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Internationale Raumstation

ISS ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter ISS (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.
Internationale Raumstation

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Die ISS am 7. MĂ€rz 2011, aufgenommen aus dem Space Shuttle Discovery

Die ISS am 7. MĂ€rz 2011, aufgenommen aus dem Space Shuttle Discovery

Emblem
Emblem
Maße im Endausbau
Spannweite: 109 m
LĂ€nge: 97,9 m
Tiefe: 27,5 m
Rauminhalt: 910 mÂł
Masse: 455 t
Umlaufbahn
ApogĂ€um: 320–410 km[1]
PerigĂ€um: 320–390 km[1]
Durchschnittliche Orbitalhöhe: ca. 350 km[1]
Bahnneigung: 51,6 Â°
Umlaufzeit: ca. 91 min[2]
Relativgeschwindigkeit: ca. 28.000 km/h
Internationale Katalognummer: 1998-067A
Energieversorgung im Endausbau
Elektrische Leistung: 120 kW
SolarzellenflĂ€che: 4.500 mÂČ
Flugstatistik Gemessen an Sarja, aktueller Stand
Zeit in der Umlaufbahn:[3] 4941 Tage
ZurĂŒckgelegte Strecke: ca. 3287 Mio. km
Erdumkreisungen: ca. 77601
Bemannt seit: 4227 Tagen
Aktuelle Besatzung der ISS-Expedition 31
Rettungsschiffe: Sojus TMA-03M und Sojus TMA-04M
Die derzeitige Besatzung

von links nach rechts:

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Joseph Acaba (seit 17. Mai 2012)
RusslandRussland Gennady Padalka (seit 17. Mai 2012)
RusslandRussland Sergei Revin (seit 17. Mai 2012)
NiederlandeNiederlande André Kuipers (seit 23. Dezember 2011)
RusslandRussland Oleg Kononenko (seit 23. Dez. 2011, Kommandant)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Donald Pettit (seit 23. Dezember 2011)

Konfiguration
Bereits vorhandene und noch zu startende Module der ISS, Stand MĂ€rz 2011

Bereits vorhandene und noch zu startende Module der ISS, Stand MĂ€rz 2011

Die Internationale Raumstation (englisch International Space Station, kurz ISS) ist eine bemannte Raumstation, die in internationaler Kooperation betrieben und ausgebaut wird.

Die PlĂ€ne fĂŒr eine große, internationale Raumstation gehen bis in die 1980er Jahre zurĂŒck. Die Station war damals noch unter den Namen Freedom oder Alpha in Planung. Die ISS befindet sich seit 1998 in Bau und ist zurzeit das grĂ¶ĂŸte kĂŒnstliche Objekt im Erdorbit. Sie kreist aktuell in ca. 380 km[4] Höhe (Stand: Juni 2011) mit einer Bahnneigung von 51,6° ca. alle 91 min um die Erde und hat eine maximale Abmessung von etwa 110 m Ă— 100 m Ă— 30 m erreicht. Sie soll mindestens bis ins Jahr 2020 weiterbetrieben werden.[5]

Inhaltsverzeichnis

Beteiligte LĂ€nder

Direkt an der ISS beteiligte LĂ€nder (dunkelrot), sowie ĂŒber NASA-VertrĂ€ge beteiligte LĂ€nder (hellrot)

Die ISS ist ein gemeinsames Projekt der US-amerikanischen NASA, der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, der europĂ€ischen Weltraumagentur ESA, sowie der Raumfahrtagenturen Kanadas (CSA) und Japans (JAXA). In Europa sind die LĂ€nder Belgien, DĂ€nemark, Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Norwegen, Schweden, die Schweiz und Spanien beteiligt. Im Jahre 1998 wurde dazu ein entsprechendes Abkommen fĂŒr den Bau der Raumstation unterschrieben.[6]

Brasilien hat mit den USA ein separates Abkommen ĂŒber die Nutzung der ISS.[7] China hat seinen Wunsch einer Beteiligung an der ISS ausgesprochen, ist aber bisher am Veto der USA gescheitert, weshalb China aktuell an einer eigenen Raumstation arbeitet.[8] Die Raumfahrtagenturen Indiens und SĂŒdkoreas haben ebenso eine mögliche Beteiligung an der ISS angekĂŒndigt.[9]

Vorgeschichte

Die geplante US-Raumstation Freedom
Das Shuttle-Mir-Programm als VorlÀuferprojekt der ISS

Erste Ideen fĂŒr eine dauerhaft bewohnte Station im Weltall kamen bei der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA schon sehr frĂŒh auf. Zu Beginn der 1960er Jahre, also noch lange vor der ersten Mondlandung, dachte man an eine Raumstation, die von etwa zehn bis zwanzig Personen bewohnt sein sollte. Nach Abschluss des Apollo-Programms wandte man sich konkreter dem Bau von Raumstationen zu, um den Anschluss an die Sowjetunion nicht zu verlieren, die 1971 mit Saljut 1 ihre erste Raumstation gestartet hatte. So wurde im Jahre 1973 die US-amerikanische Station Skylab gestartet, die insgesamt 171 Tage bewohnt war. Danach wandten sich die US-Amerikaner jedoch der Entwicklung des Space Shuttles zu, wĂ€hrend die Sowjetunion sechs weitere Saljut-Stationen und vor allem die modulare Raumstation Mir in die Umlaufbahn brachte und enorme Erfahrung mit LangzeitflĂŒgen sammeln konnte.

Nach dem Erstflug des Space Shuttles im Jahre 1981 rĂŒckte das Konzept einer Raumstation wieder in den Blickpunkt, weil diese nach Ansicht der NASA-Strategen der nĂ€chste logische Schritt in der Raumfahrt sei. Im Mai 1982 wurde im NASA-Hauptquartier die Space Station Task Force geschaffen. Im Januar 1984 kĂŒndigte der damalige US-PrĂ€sident Ronald Reagan in Anlehnung an den Aufruf Kennedys zur Mondlandung an, es sei das nationale Ziel, eine stĂ€ndig bemannte Raumstation innerhalb eines Jahrzehnts zu bauen. Die Kosten fĂŒr eine solche Station wurden damals auf acht Milliarden US-Dollar geschĂ€tzt. Ein Jahr spĂ€ter wurde entschieden, die Station zusammen mit internationalen Partnern zu bauen. Daraufhin schlossen sich die ESA sowie Kanada und Japan dem Projekt an. Im Jahre 1988 wurde die geplante Station von Reagan auf den Namen Freedom (Freiheit) getauft.

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde eine engere Zusammenarbeit der NASA mit Russland möglich. Das ursprĂŒngliche Freedom-Projekt wurde gekĂŒrzt, weil die Kosten der geplanten Raumstation explodierten, und in Space Station Alpha umbenannt. 1993 unterzeichneten Russland und die USA ein Abkommen ĂŒber zehn Shuttle-FlĂŒge zur russischen Raumstation Mir sowie ĂŒber Langzeitaufenthalte einiger US-Astronauten auf der Mir, spĂ€ter bekannt als das Shuttle-Mir-Programm. Die NASA zahlte dafĂŒr 400 Millionen US-Dollar. Dies markierte die erste Zusammenarbeit der beiden RaumfahrtmĂ€chte seit dem Apollo-Sojus-Projekt im Jahre 1975.[10]

Unter US-PrĂ€sident Bill Clinton wurde dann das Projekt einer großen Raumstation im November 1993 zusammen mit Russland neu aufgelegt – Russland steuerte die PlĂ€ne der geplanten Mir-2-Station bei. Auf US-amerikanischer Seite wurde der Name Alpha vorgeschlagen, der jedoch von Russland abgelehnt wurde, da dort die Mir-Station als „erste“ Raumstation angesehen wird. Bis 1998 schlossen sich 13 weitere LĂ€nder dem Projekt an: 11 der ESA-Staaten (Großbritannien war Mitunterzeichner des Vertrages, stieg jedoch spĂ€ter aus), Japan und Kanada. Zudem unterzeichnete Brasilien im Oktober 1997 mit den USA einen separaten Vertrag ĂŒber die Nutzung der Raumstation, die nun den Namen International Space Station (ISS) trĂ€gt. Im Jahr darauf begann mit dem Start des russischen Fracht- und Antriebmoduls Sarja (Sonnenaufgang) der Aufbau der Station.

Aufbauchronik

Die ISS ist nach dem Vorbild der russischen Raumstation Mir modular aufgebaut. Einzelne Baugruppen werden von TrĂ€gerraketen und RaumfĂ€hren in die Umlaufbahn gebracht und dort zusammengesetzt.[11] Dazu sind rund 40 AufbauflĂŒge nötig. Nach aktueller Planung sollen 36 davon vom US-amerikanischen Space Shuttle durchgefĂŒhrt werden, der Rest von den unbemannten russischen TrĂ€gerraketen Proton und Sojus. Insgesamt 37 ShuttleflĂŒge wurden bis zur Ausmusterung der RaumfĂ€hren Mitte 2011 durchgefĂŒhrt.[12] Der amerikanische Teil der Station ist fertig aufgebaut und geht in den Routinebetrieb ĂŒber.

Die ISS soll nach ihrer Fertigstellung ĂŒber 400 Tonnen Masse haben. Derzeit (Dez. 2010) betrĂ€gt die Masse der ISS 370 Tonnen bei einer LĂ€nge der Gitterstruktur von 109 Metern und der Solarmodule von 73 Metern. Die endgĂŒltige Spannweite ist seit der Installation der ersten Solarzellen bereits erreicht. Damit ist sie die grĂ¶ĂŸte Raumstation, die bisher gebaut wurde.

Unbemannter Aufbau

Die ersten Bestandteile der ISS kurz nach dem Baubeginn 1998: das russische Kontrollmodul Sarja (unten) und der US-amerikanische Verbindungsknoten Unity, aufgenommen durch das Space Shuttle Discovery

Das erste ISS-Bauteil im All war das von Russland gebaute Fracht- und Antriebmodul Sarja. Es wurde am 20. November 1998 von einer Proton-Schwerlastrakete in die vorgesehene Umlaufbahn gebracht.[13] Zwei Wochen spĂ€ter wurde mit der Space-Shuttle-Mission STS-88 der erste Verbindungsknoten Unity (Node 1) in die Umlaufbahn gebracht und mit Sarja verbunden. Dieser Knoten verbindet den US-amerikanischen mit dem russischen Teil der Station. Als nĂ€chstes folgten mit STS-96 und STS-101 zwei logistische Shuttle-FlĂŒge, die dem Transport von AusrĂŒstung zur Station dienten. Zudem wurden weitere Arbeiten am Äußeren des Komplexes ausgefĂŒhrt.

Als nĂ€chstes Modul startete im Sommer 2000 das russische Wohnmodul Swesda. Es wurde ebenfalls von einer Proton-Rakete gestartet und dockte automatisch am Sarja-Modul an. Bei einem weiteren Logistikflug (STS-106) wurden Lebensmittel, Kleidung, Wasser und sonstige AlltagsgegenstĂ€nde fĂŒr die erste Stammbesatzung zur Station gebracht. Zudem wurde das fĂŒr die Aufbereitung der Atemluft zustĂ€ndige Elektron-System installiert. Im Oktober 2000 wurde mit der Mission STS-92 das erste Gittersegment, genannt Integrated Truss Structure Z1, zur Station gebracht. Es diente vorĂŒbergehend als VerbindungsstĂŒck zwischen einem SolarzellentrĂ€ger und dem bewohnten Teil der ISS. Außerdem beherbergt es Apparaturen zur Lageregelung und am Zenit-Dockingport einen kleinen Stauraum. Danach konnte am 2. November 2000 die erste Langzeitbesatzung, ISS-Expedition 1, auf der Station einziehen. Sie startete mit Sojus TM-31 zur Station.

Bemannter Aufbau

Bauzustand August 2005

Als nĂ€chstes Modul wurde mit der Shuttle-Mission STS-97 das erste von vier großen Solarmodulen zur Station gebracht. Der P6-Kollektor wurde im Dezember 2000 zunĂ€chst auf Z1 installiert und lieferte in der Anfangsphase nahezu die gesamte Energie zum Betrieb der Station. Es wurde erst im Oktober 2007 an das Backbordende der ISS umgesetzt. Mit der Mission STS-98 wurde das US-amerikanische Labormodul Destiny zur Station gebracht und an Unity angedockt. Nach einem weiteren Logistikflug wurde mit STS-100 der erste Roboterarm der Station, Canadarm2, sowie mit STS-104 die US-Luftschleuse Quest angeliefert. Dies versetzte die Raumfahrer in die Lage, ohne die Hilfe des Shuttles Weltraumausstiege durchzufĂŒhren und zum Aufbau der Station beizutragen.

Am 14. September 2001 startete das russische Kopplungsmodul Pirs, das sowohl zum Andocken von Sojus- und Progress-Raumschiffen als auch fĂŒr Ausstiege in russischen RaumanzĂŒgen genutzt wurde. FĂŒr den Start dieses Moduls wurde zum ersten Mal eine Sojus-Rakete und eine modifizierte Progress verwendet. Bis zum Start von Poisk im Jahr 2009 blieb es lange Zeit das einzige Modul, das auf diese Weise gestartet wurde.

Darauf wurden drei weitere Elemente der Gitterstruktur der Station gestartet. Die Elemente S0, S1 und P1 bildeten das GerĂŒst, an dem spĂ€ter die weiteren Ausleger mit den zugehörigen Solarzellen befestigt wurden.

In den folgenden Missionen wurden das GerĂŒst und die Stromversorgung weiter ausgebaut. ZunĂ€chst wurden von STS-115 im September 2006 auf der Backbordseite ein StĂŒck Gitterstruktur und ein großes Solarmodul (P3/P4) angebaut und drei Monate spĂ€ter um das Gitterelement P5 verlĂ€ngert (STS-116). Im Juni 2007 folgten auf der Steuerbordseite mit der Mission STS-117 ein weiteres Gitterelement mitsamt einem Solarmodul (S3/S4) und zwei Monate spĂ€ter die VerlĂ€ngerung S5 (STS-118).

Grafik der ISS nach ihrer geplanten Fertigstellung (Stand Juni 2006)

Im Oktober 2007 wurde mit STS-120 der Verbindungsknoten Harmony (Node 2) zur ISS gebracht. Außerdem versetzte die STS-120-Mannschaft das Solarmodul P6 an seinen endgĂŒltigen Platz am linken Ende des GerĂŒsts. Nachdem die Discovery die ISS verlassen hatte, wurde durch die 16. Langzeitbesatzung der Shuttle Andockadapter (PMA-2) von Destiny auf Harmony umgesetzt und die Baugruppe Harmony/PMA-2 auf der endgĂŒltigen Position an der Stirnseite von Destiny angedockt. Nach ĂŒber sechs Jahren Pause war dies die erste Erweiterung des von den ISS-Besatzungen nutzbaren Lebensraumes auf der ISS.

Das europĂ€ische Forschungsmodul Columbus wurde am 11. Februar 2008 an der ISS installiert. Am 3. Juni 2008 wurde die Installation des japanischen Hauptmoduls von Kibƍ abgeschlossen. Durch STS-119 wurde im MĂ€rz 2009 das vierte und letzte Solarmodul S6 installiert. Im Mai 2009 wurde die Besatzung der ISS auf sechs Raumfahrer aufgestockt. Das letzte Bauteil des Kibƍ-Moduls wurde Mitte Juli durch STS-127 installiert. Im November 2009 erreichte das russische Kopplungsmodul Poisk die Station. Im Februar 2010 wurde der Verbindungsknoten Tranquility (Node 3) mit der Aussichtskuppel Cupola installiert. Im Mai 2010 folgte das russische Modul Rasswet, das PMM Leonardo im MĂ€rz 2011. Am 23. Oktober 2010 löste die ISS mit 3644 Tagen die Mir als das Raumfahrzeug, das am lĂ€ngsten dauerhaft mit Menschen besetzt war, ab. Dieser Rekord wurde bis heute auf 4227 Tage ausgedehnt. Das AMS-Experiment wurde im Mai 2011 mit dem vorletzten Shuttleflug installiert. Im Sommer 2013 soll die Station mit dem russischen Labormodul Nauka (MLM) weiter komplettiert werden.

Nachdem die ISS-Partner den Betrieb der Raumstation bis mindestens 2020 vereinbarten, plant Russland den Anbau dreier weiterer Module, die einem neuen Konzept entspringen. 2012 soll zunĂ€chst ein kugelförmiges Kopplungsmodul am unteren Ende des MLM Nauka angebracht werden. Hier sollen 2014 bzw. 2015 zwei große Forschungs- und Energiemodule (NEM 1 und 2) angekoppelt werden.

Eine Liste aller ISS-Module geordnet nach dem Zeitpunkt des Starts ist unter Liste der ISS-Module zu finden.

Versenkung

Nach der derzeitig gĂŒltigen Vereinbarung zwischen den ISS-Partnern wird die Station bis 2020 betrieben. Über eine mögliche weitere VerlĂ€ngerung wird zu gegebener Zeit entschieden. Nach der Betriebsdauer der Station ist deren gezielte Versenkung im SĂŒdpazifik die einzig akzeptable Entsorgungsmethode, um auf der erdnahen Umlaufbahn die Entstehung einer großen Menge WeltraummĂŒlls zu vermeiden.[14] Der dazu notwendige Schub kann von angekoppelten Raumtransportern aufgebracht werden, entweder einer Kombination von ATV und Progress, oder einem einzigen Progress-Transporter, der hierzu modifiziert werden mĂŒsste.[15]

Umlaufbahn

Mittlere Bahnhöhe der ISS seit Start im Nov. 1998 (Stand Jan. 2009)

Die ISS befindet sich in einer annĂ€hernd kreisförmigen niedrigen Erdumlaufbahn mit einer Bahnneigung von 51,6° gegen den Äquator und umrundet die Erde etwa alle eineinhalb Stunden. Durch die vorhandene geringe ExzentrizitĂ€t der Bahnellipse schwankt die Höhe wĂ€hrend jedes Umlaufs zwischen PerigĂ€um und ApogĂ€um um bis zu 20 Kilometer. Die mittlere Bahnhöhe nimmt durch den Luftwiderstand der Station allmĂ€hlich mit 50 bis 150 m pro Tag ab. Diesem Höhenverlust wird je nach Erfordernissen des Stationsbetriebs in unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden durch TriebwerkszĂŒndungen von Shuttle, Sojus, Progress, ATV oder Swesda-Modul unter Aufwendung von etwa 7.000 Kilogramm Treibstoff pro Jahr entgegengewirkt, so dass die mittlere Höhe der Station zwischen etwa 330 und 400 Kilometern gehalten wird. Die mittlere Bahnhöhe, als Differenz von großer Halbachse der Bahnellipse und Erdradius, berechnet sich aus der mittleren Bewegung. Dieser Parameter gibt die UmlĂ€ufe pro Tag an und ist in regelmĂ€ĂŸig veröffentlichten TLE-DatensĂ€tzen der Satellitenbahnelemente enthalten (siehe Weblinks: Heavens-Above).

Die Lage der Bahn relativ zur Sonne bestimmt die LĂ€nge der Orbitalen Nacht. Übersteigt der Winkel (Beta) zwischen Bahnebene und Sonnenrichtung Werte von 60°, wird die Nachtphase zu kurz, so dass die Station speziell ausgerichtet werden muss, um nicht zu viel WĂ€rme aufzunehmen. Space-Shuttle-Besuche fanden in dieser Zeit nicht statt, da angedockte Shuttles ĂŒberhitzt wĂ€ren.[16] Diese Phase wird deshalb beta-angle cutout oder einfach beta cutout genannt.

Versorgung

Die Versorgung der Besatzung mit Lebensmitteln, Frischwasser, Kleidung, Sauerstoff sowie Ersatzteilen und wissenschaftlichen Experimenten wurde bis MĂ€rz 2008 ausschließlich durch russische Progress-Frachter und US-amerikanische Space Shuttles sichergestellt. Seit April 2008 steht hierfĂŒr nach dem erfolgreichen Erstflug von „Jules Verne“ zusĂ€tzlich das europĂ€ische Automated Transfer Vehicle (ATV) zur VerfĂŒgung. Im September 2009 erfolgte der Erstflug des japanischen Versorgungsschiffes H-2 Transfer Vehicle (HTV) zur ISS.

Progress

→ Hauptartikel: Progress

Die russischen Progress-Transportraumschiffe stellen die Grundversorgung fĂŒr die Station sicher. Die von dem Sojus-Raumschiff abgeleiteten unbemannten Transporter sind in der Lage, bei durchschnittlich vier FlĂŒgen pro Jahr die ISS allein zu versorgen, sofern sie nur von zwei Personen bewohnt wird. Dies musste wĂ€hrend des Flugverbots der Shuttle-Flotte nach dem Columbia-Absturz 2003 durchgefĂŒhrt werden. Bei höherer Startfrequenz können auch grĂ¶ĂŸere Besatzungen versorgt werden.

Die Raumschiffe sind nicht wiederverwendbar. Nach dem Andocken an einem Port am russischen Teil der Station werden die rund 2,5 Tonnen Fracht und Treibstoff zur Station transferiert. Anschließend wird Progress mit MĂŒll gefĂŒllt, nach mehreren Monaten wieder abgekoppelt und in der ErdatmosphĂ€re zum VerglĂŒhen gebracht.

Ein Nachteil der Progress-Raumschiffe ist der kleine Durchmesser der Verbindungsluken, weshalb sperrige Nutzlasten und Ersatzteile (wie z. B. Gyroskope) nicht von Progress angeliefert werden können. Russland setzt fĂŒr Transporte zur ISS die Progress-Versionen Progress M, Progress M1 und Progress M1M ein. Die ersten beiden Versionen wurden bereits zur Versorgung der Raumstation Mir verwendet und unterscheiden sich im Wesentlichen lediglich im Anteil des Treibstoffes, der mitgenommen werden kann. Progress M1M wurde erstmals am 26. November 2008 eingesetzt und hat eine deutlich höhere NutzlastkapazitĂ€t.

Multi-Purpose Logistics Module

→ Hauptartikel: Multi-Purpose Logistics Module
Das Logistikmodul MPLM in der Nutzlastbucht der RaumfÀhre Discovery

Das Multi-Purpose Logistics Module (MPLM) ist ein bei Alenia Spazio in Italien gebautes Modul, das in der Nutzlastbucht des Space Shuttles zur Raumstation gebracht wird. Seine NutzlastkapazitĂ€t liegt mit 9,1 Tonnen höher als die der Progress-Raumschiffe. Da das Modul zum Start einen Shuttle benötigt, ist sein Start aber auch sehr viel teurer. Die Module sind bis zu 25 Mal verwendbar und können auch eingesetzt werden, um AusrĂŒstungsgegenstĂ€nde oder Resultate von Experimenten zurĂŒck zur Erde zu bringen. Nach dem Andocken des Shuttles wird das Modul von einem Roboterarm aus der Ladebucht der RaumfĂ€hre gehievt und an einem Stationsmodul befestigt. Dort wird es innerhalb weniger Tage entladen und wieder vom Shuttle zur Erde gebracht.[17]

ATV und HTV

→ Hauptartikel: ATV und HTV

Seit 2008 leistet auch die ESA ihren Beitrag zur Versorgung der Station. Dies geschieht mit dem ATV (Automated Transfer Vehicle), das wie die russischen Progress-Schiffe Fracht transportiert. Die Nutzlast betrĂ€gt mit 7,5 Tonnen in etwa das Dreifache eines Progress-Transporters. Davon können etwa 4,5 Tonnen Treibstoff sein, der genutzt wird, um die Bahn der ISS anzuheben. Dies ist regelmĂ€ĂŸig erforderlich, da sie durch die Reibung an der RestatmosphĂ€re zwischen 50 und 150 Meter pro Tag an Höhe verliert.

Das erste ATV wurde am 9. MĂ€rz 2008 unter dem Namen „Jules Verne“ von einer Ariane-5-Rakete gestartet und dockte am 3. April erfolgreich an der Raumstation an, am 21. und 25. April hob es die Umlaufbahn der Station um insgesamt 6,4 km an und am 29. September 2008 verglĂŒhte „Jules Verne“ mit 6,3 Tonnen MĂŒll der Station planmĂ€ĂŸig ĂŒber dem Pazifik. Der Vertrag der ESA umfasst insgesamt fĂŒnf ATV-FlĂŒge. Ab 2010 war bis einschließlich 2013 jedes Jahr ein weiterer Einsatz geplant. Aufgrund einer guten Versorgungslage und Verzögerungen im Shuttle-Programm kommt es jedoch zu Verschiebungen. Das ATV-2 „Johannes Kepler“ startete im Februar 2011 zur Station, ATV-3 „Edoardo Amaldi“ dockte am 29. MĂ€rz 2012 an der ISS an.[18]

FĂŒr die Kopplung wird ein lasergestĂŒtztes automatisches System genutzt, mit dem das ATV am hinteren Andockstutzen des russischen Swesda-Moduls anlegen kann. Dort befinden sich die benötigten Andockhilfen (Antennen und Laser-Reflektoren).

Ein Ă€hnliches Transportfahrzeug wurde auch von der japanischen Weltraumagentur JAXA entwickelt und nach der verwendeten TrĂ€gerrakete H-IIB auf den Namen H-2 Transfer Vehicle (HTV) getauft. Mittlerweile wurde der Name Kounotori (dt. Weißstorch) fĂŒr die Frachtraumschiffe ausgewĂ€hlt. Die GrĂ¶ĂŸe des HTV entspricht in etwa der eines Busses; die Nutzlast betrĂ€gt rund sechs Tonnen.[19] Im Gegensatz zum ATV ist der japanische Transporter nicht in der Lage, ein automatisches Andockmanöver durchzufĂŒhren, sondern wird vom Roboterarm der Station eingefangen und an einem freien Kopplungsstutzen im US-Teil der Station befestigt. Der Erstflug des HTV wurde am 10. September 2009 gestartet. Es wurde erfolgreich am 17. September an das ISS-Modul Harmony angedockt.

Private Dienstleister

Um nach der Beendigung des Space-Shuttle-Programms Mitte 2011 auch weiterhin die Station unter US-amerikanischer Leitung versorgen zu können, hat die NASA das COTS-Programm aufgelegt. Dadurch soll die Versorgung mit Material und Besatzung sichergestellt werden. Nach einem Wettbewerb wurden die beiden privaten Unternehmen SpaceX und Rocketplane Kistler beauftragt, entsprechende Raketen sowie Crew- und Logistik-Module zu entwickeln. Nachdem Rocketplane Kistler die Zusagen bezĂŒglich der Einwerbung von Drittmitteln nicht hatte einhalten können, wurde die Beteiligung der Firma seitens der NASA im Oktober 2007 aufgekĂŒndigt.[20] Demonstrationsmissionen fĂŒr das COTS-Programm waren fĂŒr das Jahr 2008 und 2009 geplant.[21]

Besatzungen

Die Raumstation ist seit dem 2. November 2000 permanent besetzt. Die jeweiligen Langzeitbesatzungen tragen die Bezeichnung „ISS-Expedition“ und eine fortlaufende Zahl. ZunĂ€chst starteten jeweils drei Raumfahrer (Kommandant und zwei Bordingenieure) gemeinsam zur ISS, um fĂŒr sechs bis sieben Monate dort zu bleiben. Die Langzeitbesatzungen wurden anfangs jeweils durch Shuttle-Missionen ausgetauscht. Nach dem UnglĂŒck des Space Shuttles Columbia am 1. Februar 2003 standen die Space Shuttles lĂ€ngere Zeit nicht mehr fĂŒr die Versorgung der Station zur VerfĂŒgung. Die BesatzungsgrĂ¶ĂŸe wurde deshalb ab der ISS-Expedition 7 auf zwei Personen reduziert und der Crew-Austausch wurde auf Sojus-Raumschiffe umgestellt. Mit der Shuttle-Mission STS-121 wurde der Deutsche Thomas Reiter im Juli 2006 als erster ESA-Raumfahrer zu einem Langzeitaufenthalt auf die ISS gebracht. Damit hatte die Station wieder drei Besatzungsmitglieder. Seitdem wurden zwei Raumfahrer durch Sojus-Raumschiffe ausgewechselt, der Dritte wurde jeweils per Space Shuttle zur Station bzw. zurĂŒck zur Erde gebracht. Seit der RĂŒckkehr von Nicole Stott mit STS-129 wird der Mannschaftsaustausch ausschließlich ĂŒber Sojus-Raumschiffe abgewickelt.

Jeff Williams bei der Arbeit im Destiny-Labor

Mit der Ankunft von Sojus TMA-15 am 29. Mai 2009 begann die ISS-Expedition 20. Damit befanden sich erstmals sechs Besatzungsmitglieder dauerhaft auf der ISS und es standen entsprechend zwei Sojus-Raumschiffe fĂŒr eine eventuelle Evakuierung der Station zur VerfĂŒgung. Die NASA schĂ€tzt die Wahrscheinlichkeit fĂŒr eine Evakuierung innerhalb eines Zeitraumes von sechs Monaten mit 1:124 ab (2008). Eine Übersicht ĂŒber alle Langzeitbesatzungen gibt die Liste der ISS-Expeditionen.

Die ersten zwölf Expeditionen bestanden ausschließlich aus russischen und US-amerikanischen Raumfahrern. Seit ISS-Expedition 13 absolvierten auch einige Astronauten der ESA, JAXA und CSA einen Langzeitaufenthalt auf der ISS: Der Deutsche Thomas Reiter (fĂŒnfeinhalb Monate), der Franzose LĂ©opold Eyharts (eineinhalb Monate), die Japaner Kƍichi Wakata (viereinhalb Monate) und Sƍichi Noguchi (fĂŒnf Monate), der Belgier Frank De Winne (sechs Monate) und der Kanadier Robert Thirsk (ebenfalls sechs Monate).

Neben den Langzeitbesatzungen haben bereits zahlreiche andere Raumfahrer aus den verschiedensten Nationen die ISS besucht. WĂ€hrend ihr Sojus-Raumschiff bzw. das Space Shuttle an der ISS angekoppelt war, arbeiteten deren Besatzungen fĂŒr etwa ein bis zwei Wochen auf der ISS und kehrten anschließend zurĂŒck.

Insgesamt haben bereits 205 Personen die ISS besucht, davon absolvierten (bzw. absolvieren) 76 einen oder mehrere Langzeitaufenthalte. Sieben Besucher waren Weltraumtouristen, die sich fĂŒr je etwa zwanzig Millionen US-Dollar einen Flug mit einem Sojus-Raumschiff gekauft haben und sich jeweils ungefĂ€hr eine Woche auf der Station aufhielten, einer davon, Charles Simonyi, sogar bereits zwei Mal. Eine alphabetische Übersicht gibt die Liste der Raumfahrer auf der Internationalen Raumstation, eine chronologische Übersicht bietet die Liste bemannter Missionen zur Internationalen Raumstation.

Module

→ Hauptartikel: Liste der ISS-Module

GrundsĂ€tzlich unterscheidet man unter Druck stehende und nicht unter Druck stehende Module. SĂ€mtliche Module, die von den Astronauten zum Wohnen, Schlafen und zur Arbeit benutzt werden, stehen unter Druck, da Menschen im Vakuum nicht ĂŒberleben können. Das Lebenserhaltungssystem an Bord sorgt fĂŒr eine AtmosphĂ€re, die der irdischen entspricht (21 Prozent Sauerstoff, 78 Prozent Stickstoff, 1014 Hektopascal Druck). Zu den unter Druck stehenden Modulen zĂ€hlen zum Beispiel das US-amerikanische Destiny-Labor oder das russische Modul Sarja. Solarzellen oder Gitterstrukturen stehen nicht unter Druck.

Wohn- und Arbeitsmodule

Sarja
Sarja (russisch Đ—Đ°Ń€Ń fĂŒr „Morgenröte“) war das erste Modul der ISS. Es wurde von Russland gebaut und gestartet, aber von der NASA finanziert.[22] In der ersten Ausbaustufe stellte es Strom sowie die Möglichkeiten zur Navigation zur VerfĂŒgung. Heute wird es als Frachtmodul fĂŒr die Zwischenlagerung von AusrĂŒstungsteilen verwendet.
Unity
Der Unity-Verbindungsknoten (Node 1) (engl. fĂŒr Einigkeit, Eintracht) verbindet den russischen Teil ĂŒber einen Adapter mit dem Rest der Station und verfĂŒgt ĂŒber insgesamt sechs Kopplungsstutzen. Teilweise wird der Knoten auch als Stauraum fĂŒr Nahrungsmittel genutzt, wenn kurz nach der Ankunft von Progress-Frachtern im Sarja-Modul nicht ausreichend Platz ist.
Das Modul Destiny wÀhrend des Anbaus an die Station
Swesda
Swesda (russisch ЗĐČДзЎа fĂŒr „Stern“) ist das russische Wohn- und Servicemodul der Station. Es beinhaltet Steuereinrichtungen, Lebenserhaltungssysteme, hygienische Einrichtungen, KĂŒche, TrainingsgerĂ€te und mehrere Wohnkabinen. Am hinteren Kopplungsstutzen von Swesda docken Sojus-Raumschiffe und Progress-Frachter, sowie auch das europĂ€ische ATV an.
Destiny
Das Destiny-Modul (engl. fĂŒr Schicksal, Vorsehung) ist das US-amerikanische Labormodul der ISS. Es bietet insgesamt Platz fĂŒr 24 Racks, die fĂŒr Experimente, Steuerungseinheiten oder als Stauraum genutzt werden können. Im Labor werden Experimente auf den Gebieten Mikrogravitation, Lebenswissenschaften, Biologie, Ökologie, Erderkundung, Weltraumforschung und Technologie durchgefĂŒhrt.
Quest
Quest (engl. fĂŒr Streben, Suche) ist die US-amerikanische Luftschleuse der ISS. Sie ermöglicht das Verlassen der Station in US-amerikanischen RaumanzĂŒgen fĂŒr Wartungs- und Reparaturarbeiten außerhalb der ISS. In der Luftschleuse werden auch die US-amerikanischen RaumanzĂŒge sowie Werkzeuge fĂŒr den Außenbordeinsatz gelagert.
Pirs
Pirs (russisch Порс fĂŒr Pier) oder Docking Compartment (DC) ist die russische Luftschleuse. Sie wird fĂŒr Ausstiege in russischen Orlan-AnzĂŒgen benutzt. Im Gegensatz zu Quest kann Pirs jedoch auch als Kopplungsadapter fĂŒr anfliegende Sojus-Raumschiffe oder Progress-Frachter genutzt werden.
Columbus wird aus der Ladebucht der Atlantis gehievt.
Harmony
Harmony (Node 2) (engl. fĂŒr Harmonie, Eintracht) ist ein Verbindungsknoten, der am Destiny-Modul angedockt ist. Er bietet weitere Anschlussmöglichkeiten fĂŒr das Kibƍ-Modul, das Columbus-Modul sowie fĂŒr MPLM-Module bzw. HTV-Transporter. Es verfĂŒgt ĂŒber acht Racks, die zur Versorgung der Station mit Luft, ElektrizitĂ€t und Wasser dienen sowie andere lebensnotwendige Systeme enthalten oder als Stauraum fungieren.
Columbus
Columbus ist das europĂ€ische Labormodul der ISS. Es enthĂ€lt Platz fĂŒr insgesamt zehn Racks, die unter anderem fĂŒr Experimente der Material- und Biowissenschaften sowie der FlĂŒssigkeitsforschung genutzt werden sollen.
Die Kibƍ-Komponenten (Illustration)
Kibƍ
Der japanische Beitrag zur ISS heißt Kibƍ (japanisch fĂŒr „Hoffnung“). Das System besteht aus vier Modulen, die mit den Missionen STS-123, STS-124 und STS-127 ins All gebracht wurden.
  • Das Experiment Logistics Module (ELM) steht unter Druck und ist am Zenitpunkt von Kibƍ angekoppelt. Es kann jedoch mit Fracht gefĂŒllt werden und wie ein MPLM mit dem Space Shuttle zur Erde gebracht werden, wurde aber fĂŒr den stĂ€ndigen Aufenthalt im All an Kibƍ konzipiert.
  • Das Pressurized Module (PM); das unter Druck stehende Hauptmodul ist etwa so groß wie das US-amerikanische Destiny-Labor – es wiegt insgesamt knapp 16 Tonnen. Am Ende des Moduls befindet sich eine kleine Druckluke, um Experimente von der Plattform zu bergen oder dort anzubringen.
  • Das Remote Manipulator System (JEMRMS) ist der zehn Meter lange Roboterarm, mit dem Experimente auf die Plattform gebracht werden können oder von dort geborgen werden. Er besteht aus einem Hauptarm fĂŒr grĂ¶ĂŸere Massen und einem Spezialarm, der am großen Arm angedockt werden kann. Der Spezialarm kann nur kleine Massen bewegen, dies dafĂŒr aber mit einer sehr hohen Genauigkeit.
  • Das Exposed Facility (EF): s. u.
Poisk
Im November 2009 wurde das russische Kopplungsmodul Poisk (russisch ĐŸĐŸĐžŃĐș fĂŒr „Suche“, auch Mini-Research Module 2, kurz MRM2) mit einer Sojus-Rakete zur ISS gebracht. Poisk ist nahezu baugleich mit der Luftschleuse Pirs und wird diese ergĂ€nzen und voraussichtlich ab 2011 ersetzen. ZusĂ€tzlich wird Poisk auch fĂŒr externe wissenschaftliche Experimente verwendet, das Modul ist am Zenitdockingport von Swesda angekoppelt.[23]
Tranquility und Cupola an der ISS
Tranquility
Tranquility ist ein Verbindungsknoten, der am Unity-Verbindungsknoten angedockt ist. Er enthÀlt Systeme zur Wasser- und Luftaufbereitung, zusÀtzlichen Stauraum sowie Koppelungsstutzen zum Andocken von weiteren Modulen. Tranquility wurde zusammen mit der Aussichtsplattform Cupola im Februar 2010 mit der Shuttle-Mission STS-130 zur ISS gebracht.
Cupola
Cupola ist ein Aussichtsfenster mit einem Durchmesser von knapp 3 Metern und einer Höhe von 1,5 Meter. Cupola hat 6 große seitliche Fenster sowie ein großes Dachfenster mit 80 Zentimeter Durchmesser. Cupola wurde im Februar 2010 zur ISS gebracht und am Nadir-Dockingport Tranquilitys befestigt.
Rasswet
Rasswet (Docking Cargo Module oder Mini Research Module 1 - MRM1) wurde im Mai 2010 mit der Shuttle-Mission STS-132 zur ISS gebracht und an das Sarja-Modul angedockt. Dort stellt es einen Andockplatz fĂŒr Sojus- und Progress-Schiffe bereit, um die seit 2009 steigende Anzahl dieser Schiffe bedienen zu können.
Permanent Multipurpose Module (PMM)
Mit der Mission STS-133 wurde im Februar 2011 neben ELC-4 das modifizierte MPLM Leonardo[24] zur ISS gebracht und bleibt nun dauerhaft an der ISS.[25]

Nicht unter Druck stehende Module

ISS nach Installation des Elements S0
Integrated Truss Structure
Das eigentliche GerĂŒst der Station wird Integrated Truss Structure genannt. Es ist senkrecht zur Flugrichtung ausgerichtet und besteht aus elf Elementen. Die Elemente P1, P3/P4, P5 und P6 sind in Flugrichtung links angeordnet (von engl. portside ‚Backbord‘). Auf der rechten Seite („S“ wie engl. starboard ‚Steuerbord‘) werden die Elemente S1, S3/S4, S5 und S6 genannt. Das Element S0 liegt in der Mitte und ist ĂŒber das Destiny Labor mit dem bewohnten Teil der Station verbunden. Das P6-Element war das erste der vier großen US-amerikanischen Solarmodule und wurde zunĂ€chst oberhalb des Z1-Elements angebracht. Im Rahmen der STS-120-Mission wurde es an seiner endgĂŒltigen Position am P5-Element befestigt. Die Elemente P2 und S2 waren ursprĂŒnglich als Antriebelemente gedacht, wurden aber durch die russische Beteiligung an der Station ĂŒberflĂŒssig.
Solarmodule
Neben den kleineren Solarzellen an den russischen Modulen, die vor allem zu Baubeginn genutzt wurden, hat die ISS vier große Solarelemente. Diese sind an den Elementen P6 und P4 auf der linken bzw. S6 und S4 auf der rechten Seite angebracht. Die Elemente können um zwei Achsen gedreht werden, um immer optimal auf die Sonne ausgerichtet zu sein.
Heat Rejection System (HRS) und Photovoltaic Radiator (PVR)
ÜberschĂŒssige WĂ€rme wird ĂŒber Abstrahler abgefĂŒhrt. Dreireihige Abstrahler finden sich auf den zentralen Truss-Elementen S1 und P1. ZusĂ€tzlich gehört zu jedem Solarmodul ein kleinerer Abstrahler. Die Radiatoren bilden die logischen GegenstĂŒcke zu den Solarpanelen, die der Station Energie zufĂŒhren und verhindern damit einen Hitzestau in der Station.
Astronaut Steve Robinson wird wÀhrend der STS-114 vom Canadarm2 getragen.
Canadarm2
Der Roboterarm der Station wird (in Anlehnung an den Canadarm des Shuttles) Canadarm2 oder SSRMS (Space Station Remote Manipulator) genannt. Der Arm kann eine Masse von bis zu 100 Tonnen bewegen und wird vom Innern des Destiny-Labors aus gesteuert. Dazu stehen vier Kameras zur VerfĂŒgung – direkter Blickkontakt ist also nicht notwendig. Seit der Installation Cupolas kann der Roboterarm auch von dort aus bedient werden. Der Arm ist nicht an einer festen Stelle der Station montiert, sondern kann mit einem von mehreren Konnektoren, die ĂŒber die ganze Station verteilt sind, befestigt werden. Dazu hat der Arm an beiden Enden eine Greifmechanik. Zudem kann der Arm auf den Mobilen Transporter gesetzt und so auf Schienen die Gitterstruktur entlanggefahren werden.
Dextre
Dextre ist der Spitzname der „Roboterhand“, deren technische Bezeichnung Special Purpose Dexterous Manipulator (SPDM) lautet. Das mit zwei Armen und HĂ€nden ausgestattete Element kann als EndstĂŒck fĂŒr den Roboterarm der Station genutzt werden, ist aber auch davon unabhĂ€ngig einsetzbar. Dextre verfĂŒgt ĂŒber sehr viele Gelenke und Vorrichtungen, zum Beispiel ausfahrbare InbusschlĂŒssel. Damit können auch komplexere Arbeiten außerhalb der Station ohne die Hilfe der Astronauten vorgenommen werden.
Rasswet (Vordergrund) und Pirs mit den seitlich angebrachten KrÀnen Strelas sowie angedocktem Progress-Frachter
Strela
Strela bezeichnet zwei KrĂ€ne russischer Bauart, die am Modul Pirs befestigt sind und im Rahmen von AußenbordeinsĂ€tzen fĂŒr Materialtransporte und zum Transport von Raumfahrern benutzt werden. Mit rund 18 Metern Reichweite ist Strela in der Lage, einen Großteil des russischen Segmentes der Station zu erreichen.
Exposed Facility (EF)
Eine Plattform fĂŒr Experimente im freien Weltraum. Sie gehört zum japanischen System Kibƍ, ist an der Stirnseite des Pressurized Module befestigt und kann mit einer recht großen Zahl von Experimenten bestĂŒckt werden. Die Plattform wurde im Juli 2009 mit der Shuttle-Mission STS-127 zur Station gebracht.
Expedite the Processing of Experiments to the Space Station (EXPRESS) Logistics Carrier
Die EXPRESS Logistics Carrier (ELC) bieten zusÀtzliche ExperimentierflÀche im luftleeren Raum. Die Module ELC-1 und ELC-2 wurden mit der Shuttle-Mission STS-129 im November 2009 und ELC-4 mit STS-133 Ende Februar 2011 an der ISS installiert. ELC-3 wurde im Mai 2011 mit der Mission STS-134 angebracht. ELC-5 wurde zu Gunsten des MRM1 abgesagt.
Alpha-Magnet-Spektrometer (AMS)
Das Alpha-Magnet-Spektrometer-Experiment (AMS) ist die Bezeichnung fĂŒr einen modernen Teilchendetektor zur Untersuchung der kosmischen Höhenstrahlung, der am 19. Mai 2011 mit STS-134 an der ISS angebracht wurde.
Enhanced International Space Station Boom Assembly
Der Ausleger des Orbiter Boom Sensor Systems der Endeavour wurde bei der Mission STS-134 permanent auf der ISS deponiert.[26] Dazu mussten einige Modifikationen am OBSS vorgenommen werden u. a. bei einer Greifkupplung, um sie zum Roboterarm der Station kompatibel zu machen. Die NĂŒtzlichkeit des VerlĂ€ngerungsarms hat sich z. B. bei der Reparatur des P6-Sonnenkollektors wĂ€hrend der Mission STS-120 erwiesen.

ZukĂŒnftige Module

2013

European Robotic Arm (ERA)
Der European Robotic Arm ist Ă€hnlich wie Canadarm2 ein Roboterarm. Er verfĂŒgt im Gegensatz zum Canadarm2 jedoch ĂŒber Greifmechanismen, die fĂŒr den russischen Teil der ISS ausgelegt sind. Der Arm hat eine LĂ€nge von ĂŒber 11 m und kann bei einer Eigenmasse von 630 kg mit einer Genauigkeit von unter 5 mm etwa 8 Tonnen Nutzlast positionieren. Der European Robotic Arm soll die Einsatzzeit bei Außenarbeiten (EVA) verringern und verschiedene Aufgaben halb- und vollautomatisch durchfĂŒhren.
Nauka
Das russische Labormodul Nauka (MLM, russisch ĐœĐœĐŸĐłĐŸŃ†Đ”Đ»Đ”ĐČĐŸĐč Đ»Đ°Đ±ĐŸŃ€Đ°Ń‚ĐŸŃ€ĐœŃ‹Đč ĐŒĐŸĐŽŃƒĐ»ŃŒ - МЛМ fĂŒr Mehrzweck-Labor-Modul) soll 2013 (ursprĂŒnglich geplant Ende 2011) mit einer Proton-M-Rakete zusammen mit dem European Robotic Arm zur ISS gebracht werden.[27][28][29] Das Modul soll sowohl Platz fĂŒr wissenschaftliche Experimente bieten, als auch LagerrĂ€ume und RĂ€ume fĂŒr die Mannschaft enthalten. Es soll außerdem ĂŒber Triebwerksysteme verfĂŒgen, die zur Lagekorrektur der Station eingesetzt werden können. An der Außenseite werden das ESA-Manipulatorsystem European Robotic Arm (ERA), ein Radiator und eine Experimentierschleuse montiert.

2013-2015

ATLAS
Dockingadapter fĂŒr das Low Impact Docking System (LIDS), das vom Orion-Raumschiff verwendet werden soll. Der Start ist derzeit fĂŒr 2013 oder 2014 an Bord des japanischen HTVs vorgesehen.[30]
UM, NEM 1 & 2
Aufgrund der vertraglichen VerlĂ€ngerung der Betriebsdauer der Internationalen Raumstation bis mindestens 2020 plant Russland die Erweiterung seines Segments bis 2015 um drei weitere Module, die ursprĂŒnglich fĂŒr die nĂ€chste Generation von Raumstationen entwickelt werden. Im Januar 2011 wurden Bau und Start eines kugelförmigen Verbindungsmoduls genehmigt, welches 2012 oder 2013 ins All gelangen soll. Ihm sollen zwei große Forschungsmodule folgen, die ĂŒber weitere Solarzellenpaneele zur Energieversorgung verfĂŒgen.

Gestrichene Module und Projekte

Habitation Module
Das Habitation Module sollte ein etwa zehn Meter langes Modul sein, das nur zum Wohnen gedacht war. Zu ihm gehörten vier Schlafecken, eine Dusche sowie eine KĂŒchennische. Das Modul wurde u. A. mit der BegrĂŒndung nicht fertiggestellt, es sei fĂŒr eine etwa siebenköpfige Crew ausgelegt gewesen, durch die Nichtrealisierung des Crew Return Vehicle, das als Rettungsfahrzeug fĂŒr sieben Personen genutzt werden sollte, könnten aber niemals sieben Personen auf der ISS dauerhaft leben. Allerdings halten sich aktuell trotzdem immerhin sechs Personen dauerhaft auf der ISS auf; dies mit zwei dreisitzigen Sojus-Landekapseln als Notevakuierungssysteme. Insofern wĂ€re das Habitation Module dennoch sehr gut brauchbar gewesen. Die treibende Kraft bei der Einstellungsentscheidung dĂŒrften also wohl vor allem KostenerwĂ€gungen gewesen sein.
Research Modules
Die Research Modules sollten einen großen Teil des russischen Labortraktes ausmachen. Zu den Forschungsgebieten gehörten Geowissenschaft, Astronomie, Biologie und Medizin. In den ersten Planungen war von drei Modulen die Rede, 1998 gab es nur noch zwei Module, die jedoch in den PlĂ€nen von September 2001 ebenfalls fehlten. Mittlerweile sollen zwei große Forschungsmodule einer neuen Generation gebaut und bis etwa 2015 Teil der ISS werden.
Science Power Platform
Die Science Power Platform (SPP) sollte Strom fĂŒr die russischen Komponenten liefern. ZusĂ€tzlich sollte sie mit SteuerdĂŒsen ausgestattet werden, die die Umlaufbahn der ISS korrigieren sollten. Das russische System sollte mit der Mission STS-138 an der ISS andocken. Es wurde gestrichen, da weitere Module ebenfalls nicht realisiert werden sollten und somit die Energie der großen US-amerikanischen SolarzellenflĂ€chen völlig ausreicht. Der druckbeaufschlagte Teil wurde spĂ€ter zum Miniforschungsmodul Rasswet umgebaut und gelangte 2010 zur Station.
Centrifuge Accommodations Module
Das Centrifuge Accommodations Module CAM sollte regelbare Schwerkraft fĂŒr Experimente zur VerfĂŒgung stellen. Das Modul hĂ€tte zum US-amerikanischen Segment der Station gehört, wurde jedoch von Japan im Gegenzug fĂŒr den Transport des Kibƍ-Moduls zur ISS gebaut. Wegen fehlender Mittel wird dieses Modul von der NASA aber nicht mehr zur ISS gebracht.
Der Rettungsgleiter X-38 wÀhrend eines Testfluges
Crew Return Vehicle (X-38)
Die X-38 ist ein flĂŒgelloser Lifting Body (Auftriebskörper), der im Notfall die Evakuierung der Internationalen Raumstation ermöglichen sollte. Der Gleiter bietet Platz fĂŒr sieben Personen und ist mit einer Antriebseinheit zum Verlassen der Umlaufbahn ausgestattet. Es war geplant, dass stĂ€ndig ein solches Crew Return Vehicle (zu deutsch: Mannschafts-RĂŒckkehrfahrzeug) an der ISS angedockt ist. Wegen zu hoher Kosten wurde die Entwicklung des X-38 jedoch 2002 eingestellt. Die Evakuierungmöglichkeit wird zum jetzigen Zeitpunkt durch die Sojus-Raumschiffe sichergestellt. Nach dem Erhöhen der Besatzung auf sechs Personen sind es zwei solcher Raumschiffe. Weil eine Sojus-Landekapsel maximal drei Personen befördern kann, wird die ISS die ursprĂŒnglich geplante BesatzungsstĂ€rke von sieben Raumfahrern nicht erreichen können. Die offizielle Bezeichnung fĂŒr den Prototyp des Fahrzeuges, der mehrmals in der AtmosphĂ€re geflogen ist, lautet zwar X-38, oft spricht man jedoch einfach von dem „Crew Return Vehicle“, obwohl diese Bezeichnung auch allgemein fĂŒr Rettungsfahrzeuge dieser Art verwendet wird.

Energieversorgung

Ein Solarelement der ISS in der Nahaufnahme

Die Stromversorgung der Raumstation geschieht ausschließlich ĂŒber Sonnenenergie. Der US-amerikanische Teil der ISS verfĂŒgt ĂŒber 16 Solarpaneele. Diese sind in acht sogenannten Photovoltaic Modules (PVMs) zu je zwei Elementen zusammengefasst, die durch Rotationsgelenke auf die Sonne ausgerichtet werden. An beiden Enden des „RĂŒckgrats“ der ISS befinden sich jeweils zwei Module; auf der Backbordseite sind es die mit P4 und P6 bezeichneten Elemente und an Steuerbord S4 und S6.

Die acht Solarelemente arbeiten unabhĂ€ngig voneinander. WĂ€hrend ein Teil des Stroms zur Speicherung in die Akkumulatoren (Nickel-Wasserstoff-Zellen) geleitet wird, geht der andere Teil direkt zu den zahlreichen Verbrauchern. Dazu wird der Strom ĂŒber vier MBSU-Verteiler (Main Bus Switching Units) geleitet. Um eine gleichmĂ€ĂŸige Energieversorgung auf der gesamten Station zu gewĂ€hrleisten, kann eine MBSU ĂŒber Kreuzschaltungen mit jeder anderen MBSU verbunden werden.

Zwei Paneele speisen einen Verteiler, der die Stromleitungen splittet und vier Leitungen ausgibt, die die Energie in DDCU-Gleichstromrichtern (Direct current–to–Direct Current Converter Units) herunterregeln. Anschließend wird die elektrische Energie durch ein verzweigtes Leitungsnetz an jedes Element des US-amerikanisch basierten Teils der ISS verteilt. Die Sonnenkollektoren erzeugen eine Spannung von 160 Volt (Primary Power), die Verbraucher auf dem US-Teil der Station arbeiten jedoch mit 124 Volt Gleichspannung (Secondary Power) und einige GerĂ€te auch mit 28 Volt.

ROSSA.jpg

Der russische Teil der Station verfĂŒgt ĂŒber mehrere Solarzellenpaneele, die klassisch direkt an den grĂ¶ĂŸeren Modulen befestigt sind. Sie sind nur um eine Achse drehbar. Die Sonnenenergie des russischen Teils der Raumstation wird in Nickel-Cadmium-Akkus gespeichert, wobei alle GerĂ€te mit 28 Volt Gleichspannung arbeiten. Über Konverter kann elektrische Energie zwischen den US-amerikanischen und russischen Systemen ausgetauscht werden.

Die Ausrichtung der Solarelemente hat einen relativ hohen Einfluss auf den Luftwiderstand der Station. Durch den Nachtgleitmodus kann der Widerstand im Mittel um 30 % reduziert werden und pro Jahr etwa 1000 kg Treibstoff eingespart werden.

KĂŒhlung

Abstrahler und Solarpanel

ÜberschĂŒssige Hitze von bis zu 106,8 kW kann ĂŒber das KĂŒhlsystem in den Weltraum abgegeben werden. Dazu dienen zwei Arten von Radiatorengruppen:

  • Das zentrale Heat Rejection System (HRS) mit zwei dreireihigen KĂŒhlgruppen befindet sich auf den zentralen Strukturen S1 und P1. Jede KĂŒhlgruppe strahlt maximal 35 kW ĂŒber die 24 Kacheln auf einer GesamtflĂ€che von 22 m × 10 m ab und hat eine Masse von 3,7 Tonnen.
  • Die Photovoltaic Radiators (PVR) befinden sich zusĂ€tzlich zu den Solarzellen auf den Elementen P4, P6, S4 und S6. Sie strahlen je 9 kW ĂŒber sieben Kacheln auf einer FlĂ€che von 13 m × 3,4 m ab und haben eine Masse von 0,8 Tonnen.

Beide Typen wurden bei Lockheed-Martin hergestellt[31] und zusammengefaltet mit dem Space Shuttle in den Weltraum gebracht. Als KĂ€ltemittel dient flĂŒssiges Ammoniak.

Bei russischen Modulen sind WĂ€rmetauscher und Radiatoren ĂŒberwiegend in die Modulstruktur integriert.

DatenĂŒbertragung

Die DatenĂŒbertragung und der Sprechfunkverkehr mit dem Kontrollzentrum erfolgt fĂŒr den US-amerikanischen Teil der Station ĂŒber das TDRS-Netz ĂŒber S-Band (192 kbps) und Ku-Band (bis 300 Mbps). Die Kommunikation mit Astronauten wĂ€hrend AußenbordeinsĂ€tzen sowie dem Shuttle wird ĂŒber ein UHF-System hergestellt.

Der russische Teil der Station benutzt ĂŒberwiegend direkte Funkverbindungen zu Bodenstationen oder Systeme des US-amerikanischen Segments, um mit dem russischen Kontrollzentrum in Moskau zu kommunizieren. In Zukunft soll das dem TDRS Ă€hnliche Lutsch-Netz wieder installiert werden. Die Starts der drei Satelliten sind fĂŒr 2011 bis 2013 geplant.

Kosten

Wie viel das Projekt insgesamt kosten wird, ist umstritten. Nachdem die NASA beim Anfangsbetrag von 40 Milliarden US-Dollar diverse Korrekturen nach oben vornehmen musste, gibt sie heute keine neuen KostenschĂ€tzungen mehr heraus. Nach Angaben der ESA werden sich die Gesamtkosten auf etwa 100 Milliarden Euro belaufen. Darin enthalten sind Entwicklung, Aufbau und die ersten zehn Jahre der Nutzung. 8 Milliarden Euro davon entfallen auf die LĂ€nder der ESA.[32] 41 Prozent der europĂ€ischen Kosten werden von Deutschland getragen. Die Schweiz trĂ€gt 2,5 Prozent und Österreich weniger als 0,4 Prozent.[33]

NASA (Vereinigte Staaten von Amerika)

Das NASA-Budget fĂŒr 2007[34] vermerkt Kosten fĂŒr die ISS (exklusive der Shuttle-Kosten, die einen separaten Posten bilden) in Höhe von 25,6 Milliarden Dollar fĂŒr die Jahre 1994 bis 2005. FĂŒr 2005 und 2006 wurden 1,7 respektive 1,8 Milliarden Dollar bereitgestellt. Der jĂ€hrliche NASA-Beitrag wird bis 2010 auf wahrscheinlich 2,3 Milliarden Dollar ansteigen und von da an auf diesem Niveau bleiben, bis 2017 das kalkulierte Ende des Programms eintritt.

Verteilung des Budgets der NASA 2004–2020

Die 1,8 Milliarden Dollar des Budgets von 2005 verteilen sich wie folgt:[35]

  • Entwicklung neuer Hardware: In diesem Segment wurden lediglich 70 Millionen Dollar bereitgestellt, um Navigationssysteme oder Datenverarbeitung voranzutreiben.
  • Spacecraft Operations: Insgesamt 800 Millionen Dollar entfallen auf diesen Bereich, die sich in je 125 Millionen fĂŒr die Bereiche Software, Außensysteme sowie Logistik und Wartung aufteilen. 150 Millionen wurden fĂŒr FlĂŒge, Avionik und Crewsysteme ausgegeben, die restlichen 250 Millionen waren fĂŒr allgemeinen ISS-Betrieb.
  • Launch and Mission operations: Obwohl die ShuttleflĂŒge nicht Teil des ISS-Budgets sind, tauchen „mission and mission integration“ mit 300 Millionen Dollar, medizinische Leistungen mit 25 Millionen und Shuttle-Startvorbereitungen mit 125 Millionen in den Kosten auf.
  • Operations Program Integration: 350 Millionen Dollar gab die NASA fĂŒr Erhalt und Bereitstellung von Flug- und Bodenhard- und -software in den USA aus, um die IntegritĂ€t des ISS-Designs und den sicheren Betrieb zu garantieren.
  • ISS Fracht/Crew: In diesem Bereich wurden lediglich 140 Millionen Dollar fĂŒr den Kauf von Nachschub, Fracht und CrewausrĂŒstung von Sojus- und Progress-FlĂŒgen bereitgestellt.

Wenn die Projektionen der NASA ĂŒber jĂ€hrlich 2,5 Milliarden Dollar zwischen 2011 und 2016 zutreffen und 2017 wie geplant der Betrieb eingestellt werden wĂŒrde, wĂŒrden sich die Gesamtkosten seit dem Beginn des Programms 1993 auf 53 Milliarden Dollar aufsummiert haben. Die 33 Shuttle-FlĂŒge fĂŒr die Konstruktion und die Versorgung der Raumstation werden weitere 35 Milliarden Dollar gekostet haben. Zusammen mit den Vorarbeiten der NASA beim Design fĂŒr die geplanten, aber nie realisierten VorlĂ€uferstationen der ISS kann davon ausgegangen werden, dass allein die NASA nĂ€herungsweise 100 Milliarden Dollar fĂŒr die Internationale Raumstation ausgegeben haben wird.

ESA (Europa)

Die ESA kalkuliert ihren Beitrag ĂŒber die 30-jĂ€hrige Gesamtdauer des Projekts mit 8 Milliarden Euro. Die Kosten fĂŒr die Entwicklung des Columbus-Moduls betrugen knapp 1 Milliarde (in dieser Höhe zum Teil hervorgerufen durch viele Änderungen und aufgezwungene Managementstrukturen). Der weitaus grĂ¶ĂŸere Teil der Kosten wird fĂŒr die operative Phase benötigt (Betrieb des europĂ€ischen Bodenzentrums, Fertigung/Lagerhaltung fĂŒr Ersatzteile, Mietkosten fĂŒr DatenĂŒbertragungsstrecken usw).

Die Entwicklung des ATV kostete inklusive des ersten Starts von Jules Verne 1,35 Milliarden Euro. Die vier weiteren geplanten Flugexemplare sind mit 875 Millionen Euro gĂŒnstiger, da die Entwicklungskosten nun wegfallen. Da jeder Flug einer Ariane-5-Rakete wenigstens 125 Millionen Euro kostet, sind fĂŒr ATV-FlĂŒge Kosten in Höhe von 2,85 Milliarden Euro zu erwarten.

ATV-Kosten fĂŒr die FlĂŒge werden zum Teil mit der NASA, fĂŒr die durch Columbus anfallenden Nutzungskosten der Stationsressourcen, verrechnet.

JAXA (Japan)

Das Kibƍ-Laboratorium hat bereits 2,8 Milliarden Dollar gekostet. Hinzu kommen die jĂ€hrlichen Betriebsausgaben des Moduls im Bereich zwischen 350 und 400 Millionen Dollar.

Roskosmos (Russland)

Ein erheblicher Betrag des Budgets der russischen Weltraumbehörde Roskosmos wird fĂŒr die ISS aufgewendet. Seit 1998 fĂŒhrte Roskosmos ĂŒber zwei Dutzend Sojus- und Progress-FlĂŒge durch, das primĂ€re Vehikel fĂŒr Crew- und Transportmissionen. Die Gesamtkosten sind schwierig abzuschĂ€tzen. Die bereits in der Umlaufbahn befindlichen russischen Module sind Nachkömmlinge des Mir-Designs, so dass die Entwicklungskosten hierfĂŒr immerhin sehr viel niedriger als bei vielen anderen Bestandteilen des Projektes sind.

CSA (Kanada)

Kanada, dessen Hauptbeitrag zur Internationalen Raumstation das Modul Canadarm2 ist, beziffert seine Kosten fĂŒr das Projekt ĂŒber die vergangenen 20 Jahre mit 1,4 Milliarden Kanadischen Dollar.[36] Neben dem Canadarm2 hat die kanadische Raumfahrtagentur (CSA) auch das Special Purpose Dexterous Manipulator (SPDM, dt. geschickte Arbeitsvorrichtung fĂŒr Sonderzwecke) als weiteren Beitrag zur Internationalen Raumstation entwickeln lassen. Das SPDM wurde am 18. MĂ€rz 2008 an der ISS montiert.

Funkname

Der Funkname lautete lange Zeit Station. WĂ€hrend der ISS-Expedition 14 begann jedoch der Astronaut Lopez-Alegria mit der Verwendung des Namens Alpha (in Anlehnung an die US-amerikanische Bezeichnung der Station wĂ€hrend der frĂŒhen Planungsphase), was dann von Houston und anderen Astronauten ĂŒbernommen wurde. Nach seinem Aufenthalt auf der Station kehrte man aber zum alten Rufnamen Station zurĂŒck, unter anderem auch, weil fĂŒr die russische Seite die ISS nicht die erste Raumstation ist. Mittlerweile entscheidet der jeweilige ISS-Kommandant ĂŒber den zu nutzenden Funknamen am Anfang einer Expedition (zumeist Station).

Zeitrechnung

Im Gegensatz zu zeitlich begrenzten RaumflĂŒgen, auf denen die Zeit gemĂ€ĂŸ Mission Elapsed Time (MET) gemessen wird, werden fĂŒr die Raumstation alle Zeiten in Koordinierter Weltzeit (UTC) angegeben. Zur Anpassung an die Hauptarbeitszeiten in den Kontrollzentren wird der Tagesablauf aber hĂ€ufig dagegen verschoben. FĂŒr die Öffentlichkeitsarbeit in Zusammenhang mit der ISS verwendet die NASA eine Mischung aus Zeitangaben in Pacific (PST/PDT), Central (CST/CDT) und Eastern Time (EST/EDT).

Beobachtung der Station von der Erde aus

Langzeitbelichtetes Foto (20 s) der ISS von der Erde aus (scheinbare Helligkeit von −4,5 mag)
ISS mit angedocktem Shuttle durch ein 8-Zoll-Newton-Teleskop fotografiert

Die ISS erreicht eine scheinbare Helligkeit von bis zu etwa −5 mag,[37] das heißt, sie erscheint bei gĂŒnstiger Phase, und wenn sie nahe am Zenit vorbeizieht, von der Erde aus etwa 25-mal heller als der hellste Stern namens Sirius mit −1,44 mag (zum Vergleich: Die Venus, der hellste Planet, kann bis zu −4,7 mag hell werden).

Mit den weiteren Modulen, die in Zukunft noch angedockt werden, erhöht sich die reflektierende FlÀche der Station, so dass die ISS noch etwas höhere Helligkeitsklassen erreicht.

Die ISS ist jeweils periodisch zu bestimmten Zeiten im Jahr von Mitteleuropa aus am Himmel zu sehen: zunĂ€chst wĂ€hrend zwei bis drei Wochen nahezu tĂ€glich in der MorgendĂ€mmerung, dann, nach einigen Tagen (hier abhĂ€ngig von der Jahreszeit) Pause, zwei bis drei Wochen in der AbenddĂ€mmerung. Nach knapp zwei Monaten wiederholt sich diese Abfolge. Die genauen Zeitpunkte fĂŒr eine optimale Sicht sowie u. a. die jeweilige Himmelsrichtung des Auftauchens sind online abrufbar (siehe Weblinks: Heavens-Above, calsky oder Orbitron).

Unter optimalen Sichtbedingungen ist die noch mehrere tausend Kilometer entfernte ISS bereits am Horizont sichtbar. Beim Überflug ist die nur wenige hundert Kilometer entfernte ISS ohne Hilfsmittel als zĂŒgig vorbeiziehender sehr heller Punkt auszumachen. Durch die fehlenden Positionslichter kann sie nicht mit einem Flugzeug verwechselt werden. Bei gĂŒnstiger DĂ€mmerungsphase kann der Überflug bis zu sechs Minuten lang verfolgt werden, bis die ISS in den Erdschatten eintaucht.

Die Beobachtung mit einem Teleskop ist ausgesprochen schwierig. Die Achsklemmungen der Montierung mĂŒssen gelöst sein und das Teleskop muss per Hand nachgefĂŒhrt werden. Zur Beobachtung empfiehlt sich eine geringe VergrĂ¶ĂŸerung (großes Gesichtsfeld) sowie ein Überflug der ISS im Zenit (geringste Entfernung zum Teleskop).

SpektakulĂ€r sind vor allem Beobachtungen bei VorbeiflĂŒgen oder Querungen in der NĂ€he des Mondes[38] oder vor der Sonne.[39]

Forschungsprojekte auf der ISS

→ Hauptartikel: Forschung auf der ISS

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Internationale Raumstation â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wikinews Wikinews: Portal:Internationale Raumstation â€“ in den Nachrichten

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c Aktuelle Flughöhe
  2. ↑ anomalistische Umlaufzeit: 91,4887 Minuten, drakonitische Umlaufzeit: 91,4269 Minuten.Gerhard Dangl: ISS - Sichtbarkeitstabelle 22. Juli 2009 bis 25. Juli 2009. Abgerufen am 5. August 2009. – Dort auch die vollstĂ€ndigen Bahnelemente
  3. ↑ www.nasa.gov – Zeit in Sekunden und MissionsĂŒbersicht
  4. ↑ ISS Height Profile. Abgerufen am 20. Juni 2011.
  5. ↑ ISS-PartnerlĂ€nder verlĂ€ngern Betriebszeit der Raumstation. RIA Novosti, 5. Februar 2009, abgerufen am 6. Februar 2009.
  6. ↑ ISS Intergovernmental Agreement. European Space Agency (ESA), 19. April 2009, abgerufen am 19. April 2009.
  7. ↑ NASA Signs International Space Station Agreement With Brazil. NASA, 14. Oktober 1997, abgerufen am 18. Januar 2009.
  8. ↑ China baut erstes Modul fĂŒr Raumstation. Spiegel Online, 18. August 2010, abgerufen am 18. August 2010.
  9. ↑ South Korea, India to begin ISS partnership talks in 2010. 19. Juni 2010, abgerufen am 14. Oktober 2009.
  10. ↑ RP Online: Freedom – Alpha – ISS
  11. ↑ Video der NASA zum modularen Aufbau der ISS
  12. ↑ NASA: ISS Manifest, 17. August 2010 (englisch)
  13. ↑ International Space Station, NSSDC ID: 1998-067A. NSSDC, abgerufen am 8. Dezember 2008 (englisch).
  14. ↑ Internationale Raumstation soll nach 2020 im Meer versenkt werden. AFP, 27. Juli 2011, abgerufen am 13. MĂ€rz 2012.
  15. ↑ ISS End-of-Life Disposal Plan. NASA, Oktober 2010, abgerufen am 13. MĂ€rz 2012 (PDF, englisch).
  16. ↑ NASA: Mission Control Answers Your Questions - Explaining the solar beta angle and how this affects the ISS (englisch)
  17. ↑ Raumfahrer.net: Multi Purpose Logistics Module (MPLM), 25. August 2003
  18. ↑ http://www.esa.int/SPECIALS/ATV/SEMUASGY50H_0.html
  19. ↑ JAXA: H-II Transfer Vehicle, 26. Juni 2006 (englisch)
  20. ↑ NASA: NASA to Open New Competition for Space Transportation Seed Money (18. Oktober 2007, englisch)
  21. ↑ NASA: Commercial Crew & Cargo Program Overview, 11. Januar 2007 (PDF, 1 MB, englisch)
  22. ↑ NASA: Zarya Module
  23. ↑ Stephen Clark: Poisk module adds room to International Space Station. Spaceflight Now, 12. November 2009, abgerufen am 12. November 2009 (englisch).
  24. ↑ Stephen Clark: Logistics module to be modified for new mission. Spaceflight Now, 6. Dezember 2009, abgerufen am 25. Dezember 2009 (englisch).
  25. ↑ Chris Gebhardt: STS-133 refined to a five crew, one EVA mission – will leave MPLM on ISS. NASASpaceflight.com, 4. August 2009, abgerufen am 15. September 2009 (englisch).
  26. ↑ Chris Bergin: NASA approve funding to leave OBSS permanently on the ISS. NASAspaceflight.com, 27. Januar 2009, abgerufen am 17. August 2010 (englisch).
  27. ↑ NASA's Consolidated Launch Schedule. NASA, 8. MĂ€rz 2012, abgerufen am 13. MĂ€rz 2012 (englisch).
  28. ↑ Kommersant: ISS to Have 3 New Modules of Russia by 2011 (englisch)
  29. ↑ RIA Novosti: Russland ergĂ€nzt sein ISS-Segment mit drei Modulen
  30. ↑ Chris Gebhardt: Constellation Reviews Progress of LIDS Docking System for Orion. NASASpaceflight.com, 28. September 2009, abgerufen am 29. September 2009 (englisch).
  31. ↑ Lockheed Martin: Heat Rejection Radiators (HRS)
  32. ↑ ESA: How much does it cost?, 9. August 2005 (englisch)
  33. ↑ ESA contributing to the development of the ISS,April 2010
  34. ↑ NASA: FY 2007 Budget Request, Februar 2006 (PDF-Format, 660 KB, englisch)
  35. ↑ NASA: International Space Station Major Events FY 2005, Januar 2004 (PDF-Format, 403 KB, englisch)
  36. ↑ CSA: International Space Station facts and figures, Januar 2005 (englisch)
  37. ↑ Calsky: Satellitenbeobachtung von der Erde aus
  38. ↑ ISS „neben“ dem Mond
  39. ↑ ISS „quert“ die Sonne
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