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JĂžrgen Herman Vogt (* 21. Juli 1784, Bragernes (bei Drammen), Buskerud; â 12. Januar 1862 in Christiania) war ein Jurist, Beamter und Politiker.
Inhaltsverzeichnis |
Seine Eltern waren der HolzhĂ€ndler, spĂ€terer Bezirksrichter (sorenskriver) Nils Nilsen Vogt (1755â1809) und dessen Frau Abigael Monrad (1759â1812). Sein Vater betrieb in Drammen einen immer schlechter gehenden Holzhandel, den er schlieĂlich verkaufte. Er zog nach Kongsberg. Vogt wuchs als einer von 13 Geschwistern in engen VerhĂ€ltnissen auf. Nachdem er die Lateinschule absolviert hatte, wurde er zum Studium zu einem Onkel in Kopenhagen geschickt. Vogt legte 1800 das Examen artium[1] ab. Ein Jahr spĂ€ter wurde er neben seinem Studium Kopist im Finanzkollegium. 1806 legte er das juristische Examen mit Auszeichnung ab. 1807 wurde er Assessor am Finanzkollegium.
Inzwischen war der Vater 1803 Bezirksrichter in Nordfjord geworden. Als er 1809 starb, ĂŒbernahm Vogt dieses Amt. Aber dieses Amt bot ihm keine Entfaltungsmöglichkeiten. Er heiratete am 21. Januar 1810 in Bragernes Ingeborg Maria Lorentzen (* 13. November 1788; â 24. September 1821), Tochter des Kaufmanns Jacob Lorentzen (1738â1810) und dessen Frau Karen Rosenberg Stranger (1751â1817). Nach drei Jahren bekam er die Stelle als Assessor in der Finanzkassendirektion und wurde Archivar des Finanzkollegiums in Kopenhagen. Hier gelang ihm eine Neuordnung des staatlichen Ausgabenhaushalts mit Klassifizierung der Staatsausgaben nach dem Ausgabenzweck.
In zweiter Ehe heiratete er am 22. November 1822 in Christiania Hedvig Lovisa Frölich (* 26. Juni 1787; â 7. Januar 1880), Tochter des Rittmeisters Graf Adolf Fredrik Frölich (1756â1831) und dessen Frau Hedvig Eleonora Hummelhielm (1768â1846). Diese Ehe wurde 1837 geschieden.
Seine in den letzten Lebensjahren niedergeschriebenen Erinnerungen Optegnelser om sit Liv og sin Embedsvirksomhed, die 1871 und 1895 in zwei BĂ€nden herausgegeben wurden, sind eine wichtige Quelle fĂŒr die VorgĂ€nge wĂ€hrend seiner Amtszeit.
Sein Grab liegt auf dem Friedhof âGamle Aker kirkegĂ„rdâ in Oslo.
Vogt war liberal-konservativ. Er trat fĂŒr die Gleichstellung Norwegens mit Schweden in der Union ein und achtete auf die AutoritĂ€t der Regierung sowohl gegenĂŒber dem Storting als auch gegenĂŒber dem König. Er war AnhĂ€nger eines zeitgemĂ€Ăen Fortschritts mit AugenmaĂ, nicht weit von der reformkonservativen Haltung Frederik Stangs nach 1845. In der Auseinandersetzung mit der sich stĂ€ndig ausdehnenden Macht des Stortings gewann die Bewahrung des Bestehenden höchste PrioritĂ€t. Vogts Skandinavismus und fortschreitende Sympathie fĂŒr die Union fĂŒhrten ihn aber nicht dazu, Kronprinz Karl Johanns Bestreben nach dem Ausbau der Integration der Union und nach mehr eigenmĂ€chtiger Regierung zu billigen. Er fĂŒhlte sich vor allem als WĂ€chter der norwegischen SelbstĂ€ndigkeit und des (nur) konstitutionellen Königtums.
Seine Erfahrungen im dĂ€nischen Staatsdienst weckten in Vogt einen tiefen Widerwillen gegen die absolutistische Regierung. Nach dem Kieler Frieden im Januar 1814 nahm er ein privates Darlehen auf, um Norwegern zu helfen, nach Hause zu reisen. Er bot König Christian Frederik seine Dienste an und wurde Mitglied des Finanzausschusses bei der Reichsversammlung in Eidsvoll. Im Oktober wurde er zum Leiter des Finanzdepartements[2] als Nachfolger von Poul Christian Holst ernannt, der in das auĂerordentliche Storting gewĂ€hlt worden war. Nach der Vereinigung Norwegens mit Schweden bewarb sich Vogt an den Kronprinz Karl Johan um eine Stelle in der norwegischen Verwaltung und erhielt die Stelle eines âExpeditionssekretĂ€rsâ[3] im Finanzdepartement. Graf Wedel war der Leiter des Finanzdepartements, und zwischen den beiden entwickelte sich ein enges und vertrautes VerhĂ€ltnis. Graf Wedel war zwar die treibende Kraft, aber Vogts Arbeitseifer und KreativitĂ€t war ein wichtiger Beitrag zur Sanierung des Staatshaushalts und des Geldwesens.
Vogt war 1815 MitbegrĂŒnder der Zeitung Den norske Rikstidende, und hier griff er sehr zum Unmut von Karl Johan die Unions-Kriegsflagge an. Darum wurde er in der Verhandlungskommission mit DĂ€nemark ĂŒber die Regulierung der gegenseitigen finanziellen VerhĂ€ltnisse durch Poul Christian Holst ersetzt. Als die Regierung Vogt als Nachfolger Holsts als StaatssekretĂ€r der Regierung vorschlug, lehnte der König ab. Vogt antwortete mit einem Entlassungsgesuch. Doch die Irritationen legten sich rasch. Als Holst 1822 Nachfolger von Graf Wedel als Staatsrat wurde, wurde Vogt RegierungsstaatssekretĂ€r.
1818 wurde er Mitglied des Rechtsausschusses. Hier war er die treibende Kraft in dem Bestreben, dass in den Orten und Landkreisen lokal gewĂ€hlte Organe die Leitung haben sollten (Minimalisierung der Zentralregierung). Auch die Ausformung des neuen Strafgesetzes wurde ihm 1815 ĂŒberlassen.
1822 wurde er MitgrĂŒnder und Direktionsmitglied der âChristiania Sparebankâ. Er war auch Mitglied der ersten Steuerveranlagungskommission in Christiania und saĂ im Direktorium der BĂŒrgerschule[4] von Christiania. Von 1833 bis zu seinem Tode war er PrĂ€sident der âSelskabet for Norges Velâ (Gesellschaft fĂŒr das Wohl Norwegens). 1825 war er Staatsrat[5] des Armeedepartements. AuĂerdem war er bis 1828 Mitglied der Staatsratsabteilung[6] in Stockholm.[7] In den folgenden 33 Jahren leitete er alle Departements mit Ausnahme des Marinedepartements. Ausnahmen waren auch die Jahre 1829 bis 1836, wo er fĂŒr die Arbeit im Rechtsausschuss fĂŒr die Erarbeitung eines Strafgesetzbuches freigestellt war.[8] Davon war er 13 Jahre Staatsrat fĂŒr das Finanzdepartement. Er nahm so viel Einfluss durch seine Erfahrung, seinen Arbeitseifer und seine TĂŒchtigkeit, dass man ab 1844 vom âVogt-LĂžvenskiolds Ministeriumâ[9] sprach. 1856 bis Ende 1858 hatte Vogt das Amt des Ersten Staatsrats inne, eine inoffizielle Amtsbezeichnung fĂŒr den Staatsrat, der in Abwesenheit des Regierungschefs (des Königs) dessen AmtsgeschĂ€fte leitete.[10]
Mit der Errichtung des Innendepartements unter der Leitung von Frederik Stang erfuhr sein Arbeitsgebiet eine groĂe Entlastung, da viele Aufgaben auf das neue Departement ĂŒbertragen wurden. Zwischen beiden bestand ein respektvolles VerhĂ€ltnis. Obwohl Vogt ein distanzierteres VerhĂ€ltnis zum Storting hatte, anders als Stang, der in diesem Punkt zunĂ€chst entgegenkommender war, war er der einzige in der Regierung, den Stang nicht ausgewechselt wissen mochte. Nur in einem Punkt waren beide unterschiedlicher Auffassung: WĂ€hrend Vogt, LĂžvenskiold und die Mehrzahl der Regierung DĂ€nemark wĂ€hrend des Schleswigschen Krieges 1848â1851 militĂ€risch unterstĂŒtzen wollten, waren Stang und zwei andere StaatsrĂ€te dagegen.
Weil er die Norwegische SelbstÀndigkeit in der Union verfocht, gehörte er zu den ersten Opfern der Kabinettsumbildung des Kronprinzen Karl Johan 1858, mit der dieser seinen Vertrauten Christian Birch-Reichenwald und dessen AnhÀnger in die Regierung holte.
Der Kampf zwischen Regierung und Storting war der Hintergrund fĂŒr den Prozess gegen ihn im Jahre 1845. Der erste Anklagepunkt war die Frage, ob die Regierung das Recht habe, den Anteil der Zollbeamten an den Zolleinnahmen zu bestimmen. Der zweite Anklagepunkt betraf die Frage, ob die Regierung die ZollsĂ€tze durch einstweilige Anordnung anheben dĂŒrfe. Die Anklage ging davon aus, dass diese königlichen Anordnungen der Regierung, die er zu verantworten hatte, gegen das Besteuerungsrecht des Stortings verstieĂen.[11] Frederik Stangs glĂ€nzende Verteidigung fĂŒhrte zum Freispruch, aber im zweiten Punkt wegen unverschuldeten Rechtsirrtums, oder, wie es das Urteil ausdrĂŒckte, weil die Anordnung der Anhebung der ZollsĂ€tze âauf Grund von nach den UmstĂ€nden nicht zurechenbarem MissverstĂ€ndnis der Verfassung begangenâ sei. Manche Richter hĂ€tten diese BegrĂŒndung gerne auch fĂŒr den ersten Punkt gesehen.
JĂžrgen Herman Vogt war seite 1828 Mitglied von âDet Kongelige Norske Videnskabers Selskabâ, wurde SekretĂ€r und Zeremonienmeister des St. Olavs Ordens seit der Stiftung 1847, war 1851â1857 dessen Schatzmeister und erhielt 1857 das GroĂkreuz. Im gleichen Jahr erhielt er die BorgerdĂ„dsmedaille (BĂŒrgerverdiensmedaille) in Gold, die höchste Auszeichnung Norwegens. Er wurde 1844 auch Inhaber des GroĂkreuzes des schwedischen NordstjĂ€rneordens und wurde 1853 Ritter des Serafimerordens, Schwedens höchste Auszeichnung.
Der Artikel beruht im Wesentlichen auf Norsk biografisk leksikon. Informationen aus anderen Quellen sind besonders gekennzeichnet.
| VorgÀnger | Amt | Nachfolger |
| Vizekönig Karl XV. | MinisterprĂ€sident von Norwegen 1857â1858 |
Hans Christian Petersen |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Vogt, JĂžrgen Herman |
| KURZBESCHREIBUNG | Jurist und Politiker. Erster Staatsrat. |
| GEBURTSDATUM | 21. Juli 1784 |
| GEBURTSORT | Bragernes, Buskerud |
| STERBEDATUM | 12. Januar 1862 |
| STERBEORT | Oslo |