine Art autobiographischen Kreuzverhörs prĂ€sentierte der Autor 2006 mit dem Titel K. dossziĂ© (dt. Dossier K.: eine Ermittlung, 2006). In einem monatelangen Dialog, den sein Freund Zoltan Hafner aufzeichnete, war die Idee einer Selbstbefragung geboren worden, in der sich das autobiographische Ich mit seinem eigenen eloquenten Kritiker auseinandersetzt. In einem Interview sagte KertĂ©sz der Stuttgarter Zeitung ĂŒber sein Lebenstrauma und die Rolle des Schreibens:

„Wenn ich im Konzentrationslager ĂŒberleben will, muss ich seiner Logik folgen. Diese willentliche oder nicht willentliche Kollaboration ist die grĂ¶ĂŸte Schande des Überlebenden, er kann sie nicht eingestehen. Der Schriftsteller kann es. Denn die Literatur besitzt eine besondere Aufrichtigkeit.[9]“

– Imre KertĂ©sz, (Stuttgart, 2006)

Viel mehr als seine Person – angesichts der Erfahrung von Auschwitz eine unsichere GrĂ¶ĂŸe – rĂŒckte KertĂ©sz sein Werk in den Vordergrund: „Sein Selbstverhör zieht die Ă€sthetische Konsequenz dieser Erfahrung“, kommentierte „die tageszeitung“ und stellte weiter fest, KertĂ©sz habe nicht den Anspruch, „eine moralische Instanz zu sein. Eben deshalb ist er es.“[10]

In deutscher Übersetzung erschienene Werke

  • Mensch ohne Schicksal (Orig.: SorstalansĂĄg), ĂŒbersetzt von Jörg Buschmann, RĂŒtten und Loening, Berlin 1990, ISBN 3-352-00341-6
  • Kaddisch fĂŒr ein nicht geborenes Kind (Orig.: Kaddis a meg nem szĂŒletett gyermekĂ©rt), ĂŒbersetzt von György Buda und Kristin Schwamm, Rowohlt, Berlin 1992, ISBN 3-499-22574-3
  • Galeerentagebuch (Orig.: GĂĄlyanaplĂł), ĂŒbersetzt von Kristin Schwamm, Rowohlt, Berlin 1993, ISBN 3-499-22158-6
  • Eine Geschichte. Zwei Geschichten (mit PĂ©ter EsterhĂĄzy), ĂŒbersetzt von Kristin Schwamm und Hans Skirecki, Berlin Verlag, Berlin 1994; Neuausgabe: Eine, zwei, noch eine Geschichte/n (mit PĂ©ter EsterhĂĄzy und Ingo Schulze), Berlin Verlag, Berlin 2008, ISBN 3-442-76202-2
  • Eine ZurĂŒckweisung. Buch und CD zum Brandenburgischen Literaturpreis 1995, Brandenburgisches LiteraturbĂŒro, Vacat, Potsdam 1995, ISBN 3-930752-07-7
  • Roman eines Schicksallosen (Orig.: SorstalansĂĄg), neu ĂŒbersetzt von Christina Viragh, Rowohlt, Berlin 1996, ISBN 3-499-22576-X
  • Ich – ein anderer (Orig.: Valaki mĂĄs), ĂŒbersetzt von Ilma Rakusa, Rowohlt, Berlin 1998, und MĂŒnchen 2003, ISBN 3-89940-118-2
  • Die englische Flagge. ErzĂ€hlungen, ĂŒbersetzt von György Buda und Kristin Schwamm, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1999, ISBN 3-498-03518-5
  • Eine GedankenlĂ€nge Stille, wĂ€hrend das Erschießungskommando neu lĂ€dt. Essays, ĂŒbersetzt von György Buda unter anderen, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1999, ISBN 3-499-22571-9
  • Fiasko (Orig.: A kudarc), ĂŒbersetzt von György Buda u. Agnes Relle, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1999, ISBN 3-499-22571-9
  • „Heureka!“. Rede zum Nobelpreis 2002, ĂŒbersetzt von Kristin Schwamm, Suhrkamp, Frankfurt/M. 2002, ISBN 978-3-518-06702-4
  • Der Spurensucher. ErzĂ€hlung (Orig.: A nyomkeresö), ĂŒbersetzt von György Buda, Suhrkamp, Frankfurt/M. 2002, ISBN 3-518-22357-7
  • Schritt fĂŒr Schritt. Drehbuch zum „Roman eines Schicksallosen“, ĂŒbersetzt von Erich Berger, Suhrkamp, Frankfurt/M. 2002, ISBN 3-518-12292-4
  • Liquidation (Orig.: FelszĂĄmolĂĄs), ĂŒbersetzt von LaszlĂł Kornitzer u. Ingrid KrĂŒger, Suhrkamp, Frankfurt/M. 2003, ISBN 3-518-41493-3
  • Detektivgeschichte (Orig.: DetektivtörtĂ©net), ĂŒbersetzt von Angelika und PĂ©ter MĂĄtĂ©, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 2004, ISBN 3-498-03525-8,
  • Protokoll. ErzĂ€hlung, mit Zeichnungen von Kurt Löb, ĂŒbersetzt von Kristin Schwamm, Verlag Thomas Reche, Neumarkt 2004, ISBN 3-85165-654-7
  • Dossier K.: eine Ermittlung (Orig.: K. dossziĂ©), ĂŒbersetzt von Kristin Schwamm, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 2006, ISBN 3-498-03530-4
  • Heureka! GesprĂ€che und eine Rede. Radierungen von Susanne Thuemer, Verlag Thomas Reche, Neumarkt 2006, ISBN 3-85165-654-7
  • Man musste durch die Hölle gehen in: Martin Doerry (Hg): Nirgendwo und ĂŒberall zu Haus. GesprĂ€che mit Überlebenden des Holocaust DVA, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-421-04207-1 (auch als CD) S. 152 - 159, ISBN 978-3-421-04207-1
  • Opfer und Henker. ErzĂ€hlungen, ĂŒbersetzt von Christian Polzin, Ilma Rakusa, Agnes Relle unter anderen, Transit, Berlin 2007, ISBN 3-88747-220-9
Briefe
  • Briefe an Eva Haldimann, ĂŒbersetzt von Kristin Schwamm, Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 2009. ISBN 978-3-498-03545-7

Preise und Ehrungen

Imre Kertész in Szeged, Ungarn 2007

Internationale Preise

KertĂ©sz wurde 1995 mit dem Brandenburgischen Literaturpreis, 1997 mit dem Leipziger Buchpreis zur EuropĂ€ischen VerstĂ€ndigung, dem Jeanette Schocken Preis der Stadt Bremerhaven, dem Friedrich-Gundolf-Preis der Deutschen Akademie fĂŒr Sprache und Dichtung, 2000 mit dem Herder-Preis, dem WELT-Literaturpreis und dem Pour le mĂ©rite fĂŒr Wissenschaft und KĂŒnste ausgezeichnet. Im Jahre 2001 erhielt er die Ehrengabe zum Adelbert-von-Chamisso-Preis und den Ehrenpreis der Robert-Bosch-Stiftung. Im Jahre 2002 wurde er mit dem Hans-Sahl-Preis und 2004 mit der Goethe-Medaille aus Weimar sowie dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet. FĂŒr sein schriftstellerisches Gesamtwerk wurde Imre KertĂ©sz im Jahre 2002 als erster und bislang einziger ungarischsprachiger Autor mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.[11] Seit 2003 ist KertĂ©sz Mitglied der Akademie der KĂŒnste, Berlin, Sektion Literatur. 2006 erhielt er die Ernst-Reuter-Plakette Berlins und den Wingate Literary Prize. Seit 2005 ist er Ehrendoktor der Freien UniversitĂ€t Berlin. Am 8. November 2006 fand in der Berliner Nikolaikirche die Ehrung des ungarischen LiteraturnobelpreistrĂ€gers mit dem Preis fĂŒr Verdienste um die deutsche und europĂ€ische VerstĂ€ndigung 2006 der Deutschen Gesellschaft e. V. statt. Die Deutsche Gesellschaft wĂŒrdigte damit einen Autor, dessen literarisches Lebenswerk exemplarisch fĂŒr die Auseinandersetzung mit der europĂ€ischen Geschichte des 20. Jahrhunderts steht. „VölkerverstĂ€ndigung durch AufklĂ€rung, das ist es, was wir Imre KertĂ©sz verdanken.“ (Jutta Limbach, PrĂ€sidentin des Goethe-Instituts und Laudatorin des PreistrĂ€gers). 2007 erhielt Imre KertĂ©sz den Marion-Samuel-Preis der Augsburger Stiftung Erinnerung, 2009 den Jean-AmĂ©ry-Preis. Im Jahre 2008 ist KertĂ©sz Imre in Berlin mit dem „Preis fĂŒr VerstĂ€ndigung und Toleranz“ geehrt worden. Im Oktober 2010 hat die Friedrich-Schiller-UniversitĂ€t Jena das Imre KertĂ©sz Kolleg. Europas Osten im 20. Jahrhundert. Historische Erfahrungen im Vergleich eingerichtet.[12]

Preise in Ungarn

  • 1983 FĂŒst MilĂĄn-PrĂ€mie, Ungarn
  • 1986 Forintos-Preis fĂŒr Übersetzer, Ungarn
  • 1988 Artisjus Literarischer Preis, Ungarn
  • 1989 JĂłzsef Attila-Preis, Ungarn
  • 1989 DĂ©ry Tibor-PrĂ€mie, Ungarn
  • 1989 Aszu-Preis, Ungarn
  • 1990 PrĂ€mie fĂŒr das Buch des Jahres, Ungarn
  • 1990 Örley-Preis, Ungarn
  • 1992 Soros-Preis fĂŒr das Lebenswerk, Ungarn
  • 1995 Preis der Soros-Stiftung, Ungarn
  • 1996 MĂĄrai SĂĄndor-Preis, Ungarn
  • 1997 Kossuth-Preis, Ungarn
  • 1997 Großer Preis von Budapest, Ungarn
  • 2007 Verleihung des Titels "Kulturgesandter Ungarns" vom ungarischen Kulturminister

Literatur

  • Jan Philipp Reemtsma: Überleben als erzwungenes EinverstĂ€ndnis. Gedanken bei der LektĂŒre von Imre KertĂ©sz' „Roman eines Schicksallosen“. Vortrag, 1999. In: Jan Philipp Reemtsma: Warum Hagen Jung-Ortlieb erschlug. UnzeitgemĂ€ĂŸes ĂŒber Krieg und Tod. C. H. Beck, MĂŒnchen 2003. (= Beck'sche Reihe 1508), S. 220–249.
  • MihĂĄly Szegedy-Maszak und TamĂĄs Scheibner (Hrsg.): Der lange, dunkle Schatten: Studien zum Werk von Imre KertĂ©sz. Passagen, Wien 2004, ISBN 3-85165-654-7.
  • Zsuzsa Selyem: Der Roman, in dem “die Neunte Symphonie zurĂŒckgenommen worden sei”. Über die Funktion der RĂŒcknahme in den Romanen “Liquidation” von Imre KertĂ©sz bzw. Doktor Faustus von Thomas Mann. In: Weimarer BeitrĂ€ge. Zeitschrift fĂŒr Literaturwissenschaft, Ästhetik und Kulturwissenschaften, 1/2006. S. 63–81.
  • LĂĄszlĂł F. FöldĂ©nyi und Akos Doma: Schicksallosigkeit: Ein Imre-KertĂ©sz-Wörterbuch. Rowohlt, Reinbek 2009, ISBN 978-3-498-02122-1.
  • Adam Zagajewski: Über die Treue. Imre KertĂ©sz' geduldige Arbeit am Mythos des Romans. In: Sinn und Form 6/2009, S. 751–756.
  • Daniel Kehlmann: Schicksallosigkeit. Rede auf Imre KertĂ©sz. In: Sinn und Form 1/2010, S. 135–138.
  • Dietmar Ebert (Hrsg.): Das GlĂŒck des atonalen ErzĂ€hlens. Studien zu Imre KertĂ©sz. Edition Azur, Dresden 2010, ISBN 978-3-942375-01-6.
  • Bernhard Sarin: Ein Leben als Artikulation. Die anthropologische Ikonographie der Schriften von Imre KertĂ©sz. UniversitĂ€tsverlag Potsdam, 2010, ISBN 978-3-86956-086-1.[13]

Interviews

Einzelnachweise

  1. ↑ Imre KertĂ©sz: Dossier K.: eine Ermittlung. (Orig.: K. dossziĂ©.), ĂŒbersetzt von Kristin Schwamm. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 3-498-03530-4. S. 96–97.
  2. ↑ Informationsseite des Deutschen Bundestages ĂŒber KertĂ©sz. 29. Januar 2007, abgerufen am 24. Februar 2011.
  3. ↑ Imre KertĂ©sz: Dossier K.: eine Ermittlung. (Orig.: K. dossziĂ©.), ĂŒbersetzt von Kristin Schwamm. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 3-498-03530-4. S. 258.
  4. ↑ "Ich schreibe keine Holocaust-Literatur, ich schreibe Romane. In „Die Welt“ online, 7. November 2009, abgerufen am 23. Feb ruar 2011.
  5. ↑ MeghamisĂ­tottĂĄk KertĂ©sz szavait / Die Worte von KertĂ©sz sind verfĂ€lscht worden.", Duna TV online, 9. November 2009, 19:03
  6. ↑ taz, 8. Oktober 2003.
  7. ↑ Iris Radisch: Der Mensch muss seine Seele retten. In DIE ZEIT Nr. 42/2003, 9. Oktober 2003.
  8. ↑ NZZ, 2. Dezember 1977.
  9. ↑ Stuttgarter Zeitung, 14. Oktober 2006.
  10. ↑ taz, 20. September 2006.
  11. ↑ Nobelvorlesung von Kertesz anlĂ€sslich der Preisverleihung (dt. Übersetzung)
  12. ↑ Info der Uni Jena zum Imre KertĂ©sz Kolleg.
  13. ↑ Volltext (PDF-Datei; 3.7 MB).

Weblinks

 Commons: Imre KertĂ©sz â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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