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Die Irokesen sind ein nordamerikanisches Volk und im engeren Sinne ein Völkerbund aus zuerst fĂŒnf und spĂ€ter sechs sprachverwandten Völkern (auch bekannt als Five Nations bzw. Six Nations, in Deutsch auch FĂŒnf/Sechs Nationen) nordamerikanischer Ureinwohner. Sie selbst nennen sich Haudenosaunee, zu Deutsch Völker des Langhauses. In einem weiteren Sinne gehören zu ihnen auch Wyandot, Tionontati, Neutrale und frĂŒh verschwundene Gruppen, wie die Kahkwas auf der Niagara-Halbinsel[1] oder die Sankt-Lorenz-Irokesen.
Heute leben die meisten der etwa 75.000 Irokesen in Ontario und im Staat New York. Andere Irokesen leben in Wisconsin, QuĂ©bec und Oklahoma. Nur eine kleine Minderheit spricht noch eine der Irokesischen Sprachen, darunter ungefĂ€hr 2.000 Mohawksprecher, die gröĂtenteils im Reservat Kahnawake bei Montreal leben.
Inhaltsverzeichnis |
Das Wort âIrokesenâ (engl./fr. Iroquois) wird vermutlich von hiro kone (âich habe gesagtâ in einer der irokesischen Sprachen) gewandelt. Am Ende jeder Rede wĂŒrden sie âhiro koneâ sagen. Andere glauben, dass das Wort Irokesen auf eine französische Abart eines Schimpfnamens zurĂŒckfĂŒhrt, der âSchwarze Schlangenâ bedeutet. Wegen der RivalitĂ€ten im Pelzhandel waren die Irokesen Feinde der Wyandot und der Algonquin, die mit den Franzosen verbĂŒndet waren.
Das auch verwendete Wort Haudenosaunee bedeutet âMenschen, die ein langes Haus bauenâ und es wird erzĂ€hlt, dass der GroĂe Friedensstifter den Namen zur Zeit des Zusammenschlusses der Völker des Bundes einfĂŒhrte. Es impliziert, dass die Nationen des Bundes wie Familien in denselben LanghĂ€usern zusammenleben sollen. Die Seneca waren die WĂ€chter der westlichen TĂŒr des symbolischen Stammeslanghauses, dementsprechend die Mohawk die WĂ€chter der östlichen TĂŒr. Ihr Siedlungsgebiet erstreckte sich vom SĂŒdufer des Sankt-Lorenz-Strom bis zum Hudson und westlich ĂŒber den Eriesee hinaus.
Ăberlieferungen zufolge sind die Irokesen aus dem unteren Mississippi entlang des Ohio eingewandert. Im heutigen Siedlungsgebiet sind die Irokesen erstmals um das Jahr 1000 nachweisbar.
Der Irokesenbund (auch: Irokesenliga, Eigenbezeichnung Haudenosaunee oder Haudenosaunee Conference) ist ein Völkerbund aus den sechs Nationen der Mohawk, Oneida, Onondaga, Cayuga, Onodowohgah (Seneca) und Tuscarora. In der englischen Literatur werden sie als Iroquois proper (âeigentliche Irokesenâ) bezeichnet. Die Bezeichnung âFive Nationsâ stammt aus der Zeit, als der Bund aus fĂŒnf Völkern bestand.
Bis spĂ€testens 1600 ist der Irokesenbund (Haudenosaunee) entstanden, der Legende nach vereint durch den Propheten Deganawidah und HĂ€uptling Hiawatha. Auf der politisch vorteilhaften Verfassung, dem GroĂen Gesetz des Friedens, basiert das Zusammenwirken bis heute. Einer Legende nach strĂ€ubte sich ein Onondaga-Delegierter namens Tadodaho lange gegen den Beitritt zur Irokesenliga und rangen ihr dabei das Privileg ab, im gemeinsamen Rat mit einem â ebenfalls Tadodaho genannten â spirituellen FĂŒhrer vertreten zu sein. Der Rat der Liga bestand aus 50 HĂ€uptlingen.
1623 wurde der niederlĂ€ndische Handelsposten Fort Orange auf dem Territorium der Mohawk gegrĂŒndet. Im 17. Jahrhundert vernichtete der Bund im Zuge der Biberkriege die Wyandot, Tionontati und Erie. Die Tuscarora stieĂen erst 1722 zu den FĂŒnf Nationen (danach Sechs Nationen), nachdem sie von europĂ€ischen Siedlern aus North Carolina vertrieben worden waren.
Im Französisch-Indianischen Krieg (1754-1763) zwischen Briten und Franzosen standen die Irokesen auf Seiten der Briten. Im amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg spalteten sich die Irokesen in Oneida und Tuscarora (die sich auf die Seite der Amerikaner stellten) und den restlichen Bund (der fĂŒr die Briten kĂ€mpfte). Eine amerikanische Strafexpedition zerstörte 1779 eine wichtige Siedlung der Irokesen und brach ihren Widerstand.
Der sogenannte zweite Vertrag von Fort Stanwix, in dem die Haudenosaunee groĂe Landgebiete abtreten sollten, wurde nie ratifiziert.
Auch im Zweiten Weltkrieg sahen sich die Irokesen als eigenes Volk, das alleine dem Dritten Reich den Krieg erklÀrte, aber nicht mit den USA kooperieren wollte.
Traditionell besteht jede Nation aus mehreren Klans, denen jeweils eine gewĂ€hlte Klanmutter vorsteht. Jeder Klan konnte bis zu drei Abgeordnete in die Ratsversammlung der Irokesen schicken. Die Gesellschaft war demokratisch organisiert, das Individuum genoss erstaunliche Freiheiten. Das Verwandtschaftssystem ist matrilinear, die Lebensweise matrilokal. In der Kindererziehung wurde Verbundenheit zum Stamm, wie auch UnabhĂ€ngigkeit und Nichtunterwerfung gegenĂŒber AutoritĂ€ten gelehrt.
Die Irokesen haben eine starke, fĂŒr Einzelpersonen kaum durchbrechbare geschlechtliche Arbeitsteilung. So sind die Frauen fĂŒr die HĂ€user und die Landwirtschaft zustĂ€ndig, wĂ€hrend die MĂ€nner der Jagd und anderen Aufgaben nachgehen, die ein Verlassen des Klanlandes erforderlich machen.
Die Irokesen lebten hauptsĂ€chlich vom Maisanbau. Die Irokesen verwendeten kein Privateigentum, das Agrargebiet wurde gemeinsam bewirtschaftet.[2] Sie kannten Dutzende verschiedener Maisarten. Dies machte sie unabhĂ€ngig vom JagdglĂŒck und erlaubte eine relativ sesshafte Lebensweise. Es war aber auch eine stĂ€ndige Gefahr, denn gelang es den Feinden, die Maisfelder zu zerstören, brach das Wirtschaftssystem der Haudenosaunee zusammen. Neben dem Mais verpflegten sie sich mit Squash-KĂŒrbis, Bohnen und WildfrĂŒchten, die sie oft zusammen anpflanzten. Der Sinn dahinter war die âErgĂ€nzungâ der einzelnen Pflanzensorten: âDer Mais wĂ€chst schnell nach oben, die BlĂ€tter des KĂŒrbisses bewahren den Boden vor dem Austrocknen, die Bohne kann an der Maisstaude emporranken.â Die Jagd vervollstĂ€ndigte die Lebensmittelauswahl mit Fleisch.
Die Irokesen lebten in mit PalisadenzĂ€unen befestigten Dörfern, die aus bis zu hundert LanghĂ€usern bestanden. Nach etwa zehn bis fĂŒnfzehn Jahren, wenn der Boden und der Wald nicht mehr die gewĂŒnschten Ernte- und JagdertrĂ€ge brachten, zogen die Bewohner zu einem neuen GelĂ€nde.
Ein besonderes kulturelles Merkmal der Haudenosaunee sind die MedizinbĂŒnde.
Die freiheitliche Verfassung der Irokesen wurde in Schriften der europĂ€ischen AufklĂ€rung wie âDie groĂe Friedensfrau der Irokesenâ von Johann Gottfried Herder thematisiert. Bei Friedrich Engels nimmt sie in dessen Schrift âDer Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staatsâ eine wichtige Stellung ein (beeinflusst wiederum von Bachofens âMutterrechtâ).
Von den heute etwa 75.000 Irokesen sprechen noch etwa 5 % eine der alten Sprachen.
| Nation | Population | Sprache | Sprecher | Anteil |
|---|---|---|---|---|
| Cayuga | 10.000 | Goyogo̱hĂł:nÇ«â | 62 | 0,62 % |
| Mohawk | 35.000 | Kanien'keha | 3.433 | 9,81 % |
| Oneida | 14.000 | OnÊyotaâa:ka | 160 | 1,14 % |
| Onondaga | 1.200 | OnÇ«daâgĂ©gaâ | 17 | 1,42 % |
| Seneca | 15.000 | Onödowåga | 25 | 0,17 % |
| Tuscarora | 1.000 | SkarĂčârÄâ | 12 | 1,20 % |
| alle Irokesen | 76.200 | RotinonhsĂłn:ni (ohne Tsalagi) | 3.709 | 4,86 % |