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J. M. Coetzee [kuËtÍsÉȘÉ] (* 9. Februar 1940 in Kapstadt, eigentlich John Maxwell Coetzee oder John Michael Coetzee) ist ein sĂŒdafrikanischer Schriftsteller. Er wurde als erster Autor zweimal mit dem Booker Prize ausgezeichnet und erhielt im Jahr 2003 den Literaturnobelpreis.
Inhaltsverzeichnis |
Coetzee hat niederlĂ€ndische Wurzeln, wuchs jedoch in einer englischsprachigen Familie auf. Dennoch war er seit seiner Kindheit auch mit Afrikaans vertraut.[1] Seine Mutter Vera Coetzee war Grundschullehrerin, sein Vater Zacharias ein Jurist, der wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs auf Seiten den Alliierten in Nordafrika gekĂ€mpft hatte. Bis 1948 war er als Rechtsanwalt bei der Stadtverwaltung in Kapstadt angestellt, verlor jedoch dann diesen Posten aufgrund seiner apartheidkritischen Haltung, woraufhin die Familie fĂŒr drei Jahre auf einer Farm in Worcester lebte.[2]
J. M. Coetzee studierte an der UniversitĂ€t Kapstadt Englisch (BA Honours 1960) und absolvierte parallel dazu ein zweites Hauptstudium in Mathematik (BA Honours 1961).[3] Danach war er in England zunĂ€chst fĂŒr IBM und dann fĂŒr International Computers Limited in Bracknell, Berkshire als Programmierer tĂ€tig, eine Zeit, die er im zweiten Band seiner romanhaften Memoiren (Youth. Scenes from Provincial Life II, 2002) schildert. Mit einer Arbeit ĂŒber Ford Madox Ford erwarb er 1963 den M.A.-Grad in Englisch der UniversitĂ€t Kapstadt. Im gleichen Jahr heiratete er Philippa Jubber (1939â1991), mit der er zwei Kinder â Nicolas (1966â1989) und Gisela (* 1968) â hatte. Die Ehe wurde 1980 geschieden.
1965 nahm Coetzee im Rahmen des Fulbright-Programms Doktoratsstudien in Englisch und Linguistik an der University of Texas at Austin auf, wo er 1969 aufgrund einer Computeranalyse des Stils der frĂŒhen Prosa Samuel Becketts zum PhD promoviert wurde. Daran schloss sich eine LehrtĂ€tigkeit an der State University of New York at Buffalo. 1972 wurde sein Antrag auf eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung in den Vereinigten Staaten abgelehnt, nachdem er sich im MĂ€rz 1970 an Protesten gegen den Vietnamkrieg beteiligt hatte[4] und nach der Besetzung eines Hörsaals seiner UniversitĂ€t in Buffalo mit 44 anderen Angehörigen des Lehrkörpers wegen âkrimineller Besitzstörungâ verhaftet worden war.[5] Daraufhin kehrte die Familie nach SĂŒdafrika zurĂŒck, wo Coetzee einen Lehrauftrag fĂŒr Englisch, Linguistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der UniversitĂ€t Kapstadt innehatte. 1984 erhielt er dort eine Professur. Daneben lehrte er wiederholt in den USA: an der State University of New York, der Harvard University, der Johns Hopkins University in Baltimore, der Stanford University und an der University of Chicago. Neben seiner Lehr- und SchriftstellertĂ€tigkeit arbeitete er auch als Ăbersetzer von Romanen und Lyrik aus dem NiederlĂ€ndischen und Afrikaans. Er lebt, arbeitet und lehrt seit 2002 in Adelaide in Australien. Am 6. MĂ€rz 2007 wurde er australischer StaatsbĂŒrger.[6]
1974 veröffentlichte Coetzee sein erstes literarisches Werk, Dusklands, bestehend aus The Vietnam Project und The Narrative of Jacobus Coetzee. Die Zusammenstellung der beiden an sich unabhĂ€ngig erzĂ€hlten Teile verweist auf Parallelen zwischen den US-Amerikanern in Vietnam heute und der niederlĂ€ndischen Besiedlung SĂŒdafrikas im 18. Jahrhundert. Seine Werke nehmen oft sehr deutlich Bezug auf die sozialen und politischen MissstĂ€nde und Probleme seines Landes und stellen die Menschlichkeit auf hohem Ă€sthetischen Niveau in den Mittelpunkt. Einzelschicksale werden allegorisch fĂŒr alle Menschen dargestellt.
1980 erhielt Coetzee den Central News Agency Literary Award, den höchsten sĂŒdafrikanischen Literaturpreis, fĂŒr Warten auf die Barbaren. 1983 wurde er fĂŒr Leben und Zeit des Michael K. mit dem Booker Prize, 1987 mit dem Jerusalempreis fĂŒr die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft und 1999 fĂŒr Schande erneut mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Er wurde des Weiteren mit dem Lannan Award for Fiction, The Irish Times International Fiction Prize, dem Jerusalem Prize und dem Commonwealth Literary Award ausgezeichnet und zum Chevalier dans lâOrdre des Arts et des Lettres ernannt. 2003 erhielt Coetzee den Nobelpreis fĂŒr Literatur.
Am bekanntesten ist Coetzee fĂŒr seine Romane (die nie umfangreich sind), er arbeitet jedoch auch in anderen Genres. So veröffentlichte er zahlreiche Essays, die sich hĂ€ufig mit literaturtheoretischen Fragen beschĂ€ftigen. Teilweise werden die Genres Essay und Roman bei ihm auch vermischt. So ist Elizabeth Costello eine Aneinanderreihung von Vorlesungen einer fiktiven australischen Schriftstellerin, die nur durch einen losen Handlungsfaden zusammengehalten werden; in seinem jĂŒngsten Buch Tagebuch eines schlimmen Jahres hingegen werden Essays und eine fiktive Romanhandlung gleichzeitig auf derselben Seite wiedergegeben. Fragestellungen, mit denen Coetzee sich in seinen Essays beschĂ€ftigt, tauchen hĂ€ufig in seinen Romanen wieder auf.
Einige Werke von Coetzee tragen autobiografische ZĂŒge, sind jedoch stets so stark fiktionalisiert, dass eine klare Trennung in âwahreâ Begebenheiten und Fiktion nicht möglich ist. Auch Coetzee selbst tritt in diesen Texten stets als Kunstfigur auf. AuĂerhalb seiner Literatur ist er mit ĂuĂerungen zu seiner Person und seinen eigenen Werken sparsam, lediglich in dem von David Attwell herausgegebenen Band Doubling the Point Ă€uĂerte er sich ausfĂŒhrlicher. Coetzee vertritt jedoch die Meinung, dass jede Literatur per se autobiografische und politische Aspekte hat.[7]
Schon mit seiner ersten Veröffentlichung Dusklands im Jahr 1974 gelang Coetzee der internationale Durchbruch. Seitdem sind alle seine BĂŒcher Gegenstand zahlloser Rezensionen, Interpretationen und literaturwissenschaftlicher Arbeiten und erreichen hohe Verkaufszahlen. Auf internationaler Ebene war Coetzee niemals ein besonders kontroverser Schriftsteller, in seiner Heimat SĂŒdafrika stieĂ er hingegen teilweise auf Ablehnung. Seine Literatur wurde dort wĂ€hrend der Apartheid als elitĂ€r angesehen und mit dem Vorwurf der politischen Konturlosigkeit konfrontiert. Im Ausland wurde er hingegen eher als oppositioneller Autor wahrgenommen. Teilweise wurde auch hinter der Vergabe des Nobelpreises an Coetzee im Jahr 2003 eine politische Motivation vermutet.[8][9]
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Coetzee, J. M. |
| ALTERNATIVNAMEN | Coetzee, John Maxwell; Coetzee, John Michael |
| KURZBESCHREIBUNG | sĂŒdafrikanischer Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 9. Februar 1940 |
| GEBURTSORT | Kapstadt |