|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Ionentauscher oder Ionenaustauscher sind Materialien, mit denen gelöste Ionen durch andere Ionen gleicher Ladung (d. h. positiv oder negativ) ersetzt werden können; es findet ein Ionentausch statt. Ionentauscher kommen als SĂ€ulen, die mit einem Ionenaustauschermaterial gefĂŒllt sind, oder als Membranen in den Handel und werden von der zu behandelnden Lösung durchströmt. Die auszutauschenden Ionen werden am Ionenaustauschermaterial gebunden, das seinerseits dafĂŒr eine Ă€quivalente Stoffmenge von vorher gebundenen Ionen in die Lösung abgibt. Beispielsweise kann ein Kationen-Ionenaustauscher Calcium-Kationen, die im normalen Leitungswasser gelöst sind gegen Natrium-Kationen, die an den Ionenaustauscher gebunden sind, austauschen. Solche Kationen-Ionenaustauscher sind auch in GeschirrspĂŒlern vorhanden. In ihnen wird fĂŒr die SpĂŒlvorgĂ€nge Wasser benötigt, das von Calcium-Kationen frei ist, die sonst zur Bildung von Kalkflecken fĂŒhren wĂŒrden. Wenn dieser Kationen-Austauscher erschöpft und vollstĂ€ndig mit Calcium-Kationen abgesĂ€ttigt ist, muss er regeneriert werden. Das geschieht dadurch, dass man die gebundenen Calcium-Kationen durch das Angebot einer möglichst hoch konzentrierten Lösung von Natriumchlorid (Kochsalz) wieder verdrĂ€ngt. Man bezeichnet diesen Vorgang als Regeneration eines Austauschers.
Eine natĂŒrliche Bedeutung haben Kationen-Ionenaustauscher vor allem fĂŒr die KationenaustauschkapazitĂ€t im Boden. Sie sorgen dafĂŒr, dass Kationen fĂŒr die Pflanzen verfĂŒgbar bleiben und nicht durch den Regen ausgewaschen werden. FĂŒr die Altlastensanierung von GewĂ€ssern und Böden können spezielle Kationen-Austauscher hergestellt werden, die in der Lage sind, ganz gezielt bestimmte Schwermetallkationen aus GewĂ€ssern und Böden zu entfernen.
Inhaltsverzeichnis |
Die Menschen nutzten das Prinzip der Ionenaustauscher lange bevor die chemischen HintergrĂŒnde verstanden wurden.
Im Zweiten Buch Mose findet sich ein Hinweis auf die wohl Ă€lteste ErwĂ€hnung des Ionenaustauschprozesses. Es wird auf die ĂberfĂŒhrung von bitterem in trinkbares Wasser durch Einlegen von alten BaumstĂ€mmen hingewiesen. Verrottete Zellulose ist ein guter Austauscher fĂŒr Magnesium-Ionen.[1]
Da kamen sie nach Mara; aber sie konnten das Wasser von Mara nicht trinken, denn es war sehr bitter. Daher nannte man den Ort Mara. Da murrte das Volk wider Mose und sprach: Was sollen wir trinken? Er schrie zu dem Herrn, und der Herr zeigte ihm ein Holz; das warf er ins Wasser, da wurde es sĂŒĂ. (Ex 15,23-25 EU)
Die ersten in der Technik gezielt verwendeten Ionenaustauscher waren Alumosilikate, die reversibel Erdalkali- und Alkaliionen aus einer Lösung aufnehmen bzw. abgeben können. NatĂŒrliche Austauscher dieses Typs sind z. B. bestimmte Vulkanaschen. Die ersten kĂŒnstlichen Alumosilikate wurden als PermutitÂź Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt und fĂŒr die EnthĂ€rtung von WĂ€ssern verwendet.
Weitere Entwicklungen waren schwach saure Ionenaustauscher auf Basis von speziellen Kohlen und schwach basische Ionenaustauscher auf Basis von Phenolharzen. Alle diese Ă€lteren Austauschtypen waren mechanisch gebrochene und nach bestimmten KorngröĂen gesiebte Granulate. Mit der Entwicklung der Phenolharze konnten spĂ€ter kugelförmige Harze direkt gewonnen werden. Mit stark basischen Ionenaustauscher wurde es möglich, auch Silikate aus dem Rohwasser zu entfernen. Heutige Austauschharze basieren ĂŒberwiegend auf Polystyrol und Polyacrylat.
Das Prinzip des Ionentausches beruht darauf, dass Ionen um so stĂ€rker an den Ionenaustauscher gebunden werden, je höher ihre Ladung und je gröĂer ihr Ionenradius ist. Zum Beispiel wird Na+ im Ionentauscher durch Ca2+ verdrĂ€ngt, aber auch Ca2+ durch Al3+. Das stĂ€rker bindende Ion verdrĂ€ngt das schwĂ€cher bindende Ion von den Bindungsstellen des Ionentauschermaterials. Es muss also dafĂŒr gesorgt werden, dass das unerwĂŒnschte Ion, das aus der Lösung entfernt werden soll, stĂ€rker gebunden wird als das Ion, das an den Ionenaustauscher gebunden ist. DafĂŒr sind weitere wichtige Einflussfaktoren: der pH-Wert der Lösung im Zusammenhang mit der Art und der Anzahl der Bindungsstellen des Ionenaustauschermaterials und auch die jeweilige Stoffkonzentration.
Wie stark der Ionenradius die SelektivitĂ€t eines Ionenaustauschharzes beeinflusst zeigt die nachfolgende Auflistung fĂŒr zweiwertige Metallionen. Die Werte sind fĂŒr eine Lösung mit dem pH-Wert 4,0 und Calcium als Basis mit 1,0 fĂŒr KM/Ca und einem schwach sauren Kationenaustauschharz mit PolyacrylgerĂŒst gĂŒltig:[2]
| Metallion | KM/Ca | Metallion | KM/Ca | Metallion | KM/Ca |
|---|---|---|---|---|---|
| Hg+2 | 2800 | Ni+2 | 57 | Fe+2 | 4,0 |
| Cu+2 | 2300 | Zn+2 | 17 | Mn+2 | 1,2 |
| Pb+2 | 1200 | Cd+2 | 15 | Ca+2 | 1,0 |
Neben der SelektivitĂ€t können auch durch VergröĂerung einer Stoffkonzentration aufgenommene Ionen wieder vom Ionenaustauschmaterial verdrĂ€ngt werden. Letzteres wird bei einer Regeneration durchgefĂŒhrt. Nachfolgend werden die Reaktionen am Beispiel von Natriumionen, die als Kochsalz (NaCl) in einer wĂ€ssrigen Lösung vorliegen, angegeben. FĂŒr Aufnahme (=Beladung/Betrieb) und Ablösung (=Regeneration) wird ein stark saures Kationenaustauschharz verwendet. Das Regeneriermittel ist SalzsĂ€ure.
Bei Beladung verlĂ€uft die Reaktion von links nach rechts. Wird die Konzentration des H3O+-Ions im rechten Teil der Gleichung gesteigert, verschiebt sich die Reaktion wieder nach links und der Austauscher wird in die SĂ€ureform zurĂŒckgewandelt, er wird regeneriert. Wenn der Austauscher bei Beladung/Betrieb und Regeneration in der gleichen Richtung von der zu entsalzenden FlĂŒssigkeit und der Regenerierlösung durchströmt wird, spricht man von einem Gleichstromaustauscher, bei einer entgegengesetzten Strömungsrichtung von einem Gegenstromaustauscher. Die Konzentration des Regeneriermittels liegt normalerweise bei 3â10 % HCl.
Im angefĂŒhrten Beispiel wird bei der Beladung im ablaufenden Wasser eine verdĂŒnnte SalzsĂ€ure gebildet. Durch einen Gegenioneneffekt kommt es in AbhĂ€ngigkeit von der Salzkonzentration im Rohwasser und dem Beladungszustand des Ionenaustauschharzes zu einem Natriumschlupf bei der Beladung. Im ablaufenden Reinwasser nach dem Austauscher ist deshalb noch ein kleiner Natriumgehalt vorhanden. Dieser kann besonders bei einem Gleichstromaustauscher Werte von 1 mg Na+/l und höher erreichen. Bei einem Gegenstromaustauscher liegen sie bei †0,1 mg Na+/l.
Je nachdem welche Art von Ionen ausgetauscht werden, unterscheidet man Kationenaustauscher und Anionenaustauscher. Im Fall eines Kationenaustauschers ist die aktive Gruppe eine anionische Gruppe, wie beispielsweise SulfonsÀuregruppen, oder Carboxygruppen mit abdissoziierbarem Kation. Man unterscheidet schwachsaure Kationenaustauscher (Carboxygruppen) und stark saure mit SulfonsÀuregruppen.
Bei den Anionenaustauschern enthalten stark basische Sorten quartĂ€re Ammoniumgruppen als aktive Gruppen, die ihr Gegenion austauschen können. Generell werden Anionenaustauscher Typ I und Typ II verwendet. Erstere sind bei geringerer AustauschkapazitĂ€t thermisch stabiler als Harze vom Typ II. NĂ€here Angaben zur austauschaktiven Ammoniumgruppe â hier.
Schwach basischen Austauscher enthalten Aminogruppen an die die Anionen freier SĂ€uren angelagert werden. Die SĂ€ureanionen sind reversibel gebunden. Mit Laugen werden bei der Regeneration die freien Aminogruppen wieder zurĂŒckgebildet. AbhĂ€ngig vom Typ der Aminogruppe â primĂ€re (RâNH2</sup>), sekundĂ€re (R-NH-R) oder tertiĂ€re (R3-N)-Aminogruppe ist die BasizitĂ€t der Austauscher schwach bis mittelbasisch.
Amphotere Austauscher können gleichzeitig Anionen und Kationen austauschen. Kationenaustauscher tauschen gelöst vorliegende Kationen (positiv geladene Ionen) gegen andere Kationen aus, die Bestandteil des Austauschmaterials sind. Kationenaustausch-Materialien sind selbst Salze, wobei die Kationen (in Gleichung unten: Z+) leicht in Lösung gehen können, also mobil (beweglich) sind. Die polymeren und wasserunlöslichen Anionen (in Gleichung unten: Qmâ) des Kationenaustausch-Materials sind stationĂ€r, also unbeweglich. Als allgemeine Gleichung fĂŒr den Prozess des Austausches einwertiger Kationen (Ka+) aus einem gelöst vorliegenden Salz (Ka+ + Anâ) durch den Ionenaustauscher [(Z+)nQmâ] kann man schreiben:
Anionenaustauscher tauschen entsprechend Anionen (negativ geladene Ionen) eines gelösten Salzes gegen andere Anionen aus. Hierbei liegen die stationÀren Kationen des Ionenaustauschers polymer vor, wÀhrend die Anionen des Anionenaustauschers mobil sind.
Beispiele fĂŒr Ionenaustausch-Materialien
WĂ€hrend im Labor mit Austauschharzen gefĂŒllte SĂ€ulen aus Glas oder Kunststoff verwendet werden, sind in technischen Anlagen die SĂ€ulen als BehĂ€lter ausgefĂŒhrt. Diese BehĂ€lter sind ĂŒberwiegend aus Stahl mit innerer Hartgummierung gefertigt. Im BehĂ€lter sind Drainagesysteme oder DĂŒsenböden fĂŒr den Ein- und/oder Austritt der behandelten FlĂŒssigkeit und der Regenerierlösungen eingebaut. Je nach AusfĂŒhrung der Austauscher bzw. dessen Funktion werden folgende Typen verwendet:
In den ersten 4 Austauschertypen werden entweder Kationen- oder Anionenaustauschharze eingefĂŒllt. Entsprechend werden schwach und stark saure bzw. schwach und stark basische Ionenaustauschharze verwendet. FĂŒr eine Entsalzung sind mindestens 2 Austauscher erforderlich, damit Kationen und Anionen entfernt werden können. Die restlichen 3 Typen arbeiten mit Kationen- und Anionenaustauschharzen. Hier ist in einem BehĂ€lter eine Entsalzung möglich.
Eine typische Vollentsalzungsanlage enthĂ€lt einen Austauscher fĂŒr Kationen, einen Austauscher fĂŒr Anionen und, falls Deionat mit einer RestleitfĂ€higkeit von < 1,0 ”S/cm erzeugt werden soll, einen Mischbettaustauscher. Diese Kombination wird auch als EntsalzungsstraĂe bezeichnet. Zwischen Kationen- und Anionenaustauscher wird hĂ€ufig noch ein RieselbehĂ€lter zur CO2-Entfernung angeordnet. Letzterer reduziert die aus der CarbonathĂ€rte gebildete freie KohlensĂ€ure auf < 10 mg/l. Dies ist wirtschaftlicher als die Entfernung ĂŒber Anionenaustauscher.
Bei kontinuierlicher Reinwassererzeugung sind zwei StraĂen erforderlich. Eine StraĂe ist in Betrieb und die zweite StraĂe befindet sich in Regeneration oder wird bereitgehalten. Die normale Betriebszeit einer StraĂe vor einer Regeneration betrĂ€gt mehr als 6 Stunden. Erfolgt die Auslegung der Anlage fĂŒr weniger als 4 Stunden, so spricht man von einer Kurztaktanlage.
AuĂer den vorstehend angefĂŒhrten Anlagen, die alle als Satzanlagen arbeiten, gibt es in der Technik auch Anlagen, die kontinuierlich arbeiten. FĂŒr diesen Typ der Entsalzungsanlage, sind verschiedene Verfahren entwickelt worden, die allerdings nur selten in der Praxis verwendet werden. NĂ€heres hierzu unter Kontinuierliche Ionenaustauschanlagen.
Kunstharz-Ionenaustauscher können sich im Aufbau ihrer Polymer-/PolykondensatgerĂŒste unterscheiden: man spricht von Gelharzen oder makroporösen Harzen. Die ersten Austauscher dieser Art wurden von Dr. P. R. GrieĂbach in der Farbenfabrik Wolfen (damals Teil der I.G. Farben), in den 1930er Jahren entwickelt und unter dem Handelsnamen Wofatit ( Wolfener Farbenfabrik Permutit-Ersatz) auf den Markt gebracht.[3] Aktuelle Handelsnamen sind Lewatit (Lanxess), Dowex (Dow Chemicals) und Amberlite (Rohm and Haas). Die Harzaustauscher sind ein Mittel um verschiedenste Arten von WĂ€ssern und wĂ€sserigen Lösungen aufzubereiten.
Wenn organische Ionenaustauscher fĂŒr die Aufbereitung von Trink- und Brauchwasser oder im Bereich der Nahrungsmittelindustrie verwendet werden, sind besondere Anforderungen fĂŒr die QualitĂ€t einzuhalten. Herstellungsbedingt können neue Austauscher wĂ€hrend der ersten Betriebszeit Monomere an die behandelte FlĂŒssigkeit abgeben. Der zulĂ€ssige Schlupf von organischen Bestandteilen ist limitiert. Der Grenzwert fĂŒr die Abgabe an TOC betrĂ€gt gesetzlich in Deutschland max. 3,0 mg/l.[4]
Nachfolgend eine Tabelle mit den generellen Kenndaten, die fĂŒr die verschiedenen Sorten der Ionenaustauschharze von den Herstellerfirmen angegeben werden. Die aufgefĂŒhrten Daten sind die Kenndaten eines stark sauren Kationenaustauschharzes und die Regeneriermittel SalzsĂ€ure (HCl) und SchwefelsĂ€ure (H2SO4):[5]
| Einheit | Daten | |
|---|---|---|
| Harztyp | Polystyrolharz, Gelharz, funktionelle Gruppe: SulfonsÀure | |
| Kornform | mm | Kugeln, 0,3 â 1,2 |
| Temperaturbereich | °C | bis 120 |
| pHâBereich | keine BeschrĂ€nkung | |
| SchĂŒttgewicht | g/l | 800 â 900 (feuchtes Harz) |
| Nutzbare VolumenkapazitÀt (NVK) | val CaO/l | max.1,85 (max. 1,4)° |
| Totale VolumenkapazitÀt | val/l | 2,2 (feuchtes Harz) |
| min. Schichthöhe Harzbett | mm | 600 (900)° |
| Regeneriermittelaufwand | g 100 %HCl/l | bis 200 (bis 90)° |
| Konzentration Regeneriermittel | % HCl | 4â6 (8â10)° |
| Regeneriermittelaufwand | g 100 % H2SO4/l | bis 250 (50â120)° |
| Konzentration Regeneriermittel | % H2SO4 | 1,5â6 (1,5â10)° |
| Waschwasserbedarf | l/l | 4 â 7 (2 â 3,5)° |
| spez. Belastung Betrieb | l/h·l | 4 â 40 (bis 180)°° |
| RĂŒckspĂŒlung | m/h | 7 â 15 (normal nicht erforderlich)° |
| Druckverlust | je m+m/h | 0,15 â 0,2 mWS bei 20 °C |
| Lieferform, normal | mit Natrium beladen | |
| Quellung Naâ â HâForm | % | 5 â 10 |
° vor Klammer = bei Gleichstrom, in Klammer = bei Gegenstrom
°° vor Klammer bei Wasserentsalzung, in Klammer bei Kondensatentsalzung
Aus organisch belasteten WĂ€ssern mit Huminstoffen nehmen besonders Gelharze beispielsweise HuminsĂ€uren auf, die bei einer Regeneration des Ionenaustauschers nicht entfernt werden können; sie fĂŒhren zu dem so genannten Fouling der Ionenaustauscher.
Besonders Anionenaustauschharze sind vom Fouling betroffen und werden durch die Aufnahme solcher Verbindungen amphoter, da die Anionenaustauschharze dann Basen- und SĂ€uregruppen tragen. Bei einer Regeneration der Austauscher mit Natronlauge werden nun auch Natriumionen gebunden. Insgesamt wird durch das Fouling sowohl die Leistung der Austauscher durch Blockierung aktiver Basengruppen vermindert, der Waschwasserbedarf bei Auswaschen der Regenerierlauge vergröĂert, wie auch die ReinwasserqualitĂ€t durch höheren Natriumschlupf verschlechtert. Nach diversen Betriebszyklen werden die Ionenaustauschharze weitgehend inaktiv und mĂŒssen ausgetauscht werden. Durch die Entwicklung von makroporösen Ionenaustauschharze wurde die Entfernung der organischen Substanzen verbessert.
FĂŒr Ionenaustausch von OberflĂ€chenwĂ€ssern wie MoorwĂ€ssern und SchwarzwĂ€ssern mit hoher Konzentration an organischen Substanzen können so genannte Scavenger-Austauscher vorgeschaltet werden. Die Scavenger-Austauscher haben nur die Aufgabe, störende Huminstoffe abzufangen. Bei Anlagen mit Mehrkammeraustauschern kann auch eine Kammer als Scavengerstufe ausgebildet sein. Durch geeignete Rezepturen und Bedingungen bei der Herstellung können die Eigenschaften in weiten Grenzen gesteuert werden, so dass es möglich ist Austauscher herzustellen, die fĂŒr bestimmte Ionen selektiv sind (z. B. Lewatit Mk51 fĂŒr Borat).
Die Regeneration von Ionenaustauschern beruht auf der Tatsache, dass der Ionenaustausch eine Gleichgewichtsreaktion ist. TatsĂ€chlich findet auch im Betrieb gleichzeitig die gewĂŒnschte Hin- und die nicht gewĂŒnschte RĂŒckreaktion statt. Beim Einsatz des Ionentauschers ĂŒberwiegt jedoch die Hinreaktion. Die RĂŒckreaktion wird bei der Regeneration gefördert, indem ein Ăberschuss an âschwĂ€cherenâ Ionen zugegeben wird, denn viele schwĂ€chere Ionen verdrĂ€ngen die vom Austauscher bevorzugten, âstĂ€rkerenâ Ionen. (Siehe auch: Prinzip vom kleinsten Zwang)
Die Regeneration wird im Gleich- oder im Gegenstrom durchgefĂŒhrt, was sich auf die FlieĂrichtung der FlĂŒssigkeiten wĂ€hrend des Betriebes (auch Beladung genannt) und der Regeneration bezieht. Bei Gleichstrom wird der Ionenaustauscher sowohl im Betrieb als auch bei der Regeneration in der gleichen Richtung durchströmt. Bei Gegenstrom verlĂ€uft die Regeneration entgegengesetzt der Beladung. Zur Regeneration werden verschiedene Verfahren eingesetzt. Die wichtigsten Verfahren sind Gleichstrom-, Gegenstrom-, Verbund- und progressive Regeneration. Sie haben verschiedene Vor- und Nachteile im Hinblick auf Chemikalienaufwand und Regenerationswirkung. In AbhĂ€ngigkeit von den unterschiedlichen Ionenaustauschharze werden ĂŒblicherweise folgende Regenerierchemikalien verwendet:
Es sind auch Verfahren entwickelt worden, Austauscher mit Hilfe des elektrischen Stroms zu Regenerieren, dabei wird der Austauscher (besonders fĂŒr Mischbettaustauscher) zwischen zwei Austauschermembranen (KAT und AAT) gefĂŒllt und Spannung angelegt. Die Ionen wandern im Feld und werden durch den Anolyten(SĂ€ure) und den Katolyten(Lauge) gebunden und dadurch abgetrennt.Die Membranen verhindern eine Diffusion der Elektrolyten zurĂŒck zum Austaucher. Mischbettaustauscher mĂŒssen, wenn sie nicht elektrolytisch regeneriert werden, durch SpĂŒlen von unten in SĂ€ulen getrennt werden (der AAT setzt sich oben ab).
In den 1970er wurde untersucht, ob statt Chemikalien auch Unterschiede in der Temperatur fĂŒr einen Ionenaustausch und die Regeneration ausreichen. Es wurden Ionenaustauschharze entwickelt, die bei Zimmertemperatur Kat- und Anionen aus einer Salzlösung aufnehmen und bei ErwĂ€rmung gegen H+ und OHââIonen wieder abgeben. Die Gleichung fĂŒr diese Reaktionen lauten:
Bei 20 °C verlĂ€uft die Reaktion von links nach rechts. Bei ErwĂ€rmung auf 80 °C werden die aufgenommenen Ionen wieder abgegeben, die Reaktion verlĂ€uft umgekehrt und die Harze in die regenerierte Form umgewandelt. Bei milden BrackwĂ€ssern kann eine ĂŒber 80 %ige Entsalzung erreicht werden. Als Sirotherm Process wurden in den USA erste Versuchsanlagen mit Erfolg getestet.[6] Durch die Verteuerung der Energiekosten konnte sich dieses Verfahren bisher aber wirtschaftlich in der Praxis nicht durchsetzen.
Durch Aufnahme von Verunreinigungen blockierte und dadurch weitgehend inaktive Ionenaustauschharze â beispielsweise Kationenaustauscher mit EiweiĂverbindungen oder Anionenaustauscher mit HuminsĂ€uren â können mit warmer alkalischer Kochsalzlösung behandelt werden. Hierdurch sind hĂ€ufig diese Verunreinigungen zumindest teilweise wieder ablösbar. Nach einer derartigen Spezialbehandlung ist zusĂ€tzlich eine normale Regeneration erforderlich.
Ionentauscher werden sehr oft zur EnthÀrtung, Umsalzung, Teilentsalzung oder Vollentsalzung von Wasser oder wÀsserigen Lösungen verwendet.
Pulverisierte Ionenaustauscher werden fĂŒr die Entfernung von geringen Verunreinigungen wie Farbstoffe, Metallspuren, giftige org. Chlorverbindungen usw. aus wĂ€ssrigen Lösungen oder nichtwĂ€ssrigen FlĂŒssigkeiten z. B. durch eine Anschwemmfiltration[7] eingesetzt.
Ionenaustauscher mit feiner Körnung und in gröĂeren Schichthöhen werden fĂŒr die chromatographische Trennung von organischen Verbindungen verwendet. Ein Beispiel ist die Separation von Glucose und Fructose aus den Gemischen, die bei der Fermentierung von MaisstĂ€rke zu Invertzucker anfallen.
Ionenaustauschharze werden in der Chemie auch als Katalysatoren fĂŒr diverse Synthesen eingesetzt. Diese Verwendung wird zum Teil auch in nichtwĂ€ssrigen Lösungen durchgefĂŒhrt.
Weitere wichtige Anwendungen fĂŒr Ionenaustauscher sind:
Als Ionenaustauschermembran (auch Ionentauschmembran) bezeichnet man dĂŒnne Folien (Dicke: 20â100 Mikrometer), die nur von Ionen mit einem bestimmten Ladungsvorzeichen passiert werden können. âAnionentauschermembranenâ sind durchlĂ€ssig fĂŒr elektrisch negativ geladene Teilchen (Anionen), wĂ€hrend âKationentauschermembranenâ nur elektrisch positive geladene Teilchen (Kationen) hindurchlassen.
Ionentauschermembranen dienen als ladungsselektive Filter, mit deren Hilfe Kationen oder Anionen gezielt aus Lösungen entfernt werden können. Derartige Membranen werden in der Elektrodialyse zur Anreicherung von Salzlösungen bzw. zum Abtrennen von Salzen verwendet und zur Herstellung von SÀuren und Laugen aus Salzlösungen eingesetzt.
Technische Ionentauschermembranen (z. B. Amberplex) bestehen aus Wasser â gequollenen Polymernetzwerken, an denen ĂŒber kovalente Bindungen elektrisch geladene chemische Gruppen (z. B. COOâ, SO3â, PO4â, NR4+) fixiert sind. Die Gesamtladung der Membran wird durch mobile Gegenionen ausgeglichen, die in der wĂ€ssrigen Phase gelöst sind. Diese mobilen Gegenionen können durch andere mobile Ionen mit gleichem Ladungsvorzeichen ausgetauscht werden, sobald die Membran in Kontakt mit einer Salzlösung gebracht wird. Folglich können alle Ionen mit dem gleichen Ladungsvorzeichen wie die mobilen Gegenionen diese Membran passieren, wĂ€hrend entgegengesetzt geladene Ionen â mit dem gleichen Ladungsvorzeichen wie die fixierten Ionen des Membrannetzwerkes â abgewiesen werden. Dieser Mechanismus wird als âDonnan-Ausschlussâ (nach Frederick George Donnan) bezeichnet und bewirkt, dass man Ionenaustauschmembranen als ladungsselektive Filter verwenden kann.
Die SelektivitĂ€t, S+/-, einer Ionenaustauschmembran ist definiert als das VerhĂ€ltnis der Konzentrationen von Kationen zu Anionen in der Membran. Diese GröĂe nimmt mit steigender Salzkonzentration ab, d. h. in konzentrierten Salzlösungen (Salzkonzentration > 10â15 mol/L) werden die Membranen wirkungslos. Die Berechnung der Kationen-/AnionenselektivitĂ€t ist Ă€uĂerst schwierig, weil S+/- gleichzeitig von der IonenaktivitĂ€t und dem osmotischen Druck innerhalb der Membran abhĂ€ngt.