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Indien

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen österreichischen Film siehe Indien (Film).
à€­à€Ÿà€°à€€ à€—à€Łà€°à€Ÿà€œà„à€Ż (Hindi)

Bhārat Gaáč‡arājya
Republic of India (engl.)
Republik Indien

Flagge Indiens
Wappen Indiens
Flagge Wappen
Wahlspruch: à€žà€€à„à€Żà€źà„‡à€” à€œà€Żà€€à„‡ Satyameva Jayate
Sanskrit, „Allein die Wahrheit siegt“
Amtssprache
Hauptstadt Neu-Delhi
Staatsform Parlamentarische Bundesrepublik
Staatsoberhaupt StaatsprÀsidentin Pratibha Patil
Regierungschef Premierminister Manmohan Singh
FlĂ€che 3.287.590 kmÂČ
Einwohnerzahl 1.210.193.422
(VolkszÀhlung 2011)[1]
Bevölkerungsdichte 365 Einwohner pro kmÂČ
Bruttoinlandsprodukt

- Total (PPP)
- Total (Nominal)
- BIP / Einw. (PPP)
- BIP / Einw. (Nominal)

2010

$4.060 Mrd. (4.)
$1.538 Mrd. (10.)
$3.339 (129.)
$1.265 (140.)

Human Development Index 0,519 (119.) [2]
WĂ€hrung 1 Indische Rupie = 100 Paise
UnabhÀngigkeit 15. August 1947
Nationalhymne Jana Gana Mana
Nationalfeiertag 26. Januar (Tag der Republik)
15. August (UnabhÀngigkeitstag)
2. Oktober (Gandhi Jayanti)
Zeitzone UTC + 5:30 = MEZ + 4:30
Kfz-Kennzeichen IND
Internet-TLD .in
Telefonvorwahl +91
India on the globe (claimed and uncontrolled hatched) (Asia centered).svg

Indien ist ein Staat in SĂŒdasien, der den grĂ¶ĂŸten Teil des indischen Subkontinents umfasst. Indien ist eine Bundesrepublik, die von 28 Bundesstaaten gebildet wird und außerdem sieben bundesunmittelbare Gebiete umfasst.

Der Himalaya bildet die natĂŒrliche Nordgrenze Indiens, im SĂŒden umschließt der Indische Ozean das Staatsgebiet. Indien grenzt an Pakistan, die chinesische autonome Region Tibet, Nepal, Bhutan, Myanmar (Birma) und Bangladesch. Weitere Nachbarstaaten im Indischen Ozean sind Sri Lanka und die Malediven.

Indien ist ein multiethnischer Staat und mit ĂŒber 1,2 Milliarden Einwohnern (2011) das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde. Indien gilt, gemessen an der Einwohnerzahl, als grĂ¶ĂŸte Demokratie der Welt.[3]

Inhaltsverzeichnis

Herkunft des Namens

Der Name Indien ist vom Strom Indus abgeleitet. Dessen Name geht wiederum ĂŒber Vermittlung des Altgriechischen (Indos) und Altpersischen (HinduĆĄ) auf das Sanskrit-Wort sindhu mit der Bedeutung „Fluss“ zurĂŒck. Die europĂ€ischen Seefahrer bezeichneten ganz Ostasien als Indien. In der Kolonialzeit reduzierte sich die Bezeichnung schrittweise bis auf die heutigen Gebiete von Indien, Pakistan und Bangladesch, um schließlich bei der indischen StaatsgrĂŒndung seine heutige Bedeutung anzunehmen. Von der persisch-islamischen Form Hind beziehungsweise Hindustan leiten sich auch die Bezeichnung Hindu und der Name der Sprache Hindi her. Der amtliche Name Indiens in den meisten Landessprachen (z. B. Hindi Bhārat) stammt von dem Sanskrit-Namen Bhārata ab, welcher „(Land) des Bharata“ bedeutet und auf einen mythischen Herrscher verweist.

Geographie und Landesnatur

→ Hauptartikel: Geographie Indiens

Landschaftsgliederung

Topografische Karte Indiens
Der Kangchendzönga, Indiens höchster Berg
WĂŒste Thar in Rajasthan
In den Backwaters von Kerala

Indien, mit einer FlĂ€che von 3.287.590 kmÂČ der siebtgrĂ¶ĂŸte Staat der Erde, erstreckt sich in West-Ost-Richtung vom 68. bis zum 97. östlichen LĂ€ngengrad ĂŒber rund 3000 Kilometer. Von Nord nach SĂŒd, zwischen dem 8. und dem 37. Grad nördlicher Breite, betrĂ€gt die Ausdehnung rund 3200 Kilometer. Indien grenzt an sechs Staaten: Pakistan (2912 Kilometer), China (Tibet; 3380 Kilometer), Nepal (1690 Kilometer), Bhutan (605 Kilometer), Myanmar (1463 Kilometer) und Bangladesch (4053 Kilometer). Insgesamt betrĂ€gt die GrenzlĂ€nge somit 14.103 Kilometer. Da der nördliche Teil des umstrittenen Kaschmir seit 1949 unter pakistanischer Kontrolle steht (Waffenstillstand nach dem Kaschmir-Konflikt), hat Indien keine gemeinsame Grenze mit Afghanistan mehr. Die KĂŒste des Landes ist rund 7000 Kilometer lang.

Die natĂŒrliche Grenze im Norden und Nordosten bildet der Himalaya, das höchste Gebirge der Welt, das im Ă€ußersten Nordwesten durch das Hochtal des Indus vom Karakorum getrennt wird. SĂŒdlich an den Himalaya schließen sich die breiten, fruchtbaren Stromebenen der FlĂŒsse Ganges und Brahmaputra an. Im Westen geht das Stromland des Ganges in die WĂŒste Thar ĂŒber, die im Osten und SĂŒden vom Aravalligebirge begrenzt wird. SĂŒdlich davon liegen die SĂŒmpfe des Rann von Kachchh sowie die Halbinsel Kathiawar. Den Nordosten Indiens, einschließlich der Brahmaputra-Ebene, verbindet nur ein schmaler Korridor zwischen Bangladesch und Nepal bzw. Bhutan mit dem ĂŒbrigen Land. Die Nordostregion wird durch das bis zu 3800 Meter hohe Patkai- oder Purvachalgebirge von Myanmar sowie das knapp 2000 Meter hohe Khasigebirge von Bangladesch abgeschirmt.

Das Hochland von Dekkan nimmt den grĂ¶ĂŸten Teil der keilförmig in den Indischen Ozean vorragenden indischen Halbinsel ein. Das Vindhya- und das Satpuragebirge schirmen den Dekkan von der Gangesebene im Norden ab. Im Westen wird er von den bis zu 2700  Meter hohen Westghats, im Osten von den flacheren Ostghats begrenzt. Beide GebirgszĂŒge treffen im SĂŒden, wo die Halbinsel spitz zum Kap Komorin zulĂ€uft, zusammen. Die Westghats fallen steil zur Konkan- und MalabarkĂŒste entlang des Arabischen Meeres ab. Die Ostghats gehen in die breiteren östlichen KĂŒstenebenen am Golf von Bengalen ĂŒber.

Zu Indien gehören außerdem drei dem Indischen Subkontinent vorgelagerte Inselgruppen. Rund 300 Kilometer westlich der MalabarkĂŒste liegen die Korallenatolle von Lakshadweep, das die Inselgruppen der Lakkadiven und Amindiven sowie die Insel Minicoy umfasst. SĂŒdöstlich der Halbinsel, zwischen 1000 und 1600 Kilometer vom indischen Festland entfernt, erstrecken sich die Andamanen und Nikobaren.

Höchster Punkt Indiens ist der Berg Kangchendzönga mit 8598 Metern Höhe. Er liegt im Ă€ußersten Westen Sikkims; ĂŒber ihn verlĂ€uft die die Grenze zu Nepal. Der höchste vollstĂ€ndig auf indischem Gebiet liegende Berg ist die Nanda Devi mit 7822 Metern. Der tiefste Punkt ist die zwei Meter unter dem Meeresspiegel gelegene Kuttanad-Senke an der MalabarkĂŒste.

Indien dehnt sich bis auf die Inselgruppen der Andamanen und Lakkadiven aus.

FlĂŒsse und Seen

Wichtige FlĂŒsse in Indien

Alle grĂ¶ĂŸeren FlĂŒsse Indiens entspringen in einer der drei Hauptwasserscheiden des Subkontinents: im Himalaya, in den zentralindischen Vindhya- und Satpura-Bergen oder in den Westghats.

Indiens lĂ€ngster und bedeutendster Fluss ist der Ganges (Ganga), der im Himalaya entspringt. Seine lĂ€ngsten NebenflĂŒsse sind die Yamuna und der Gumti; der Chambal ist ein Zufluss der Yamuna. Der Brahmaputra, der das Land im Nordosten durchfließt, vereinigt sich mit dem Ganges und bildet vor der MĂŒndung in den Golf von Bengalen ein gewaltiges Delta. An diesem hat Indien im Westen Anteil; der Großteil des Gangesdeltas liegt auf dem Territorium des Nachbarstaates Bangladesch. Fast ein Drittel der FlĂ€che Indiens gehört zum Einzugsgebiet von Ganges und Brahmaputra.

Im Ă€ußersten Norden durchquert der Indus in SĂŒdost-Nordwest-Richtung den Bundesstaat Jammu und Kashmir.

Das Hochland von Dekkan wird von mehreren großen FlĂŒssen entwĂ€ssert. Die Narmada und der Tapti mĂŒnden ins Arabische Meer, wĂ€hrend Godavari, Krishna, Mahanadi und Kaveri zum Golf von Bengalen fließen.

Trotz seiner GrĂ¶ĂŸe hat Indien nur wenige große natĂŒrliche Seen. Zu BewĂ€sserungs- und Energiegewinnungszwecken wurden im ganzen Land teils riesige Stauseen angelegt. Die grĂ¶ĂŸten sind der Hirakud-Stausee (746 Quadratkilometer) in Orissa, der Gandhi-Stausee (648 Quadratkilometer) in Madhya Pradesh und der Govind-Ballabh-Pant-Stausee (465 Quadratkilometer) an der Grenze zwischen Uttar Pradesh und Chhattisgarh.

Geologie

Verschiebung der indischen Platte

Die Theorie der Kontinentalverschiebung geht davon aus, dass Indien bis gegen Ende des Jura zum SĂŒdkontinent Gondwana gehörte. In der Kreidezeit riss es von der Kontinentalscholle der Antarktis ab und driftete in erdgeschichtlich extrem kurzen 50 Millionen Jahren quer durch den gesamten Tethys-Ozean gegen den SĂŒden der Eurasischen Platte. Das Aufeinandertreffen der beiden Erdteile erfolgte vor geschĂ€tzt etwa 43–64 Millionen Jahren[4] am Anfang des PalĂ€ogens. In der resultierenden gemeinsamen „Knautschzone“ dieser Krustenbewegungen wurden der Himalaya und benachbarte Gebirgssysteme aufgeschoben (Auffaltung der frĂŒheren KontinentalrĂ€nder) und das Hochland von Tibet angehoben.

Obwohl einzelne Krustenteile sich inzwischen miteinander verschweißt haben, bewegt sich die Indische Platte bis heute nach Norden, sodass sich der Himalaya jĂ€hrlich um einige Millimeter hebt - ebenso wie andere Faltengebirge der Erde, von denen er eines der jĂŒngsten ist. Die ihm vorgelagerten Flussebenen entstanden durch Sedimentablagerungen im PleistozĂ€n. VielfĂ€ltiger sind die Gesteinsformationen des Dekkan. Den Großteil nehmen proterozoische Formationen im SĂŒden und Osten, der in der Kreidezeit entstandene vulkanische Dekkan-Trapp im Westen und Nordwesten sowie ungeformte Kratone im Nordosten und Norden ein, die zu den Ă€ltesten Teilen der Erdkruste gehören.

Naturkatastrophen

Indien wird immer wieder von verschiedenen Naturkatastrophen heimgesucht, besonders Überschwemmungen, die wĂ€hrend des Sommermonsuns durch extreme Niederschlagsmengen im ganzen Land auftreten können. WĂ€hrend der trockenen Jahreszeit oder bei Ausbleiben der MonsunregenfĂ€lle kommt es dagegen hĂ€ufig zu DĂŒrren. Auch Zyklone und dadurch bedingte Flutwellen, vor allem an der OstkĂŒste, kosten oft viele Menschenleben und richten verheerende SchĂ€den an. In einigen Gebieten besteht auch erhöhte Erdbebengefahr, namentlich im Himalaya, den Nordoststaaten, Westgujarat und der Region um Mumbai. Am 26. Dezember 2004 verursachte ein Seebeben im Indischen Ozean einen verheerenden Tsunami, der an der OstkĂŒste und auf den Andamanen und Nikobaren 7793 Menschenleben forderte und schwerste VerwĂŒstungen anrichtete.

Klima

JĂ€hrliche Niederschlagsmenge in Indien

Mit Ausnahme der Bergregionen herrscht in Nord- und Zentralindien vornehmlich subtropisches Kontinentalklima, im SĂŒden und in den KĂŒstengebieten dagegen ein stĂ€rker maritim geprĂ€gtes tropisches Klima. So treten im Norden im Jahresverlauf teils erhebliche Temperaturschwankungen auf. WĂ€hrend in den nördlichen Tiefebenen im Dezember und Januar nur 10 bis 15 Â°C herrschen, sind in der heißesten Zeit zwischen April und Juni Höchsttemperaturen von 40 bis ĂŒber 50 Â°C möglich. Im SĂŒden ist es dagegen ganzjĂ€hrig heiß, aber konstanter.

Die NiederschlagsverhĂ€ltnisse werden im ganzen Land maßgeblich vom Indischen Monsun beeinflusst. Der SĂŒdwest- oder Sommermonsun setzt in den meisten Landesteilen im Juni ein und bringt je nach Region bis September oder Oktober ergiebige NiederschlĂ€ge. Auf Grund der sehr unterschiedlichen Topographie ist die Niederschlagsverteilung höchst ungleichmĂ€ĂŸig. Die stĂ€rksten RegengĂŒsse gehen an der WestkĂŒste, in den Westghats, an den HĂ€ngen des Himalayas und in Nordostindien nieder. Am trockensten ist es in der Thar. Die aus Zentralasien kommenden Nordost- oder Wintermonsunwinde zwischen Oktober und Juni bringen kaum Feuchtigkeit, daher entfallen in den meisten Gegenden 80 bis ĂŒber 90 Prozent der jĂ€hrlichen Gesamtniederschlagsmenge auf die Sommermonate. Lediglich der SĂŒdosten erhĂ€lt auch wĂ€hrend des Nordostmonsuns Regen, da die Luftströmungen ĂŒber dem Golf von Bengalen Feuchtigkeit aufnehmen.

Vegetation

BlĂ€tter und FrĂŒchte des Teakbaumes

Der GrĂ¶ĂŸe des Landes und der verschiedenen klimatischen Bedingungen in den einzelnen Landesteilen entsprechend weist Indien eine große Landschaftsvielfalt auf. Dabei reicht die Pflanzenwelt Indiens von Hochgebirgsvegetation im Himalaya bis zu tropischen RegenwĂ€ldern im SĂŒden. Weite Teile der ursprĂŒnglichen Vegetationsdecke sind heute jedoch zerstört, stattdessen ist Indien ĂŒberwiegend durch Kulturlandschaften geprĂ€gt. Nur noch etwa ein FĂŒnftel des Landes ist bewaldet, wobei offizielle Angaben hierzu schwanken und auch degradierte Gebiete sowie offene WĂ€lder mit einbeziehen.

In den tieferen Lagen des Himalayas erstrecken sich noch ausgedehnte WĂ€lder. Da die NiederschlĂ€ge an den HĂ€ngen des Gebirges von Ost nach West abnehmen, finden sich im Osthimalaya immergrĂŒne Feucht- und RegenwĂ€lder, die nach Westen hin lichter und trockener werden. Es herrschen LaubwĂ€lder mit Eichen und Kastanien vor, charakteristisch fĂŒr den Osthimalaya sind Rhododendren. In höheren Lagen dominieren NadelbĂ€ume, insbesondere Zedern und Kiefern. Die steppen- und wĂŒstenartigen HochtĂ€ler in Ladakh und anderen Teilen des westlichen Innerhimalayas gehen in das trockene Hochland von Tibet ĂŒber. Die Vegetationsgrenze liegt bei etwa 5000 Metern.

Der schwer zugĂ€ngliche Nordosten ist teils noch dicht bewaldet. Besonders hohe Niederschlagsmengen ermöglichen dort halbimmergrĂŒne FeuchtwĂ€lder.

Der weitaus grĂ¶ĂŸte Teil der Gangesebene, des Dekkans und der angrenzenden Randgebirge war frĂŒher von MonsunwĂ€ldern bedeckt, die heute nur noch in Resten, zumeist in Bergregionen, anzutreffen sind. Die landwirtschaftlich intensiv genutzten Ebenen sind dagegen praktisch waldfrei. MonsunwĂ€lder werfen wĂ€hrend der Trockenperioden Laub ab. Je nach Niederschlagsmenge und LĂ€nge der Trockenperiode unterscheidet man zwischen Feucht- und TrockenwĂ€ldern. WĂ€lder, die zwischen 1500 und 2000 Millimeter Jahresniederschlag erhalten, werden in der Regel als laubabwerfende FeuchtwĂ€lder bezeichnet. Sie herrschen im nordöstlichen Dekkan, Orissa und Westbengalen sowie im Lee der Westghats vor. Bei NiederschlĂ€gen zwischen 1000 und 1500 Millimetern im Jahr spricht man von laubabwerfenden TrockenwĂ€ldern, die den grĂ¶ĂŸten Teil Indiens bedecken. Wegen der dĂŒnneren Baumkronen weisen MonsunwĂ€lder ein dichtes Unterholz auf. Die charakteristische Baumart des Nordens ist der Sal (Shorea robusta), im zentralen und westlichen Dekkanhochland ist es der Teakbaum (Tectona grandis) und den SĂŒden der Halbinsel prĂ€gen SandelholzbĂ€ume (Santalum album). Bambusarten sind weit verbreitet.

In den trockeneren Teilen Indiens, wie Rajasthan, Gujarat, dem Westrand des Gangestieflandes oder dem zentralen Dekkan, wachsen die insbesondere medizinisch genutzten, endemischen NiembĂ€ume. Im ariden Klima haben sich offene DornwĂ€lder ausgebildet, die in der WĂŒste Thar in HalbwĂŒstenvegetation mit vereinzelten DornbĂŒschen ĂŒbergehen.

In den feuchten Westghats haben sich grĂ¶ĂŸere zusammenhĂ€ngende Teile der ursprĂŒnglichen, immergrĂŒnen oder halbimmergrĂŒnen FeuchtwĂ€lder erhalten. Sie sind durch die fĂŒr tropische RegenwĂ€lder typische Stockwerkgliederung geprĂ€gt. Einige der hoch wachsenden Baumarten des obersten Stockwerkes werfen jahreszeitbedingt ihr Laub ab, darunter wachsende Arten sind dagegen immergrĂŒn. Aufsitzerpflanzen wie Orchideen und Farne kommen in großer Vielfalt vor.

Mangroven, salzwasserresistente GezeitenwĂ€lder, sind nur an der OstkĂŒste Indiens verbreitet. Die Sundarbans im Ganges-Brahmaputra-Delta weisen die dichtesten MangrovenbestĂ€nde des Landes auf. Weitere GezeitenwĂ€lder befinden sich in den MĂŒndungsdeltas von Mahanadi, Godavari und Krishna.

Tierwelt

Der Königs- oder Bengaltiger ist Indiens „Nationaltier“
Pfau

Dank seiner Landschaftsvielfalt findet man in Indien eine Ă€ußerst artenreiche Tierwelt vor. Man schĂ€tzt, dass etwa 350 SĂ€ugetier-, 1200 Vogel-, 400 Reptilien- und 200 Amphibienarten heimisch sind. Viele Arten kommen allerdings nur noch in RĂŒckzugsgebieten wie WĂ€ldern, SĂŒmpfen, Berg- und HĂŒgellĂ€ndern vor. In indischen GewĂ€ssern leben zudem mehr als 2500 Fischarten.

Indiens grĂ¶ĂŸte SĂ€ugetierart ist der Indische Elefant, der neben dem Königstiger wohl auch am bekanntesten ist. Der Tiger war lange Zeit vom Aussterben bedroht, durch Einrichtung von Tigerschutzgebieten konnten sich die BestĂ€nde aber wieder erholen. Dennoch gibt es nur wenige tausend Exemplare in freier Wildbahn. Außer dem Tiger leben noch andere Großkatzen in Indien, darunter Leoparden und Löwen. Letztere sind ausschließlich im Gir-Nationalpark in Gujarat, dem letzten RĂŒckzugsgebiet des Asiatischen Löwen, anzutreffen. Der seltene Schneeleopard bewohnt den Himalaya. Die bekannteste und weitverbreitetste der kleineren Raubtierarten ist der Mungo.

Das Panzernashorn lebt nur noch in Sumpf- und Dschungelgebieten in Assam, vor allem im Kaziranga-Nationalpark.

Weit verbreitet sind dagegen Paarhufer. Dazu gehören unter anderem Wildschweine, Muntjaks, Sambars, Axishirsche, Schweinshirsche, Barasinghas, WasserbĂŒffel, Gaur sowie mehrere Antilopenarten.

Auch Affen sind in Indien hĂ€ufig anzutreffen. Rhesusaffen gelten den Hindus als heilig, dĂŒrfen nicht belĂ€stigt werden und haben sich daher sogar in StĂ€dten ausgebreitet. Der in ganz Indien verbreitete Hanuman-Langur wird ebenfalls als heilig erachtet. Daneben gibt es weitere Langurenarten sowie Makaken.

In den Trockengebieten des Nordwestens leben noch einige indische Halbesel, die sich vor allem im Dhangadhra-Wildreservat im Kleinen Rann von Kachchh aufhalten. Im feuchten Osten des Landes leben dagegen Arten des Tropischen Regenwaldes, wie der Hulock-Gibbon und der Nebelparder. Weiterhin erwĂ€hnenswerte SĂ€ugetiere sind die Rothunde, StreifenhyĂ€nen, BengalfĂŒchse, die hauptsĂ€chlich Graslandschaften bewohnen, und die dichte WĂ€lder bevorzugenden LippenbĂ€ren. Im Ganges, Brahmaputra und deren NebenflĂŒssen findet sich gelegentlich noch der Gangesdelfin.

Indiens Vogelwelt ist mit ĂŒber 1200 einheimischen Arten – mehr als in ganz Europa â€“ ĂŒberaus vielfĂ€ltig. Dazu kommen im Winter unzĂ€hlige Zugvögel aus Nordasien. Der Pfau gilt als Nationalvogel und ist weit verbreitet. HĂ€ufig sind auch Tauben, KrĂ€hen, Webervögel, Spechte, Pittas, Drongos, Sittiche, Nektarvögel und Pirole. In Feuchtgebieten leben Störche, Reiher, Kraniche, Ibisse und Eisvögel. Unter den Greifvögeln sind Bengal- und Schmutzgeier am verbreitetsten.

Etwa die HÀlfte aller in Indien heimischen Reptilienarten sind Schlangen wie die Brillenschlange, die Königskobra und der Tigerpython. In Feuchtgebieten findet man aber auch Sumpfkrokodile. Sehr selten ist der scheue, fischfressende Gangesgavial.

Umweltschutz

Das wachsende Verkehrsaufkommen trĂ€gt zur Luftverschmutzung in den GroßstĂ€dten bei.

Indien verfĂŒgt zwar ĂŒber eine umfangreiche Umweltschutzgesetzgebung, die aber in vielen FĂ€llen nur mangelhaft umgesetzt wird. Knapp fĂŒnf Prozent der LandesflĂ€che sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen, deren Zahl sich auf fast 600 belĂ€uft, darunter 92 Nationalparks.

Zu den grĂ¶ĂŸten Umweltproblemen des Landes gehört die Wasserknappheit.[5] StaudĂ€mme und kĂŒnstliche BewĂ€sserungssysteme sollen die Wasserversorgung in trockenen Gebieten sicherstellen. ÜbermĂ€ĂŸige BewĂ€sserung ist jedoch einer der HauptgrĂŒnde fĂŒr die vielerorts sinkenden Grundwasserspiegel[6]; zudem sind schĂ€tzungsweise 60 Prozent der landwirtschaftlichen NutzflĂ€chen von Bodenerosion, Versalzung oder VernĂ€ssung betroffen. DarĂŒber hinaus wird ĂŒbermĂ€ĂŸig bewĂ€ssert, gedĂŒngt und abgeholzt. Obwohl sich die Wasserversorgungslage der Haushalte in den lĂ€ndlichen Gebieten seit Anfang der 1980er Jahre verbessert hat, verfĂŒgen nur wenige Haushalte ĂŒber eine Abwasserentsorgung. Verschmutztes und verseuchtes Wasser trĂ€gt wesentlich zur Entstehung und Verbreitung von Infektionskrankheiten bei; nur 16 Prozent der Einwohner Indiens haben Zugang zu sanitĂ€ren Anlagen.

Die Luftverschmutzung ist insbesondere in den indischen Metropolen bedenklich. Der hohe Gehalt an Feinstaub ist das grĂ¶ĂŸte Problem. Die Ursachen liegen sowohl in Fabrikanlagen, Kleinindustrie, Kraftwerken und Verkehr als auch in den privaten Haushalten. Kolkata war 1984 die erste Stadt, die ein U-Bahn-Netz in Betrieb nahm, 2002 folgte Delhi. Mumbai und Chennai verfĂŒgen ĂŒber ein vergleichsweise gut ausgebautes Zugnetz. Die öffentlichen Busse, Autorikshas und privaten PKW tragen jedoch nach wie vor zur Luftverschmutzung der StĂ€dte bei, wenngleich die PKW-Nutzung mit 7,61 PKW pro 1000 Einwohner gering erscheint. Der Ausstoß von Kohlendioxid nimmt in Folge der fortschreitenden Industrialisierung und eines stetig wachsenden Verkehrsaufkommens und Energiebedarfs schnell zu. Aktuell ist Indien das Land mit dem fĂŒnftgrĂ¶ĂŸten Treibhausgas-Ausstoß weltweit, weist jedoch mit 1,1 Tonnen nur ein Siebtel des Pro-Kopf-Ausstoßes der EuropĂ€ischen Union auf.[7]

Die unzureichenden technischen Anlagen in Fabriken fĂŒhren immer wieder zu BeeintrĂ€chtigungen. In Bhopal traten 1984 in der Pestizid-Fabrik der amerikanischen Union Carbide Corporation (UCC) hochgiftige Gase aus. Innerhalb von Tagen verstarben 7000 Menschen, 15.000 weitere starben im Laufe der Jahre an den Folgen, wĂ€hrend Tausende unter chronischen und lĂ€hmenden Krankheiten litten. 20 Jahre nach dem Vorfall war das GelĂ€nde noch immer nicht bereinigt, die von der UCC zugesagten Schadenersatz-Zahlungen wurden nie vollstĂ€ndig ausgezahlt.

Geschichte

→ Hauptartikel: Geschichte Indiens

Vorgeschichte und klassisches Zeitalter

Die nicht rostende Eiserne SĂ€ule in Delhi wird der Gupta-Zeit zugeschrieben.

Die Industal-Zivilisation, grĂ¶ĂŸtenteils im heutigen Pakistan gelegen, war eine der frĂŒhen Hochkulturen der Welt, mit einer eigenen Schrift, der bisher nicht entzifferten Indus-Schrift. Um etwa 2500 v. Chr. existierten dort geplante StĂ€dte wie Harappa, mit einer Kanalisation, SeehĂ€fen und BĂ€dern, wĂ€hrend angenommen wird, dass in SĂŒdindien noch weniger entwickelte VerhĂ€ltnisse herrschten. Weiter östlich machen sich andere archĂ€ologische Komplexe bemerkbar wie die so genannte Copper Hoard Culture. Ab 1700 v. Chr. setzte aus bislang unbekannten GrĂŒnden der Zerfall der Indus-Kultur ein.

Eine fĂŒr die weitere Entwicklung Indiens sehr wichtige Periode war die vedische Zeit (etwa 1500 v. Chr. bis 500 v. Chr.), in der die Grundlagen der heutigen Kultur geschaffen wurden. Über die politische Entwicklung ist weitaus weniger bekannt als ĂŒber die religiöse und philosophische Entwicklung. Gegen Ende der vedischen Zeit wurden die Upanishaden geschaffen, die in vielerlei Hinsicht die Basis der in Indien entstandenen Religionen Hinduismus, Buddhismus und Jainismus bilden. In diese Zeit fĂ€llt die Urbanisierung in der Gangesebene und der Aufstieg regionaler Königreiche wie Magadha.

Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. entfaltete sich der Buddhismus, der rund 500 Jahre lang neben dem Hinduismus die maßgebliche Geistesströmung Indiens darstellte. Im 4. Jahrhundert v. Chr. entstand unter der Dynastie der Maurya erstmals ein indisches Großreich, das unter Ashoka fast den gesamten Subkontinent beherrschte. Ashoka wandte sich nach zahlreichen EroberungszĂŒgen dem Buddhismus zu, den er im eigenen Land und bis nach Sri Lanka, SĂŒdostasien und im Mittleren Osten zu verbreiten suchte. Nach seinem Tode zerfiel das Maurya-Reich allmĂ€hlich erneut in zahllose Kleinstaaten, die erst im 4. Jahrhundert n. Chr. von den Gupta wieder zu einem Großreich in Nordindien geeint werden konnten. Mit dem Buddhismus ĂŒbte Indien einen wesentlichen kulturellen Einfluss auf den gesamten Bereich von Zentral- und Ostasien aus. Die Ausbreitung des Hinduismus und Buddhismus ĂŒber Indochina bis in das heutige Indonesien prĂ€gte Geschichte und Kultur dieser LĂ€nder. Als letzter großer Förderer des Buddhismus in Indien gilt Harshavardhana, dessen Herrschaft im Nordindien des 7. Jahrhunderts den Übergang zum indischen Mittelalter markiert.

Indisches Mittelalter und Mogulzeit

Das Taj Mahal wurde von Großmogul Shah Jahan fĂŒr seine Frau Mumtaz Mahal errichtet.

Arabische EroberungszĂŒge im 8. Jahrhundert brachten den Islam nach Nordindien. Zu einer Dominanz muslimischer Staaten im Norden sowie zur Islamisierung grĂ¶ĂŸerer Teile der dortigen Bevölkerung kam es jedoch erst mit den Invasionen zentralasiatischer islamischer MĂ€chte ab dem 12. Jahrhundert. Das Sultanat von Delhi weitete seine Macht sogar kurzzeitig auf den SĂŒden aus, dennoch blieb sein kultureller Einfluss auf den Norden begrenzt. Der Mongoleneinfall des Jahres 1398 schwĂ€chte das Sultanat, sodass die hinduistischen Regionalreiche wiedererstarkten. Erholen konnten sich die muslimischen Herrscher erst im 16. Jahrhundert mit der GrĂŒndung des Mogulreiches, das fĂŒr rund 200 Jahre zur bestimmenden Kraft des Nordens wurde und noch bis 1857 Bestand hatte. Herausragende Herrscher wie Akbar, Jahangir, Shah Jahan und Aurangzeb dehnten nicht nur die Grenzen des Reiches bis auf den Dekkan aus, sondern schufen auch ein funktionierendes Verwaltungs- und Staatswesen und förderten die KĂŒnste. Hinduistische KönigtĂŒmer gab es wĂ€hrend ihrer Zeit nur noch in SĂŒdindien, etwa in Vijayanagar.

EuropÀische Kolonialherrschaft und UnabhÀngigkeitsbewegung

→ Hauptartikel: Britisch-Indien
Das von den Briten wĂ€hrend des Sepoy-Aufstands erstĂŒrmte Secundra Bagh bei Lucknow, Aufnahme von Felice Beato, MĂ€rz 1858

Nachdem Vasco da Gama 1498 den Seeweg nach Indien entdeckt hatte, begann Portugal ab 1505 kleinere KĂŒstenstĂŒtzpunkte zu erobern (vgl. Portugiesisch-Indien). Von 1756 an unterwarf die britische Ostindien-Kompanie (British East India Company) von ihren HafenstĂŒtzpunkten Calcutta (heute: Kolkata), Madras (heute: Chennai) und Bombay (heute: Mumbai) aus weite Teile Indiens. Der vorher bestehende Einfluss der europĂ€ischen KolonialmĂ€chte Portugal, Niederlande und Frankreich wurde von ihr weitgehend beseitigt. Loyale FĂŒrsten behielten Staaten mit begrenzter SouverĂ€nitĂ€t wie Hyderabad, Bhopal, Mysore oder Kaschmir. 1857/58 erhoben sich Teile der Bevölkerung Nordindiens im Sepoy-Aufstand gegen die Herrschaft der Ostindien-Kompanie. Nach der Niederwerfung des Aufstandes wurde diese aufgelöst und Indien der direkten Kontrolle durch Großbritannien unterstellt. Die britischen Monarchen trugen ab 1877 (bis 1947) zusĂ€tzlich den Titel Empress of India bzw. Emperor of India (Kaiser(in) von Indien).

Kolonialflagge Britisch-Indiens

1885 wurde in Bombay der Indian National Congress (Kongresspartei) gegrĂŒndet. Er forderte zunĂ€chst nicht die UnabhĂ€ngigkeit Indiens, sondern lediglich mehr politische Mitspracherechte fĂŒr die einheimische Bevölkerung. Seine Mitglieder waren vorwiegend Hindus und Parsen. Die muslimische Oberschicht blieb auf Abstand, da ihr WortfĂŒhrer Sayyid Ahmad Khan befĂŒrchtete, dass sie durch EinfĂŒhrung des Mehrheitsprinzips aus der Verwaltung gedrĂ€ngt wĂŒrden. Stattdessen wurde 1906 die Muslimliga als Interessenvertretung der Muslime gegrĂŒndet.

Gewaltloser Widerstand: Mahatma Gandhi auf dem Salzmarsch von 1930

Im Ersten Weltkrieg verhielt sich die große Mehrheit der Bevölkerung loyal. Aus VerĂ€rgerung darĂŒber, dass die Briten an der Aufteilung des Osmanischen Reiches beteiligt waren, schlossen sich nun auch viele Muslime der UnabhĂ€ngigkeitsbewegung an. Der gewaltfreie Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft, vor allem unter Mahatma Gandhi und Jawaharlal Nehru, fĂŒhrte 1947 zur UnabhĂ€ngigkeit.

Gleichzeitig verfĂŒgte die Kolonialmacht die Teilung der fast den gesamten indischen Subkontinent umfassenden Kolonie Britisch-Indien in zwei Staaten, die sĂ€kulare Indische Union sowie die kleinere Islamische Republik Pakistan. Die Briten erfĂŒllten damit die seit den 1930er Jahren lauter werdenden Forderungen der Muslimliga und ihres FĂŒhrers Ali Jinnah nach einem eigenen Nationalstaat mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit.

Entwicklungen seit der UnabhÀngigkeit

Die Teilung fĂŒhrte zu einer der grĂ¶ĂŸten Vertreibungs- und Fluchtbewegungen der Geschichte. UngefĂ€hr 10 Millionen Hindus und Sikhs wurden aus Pakistan vertrieben, etwa 7 Millionen Muslime aus Indien. 750.000 bis eine Million Menschen kamen ums Leben.

Die durch SchutzvertrĂ€ge an die Briten gebundenen FĂŒrstenstaaten hatten schon vor der UnabhĂ€ngigkeit ihren Beitritt zur Indischen Union erklĂ€rt. Lediglich zwei standen dem Eingliederungsprozess der FĂŒrstentĂŒmer ernsthaft im Weg. Der muslimische Herrscher des fast ausschließlich hinduistischen Hyderabad wurde durch einen Einmarsch indischer Truppen zu Fall gebracht. In Kaschmir verzögerte der Maharaja, selbst Hindu bei ĂŒberwiegend muslimischer Bevölkerung, seine Entscheidung. Nachdem muslimische KĂ€mpfer in sein Land eingedrungen waren, entschied er sich schließlich doch zum Beitritt zu Indien, welches daraufhin den grĂ¶ĂŸten Teil des ehemaligen FĂŒrstentums besetzte. Pakistan betrachtete den Beitritt als unrechtmĂ€ĂŸig, was zum Ersten Indisch-Pakistanischen Krieg um Kaschmir (1947 bis 1949) fĂŒhrte. Seitdem schwelt in der Grenzregion der Kaschmir-Konflikt, der 1965 auch den Zweiten Indisch-Pakistanischen Krieg und 1999 den Kargil-Krieg zur Folge hatte.

Am 26. November 1949 trat Indien dem Commonwealth of Nations bei und am 26. Januar 1950 trat die vor allem von Bhimrao Ambedkar ausgearbeitete Verfassung in Kraft, durch die Indien zur Republik wurde. Grenzstreitigkeiten fĂŒhrten 1962 zu einem kurzen Krieg mit der Volksrepublik China, dem sogenannten Indisch-Chinesischen Grenzkrieg. Die indische UnterstĂŒtzung einer UnabhĂ€ngigkeitsbewegung im damaligen Ost-Pakistan fĂŒhrte 1971 zu einem dritten Krieg Indiens gegen Pakistan mit folgender Teilung Pakistans und GrĂŒndung des neuen, ebenfalls islamisch geprĂ€gten Staates Bangladesch.

Indira Gandhi mit US-PrÀsident Richard Nixon (1971)

Innenpolitisch bestimmte unter Jawaharlal Nehru, Premierminister 1947 bis 1964, und danach noch bis Anfang der 1970er Jahre die Kongresspartei ĂŒberlegen die junge, unabhĂ€ngige Demokratie. Oppositionsparteien konnten bestenfalls auf Bundesstaaten- oder kommunaler Ebene ihren Einfluss geltend machen. Erst als Nehrus Tochter Indira Gandhi, die 1966 Premierministerin wurde, die Partei zentralisierte und ihre eigene Machtposition auszubauen versuchte, gelang es der Opposition, sich auf Bundesebene zu formieren. Ein Gericht in Allahabad befand Indira 1975 einiger UnregelmĂ€ĂŸigkeiten bei den Wahlen des Jahres 1971 fĂŒr schuldig. Anstatt den RĂŒcktrittsforderungen ihrer politischen Gegner zu folgen, rief sie den Notstand aus und regierte bis 1977 per Dekret. Demokratische Grundrechte wie Presse- und Versammlungsfreiheit waren stark eingeschrĂ€nkt. Die zunehmende Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem de facto diktatorischen Regime Ă€ußerte sich 1977 in einer deutlichen Wahlniederlage Indira Gandhis. Zwischen 1977 und 1980 stellte daher erstmals nicht die Kongresspartei, sondern eine linksgerichtete Koalition unter FĂŒhrung der Janata Party die Regierung Indiens.

In den Wahlen von 1980 gelang es Indira Gandhi, an die Macht zurĂŒckzukehren. In ihre zweite Amtsperiode fĂ€llt die Zuspitzung des Konflikts im Punjab, wo sikhistische Separatisten einen eigenen Staat forderten. Als sich militante Sikhs im Goldenen Tempel in Amritsar verschanzten, ordnete Indira Gandhi 1984 die Operation Blue Star an. Indische Truppen stĂŒrmten den Tempel und beendeten dessen Besetzung. Daraufhin kam es zu blutigen Ausschreitungen, die in der Ermordung Indira Gandhis durch ihre Sikh-LeibwĂ€chter gipfelten. Ihr Sohn Rajiv Gandhi ĂŒbernahm die RegierungsgeschĂ€fte, war aber nicht in der Lage, die von ihm geplanten Reformvorhaben wirkungsvoll umzusetzen. Ein Bestechungsskandal im Zusammenhang mit dem schwedischen RĂŒstungskonzern Bofors schĂ€digte sein Ansehen schließlich dermaßen, dass die Opposition 1989 einen klaren Sieg ĂŒber Gandhis Kongresspartei erringen konnte. Nach zweijĂ€hriger Unterbrechung gelangte sie von 1991 bis 1996 jedoch erneut an die Macht. Die Regierung von P. V. Narasimha Rao leitete die wirtschaftliche Öffnung und außenpolitische Neuorientierung des seit Nehru sozialistisch ausgerichteten Landes ein. Zum Reformprogramm gehörten unter anderem die Privatisierung von Staatsbetrieben, die Aufhebung von HandelsbeschrĂ€nkungen, die Beseitigung bĂŒrokratischer Investitionshemmnisse und Steuersenkungen. Die Wirtschaftsreformen wurden von spĂ€teren Regierungen fortgefĂŒhrt.

Seit den 1980er Jahren verzeichnet der Hindu-Nationalismus einen deutlichen Aufschwung. Die Auseinandersetzung um eine anstelle eines bedeutenden Hindutempels errichtete Moschee in Ayodhya (Uttar Pradesh) entwickelte sich zu einer der bestimmenden innenpolitischen Streitfragen. 1992 zerstörten hinduistische Extremisten das muslimische Gotteshaus, was zu schweren Ausschreitungen in weiten Teilen des Landes fĂŒhrte. Der politische Arm der Hindu-Nationalisten, die Bharatiya Janata Party (BJP), fĂŒhrte zwischen 1998 und 2004 eine Regierungskoalition an und stellte mit Atal Bihari Vajpayee den Regierungschef. 2004 unterlag sie jedoch ĂŒberraschend der neu aufgestellten Kongresspartei unter Sonia Gandhi. Die Witwe des 1991 wĂ€hrend des Wahlkampfes ermordeten Rajiv Gandhi verzichtete nach Protesten der Opposition wegen ihrer italienischen Abstammung auf das Amt als Premierministerin. Stattdessen ĂŒbernahm Manmohan Singh diese Stellung, der als Finanzminister unter Rao die wirtschaftliche Liberalisierung Indiens wesentlich mitgestaltet hatte.

Heute sind die fundamentalen Probleme Indiens trotz des deutlichen wirtschaftlichen Aufschwungs noch immer die ausgedehnte Armut als auch die starke Überbevölkerung, die zunehmende Umweltverschmutzung sowie ethnische und religiöse Konflikte zwischen Hindus und Moslems. Dazu tritt der fortdauernde Streit mit Pakistan um die Region Kaschmir. Besondere Brisanz erhĂ€lt der indisch-pakistanische Gegensatz durch die Tatsache, dass beide Staaten AtommĂ€chte sind. Indien hatte 1974 erstmals einen Atomtest durchgefĂŒhrt. Auf weitere Kernwaffenversuche im Jahre 1998 reagierte Pakistan mit eigenen Atomtests.

In den letzten Jahren war eine AnnÀherung zwischen Indien und Pakistan zu bemerken. So fanden Gefangenenaustausche statt und wurden Verbindungen in der Kaschmirregion geöffnet.

Terrorismus und ethnische Konflikte

Seit 1986 kĂ€mpfen verschiedene Gruppierungen im mehrheitlich muslimischen Kaschmir mit gewaltsamen Mitteln fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit ihrer Region oder den Anschluss an Pakistan (Kaschmir-Konflikt). Immer wieder werden in der Region AnschlĂ€ge auf Einrichtungen des indischen Staates, so im Oktober 2001 auf das Regionalparlament von Jammu und Kashmir in Srinagar, auf die in Kaschmir stationierten StreitkrĂ€fte oder gegen hinduistische Dorfbewohner und Pilger verĂŒbt.

Doch nicht nur in Kaschmir, sondern auch in anderen Teilen Indiens kam es wiederholt zu terroristischen AnschlĂ€gen, die kaschmirischen Separatisten oder islamistischen Terrororganisationen wie Lashkar-e-Toiba zugeschrieben wurden. Die bisher schlimmste Anschlagsreihe fand am 12. MĂ€rz 1993 statt, als zehn Bombenexplosionen auf die Börse und Hotels in Mumbai sowie ZĂŒge und Tankstellen 257 Menschen töteten und 713 Personen verletzten. Im Dezember 2001 stĂŒrmten Islamisten das Parlament in Neu-Delhi, wobei 14 Menschen ums Leben kamen. 52 Tote gab es im August 2003, als zwei mit Sprengstoff beladene Taxis in Mumbai explodierten. Nach drei Bombenexplosionen auf MĂ€rkten in Neu-Delhi waren im Oktober 2005 62 Opfer zu beklagen. Im MĂ€rz 2006 starben bei einem Doppelanschlag auf den Bahnhof und einen Tempel in der Stadt Varanasi 20 Menschen. Bei BombenanschlĂ€gen auf ZĂŒge in Mumbai wurden im Juli 2006 rund 200 Menschen getötet und mehr als 700 Personen verletzt. Am 18. Februar 2007 explodierten im „Freundschafts-Express“, der einzigen Zugverbindung zwischen Indien und Pakistan, 100 Kilometer nördlich von Delhi zwei Brandbomben. Dabei kamen mindestens 65 Menschen ums Leben.

Am 25. August 2007 kam es in Hyderabad zu zwei Bombenexplosionen, bei denen mindestens 42 Personen starben und viele weitere verletzt wurden. Eine dritte Bombe wurde gefunden und konnte entschÀrft werden. Welches Ziel der oder die AttentÀter mit den BombenanschlÀgen in gut besuchten Freizeitorten verfolgten, wurde zunÀchst nicht bekannt. (Hyderabad hat mit fast 40 Prozent den höchsten muslimischen Bevölkerungsanteil der indischen Metropolen.)

Eine Serie von BombenanschlĂ€gen erschĂŒttert Indien Ende Juli 2008:

Am 25. Juli 2008 explodierten zwei Bomben vor Polizeistationen und sechs weitere Bomben in Bangalore. Innerhalb von 15 Minuten werden bei den acht BombenanschlÀgen zwei Menschen getötet und sechs Menschen verletzt.[8]

Eine Explosionsserie von 16 Bomben innerhalb von 90 Minuten in der Millionenmetropole Ahmedabad im westindischen Bundesstaat Gujarat forderte am 26. Juli 2008 mindestens 130 Tote und ĂŒber 280 Verletzte. Eine mutmaßlich muslimische Terrorgruppe Indische Mudschaheddin, vermutlich eine Splittergruppe der radikal-islamischen Laschkar e-Taiba, bekennt sich zu den TerroranschlĂ€gen in Ahmedabad.[9][10]

Bevölkerung

Demographie

Bevölkerungsdichte indischer Bundesstaaten
Inderin in traditioneller Kleidung
Kinder in Delhi

Nach der VolkszĂ€hlung 2011 betrĂ€gt die Einwohnerzahl Indiens 1.210.193.422.[1] Damit ist Indien nach der Volksrepublik China der zweitbevölkerungsreichste Staat der Erde. Die Bevölkerungsdichte betrĂ€gt 382 Einwohner je kmÂČ (Deutschland: 231 je kmÂČ). Gleichwohl sind nicht alle Landesteile derart dicht besiedelt, vielmehr ist die Bevölkerung höchst ungleichmĂ€ĂŸig verteilt. Sie ballt sich vor allem in fruchtbaren Landstrichen wie der Stromebene des Ganges, Westbengalen und Kerala, wĂ€hrend der Himalaya, die Berggegenden des Nordostens sowie trockenere Regionen in Rajasthan und auf dem Dekkan nur eine geringe Besiedlungsdichte aufweisen. So leben in Bihar durchschnittlich 1102 Menschen auf einem Quadratkilometer, wĂ€hrend es in Arunachal Pradesh nur 17 sind.

Am 11. Mai 2000 ĂŒberschritt Indiens Bevölkerungszahl offiziell die Milliardengrenze.[11][12] WĂ€hrend es von 1920 – damals hatte Indien 250 Millionen Einwohner â€“ 47 Jahre bis zu einer Verdoppelung der Bevölkerung dauerte, waren es von 1967 bis 2000 nur noch 33 Jahre. Das Wachstum der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahrzehnten nur wenig abgeschwĂ€cht und liegt im Moment bei 1,4 Prozent pro Jahr, was einem jĂ€hrlichen Bevölkerungszuwachs von 15 Millionen Menschen entspricht. Damit verzeichnet Indien im Moment den grĂ¶ĂŸten absoluten Zuwachs aller Staaten der Erde. Der relative Zuwachs liegt jedoch nur wenig ĂŒber dem Weltdurchschnitt.

SchĂ€tzungen zufolge wird sich das Bevölkerungswachstum in Indien in den nĂ€chsten Jahrzehnten kaum abschwĂ€chen und die VR China bis zum Jahre 2025 als bevölkerungsreichstes Land der Erde abgelöst haben[13]. Das Bevölkerungswachstum erklĂ€rt sich nicht aus einer gestiegenen Geburtenrate, sondern aus der in den letzten Jahrzehnten gestiegenen Lebensdauer, das heißt der Reduktion der Sterberate. Dies ist unter anderem auf eine Verbesserung der GesundheitsfĂŒrsorge zurĂŒckzufĂŒhren. In der Sterberate hatte Indien bereits 1991 mit Deutschland gleichgezogen (10 pro 1000), fĂŒr 2006 wird sie auf 8,18 pro 1000 geschĂ€tzt. Die Geburtenrate blieb allerdings hoch (1991: 30 pro 1000) und sinkt nur allmĂ€hlich (2006: 22,01 pro 1000). Die Fruchtbarkeitsrate ging von 5,2 Kindern je Frau (1971) auf 3,6 (1991) zurĂŒck, fĂŒr 2006 wird sie auf 2,73 geschĂ€tzt.

Das durchschnittliche Alter der indischen Bevölkerung lag 2006 bei 24,9 Jahren, wĂ€hrend die durchschnittliche Lebenserwartung fĂŒr MĂ€nner 63,9 Jahre (1971 waren es nur 44 Jahre) und fĂŒr Frauen 65,6 Jahre (1971 waren es nur 46 Jahre) betrug. In Deutschland sind es zum Vergleich bei MĂ€nnern 75 Jahre und bei Frauen 81 Jahre. Indien ist somit eines der wenigen LĂ€nder der Erde, in denen die Lebenserwartung bei MĂ€nnern und Frauen fast identisch ist. Ein Drittel der Bevölkerung ist jĂŒnger als 15 Jahre. Indien gehört auch zu den LĂ€ndern, in denen es deutlich mehr MĂ€nner gibt: Laut der VolkszĂ€hlung 2001 kommen auf 1000 MĂ€nner 940 Frauen.[1]

Als Folge der zunehmenden VerstĂ€dterung Indiens, bedingt durch Landflucht und Naturkatastrophen, hat Indien heute 34 StĂ€dte mit mehr als einer Million Einwohner. Allein der Ballungsraum Mumbai hat mittlerweile ĂŒber 20 Millionen Einwohner und damit eine grĂ¶ĂŸere Bevölkerung als ganz Australien. Dennoch stellt die stĂ€dtische Bevölkerung mit einem Anteil an der Gesamteinwohnerzahl von lediglich 31,2 Prozent (VolkszĂ€hlung 2011) eine Minderheit dar.[14]

SchĂ€tzungsweise 25 Millionen indische StaatsbĂŒrger und Personen indischer Herkunft (Non-resident Indians und Persons of Indian Origin) leben im Ausland. WĂ€hrend englischsprachige westliche Staaten wie die USA[15], Großbritannien und Kanada vor allem gut ausgebildete FachkrĂ€fte anziehen, sind in den Golfstaaten (besonders Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait und Saudi-Arabien) viele Inder als „BilligarbeitskrĂ€fte“ angestellt, seltener auch in höheren Positionen. WĂ€hrend der britischen Kolonialzeit wurden Inder als Arbeiter in anderen Kolonien angeworben, daher leben viele Personen indischer Abstammung in Malaysia, SĂŒdafrika, Mauritius, Trinidad und Tobago, Fidschi, Guyana und Singapur. Sie besitzen in der Regel die StaatsbĂŒrgerschaft des jeweiligen Landes. Überweisungen von Auslandsindern an ihre Angehörigen in Indien stellen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar.[16]

Nachfolgend sind Einwohnerzahlen Indiens zwischen 1700 und 2050 aufgefĂŒhrt. Die Zahlen fĂŒr 2025 und 2050 sind eine Prognose.

Bevölkerungsentwicklung Indiens seit 1700 (beachte GebietsstandÀnderung)
Jahreszahl Einwohner Jahreszahl Einwohner Jahreszahl Einwohner Jahreszahl Einwohner
1700 137.026.000 1800 255.000.000 1900 271.306.000 2001 [17] 1.028.737.436
1725 140.413.000 1825 256.469.000 1925 263.071.000 2005 1.094.985.000
1750 155.212.000 1850 283.496.000 1950 350.445.000 2011[1] 1.210.193.422
1775 198.344.000 1875 300.963.000 1975 600.763.000 2025 1.370.028.000
2000 1.014.003.800 2050 1.706.951.000

Die Zahlenangaben bis 1875 sind nach dem Gebietsstand von Britisch-Indien, also einschließlich Bangladesch, Myanmar und Pakistan berechnet, die Angaben ab 1900 nach dem heutigen Gebietsstand der Republik Indien.[18]

Ethnische Zusammensetzung

Arme Leute in Jaipur

Indien ist ein Vielvölkerstaat, dessen ethnische Vielfalt ohne weiteres mit der des gesamten europĂ€ischen Kontinents vergleichbar ist. Etwa 72 Prozent der Bevölkerung sind Indoarier. 25 Prozent sind Draviden, die hauptsĂ€chlich im SĂŒden Indiens leben. 3 Prozent entfallen auf sonstige Völkergruppen, vor allem tibeto-birmanische, Munda- und Mon-Khmer-Völker im Himalayaraum sowie Nordost- und Ostindien.

8,2 Prozent der Einwohner gehören der indigenen Stammesbevölkerung an, die sich selbst als Adivasi bezeichnet, obwohl sie ethnisch höchst uneinheitlich ist. Die indische Verfassung erkennt mehr als 600 StĂ€mme als sogenannte scheduled tribes an. Sie stehen meist außerhalb des hinduistischen Kastensystems und sind trotz bestehender Schutzgesetze sozial stark benachteiligt. [19] Hohe Bevölkerungsanteile haben die Adivasi in der Nordostregion (besonders in Mizoram, Nagaland, Meghalaya, Arunachal Pradesh, Manipur, Tripura, Sikkim) sowie in den ost- und zentralindischen Bundesstaaten Jharkhand, Chhattisgarh, Orissa und Madhya Pradesh. Auf Grund der sozialen Diskriminierung genießen linksradikale Gruppierungen wie die maoistischen Naxaliten bei Teilen der Adivasi starken RĂŒckhalt. Dazu kommen separatistische Bewegungen verschiedener Völker – etwa der mongoliden Naga, Mizo und Bodo, aber auch der indoarischen Assamesen â€“ in Nordostindien, wo Spannungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und zugewanderten Bengalen, grĂ¶ĂŸtenteils illegale Einwanderer aus Bangladesch, fĂŒr zusĂ€tzliches Konfliktpotenzial sorgen.

Die Zahl der illegal eingewanderten Bangladescher in Indien wird auf bis zu 20 Millionen geschĂ€tzt. Die rund 100.000 in Indien lebenden Exiltibeter, die seit der chinesischen Besetzung Tibets in den 1950er Jahren aus ihrer Heimat geflohen sind, werden dagegen offiziell als FlĂŒchtlinge anerkannt und besitzen eine Aufenthaltsgenehmigung. Des Weiteren leben etwa 60.000 tamilische FlĂŒchtlinge aus Sri Lanka auf indischem Gebiet.

Sprachen und Schriften

→ Hauptartikel: Sprachen Indiens und Indischer Schriftenkreis
Die Sprachfamilien Indiens

In Indien werden weit ĂŒber 100 verschiedene Sprachen gesprochen, die vier verschiedenen Sprachfamilien angehören. Neben den beiden ĂŒberregionalen Amtssprachen Hindi und Englisch erkennt die indische Verfassung die folgenden 21 Sprachen an: Asamiya, Bengalisch, Bodo, Dogri, Gujarati, Kannada, Kashmiri, Konkani, Maithili, Malayalam, Marathi, Meitei, Nepali, Oriya, Panjabi, Santali, Sanskrit, Sindhi, Tamil, Telugu und Urdu. Die meisten dieser Sprachen dienen in den Bundesstaaten, in denen sie von einer Bevölkerungsmehrheit gesprochen werden, auch als Amtssprachen. Englisch ist Verwaltungs-, Unterrichts- und Wirtschaftssprache. Von den Verfassungssprachen gehören 15 der indoarischen, vier der dravidischen (Telugu, Tamilisch, Kannada und Malayalam), zwei der tibetobirmanischen bzw. sinotibetischen Sprachfamilie (Bodo, Meitei) und jeweils eine der austroasiatischen (Santali) und der germanischen (Englisch) an.

In letzter Zeit gab es Versuche, den Gebrauch des Sanskrit wiederzubeleben. Sanskrit ist eine klassische, heute nicht mehr als Erst- oder Muttersprache verwendete Sprache, die in Indien einen Ă€hnlichen Stellenwert besitzt wie das Lateinische in Europa. Sie gehört ebenfalls zu den offiziell anerkannten Verfassungssprachen, wird aber nirgends als Amtssprache verwendet. Das Central Board of Secondary Education (CBSE) hat in den Schulen, die es reguliert, Sanskrit zur dritten der unterrichteten Sprachen gemacht. In diesen Schulen ist der Sanskritunterricht fĂŒr die fĂŒnften bis achten Schulklassen obligatorisch.

Über die Beibehaltung des Status des Englischen als Amtssprache wird alle 15 Jahre neu entschieden. Englisch gilt weiterhin als Prestige-Sprache und wird nur von einer privilegierten Minderheit der Bevölkerung fließend gesprochen. Wenn sich Menschen unterschiedlicher Sprachgemeinschaften begegnen, sprechen sie im Norden entweder Hindi oder Englisch miteinander, im SĂŒden eine der dravidischen Sprachen oder Englisch.

Neben den Verfassungssprachen sind auch noch Hindustani, der im Norden Indiens weit verbreitete „VorgĂ€nger“ von Hindi und Urdu, Rajasthani als Oberbegriff der Dialekte Rajasthans und Mizo erwĂ€hnenswert. Bihari ist der Oberbegriff fĂŒr die Dialekte in Bihar, wozu auch Maithili, Bhojpuri und Magadhi gehören.

Die meisten Sprachen weisen unterschiedliche Schriftsysteme auf. WĂ€hrend fĂŒr Hindi, Marathi, Nepali, Konkani und Sanskrit eine gemeinsame Schrift verwendet wird (Devanagari), werden Telugu, Tamilisch, Kannada, Malayalam, Gujarati, Oriya, Punjabi und Santali durch eine jeweils eigene Schrift charakterisiert. FĂŒr Bengalisch, Asamiya und Meitei wird eine weitere Schrift (Bengalische Schrift) verwendet. Urdu wird in arabischer Schrift geschrieben, Kashmiri und Sindhi werden in arabischer Schrift oder auch in Devanagari geschrieben.

Religionen

Zusammensetzung

Religionen in Indien
Religion Prozent
Hinduismus
  
80,5 %
Islam
  
13,4 %
Christentum
  
2,3 %
Sikhismus
  
1,9 %
Buddhismus
  
0,8 %
Jainismus
  
0,4 %
Andere
  
0,6 %
Verteilung der Religionen (Zensus 2001)[20]
Hinduistischer Tempel in Mysore

In Indien entstanden vier der großen Religionen: Hinduismus, Buddhismus, Jainismus und Sikhismus. Der Islam kam infolge von Eroberungen, das Christentum durch frĂŒhe Missionierungen im ersten Jahrhundert und dann durch den Kolonialismus, der Parsismus (Zoroastrismus) aufgrund von Einwanderungen ins Land. Indien bietet also eine außerordentlich reichhaltige Religionslandschaft. Obwohl der Buddhismus ĂŒber Jahrhunderte die bevorzugte Religion war, starb der Hinduismus nie aus und konnte seine Stellung als dominierende Religion langfristig behaupten. Im Mittelalter brachten indische HĂ€ndler und Seefahrer den Hinduismus bis nach Indonesien und Malaysia. Obwohl Indien bis heute ein hinduistisch geprĂ€gtes Land ist, hat Indien nach Indonesien und Pakistan die weltweit drittgrĂ¶ĂŸte muslimische Bevölkerung (etwa 140 Millionen), und nach dem Iran die zweitgrĂ¶ĂŸte Anzahl von Schiiten.

Die Religionen verteilen sich wie folgt: 80,5 Prozent Hindus, 13,4 Prozent Moslems (hauptsÀchlich Sunniten), 2,3 Prozent Christen, 1,9 Prozent Sikhs, 0,8 Prozent Buddhisten, 0,4 Prozent Jainas und 0,6 Prozent andere: (zum Beispiel Adivasi, Bahai, Parsen) (Quelle: Census of India 2001)

Die Wurzeln des Hinduismus liegen im Veda (wörtl.: Wissen), religiösen Texten, deren Ă€lteste Schicht auf etwa 1200 v. Chr. datiert wird. Die Bezeichnung „Hinduismus“ wurde jedoch erst im 19. Jahrhundert allgemein ĂŒblich. Er verbindet viele Strömungen mit Ă€hnlicher Glaubensgrundlage und Geschichte, die besonders bei den Lehren von Karma, dem Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) und dem Streben nach Erlösung ĂŒbereinstimmen. Er kennt keinen einzelnen Religionsstifter, kein einheitliches Glaubensbekenntnis und keine religiöse Zentralbehörde. Die wichtigsten populĂ€ren Richtungen sind der Shivaismus, der Vishnuismus und der Shaktismus. Religiöse Lehrer (Gurus) und Priester haben einen großen Stellenwert fĂŒr den persönlichen Glauben.

Die Adivasi (Ureinwohner) widersetzten sich oft den Missionsversuchen der großen Religionen und behielten teilweise ihre eigene Religion. Die indigenen Völker Indiens haben einiges mit dem Hinduismus gemeinsam, so etwa den Glauben an die Reinkarnation, eine Ă€ußere Vielfalt von Göttern und eine Art von Kastenwesen. Nicht selten werden lokale Gottheiten oder Stammesgottheiten einfach in das hinduistische Pantheon integriert – eine Herangehensweise, die historisch zur Ausbreitung des Hinduismus beigetragen hat. Besonders heute besteht eine starke Tendenz der „Hinduisierung“, gesellschaftliche Sitten der Hindus und deren Formen der ReligionsausĂŒbung werden ĂŒbernommen.

Der Buddhismus ist heute vor allem als „Neobuddhismus“ bei den unberĂŒhrbaren Kasten vor allem in Maharashtra populĂ€r („Bauddha“), die auf diese Art und Weise versuchen, den Diskriminierungen des Kastensystems zu entkommen. Ins Leben gerufen wurde diese Bewegung durch den Rechtsanwalt Bhimrao Ramji Ambedkar (1891–1956), der selbst einer unberĂŒhrbaren Kaste angehörte. Hinzu kommen kleinere Gruppen tibetischer Buddhisten in den Himalaya-Gebieten von Ladakh, Sikkim und Arunachal Pradesh sowie die tibetische Exilgemeinde in Dharamsala, dem Sitz des amtierenden Dalai Lama sowie der tibetischen Exilregierung.[21]

Die Parsen, die heute hauptsĂ€chlich in Mumbai leben, bilden eine kleine, ĂŒberwiegend wohlhabende und einflussreiche Gemeinschaft (etwa 70.000 Menschen). Nicht zuletzt auch durch ihr ausgeprĂ€gtes soziales Engagement spielen sie trotz geringer Bevölkerungsanzahl in der indischen Gesellschaft eine wichtige Rolle. In Europa sind sie durch ihre Bestattungsgepflogenheiten („TĂŒrme des Schweigens“) bekannt. Auch die Jainas sind oft wohlhabend, da sie aufgrund ihres Glaubens, der das Töten von Lebewesen verbietet, ĂŒberwiegend Kaufleute und HĂ€ndler sind. Parsen und Jainas gehören meist der Mittel- und Oberschicht an.

Die Mehrheit der indischen Muslime gehört der sunnitischen Richtung an, außerdem leben mehr als 20 Millionen Schiiten in Indien. DarĂŒber hinaus existieren kleinere Glaubensrichtungen innerhalb des Islam: Eher fundamentalistisch ist die Dar ul-Ulum in Deoband im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh, auf die sich unter anderem die afghanischen Taliban berufen, wenn auch in radikal verkĂŒrzter Interpretation. Die Situation der Muslime in Indien ist schwierig. Sie sind Ă€rmer und weniger gebildet als der Durchschnitt. In Politik und Staatsdienst sind sie unterreprĂ€sentiert. Zu bemerken ist jedoch, dass der ehemalige StaatsprĂ€sident Indiens, A. P. J. Abdul Kalam, ein Muslim war.

Die Sikhs sind hauptsÀchlich im Nordwesten Indiens (Punjab) beheimatet. Ihre Stellung in der Gesellschaft ist geprÀgt durch den Erfolg vor allem im militÀrischen Bereich, aber auch im politischen Leben. Der derzeitige indische Premierminister, Manmohan Singh, ist ein Sikh.

Kreuz der Thomaschristen

53 n. Chr. soll ein Apostel Jesu, Thomas, nach Indien gekommen sein und dort entlang der sĂŒdlichen MalabarkĂŒste mehrere christliche Gemeinden gegrĂŒndet haben. Die „Thomaschristen“ in Kerala fĂŒhren ihren Ursprung auf den Apostel Thomas zurĂŒck. Portugiesische Missionare fĂŒhrten im spĂ€ten 15. Jahrhundert den römischen Katholizismus ein und verbreiteten ihn entlang der WestkĂŒste, etwa in Goa, sodass römische Katholiken heute den grĂ¶ĂŸten Anteil an der christlichen Bevölkerung Indiens stellen. Die Briten zeigten zwar wenig Interesse an der Missionierung, dennoch konvertierten viele Stammesvölker im Nordosten (Nagaland, Mizoram, Meghalaya, Manipur, Arunachal Pradesh) zur Anglikanischen Kirche oder anderen evangelischen Konfessionen. In jĂŒngerer Zeit traten auch Angehörige unberĂŒhrbarer Kasten sowie Adivasi zum Christentum ĂŒber, um der Ungerechtigkeit des Kastensystems zu entkommen.

Als Indien seine UnabhĂ€ngigkeit erlangte, lebten auch noch rund 25.000 Juden in Indien. Nach 1948 verließen jedoch die meisten von ihnen ihre Heimat gen Israel. Heute wird die Zahl der in Indien verbliebenen Juden auf 5000 bis 6000 geschĂ€tzt, wovon die Mehrheit in Mumbai lebt.

Religiöse Konflikte

Der Laizismus, die Trennung von Staat und Religion, zÀhlt zu den wesentlichsten GrundsÀtzen des indischen Staates und ist in seiner Verfassung verankert. Seit Jahrhunderten bestehen verschiedene Glaubensrichtungen zumeist friedlich nebeneinander. Dennoch kommt es manchmal zu regional begrenzten, religiös motivierten Auseinandersetzungen.

Bei der Teilung Indiens 1947 und beim Bangladesch-Krieg 1971 kam es zwischen Hindus und Muslimen zu massiven Ausschreitungen. Unruhen zwischen AnhĂ€ngern der beiden Glaubensrichtungen brechen in Indien in gewissen ZeitabstĂ€nden immer wieder aus. Ein Konfliktpunkt ist nach wie vor Kaschmir, dessen ĂŒberwiegend muslimische Bevölkerung teilweise gewalttĂ€tig fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit oder den Anschluss an Pakistan eintritt. GeschĂŒrt werden sie seit den spĂ€ten 1980er Jahren durch den aufkeimenden Hindu-Nationalismus (Hindutva) und den islamischem Fundamentalismus. Einer der Höhepunkte der Auseinandersetzungen war die ErstĂŒrmung und Zerstörung der Babri-Moschee in Ayodhya (Uttar Pradesh) durch extremistische Hindus im Dezember 1992, da das islamische Gotteshaus einst an der Stelle eines bedeutenden Hindu-Tempels errichtet worden war, der den Geburtsort Ramas markieren sollte. Die letzten Unruhen traten 2002 in Gujarat auf, als 59 Hindu-Aktivisten (kar sevaks) in einem Zug verbrannt wurden. Infolge der eskalierenden Gewalt kamen etwa 2000 Menschen um, hauptsĂ€chlich Moslems. Die politische Situation in Kaschmir kostete seit 1989 aufgrund der AktivitĂ€ten islamistischer Terroristen ĂŒber 29.000 Zivilpersonen das Leben.

Auch bei anderen Religionen traten Konflikte auf. Die Forderungen sikhistischer Separatisten nach einem unabhĂ€ngigen Sikhstaat namens „Khalistan“ gipfelten 1984 in der ErstĂŒrmung des Goldenen Tempels in Amritsar durch indische Truppen (Operation Blue Star) und der Ermordung der damaligen Premierministerin Indira Gandhi durch ihre eigenen Sikh-LeibwĂ€chter. Insgesamt kamen bei den Unruhen im Jahre 1984 mehr als 3000 Sikhs ums Leben.

In einigen Bundesstaaten ist es zu Pogromen gegen Christen gekommen. So wurden in der zweiten JahreshĂ€lfte 2008 bei religiös motivierten Unruhen in Orissa mindestens 59 Christen getötet.[22] In ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage vom 4. Dezember 2008 nennt die deutsche Bundesregierung folgendes Ausmaß der Gewalt gegen Christen in Orissa: 81 Christen sind ums Leben gekommen, 20.000 Menschen befinden sich in FlĂŒchtlingslagern, 40.000 weitere haben sich in WĂ€ldern versteckt. 4677 HĂ€user, 236 Kirchen und 36 weitere kirchliche Einrichtungen wurden zerstört.[23]

Soziales

Soziale Probleme

Slum in Mumbai
Demonstration der kommunistischen Partei CPI (M) in Agartala (Tripura)
Manuel Rivera-Ortiz: MĂŒlldeponie, Yamuna River Slum, Delhi, India 2005

Nach Angaben der Weltbank haben heute 44 Prozent der Einwohner Indiens weniger als einen US-Dollar pro Tag zur VerfĂŒgung. Auch wenn die ErnĂ€hrungssituation seit den 1970er Jahren entscheidend verbessert werden konnte, ist noch immer mehr als ein Viertel der Bevölkerung zu arm, um sich eine ausreichende ErnĂ€hrung leisten zu können. Unter- und FehlernĂ€hrung wie Vitaminmangel ist vornehmlich in lĂ€ndlichen Gebieten ein weit verbreitetes Problem, wo der Anteil der Armen besonders hoch ist. Die regionale Aufteilung des Problems lĂ€sst sich am Hunger-Index fĂŒr Indien klar erkennen, der Bundesstaat Madhya Pradesh fĂ€llt hier besonders ins Auge. 2007 waren 46 Prozent der Kinder in Indien mangelernĂ€hrt, nach Angaben von Unicef sterben in Indien jĂ€hrlich 2,1 Millionen Kinder vor dem fĂŒnften Lebensjahr. Kinderarbeit wird hauptsĂ€chlich auf dem Land geleistet, da das Einkommen vieler Bauernfamilien nicht zum Überleben ausreicht. Hoch verschuldete Bauern mĂŒssen oft nicht nur ihr Ackerland verkaufen, sondern auch ihre Dienstleistungen an die Grundherren verpfĂ€nden. Dieses als Schuldknechtschaft bezeichnete PhĂ€nomen stellt bis heute eines der grĂ¶ĂŸten Hindernisse in der ArmutsbekĂ€mpfung dar. 2006 haben schĂ€tzungsweise 17.000 Bauern wegen hoher Verschuldung Selbstmord begangen. Die schlechten Lebensbedingungen im lĂ€ndlichen Raum veranlassen viele Menschen zur Abwanderung in die StĂ€dte (Landflucht). Dabei sind die wuchernden Metropolen des Landes kaum in der Lage, ausreichend ArbeitsplĂ€tze fĂŒr die Zuwanderer zur VerfĂŒgung zu stellen. Das Ergebnis sind hohe Arbeitslosigkeit und UnterbeschĂ€ftigung. Fast ein Drittel der Einwohner der MillionenstĂ€dte lebt in Elendsvierteln. Dharavi in Mumbai ist mit mehr als einer Million Menschen der grĂ¶ĂŸte Slum Asiens.[24]

UngefĂ€hr 16,2 Prozent der indischen Bevölkerung werden zu den so genannten UnberĂŒhrbaren (scheduled castes) gerechnet, 8,2 Prozent zĂ€hlen zur indischen Stammesbevölkerung (Adivasi, offiziell scheduled tribes). Da beide Gruppen starker sozialer Benachteiligung ausgesetzt sind, sieht die indische Verfassung ihre Förderung in Form von Quoten vor. Über diese „positive Diskriminierung“ werden in UniversitĂ€ten, berufsbildenden Institutionen und Parlamenten bis zu 50 Prozent der PlĂ€tze fĂŒr die scheduled castes (Angehörige der unteren Kasten) reserviert. Die Kastenfrage nimmt in der indischen Innenpolitik eine höchst brisante Stellung ein. Eine Ausweitung der Quoten auf niedere Kasten auf Vorschlag der umstrittenen Mandal-Kommission rief 1990 heftige Proteste von Angehörigen höherer Kasten hervor und fĂŒhrte zum Sturz von Premierminister Vishwanath Pratap Singh.

Unzureichende Beratung in Fragen der reproduktiven Gesundheit hat zur Folge, dass die Zahl der HIV-Infizierten rasch angestiegen ist, seit 1986 die ersten InfektionsfĂ€lle bekannt wurden. 2008 trugen rund 2,27 Millionen Inder im Alter zwischen 15 und 49 Jahren das Virus. Die Zahl der Infizierten liegt damit weltweit an dritter Stelle hinter SĂŒdafrika und Nigeria. In den Jahren nach 2002 ist ein prozentualer RĂŒckgang an Infizierten zu verzeichnen. 2002 waren 0,45 Prozent der erwachsenen indischen Bevölkerung infiziert, 2007 waren es 0,34 Prozent und 2008 0,29 Prozent. Die Übertragungswege des HI-Virus werden fĂŒr 2009/10 mit 87,1 Prozent zwischen Heterosexuellen angegeben. HierfĂŒr ist hauptsĂ€chlich der weitverbreitete ungeschĂŒtzte Geschlechtsverkehr mit Prostituierten verantwortlich. Die Übertragung von Mutter zu Kind betrĂ€gt 5,4 Prozent und zwischen Homosexuellen 1,5 Prozent. DrogenabhĂ€ngige sind mit 1,5 Prozent an der Gesamtzahl der ÜbertragungsfĂ€lle beteiligt.[25]

Stellung der Frau

Frauen sind in der patriarchalisch geprĂ€gten indischen Gesellschaft trotz der rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau nach wie vor benachteiligt. Traditionell wurde Frauen zur Hochzeit eine Mitgift zum Aufbau eines eigenen Haushalts mitgegeben. Heute werden Brautgelder, obwohl sie seit Jahrzehnten gesetzlich untersagt sind, aus rein wirtschaftlichen ErwĂ€gungen von den Eltern des BrĂ€utigams verlangt. In manchen FĂ€llen ĂŒbersteigen sie das Jahreseinkommen der Familie der Braut. Gelegentlich kommt es zu so genannten „Mitgiftmorden“, da die Angehörigen der Braut nicht in der Lage sind, die hohen Forderungen zu erfĂŒllen. Die Mitgiftproblematik trĂ€gt in nicht unerheblichem Maße dazu bei, dass MĂ€dchen meist geringer angesehen sind als Jungen oder gar als unerwĂŒnscht gelten. TatsĂ€chlich werden weit mehr weibliche Föten abgetrieben als mĂ€nnliche. So kommen nach der VolkszĂ€hlung 2011 unter den Null- bis SechsjĂ€hrigen auf 1000 Jungen nur 914 MĂ€dchen. 2001 hatte die Quote noch 927 betragen.[26]

Politik und Staat

Politisches System

→ Hauptartikel: Politisches System Indiens

GemĂ€ĂŸ der Verfassung von 1950 ist Indien eine parlamentarische Demokratie. Indien ist, nach der Zahl der BĂŒrger, die grĂ¶ĂŸte Demokratie der Erde. Das indische Parlament ist die gesetzgebende Gewalt und besteht aus zwei Kammern: dem Unterhaus (Lok Sabha) und dem Oberhaus (Rajya Sabha). Das Unterhaus wird auf fĂŒnf Jahre nach dem Prinzip des Mehrheitswahlrechtes gewĂ€hlt. Wahlberechtigt ist jeder StaatsbĂŒrger, der das 18. Lebensjahr vollendet hat. Das Oberhaus ist die Vertretung der Bundesstaaten auf nationaler Ebene. Seine Mitglieder werden von den Parlamenten der Staaten gewĂ€hlt.

Die Parteienlandschaft des Landes ist Ă€ußerst vielfĂ€ltig (vgl. Liste politischer Parteien in Indien). Viele Parteien sind zwar auf bestimmte Bundesstaaten beschrĂ€nkt, dennoch ergibt sich immer wieder die Notwendigkeit, Koalitionen zu bilden. Die „National Democratic Alliance“ (NDA) war eine Koalition, die zu Beginn ihrer Regierungszeit 1998 aus 13 Parteien bestand (unter FĂŒhrung der BJP).

Der PrĂ€sident als Staatsoberhaupt wird von einem Gremium der Abgeordneten des Bundes und der LĂ€nder auf fĂŒnf Jahre gewĂ€hlt. Seit 2007 hat Pratibha Patil und damit erstmals eine Frau das Amt inne. Die Verfassung sieht vor, dass Bundesstaaten unter President’s rule gestellt werden können, wenn das Land als „unregierbar“ gilt. Dies war in der Vergangenheit in mehreren Bundesstaaten der Fall. Das PrĂ€sidentenamt ist jedoch ĂŒberwiegend von zeremoniellen oder reprĂ€sentativen Aufgaben geprĂ€gt, die politische Macht liegt beim Premierminister. Üblicherweise erteilt der Premierminister dem PrĂ€sidenten einen entsprechenden „Rat“, der in der Regel befolgt wird. Zuletzt ließ Premierminister P. V. Narasimha Rao nach den Unruhen in Ayodhya 1993 alle vier BJP-Landesregierungen ihres Amtes entheben und die LĂ€nder unter President's rule stellen. Der PrĂ€sident ist auch oberster Befehlshaber der StreitkrĂ€fte.

Der Regierungschef in den 28 Bundesstaaten sowie in zwei von sieben Unionsterritorien ist der Chief Minister, der vom Parlament des jeweiligen Gebiets gewÀhlt wird.

Rechtssystem

→ Hauptartikel: Recht Indiens
Der High Court des Bundesstaates Karnataka in Bangalore

Da in Indien Gewaltenteilung herrscht, ist die Judikative streng von Legislative und Exekutive getrennt. Oberster Gerichtshof des Landes ist der Supreme Court in Neu-Delhi mit 26 Richtern, die vom PrĂ€sidenten ernannt werden. Den Vorsitz hat der Chief Justice of India. Streitigkeiten zwischen den Staaten und der Zentralregierung fallen in seine ZustĂ€ndigkeit. Außerdem stellt er die höchste Berufungsinstanz des Landes dar. Dem Supreme Court untergeordnet sind 21 High Courts der Bundesstaaten.

Ab der dritten Rechtsebene (Distriktebene) wird zwischen Zivil- und Strafgerichten unterschieden. Zivile Rechtsstreitigkeiten fallen in den Metropolitan Districts (Stadtdistrikten) in den ZustĂ€ndigkeitsbereich der City Civil Courts, welche den District Courts der Landdistrikte entsprechen. FĂŒr das Strafrecht sind in Stadt- und Landdistrikten die Sessions Courts verantwortlich. Außerdem existieren Sondergerichte fĂŒr spezielle Bereiche wie Familien- und Handelsrecht. Die Rechtsprechung einfach gelagerter StreitfĂ€lle der untersten Ebene findet in den Panchayats der Dörfer (Gram Panchayat) statt.

In Folge der britischen Rechtspraxis der Kolonialzeit findet in Indien heute noch vielfach das Common Law Anwendung, das sich nicht auf Gesetze, sondern auf maßgebliche Urteile hoher Gerichte in PrĂ€zedenzfĂ€llen stĂŒtzt. Die Gerichtssprache ist Englisch, auf den unteren Ebenen kann aber auch in der jeweiligen regionalen Amtssprache verhandelt werden.

Eine Besonderheit im vermeintlich sĂ€kularen Indien ist seine Gesetzgebung im Familien- und Erbrecht, die jeweils eigene Regelungen fĂŒr Hindus (gilt gleichzeitig auch fĂŒr Sikhs, Jains und Buddhisten) und Muslime aufrechterhĂ€lt (siehe hierzu Ehe im Hinduismus#Gesetzgebung und Islamische Ehe#Indien).

Innenpolitik

WĂ€hrend des UnabhĂ€ngigkeitskampfes bildete sich der Nationalkongress, der die Kolonialherrschaft der EnglĂ€nder beenden sollte. Nach der UnabhĂ€ngigkeit 1947 wurde die Kongresspartei (Symbol: HandflĂ€che) stĂ€rkste Partei und bildete unter Jawaharlal Nehru die erste Regierung. Bis Mitte der 1990er Jahre dominierte die Kongresspartei meist unter FĂŒhrung der Nehru-Gandhi-Familie, mit nur zwei kurzen Unterbrechungen, die Politik des Landes.

Erst im Zusammenhang mit der geplanten „Wieder“errichtung des Ram-Janmabhumi-Tempels anstelle der Babri-Moschee in Ayodhya gelang es der Bharatiya Janata Party (BJP, Indische Volkspartei, Symbol: LotosblĂŒte) mit nationalistischen Parolen UnterstĂŒtzung auf breiter Ebene zu finden. Dies gipfelte in dem Marsch auf Ayodhya und dem Abriss der Moschee, der im ganzen Land zu Ausschreitungen und Übergriffen, vor allem gegen Muslime, mit vielen Toten fĂŒhrte. Die polarisierende und pro-hinduistisch ausgerichtete Politik der BJP steht ganz im Zeichen der hindunationalistischen Hindutva-Bewegung, die – auch unter Beteiligung von paramilitĂ€rischen Gruppen, wie dem Nationalen Freiwilligencorps (Rashtriya Swayamsevak Sangh, kurz RSS) â€“ die Hinduisierung Indiens und in ihren extremen AuswĂŒchsen die Vertreibung der muslimischen und christlichen Bevölkerung zum Ziel hat. Von 1998 bis 2004 stellte die BJP die Regierung unter dem als eher gemĂ€ĂŸigt geltenden Atal Bihari Vajpayee als Premierminister.

Nach einem Anschlag auf einen Zug mit Pilgern im Jahre 2002 begannen Massaker in Gujarat, die von der dort regierenden BJP nur halbherzig bekĂ€mpft wurden. Diese Unruhen haben dann doch wohl viele moderate Hindus zu einem gewissen Umdenken gebracht, zumal die von der Indischen Volkspartei hochgehaltene Vision eines Shining India („Strahlendes Indien“) weite Teile der Bevölkerung, die nicht vom Boom der letzten Jahre profitierten, ob der hochgesteckten Ziele eher skeptisch werden ließ.

Bei den Parlamentswahlen 2004 erzielte die oppositionelle Kongresspartei unter Sonia Gandhi einen unerwarteten Sieg. Überraschend fĂŒr ihre Parteienkoalition lehnte sie es ab, den Posten des Premierministers zu ĂŒbernehmen, Manmohan Singh wurde am 22. Mai 2004 als Premierminister vereidigt. Bei den Parlamentswahlen 2009 konnte die Parteienkoalition der United Progressive Alliance unter FĂŒhrung des Indischen Nationalkongress ihren parlamentarischen RĂŒckhalt deutlich ausbauen, so dass Manmohan Singh erneut zum Premierminister gewĂ€hlt wurde.

Außenpolitik

Vier Jahrzehnte lang war die indische Außenpolitik durch das Engagement in der Bewegung der blockfreien Staaten und das „besondere FreundschaftsverhĂ€ltnis“ mit der Sowjetunion geprĂ€gt, die besonders Jawaharlal Nehru vorantrieb. Die drei Leitlinien indischer Blockfreiheit bestanden darin, MilitĂ€rbĂŒndnissen mit amerikanischer oder sowjetischer Beteiligung fernzubleiben, außenpolitischen Herausforderungen sachgerecht und vollstĂ€ndig aus indischer Perspektive zu begegnen und freundschaftliche Beziehungen zu allen LĂ€ndern zu betreiben. Dabei betrachtete sich Indien nicht als Ă€quidistant, sondern suchte bis zum Krieg gegen China 1962 die FĂŒhrungsrolle innerhalb der blockfreien Bewegung. Dies drĂŒckte sich beispielsweise in der Entsendung von Friedenstruppen in den Gazastreifen 1956 und in den Kongo 1961 aus, sowie in der Verurteilung der franko-britischen Intervention in der Sueskrise. Ebenso verurteilte es das sowjetische Vorgehens zu Beginn des Koreakrieges 1950 und in 1956 als inakzeptable Einmischung.[27]

Das Ende des Kalten Krieges brachte fĂŒr Indien eine Neuorientierung mit sich. Die historisch eher schwierigen Beziehungen zu den USA verbesserten sich seit dem Besuch Bill Clintons in Indien im MĂ€rz 2000. Die USA bemĂŒhten sich nun stĂ€rker um Indien als strategischen Partner. Hinsichtlich des Kaschmir-Konflikts stĂŒtzten die USA nun stĂ€rker die Haltung Indiens. Nach dem 11. September 2001 stellte sich Indien ohne EinschrĂ€nkung auf die Seite der USA.

Heute werden die außenpolitische Ziele Indiens vor allem durch das BemĂŒhen, einen stĂ€ndigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu erlangen, charakterisiert. Hierbei zieht Indien China als Vergleichsmaßstab heran und strebt eine Statusaufwertung an. Indien beansprucht aufgrund seiner GrĂ¶ĂŸe und zivilisatorischen Bedeutung denselben Rang wie China, das jedoch anerkannte Atommacht mit stĂ€ndigem Sitz im UN-Sicherheitsrat ist.

Indien fĂŒhrte bereits zwei Atomtests durch, den ersten 1974 unter Indira Gandhi, den zweiten 1998 unter Atal Bihari Vajpayee. Zwei Wochen nach dem letzten Versuch reagierte Pakistan mit eigenen Atomtests. Sowohl Indien als auch Pakistan haben den Atomwaffensperrvertrag nicht unterschrieben. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten sind seit dem Ende der Kolonialzeit durch den Kaschmirkonflikt belastet. Einen letzten Höhepunkt der „Eiszeit“ zwischen Indien und Pakistan bildeten die Gefechte in Kargil 1999. Derzeit gibt es wieder aktive diplomatische BemĂŒhungen zwischen Indien und Pakistan, wie der Besuch des indischen Außenministers in Pakistan dokumentiert.

Die Nukleartests im Mai 1998 wurden zwar immer mit dem Verweis auf die chinesische Bedrohung gerechtfertigt (Angriff Chinas von 1962), in erster Linie aber verfolgte Indien mit den Tests eine internationale Statusaufwertung, welche auch die Gleichrangigkeit mit China untermauern sollten. TatsĂ€chlich stehen sich Indien und China mittlerweile eher freundschaftlich gegenĂŒber. Zunehmende Handelsverflechtungen und die gegenseitige Anerkennung des Status quo in Tibet durch Indien 2003 und Sikkim durch China 2004 haben zu einer spĂŒrbaren Entlastung des politischen VerhĂ€ltnisses beigetragen. Dennoch bestehen noch immer Grenzstreitigkeiten um den chinesisch besetzten Teil Kaschmirs (Aksai Chin) sowie den grĂ¶ĂŸten Teil des indischen Bundesstaats Arunachal Pradesh.

Mit Bangladesch besteht seit Jahrzehnten Uneinigkeit ĂŒber Fragen der Wasserverteilung. Auch Grenzverlauf und -verkehr sind teils umstritten. Belastend wirkt sich zudem die illegale Einwanderung vieler Bangladescher nach Indien aus.

Indien ist eines der GrĂŒndungsmitglieder der Vereinten Nationen sowie Mitglied zahlreicher weiterer internationaler Organisationen, darunter Commonwealth, Internationaler WĂ€hrungsfonds und Weltbank. In der Welthandelsorganisation ist Indien eine der treibenden KrĂ€fte in der Gruppe der Zwanzig, der Gruppe der Zwanzig wichtigsten Industrie- und SchwellenlĂ€nder und der G33. Eine tragende Funktion besitzt es in der SĂŒdasiatischen Vereinigung fĂŒr regionale Zusammenarbeit (SAARC).

Die Beziehungen Indiens zur EU basieren auf einer umfassenden politischen ErklĂ€rung und einem Aktionsplan fĂŒr eine strategische Partnerschaft, die auf dem EU-Indien-Gipfel im Herbst 2005 verabschiedet wurden und seit dem schrittweise umgesetzt werden. Damit sollen die Beziehungen zu Indien formal auf eine Ebene mit denen zu den Vereinigten Staaten, Kanada, Japan, Russland und China gestellt werden. ZukĂŒnftig will man das Potenzial fĂŒr gemeinsame Kooperationen und Austausch noch stĂ€rker ausschöpfen. Dies gilt insbesondere auch fĂŒr den Bereich KonfliktprĂ€vention, TerrorismusbekĂ€mpfung und die StĂ€rkung der Menschenrechte.

Bildungswesen

Regionale Verteilung der Lese- und Schreibkenntnisse

In Indien besteht allgemeine Schulpflicht bei einem Lebensalter von 6 bis 14 Jahren, und das indische Parlament beschloss 2002 einstimmig, das Recht auf Bildung in die Verfassung aufzunehmen.[28] WĂ€hrend dieses Zeitraumes ist der Besuch öffentlicher Schulen kostenlos. Das Schulsystem umfasst vier Hauptstufen: auf die fĂŒnfjĂ€hrige Grundschule folgt die Mittelschule von der sechsten bis achten Klasse, darĂŒber die höheren Schulen und schließlich die Hochschulen sowie UniversitĂ€ten. Allgemein hat der Staat in der Vergangenheit besonderes Augenmerk auf die Förderung von höheren Bildungseinrichtungen gelegt, was den aus der Kolonialzeit herrĂŒhrenden elitĂ€ren Charakter des Bildungswesens eher noch verstĂ€rkt hat. Dennoch ziehen viele Angehörige der Mittel- und Oberschicht gerade bei der höheren Bildung private Einrichtungen den staatlichen vor.

Heute werden zwar fast alle Kinder – zumindest Jungen â€“ tatsĂ€chlich eingeschult, in den höheren Klassenstufen wird die Zahl der Abbrecher aber immer höher. Vor allem im lĂ€ndlichen Raum erhalten daher viele Kinder nur eine Ă€ußerst rudimentĂ€re Grundbildung. WeiterfĂŒhrende Schulen und höhere Bildungseinrichtungen stehen dagegen meist nur in StĂ€dten zur VerfĂŒgung. Immerhin konnten seit der UnabhĂ€ngigkeit große Fortschritte bei der Alphabetisierung erzielt werden. 2011 lag die Alphabetisierungsrate im Landesdurchschnitt bei 74,0 Prozent (MĂ€nner: 82,1 Prozent, Frauen: 65,5 Prozent).[29] 2001 hatte sie noch 64,8 Prozent betragen, 1951 sogar nur 18,3 Prozent.

Da das Bildungswesen grĂ¶ĂŸtenteils den Bundesstaaten obliegt, weist es dementsprechend große regionale Unterschiede auf. Dies Ă€ußert sich am deutlichsten in der sehr ungleichen Analphabetenrate. WĂ€hrend sie in Kerala, dem Staat mit der höchsten Alphabetisierungsrate, 2011 nur 6,1 Prozent betrug, war sie im finanziell Ă€rmsten Staat Bihar mit 36,2 Prozent fast sechsmal so hoch. Ein weiteres Problem ist die Benachteiligung von MĂ€dchen, deren Einschulungsrate geringer ist als die von Jungen (Durchschnitt 2000 bis 2004: Jungen: 90 Prozent, MĂ€dchen: 85 Prozent).[30] An höheren Bildungseinrichtungen liegt der Frauenanteil in der Regel deutlich unter dem der MĂ€nner. Ein großer Schwachpunkt ist auch das bisher wenig entwickelte Berufsschulwesen. Indien verfĂŒgt ĂŒber 380 UniversitĂ€ten.

Gesundheitswesen

Daten zur Gesundheit (2005)
Indien Kerala
Lebenserwartung 64,35 Jahre 73 Jahre
Geburtenrate 22,32 je 1000 Einwohner 18 auf 1000 Einwohner
Sterberate 8,28 je 1000 Einwohner 6 je 1000 Einwohner
SĂ€uglingssterblichkeit 56,29 auf 1000 Lebendgeburten 14 auf 1000 Lebendgeburten
Quelle: Indexmundi [1]; Quelle (Kerala): UNDP [2]

Das Gesundheitswesen ist ĂŒberwiegend staatlich, obwohl es auch viele private KrankenhĂ€user gibt. Obwohl die Gesundheitsbetreuung auf dem Land bereits erheblich verbessert wurde, insbesondere durch Erste-Hilfe-Stationen in Dörfern, besteht noch ein großes Stadt-Land-GefĂ€lle. In vielen Dörfern gibt es keine medizinischen Einrichtungen. Verschlimmert wird die Lage durch schlechte hygienische Bedingungen, wie fehlender Zugang zu sauberem Trinkwasser und SanitĂ€ranlagen, sowie UnterernĂ€hrung. Ähnliche Bedingungen herrschen in stĂ€dtischen Elendsvierteln. Seuchen wie Malaria, Filariose, Tuberkulose und Cholera sind in manchen Regionen noch immer ein großes Problem. Trotz aller Schwierigkeiten und Hemmnisse stieg die Lebenserwartung bei Geburt von 53,3 Jahren 1980 auf 64,4 Jahre (MĂ€nner: 63,6 Jahre, Frauen: 65,2 Jahre) 2005. FrĂŒher war Indien eines der wenigen LĂ€nder der Erde, in denen MĂ€nner eine höhere Lebenserwartung aufwiesen als Frauen. In den letzten Jahren hat sich dies umgekehrt.

Wegen der geringen Kosten und der guten QualitÀt der Àrztlichen Behandlung in spezialisierten KrankenhÀusern gewinnt der Gesundheitstourismus aus nordamerikanischen und europÀischen IndustrielÀndern immer mehr an Bedeutung.

StreitkrÀfte und Verteidigung

→ Hauptartikel: Indische StreitkrĂ€fte
Kampfpanzer der indischen Armee

Indiens MilitĂ€r besteht ausschließlich aus Freiwilligen, eine Wehrpflicht gibt es nicht. Die offiziellen StreitkrĂ€fte sind die drittgrĂ¶ĂŸten der Welt. Sie umfassen 1,3 Millionen Soldaten, wovon 1,1 Millionen im Heer, 150.000 bei der Luftwaffe und 53.000 bei der Marine dienen. Dazu kommen 800.000 Reservisten und 1,1 Millionen Mann in vor allem bei internen Konflikten eingesetzten paramilitĂ€rischen VerbĂ€nden. ZĂ€hlt man Letztere hinzu, hat nur Chinas MilitĂ€r eine grĂ¶ĂŸere TruppenstĂ€rke. Die indischen StreitkrĂ€fte verfĂŒgen ĂŒber 3264 Kampfpanzer, 733 Kampfflugzeuge, 199 Hubschrauber, 21 Kriegsschiffe und 17 U-Boote (Stand: 2005). Die Verteidigungsausgaben im Jahr 2005 betrugen 18,86 Milliarden US-Dollar, das entsprach 3,0 Prozent des Bruttoinlandsproduktes beziehungsweise 17 US-Dollar je Einwohner. Seit der UnabhĂ€ngigkeit hat das indische MilitĂ€r kaum Interesse an einer politischen Einflussnahme gezeigt. Es ist der Zivilverwaltung unterstellt, den militĂ€rischen Oberbefehl hat der PrĂ€sident.

Seit 1974 ist Indien inoffizielle Atommacht. Es verfĂŒgt ĂŒber selbst entwickelte Kurzstreckenraketen sowie die Mittelstreckenrakete Agni III mit einer Reichweite von bis zu 5500 Kilometern, die auch mit atomaren Sprengköpfen bestĂŒckt werden kann. 2005 standen 74 Nuklearsprengköpfe zur VerfĂŒgung. Bis heute hat Indien den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet, verzichtet jedoch laut seiner Nukleardoktrin auf den nuklearen Erstschlag.

Indiens einzige MilitĂ€rbasis im Ausland ist seit 2004 der LuftstĂŒtzpunkt Farkhor in Tadschikistan. Zudem besteht mit Mosambik ein MilitĂ€rabkommen, das Ankerrechte und Versorgung von indischen Kriegsschiffen vorsieht. Mit Mauritius bestehen zudem enge militĂ€rische Bindungen. Die indischen LuftstreitkrĂ€fte kontrollieren den mauritischen Luftraum und es besteht eine Zusammenarbeit mit der indischen Marine.[31]

Verwaltungsgliederung

Indien ist in 28 Bundesstaaten (engl. States) und sieben Unionsterritorien (engl. Union Territories) gegliedert, die sich in insgesamt ĂŒber 600 Distrikte (engl. Districts) unterteilen. In einigen Bundesstaaten werden mehrere Distrikte zu Divisionen (engl. Divisions) zusammengefasst. Den Distrikten untergeordnet sind parallel und teils ĂŒberlappend die Tehsils (oder auch Taluks), Blöcke und Subdivisions. Die unterste Verwaltungsebene stellen die Dörfer selbst dar, die mitunter in sogenannten Hoblis zusammengefasst sein können.

WĂ€hrend die Unionsterritorien von der Zentralregierung in Neu-Delhi verwaltet werden, verfĂŒgt jeder Bundesstaat ĂŒber ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung. Der Regierung eines Bundesstaats steht der Chief Minister vor, der allerdings formal einem vom indischen PrĂ€sidenten ernannten Gouverneur mit weitgehend reprĂ€sentativen Aufgaben untergeordnet ist. Letzterem werden bei Anwendung der President’s rule die RegierungsgeschĂ€fte ĂŒbertragen.

Die Kommunalverwaltung obliegt in grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten mit mehreren hunderttausend Einwohnern den Municipal Corporations, in kleineren StĂ€dten den Municipalities. Im lĂ€ndlichen Raum wird der dreistufige Panchayati Raj angewandt. Dieses System umfasst gewĂ€hlte RĂ€te (Panchayats) auf Dorf- und Block-, aber auch auf Distriktebene. Die ZustĂ€ndigkeiten der Kommunalverwaltungen sind je nach Bundesstaat unterschiedlich gestaltet.

Vor der UnabhĂ€ngigkeit umfasste Indien sowohl selbststĂ€ndige FĂŒrstenstaaten unter britischer Aufsicht als auch britische Provinzen (englisch Presidencies), die von britischen Kolonialverwaltern regiert wurden. Nach der UnabhĂ€ngigkeit wurden die ehemaligen FĂŒrstenstaaten von einem ernannten Gouverneur, die ehemaligen Provinzen jedoch von einem gewĂ€hlten Parlament und einem gewĂ€hlten Gouverneur regiert. Im Jahre 1956 beseitigte der States Reorganisation Act die Unterschiede zwischen ehemaligen Provinzen und FĂŒrstentĂŒmern und schuf einheitliche Bundesstaaten mit einer gewĂ€hlten Regionalregierung. Bei der Neuordnung der Bundesstaaten wurde die jeweilige Muttersprache der Bewohner als Grundlage der Grenzziehung verwendet. Am 1. Mai 1960 wurde der bisherige Staat Bombay in die neuen ethnischen Staaten Gujarat und Maharashtra aufgeteilt. 2000 entstanden drei neue Bundesstaaten: Jharkhand aus den sĂŒdlichen Teilen von Bihar, Chhattisgarh aus den östlichen Teilen von Madhya Pradesh und Uttarakhand (bis 2006 Uttaranchal) aus dem nordwestlichen Teil von Uttar Pradesh.

Bundesstaaten

Bundesstaaten und Unionsterritorien
MH bis WB
Abk. Bundesstaat
MH Maharashtra
MN Manipur
ML Meghalaya
MZ Mizoram
NL Nagaland
OR Orissa
PB Punjab
RJ Rajasthan
SK Sikkim
TN Tamil Nadu
TR Tripura
UA Uttarakhand
UP Uttar Pradesh
WB Westbengalen (West Bengal)

Unionsterritorien

Abk. Unionsterritorium
AN Andamanen und Nikobaren
CH Chandigarh
DN Dadra und Nagar Haveli
DD Daman und Diu
DL Delhi
LD Lakshadweep
PY Puducherry (frĂŒher Pondicherry)

StÀdte

Hauptstadt Indiens ist Neu-Delhi in unmittelbarer NĂ€he zu Delhi, das mit rund 11 Millionen Einwohnern die zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt des Landes darstellt und mit mehr als 17 Millionen Einwohnern die zweitgrĂ¶ĂŸte Agglomeration. Delhi ist kultureller Mittelpunkt der hindisprachigen Gemeinschaft des Nordens. Indiens grĂ¶ĂŸte Stadt und wirtschaftliches Zentrum ist jedoch Mumbai (Bombay). Die Metropole an der WestkĂŒste zĂ€hlt fast 13 Millionen Einwohner, in der Agglomeration rund 20 Millionen. An dritter Stelle folgt Bengaluru (Bangalore). In der 5-Millionen-Stadt im sĂŒdlichen Dekkan-Hochland sind zahlreiche Hochtechnologiefirmen angesiedelt, was ihr den Beinamen „Silicon Valley Indiens“ eingebracht hat. Kolkata, die wichtigste Metropole des Ostens, liegt mit 4,6 Millionen Menschen an vierter Stelle. Sie gilt als intellektuelles Zentrum. Chennai (Madras), die mit 4,3 Millionen Einwohnern fĂŒnftgrĂ¶ĂŸte Stadt Indiens, ist als kultureller Mittelpunkt SĂŒdindiens und insbesondere der Tamilen bekannt.

Wirtschaft

→ Hauptartikel: Wirtschaft Indiens
Marktanteile Indiens am Rohstoffmarkt</br> (Produktion 2002-2004)
Rohstoff Prozent
Rinder und BĂŒffel
  
36.0 %
Zucker
  
20.8 %
Weizen
  
16.8 %
Baumwolle
  
15.7 %
Kohle
  
9.8 %
Eisenerz
  
7.9 %
Bauxit
  
7.0 %

Indien ist eine gelenkte Volkswirtschaft, die seit 1991 zunehmend dereguliert und privatisiert wurde. Seither hat sich das Wirtschaftswachstum deutlich beschleunigt. 2004 stieg der Wert der gesamtwirtschaftlichen Produktion nach Angaben der Weltbank auf 691 Mrd. US-Dollar. Damit ist Indien in den Kreis der zehn grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften der Welt vorgestoßen. Die LeistungsfĂ€higkeit der indischen Wirtschaft hat nach EinschĂ€tzung vieler Beobachter in einigen Branchen (Informationstechnologie, Pharmazie) inzwischen internationales Spitzenniveau erreicht.

2005 stieg das Bruttoinlandsprodukt nach vorlÀufigen Angaben weiter auf rund 760 Mrd. US-Dollar. Bei rund 1,1 Milliarden Einwohner betrug das Einkommen je Einwohner jedoch nur rund 700 US-Dollar. Damit zÀhlt Indien nach wie vor zu den EntwicklungslÀndern mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen. Trotz eines Anteils von rund 17 Prozent an der Weltbevölkerung trÀgt Indien nur rund 2 Prozent zur weltweiten Produktion bei.

Behindert wird das Wachstum der Produktion der indischen Wirtschaft insbesondere durch MÀngel der vielfach veralteten Infrastruktur, vor allem durch EngpÀsse bei der Energieversorgung wie den hÀufigen StromausfÀllen. Trotz der 1991 begonnenen Liberalisierung der Wirtschaft leiden vor allem die Industrie und der Bankensektor nach wie vor unter hÀufigen staatlichen Eingriffen und den langsamen politischen Entscheidungsprozessen. Der Schutz ineffizienter Staatsunternehmen vor Wettbewerb bleibt ein Hemmschuh. Ein Belastungsfaktor ist auch die weitverbreitete Korruption. Zudem beeintrÀchtigen nach wie vor Arbeitsmarktregulierungen, die zum Beispiel Entlassungen von ArbeitskrÀften stark erschweren, das Investitionsklima. AuslÀndische Investoren werden so abgeschreckt.

Die Integration Indiens in die Weltwirtschaft hat sich in den letzten Jahren verstÀrkt. Das Land profitiert zunehmend von den Vorteilen der internationalen Arbeitsteilung und der Globalisierung. Die indische Wirtschaft ist aber noch sehr stark binnenwirtschaftlich orientiert. Ihr Anteil am Welthandel liegt bei nur einem Prozent, obwohl Ein- und Ausfuhren in den letzten Jahren krÀftig gewachsen sind. Die niedrigen Anteile der Aus- und Einfuhren am Bruttoinlandsprodukt signalisieren noch betrÀchtliches Wachstumspotenzial. 2004 entsprachen die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen nur gut 19 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die Einfuhren 22,5 Prozent.

Die mittel- und langfristigen Wachstumsperspektiven Indiens werden vielfach sehr gĂŒnstig beurteilt. Einige Studien rechnen damit, dass Indien kĂŒnftig sogar stĂ€rker als China wachsen wird. Abgesehen vom großen Nachholbedarf, insbesondere im Bereich der Infrastruktur, spricht vor allem die Altersstruktur der Bevölkerung fĂŒr ein anhaltend starkes Wirtschaftswachstum. Der derzeitige hohe Anteil junger Menschen an der Bevölkerung wird in den nĂ€chsten Jahrzehnten fĂŒr einen hohen Anteil von Menschen im erwerbsfĂ€higen Alter sorgen. Die in Europa und auch in China zu erwartende „Vergreisung“ der Bevölkerung wird in Indien deutlich spĂ€ter einsetzen. WachstumsstĂŒtzen werden auch das schon heute große Angebot an qualifizierten ArbeitskrĂ€ften und die enger werdende Integration in die Weltwirtschaft sein.

Die hohen WĂ€hrungsreserven und relativ niedrige Auslandsschulden dĂŒrften das Vertrauen auslĂ€ndischer Investoren in die Entwicklung der indischen Wirtschaft stĂ€rken. Bisher waren die auslĂ€ndischen Direktinvestitionen in Indien im internationalen Vergleich, insbesondere mit China, gering.

Konfliktpotentiale bergen die derzeit noch große Armut, die ungleiche Einkommensverteilung und die hohe Arbeitslosigkeit. Bisher verzeichnet Indien jedoch eine bemerkenswert große soziale StabilitĂ€t.

Aktuelle gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Entwicklung des BIP und

der Inflation

Jahr BIP (real) Inflation
in %; gg.Vorjahr
1998 4,9 7,4
1999 5,9 13,2
2000 6,9 4,7
2001 5,3 3,9
2002 4,1 3,7
2003 4,3 4,5
2004 7,9 3,7
2005 9,2 3,9
2006 9,8 4,0
2007 9,3 5,5
2008 7,3 8,3
Quelle: bfai[32].

Von 1999 bis 2004 wuchs das Bruttoinlandsprodukt Indiens inflationsbereinigt um rund sechs Prozent jĂ€hrlich. 2005 ist es nach vorlĂ€ufigen Angaben sogar um 8,4 Prozent gestiegen. Der Internationale WĂ€hrungsfonds rechnet damit, dass sich das Wachstum 2006 und 2007 nur wenig auf rund sieben Prozent abschwĂ€cht. Trotz des in den letzten Jahren deutlich beschleunigten Wachstums liegt die offizielle Arbeitslosenquote aber noch bei neun Prozent – wobei mit einer erheblichen Zahl von Arbeitslosen zu rechnen ist, die von der Statistik nicht erfasst werden.

Der Verbraucherpreisanstieg hielt sich in den Jahren 2004 und 2005 bei rund vier bis fĂŒnf Prozent. Der IWF erwartet auch 2006 und 2007 einen Anstieg um knapp fĂŒnf Prozent.

Unbefriedigend bleibt auch die Entwicklung der Staatsfinanzen. Das gesamtstaatliche Haushaltsdefizit bewegt sich bei leicht rĂŒcklĂ€ufiger Tendenz zwischen neun und zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Davon entfĂ€llt rund die HĂ€lfte auf das Defizit der Zentralregierung.

Von den fĂŒhrenden Agenturen zur Bewertung von Kreditrisiken wird die KreditwĂŒrdigkeit Indiens vor dem Hintergrund der gĂŒnstigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung aber zunehmend besser eingeschĂ€tzt. Nach der Rating-Agentur Moody's hob Anfang August 2006 auch die Agentur Fitch ihre Bewertung der Kreditaufnahme des indischen Staates auf den niedrigsten sogenannten investment grade an.

Im Zuge der zunehmenden internationalen wirtschaftlichen Verflechtung Indiens ist das Land seit 2008 ebenfalls von der weltweiten Wirtschaftskrise betroffen. Das stetige jĂ€hrliche Wirtschaftswachstum brach ein. Als GrĂŒnde werden der junge, global agierende indische Kapitalmarkt, hohe private Kreditverschuldung, steigende Arbeitslosenzahlen sowie sinkende Binnennachfrage und Exportzahlen genannt. Zur BekĂ€mpfung der Krise wurden staatliche Konjunkturpakete aufgelegt, unter anderem Infrastrukturprogramme, Steuersenkungen sowie Subventionen fĂŒr die Exportindustrie.[33]

Landwirtschaft

Der weltweit zu beobachtende Wandel der Wirtschaftsstruktur von der Landwirtschaft zur Industrie und zum Dienstleistungssektor vollzieht sich auch in Indien, das aber im internationalen Vergleich, zum Beispiel mit China, immer noch sehr stark agrarisch geprÀgt ist. 59,4 Prozent der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft erwerbstÀtig. Die lÀndliche Bevölkerung bildet gleichzeitig den Àrmsten Teil der Bevölkerung. Vom Aufschwung der Wirtschaft profitiert bisher vorwiegend die Bevölkerung der StÀdte, wo sich eine kaufkrÀftige Mittelschicht oft hochqualifizierter FachkrÀfte bildete. Dies birgt sozialen Konfliktstoff. Die Abwahl der letzten Regierung im Jahr 2004 wird wesentlich mit der Unzufriedenheit der lÀndlichen Bevölkerung mit der wirtschaftlichen Entwicklung erklÀrt.

Der Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt ist indes stark rĂŒcklĂ€ufig. Trug sie 1956 noch 56 Prozent bei, so waren es 2004 nach Angaben der Weltbank noch rund 21 Prozent. Entsprechend hoch ist die AbhĂ€ngigkeit des jĂ€hrlichen Wirtschaftswachstums von den Witterungsbedingungen. UngĂŒnstige Erntebedingungen können es spĂŒrbar beeintrĂ€chtigen.

Seit der UnabhĂ€ngigkeit wurden große technische Fortschritte gemacht, vor allem im Zuge der sogenannten „GrĂŒnen Revolution“ seit Mitte der 1960er Jahre. Die großflĂ€chige EinfĂŒhrung von Hochertragssorten, der Einsatz von DĂŒnge- und SchĂ€dlingsbekĂ€mpfungsmitteln, die teilweise Mechanisierung der Landwirtschaft und die Ausweitung der BewĂ€sserungsflĂ€chen haben dazu beigetragen, dass sich das Land heute mit Nahrungsmitteln weitestgehend selbst versorgen kann. Dennoch ist Indiens Landwirtschaft noch vergleichsweise ineffizient. Im lĂ€ndlichen Raum sind viele Menschen unterbeschĂ€ftigt, und eine umfassende Industrialisierung der Landwirtschaft steht weiten Teilen des Landes erst noch bevor. Lediglich im Punjab, der „Kornkammer Indiens“, ist sie bereits weiter fortgeschritten.

Am wichtigsten ist der Anbau von Getreide, vor allem Reis. Dessen Hauptanbaugebiete liegen in den fruchtbaren Stromebenen des Nordens sowie entlang der KĂŒsten und im östlichen Dekkan. Indien ist nach China der zweitgrĂ¶ĂŸte Reisproduzent der Erde. UngefĂ€hr ein FĂŒnftel der weltweiten ErtrĂ€ge entfallen auf Indien. Auch beim Weizen, dem zweitwichtigsten Anbauprodukt, liegt Indien weltweit an zweiter Stelle. Weizen wird hauptsĂ€chlich in den nördlichen Bundesstaaten Punjab, Haryana und Uttar Pradesh angebaut, aber auch im Norden und Nordwesten des Dekkans sowie Gujarat und Bihar. In trockeneren Landstrichen, wie Rajasthan, Gujarat und großen Teilen des Dekkans, dominiert die Hirse. Mais und Gerste spielen eine geringere Rolle. Zur Nahrungsmittelproduktion trĂ€gt zudem der Anbau von HĂŒlsenfrĂŒchten, Kartoffeln, Zwiebeln, Ölsaaten (besonders ErdnĂŒsse, Sojabohnen, Sesam, Raps, KokosnĂŒsse), Mangos und Bananen bei.

Die wichtigsten kommerziellen Anbauprodukte sind Baumwolle, Zuckerrohr, Tee, Tabak, Kaffee, Jute, CashewnĂŒsse, GewĂŒrze (vor allem Chili, Pfeffer, Kardamom, Ingwer, Koriander, Kurkuma, Zimt, Knoblauch) und BetelnĂŒsse.

Wenig effizient ist die indische Viehzucht, trotz des mit 222 Millionen Tieren (Stand: 2002) grĂ¶ĂŸten Rinderbestandes der Erde. Da Vegetarismus weit verbreitet ist, spielt die Fleischproduktion ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. DafĂŒr werden Milch und Molkereierzeugnisse in großen Mengen hergestellt.

Fischerei

Nach der erfolgreichen Ertragssteigerung der Landwirtschaft setzte ab den 1980er Jahren die Förderung der Fischerei ein. Parallel zur „GrĂŒnen Revolution“ wurde dafĂŒr der Begriff der „Blauen Revolution“ geprĂ€gt. Nachdem zunĂ€chst Kleinfischer mit Außenbordmotoren versorgt worden waren, begann der Aufbau einer modernen Schleppnetzflotte. Dies fĂŒhrte zwar zu einer wesentlichen Erhöhung der ErtrĂ€ge, aber auch zur Überfischung vieler KĂŒstenabschnitte. Indiens wichtigste FischgrĂŒnde liegen an der WestkĂŒste, wo rund 70 Prozent der FangertrĂ€ge erzielt werden. 2001 lag Indien mit einer Fangmenge von 3,8 Millionen Tonnen weltweit an siebter Stelle. Fisch und Garnelen werden heute in großen Mengen exportiert. Die Garnelenzucht wird besonders gefördert. So stammen mittlerweile etwa die HĂ€lfte der Garnelen aus Aquakulturen, die seit den 1990er Jahren vor allem an der OstkĂŒste angelegt wurden.

Die traditionelle Binnenfischerei in FlĂŒssen, Teichen und Seen spielt besonders im Osten und Nordosten Indiens eine Rolle. Im Umland von Delhi etabliert sich nun auch die kommerzielle Zucht von Fischen, vor allem Karpfen.

Bergbau und BodenschÀtze

Indien hat reichliche Vorkommen an hochwertigen Eisen- und Manganerzen, Steinkohle, Bauxit und Chrom. Die grĂ¶ĂŸten RohstofflagerstĂ€tten befinden sich in Ostindien, vor allem Jharkhand, Chhattisgarh und Orissa. Eisenerz, bei dessen Förderung das Land 2003 mit 100 Millionen Tonnen an weltweit vierter Stelle lag, kommt außerdem in Goa, Karnataka und Tamil Nadu vor. Indien ist mit ĂŒber zehn Millionen Tonnen der fĂŒnftgrĂ¶ĂŸte Förderer von Bauxit, dem wichtigsten Rohstoff fĂŒr Aluminium, der hauptsĂ€chlich in kĂŒstennahen Gebieten Gujarats und Maharashtras sowie in Madhya Pradesh und Jharkhand abgebaut wird. Bei Kupfer ist Indien trotz gesteigerter Ausbeute weiterhin auf Importe angewiesen.

Obwohl Indien der weltweit drittgrĂ¶ĂŸte Produzent von Steinkohle ist, deckt es einen Teil seines Bedarfs mit qualitativ hochwertigerer und billigerer Importkohle. Steinkohle ist der wichtigste EnergietrĂ€ger des Landes. Die Vorkommen an Erdöl und Erdgas reichen bei Weitem nicht aus, um die stetig steigende Nachfrage zu decken. Nennenswerte Ölvorkommen gibt es nur in Assam, Gujarat, im Golf von Khambhat und vor der KĂŒste von Maharashtra. Die eigene Produktion deckt nur ein Drittel des Verbrauchs. ErdgaslagerstĂ€tten finden sich im Golf von Khambhat und werden erst seit den 1980er Jahren ausgebeutet.

Industrie

Entwicklung der Stahlproduktion
als Kennzahl fĂŒr das industrielle
Wachstum Indiens
Jahr Mio. t  % gg.Vorjahr
1995 22,0 –
1997 24,4 3,4
1999 24,3 3,4
2001 27,3 1,5
2003 31,8 9,4
2005 38,1 16,9
2007 53,1 7,3
2008 55,1 3,7
Quelle: ISI[34]. FĂŒr das Jahr 2006[35]
FĂŒr 2008 Stahl/Tabellen und Grafiken.

WĂ€hrend der Kolonialherrschaft wurde die Entwicklung der Industrie – mit Ausnahme der schon frĂŒhzeitig bedeutsamen Textilindustrie â€“ eher gehemmt denn gefördert. Nach der UnabhĂ€ngigkeit forcierte man daher besonders den Ausbau von kapitalintensiven SchlĂŒsselindustrien. Dazu gehörten Stahl-, Maschinen- und chemische Industrie. Die KonsumgĂŒterherstellung wurde vernachlĂ€ssigt und sollte durch Kleinindustrie gedeckt werden. Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, setzte man nach dem Vorbild der Sowjetunion auf den Ausbau der SchlĂŒsselindustrien durch den Staat mittels FĂŒnfjahresplĂ€nen. 2001 waren 21,9 Prozent der erwerbstĂ€tigen Bevölkerung im Industriebereich tĂ€tig. Die Wertschöpfung der Industrie betrug 2004 nach Weltbankangaben 27 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Ein Wachstumsmotor im Industriebereich sind die Deregulierungen auf den Energie-, Chemie- und RohstoffmĂ€rkten. Wachstumsimpulse kommen auch von der rasch steigenden Inlandsnachfrage nach langlebigen KonsumgĂŒtern.

Die Textilindustrie zĂ€hlt dank der riesigen Inlandsnachfrage und der Produktion fĂŒr den Export auch heute noch zu den grĂ¶ĂŸten und wichtigsten Wirtschaftszweigen Indiens. Leder wird sowohl industriell als auch handwerklich in großen Mengen hergestellt und verarbeitet. Da Hindus die BerĂŒhrung und Verwertung von Tierkadavern als unreine Arbeit ansehen, sind die meisten Angestellten der Lederbranche Muslime oder „UnberĂŒhrbare“. Neben diesen eher traditionellen Industrien dominieren die Eisen- und Stahlerzeugung, Maschinen-, Kraftfahrzeug- und chemische Industrie. Unter ihnen ist der staatliche Anteil besonders hoch. Allerdings nimmt der Anteil privater Betriebe seit der Liberalisierung der Wirtschaft in den 1980er und vor allem frĂŒhen 1990er Jahren zu. Die indische Pharmaindustrie gehört zu den grĂ¶ĂŸten und fortgeschrittensten unter den EntwicklungslĂ€ndern. Wegen der indischen Patentschutzgesetzgebung, der Arzneimittel nur bedingt unterlagen, kam es immer wieder zu Streitigkeiten mit den Industrienationen, allen voran den USA. Mittlerweile hat Indien seine Patentgesetze angepasst. Ein wichtiger TrĂ€ger des wirtschaftlichen Aufschwunges der letzten Jahre ist die Informationstechnologiebranche, die teils dem industriellen, teils dem Dienstleistungssektor zuzurechnen ist. Vor allem der Softwarebereich hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt. Viele indische StĂ€dte verfĂŒgen inzwischen ĂŒber „Softwareparks“. Auch die Herstellung von Hardware erlebt einen rasanten Aufschwung. Mit zweistelligen jĂ€hrlichen Wachstumsraten gewinnt auch die Biotechnologie an Bedeutung.

Die industrielle Produktion konzentriert sich auf wenige stĂ€dtische GroßrĂ€ume. Die wichtigsten Industriezonen sind die Ballungsgebiete Mumbai-Pune, Ahmedabad-Vadodara-Surat, Delhi, Kanpur-Lakhnau, Chennai, Kolkata-Asansol sowie der Punjab und der Osten Jharkhands.

Die Hochtechnologie ist vor allem im SĂŒden des Landes angesiedelt: Das Zentrum der Informationstechnologiebranche ist Bangalore, als neues Wachstumszentrum der Biotechnologie hat sich Hyderabad etabliert, besonders mit der GrĂŒndung des Biotechnologiezentrums Genome Valley.

Dienstleistungen

Ungewöhnlich hoch fĂŒr ein Entwicklungsland ist der Beitrag der Dienstleistungen zur gesamtwirtschaftlichen Produktion Indiens. Rund 52 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wurden 2004 bereits durch Dienstleistungen erbracht. Insbesondere bei Dienstleistungen im Bereich der Informationstechnologie, sonstigen Ingenieurleistungen, Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie Verwaltungsaufgaben hat Indien bedeutende Marktpositionen erreicht. 2005 wurde Indien zum weltweit fĂŒhrenden Exporteur von Software und IT-Services, 2007 kam bereits ĂŒber ein Drittel aller Computer-Dienstleistungen von hier.[36] Diese Dienstleistungen erfolgen auch zunehmend im Auftrag auslĂ€ndischer Kunden und werden hĂ€ufig unter dem Begriff Business Process Outsourcing (BPO) bzw. auch als Knowledge Process Outsourcing (KPO) bezeichnet. Beispiele sind Call-Center und Dienstleistungen im Gesundheitswesen.

Außenhandel

Entwicklung des Außenhandels
Indiens
Jahr Einfuhr Ausfuhr
Jahr Mrd. US$  % zu Vj. Mrd. US$  % zu Vj.
2003/04 78,2 27,3 63,8 21,1
2004/05 111,5 42,7 83,5 30,9
2005/06 142,4 27,7 102,7 23,0
2006/07 185,7 24,5 126,4 22,6
Quelle: BFAI[37]

Im VerhĂ€ltnis zu seiner Wirtschaftskraft sind Indiens Außenhandelsverflechtungen eher gering. Dies ist in erheblichem Maße auf die starke Binnenmarktorientierung in den Jahrzehnten nach der UnabhĂ€ngigkeit zurĂŒckzufĂŒhren. Seit der wirtschaftlichen Öffnung Anfang der 1990er Jahre, die unter anderem auch die Aufhebung vieler ImportbeschrĂ€nkungen zur Folge hatte, verzeichnet der Außenhandel jedoch einen deutlichen Aufschwung. Zwischen 1991 und 2004 hat sich der Warenaustausch mit dem Ausland mehr als vervierfacht.

Indien ist ein wichtiger Exporteur von Rohstoffen und Fertigprodukten, aber auch ArbeitskrĂ€ften. Aus Indien kommen Softwareprodukte und Programmierer; es verfĂŒgt ĂŒber eine große Zahl gut ausgebildeter FachkrĂ€fte. Die wichtigsten ExportgĂŒter sind Textilien, Bekleidung, geschliffene und verarbeitete Edelsteine, Schmuck, Chemikalien, Erdölerzeugnisse, Lederwaren und Softwareprodukte. Indien importiert vor allem Rohöl, elektronische Erzeugnisse, Edelsteine (z. B.: Diamanten), Maschinen, Edelmetalle, Chemikalien und DĂŒngemittel.

Nach ersten Angaben des Statistischen Bundesamtes wuchs der Handel zwischen Indien und Deutschland in den ersten sieben Monaten des Jahres 2006 noch einmal deutlich. Deutschland importierte Waren im Wert von 2,4 Milliarden Euro, 30,5 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum, und exportierte Waren fĂŒr 3,3 Milliarden Euro, 39,7 Prozent mehr als in den ersten sieben Monaten 2005.

Außenhandel 2004/5: Umfang und Handelspartner
Einfuhren 2004/5 Ausfuhren 2004/5
  Land Umfang in Mrd. US-$ Anteil   Land Umfang in Mrd. US-$ Anteil
1 USA 6,833 6,3 % 1 USA 13,271 16,5 %
2 China (ohne Hongkong) 6,769 6,2 % 2 Vereinigte Arabische Emirate 7,139 8,9 %
3 Schweiz 5,819 5,3 % 3 China (ohne Hongkong) 5,345 6,6 %
4 Vereinigte Arabische Emirate 4,567 4,2 % 4 Singapur 3,825 4,7 %
5 Belgien 4,567 4,2 % 5 Hongkong 3,660 4,5 %
6 Deutschland 3,892 3,6 % 6 Großbritannien 3,514 4,4 %
7 Australien 3,583 3,3 % 7 Deutschland 2,675 3,3 %
8 Großbritannien 3,498 3,2 % 8 Belgien 2,453 3,0 %
9 SĂŒdkorea 3,429 3,1 % 9 Italien 2,181 2,7 %
10 Japan 3,142 2,9 % 10 Japan 2,019 2,5 %
11 Singapur 2,585 2,4 % 11 Frankreich 1,609 2,0 %
12 Indonesien 2,537 2,3 % 12 Bangladesch 1,607 2,0 %
13 Malaysia 2,246 2,1 % 13 Niederlande 1,534 1,9 %
14 SĂŒdafrika 2,163 2,0 % 14 Saudi-Arabien 1,379 1,7 %
15 Frankreich 1,858 1,7 % 15 Sri Lanka 1,355 1,7 %
Sonstige 51,685 47,2 % Sonstige 26,974 33,6 %
Gesamte Einfuhren 109,173 100,0 % Gesamte Ausfuhren 80,540 100,0 %
Quelle: Government of India, Ministry of Commerce and Industry, Directorate General of Foreign Trade

Fremdenverkehr

Der Fremdenverkehr hat sich zu einem der wichtigsten Devisenbringer Indiens entwickelt. 2005 verzeichnete Indien mit 3,9 Millionen auslĂ€ndischen Besuchern einen grĂ¶ĂŸeren Touristenzustrom als je zuvor. Darunter sind allerdings auch viele AuslĂ€nder indischer Herkunft, die vor allem in Nordamerika und Großbritannien leben und ihren Verwandten in Indien regelmĂ€ĂŸig lĂ€ngere Besuche abstatten. Nichtsdestoweniger erzielte der Fremdenverkehrssektor 2005 Einnahmen von 5,7 Milliarden US-Dollar aus der Ankunft auslĂ€ndischer GĂ€ste. Die mit Abstand meistbesuchte Touristenattraktion ist das Taj Mahal in Agra. Weitere beliebte Ziele sind Rajasthan, Delhi, Goa und Kerala. Neben dem Kultur-, Strand- und Naturtourismus gewinnen auch Abenteuerurlaub wie Trekking oder Rafting und Gesundheitstourismus (Ayurveda) zunehmend an Bedeutung.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 237,2 Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 129,9 Milliarden US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 9,8 Prozent des BIP.[38]
Die Staatsverschuldung betrug 2009 653 Milliarden US-Dollar oder 59,6 Prozent des BIP.[38]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des Bruttoinlandprodukts) folgender Bereiche:

Infrastruktur

Verkehr

→ Hauptartikel: Verkehr in Indien

Straßenverkehr

Modernisierung des Straßennetzes: Die rund 100 Kilometer lange Autobahn Mumbai-Pune, ein Prestigeprojekt, wurde 2002 fertig gestellt.

Der wichtigste Verkehrsweg in Indien ist heute die Straße. Schon in den 1970er Jahren hat der Straßenverkehr bei der GĂŒter- und Personenbeförderung die Eisenbahn ĂŒberholt. Heute werden rund 70 Prozent des GĂŒtertransports und sogar 85 Prozent des Personenverkehrs auf der Straße abgewickelt. Indiens Straßennetz umfasst rund 3,3 Millionen Kilometer, wovon nur etwa die HĂ€lfte asphaltiert ist. Am wichtigsten sind die National Highways, die ĂŒber 65.000 Kilometer umfassen. Sie verbinden die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte des Landes untereinander. Als Schlagader gilt die Grand Trunk Road, die von Amritsar an der pakistanischen Grenze ĂŒber Delhi nach Kolkata fĂŒhrt. TatsĂ€chlich ist der weitaus grĂ¶ĂŸte Teil der National Highways aber nur zweispurig und zudem oft in einem katastrophalen Zustand. Problematisch bleiben die mehr als 130.000 Kilometer State Highways der Bundesstaaten, die sehr unterschiedlichen Standards genĂŒgen und in Ă€rmeren Staaten teilweise nur einspurig sind.

In Indien herrscht Linksverkehr.

Schienenverkehr

Indiens erster Zug verkehrte am 16. April 1853 zwischen Mumbai und Thane. Bereits vier Jahrzehnte spĂ€ter verband die Eisenbahn alle wichtigen Landesteile miteinander. Auch heute noch spielt sie eine wichtige Rolle bei der GĂŒter- und Personenbeförderung. Knapp 30 Prozent des GĂŒter- und 15 Prozent des Personenverkehrs werden ĂŒber die Schiene abgewickelt.

Die indische Staatsbahn (Indian Railways) ist in 16 Regionalgesellschaften aufgeteilt und beschĂ€ftigt mit 1,6 Millionen Menschen mehr Angestellte als jedes andere Staatsunternehmen des Landes. Die Superlative können jedoch kaum ĂŒber den teils desolaten Zustand des Bahnnetzes hinwegtĂ€uschen. Hauptprobleme sind die ungleichmĂ€ĂŸige und großmaschige Erschließung des Landes, die zumeist veraltete Technik, und fĂŒr den heutigen Standard ein geringer Elektrifizierungsgrad: nur 19.000 der insgesamt 64.000 Kilometer StreckenlĂ€nge (Stand: 2011) sind elektrifiziert. Das Schienennetz besteht zu 54.257 Kilometer aus Breitspurgleisen mit dem Maß von 1676 Millimeter, die restlichen 10.000 Kilometer verteilen sich auf drei verschiedene Schmalspur-Weiten.

Indiens Eisenbahnnetz ist damit zwar knapp hinter China das zweitlĂ€ngste, aber keineswegs das dichteste Asiens. Im weltweiten Maßstab liegt Indiens Eisenbahnnetz an fĂŒnfter Stelle. Der Staat legt sein Hauptaugenmerk vor allem auf die Elektrifizierung und den doppelgleisigen Ausbau der Hauptstrecken, die Umwandlung von Meterspurstrecken in Breitspur und die Modernisierung der technischen Einrichtungen. TatsĂ€chlich kann der Ausbau der Eisenbahn mit den steigenden Anforderungen durch Bevölkerungs- und Industriewachstum kaum Schritt halten, was zur schnellen Entwicklung des Straßenverkehrs beitrĂ€gt. Ein Versuch, den Schienenpersonenverkehr attraktiver zu machen, sind die Shatabdi ExpresszĂŒge, die die drei Metropolen Chennai, Mumbai und Neu-Delhi mit wichtigen GroßstĂ€dten und Wirtschaftsregionen verbinden.

Luftverkehr

Auf Grund der riesigen Entfernungen innerhalb Indiens und der vielerorts noch immer unterentwickelten Landinfrastruktur kommt dem Luftverkehr eine immer bedeutendere Rolle zu. Die wichtigsten Drehkreuze fĂŒr BinnenflĂŒge sind Delhi (Indira Gandhi International Airport), Mumbai (Chhatrapati Shivaji International Airport), Kolkata (Netaji Subhash Chandra Bose International Airport), und Chennai (Chennai International Airport) als Kernpunkte ihrer jeweiligen Region. Flugverbindungen zwischen den grĂ¶ĂŸten StĂ€dten Indiens bestehen mehrmals tĂ€glich. Eine große Schwierigkeit stellen die geringe GrĂ¶ĂŸe und schlechte Anbindung der zunehmend ĂŒberlasteten FlughĂ€fen dar. FrĂŒher wurde der Luftverkehr von den beiden staatlichen Fluggesellschaften Air India (internationale FlĂŒge) und Indian Airlines (InlandsflĂŒge) dominiert. Mittlerweile existieren mehrere private Fluggesellschaften, die innerhalb Indiens bereits einen Marktanteil von 40 Prozent erobert haben.

Seeverkehr

Da Indien durch seine geografische Lage von den Handelspartnern in den Nachbarregionen Ost-, SĂŒdost- und Vorderasien abgeschnitten ist, und die unmittelbaren Nachbarn beim gegenseitigen GĂŒteraustausch aus wirtschaftlichen oder politischen GrĂŒnden nur eine untergeordnete Stellung einnehmen, wird der Außenhandel fast ausschließlich ĂŒber SeehĂ€fen abgewickelt. Rund 90 Prozent des Warenumschlags im Überseeverkehr entfallen auf Indiens zwölf grĂ¶ĂŸte HĂ€fen. Daneben existieren viele mittlere und kleinere HĂ€fen, die aber nicht fĂŒr große Schiffe und Containerumschlag geeignet sind und daher fast nur von KĂŒstenschiffen angelaufen werden.

Energie

TĂ€glicher Ölverbrauch in Indien sowie im sĂŒdostasiatischen Raum, Barrels pro Tag
Windpark nahe Jaisalmer, Rajasthan

2001 verfĂŒgten 55,8 Prozent der indischen Haushalte ĂŒber einen Stromanschluss (im lĂ€ndlichen Bereich 43,5 Prozent, in den StĂ€dten 87,6 Prozent). HĂ€ufige StromausfĂ€lle beeintrĂ€chtigen jedoch immer wieder die VerfĂŒgbarkeit von ElektrizitĂ€t.

Der gegenwĂ€rtige Energiebedarf von 560 Kilowattstunden pro Einwohner gehört zu den niedrigsten der Welt. Die HĂ€lfte des Energiebedarfs wird durch Kohle, ein Viertel durch Erdöl, -gas und Wasserkraft, ein FĂŒnftel durch Viehdung, Feuerholz und anderes sowie ein Zwanzigstel durch Kernenergie gedeckt.

Zum Jahresende 2010 befanden sich in Indien sechs Kernkraftwerke mit 19 Reaktorblöcken und einer installierten Bruttogesamtleistung von 4780 MW am Netz. FĂŒnf weitere Reaktorblöcke mit einer Bruttogesamtleistung von 3900 MW sind im Bau. Da Indien den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet hat, sind europĂ€ische und amerikanische Firmen an den Bauarbeiten nicht beteiligt.

Telekommunikation

TelefonanschlĂŒsse pro 1000 Einwohner   67,25
Mobiltelefone pro 1000 Einwohner 350,51
FernsehgerÀte pro 1000 Einwohner 680,07
RundfunkgerĂ€te pro 1000 Einwohner   227,69
Computer pro 1000 Einwohner 25,68
Internetnutzer pro 1000 Einwohner 21,13
Quellen: CIA World Factbook: Indien 2005 (englisch), TRAI

In Indien haben bereits mehr Menschen ein Mobiltelefon als einen Festnetzanschluss. Im Juni 2006 hat die Zahl der Handynutzer die 100-Millionen-Marke ĂŒberschritten. Es gab sechs Millionen NeuanschlĂŒsse im September 2006.

Die Verbreitung von Telekommunikation und Computern ist in Indien auch heute noch von einem starken Stadt-Land-GefÀlle geprÀgt.

HĂ€ufig sieht man in den Straßen ein sogenanntes Public Call Office (PCO). Dies sind öffentliche Telefone, die in der Regel an einem kleinen Straßenstand betrieben werden. Dabei handelt es sich meist nicht um einen MĂŒnzfernsprecher, sondern um ein normales Telefon, fĂŒr dessen Benutzung persönlich kassiert wird. Von den ĂŒblichen PCO sind nur nationale GesprĂ€che (STD) möglich, weshalb fĂŒr internationale GesprĂ€che (ISD) besondere, internationale PCOs aufgesucht werden mĂŒssen.

Ende 2007 nutzten 70 Millionen Menschen das Internet in Indien.

Kultur

→ Hauptartikel: Indische Kultur
AufwÀndig besticktes und mit Spiegelscherben verziertes Tuch der Meqwar, Distrikt Kachchh (Gujarat)

Die indische Kultur gehört zu den Ă€ltesten und mannigfaltigsten Kulturen der Erde. Sie war prĂ€gend fĂŒr ganz SĂŒd- und SĂŒdostasien. Der Glaube spielt in Indien, dem Ursprungsland mehrerer Religionen (Hinduismus, Buddhismus, Jainismus, Sikhismus), von jeher eine herausragende Rolle und hat so auch die Kultur des Landes entscheidend geprĂ€gt. Die geradezu unĂŒberschaubare Vielfalt an Sprachen und Völkern hat zudem regionale Besonder- und Eigenheiten hervorgebracht. Aber auch fremde EinflĂŒsse wie etwa der Islam oder europĂ€ische KolonialmĂ€chte hinterließen ihre Spuren.

Indische Kleidung und Schmuck: Sari, Salwar Kamiz, Bindi, Mehndi, Dhoti, Kurta, Lungi

Siehe auch: Indologie

Architektur

→ Hauptartikel: Indische Architektur
Großer Stupa von Sanchi (Madhya Pradesh)
Sonnentempel von Konark (Orissa)
Viktorianische St. Paul's Cathedral in Kolkata
Lotustempel in Neu-Delhi

In der Architektur Indiens spiegeln sich die verschiedenen kulturellen EinflĂŒsse, die das Land prĂ€gten, wider. Neben Palast- und Festungsbauten ragt vor allem die Sakralarchitektur heraus.

In frĂŒhester Zeit wurden Holz, Lehm und gebrannte Ziegel als Baumaterialien verwendet. Die Ă€ltesten erhaltenen Überreste indischer Architektur stammen aus der Induskultur, die sich hauptsĂ€chlich auf dem Gebiet des heutigen Pakistan, aber auch in Gujarat und dem indischen Teil des Punjab ausbreitete.

Die Ă€ltesten vollstĂ€ndig erhaltenen Bauwerke sind buddhistische Stupas. Stupas sind auf einer rechteckigen Plattform stehende kuppelförmige Bauten. Im Inneren wird in der Regel eine Reliquie aufbewahrt. TatsĂ€chlich entwickelte sich der Stupa aus GrabhĂŒgeln, wie sie schon in vedischer Zeit ĂŒblich waren. Jeder Teil des Stupa hat eine symbolische Bedeutung, als Ganzes stellt er den Weltenberg Meru dar. Als herausragendstes Beispiel gilt der Große Stupa von Sanchi (Madhya Pradesh) aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert. Des Weiteren entstanden buddhistische Klosteranlagen mit Gebetshallen (Chaitya-Halle) und Wohnzellen fĂŒr Mönche (Vihara), wie in den Höhlen von Ajanta und Ellora (Maharashtra, 2. Jahrhundert v. Chr. bis 7. Jahrhundert n. Chr.). Mit dem Niedergang des Buddhismus in Indien, mit Ausnahme der Himalayaregion, ab dem 10. Jahrhundert kam die Entwicklung der buddhistischen Architektur zum Ende. Sie wurde in Ost- und SĂŒdostasien sowie Sri Lanka und Tibet fortgefĂŒhrt.

Zeitgleich zur buddhistischen Baukunst bildete sich die jainistische Architektur heraus. Jainistische Tempel sind meist nach außen geöffnet, um Licht einzulassen. Außerdem weisen sie besonders kunstvolle, filigrane Steinmetzarbeiten auf. Zu den schönsten Beispielen gehören der Tempel von Ranakpur (15. Jahrhundert) in Rajasthan und die unzĂ€hligen Bauten der Pilgerstadt Palitana in Gujarat. In SĂŒdindien entwickelten sich eigenstĂ€ndige Stilelemente. BerĂŒhmt ist das eindrucksvolle Monolithstandbild eines Asketen in Shravanabelagola (Karnataka) aus dem 10. Jahrhundert.

FĂŒr hinduistische Tempel wurden bis in die ersten nachchristlichen Jahrhunderte ausschließlich wenig dauerhafte Baustoffe, vor allem Holz und Lehm, verwendet. Die ersten Steintempel griffen jedoch den Stil ihrer VorgĂ€nger auf. GrundsĂ€tzlich hat jeder Bestandteil eine symbolische Bedeutung. Alle hinduistischen Tempel versinnbildlichen den Kosmos, wĂ€hrend der Tempelturm den mythologischen Berg Meru darstellt. Dennoch entstanden ab dem 7. Jahrhundert zwei verschiedene Hauptstilrichtungen, die sich am deutlichsten in der Form des Turmes unterscheiden. Der nordindische Nagara-Stil zeichnet sich durch den bienenkorbförmigen Turm ĂŒber dem Allerheiligsten aus, der als Shikhara bezeichnet wird. In SĂŒdindien dominiert der Dravida-Stil, der durch einen Vimana genannten, treppenförmig aufsteigenden Turm gekennzeichnet ist. SpĂ€ter bildete sich als weiteres Merkmal das stilistisch Ă€hnliche Gopuram (auch Gopura) ĂŒber dem Eingangstor heraus. Herausragende BaudenkmĂ€ler im Nagara-Stil sind der im 10. Jahrhundert erbaute Mukteshvara-Tempel in Bhubaneswar (Orissa), der Sonnentempel von Konark (Orissa) aus dem 13. Jahrhundert und der Tempelbezirk von Khajuraho (Madhya Pradesh) aus dem 10. und 11. Jahrhundert. Die berĂŒhmtesten Dravida-Tempel stehen in den tamilischen StĂ€dten Thanjavur (Brihadisvara-Tempel, 11. Jahrhundert) und Madurai (Minakshi-Tempel, 16. bis 17. Jahrhundert). In Hampi (Karnataka) sind zahlreiche Sakral- und Profanbauten erhalten. FrĂŒhe VorlĂ€ufer des Dravida-Stils aus dem 7. und 8. Jahrhundert befinden sich in Mamallapuram (Tamil Nadu).

Mit dem Vordringen des Islam nach Nordindien ab dem 12. Jahrhundert entstand die indo-islamische Architektur. FrĂŒhe Moscheen wurden hĂ€ufig anstelle hinduistischer Tempel errichtet oder bezogen sogar Teile davon mit ein. Das berĂŒhmteste Bauwerk dieser Zeit ist das Minarett Qutb Minar (12. Jahrhundert) in Delhi. Im Laufe der Zeit vermischte sich die islamische Architektur mit hinduistischen Elementen zu einer eigenstĂ€ndigen indisch-islamischen Baukunst, die unter den Moguln zu höchster BlĂŒte gelangte. Die prunkvolle Mogularchitektur hat einige der bedeutendsten Bauwerke Indiens hervorgebracht, etwa das Taj Mahal in Agra (Uttar Pradesh), das Shah Jahan im 17. Jahrhundert als Grabmal fĂŒr seine Frau errichten ließ, oder die PalĂ€ste von Fatehpur Sikri. Auch in anderen muslimischen Staaten Indiens entstanden kunstvolle Bauten, etwa das Mausoleum Gol Gumbaz in Bijapur (Karnataka) aus dem 17. Jahrhundert.

Die britische Kolonialzeit gab der indischen Architektur ab dem 19. Jahrhundert neue AnstĂ¶ĂŸe. Aus der Verschmelzung europĂ€ischer und indischer Elemente ging der indo-sarazenische Stil hervor. Beispiele dafĂŒr sind der Chhatrapati Shivaji Terminus in Mumbai, die meisten GebĂ€ude der indischen High Courts und auch unzĂ€hlige Bauten in der ehemaligen Kolonialhauptstadt Kolkata. In Goa stehen Kirchen und Klöster aus der portugiesischen Kolonialzeit, die bedeutendsten davon in Velha Goa. Unter europĂ€ischem Einfluss standen auch neuere Palastbauten indischer Herrscher, wie der Amba Vilas in Mysore (Karnataka).

Bei der modernen Architektur Indiens ragen die Planstadt Chandigarh des Architekten Le Corbusier, der Campus des Indian Institute of Management in Ahmedabad (Gujarat) und der lotusförmige Bahai-Tempel in Neu-Delhi heraus.

Literatur

→ Hauptartikel: Indische Literatur
Rabindranath Thakur, LiteraturnobelpreistrÀger von 1913

Die indische Literatur ist eine der Ă€ltesten der Welt. Allerdings ist zu beachten, dass es zu keiner Zeit nur eine „indische“ Literatur gegeben hat, sondern im Gegenteil viele Literaturen der zahllosen alten und modernen Sprachen Indiens.

Die Ă€ltesten Werke wurden in Sanskrit, Pali und Tamilisch verfasst. Zu den herausragendsten Sanskrit-Werken gehören die Veden aus dem 13. bis 5. Jahrhundert v. Chr., die Upanishaden (etwa 700 v. Chr. bis 500 v. Chr.) sowie die beiden großen Epen Mahabharata und Ramayana. Sie haben mythologisch-religiöse Themen des Hinduismus zum Inhalt. DarĂŒber hinaus entstanden viele andere bedeutende Werke auf den verschiedensten Gebieten, etwa Religion, Philosophie, Staatskunst und Wissenschaft. Mit dem Aufstieg des Buddhismus ab dem 5. vorchristlichen Jahrhundert wurde Pali zu einer bedeutenden Literatursprache, die unter anderem die Schriften des Theravada-Buddhismus hervorbrachte.

In SĂŒdindien entwickelte sich als erstes Tamil zur klassischen Literatursprache. Die Ă€ltesten Werke entstanden vor rund 2000 Jahren. Aus der BlĂŒtezeit des frĂŒhen Tamil stammt die Sangam-Literatur. Sie enthĂ€lt neben heroischen Werken ĂŒber Könige und Kriege vor allem Liebeslyrik. SpĂ€ter traten Kannada, Telugu und Malayalam als bedeutende Schriftsprachen hervor.

Im Mittelalter trat mit dem Islam eine neue Geistesströmung auf, die großen Einfluss auf die Literatur Indiens ausĂŒbte. Gleichzeitig verlor Sanskrit immer mehr an Bedeutung. Aus ihm bzw. den mittelindischen Prakritsprachen gingen neue Sprachen wie Hindustani, Bengalisch, Panjabi und Marathi hervor, die allesamt ihre eigene Literaturtradition entwickelten. Religiöse Dichtungen des Hinduismus wurden nun in den Regionalsprachen verfasst, die auch vom Volk verstanden werden konnten, und widmeten sich zunehmend der Bhakti, der hingebungsvollen Verehrung Gottes. Herausragende Vertreter dieser neuen Literatur sind unter anderem Tulsidas, Kabir und Mirabai im Hindi, Dnyaneshwar im Marathi oder Narsinh Mehta im Gujarati.

Bemerkenswert ist die Verschmelzung von islamisch-persischen und indischen Elementen in der Urdu-Dichtung. Einige der schönsten Liebesgedichte wurden in dieser Sprache geschrieben, die schließlich zur Hofsprache der Moguln wurde und ab dem 17. Jahrhundert zur BlĂŒte kam. Höchsten Ruhm erlangten die Ghaseln des Dichters Mirza Ghalib und die Werke des heute vor allem in Pakistan verehrten Muhammad Iqbal.

Im 19. Jahrhundert verstĂ€rkte sich der westliche Einfluss auf die indische Literatur. Unter diesen UmstĂ€nden erlebte vor allem die bengalische Literatur einen Aufschwung. Ihr bekanntester Vertreter ist sicher Rabindranath Thakur, der heute als Nationaldichter verehrt wird und bisher als einziger Inder den Nobelpreis fĂŒr Literatur erhielt. Zwei seiner Gedichte wurden spĂ€ter die Nationalhymnen von Indien und Bangladesch. Seit dem frĂŒhen 20. Jahrhundert verwenden viele indische Schriftsteller auch das Englische fĂŒr ihre Werke.

Die zeitgenössische Literatur Indiens umfasst nicht nur alle großen Schriftsprachen des Landes, sondern hat auch eine breite Palette von Themen zum Gegenstand. BerĂŒhmte moderne Autoren sind Salman Rushdie, Arundhati Roy, R. K. Narayan, Mulk Raj Anand, Rohinton Mistry, Ruskin Bond, Amrita Pritam, Mahasweta Devi, Vikram Seth, Amitav Ghosh, Anita Desai und Dom Moraes.

Musik

→ Hauptartikel: Indische Musik

Die klassische indische Musik spaltet sich in zwei Hauptrichtungen: die hindustanische und die karnatische Musik. Die hindustanische Musik stammt aus Nordindien und ist stark vom persischen Kulturraum beeinflusst. Die karnatische Musik ist der vorherrschende klassische Stil SĂŒdindiens. Beiden liegen aber als wesentliche Konzepte Raga und Tala zugrunde. Der Raga stellt die melodische Grundstruktur dar. Jeder Raga beruht auf einer gewissen Tonfolge, die eine GefĂŒhlsstimmung vermittelt. Gespielt wird er zu einem bestimmten Tala, einer Art Taktsystem, welches den Rhythmus des MusikstĂŒckes angibt. Typische Instrumente umfassen Saiteninstrumente wie Sitar, Vina, Sarod, Tanpura und Sarangi sowie Blasinstrumente (Flöte, Shehnai). Als Rhythmusinstrumente dienen beispielsweise die Tabla oder – in SĂŒdindien â€“ der Mridangam. Der Sitarspieler und Komponist Ravi Shankar gilt als berĂŒhmtester Interpret der klassischen indischen Musik.

Neben der klassischen Musik verfĂŒgt Indien ĂŒber reiche Volksmusiktraditionen in den verschiedenen Landesteilen. Bekannt sind die Bhangra-Musik aus dem Punjab oder die bengalischen Baul-Musiker. Heute ist die traditionelle Volksmusik eher auf lĂ€ndliche Gebiete beschrĂ€nkt.

GrĂ¶ĂŸter Beliebtheit unter der gesamten Bevölkerung erfreut sich hingegen die indische Popmusik, die Merkmale sowohl westlicher als auch volkstĂŒmlicher und klassischer indischer Musik aufweist. EingĂ€ngige OhrwĂŒrmer aus populĂ€ren Kinofilmen finden besonderen Anklang. Zu den erfolgreichsten und bekanntesten SĂ€ngern indischer Filmmusik zĂ€hlen Lata Mangeshkar, Kishore Kumar, Mohammed Rafi, Manna De und Asha Bhosle.

Tanz

→ Hauptartikel: Indischer Tanz

Im Hinduismus haben TĂ€nze von jeher eine wichtige Rolle gespielt, einerseits als getanzte Version des Gebetes, andererseits um mythologische Themen darzustellen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich in Indien eine ungeheure Vielfalt von klassischen TĂ€nzen, die meist ZĂŒge des Schauspiels tragen, herausgebildet hat. Der Tanz ist eine der am höchsten entwickelten Kunstformen Indiens. Oft haben selbst kleinste Bewegungen und GesichtsausdrĂŒcke eine sinnbildliche Bedeutung. Klassische TĂ€nze beruhen in der Regel auf literarischen Grundlagen. Unter den klassischen Stilen ragt der Bharatanatyam hervor, ein im Ursprung tamilischer, heute aber in ganz Indien geschĂ€tzter Einzeltanz. Ihm Ă€hnlich ist der aus Andhra Pradesh stammende Kuchipudi-Tanz, der jedoch mehr schauspielerische Bestandteile hat. Eine der ausdrucksstĂ€rksten Formen des Tanztheaters entstand in Kerala mit dem von MĂ€nnern ausgeĂŒbten Kathakali. Mohiniyattam, ein Fraueneinzeltanz, stammt ebenfalls aus Kerala. Odissi ist der klassische Tempeltanz Orissas. Auch der nordindische Kathak war ursprĂŒnglich ein Tempeltanz, der aber unter den Mogulherrschern islamischen EinflĂŒssen ausgesetzt war und sich zum höfischen Tanz entwickelte. Der Manipuri aus dem nordostindischen Manipur weist dagegen EinflĂŒsse aus dem birmanischen Kulturkreis und regionale Besonderheiten auf. Er wird in der Gruppe dargeboten.

DarĂŒber hinaus besteht in Indien eine Vielzahl von regionalen VolkstĂ€nzen. Diese werden zu den unterschiedlichsten AnlĂ€ssen dargeboten, etwa zu Hochzeiten, regionalen Festen, bei der Ernte oder zu Beginn des Monsuns. Sehr bekannt sind etwa der Bhangra aus dem Punjab und der Garba aus Gujarat.

Malerei

Obwohl die Bildhauerei in Indien lange Zeit als die höhere Kunstform galt, gab es schon frĂŒh eine hoch entwickelte Tradition der Malerei. Abgesehen von vorgeschichtlichen Malereien und verzierten Keramiken aus der Induskultur stammen die frĂŒhesten Beispiele aus der Guptazeit. Die buddhistischen Felsmalereien in den Höhlen von Ajanta gelten als Meisterwerke dieser Epoche. SpĂ€tere Werke in Ajanta sowie hinduistische, jainistische und buddhistische Darstellungen in den Höhlen von Ellora setzten den Guptastil fort.

Rāgā Srī, König der Liebe, mit Pagen. Dekkanstil, um 1595

Mit dem Auftreten des Islam ab dem 12. Jahrhundert gewann die Malerei als höfische Kunst in persischer Tradition allmĂ€hlich an Bedeutung. Den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreichte sie mit dem Mogulstil des 16. bis 18. Jahrhunderts. Vor allem die Miniaturmalerei erlebte eine BlĂŒte. Abgebildet wurden fast ausschließlich weltliche Dinge, daher ĂŒberwiegen PortrĂ€ts wichtiger Persönlichkeiten des Reiches sowie Darstellungen des höfischen Lebens und bedeutender geschichtlicher Ereignisse. Auch in anderen islamisch geprĂ€gten Teilen Indiens blĂŒhte die Miniaturmalerei. So entwickelte sich an den Höfen der Dekkan-Sultanate eine eigenstĂ€ndige Stilrichtung.

Der Mogulstil nahm auch Einfluss auf die Entstehung der rajputischen Malerei an den Höfen der vielen FĂŒrstenstaaten Rajasthans. Diese widmete sich allerdings vorwiegend hinduistischen Themen, etwa der Illustration der großen Hindu-Epen Mahabharata und Ramayana. Besonders beliebt waren Darstellungen aus dem Leben Krishnas. Auf Grund der Vielzahl der rajputischen FĂŒrstenhöfe entstanden verschiedene Malschulen. Jede Schule entwickelte zwar eigene Besonderheiten, allen sind aber die großflĂ€chige Zeichnung und die leuchtenden Farben gemein. Figuren wurden oft ohne Schatten dargestellt.

Im westlichen Himalaya entwickelte sich im 18. Jahrhundert die Pahari-Schule. Auch sie wird von hinduistischen Motiven beherrscht. Kennzeichnend sind Landschaftsdarstellungen mit nur wenigen Figuren.

Westliche EinflĂŒsse wĂ€hrend der britischen Kolonialzeit brachten umwĂ€lzende VerĂ€nderungen mit sich. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts befand sich die traditionelle indische Malerei im Niedergang. Stattdessen versuchten Maler wie Raja Ravi Varma europĂ€ische Stile, allen voran den Realismus, nachzuahmen. Erst nach der Jahrhundertwende fanden althergebrachte Stilelemente wieder Eingang in die Werke indischer KĂŒnstler, darunter der Bengalischen Schule um Abanindranath Tagore.

Die moderne Malerei Indiens greift westliche Kunstrichtungen auf, fĂŒhrt aber auch indische Traditionen fort und entwickelt sie weiter. Der bekannteste moderne KĂŒnstler ist Maqbool Fida Husain.

Außerdem hat es in Indien schon immer eine starke Tradition der volkstĂŒmlichen Malerei gegeben. Auf dem Land werden oft HĂ€user aufwĂ€ndig bemalt. Besonders bekannt ist die Madhubani-Malerei aus Bihar. Zunehmend findet auch die Kunst der indischen Stammesbevölkerung Anerkennung.

Film

→ Hauptartikel: Indischer Film

Der Film ist zweifellos einer der wichtigsten Bestandteile der modernen Alltagskultur Indiens. Mit mehr als 1000 Produktionen jĂ€hrlich ist die indische Filmindustrie die grĂ¶ĂŸte der Welt. Die kulturelle, vor allem sprachliche, Vielfalt spiegelt sich daher auch in diesem Genre wider. So hat jede der großen Regionalsprachen ihre eigene Filmindustrie. Der Hindi-Film bringt die meisten Produktionen hervor. Er wird in Mumbai produziert und ist bezĂŒglich seines Kommerzkinos unter dem Namen „Bollywood“ bekannt. Shahrukh Khan, Amitabh Bachchan und Rani Mukerji sind beliebte und berĂŒhmte Bollywood-Schauspieler. Auch das bengalische, Kannada-, tamilische, Telugu- und Malayalam-Kino sind sehr beliebt und haben große Massenwirksamkeit. Die wesentlichsten Merkmale der Unterhaltungsfilme Ă€hneln einander in allen regionalen Produktionen. Die oft mehr als drei Stunden langen Filme enthalten viele Musik- und Tanzszenen, ohne die kein kommerzieller Film vollstĂ€ndig wĂ€re. Bisweilen wird die Filmmusik schon im Voraus veröffentlicht. Ist sie ein Erfolg, wird auch der Film mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Kassenschlager. Von den Schauspielern wird erwartet, dass sie tanzen können, wĂ€hrend die Gesangseinlagen von professionellen SĂ€ngern ĂŒbernommen werden. AuffĂ€llig ist auch die Mischung aus komischen, romantischen, dramatischen und Actionelementen.

DarĂŒber hinaus findet auch das Autorenkino viel Anerkennung. International bekannt sind etwa die beiden bengalischen Regisseure Satyajit Ray und Mrinal Sen.

Sport

Viele der in Indien ausgeĂŒbten Sportarten haben ihren Ursprung in England und haben sich wĂ€hrend der britischen Kolonialherrschaft verbreitet. Das englische Cricket ist die mit Abstand beliebteste Sportart, es wird in Indien sogar mittlerweile besser gespielt als im Ursprungsland, die zweitbeliebteste Sportart ist Hockey. In einigen Landesteilen, wie Goa und Westbengalen, ist auch Fußball Ă€ußerst populĂ€r. Die Nationalmannschaft belegt derzeit Platz 143 der FIFA-Weltrangliste (Stand: Dezember 2007). Narain Karthikeyan aus Chennai war Indiens erster Formel-1-Pilot. Außerdem hat Indien einige der besten Schachspieler der Welt hervorgebracht, darunter den Schachweltmeister Viswanathan Anand.

Bei Olympischen Spielen errangen indische Sportler insgesamt 20 Medaillen. Indien war mit seiner Hockey-Nationalmannschaft von 1928 bis 1980 unangefochten dominierend; bei diesen 12 Spielen gewann man 8 Gold-, 1 Silber- und 2 Bronzemedaillen. Als einziger Einzelsportler errang Abhinav Bindra eine weitere Goldmedaille fĂŒr das Land. Norman Pritchard, Khashaba Jadhav, Leander Paes, Karnam Malleswari, Rajyavardhan Singh Rathore, Sushil Kumar und Vijender Kumar gewannen ebenfalls Medaillen (3x Silber, 5x Bronze) fĂŒr Indien.[40]

Im Jahre 2010 wurden die Commonwealth Games in Neu-Delhi ausgetragen.

Siehe auch: Polo, Carrom und Kabaddi

Yoga

→ Hauptartikel: Yoga

Die Körperstellungen (Asanas) des etwa 2000 Jahre alten Yoga sind der im Westen bekannteste Teil des Yoga (vgl. Hatha Yoga). Autogenes Training und andere verwandte Übungsarten sind daraus abgeleitet. Yoga bereitet Meditation vor und ergĂ€nzt Religionen, obwohl es selbst keine ist. Beispiel: Der Sonnengruß (auch Sonnengebet), ist eine dynamische Abfolge von Bewegungen, die auch der symbolischen indischen Sonnenanbetung (Surya) entspricht. Asanas und Ayurveda sind ein Bestandteil alter indischer Praktiken, die weitaus mehr als westliche die ganzheitliche Gesundheit und spirituelle Erfahrung einschließen.

KĂŒche

→ Hauptartikel: Indische KĂŒche
Curry mit Naan-Brot

Die indische KĂŒche spiegelt sowohl die regionale Vielfalt als auch die unterschiedlichen historischen und religiösen PrĂ€gungen des Landes wider. Von einer einheitlichen Kochkultur kann daher nicht die Rede sein. Vielmehr unterscheiden sich Zutaten und Essgewohnheiten Ă€hnlich stark voneinander wie in Europa. Allgemein nimmt Fleisch einen geringeren Stellenwert als in den westlichen KĂŒchen ein. Die meistverzehrte Fleischsorte ist Huhn. Am beliebtesten sind Fleischgerichte noch bei Muslimen, die aber kein Schweinefleisch zu sich nehmen, wĂ€hrend viele Hindus ganz vegetarisch leben. Rindfleisch lehnen die meisten von ihnen – ebenso wie die Sikhs â€“ strikt ab. Jainas ist sogar der Genuss jeglicher tierischer Nahrungsmittel strengstens untersagt. Als Bratfette sind Pflanzenöle weitaus ĂŒblicher als tierische Fette.

Als Grundnahrungsmittel dienen in Nord- und Westindien neben Reis verschiedene Weißbrotsorten (Roti), deren verbreitetste Variante Chapati, ein ungesĂ€uertes Fladenbrot aus Weizenvollkornmehl, ist. Im Gegensatz dazu wird das im Nordwesten verbreitete Naanbrot mit Hefe gebacken. In SĂŒd- und Ostindien ist Reis das wichtigste Nahrungsmittel schlechthin. Als Beilagen sind HĂŒlsenfrĂŒchte wie Linsen, Kichererbsen, Straucherbsen, Urdbohnen und Mungbohnen ĂŒblich. Das in der westlichen Welt als GewĂŒrzmischung bekannte und als Sinnbild der indischen KĂŒche angesehene Wort „Curry“ ist in Indien ein Begriff fĂŒr die Zubereitungsart einer Vielzahl vegetarischer oder fleischhaltiger Gerichte in einer oft stark gewĂŒrzten Soße. TatsĂ€chlich sind die Masala genannten GewĂŒrzmischungen in der indischen KĂŒche unentbehrlich, ihre Rezeptur und Verwendung variiert jedoch je nach Region betrĂ€chtlich. Zu Currys werden hĂ€ufig gewĂŒrzte sĂŒĂŸ-saure Chutneys aus GemĂŒse und Obst gereicht. Milchprodukte, beispielsweise Ghee (Butterschmalz) und Joghurt, sind ebenfalls gĂ€ngige Zutaten vieler Speisen und Soßen.

Beliebte GetrĂ€nke sind Kaffee, Tee, Masala Chai (Milchtee mit GewĂŒrzen), FruchtsĂ€fte und GetrĂ€nke auf Milchgrundlage wie Lassi (ein JoghurtgetrĂ€nk). Alkoholische GetrĂ€nke werden von vielen Indern aus religiösen GrĂŒnden abgelehnt. In einigen Bundesstaaten ist Alkohol sogar generell nicht erhĂ€ltlich.

Feiertage und Feste

Als Nationalfeiertage werden der Republic Day (Tag der Republik) am 26. Januar, dem Tag des Inkrafttretens der Verfassung im Jahre 1950, und der Independence Day (Tag der UnabhĂ€ngigkeit) am 15. August, der an das Ende der britischen Kolonialherrschaft 1947 erinnert, begangen. Letzterer wird jedoch nicht so aufwĂ€ndig zelebriert wie der Tag der Republik, an dem in Delhi eine große Parade stattfindet, die vom StaatsprĂ€sidenten abgenommen wird. Auch der Geburtstag des FĂŒhrers der UnabhĂ€ngigkeitsbewegung Mohandas Karamchand („Mahatma“) Gandhi am 2. Oktober (Gandhi Jayanti) sowie mehrere religiöse Feste sind landesweite gesetzliche Feiertage. Religiöse Festtage nehmen in Indien einen außerordentlich hohen Stellenwert ein. Zu den wichtigsten hinduistischen Feierlichkeiten gehören das Lichterfest Diwali, Dasahra (der Tag des Sieges von Rama ĂŒber den DĂ€monen Ravana), die FrĂŒhlingsfeste Holi und Vasant Panchami, Ganesh Chaturthi zu Ehren Ganeshas, Raksha Bandhan (Fest der „SchĂŒtzenden Verbindung“ zwischen Geschwistern) sowie viele weitere Pujas zu Ehren einzelner Gottheiten. Muslime feiern etwa das Opferfest (Id al-Adha) zum Höhepunkt der Pilgerfahrt (Haddsch) nach Mekka und Id al-Fitr zum Ende des Fastenmonats Ramadan. Der wichtigste Feiertag der Sikhs, Buddhisten und Jainas ist der Geburtstag ihres jeweiligen Glaubensstifters (Guru Nanak bzw. Buddha bzw. Mahavira). Christen feiern vor allem Ostern und Weihnachten.

Daneben existiert eine unĂŒberschaubare Vielzahl regionaler Feste. In der Erntezeit feiert man in lĂ€ndlichen Gegenden Erntedankfeste wie das tamilische Pongal oder Lohri im Punjab, wĂ€hrend die Menschen in anderen Landesteilen am selben Tag Makar Sankranti feiern.

Medien

GemĂ€ĂŸ der Verfassung von 1950 gelten in Indien Meinungs- und Pressefreiheit, auch wenn diese in Krisengebieten wie Kaschmir und Teilen der Nordostregion eingeschrĂ€nkt sind. Auf Grund seiner pluralistischen Gesellschaft besitzt Indien jedoch eine ĂŒberaus breit gefĂ€cherte Medienlandschaft.

Printmedien

Indiens erste Zeitung, die englischsprachige Bengal Gazette, erschien 1780 in Kolkata. Heute weist Indien eine Ă€ußerst vielfĂ€ltige Presselandschaft auf. Die indische Presse gilt als kritisch, auch die thematische Bandbreite ist außerordentlich groß. Im Land erscheinen etwa 55.000 Zeitungen und Zeitschriften – mehr als in jedem anderen Land der Welt â€“ mit einer Gesamtauflage von ĂŒber 140 Millionen. Darunter sind mehr als 5000 Tageszeitungen. Die meisten Printmedien werden auf Hindi verlegt, das 45 Prozent des gesamten Pressemarktes ausmacht. Englischsprachige Zeitungen haben einen Anteil von 17 Prozent. Der Rest verteilt sich auf ĂŒber 100 Sprachen und Dialekte. Dem Indian Readership Survey (IRS) 2006 zufolge waren die zehn meistgelesenen Tageszeitungen im Jahr 2005 Dainik Jagran (Hindi; 19,07 Millionen Leser), Dainik Bhaskar (Hindi; 14,57 Millionen), Daily Thanthi (Tamil; 10,23 Millionen), Amar Ujala (Hindi; 9,89 Millionen), Hindustan (Hindi; 9,72 Millionen), Malayala Manorama (Malayalam; 9,35 Millionen), Lokmat (Marathi; 8,10 Millionen), Eenadu (Telugu; 7,94 Millionen), Mathrubhumi (Malayalam; 7,65 Millionen) und The Times of India, die mit 7,08 Millionen Lesern einzige englischsprachige Zeitung. Weitere Tageszeitungen in englischer Sprache mit mehr als einer Million Leser sind The Hindustan Times (3,51 Millionen), The Hindu (2,98 Millionen), Deccan Chronicle (1,13 Millionen) und The Telegraf (1,08 Millionen).[41]

Auch auf dem Zeitschriftenmarkt dominieren hindisprachige Ausgaben. Indiens meistgelesene Zeitschrift war 2005 das Frauenmagazin Saras Salil (Hindi; 7,4 Millionen Leser), gefolgt von Kungumam (Tamil; 3,8 Millionen), Vanitha (Malayalam; 3,5 Millionen), India Today (Englisch; 3,5 Millionen) und Grihashobha (Hindi; 3,2 Millionen).

Die wichtigsten Presseagenturen sind Press Trust of India (PTI) und United News of India (UNI).

Hörfunk

Bis in die frĂŒhen 1990er Jahre war der Hörfunk das dominierende elektronische Medium. Mit knapp 200 Millionen Zuhörern erreicht er jedoch inzwischen nur noch halb so viele Menschen wie das Fernsehen. Auch die Monopolstellung des staatlichen All India Radio, das in 24 Sprachen sendet und im ganzen Land empfangen werden kann, ist durch die steigende Zahl privater UKW-Sender lĂ€ngst gebrochen. In den großen StĂ€dten haben private Hörfunksender das Staatsradio bereits ĂŒberholt.

Fernsehen

Das Fernsehen wurde erstmals am 15. September 1959 im Raum Delhi eingefĂŒhrt. Ein regelmĂ€ĂŸiges Programm besteht jedoch erst seit 1965. Aus Anlass der Asienspiele im Jahre 1982 in Neu-Delhi wurde das Farbfernsehen eingefĂŒhrt. Im selben Jahr begann die Ausstrahlung von Fernsehprogrammen ĂŒber Satellit.

ZunĂ€chst blieb das Fernsehen einer kleinen, wohlhabenden Minderheit vorbehalten, erlebte aber in den 1980er Jahren einen rasanten Zuschauerzuwachs und ist heute das mit Abstand beliebteste Massenmedium in Indien. Dem Staatsfernsehen Doordarshan, das bis 1991 eine Monopolstellung innehatte, stehen mittlerweile zahlreiche private Satelliten- und Kabelsender gegenĂŒber. Letztere finden ihr Publikum vor allem unter der jĂŒngeren Stadtbevölkerung. Inzwischen verfĂŒgt etwa die HĂ€lfte der rund 100 Millionen Fernsehhaushalte ĂŒber einen Kabelanschluss. Die zuschauerstĂ€rksten Privatsender sind STAR Plus, Sony TV und Zee TV.

Internet

Das Internet ist bisher nur einer kleinen Minderheit zugĂ€nglich, vor allem der wohlhabenden Bevölkerung. Lediglich 2 Prozent der Bevölkerung nutzen es. Die Zahl der Benutzer steigt allerdings rapide an, nicht zuletzt dank der InternetcafĂ©s, die sich zusehends verbreiten. Die grĂ¶ĂŸeren der indischen Tageszeitungen sind mit einer Online-Version im Internet prĂ€sent.

Verlagswesen und Buchmarkt

In 12.000 Verlagen erscheinen jĂ€hrlich rund 90.000 Titel in ĂŒber 18 Sprachen. Indien ist der drittgrĂ¶ĂŸte Markt fĂŒr englischsprachige Publikationen, der stark vom Wegfall eines investitionsbeschrĂ€nkenden Gesetzes profitiert. Zunehmend wird Verlagsarbeit vor allem aus den Abteilungen Herstellung, Englisch und Online aus IndustrielĂ€ndern nach Indien verlagert (gemĂ€ĂŸ ValueNotes mit 122 Milliarden INR Umsatz) besonders im Bereich wissenschaftlicher, technischer und medizinischer Fachliteratur.

Alle zwei Jahre findet in Neu-Delhi eine der weltgrĂ¶ĂŸten Buchmessen, die New Delhi World Book Fair, statt; zuletzt im Februar 2010.

Siehe auch

 Portal:Indien – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Indien

Literatur

Überblicksdarstellungen

Geschichte

  • Arthur Llewellyn Basham: The wonder that was India. Band 1: A survey of the history and culture of the Indian sub-continent before the coming of the Muslims. Band 2: From the coming of the Muslims to the British conquest: 1200 - 1700, Sidgwick & Jackson, London, 1954, 1987. ISBN 0-283-35457-7
  • Hermann Kulke: Indische Geschichte bis 1750. MĂŒnchen 2005 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 34), ISBN 3-486-55741-6
  • Hermann Kulke, Dietmar Rothermund: Geschichte Indiens. Von der Induskultur bis heute. Aktual. Sonderaufl., Verlag C. H. Beck, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-406-54997-7
  • Michael Mann: Geschichte Indiens. Vom 18. bis zum 21. Jahrhundert. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn [usw.] 2005 (UTB 2694), ISBN 3-8252-2694-8
  • Bernd Rosenheim: Die Welt des Buddha. FrĂŒhe StĂ€tten buddhistischer Kunst in Indien. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2006, ISBN 978-3-8053-3665-9
  • Shashi Tharoor: Eine kleine Geschichte Indiens. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-89331-635-3
  • Michael Witzel: Das alte Indien (C. H. Beck Wissen). C. H. Beck Verlag, 2., durchges. Aufl., MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-406-59717-6

Politik

  • Olaf Ihlau: Weltmacht Indien. Die neue Herausforderung des Westens. Siedler Verlag, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-88680-851-3
  • Harald MĂŒller: Weltmacht Indien – Wie uns der rasante Aufstieg herausfordert. S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-596-17371-X
  • Clemens Six: Hindi – Hindu – Hindustan. Politik und Religion im modernen Indien. 2. Auflage, Wien 2007, ISBN 978-3-85476-212-6
  • Christian Wagner: Das politische System Indiens. Eine EinfĂŒhrung. Wiesbaden 2006. ISBN 978-3-531-90248-7
  • Klaus Voll: Globale asiatische Großmacht? Indische Außen- und Sicherheitspolitik zwischen 2000 und 2005. Berlin, 2005, Weißensse Verlag, ISBN 978-3-89998-075-2

Gesellschaft

Wirtschaft

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Landesinformationen

Dossiers

Kultur

Reise

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d Census of India: Provisional Population Totals for Census 2011.
  2. ↑ Human Development Index
  3. ↑ Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung
  4. ↑  Y.-M. Yuan, S. Wohlhauser, M. Möller, J. Klackenberg, M. W. Callmander, and P. KĂŒpfer: Phylogeny and biogeography of Exacum (Gentianaceae): a disjunctive distribution in the Indian Ocean Basin resulted from long distance dispersal and extensive radiation. In: Systematic Biology. 54, 2005, S. 21–34, doi:10.1080/10635150590905867.</span>
  5. ↑ "Nach offiziellen Statistiken gibt es rund 17 Millionen Brunnen in Indien, und diese entziehen dem Boden doppelt soviel Grundwasser, wie auf natĂŒrlichem Wege ergĂ€nzt wird. Das rasante Absinken des Grundwasserspiegels ist die unvermeidliche Folge." (Rothermund: Indien. Aufstieg einer asiatischen Weltmacht, MĂŒnchen 2008, S.176)
  6. ↑ Der Indian Easements Act von 1882 sichert das Recht auf Ausbeutung des Wassers unter dem Grundbesitz zu. Angesichts von Pumpen, die mehrere hundert Meter tief abpumpen, ist es so möglich, Bauern ihr Grundwasser zu entziehen und es ihnen danach zu verkaufen. (Rothermund: Indien. Aufstieg einer asiatischen Weltmacht, MĂŒnchen 2008, S.174-175)
  7. ↑ UNFCCC: Sixth compilation and synthesis of initial national communications from Parties not included in Annex I to the Convention. Addendum: Inventories of anthropogenic emissions by sources and removals by sinks of greenhouse gases (PDF)
  8. ↑ afp.google.com - Zwei Tote bei Anschlagsserie im indischen Bangalore, Zugriff am 25. Juli 2008
  9. ↑ sueddeutsche.de 45 Tote bei verheerender Bombenserie in Indien, Zugriff am 27. Juli 2008
  10. ↑ spiegel.de Dutzende Tote nach BombenanschlĂ€gen in Indien, Zugriff am 26. Juli 2008
  11. ↑ Deutsche Stiftung Weltbevölkerung: Indiens Bevölkerung erreicht Milliarden-Marke, abgefragt am 11. Mai 2009
  12. ↑ „Das Parlament“, Nummer 32-33 vom 7. August 2006: Auf der Suche nach der Mittelklasse, abgefragt am 11. Mai 2009
  13. ↑ Bevölkerungsprognosen bis 2050 (Englisch)
  14. ↑ Census of India 2011: Provisional Population Totals - India - Rural-Urban Distribution.
  15. ↑ "Unter den rund 2 Millionen Indern in den USA befinden sich etwa 200 000 DollarmillionĂ€re." (Rothermund: Indien. Aufstieg einer asiatischen Weltmacht, MĂŒnchen 2008, S.291)
  16. ↑ "Die GesamtĂŒberweisungen der indischen Diaspora nach Indien betragen zur Zeit etwa 23 Mrd. US-Dollar jĂ€hrlich." (Rothermund: Indien. Aufstieg einer asiatischen Weltmacht, MĂŒnchen 2008, S.291)
  17. ↑ http://www.censusindia.gov.in/Census_Data_2001/India_at_glance/variation.aspx, Zugriff:24.September 2011
  18. ↑ Universiteitsbibliotheek Utrecht, Werkgroep SeriĂ«le Publicaties: India: Historical demographical data of the whole country
  19. ↑ Indiens Supreme Court urteilt ĂŒber historisches Unrecht an den Adivasi
  20. ↑ Census of India 2001: Population by religious communities.
  21. ↑ Heinz Bechert, Richard Gombrich: Der Buddhismus: Geschichte und Gegenwart. 3. Auflage. Beck, MĂŒnchen 2008. S. 345–347.
  22. ↑ http://www.msnbc.msn.com/id/27180256/ns/world_news-south_and_central_asia/t/india-church-flee-anti-christian-clashes/ - davon mindestens 39 offiziell anerkannt in Orissa, der Rest außerhalb.
  23. ↑ http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/113/1611308.pdf
  24. ↑ BBC: Life in a slum
  25. ↑ Country Progress Report (CRP) India. Ungass, MĂ€rz 2010
  26. ↑ Census of India 2011: Sex Ratio of Total population and child population in the age group 0-6 and 7+ years : 2001 and 2011.
  27. ↑ vgl. Indrakumar, Konthoujam: Mapping India's Look East Policy: Shifting Alignments, in: Singh, Thingnam Kisham: Look East policy and India's North East: polemics & perspectives, Manipur, Center for Alternative Discourse 2009, S. 21f.
  28. ↑ Le Monde diplomatique vom 12. MĂ€rz 2010: Ein Recht auf Arbeit fĂŒr die Bauern
  29. ↑ Census of India 2011: Literates and literacy rates by sex : 2011.
  30. ↑ UNICEF: Basic indicators: Primary school enrolment ratio (2000–2004), net
  31. ↑ India's quiet sea power; Asia Times Online 2. August 2007 und IISS Military Balance 2007
  32. ↑ Entwicklung von BIP und Inflation in Indien: bfai, 2006
  33. ↑ Rabea Förstmann, David Gregosz: Indiens Wirtschaftspolitik und die Notwendigkeit eines ökonomischen Leitbildes. KAS Auslandsinformationen, Mai 2010, S. 39–44
  34. ↑ Entwicklung der Stahlproduktion in Indien: Deutsche Bank Research, 2006
  35. ↑ Entwicklung der Stahlproduktion in Indien: Recyclingmagazin, 2006
  36. ↑ Le Monde diplomatique vom 9. April 2010: Sehr reale Turbulenzen
  37. ↑ Entwicklung des Außenhandels Indiens: BFAI, 2007
  38. ↑ a b c d The World Factbook
  39. ↑ Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4
  40. ↑ Vgl. Stefan HĂŒbner: Rezension zu: Boria, Majumdar; Majumdar, Boria; Mehta, Nalin: India and the Olympics. London 2009. In: H-Soz-u-Kult, 2. September 2010.
  41. ↑ Newswatch India: Indian Readership Survey 2006
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