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Das Internet (von englisch interconnected network), kurz das Netz, ist ein weltweites Netzwerk, bestehend aus vielen Rechnernetzwerken, durch das Daten ausgetauscht werden. Es ermöglicht die Nutzung von Internetdiensten wie E-Mail, Telnet, Usenet, DateiĂŒbertragung, WWW und in letzter Zeit zunehmend auch Telefonie, Radio und Fernsehen. Im Prinzip kann dabei jeder Rechner weltweit mit jedem anderen Rechner verbunden werden. Der Datenaustausch zwischen den einzelnen Internet-Rechnern erfolgt ĂŒber die technisch normierten Internetprotokolle. Die Technik des Internets wird durch die RFCs der Internet Engineering Task Force (IETF) beschrieben. Umgangssprachlich wird âInternetâ hĂ€ufig synonym zum World Wide Web verwendet, da dieses einer der meistgenutzten Internetdienste ist und wesentlich zum Wachstum und der PopularitĂ€t des Mediums beigetragen hat. Im Gegensatz dazu sind andere Mediendienste wie Telefonie, Fernsehen und Radio erst kĂŒrzlich ĂŒber das Internet erreichbar geworden und haben parallel dazu ihre ursprĂŒngliche Verbreitungstechnik.[1] Das Internet hat durch seine neuartige Technik und Verwendung eine eigene Sprachlichkeit hervorgebracht.
Inhaltsverzeichnis |
Der Begriff âInternetâ ist ein Anglizismus, der sich aus der ursprĂŒnglich rein fachbezogenen Benutzung im Rahmen der gesellschaftlichen Durchdringung unverĂ€ndert in der Alltagssprache als Eigenname zusammen mit der Kurzform Netz etabliert hat. Er wurde aus der Beschreibung âInterconnected Networksâ, also âmit-/untereinander verbundene Netzwerkeâ, auch âZusammengeschaltete Netzwerkeâ, gebildet, da das Internet aus einem Zusammenschluss zahlreicher Teilnetze mittels der technischen Standards des sehr dezentral strukturierten ARPANETs entstand.
Sprachkritiker, wie beispielsweise verschiedene Sprachvereine verwenden selber fĂŒr Internet deutsche Synonyme wie Weltnetz, Zwischennetz oder Internetz. Obwohl seit Mitte der 1990er Jahre bekannt, sind diese Synonyme zwar in diversen sprachkritischen Publikationen zu finden[2], haben aber in der Alltagssprache keine praktische Bedeutung erlangt.[3] Weder Weltnetz[4] noch Zwischennetz[5] sind â im Gegensatz zu Internet â bis heute in den Duden (24. Auflage) aufgenommen worden. Eine besondere Verbreitung findet der Begriff Weltnetz in rechtsextremen Kreisen.[6][7]
Der Begriff Internet kann auch nach den Methoden der wissenschaftlichen Definitionslehre definiert werden. Danach handelt es sich beim Internet um ein Kommunikationsmittel, das durch die weltweite VerknĂŒpfung von Computern zwecks Austausch von Text-, Bild-, Musik- und Videodateien gekennzeichnet ist.
Das Internet ging aus dem im Jahr 1969 entstandenen ARPANET hervor, einem Projekt der Advanced Research Project Agency (ARPA) des US-Verteidigungsministeriums. Es wurde zur Vernetzung von UniversitÀten und Forschungseinrichtungen benutzt. Ziel des Projekts war zunÀchst, die knappen RechenkapazitÀten sinnvoll zu nutzen, erst in den USA, spÀter weltweit. Die anfÀngliche Verbreitung des Internets ist eng mit der Entwicklung des Betriebssystems Unix verbunden. Nachdem das Arpanet im Jahr 1982 TCP/IP adaptierte, begann sich auch der Name Internet durchzusetzen.
Nach einer weit verbreiteten Legende bestand das ursprĂŒngliche Ziel des Projektes vor dem Hintergrund des Kalten Krieges in der Schaffung eines verteilten Kommunikationssystems, um im Falle eines Atomkrieges eine störungsfreie Kommunikation zu ermöglichen.[8][9] In Wirklichkeit wurden vorwiegend zivile Projekte gefördert, auch wenn die ersten Knoten von der ARPA finanziert wurden.
Die wichtigste Applikation in den AnfĂ€ngen war die E-Mail. Bereits im Jahr 1971 ĂŒberstieg das Gesamtvolumen des E-Mail-Verkehrs das Datenvolumen, das ĂŒber die anderen Protokolle des Arpanet, Telnet und FTP, abgewickelt wurde. Im Jahr 1990 beschloss die US-amerikanische National Science Foundation, das Internet fĂŒr kommerzielle Zwecke nutzbar zu machen, wodurch es ĂŒber die UniversitĂ€ten hinaus öffentlich zugĂ€nglich wurde. Tim Berners-Lee entwickelte um das Jahr 1989 am CERN die Grundlagen des World Wide Web. Am 6. August 1991 machte er dieses Projekt eines Hypertext-Dienstes im Internet mit einem Beitrag zur Newsgroup alt.hypertext öffentlich und weltweit verfĂŒgbar.[10]
Rasanten Auftrieb erhielt das Internet seit dem Jahr 1993, als der erste grafikfĂ€hige Webbrowser namens Mosaic veröffentlicht und zum kostenlosen Download angeboten wurde, der die Darstellung von Inhalten des WWW ermöglichte. SchlieĂlich konnten auch Amateure auf das Netz zugreifen, was mit der wachsenden Zahl von Nutzern zu vielen kommerziellen Angeboten im Netz fĂŒhrte. Der Webbrowser wird deswegen auch als die âKillerapplikationâ des Internets bezeichnet. Das Internet ist ein wesentlicher Katalysator der Digitalen Revolution.
Neue Techniken verĂ€ndern das Internet und ziehen neue Benutzerkreise an: IP-Telefonie, Groupware wie Wikis, Blogs, BreitbandzugĂ€nge (zum Beispiel fĂŒr Vlogs und Video-on-Demand), Peer-to-Peer-Vernetzung (vor allem fĂŒr File Sharing) und Online-Spiele (z. B. Rollenspiele oder Taktikshooter).
Das rasante Wachstum des Internets sowie UnzulĂ€nglichkeiten[11] fĂŒr immer anspruchsvollere Anwendungen bringen es jedoch möglicherweise in Zukunft an seine Grenzen[12], so dass inzwischen Forschungsinitiativen begonnen haben, das Internet der Zukunft zu entwickeln.
Das Internet gilt bei vielen Experten als eine der gröĂten VerĂ€nderungen des Informationswesens seit der Erfindung des Buchdruckes mit groĂen Auswirkungen auf diverse Bereiche des alltĂ€glichen Lebens.
Schon Anfang der 1980er Jahre waren Mailbox-Netze entstanden, basierend auf DatenfernĂŒbertragung ĂŒber das Telefonnetz oder auf Netzen wie Datex-P. Diese Technik blieb aber Experten vorbehalten, wie auch der Zugang zu weltweiten TCP/IP-Netzen lange Zeit nur ĂŒber UniversitĂ€ten möglich war. Erst mit kommerziellen Verbreitung der Internet E-Mail Anfang der 1990er und durchgreifend dann mit dem World Wide Web etablierte sich das Internet seit Mitte der 1990er Jahre zunehmend als Standard fĂŒr die Verbreitung von Informationen jeder Art.
Waren dies in der Anfangszeit vor allem Kommunikation per E-Mail und der Selbstdarstellung von Personen und Firmen, folgte im Zuge der New Economy zum Ende des letzten Jahrtausends der Online-Handel. Mit steigenden DatenĂŒbertragungsraten und sinkenden Preisen und nicht zuletzt durch die VerfĂŒgbarkeit von DSL-Flatrates dient es auch der Verbreitung gröĂerer Datenmengen. Hiermit verbunden sind vor allem massenhafte Urheberrechtsverletzungen, deren BekĂ€mpfung heute einen GroĂteil der Internet-Gesetzgebung ausmachen.
Eine zunehmende Bedeutung erhĂ€lt auch der Online-Journalismus, der heute zu einem groĂen Konkurrenten der klassischen Medienlandschaft geworden ist. Aktuell sehen Beobachter zudem einen Wandel des Nutzers vom âsurfendenâ (passiven) Medienkonsumenten zum aktiven User Generated Content-Autor, der sich zu vielerlei Themen in Online-Communitys mit Gleichgesinnten vernetzt, die die klassische, bisher eher techniklastige Netzkultur ergĂ€nzt. Ărtlich bedingte Grenzen sind im Internet völlig aufgehoben und werden durch themenbezogene Gruppen ersetzt. Durch die Vielzahl der Informationsquellen stellt der sinnvolle Umgang mit dem Internet gröĂere Anforderungen an die Medienkompetenz der Benutzer als klassische Medien.
Das Internet wird hĂ€ufig in politischen Kontexten als rechtsfreier Raum bezeichnet, da nationale Gesetze durch die internationale Struktur des Netzes und durch AnonymitĂ€t als schwer durchsetzbar angesehen werden. Bei Anwendungen wie E-Mail zeigt sich, dass die Technik auf das PhĂ€nomen des Spam ĂŒberhaupt nicht vorbereitet ist. Dienste wie MySpace oder Facebook sollen den Aufbau Sozialer Netzwerke ermöglichen; Funktionen wie Instant Messaging erlauben online nahezu verzögerungsfreie Kommunikation. Mit der steigenden Verbreitung des Internets wird in den Medien der Begriff Internetsucht immer wieder thematisiert, der wissenschaftlich jedoch umstritten ist. Ob und wann die exzessive Nutzung des Internets einen âschĂ€dlichen Gebrauchâ oder Missbrauch darstellt und zur AbhĂ€ngigkeit fĂŒhrt, wird in verschiedenen Studien aktuell untersucht.
Staatliche Stellen hatten lange Zeit von der Funktion des Internets wenig Kenntnisse und wenig Erfahrung mit der Anwendung der Gesetze. Bis zur New Economy-Entwicklung ab dem Jahr 1998 war zudem die Bedeutung des Internets seitens der Politik unterschĂ€tzt worden. Dies Ă€nderte sich erst danach, Gesetze wurden angepasst und die Rechtsprechung hat eine Reihe von Unsicherheiten zumindest de jure beseitigt. Der zunehmende Einfluss des Staates wird dabei teils als Steigerung der Rechtssicherheit begrĂŒĂt, teils als Fortschreiten in Richtung auf einen Ăberwachungsstaat kritisiert, etwa durch das am 1. Januar 2008 in Kraft getretene Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung, das am 3. MĂ€rz 2010 vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig eingestuft wurde. Auch international wird die Kontrolle des Internets durch den Staat aufmerksam beobachtet, etwa beim Internet in der Volksrepublik China.
Die EU-Kommission plante 1998 die Erstellung einer globalen Internet-Charta. Die Regeln sollten zuerst von den TeilnehmerlĂ€ndern und von Vertretern der Industrie und der Verbraucher innerhalb der EU besprochen werden und dann auf einer internationalen Konferenz als Grundlage einer Beratung dienen. Die Regelungen sollten nicht rechtsgĂŒltig verpflichtend sein, sondern nur als Leitlinie dienen. Vorgeschlagene Themenbereiche waren Sicherheit, Datenschutz und die VerschlĂŒsselung. Dies solle internationale GeschĂ€fte erleichtern.[13]
Das Internet besteht aus Netzwerken unterschiedlicher administrativer Verwaltung, welche zusammengeschaltet werden. Darunter sind hauptsÀchlich:
Physikalisch besteht das Internet im Kernbereich (in den Backbone-Netzwerken) sowohl kontinental als auch interkontinental hauptsĂ€chlich aus Glasfaserkabeln, die durch Router zu einem Netz verbunden sind. Glasfaserkabel bieten eine enorme ĂbertragungskapazitĂ€t und wurden vor einigen Jahren zahlreich sowohl als Land- als auch als Seekabel in Erwartung sehr groĂen Datenverkehr-Wachstums verlegt. Da sich die physikalisch mögliche Ăbertragungsrate pro Faserpaar mit fortschrittlicher Lichteinspeisetechnik (DWDM) aber immens vergröĂerte, besitzt das Internet hier zur Zeit teilweise ĂberkapazitĂ€ten. SchĂ€tzungen zufolge wurden im Jahr 2005 nur etwa 3 % der zwischen europĂ€ischen oder US-amerikanischen StĂ€dten verlegten Glasfasern benutzt[14]. Auch Satelliten und Richtfunkstrecken sind in die globale Internet-Struktur eingebunden, haben jedoch einen geringen Anteil.
Auf der sogenannten letzten Meile, also bei den HausanschlĂŒssen, werden die Daten oft auf Kupferleitungen von Telefon- oder FernsehanschlĂŒssen und vermehrt auch ĂŒber Funk, mittels WLAN oder UMTS, ĂŒbertragen. Glasfasern bis zum Haus (FTTH) sind in Deutschland noch nicht sehr weit verbreitet. Privatpersonen greifen auf das Internet entweder ĂŒber einen Schmalbandanschluss, zum Beispiel per Modem oder ISDN (siehe auch Internet by Call), oder ĂŒber einen Breitbandzugang, zum Beispiel mit DSL, Kabelmodem oder UMTS, eines Internetproviders zu. Firmen oder staatliche Einrichtungen sind hĂ€ufig per Standleitung auf Kupfer- oder Glasfaserbasis mit dem Internet verbunden, wobei Techniken wie KanalbĂŒndelung, ATM, SDH oder - immer hĂ€ufiger - Ethernet in allen Geschwindigkeitsvarianten zum Einsatz kommen.
In privaten Haushalten werden oft Computer zum Abrufen von Diensten ans Internet angeschlossen, die selbst wenige oder keine solche Dienste fĂŒr andere Teilnehmer bereitstellen und welche nicht dauerhaft erreichbar sind. Solche Rechner werden als Client-Rechner bezeichnet. Server dagegen sind Rechner, welche in erster Linie Internetdienste bereitstellen. Sie stehen meistens in sogenannten Rechenzentren, sind dort schnell angebunden und die klimatisierten RĂ€umlichkeiten sind gegen Strom- und Netzwerkausfall sowie Einbruch und Brand gesichert. Peer-to-Peer-Anwendungen versetzen auch obige Client-Rechner in die Lage zeitweilig selbst Dienste anzubieten, die sie bei anderen Rechnern dieses Verbunds abrufen und so wird hier die strenge Unterscheidung des Client-Server-Modells aufgelöst.
An Internet-Knoten werden viele verschiedene Backbone-Netzwerke ĂŒber leistungsstarke Verbindungen und GerĂ€te (Router und Switches) miteinander verbunden. Darauf wird der Austausch von Erreichbarkeitsinformationen zwischen jeweils zwei Netzen vertraglich und technisch als Peering, also auf der Basis von Gegenseitigkeit organisiert und somit der Datenaustausch ermöglicht. Am DE-CIX in Frankfurt am Main, dem gröĂten deutschen Austauschpunkt dieser Art, sind beispielsweise mehr als hundert Netzwerke zusammengeschaltet. Eine solche Ăbergabe von Datenverkehr zwischen getrennten administrativen Bereichen, sogenannten autonomen Systemen, kann auch an jedem anderen Ort geschaltet werden, es ist meist jedoch wirtschaftlich sinnvoller, dies gebĂŒndelt an Internet-Knoten vorzunehmen. Da in der Regel ein autonomes System, wie z. B. ein Internetprovider, nicht alle anderen auf diese Art erreichen kann, benötigt es selbst mindestens einen Provider, der den verbleibenden Datenverkehr gegen Bezahlung zustellt. Dieser Vorgang ist technisch dem Peering Ă€hnlich, nur stellt der sog. Upstream- oder Transitprovider dem Kunden alle im Internet verfĂŒgbaren Erreichbarkeitsinformationen zur VerfĂŒgung, auch diejenigen, bei denen er selbst fĂŒr die Zustellung des zu ihnen fĂŒhrenden Datenverkehrs bezahlen muss. Es gibt derzeit neun sehr groĂe, sogenannte Tier-1-Provider, die ihren gesamten Datenverkehr auf Gegenseitigkeit abwickeln oder an ihre Kunden zustellen können, ohne einen Upstreamprovider zu benötigen.
Da das Arpanet als dezentrales Netzwerk möglichst ausfallsicher sein sollte, wurde schon bei der Planung beachtet, dass es keinen Zentralrechner sowie keinen Ort geben sollte, an dem alle Verbindungen zusammenlaufen. Diese DezentralitĂ€t wurde jedoch auf der politischen Ebene des Internets nicht eingehalten. Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), ist die hierarchisch höchste Organisation zustĂ€ndig fĂŒr die Vergabe von IP-Adressen, die Koordination des Domain Name Systems (DNS) und der dafĂŒr nötigen Root-Nameserver-Infrastruktur, sowie die Festlegung anderer Parameter der Internetprotokollfamilie, welche weltweite Eindeutigkeit verlangen. Sie untersteht wenigstens indirekt dem Einfluss des US-Wirtschaftsministeriums. Um diesen Einfluss zumindest auf das DNS einzugrenzen, wurde das in erster Linie europĂ€ische Open Root Server Network aufgebaut, das jedoch mit dem Jahresende 2008 aus nachlassendem Interesse wieder abgeschaltet wurde.[15][16]
Die netzartige Struktur sowie die HeterogenitĂ€t des Internets tragen zu einer hohen Ausfallsicherheit bei. FĂŒr die Kommunikation zwischen zwei Nutzern existieren meistens mehrere mögliche Wege ĂŒber Router mit verschiedenen Betriebssystemen und erst bei der tatsĂ€chlichen DatenĂŒbertragung wird entschieden, welcher benutzt wird. Dabei können zwei hintereinander versandte Datenpakete, beziehungsweise eine Anfrage und die Antwort, je nach Auslastung und VerfĂŒgbarkeit verschiedene Pfade durchlaufen. Deshalb hat der Ausfall einer physikalischen Verbindung im Kernbereich des Internets meistens keine schwerwiegenden Auswirkungen, ein Ausfall der einzigen Verbindung auf der letzten Meile lĂ€sst sich jedoch nicht ausgleichen. Im Bereich der Katastrophenforschung werden flĂ€chendeckende MissbrĂ€uche oder AusfĂ€lle des Internets, sog. D-Gefahren, sehr ernst genommen.
Das Internet basiert auf der Internetprotokollfamilie, welche die Adressierung und den Datenaustausch zwischen verschiedenen Computern und Netzwerken in Form von offenen Standards regelt. Das Protokoll, in welchem die weltweit eindeutige Adressierung von angebundenen Rechnern festgelegt und benutzt wird, heiĂt Internetprotokoll (IP). Die Kommunikation damit geschieht nicht verbindungsorientiert, wie ein Telefonat, sondern paketorientiert. Das heiĂt, dass die zu ĂŒbertragenden Daten in IP-Paketen einer GröĂe von bis zu ca. 65.000 Byte, meist aber nur 1500 Byte, ĂŒbermittelt werden, welche jeweils IP-Adressen als Absende- und Zielinformation beinhalten. Der EmpfĂ€nger setzt die Daten aus den Paketinhalten, auch Nutzdaten genannt, in festgelegter Reihenfolge wieder zusammen.
Die Netzwerkprotokolle sind je nach Aufgabe verschiedenen Schichten zugeordnet, wobei Protokolle höherer Schicht samt Nutzdaten in den Nutzdaten niederer Schichten transportiert werden. Die Standards und Protokolle des Internets werden in RFCs beschrieben und festgelegt. Ein groĂer Vorteil des Internetprotokolls ist, dass die PaketĂŒbertragung unabhĂ€ngig von der Wahl der verwendeten Betriebssysteme und unabhĂ€ngig von den Netzwerktechniken der Protokollschichten unterhalb von IP geschehen kann, so wie ein 40-FuĂ-ISO-Container im GĂŒterverkehr nacheinander per Schiff, Bahn oder Lastwagen transportiert werden kann, um an sein Ziel zu gelangen.
Um einen bestimmten Computer ansprechen zu können, identifiziert ihn das Internetprotokoll mit einer eindeutigen IP-Adresse. Dabei handelt es sich bei der heute ĂŒblichen Version IPv4 um 4 Byte (32 Bit), die als 4 Dezimalzahlen im Bereich von 0 bis 255 durch einen Punkt getrennt angegeben werden, beispielsweise 66.230.200.100. Bei der neuen Version IPv6 sind dies 16 Byte (128 Bit), die als 8 durch Doppelpunkt getrennte Blöcke aus je 4 hexadezimalen Ziffern angegeben werden, z. B. 2001:0db8:85a3:08d3:1319:8a2e:0370:7344. Man kann sich diese Adressen wie Telefonnummern fĂŒr Computer mit dem Domain Name System (DNS) als automatischem Telefonbuch vorstellen.
Das DNS ist ein wichtiger Teil der Internet-Infrastruktur. Es ist eine ĂŒber viele administrative Bereiche verteilte, hierarchisch strukturierte Datenbank, die einen Ăbersetzungsmechanismus zur VerfĂŒgung stellt: Ein fĂŒr Menschen gut merkbarer DomĂ€nenname (zum Beispiel âwikipedia.deâ) kann in eine IP-Adresse ĂŒbersetzt werden und umgekehrt. Dies geschieht â vom Nutzer unbemerkt â immer dann, wenn er etwa im Webbrowser auf einen neuen Hyperlink klickt oder direkt eine Webadresse eingibt. Der Browser fragt dann zuerst mittels IP-Paket einen ihm bekannten DNS-Server nach der IP-Adresse des fremden Namens und tauscht dann IP-Pakete mit dieser Adresse aus, um die Inhalte der dort angebotenen Dienste wie beispielsweise Webseiten abzurufen. Zum Ermitteln der IP-Adresse befragt oft der DNS-Server selbst der Hierarchie folgend andere DNS-Server. Die Wurzel der Hierarchie, welche in den Namen durch die Punkte erkennbar wird, bilden die Root-Nameserver. So wird also das Erreichen der erwĂ€hnten Dienste mit IP-Paketen ermöglicht, durch die den Anwendern erst ein Nutzen aus dem Internet entsteht. Auch das DNS selbst ist genau genommen schon ein solcher, wenn auch sehr grundlegender Dienst, ohne den die Nutzer zum Verbinden mit anderen Rechnern IP-Adressen statt Namen angeben mĂŒssten.
Im Kernbereich des Internets mĂŒssen die IP-Pakete durch ein weit verzweigtes Netz. Die Verzweigungsstellen sind Router, welche ĂŒber den kĂŒrzesten Weg zur Ziel-IP-Adresse des Paketes entscheiden. Sie verwenden dazu Routingtabellen, die ĂŒber Routingprotokolle automatisch erstellt und aktuell gehalten werden, so wird automatisch auf ausgefallene Verbindungen reagiert. In Routingtabellen werden mehrere mögliche Ziel-IP-Adressen mit Hilfe von Netzmasken, bei IPv6 spricht man von PrĂ€fixlĂ€ngen, zu Zielnetzen zusammengefasst und diesen wird jeweils ein Ausgang des Routers, zum Beispiel in Form der Sprungadresse zum nĂ€chsten Router (Next Hop IP Address), zum Weiterleiten zugeordnet. Zwischen autonomen Systemen geschieht der Austausch dieser Erreichbarkeitsinformationen heute ausschlieĂlich ĂŒber das Border Gateway Protocol, innerhalb eines autonomen Systems stehen viele andere Routingprotokolle zu VerfĂŒgung. FĂŒr Computer und Router, die nicht im Kernbereich des Internets stehen, reicht eine statische, nicht durch Routingprotokolle erzeugte, Routingtabelle aus. Diese enthĂ€lt dann eine Default-Route, oft auch Standard- oder Default-Gateway genannt, welche fĂŒr alle Zielnetze, die nicht anders eingetragen sind, in Richtung des Kernbereichs des Internets weist, Ă€hnlich dem französischen Wegweiser âToutes Directionsâ (Alle Richtungen) im StraĂenverkehr. Die Router im Kernbereich verwalten zurzeit Routingtabellen mit bis zu 360.000 Zielnetzen fĂŒr IPv4 und 5500 fĂŒr IPv6.[17]
In den Nutzdaten des Internetprotokolls werden abhĂ€ngig vom verwendeten Dienst immer noch Protokolle höherer Schichten (wie TCP oder UDP) ĂŒbertragen, so wie ein ISO-Container im GĂŒterverkehr Postpakete beinhalten kann, in denen wiederum GĂŒter eingepackt sind. Die meisten Webseiten benutzen, aufbauend auf TCP, das Hypertext Transfer Protocol (HTTP) und das Hypertext Transfer Protocol Secure (HTTPS) fĂŒr verschlĂŒsselte Seiten. E-Mails benutzen das Simple Mail Transfer Protocol (SMTP), ebenfalls aufbauend auf TCP, das DNS wird dagegen weitgehend mittels UDP abgewickelt.
Bei IPv4 erhalten oft viele Arbeitsplatzrechner in dem Netzwerk einer Firma oder Organisation private IP-Adressen, die bei nach auĂen gerichteter Kommunikation per Network Address Translation (NAT) auf wenige öffentliche, global eindeutige, IP-Adressen ĂŒbersetzt werden. Auf diese Rechner kann aus dem Internet nicht direkt zugegriffen werden, was meistens zwar aus SicherheitsgrĂŒnden erwĂŒnscht ist (siehe auch: Firewall), aber auch offensichtliche Nachteile hat. FĂŒr IPv6 stehen erheblich mehr öffentliche Adressen zur VerfĂŒgung, so kann laut RFC 4864 auf NAT verzichtet werden und es ist freier wĂ€hlbar, wie die Filterung des Datenverkehrs erfolgen soll.
Der Strombedarf in den Privathaushalten fĂŒr die Nutzung des Internets ist in den letzten Jahren erheblich angestiegen und wird seriösen SchĂ€tzungen zufolge auch in den nĂ€chsten Jahren weiter steigen. Im Jahr 2003 wurden in Deutschland etwa 6,8 Milliarden Kilowattstunden elektrischer Strom fĂŒr den Betrieb des Internets benötigt, fĂŒr das Jahr 2010 gehen SchĂ€tzungen von einem Energiebedarf des Internets von 31,3 Milliarden Kilowattstunden nur in Deutschland aus. BerĂŒcksichtigt wurden sowohl die EndgerĂ€te von Privathaushalt und Gewerbe sowie der Energieaufwand zur Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur des Internets an Serverstandorten. Nicht in diese Rechnung eingegangen ist der Energiebedarf von Serverstandorten im Ausland.[18] Am Stromverbrauch eines Privathaushaltes ist die Nutzung des Internets zu einem groĂen Teil beteiligt.
FĂŒr das Jahr 2005 wird weltweit von einem Energieverbrauch von 123 Milliarden Kilowattstunden nur fĂŒr den Betrieb der Infrastruktur fĂŒr das Internet ausgegangen. UnberĂŒcksichtigt bleiben nach dieser Studie die GerĂ€te der Endverbraucher.[19] Aufgrund der stetigen VergröĂerung des Netzes auch in den EntwicklungslĂ€ndern ist mit einem weiteren Anstieg des Verbrauches zu rechnen, derzeit werden etwa 0,8 % der weltweiten Stromerzeugung fĂŒr den Betrieb des Internets benötigt.[20]
Ohne kryptologische Signierung ist im Internet in der Regel nicht beweisbar, dass ein bestimmtes Datenpaket eingetroffen ist. Wenn man aber davon ausgeht, dass der Kommunikationsvorgang im betroffenen Abschnitt des Internets in keiner Weise gestört ist, könnte man mit einem vertrauenswĂŒrdigen Rechner ein Beweisprotokoll anlegen, ohne, dass die Ăbertragung signiert sein mĂŒsste.
Digitale Signaturen sind Bitfolgen, die als Anhang einer Nachricht gesendet werden. Die Nachricht muss dabei nicht unbedingt verschlĂŒsselt sein, aber auf jeden Fall einen klar definierten Start- und Endpunkt haben. Mittels eines bekannten öffentlichen SchlĂŒssels kann dann ĂŒberprĂŒft werden, ob die Nachricht mit dem zugehörigen privaten SchlĂŒssel signiert wurde. Zwar kann ein Sender beispielsweise mittels TCP ACK-Flag einfach prĂŒfen, ob ein Paket angekommen sein sollte. Die Information ist aber einfach fĂ€lschbar, wenn sie nicht signiert ist. Daher kann bei einem Datenpaket im Fall der unsignierten Ăbertragung zwar einfach gezeigt werden, dass der Inhalt dieses Pakets bekannt ist, falls der EmpfĂ€nger den betroffenen Inhalt offenbart, allerdings nicht der technische Vorgang bewiesen werden, dass das Datenpaket ĂŒber das Internet von einem bestimmten Absender zu einem bestimmten EmpfĂ€nger ĂŒbertragen wurde.
Im Jahr 2012 belĂ€uft sich das Datenaufkommen im festverkabelten, öffentlich zugĂ€nglichen, Internet auf mehr als 26,7 Exabyte (1 Exabyte = 1 Mrd. Gigabyte) pro Monat, was einem tĂ€glichen Datenaufkommen von annĂ€hernd einem Exabyte entspricht. Die Datenmenge von einem Exabyte ist vergleichbar mit der mehr als 2500-fachen Datenmenge aller BĂŒcher, die jemals in jeder Sprache auf der Welt geschrieben wurden.[21] Das mobile Datenaufkommen (Datenaustausch ĂŒber Mobilfunknetze) belĂ€uft sich im Jahr 2012 auf ĂŒber 1,1 Exabyte Daten monatlich.
Bis zum Jahr 2015 wird das Datenaufkommen im festverkabelten Internet voraussichtlich auf annĂ€hernd 60 Exabyte pro Monat wachsen. Im mobilen Internet wird ein Datenaufkommen von mehr als 6,2 Exabyte monatlich prognostiziert. Der gröĂte Anteil der ĂŒbertragenen Daten (ĂŒber 50%) wird hierbei von Videodiensten (Video-on-Demand) ausgemacht. [22]
| Land | Anteil der Internetnutzer |
|---|---|
| Island | 91 % |
| Norwegen | 87 % |
| DĂ€nemark | 83 % |
| Niederlande | 82 % |
| Finnland / Luxemburg | 81 % |
| Schweden | 80 % |
| Schweiz | 79 % |
| Ăsterreich | 74 % |
| England / Estland | 69 % |
| Deutschland / Slowenien | 66 % |
| Spanien | 46 % |
| Italien | 41 % |
| Russland | 26 % |
| Ukraine | 15 % |
Dieser Abschnitt behandelt den Zugang zum Internet unter demographischen Aspekten; ein separater Artikel behandelt technische Prinzipien und Varianten des Internetzugangs.
Die Anzahl der Teilnehmer oder angeschlossenen GerĂ€te im Internet ist nicht exakt bestimmbar, da Nutzer mit unterschiedlichen technischen GerĂ€ten (PC, MobilgerĂ€te) ĂŒber verschiedene Anschlusstechniken kurzfristig Teil des Internets werden und dieses auch wieder verlassen. Laut IWS hatten im MĂ€rz 2007 etwa 16,9 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zum Internet.[23] Laut EITO nutzen Anfang 2008 1,23 Milliarden Menschen das Internet.[24] In der EU nutzen Anfang 2008 mehr als die HĂ€lfte (51 Prozent) der 500 Millionen EU-BĂŒrger regelmĂ€Ăig das Internet, wobei 40 Prozent das Internet gar nicht benutzen. In Europa gibt es starke Unterschiede bei den regelmĂ€Ăigen Internetbenutzern: siehe Tabelle. 80 Prozent der Haushalte mit Internetanschluss verfĂŒgen ĂŒber einen Breitbandzugang.[25] In den USA sind es bereits 75 Prozent, skandinavische LĂ€nder 70 Prozent, osteuropĂ€ische Staaten teilweise bei 14 Prozent. Besonders verbreitet ist das Internet in Estland, da Estland per Gesetz den kostenlosen Zugang ins Internet garantiert.
In China hatten nach dem Report ĂŒber die Entwicklung des Internets Mitte 2007 162 Millionen Menschen einen Internetzugang, davon besaĂen 122 Millionen einen Breitbandanschluss.[26] Bei jungen EuropĂ€ern verdrĂ€ngt das Internet das Fernsehen und andere traditionelle Medien.[27] US-Amerikaner nutzen als Nachrichtenquellen vorwiegend (48 Prozent) das Internet.[28]
Datei:2011-05-12 Cornelia Rogall-Grothe Bundesinnenministerium.ogg Etwa 60 Prozent aller Deutschen nutzen regelmĂ€Ăig das Internet, Tendenz steigend um 2 bis 3 Prozent jĂ€hrlich. In etwa 75 Prozent der deutschen Haushalte stehen PCs mit Internetanschluss, die jedoch mehr von jungen Menschen als von alten Menschen genutzt werden. In Deutschland verfĂŒgen ungefĂ€hr 68 Prozent der Erwachsenen ĂŒber einen Internetanschluss.[29] Etwa 80 Prozent der deutschen Jugendlichen (10-13 Jahre) nutzen das Internet.[30] Neben alten Menschen nutzen in Deutschland auch sozial Schwache und Arbeitslose das Internet weniger[31][32] (siehe auch Digitale Kluft). In Deutschland verfĂŒgen ca. 60 Prozent der Internetnutzer ĂŒber einen Breitbandzugang.[33] In der Schweiz verfĂŒgen im Jahr 2006 67 Prozent der Bevölkerung ĂŒber einen privaten Internetzugang.[34]
Deutsche besuchen statistisch gesehen regelmĂ€Ăig acht Internet-Seiten. (MĂ€nner: durchschnittlich 9,4; Frauen: 6,4 Seiten / 14- bis 19-jĂ€hrige: 5,8; 30 bis 39 Jahre alte: 9,1 Seiten). Die Jungen nutzen bevorzugt Unterhaltungsangebote.[35] Die deutschen MĂ€nner sind im Durchschnitt 1,3 Stunden am Tag online, bei den deutschen Frauen sind es durchschnittlich 0,8 Stunden.[36]
Dieser Abschnitt behandelt die parallele Nutzung von Internet und Fernsehen.
Inzwischen nutzen immer mehr EuropĂ€er Fernsehen und Internet gleichzeitig. Eine Studie von Anfang 2010, basierend auf der Forschung der EIAA Mediascope Studie, besagt, dass bereits 70 % der Fernsehzuschauer gleichzeitig surfen. 75 % der Briten und DĂ€nen sowie 73 % der Deutschen und 71 % der Belgier nutzen mindestens einmal pro Woche beide Medien gleichzeitig. Die Umfrage hat auĂerdem ergeben, dass jeder Zweite nach Kontakt mit einer TV-Werbung im Internet danach surft.[37]
Das Internet hat eine eigene Art der Schriftlichkeit hervorgebracht. Ebenso haben soziale Netzwerke zur Entwicklung einer eigenen Netzkultur mit verschiedenen sprachlichen AusprÀgungen beigetragen.
Das Internet eignet sich dafĂŒr, ĂŒber zeitliche und rĂ€umliche Distanzen hinweg schriftlich zu kommunizieren. Es vereint dabei multimediale Aspekte und integriert diese in seine Schriftlichkeit (z. B. Emoticons â Symbole, die sich bewegen und bestimmte GefĂŒhlszustĂ€nde darstellen sollen). AuĂerdem unterliegt es einer bestĂ€ndigen Metamorphose und hat keinen Anspruch auf endgĂŒltigen Werkscharakter. Die Texte im Internet sind kodiert, somit immateriell und exteriorial. Die schriftlichen Produkte im Internet lassen sich schnell verĂ€ndern und verlangen die Bereitschaft, sich bestĂ€ndig auf Neues einzustellen.
Im Internet wird Literatur zur VerfĂŒgung gestellt und Literatur geschrieben. So entstanden etwa literarische Gattungen wie Digitale Poesie, Weblogs oder kollaboratives Schreiben im Netz. Literarische Produktion im Internet folgt anderen Kriterien als herkömmliche Literatur und Textproduktion. Literatur im Internet ist von Aspekten der Technik, Ăsthetik und Kommunikation geprĂ€gt. So haben beispielsweise Neal Stephenson und sein Team mit dem Schreiben eines Romans (âThe Mongoliadâ) im Internet begonnen, bei dem eine Community von Autoren interaktiv mitschreibt. Neben dem eigentlichen Text gibt es eine eigene E-Publishing-Plattform (âSubutaiâ) mit Videos, Bildern, einer Art Wikipedia und einem Diskussionsforum zum Roman.