Die Indogermanische Fabel ist ein 1868 von dem Sprachwissenschaftler August Schleicher verfasster kurzer Text, den er als Fabel in der rekonstruierten Ursprache Indogermanisch verstanden wissen wollte. Schleicher wollte mit diesem Text nicht nur einzelne rekonstruierte Wortformen, sondern auch deren syntaktische Verbindung im Satz zeigen.
Die erste Neufassung erschien 1939 von Hermann Hirt und die zweite 1979 von Winfred P. Lehmann und Ladislav Zgusta. 1997 erschien eine weitere von Douglas Quentin Adams in der Encyclopedia of Indo-European Culture (1997:501), 2007 eine von Frederik Kortlandt und 2008 eine von Rosemarie L眉hr.
Schleicher (1868)
Avis akv膩sas ka
- Avis, jasmin varn膩 na 膩 ast, dadarka akvams, tam, v膩gham garum vaghantam, tam, bh膩ram magham, tam, manum 膩ku bharantam. Avis akvabhjams 膩 vavakat: kard aghnutai mai vidanti manum akvams agantam. Akv膩sas 膩 vavakant: krudhi avai, kard aghnutai vividvant-svas: manus patis varn膩m avis膩ms karnauti svabhjam gharmam vastram avibhjams ka varn膩 na asti. Tat kukruvants avis agram 膩 bhugat.
Hirt (1939)
Owis ek鈥檞艒ses-k史e
- Owis, jesmin w褜l蓹n膩 ne 膿st, dedork鈥檈 ek鈥檞ons, tom, woghom g史褜rum weghontm胎, tom, bhorom megam, tom, gh鈥櫻宮onm胎 艒k鈥檜 bherontm胎. Owis ek鈥檞omos ew褜wek史et: k鈥櫮搑d aghnutai moi widontei gh鈥櫻宮onm胎 ek鈥檞ons ag鈥檕ntm胎. Ek鈥檞艒ses ew褜wek史ont: kl鈥檜dhi, owei!, k鈥櫮搑d aghnutai vidontmos: gh鈥櫻宮o, potis, w褜l蓹n膩m owj么m k史r胎neuti sebhoi gh史ermom westrom; owimos-k史e w褜l蓹n膩 ne esti. Tod k鈥檈k鈥檙uwos owis ag鈥檙om ebhuget.
Lehmann und Zgusta (1979)
Owis e岣眞艒sk史e
- G史蓹r膿i owis, k史esjo wl胎hn膩 ne 膿st, e岣眞艒ns espe岣眅t, oinom ghe g史r胎um wo堑hom we堑hontm胎, oinomk史e me堑am bhorom, oinomk史e 堑hm胎enm胎 艒岣眜 bherontm胎. Owis nu e岣眞obh(j)os (e岣眞omos) ewewk史et: "岣澳搑 aghnutoi moi e岣眞艒ns a堑ontm胎 nerm胎 widn胎tei". E岣眞艒s tu ewewk史ont: "岣發udhi, owei, 岣蹦搑 ghe aghnutoi n胎smei widn胎tbh(j)os (widn胎tmos): n膿r, potis, owi艒m r胎 wl胎hn膩m sebhi g史hermom westrom k史rn胎euti. Ne堑hi owi艒m wl胎hn膩 esti". Tod 岣眅岣眑uw艒s owis a堑rom ebhuget.
Adams (1997)
H2贸u摊is h1茅k虃u摊艒s-k史e
- [G史r胎hx岣梚] h2贸u摊is, k史茅si摊o u摊lh2n茅h4 ne (h1茅) est, h1茅k虃u摊ons sp茅k虃et, h1oinom ghe g史r胎hx煤m u摊贸臐hom u摊茅臐hontm胎 h1oinom-k史e 臐 m茅臐ham bh贸rom, h1oinom-k史e 臐hm茅nm胎 hx峁搆虃u bh茅rontm胎. h2贸u摊is tu h1ek虃u摊oibh(i摊)os u摊euk史茅t: 'k虃岣梤 haeghnut贸r moi h1茅k虃u摊ons ha茅臐ontm胎 han茅rm胎 u摊idn胎t茅i. h1茅k虃u摊艒s tu u摊euk史贸nt: 'k虃ludh铆, h2贸u摊ei, k虃岣梤 ghe haeghnut贸r n胎sm茅i u摊idn胎tbh(i摊)贸s. han岣梤, p贸tis, h2茅u摊i摊om r胎 u摊l胎h2n茅ham sebhi k史r胎n茅uti nu g史h茅rmom u摊茅strom n茅臐hi h2茅u摊i摊om u摊l胎h2n茅ha h1茅sti.' T贸d k虃ek虃luu摊峁搒 h2贸u摊is ha茅臐rom bhug茅t.
Kortlandt (2007)[1]
蕰史euis 蕯keusk史e
- 蕰史euis iosmi 蕰uel蕯n ne蕯st 蕯ekuns 蕯e 'd膿rkt, tom 'g史r蕰eum uogom ugentm, tom m'ge蕰m borom, tom dgmenm 蕯o蕯ku brentm. 蕯e u膿uk史t 蕰史euis 蕯kumus: k史ntske 蕯moi k膿rt 蕰nerm ui'denti 蕯ekuns 蕰'gentm. 蕯e ueuk史nt 蕯keus: kludi 蕰史uei, k史ntske nsmi k膿rt ui'dntsu: 蕰n膿r potis 蕰史uiom 蕰ul蕯enm subi g史ormom uestrom k史rneuti, 蕰史uimus k史e 蕰uel蕯n ne蕯sti. To'd kekluus 蕰史euis 蕰e'grom 蕯e b膿u'gd.
L眉hr (2008)[2]
h2贸wis h1茅k鈥檞艒skwe
- h2贸wis, (H)j茅smin h2wlh2n茅h2 ne 茅h1est, dedork鈥檈 (h1)茅k鈥檞ons, t贸m, w贸g鈥hom gw茅rh2um w茅g鈥hontm, t贸m, bh贸rom m茅g鈥檕h2m, t贸m, dhg鈥h茅monm h2oHk鈥櫭 bh茅rontm. h2贸wis (h1)茅k鈥檞obhos ewewkwe(t): k鈥欋笚rd h2ghnutoj moj widnt茅j dhg鈥hm贸nm (h1)茅k鈥檞ons h2茅g鈥檕ntm. (h1)茅k鈥檞艒s ewewkw: k鈥檒udh铆, h2贸wi! k鈥欋笚rd h2ghnutoj widntbh贸s: dhg鈥h茅m艒(n), p贸tis, h2wln茅h2m h2贸wjom kwnewti s茅bhoj gwh茅rmom w茅strom; h2茅wibhoskwe h2wlh2n茅h2 n茅 h1esti. T贸d k鈥檈k鈥檒uw峁搒 h2贸wis h2茅g鈥檙om ebhuge(t).
Deutsche 脺bersetzung
Das Schaf und die Pferde
- Ein Schaf, das keine Wolle mehr hatte, sah Pferde, eines einen schweren Wagen fahrend, eines eine gro脽e Last, eines einen Menschen schnell tragend. Das Schaf sprach: Das Herz wird mir eng, wenn ich sehe, dass der Mensch die Pferde antreibt. Die Pferde sprachen: H枚re Schaf, das Herz wird uns eng, weil wir gesehen haben: Der Mensch, der Herr, macht die Wolle der Schafe zu einem warmen Kleid f眉r sich und die Schafe haben keine Wolle mehr. Als es dies geh枚rt hatte, floh das Schaf auf das Feld.
Fassung von Lehmann und Zgusta (1979)
Diese Fassung weicht inhaltlich minimal von der Fassung von Schleicher ab. In englischer 脺bersetzung bedeutet sie: On a hill, a sheep that had no wool saw horses, one of them pulling a heavy wagon, one carrying a big load, and one carrying a man quickly. The sheep said to the horses: 鈥淢y heart pains me, seeing a man driving horses鈥. The horses said: 鈥淟isten, sheep, our hearts pain us when we see this: a man, the master, makes the wool of the sheep into a warm garment for himself. And the sheep has no wool鈥. Having heard this, the sheep fled into the plain.
Hinweis: Die 眉berarbeitete Version von Schleichers Fabel verwendet eine ge盲nderte Schreibung, die von der 眉blichen Notierung des Proto-Indogermanischen abweicht. So werden h and w nicht hochgestellt, um Aspiration und Labialisierung zu bezeichnen. Au脽erdem werden die meisten Laryngale ausgelassen und - soweit sie bezeichnet werden - nicht n盲her unterschieden. Die urspr眉ngliche Version der Fabel 鈥 wie oben in der Tabelle aufgef眉hrt 鈥 verwendet Schleichers Notation, die vom Sanskrit gepr盲gt ist, aber j anstelle von y verwendet.
Einzelnachweise
- 鈫 http://www.kortlandt.nl/publications/art243e.pdf
- 鈫 http://www.indogermanistik.uni-jena.de/dokumente/Weitere/delbrueck.pdf