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Das klassische europĂ€ische Bild der Indianer ist das der âedlen Wildenâ oder der âwilden MĂ€nnerâ. Ein spezifisches Indianerbild im deutschen Sprachraum entspringt der intensiven BeschĂ€ftigung mit Kulturen und Schicksalen der nordamerikanischen Ureinwohner in deutschsprachigen Publikationen und Medien. Ein heroisierendes Indianerbild wurde, beeinflusst insbesondere von Karl Mays Winnetou-Romanen, bereits im deutschen Kaiserreich und in der Jugend- und Wandervogelbewegung als Element einer antimodernistischen Kulturkritik entwickelt. Bei der BeschĂ€ftigung mit dem Indianer ging es zumeist weniger um die realen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen RealitĂ€ten der Native Americans, sondern um deutsche SehnsĂŒchte. Im Zuge der Industrialisierung des Deutschen Reiches war dies die Sehnsucht nach einem âauthentischenâ, freien und naturverbundenen Leben abseits des tristen Alltags der modernen Fabriken und StĂ€dte. Befruchtet durch die mannigfaltige Literatur, Völker- und Wild West-Schauen mit âechten Indianernâ und die ersten Western-Filme entwickelte sich eine groĂe Vorliebe fĂŒr das populĂ€rkulturelle Material âIndianerâ, was sich auch in der Beliebtheit von Indianer- und Cowboyspielen widerspiegelt.[1]
Archetypen in Ăberlieferungen wie auch Kultobjekte und Artefakte der Indianer und anderer Ureinwohner spielten in der Kunst der frĂŒhen Moderne wie auch der Psychologie etwa Carl Gustav Jungs eine wesentliche Rolle.
Unter anderem im Nationalsozialismus wurde versucht, diese SehnsĂŒchte zu instrumentalisieren. In der DDR wurde das Reenactment von indianischen BrĂ€uchen[2] und Alltagsleben im Rahmen der Indianistik, wie das Westernhobby in der DDR genannt wurde, von Seiten des SED-Staates anfangs misstrauisch beĂ€ugt, geduldet, teilweise gestört und nach und nach in die Strukturen der sozialistischen Kulturarbeit integriert.[3] In der BRD wirkten das idealisierte Indianerbild in der 1968er Bewegung und in der GrĂŒndungsphase der Partei Die GrĂŒnen nach. Doch auch im âMainstreamâ dominierten die Bilder vom weisen Schamanen, Heiler und UmweltschĂŒtzer. Nicht zuletzt wurde diese Sicht von der New-Age- und Esoterik-Bewegung gefördert und hat ungeachtetet von realen Konflikten mit tatsĂ€chlichen Indigenen zur starken UnterstĂŒtzung fĂŒr Greenpeace in Deutschland beigetragen. Ein in Bayern bekanntes Beispiel eines Indianers aus eigenem Willen ist der Musiker Willy Michl, ein bayerisches Original und Blueslegende vom Stamme der Isarindianer.
Die RealitĂ€t der Wirtschafts- und Naturbeziehung der nordamerikanischen Ureinwohner und ihrer heutigen Nachfahren ist komplexer als die deutschen Projektionen auf ebenjene. FĂŒr die kulturellen Vorstellungen[4] der vielen nordamerikanischen Völker trifft dies gleichfalls zu. Das Jagdverhalten und der Umgang mit Brandrodung waren keineswegs nachhaltig. Sklaverei, brutale KriegfĂŒhrung, UmweltschĂ€den und der Aufbau von Herrschaftsbereichen und Imperien ist kein alleiniges Erbe der EuropĂ€er.[4] Die romantisierenden Bilder der Native Americans ist durch die europĂ€ische und spezifisch deutsche konservative Kulturkritik vorgeprĂ€gt. Im RĂŒckfluss hat es mittlerweile auf (historisch unzutreffende) Selbstbilder der heutigen Indianer[4] gewirkt.
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Wie andere Einwanderer verdrĂ€ngten auch Deutschamerikaner die Indianer aus ihren frĂŒheren Heimatgebieten. Die Synthese und Kooperation wie etwa bei einigen schottischen Einwanderern[5] blieb aus. Ausnahme ist etwa der deutschstĂ€mmige Sioux und Kongressabgeordnete Ben Reifel. Etliche deutsche Entdeckungsreisende und Auswanderer des 19. und 20. Jahrhundert verliehen den edlen Wilden Nordamerikas einen besonderen Reiz. Sie hinterlieĂen beredte literarische Zeugnisse, meist als Reiseberichte und TagebĂŒcher:
Philipp Georg Friedrich von Reck bereiste 1733/34 Massachusetts und Georgia, wo er sich bei den Muskogee aufhielt. Christian Gottlieb Prieber aus Zittau, ein Jurist und politischer Utopist, emigrierte 1735 nach Nordamerika. Ab 1736 lebte er mit den Cherokee in Tennessee. Er nahm ihre Sitten an, versuchte aber auch, dort seine Idealgesellschaft zu errichten. 1743 wurde er vom MilitĂ€r festgenommen und starb 1745 im GefĂ€ngnis. 1815 bis 1817 bereiste Maximilian zu Wied-Neuwied Brasilien, wo er zwei angepassten und sechs intakten IndianerstĂ€mmen begegnet. In Wort und Bild dokumentierte er seine Reise. 1832 bis 1834 leitete Wied eine Expedition durch Nordamerika, bei der er sich vom Schweizer Maler Karl Bodmer begleiten lieĂ. Die Wittelsbacher-Prinzessin Therese von Bayern, eine Tochter des Prinzregenten Luitpold, reiste 1893 in die USA. Die Sammlung von indianischen Kunst- und Handwerkserzeugnissen, die sie von dort mitbrachte, bereichert heute das Völkerkundemuseum in MĂŒnchen. Sie publizierte unter anderem ĂŒber die Pueblo-Indianer. Der BegrĂŒnder der modernen amerikanischen Kulturanthropologie, Franz Boas, 1858 in Minden geboren, wanderte nach Amerika aus und studierte das Leben der Kwakiutl in USA und Kanada. Die indianisch-amerikanische Schriftstellerin Louise Erdrich, deren Vater deutscher Abstammung ist, thematisiert in ihren Werken immer wieder das Zusammenleben von âWeiĂâ und âRotâ, insbesondere auch das Schicksal deutscher Einwanderer.
Besonders fĂŒr das VerhĂ€ltnis von Deutschen und Indianern in Nordamerika sind die Ereignisse in Texas. Dorthin hatte der Mainzer Adelsverein eine Gruppe Siedler geschickt, die die heutigen StĂ€dte New Braunfels und Fredericksburg grĂŒndeten. Es gibt viele VertrĂ€ge zwischen EuropĂ€ern bzw. Amerikanern und Indianern, die als âder einzige Vertrag, der nie gebrochen wurdeâ gelten. Doch dieser Friedensvertrag wurde tatsĂ€chlich bis heute nicht gebrochen und ist der einzige Vertrag zwischen âRotâ und âWeiĂâ, fĂŒr den das gilt. Beide Gruppen, die Nachfahren der Komantschen wie die Nachfahren der Deutsch-Texaner, treffen sich noch heute alljĂ€hrlich zum âFounders' Dayâ, um des Vertrages zu gedenken, der ihnen den Frieden brachte.[6]
Karl Bodmer (1809â1893) begleitete 1832â1834 den Naturforscher Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied auf dessen Nordamerika-Expedition. Er portrĂ€tierte zahlreiche Indianer in North Dakota, am Ohio River und Missouri River, unter anderen Blackfoot, Choctaw, Cherokee und Chickasaw. Bodmer arbeitete seine Skizzen zu Aquarellen aus. 81 seiner Illustrationen schmĂŒcken Prinz Maximilians Werk Reise im Inneren von Nordamerika (1844). Viele Bodmer-Skizzen werden heute im Nordamerika Native Museum (NONAM) in ZĂŒrich sowie im Joslyn Art Museum in Omaha, Nebraska, aufbewahrt.
Der Journalist und Maler Rudolf Cronau (1858â1939) illustrierte nicht nur seine Berichte aus Nordamerika, sondern freundete sich auch mit Sitting Bull an, den er portrĂ€tierte.
Der Artist und Hobby-Ethnologe Ernst Tobis, der sich selbst Patty Frank nannte, sammelte auf seinen Tourneen durch die USA OriginalstĂŒcke. Durch seine Begeisterung fĂŒr die Indianer entstand mit Hilfe dieser Sammlung 1928 das Indianermuseum in Radebeul. Auf Veranlassung Klara Mays, der Witwe und Nachlassverwalterin Karl Mays, wurden Mays und Tobis' Sammlung vereinigt und in der neugebauten Villa BĂ€renfett ausgestellt. Patty Frank blieb bis zu seinem Lebensende in den 1960er Jahren HĂŒter der Sammlung.
1913 bis 1921 lebte der MĂŒnchner Maler Julius Seyler in Montana. Er bewirtschaftete eine Farm und malte zahlreiche Bilder von seinen Nachbarn im Stamm der Blackfeet (Three Bear, Eagle Calf, Bear Pipe Man usw.) und von ihren heiligen Orten wie dem Chief Mountain.
Klaus Dill wurde durch zahlreiche Illustrationen zu Karl-May-BĂŒchern und Plakaten zu Western bekannt. Er malte einen Zyklus zum Leben von Tecumseh aus zwölf groĂformatigen Ălbildern.
Verschiedene Völkerkundemuseen haben bedeutende Sammlungen zur indianischen Kultur und Kunst. In Berlin, MĂŒnchen oder im Lindenmuseum Stuttgart wurde in den letzten Jahren erweitert oder umstrukturiert, ebenso in ZĂŒrich (siehe Weblinks).
Der Richter i.R. Karl-Heinrich Gehricke (1929â2010) war wie BrĂŒndl ein privater Sammler. 1975 besuchte er erstmals Indianer in den USA und lebte dann immer wieder bei verschiedenen StĂ€mmen. Er besaĂ er die weltgröĂte private Sammlung von KulturgĂŒtern, von Medizinbeuteln bis zu Schmuck und Töpferware. 2001 begann er, sein eigenes Indianermuseum im Herrenhaus Gevezin (Mecklenburg-Strelitz) aufzubauen. Es ist nach seinem Tod 2010 geschlossen worden.
Im Ersten Weltkrieg nahmen knapp 15.000 Indianer auf Seiten der alliierten StreitkrĂ€fte Kanadas und der USA teil. Sowohl auf amerikanischer Seite wie bei den Deutschen wurden die Indianer sowohl als âvanishing raceâ (deutsch: âschwindende Rasseâ) charakterisiert wie auch fĂŒr ihr soldatisches Ethos (Kampfgeist) gefĂŒrchtet und gepriesen. Eine besondere Beziehung der Deutschen zu den Indianern wurde mehrfach festgestellt, was insbesondere auf den Einfluss Karl Mays zurĂŒckgefĂŒhrt wurde. Eine Aufstellung segregierter, rein indianisch stĂ€mmiger Einheiten wurde verschiedentlich gefordert, aber nicht durchgĂ€ngig durchgefĂŒhrt. Seitens der deutschen Einheiten wurde der Einsatz indianischer Soldaten als MeldegĂ€nger, als ScharfschĂŒtzen und StoĂtrupps gefĂŒrchtet, bereits zum Ende des ersten Weltkriegs wurden Indianersprachen als Mittel der VerschlĂŒsselung der Kommunikation erfolgreich eingesetzt. In EinzelfĂ€llen traten im Ersten Weltkrieg auch Indianer in traditioneller Kriegsbemalung auf.[7] Im Zweiten Weltkrieg verwendeten amerikanische FallschirmjĂ€ger etwa der 101. US-Luftlandedivision den Irokesenschnitt wie auch Kriegsrufe Geronimo! und Symbolik mit Indianerbezug. Johnny Cashs Ballade vom Ira Hayes thematisiert den zwiespĂ€ltigen Umgang mit indianischen Kriegshelden in den USA und wurde auch in Deutschland bekannt. Bei aktuellen deutsch-indianischen Kontakten und Austausch spielen die in Deutschland stationierten indianischen Soldaten eine wichtige Rolle, zudem sind 45% der amtierenden und ehemaligen StammesfĂŒhrer ehemalige Soldaten.[8]
Adelbert von Chamisso nahm 1815â18 an einer von Russland initiierten Weltumseglung unter Leitung von Otto von Kotzebue teil. Dabei lernte er sowohl Indios in Lateinamerika als auch kalifornische Indianer kennen. Er verfasste zwei Gedichte dazu: Der Stein der Mutter oder der Guahiba-indianer und Rede des alten Kriegers Bunte Schlange im Rate der Muskogee-Indianer. Chamisso kritisierte den Umgang der Kolonisatoren und der US-Regierung mit den âNative Americansâ.
Karl Postl (1793â1864) lebte von 1823 bis 1831 in den USA. Er veröffentlichte unter dem Pseudonym Charles Sealsfield mehrere Romane, darunter Tokeah oder Die WeiĂe Rose. Darin behandelt er die Vertreibung der Muskogee und lĂ€sst historische Persönlichkeiten wie Tecumseh auftreten. Bei ihm und auch bei Friedrich GerstĂ€cker sind die Indianer realistischer dargestellt. Vorangehende Autoren beschrieben Indianer entweder als primitive Wilde oder als edle Helden.
Der amerikakritische österreichische Schriftsteller Nikolaus Lenau thematisierte in seiner Ballade Die Drei Indianer den durch die WeiĂen verursachten Untergang der indianischen Kultur.
Coopers âLederstrumpfâ-Romane begeisterten Goethe und erreichen seit ihrem Erscheinen auch in Deutschland eine beachtliche Leserzahl.
Franz Kafka verfasste die ErzÀhlung Wunsch, Indianer zu werden, die erstmals 1913 gedruckt wurde.[9] Die ErzÀhlung besteht nur aus einem Satz:
âWenn man doch ein Indianer wĂ€re, gleich bereit, und auf dem rennenden Pferde, schief in der Luft, immer wieder kurz erzitterte ĂŒber dem zitternden Boden, bis man die Sporen lieĂ, denn es gab keine Sporen, bis man die ZĂŒgel wegwarf, denn es gab keine ZĂŒgel, und kaum das Land vor sich als glattgemĂ€hte Heide sah, schon ohne Pferdehals und Pferdekopf.â
â Franz Kafka
Fritz Steubens Tecumseh-Romane wurden in der 1930er Jahren ein groĂer Erfolg und in der Nachkriegszeit erneut erfolgreich wiederaufgelegt, nachdem die offensichtlichen NS-Elemente entfernt waren.
In den 1950er Jahren veröffentlichte der Schweizer Ernst Herzig unter dem Pseudonym Ernie Hearting einige Biographien von bekannten HÀuptlingen und sprach damit vor allem Jugendliche an.
Der österreichische Schriftsteller Franz Xaver Weiser schrieb zwischen 1930 und 1970 einige Jugendromane ĂŒber die Waldlandindianer des Nordostens. Hervorzuheben ist die Trilogie Orimha (âOrimha der Irokeseâ 1969, âOrimha der WaldlĂ€uferâ 1970 und âOrimha bei den Siouxâ 1973). In dieser Trilogie werden Episoden aus dem Leben des französischen Entdeckers und PelzjĂ€gers Pierre Radisson in die Romane eingebunden.
Die deutsche Schriftstellerin Liselotte Welskopf-Henrich veröffentlichte zwischen 1951 und 1980 zwei Romanreihen, sechs BĂ€nde unter dem Titel âDie Söhne der GroĂen BĂ€rinâ und fĂŒnf unter âBlut des Adlersâ. In die âDie Söhne der GroĂen BĂ€rinâ beschreibt sie das Leben der PrĂ€rieindianer, die ersten Kontakte mit den WeiĂen und deren Auswirkungen aus der Sicht der Indianer. âDas Blut des Adlersâ fĂŒhrt die ersten sechs BĂ€nde weiter in einem zeitlichen Sprung in die Zeit der Reservation. Die Oglala-Lakota ehrten Liselotte Welskopf-Henrich mit dem Namen âLakota-Tashinaâ (Schutzdecke der Lakota). Die Söhne der GroĂen BĂ€rin wurde mit Gojko MitiÄ verfilmt und in der DDR gezeigt.
Die österreichische Schriftstellerin KĂ€the Recheis veröffentlichte bis 2004 mehr als 60 eigene Titel. Sie publizierte neben Kinder- und Jugendliteratur zum Thema Indianer auch 13 Titel mit indianischen Originaltexten. Recheis erreicht Leser im gesamten deutschsprachigen Raum und wird auch von Indianern positiv rezensiert. Seit 1961 unternahm sie zahlreiche Reisen nach Nord- und SĂŒdamerika, wo sie bei Indianern lebte. Der Abenaki Joseph Bruchac gab Recheis den Namen Molse-Mawa (Fell des Wolfes, d.h. BeschĂŒtzerin der Indianer). Recheis grĂŒndete zusammen mit ihrem Bruder, dem Arzt Romed Recheis, den GemeinnĂŒtzigen Verein zur UnterstĂŒtzung von Indianerschulen.[10]
In seiner Romanbiographie Die Entdeckung der Langsamkeit (1983) behandelt der deutsche Schriftsteller und Historiker Sten Nadolny das Leben des britischen Forschungsreisenden John Franklin. AusfĂŒhrlich schilderte er die Nordamerika-Expeditionen Franklins und baut den HĂ€uptling Akaitcho zum Alter Ego der Hauptfigur aus.
Von Werner Arens und Hans-Martin Braun wurde Der Gesang des Schwarzen BĂ€ren veröffentlicht. Die zweisprachige Anthologie enthĂ€lt Lieder und Gedichte der Indianer und bildet erstmals in deutscher Sprache einen Querschnitt ĂŒber 500 Jahre ihrer Entwicklung.
Karl May (1842â1912) begrĂŒndete die Indianer-Liebe ganzer Generationen von Deutschen â unter ihnen auch etlicher fĂŒhrender Nationalsozialisten â mit seinen Winnetou-Romanen. Er hatte Einfluss auf das Naturbild der BĂŒndischen Jugend, besonders der Wandervögel. Das wirkliche oder angenommene Schicksal der nordamerikanischen Ureinwohner wurde regelmĂ€Ăig, so wĂ€hrend der Weltkriege, zum Anlass genommen, Antiamerikanismus und deutsche antiamerikanische Vorurteile und Propaganda zu bestĂ€rken oder auszubauen. Die Nationalsozialisten versuchten Mays PopularitĂ€t und sein Werk zu vereinnahmen. Daher blieb in der DDR der Umgang mit Karl May â seine Werke wurden zumindest bis Anfang der achtziger Jahre dort nicht verlegt â wie auch mit den IndianersehnsĂŒchten der Bevölkerung zwiespĂ€ltig.[11]
In Radebeul ist in der Villa Shatterhand das Karl-May-Museum und im hinteren Teil des GrundstĂŒcks in dem Blockhaus âVilla BĂ€renfettâ die Indianerausstellung eingerichtet. Zum Karl-May-Fest reisen jĂ€hrlich âechteâ Indianer nach Sachsen, um vor interessierten Besuchern BrĂ€uche und TĂ€nze zu zeigen. Karl May wurde insbesondere ins Französische und in einige osteuropĂ€ische Sprachen ĂŒbersetzt, aber im englischen Sprachraum kaum gelesen. Moderne Indianer erkennen aber seine BemĂŒhungen an, das Ansehen der Indianer zu stĂ€rken. Zwischen dem Kulturzentrum der Mescalero-Apachen und dem Karl-May-Haus in Hohenstein-Ernstthal wurde im Herbst 2006 ein Kooperationsvertrag geschlossen.
Im 19. Jahrhundert wurden Indianer im Rahmen von Völkerschauen ausgestellt, die teils in Zoos stattfanden. BerĂŒhmt wurden die Völkerschauen von Carl Hagenbeck (1844â1913). Die Dresdner konnten sich bereits 1879 acht kanadische Irokesen anschauen, und Rudolf Cronau engagierte als Freund von Sitting Bull Hunkpapa-Lakota, die 1886 nach Europa kamen. Im groĂen Stil unternahm Buffalo Bill Europareisen: Er brachte 1890 rund 200 Indianer mit. Eine weitere Tournee unternahm er 1903â1907.
In Deutschland leben seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs viele Indianer, die als Angehörige der US-Armee ins Land kamen, hier blieben und mitunter weitere Indianer nachholten. Ein Verband von Indianern in Deutschland ist die 1994 gegrĂŒndete Native American Association of Germany (NAAoG) mit Sitz in Kaiserslautern. Sie hat Mitglieder in Deutschland, Europa und USA.
1974 reiste der avantgardistische KĂŒnstler und Cherokee Jimmy Durham in die Schweiz, um die GrĂŒndung eines Netzwerkes anzuregen, das zusammen mit den Indianern fĂŒr ihre Rechte einstehen soll. Wichtig war Durham insbesondere der Zugang zur UNO in Genf, um den Indianern Gehör an höchster internationaler Stelle zu verschaffen. So entstand die Schweizer Menschenrechtsorganisation Incomindios Schweiz, welche die Indianer unter anderem noch heute bei ihrem jĂ€hrlichen Besuch an der UNO unterstĂŒtzt.