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| Subjekt der Russischen Föderation
Jüdische Autonome Oblast
Еврейская автономная область
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Die Jüdische Autonome Oblast (russisch Еврейская автономная область / Jewreiskaja awtonomnaja oblast; jiddisch ייִדישע אױטאָנאָמע געגנט / jidische ojtonome gegnt, auch Jüdisches Autonomes Gebiet) ist eine autonome Verwaltungsregion Russlands.
Inhaltsverzeichnis |
Die Oblast liegt im russischen Föderationskreis Ferner Osten und befindet sich an der Grenze zur Volksrepublik China. Der Fluss Amur bildet hier die Grenze zwischen den beiden Staaten.
Die Juden stellten nie die Bevölkerungsmehrheit im Gebiet, das die sowjetische Regierung als jüdisch-sowjetisches Zion vorsah. Den höchsten Anteil erreichten sie nach dem Zweiten Weltkrieg mit rund einem Drittel. Am Ende der Sowjetzeit lebten noch knapp 9.000 Juden in "ihrem Heimatgebiet", doch auch das waren damals kaum 0,5 % aller Juden in der Sowjetunion. Inzwischen ist ihr Anteil durch starke Auswanderung nach Israel und Deutschland auf unter 1 % der Gesamtbevölkerung von 176.558 Personen gesunken. Mehr als 90 % der Einwohner sind Russen. Alle anderen Minderheiten wie die Ukrainer, Weißrussen, Mordwinen und Russlanddeutschen sind durch Abwanderung seit 1989 massiv kleiner geworden.
| Volksgruppe | VZ 1939 | VZ 1959 | VZ 1970 | VZ 1979 | VZ 1989 | VZ 2002 | VZ 2010 1 | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Anzahl | % | Anzahl | % | Anzahl | % | Anzahl | % | Anzahl | % | Anzahl | % | Anzahl | % | |||
| Juden | 17.695 | 16,2% | 14.269 | 8,8% | 11.452 | 6,6% | 10.163 | 5,4% | 8.887 | 4,2% | 2.327 | 1,2% | 1.628 | 0,9% | ||
| Russen | 75.093 | 68,9% | 127.281 | 78,2% | 144.286 | 83,7% | 158.765 | 84,1% | 178.087 | 83,2% | 171.697 | 89,9% | 160.185 | 90,7% | ||
| Ukrainer | 9.933 | 9,1% | 14.425 | 8,9% | 10.558 | 6,1% | 11.870 | 6,3% | 15.921 | 7,4% | 8.483 | 4,4% | 4.871 | 2,8% | ||
| Tataren | 994 | 0,9% | 1.293 | 0,8% | 1.158 | 0,7% | 1.456 | 0,8% | k.Ang. | 0,7% | 1.196 | 0,6% | 879 | 0,5% | ||
| Weißrussen | 1.400 | 1,3% | 1.578 | 1,0% | 1.429 | 0,8% | 1.789 | 0,9% | k.Ang. | 1,0% | 1.182 | 0,6% | k.Ang. | ?,?% | ||
| Deutsche | 212 | 0,19% | 414 | 0,25% | 257 | 0,15% | 398 | 0,21% | k.Ang. | ?,?% | 453 | 0,24% | k.Ang. | ?,?% | ||
| Mordwinen | 1.835 | 1,7% | 1.446 | 0,9% | 992 | 0,6% | 844 | 0,4% | k.Ang. | ?,?% | 401 | 0,2% | k.Ang. | ?,?% | ||
| Andere | 1.776 | 1,6% | 2.150 | 1,3% | 2.317 | 1,3% | 3.425 | 1,8% | 11.190 | 5,2% | 5.176 | 2,7% | 8.995 | 5,1% | ||
| Einwohner | 108.938 | 100% | 162.856 | 100% | 172.449 | 100% | 188.710 | 100% | 214.085 | 100% | 190.915 | 100% | 176.558 | 100% | ||
| 1 3.832 Personen konnten keiner Volksgruppe zugeteilt werden. Diese Leute verteilen sich vermutlich anteilmässig gleich wie die ethnisch zugeschiedenen Einwohner.[3] | ||||||||||||||||
Vor den stalinistischen Säuberungen lebten auch rund 4.500 Koreaner im Gebiet, die dann im Zuge der neuen Politik vollständig nach Zentralasien deportiert wurden. Während des Stalinismus wanderten auch einige (schätzungsweise 1000) Russlandmennoniten in die Amurregion und emigrierten wenig später über die Jüdische Autonome Oblast und China nach Paraguay.
Heutzutage wird Jiddisch wieder in den Schulen gelehrt; es gibt eine Rundfunkstation, die Sendungen auf Jiddisch sendet. Der Birobidshaner Shtern hat auch einen Abschnitt in dieser Sprache.
Im ausgehenden Zarenreich gab es in der heutigen Jüdischen Autonomen Oblast etwa 20 russisch-orthodoxe Gemeinden. Nach der Gründung der autonomen Oblast wurde jedoch in der Sowjetunion sämtliche Religionsausübung verboten.
Die Russisch-Orthodoxe Kirche zählt heute wieder 16 Gemeinden, die über die ganze Region verteilt sind. Die Jüdische Gemeinde „Freud“ wurde 1987 gegründet (siehe auch Synagoge in Birobidschan). Es existieren zwei Synagogen. Die Gemeinschaft der Subbotniki hat etwa 200 Anhänger, von denen in den letzten Jahren einige nach Israel abgewandert sind. Außerdem gibt es in der Jüdischen Autonomen Oblast protestantische Gemeinschaften. Die Baptisten haben in Birobidschan und in Naifeld ihre beiden Gemeinden, Pfingstchristen (Slawnaja Wetw) sowie eine offizielle Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten gibt es ebenfalls in Birobidschan. Früher wurden in der alten Holzsynagoge von Birobidschan Gottesdienste von älteren Frauen abgehalten, welche Jesus verehrten und sich an jüdische Gesetze hielten (Messianische Juden).
Das Gebiet wurde durch eine russische Expedition 1644 erforscht, bald darauf ließen sich die ersten Siedler hier nieder. 1898 erreichte die Transsibirische Eisenbahn das Gebiet und sorgte für eine weitere Bevölkerungszunahme.
Die Jüdische Autonome Oblast wurde 1928 eingerichtet. Die erste jüdische Siedlung war Waldheim. Die Grundidee Stalins bei der Gründung war, dem westlichen Zionismus und der Abwanderung nach Palästina (Region) entgegenzuwirken und ein „sowjetisches Zion“ mit Jiddisch als Amtssprache zu errichten. Es ging dem Staat und der Partei aber nicht um die Erfüllung jüdischer Träume von einer Heimstatt. Vielmehr war ein Ziel, weitere jüdische landwirtschaftliche Siedlungen in der Ukraine und auf der Krim zu verhindern, da dies bei der nichtjüdischen Bevölkerung zunehmend auf Kritik stieß. Außerdem sollte die autonome Oblast so etwas wie eine Pufferzone gegenüber einer befürchteten chinesischen oder japanischen Expansion bilden. Nicht zuletzt erhofften sich die Machthaber eine Ausbeutung der natürlichen Ressourcen wie Eisen, Holz, Zinn bis hin zu Gold. In der Sowjetunion wurde für den Plan unter der jüdischen Bevölkerung mit einem erheblichen Propagandaaufwand geworben. Faktisch trug das „pragmatische“ und „defensive“Projekt zur Stärkung der jüdischen Identität in der Sowjetunion bei und stärkte auch den jüdischen Nationalismus.[4] Der Vorsitzende des Allrussischen zentralen Exekutivkomitees der Sowjets Michail Kalinin meinte zu diesem Gebiet: „Birobidschan betrachten wir als einen jüdischen nationalen Staat.”
Die Planungen sahen vor, in der Region bis 1937 etwa 150.000 Juden anzusiedeln. Bei ausländischen jüdischen Kommunisten löste das Projekt anfangs Begeisterung aus. Otto Heller schrieb, „Die Juden sind in die sibirischen Wälder gezogen, wenn man sie nach Palästina fragt, lachen sie nur. (…) Diese Siedler begründen in der sibirischen Taiga nicht nur eine Heimstätte für sich selbst, sondern für Millionen Angehörige ihres Volkes.“ Selbst jüdische Antikommunisten wie Chaim Schitlowsky zeigten sich beeindruckt. Man glaubte, Birobidschan würde zu einer Republik und zu einem Zentrum einer jüdisch-sozialistischen Kultur. Trotz des rauen Klimas zogen zunächst tausende Juden in das Gebiet.[5] Von den späten 1920 bis in die Mitte der 1930er-Jahre kamen auch ausländische Siedler in die Region. Viele von ihnen hatten russische Wurzeln und hatten sich in Europa oder Amerika nicht eingewöhnen können. Neben Einwanderern aus Litauen kamen auch solche aus den USA und Argentinien. Die meisten Neusiedler kehrten allerdings oft nach nur wenigen Monaten wieder enttäuscht von den miserablen Lebensbedingungen in ihre Heimat zurück.
Die Besiedlung stoppte jedoch bereits Mitte der 1930er-Jahre, als im Zuge der Stalinschen Säuberungen viele Juden getötet und jiddische Schulen geschlossen wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam die Idee eines jüdischen Territoriums erneut Aufwind, und der Anteil der Juden erreichte mit rund einem Drittel seinen Höhepunkt. Danach wurde die jüdische Ansiedlung aber nie mehr forciert. Während Stalins Säuberungsplänen ließ er mehrere Politiker und Schriftsteller der Region festnehmen.
Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion 1991 wurde das Gebiet eine eigenständige Verwaltungseinheit innerhalb Russlands; es gibt allerdings Bestrebungen, das Gebiet mit der Region Chabarowsk zu vereinigen.
Gouverneur der Jüdischen Autonomen Oblast ist seit 2010 Alexander Aronowitsch Winnikow.
In der Jüdischen Autonomen Oblast gibt es 14 Parteien, die dort auch ein regionales Büro haben.
Die Republik gliedert sich in fünf Rajons sowie einen Stadtkreis, den das Oblastverwaltungszentrum Birobidschan bildet. Den Rajons sind insgesamt 12 Stadt- und 18 Landgemeinden unterstellt (Stand: 2010).
| [A 1] | Name | Einwohner[6] | Fläche (km²) |
Bevölkerungs- dichte (Ew./km²) |
Stadt- bevölkerung |
Land- bevölkerung |
Verwaltungssitz | Weitere Orte[A 2] | Anzahl Stadt- gemeinden |
Anzahl Land- gemeinden |
Lage |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| I | Birobidschan[A 3] | 75.440 | 169 | 446,4 | 75.440 | – | 1 | – | | ||
| 1 | Birobidschan | 13.806 | 4.443 | 3,1 | – | 13.806 | Birobidschan[A 4] | – | 6 | | |
| 2 | Leninskoje | 21.953 | 6.068 | 3,6 | – | 21.953 | Leninskoje | – | 5 | | |
| 3 | Oblutschje | 33.241 | 13.294 | 2,5 | 28.071 | 5.170 | Oblutschje | Bira, Birakan, Chingansk, Iswestkowy, Kuldur, Londoko, Teploosjorsk | 8 | 2 | |
| 4 | Oktjabrski | 12.833 | 6.440 | 2,0 | – | 12.833 | Amurset | – | 3 | | |
| 5 | Smidowitsch | 27.766 | 5.837 | 4,8 | 18.802 | 8.964 | Smidowitsch | Nikolajewka, Priamurski, Wolotschajewka Wtoraja | 4 | 2 | |
Anmerkungen:
Einzige größere Stadt ist das Verwaltungszentrum Birobidschan. Es gibt eine weitere Kleinstadt (Oblutschje) sowie elf Siedlungen städtischen Typs.
| Name | Russisch | Rajon | Einwohner[6] |
|---|---|---|---|
| Bira | Бира | Oblutschje | 3.455 |
| Birakan | Биракан | Oblutschje | 2.457 |
| Birobidschan* | Биробиджан | Stadtkreis | 75.440 |
| Chingansk | Хинганск | Oblutschje | 1.850 |
| Iswestkowy | Известковый | Oblutschje | 1.929 |
| Kuldur | Кульдур | Oblutschje | 1.832 |
| Londoko | Лондоко | Oblutschje | 1.236 |
| Nikolajewka | Николаевка | Smidowitsch | 7.852 |
| Oblutschje* | Облучье | Oblutschje | 10.425 |
| Priamurski | Приамурский | Smidowitsch | 4.004 |
| Smidowitsch | Смидович | Smidowitsch | 5.100 |
| Teploosjorsk | Теплоозерск | Oblutschje | 4.887 |
| Wolotschajewka Wtoraja | Волочаевка Вторая | Smidowitsch | 1.846 |
Die Transsibirische Eisenbahn führt durch das Gebiet und verbindet es mit anderen russischen Großstädten. Wichtigste Wirtschaftszweige sind der Bergbau (Gold, Eisenerz), die Holzindustrie und die Landwirtschaft.
Republiken: Adygeja | Altai | Baschkortostan | Burjatien | Chakassien | Dagestan | Inguschetien | Kabardino-Balkarien | Kalmückien | Karatschai-Tscherkessien | Karelien | Komi | Mari El | Mordwinien | Nordossetien-Alanien | Sacha (Jakutien) | Tatarstan | Tschetschenien | Tschuwaschien | Tuwa | Udmurtien
Regionen (Krai): Altai | Chabarowsk | Kamtschatka | Krasnodar | Krasnojarsk | Perm | Primorje | Stawropol | Transbaikalien
Gebiete (Oblast): Amur | Archangelsk | Astrachan | Belgorod | Brjansk | Irkutsk | Iwanowo | Jaroslawl | Kaliningrad | Kaluga | Kemerowo | Kirow | Kostroma | Kurgan | Kursk | Leningrad | Lipezk | Magadan | Moskau | Murmansk | Nischni Nowgorod | Nowgorod | Nowosibirsk | Omsk | Orenburg | Orjol | Pensa | Pskow | Rjasan | Rostow | Sachalin | Samara | Saratow | Smolensk | Swerdlowsk | Tambow | Tjumen | Tomsk | Tscheljabinsk | Tula | Twer | Uljanowsk | Wladimir | Wolgograd | Wologda | Woronesch
Städte mit Subjektstatus: Moskau | Sankt Petersburg
Autonome Oblaste: Jüdische Autonome Oblast
Autonome Kreise: Chanten und Mansen/Jugra | Jamal-Nenzen | Nenzen | Tschuktschen
48.4786111111132.139166667Koordinaten: 48° N, 132° O