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| Italienisch-Äthiopischer Krieg (1935–1936) | |||||||||
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| Italienische Kolonialtruppen während der Tembienschlacht 1936 | |||||||||
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| Konfliktparteien | |||||||||
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| Befehlshaber | |||||||||
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| Truppenstärke | |||||||||
| ca. 125.000 reguläre Soldaten[1] ca. 72.000 Schwarzhemden[1] |
ca. 20.000 kaiserliche Soldaten[1] | ||||||||
| Verluste | |||||||||
| 2313 europäische Soldaten[1] 1593 afrikanische Soldaten[1] |
ca. 50.000 Tote[1] | ||||||||
Der Italienisch-Äthiopische Krieg, auch als Abessinienkrieg bezeichnet, dauerte vom 3. Oktober 1935 bis zum 9. Mai 1936 und endete mit der Annexion Äthiopiens, des damaligen Kaiserreiches Abessinien und der Gründung der Kolonie Italienisch-Ostafrika, durch das faschistische Italien. In diesem Krieg wurden mehr äthiopische Zivilisten als Soldaten getötet. Nach dem Zweiten Weltkrieg zahlte Italien als Reparation 25 Millionen Dollar.
Inhaltsverzeichnis |
Einen ersten, scheinbar erfolgversprechenden Anlauf zur Unterwerfung Äthiopiens hatten die Italiener schon Ende des 19. Jahrhunderts unternommen. Nach dem Zusammenbruch der Herrschaft Ägyptens über Eritrea wegen des Mahdi-Aufstands im Sudan hatte Italien 1882 Assab und 1885 Massaua besetzt und damit einen ersten Krieg mit Äthiopien provoziert. Die Niederlage in der Schlacht bei Dogali 1887 veranlasste Italien, 1889 dem Friedensvertrag von Wetschale (italienisch: Uccialli) zuzustimmen. Da Äthiopiens Kaiser Johannes IV. aber gerade im Krieg gegen den Sudan gefallen war, bedeutete vor allem dieser Vertrag für dessen Nachfolger Menelik II. eine wesentliche Hilfe bei der Anerkennung als Negus. Italien betrachtete Meneliks Äthiopien deshalb als Protektorat, annektierte noch im gleichen Jahr Somaliland und organisierte 1890 die Kolonie Eritrea. Daraufhin kündigte Menelik II. den Protektoratsvertrag, was 1893 oder 1894 zum erneuten Einfall italienischer Truppen und zu deren erneuter, diesmal schwerer wiegender Niederlage in der Schlacht von Adua am 1. März 1896 führte.
Der italienische Diktator Benito Mussolini träumte seit seiner Machtergreifung davon, das Imperium Romanum wieder aufleben zu lassen und als Reichsgründer in die Geschichtsbücher einzugehen. Zur Verwirklichung seiner Ideen bot sich vor allem das Kaiserreich Abessinien an, da Italien hier mit seinen Kolonien Eritrea und Somaliland ohnehin schon den Küstenstreifen besetzt hielt und somit eine gute Aufmarschbasis hatte. Außerdem war nach dem Wettlauf um Afrika das Kaiserreich Abessinien zu dieser Zeit (neben Liberia, das aber unter Schutz der USA stand) das einzige noch freie Land Afrikas. Schon 1932 ließ Mussolini durch Emilio De Bono, einen Veteranen des Ersten Weltkriegs, die Schlagkraft der äthiopischen Armee erkunden. Im Dezember 1934 entschloss er sich nach dem Zwischenfall von Wal-Wal (Ogaden), bei dem 30 in italienischen Diensten stehende somalische Askari von äthiopischen Grenztruppen getötet worden waren, zum Überfall auf Äthiopien.
Am 3. Oktober 1935 drangen italienische Truppen (330.000 Soldaten und 87.000 Askari) in Äthiopien ein. Italien hatte damit die größte nichtafrikanische Streitmacht, die jemals auf dem afrikanischen Kontinent aktiv war, aufgestellt.
Den Befehl übernahm der bereits als Kundschafter eingesetzte General Emilio De Bono. Den italienischen Truppen gelang es schnell, die wichtigen Städte Adua und Axum zu erobern. Zu den ersten Maßnahmen der faschistischen Kolonialverwaltung gehörte die Abschaffung der Sklaverei (15. Oktober 1935): Damit versuchte Italien den Krieg zu legitimieren. Beim Vordringen in den gebirgigeren Teil Äthiopiens geriet der Angriff jedoch unerwartet ins Stocken. Teilweise gingen die unterlegenen äthiopischen Truppen sogar zum Gegenangriff über. Wegen der Misserfolge enthob Mussolini General de Bono nach nur 45 Tagen seines Amtes. Als Ersatz berief er Feldmarschall Pietro Badoglio. Badoglio gruppierte die Truppen um und befahl nun pausenlose Angriffe. Im November verhängte der Völkerbund Sanktionen gegen Italien.
Der Krieg wurde mit brutalen Mitteln geführt. Von Seiten der Äthiopier kam es mehrfach zum Bruch der Genfer Konventionen, italienische Kriegsgefangene wurden verstümmelt und entmannt: Insbesondere das grausame Schicksal des jungen Piloten Tito Minniti wurde von der italienischen Öffentlichkeit mit Empörung wahrgenommen.
Die faschistische Kriegsleitung nutzte unter anderem diese Episode um den Einsatz von Giftgas und großangelegte Luftbombardements durchzusetzen und somit eine rasche Entscheidung im Krieg herbeizuführen. Es kam zu massiven Luftangriffen mit hautschädigendem Senfgas, das unter den schlecht ausgerüsteten und leicht gekleideten äthiopischen Soldaten zu hohen Verlusten führte.[2] Damit brach Italien das Genfer Protokoll, an das es völkerrechtlich gebunden war. Das Giftgas wurde nicht nur gegen äthiopische Soldaten, sondern auch gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt; ebenso wurden die landwirtschaftlichen Anbauflächen mit Senfgas attackiert. Ganze Dörfer wurden eingeäschert, es kam zu Massenerschießungen unter der einheimischen Bevölkerung.[3] Die italienischen Verbände bombardierten zudem gezielt Lazarette des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes. Dazu nutzten sie kartographisches Material, welches das Rote Kreuz bei Kriegsbeginn an Rom übermittelt hatte, um so (versehentliche) Angriffe auf Hospitäler zu verhüten.
Die gezielten Attacken auf Einrichtungen des Roten Kreuzes sorgten für internationale Schlagzeilen. Zu einer wesentlichen Verschärfung der Sanktionen kam es nicht, waren Frankreich und Großbritannien noch bestrebt, Mussolini nicht in die Arme Hitlers zu drängen. Vergeblich trat Kaiser Haile Selassie persönlich vor dem Völkerbund auf und forderte Unterstützung; Italien war wegen der Proteste kurzerhand aus der Weltgemeinschaft ausgetreten. Am 5. Mai 1936 zog der italienische Feldmarschall Pietro Badoglio schließlich in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ein und beendete so den Krieg. Am 4. Juli 1936 hob der Völkerbund seine Sanktionen gegen Italien auf, das am 11. Dezember 1937 trotzdem den Völkerbund verließ.
Die Verkündung des Sieges am 9. Mai 1936 vom Balkon des Palazzo Venezia aus löste bei der italienischen Bevölkerung - der die Gräueltaten der eigenen Truppen verheimlicht wurden - Freudenstürme aus. Gleichzeitig markierte der erfolgreiche Abessinienfeldzug den Höhepunkt von Benito Mussolinis Macht. Der italienische König Viktor Emanuel III. wurde zum Kaiser von Äthiopien proklamiert, und der Befehlshaber der Südarmee in Äthiopien, Rodolfo Graziani, erhielt den Titel des äthiopischen Vizekönigs.
Zur Feier des Sieges wurden Monumente errichtet, unter anderem ein bis heute umstrittenes Denkmal zu Ehren der Divisione Pusteria der Alpini in Bruneck in Südtirol. Zudem wurden wertvolle archäologische Funde nach Italien überführt, darunter der Obelisk von Axum: Dieser wurde 1937 ausgegraben und nach Rom gebracht, wo er vor dem ehemaligen Kolonialministerium aufgestellt wurde. Im Jahr 2005 wurde die Stele nach Äthiopien zurückgebracht und nach der Restaurierung 2008 wieder an ihrem Originalstandort in Axum aufgestellt.
Politisch gesehen zeigte der Italienisch-äthiopische Krieg der Welt den Willen Mussolinis und des italienischen Faschismus, Italien durch Eroberung von Kolonien in den Kreis der Großmächte zu bringen. Die Entfremdung Italiens von Großbritannien und Frankreich und die Annäherung an das Deutsche Reich waren der Anfang eines Weges, der in den Zweiten Weltkrieg mündete.
In der Folgezeit kam es in Äthiopien immer wieder zu Guerillaangriffen gegen die italienische Herrschaft. Italien setzte auch nach dem offiziellen Kriegsende noch Giftgas gegen Rebellen ein und ermordete zahlreiche Gefangene. Die italienische Herrschaft endete im Zweiten Weltkrieg, als britische Truppen (mit Hilfe von äthiopischen Soldaten, die mit Haile Selassie und den anderen Würdenträgern nach England ins Exil gingen und 1941 neben der britischen Armee auch kämpften) Äthiopien eroberten und der äthiopische Kaiser Haile Selassie im Mai 1941 wieder in Addis Abeba einzog.
Die Italiener, die mit 330.000 Mann in den Krieg gegangen waren, hatten 4.500 Tote zu beklagen. Des Weiteren fielen zwischen 3.000 und 4.500 Askari den Kämpfen zum Opfer. Über 9.000 wurden verstümmelt.
Den Vereinten Nationen legte Kaiser Haile Selassie folgende Opferzahlen für die Zeit während und nach dem italienischen Äthiopienfeldzug vor:
Nach Angaben der äthiopischen Behörden kamen insgesamt über 760.000 Menschen zwischen 1935 und 1941 ums Leben.
Italienische Historiker halten diese Zahlen für zu hoch angesetzt und rechnen mit 450.000 afrikanischen (äthiopischen, somalischen, libyschen und eritreischen) Opfern von Italiens Kolonialfeldzügen zwischen 1890 und 1941.
„Wir pfeifen auf alle Neger der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft und deren eventuelle Verteidiger. Es wird nicht lange dauern und die fünf Erdteile werden ihr Haupt vor dem faschistischen Willen beugen müssen.“
– Benito Mussolini am 6. Juli 1935 in einer Ansprache an seine Soldaten
„Wir arbeiten mit Gott zusammen in dieser nationalen und katholischen Mission des Guten - vor allem in diesem Augenblick, in dem auf den Schlachtfeldern Äthiopiens die Fahne Italiens im Triumph das Kreuz Christi vorwärtsträgt.“
– Alfredo Ildefonso Kardinal Schuster, Erzbischof von Mailand, am 9. Mai 1936 bei der Segnung der heimkehrenden Soldaten.
„Überall, unter allen Bäumen, liegen Menschen. Zu tausenden liegen sie da. Ich trete näher, erschüttert. An ihren Füßen, an ihren abgezehrten Gliedern sehe ich grauenhafte, blutende Brandwunden. Das Leben entflieht schon aus ihren von Yperit verseuchten Leibern.“
– Dr. Marcel Junod, Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz: Kämpfer beiderseits der Front; Europa-Verlag Zürich/Wien 1947