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John Francis âJacoâ Pastorius III. (* 1. Dezember 1951 in Norristown, Pennsylvania; â 21. September 1987 in Fort Lauderdale, Florida) war einer der einflussreichsten E-Bassisten der jĂŒngeren Musikgeschichte.[1] Ab 1979 gab er auch Solokonzerte nur mit dem Bass. Sein Credo lautete: "Ich spiele Bass, als ob ich mit einer menschlichen Stimme spielte."[2] 1988 wurde Pastorius von den Lesern des Down Beat als einziger E-Bassist in die Jazz Hall of Fame gewĂ€hlt.[3] Damit bestĂ€tigte sich letztlich ein Satz, mit dem sich Pastorius schon 1975 in Miami, frei von jeder falschen Bescheidenheit, nach dem Soundcheck der Gruppe Weather Report im Guzman Theatre bei deren Leader Joe Zawinul, den er sehr verehrte, vorgestellt hatte: "My name is John Francis Pastorius III, and I'm the greatest electric bass player in the world."[4]
Inhaltsverzeichnis |
Pastorius wurde am 1. Dezember 1951 als Sohn des Schlagzeugers John Francis Pastorius II. und dessen Frau Verna Katarina Haapala (spĂ€ter Stephanie Katherine Pastorius) in Norristown in Pennsylvania geboren.[5] Kurz nach dessen Geburt zog seine Familie nach Oakland Park im US-Bundesstaat Florida. Dort besuchte er spĂ€ter die Northeast High School, auf der er seine Leidenschaft fĂŒr Sportarten wie Baseball, Basketball und Football entdeckte. Auch seine musikalische Karriere begann hier.[6] Pastorius spielte in mehreren Schulbands. Mit 15 Jahren begann er als Schlagzeuger in der Band The Las Olas Brass. Als er nach einiger Zeit durch einen anderen Schlagzeuger ersetzt wurde und gleichzeitig der Bassist Kenny Neubauer die Band verlieĂ, wechselte Pastorius zum E-Bass.[7] Im Lehrvideo "Modern Electric Bass" sagte Jaco dazu: "Ich habe mir beim Football das Handgelenk verletzt, was mich dazu bewegte, auf den Bass umzusatteln."
Pastorius begleitete in den lokalen Clubs die Supremes und Nancy Wilson; auch spielte er mit Ira Sullivan, Wayne Cochran und Peter Graves. Dadurch wurde er in der Clubszene in SĂŒdflorida schnell bekannt. Als Mitglied der Hausband im Bachelors III Club' in Fort Lauderdale kam es zur musikalischen Begegnung mit Paul Bley und Pat Metheny. Nach einigen Semestern an der University of Miami wurde er 1976 selbst Lehrer fĂŒr Jazz an der dort ansĂ€ssigen Frost School of Music. Mit der Jazzrock-Band Blood, Sweat & Tears spielte er 1975/1976. Kurz danach nahm er mit Joni Mitchell das Album Hejira auf und veröffentlichte sein Soloalbum Jaco Pastorius, an dem unter anderem Herbie Hancock mitwirkte und das fĂŒr zwei Grammys nominiert wurde. Im April desselben Jahres wurde Pastorius Mitglied bei der Gruppe Weather Report, der er bis 1982 angehörte und mit der er seine gröĂten Erfolge feierte.[8] Ab 1979 gab er diverse Solokonzerte, unter anderem bei den Berliner Jazztagen. Ab 1981 betrieb er sein Bigband-Projekt Word of Mouth, in dem er auch seine FĂ€higkeiten als Komponist ausspielte. In Combo-Besetzungen spielte er mit Hiram Bullock und Kenwood Dennard, in Europa auch mit Bireli Lagrene.
WĂ€hrend der Zeit bei Weather Report begann und steigerte sich der Drogenkonsum von Pastorius, erst Alkohol, spĂ€ter zudem Kokain.[9] 1982 wurden bei ihm manische Depressionen diagnostiziert. Zu deren Behandlung wurde er von seiner Frau in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, wo man ihm eine Lithiumtherapie verordnete. Zwei Wochen spĂ€ter ĂŒberzeugte er das Klinikpersonal, ihn einen Auftritt mit Peter Graves spielen zu lassen. Pastorius versprach, danach in die Klinik zurĂŒckzukehren, was er aber nicht tat.
1985 erschien sein Interview- und Lehrvideo Modern Electric Bass. 1986 gab er mehrere Konzerte in Europa.
Dann verschlechterte sich sein psychischer Status so drastisch, dass er wieder in die Klinik gebracht werden musste. Da er eine weitere Verabreichung von Lithium wegen der Nebenwirkungen verweigerte, wurde er auf Tegretal umgestellt.[10] Seit Mitte 1986 war er ĂŒberwiegend obdachlos.
Am 12. September 1987 um 4:20 Uhr wurde Jaco Pastorius vom TĂŒrsteher Luke Havan brutal zusammengeschlagen. Zu der SchlĂ€gerei kam es, als Pastorius der Einlass in den Midnight Bottle Club in Wilton Manors verwehrt wurde. In seiner Wut hĂ€mmerte er gegen die TĂŒr des Clubs. Daraufhin begann Havan auf Pastorius einzuschlagen. Der TĂŒrsteher sagte spĂ€ter aus, dass er den Bassisten fĂŒr einen aggressiven DrogenabhĂ€ngigen gehalten habe. Nach neun Tagen im Koma starb Jaco Pastorius im Alter von 35 Jahren am 21. September 1987 um 22:00 Uhr an den Folgen seiner Verletzungen.[11][8]
Aus erster Ehe mit Tracy Pastorius entstammten die Kinder Mary und John. In der zweiten Ehe mit Ingrid wurden 1982 Zwillinge geboren, die auch Musiker wurden: Felix Pastorius (Bass)[12] und Julius Pastorius (Schlagzeug).[13][14]
Pastorius hat die Rolle des E-Basses durch sein so virtuoses wie melodiöses solistisches Spiel entscheidend verĂ€ndert.[15] Seine auch an europĂ€ischen Komponisten wie Johann Sebastian Bach geschulte, rhythmisch ungewöhnlich prĂ€zise groovende individuelle Spielweise mit rasenden LĂ€ufen unter Einbeziehung von natĂŒrlichen und kĂŒnstlichen Flageoletttönen in allen Lagen des Griffbretts setzte völlig neue MaĂstĂ€be vor allem beim Spiel auf dem bundlosen Bass (Fretless Bass). Beispiele fĂŒr seine revolutionĂ€ren Basstechniken sind seine fast ausschlieĂlich aus Flageoletttönen bestehende Eigenkomposition "Portrait of Tracy" von seinem 1976 erschienenen DebĂŒt-Album Jaco Pastorius, "Donna Lee" â wohl eine der virtuosesten Coverversionen dieses Jazzstandards â ebenfalls vom DebĂŒtalbum oder Joe Zawinuls Kompositionen "A Remark You Made" und Birdland (beide erschienen auf dem 1977 veröffentlichten Album Heavy Weather von Weather Report). Viele Bassisten nach ihm, z.B. Marcus Miller oder Victor Bailey, wurden von Pastorius geprĂ€gt. Sein Einfluss auf nachfolgende E-Bassisten ist nur mit dem von Charlie Parker auf nachfolgende Saxofonisten oder dem von Jimi Hendrix auf E-Gitarristen vergleichbar.[16]
FĂŒr sein Solo-Album Jaco Pastorius erhielt er 1977 zwei Grammy-Nominierungen. Eine fĂŒr das ganze Album in der Kategorie Beste Jazz-Darbietung einer Gruppe (Best Jazz Instrumental Performance (Group)), die andere in der Kategorie Beste Jazz-Darbietung eines Solisten (instrumental) (Best Jazz Instrumental Performance (Soloist)) fĂŒr seine Interpretation des Jazzklassikers Donna Lee.[17] 1978 wurde er erneut als Bester Jazz-Solist fĂŒr seine Leistung auf dem Weather Report-Album "Heavy Weather" nominiert.[18] In der Kategorie Beste Jazz-Fusion-Darbietung, Gesang oder instrumental gewann er 1980 gemeinsam mit Weather Report einen Grammy fĂŒr das Live-Album 8:30.
Von den Lesern des DownBeat Magazins wurde er 1988 in deren Hall of Fame gewÀhlt.[19]
Am 1. Dezember 2008, an dem Pastorius seinen 57. Geburtstag gefeiert hÀtte, wurde ein Park in seiner Heimatstadt Oakland Park in "Jaco Pastorius Park" umbenannt.[20]
Seinen bekanntesten Bass, einen Fender Jazz Bass von 1962, der mit einem extrem engen Hals versehen war, nannte Pastorius bass of doom. Mit seinem Instrument schuf Pastorius einen âunvergleichlich musikalischen Ton, der sich blitzschnell Ă€ndern konnte von einem tiefen, langen Grollen in ein helles Jubilieren.â[21]
Als sich Pastorius 1986 im New Yorker Central Park aufhielt, weil er obdachlos war, wurde ihm sein Instrument gestohlen. Im Mai 2008 tauchte es wieder auf; es wurde dem Musiker Will Lee ĂŒbergeben, der die Echtheit des Instruments von Victor Wooten und Victor Bailey bestĂ€tigen lieĂ.
Fender gab ihm zu Ehren die bundlose Jaco-Pastorius-Version des Jazz Bass heraus.[22]
Pastorius spielte auch bundierte BĂ€sse, beispielsweise einen Jazz-Bass aus dem Jahre 1960, den er fĂŒr 90 Dollar in Florida gekauft hatte.[5]
Pastorius benutzte fĂŒr seine Auftritte zwei Acoustic-360-VerstĂ€rker aus dem Jahr 1968 mit je 200 Watt und 18-Zoll-Lautsprechern.[23] Zu den Einstellungen am VerstĂ€rker sagte er dem Guitar Player Magazin:
âI usually put the bass setting all the way up and the treble about midway up, depending on the condition of strings. The older your strings are, the more treble you have to have, because the fidelity of the string really starts losing it after a while.â
âNormalerweise drehe ich den Bass-Regler voll und die Höhen ungefĂ€hr zur HĂ€lfte auf, je nachdem, in welcher Verfassung die Saiten sind. Je Ă€lter die Saiten sind, desto mehr Höhen muss man haben, weil sich die Klangtreue der Saiten nach einiger Zeit wirklich verliert.â
FĂŒr Studioaufnahmen benutzte er keine VerstĂ€rker, sondern schloss seinen E-Bass direkt an das Mischpult des Toningenieurs an.[5]
Er benutzte Rotosound-Swing-Bass-Saiten.[24] AuĂerdem verwendete er eine markenlose Fuzzbox, ein Effektpedal, mit dem ein verzerrter, krachender Klang erzeugt werden kann. Auf Konzerten benutzte er hĂ€ufig die Delay-Funktion des Pedals, mit der er bestimmte Teile der Bassline in Endlosschleife abspielen lieĂ, um darĂŒber zu improvisieren. Er schloss ein MXR-Digital-Delay-EffektgerĂ€t an einen der beiden VerstĂ€rker an, um ein Vibrato zu erzeugen. Er selbst sagte, es klinge beinahe wie ein Flanger.[5]
Pastorius verwendete meistens den Steg-Pickup seines Basses, der Klang wirkt dadurch prÀziser und knackiger.
Oft spielte er Dead-Notes, bei denen die Saite mit der Greifhand gedÀmpft wird. Ein Beispiel kann man im Chorus von Come On, Come Over (1976) hören:
Pastorius verwendete zudem hÀufig Flageoletttöne, z.B in Portrait of Tracy (1976):
| Album | Jahr | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Jaco Pastorius | 1976 | Das DebĂŒt-Soloalbum von Pastorius enthĂ€lt die Coverversion von Charlie Parkers Donna Lee. Es wurde fĂŒr zwei Grammys nominiert.[17] |
| Live At Berliner Jazztage | 1979 | Solokonzert im November 1979 auf den Berliner Jazztagen |
| Word of Mouth | 1981 | Word of Mouth ist eine Big Band, die von Pastorius ins Leben gerufen wurde. Mit dieser nahm er die sieben Titel fĂŒr dieses Album auf.[25] |
| Birthday Concert (Live) | 1981 | Aufgenommen bei Mr. Pip's in Fort Lauderdale am 30. Geburtstag von Jaco Pastorius.[26] |
| Invitation (Live) | 1983 | Das Album wurde wÀhrend der Tour mit der Big Band Word of Mouth in Japan aufgenommen.[27] |
| Live in Italy (Live) | 1986 | Konzert im MÀrz 1986 mit Gitarrist Bireli Lagrene und Schlagzeuger Tomas Böröcz. |
| Honestly (Live) | 1986 | Solokonzert im MĂ€rz 1986 in Wels (Ăsterreich) |
| Album | KĂŒnstler | Jahr | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Jaco | Paul Bley - Pat Metheny - Jaco Pastorius - Bruce Ditmas | 1974 | Das erste Studioalbum, bei dem Jaco Pastorius mitwirkte. |
| Bright Size Life | Pat Metheny | 1975 | |
| All American Alien Boy | Ian Hunter | 1976 | Bass bei sieben der acht Titel, Gitarre beim achten Titel God [Take 1][28] |
| Hejira | Joni Mitchell | 1976 | Pastorius ist auf vier Liedern des Albums zu hören. Er begleitete Joni Mitchell auch bei der nachfolgenden Tour.[29] |
| Land of the Midnight Sun | Al Di Meola | 1976 | Auf dem StĂŒck "Suite Golden Dawn" |
| Triologue - Live | Albert Mangelsdorff - Jaco Pastorius - Alphonse Mouzon | 1977 | Konzertmitschnitt vom 6. November 1976 in der Berliner Philharmonie |
| Sunlight | Herbie Hancock | 1977 | auf dem StĂŒck "Good Question" |
| Don Juan's Reckless Daughter | Joni Mitchell | 1977 | Bass und Percussion[30] |
| Trio of Doom | John McLaughlin - Jaco Pastorius - Tony Williams | 1979 | teils im Studio, teils live in Kuba eingespielt, erst 2007 veröffentlicht |
| Mingus | Joni Mitchell | 1979 | |
| Shadows and Light (Live) | Joni Mitchell | 1979 | Das Konzert wurde im September 1979 im Santa Barbara County Bowl aufgenommen.[31] |
| Mr. Hands | Herbie Hancock | 1980 | auf dem StĂŒck "4 AM" |
| Upside Downside | Mike Stern | 1986 | auf dem StĂŒck "Mood Swings" |
| Mo' Wabasi | Randy Bernsen | 1986 | auf den StĂŒcken "Swing Thing" und "Californic" |
| Stuttgart Aria | Birelli Lagrene & Jaco Pastorius | 1986 | mit Vladislav Sendecki, Jan Jankeje |
| Album | Jahr | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Black Market | 1976 | Pastorius ist auf Cannon Ball und auf seiner eigenen Komposition Barbary Coast zu hören.[32] |
| Heavy Weather | 1977 | Zwei Titel von Pastorius: Havona und Teen Town (hier spielt er auch Schlagzeug). Das Album wurde fĂŒr einen Grammy nominiert.[18] |
| Mr. Gone | 1978 | Zwei Titel von Pastorius: River People und Punk Jazz |
| 8:30 (Live) | 1979 | Das Live-Album wurde aus verschiedenen Konzerten zusammengestellt. EnthÀlt das Bass-Solo Slang. |
| Night Passage (Live) | 1980 | Das Album wurde wÀhrend vier Shows in zwei NÀchten im Complex in Los Angeles aufgenommen.[33] "Three Views of a Secret" von Pastorius. |
| Weather Report | 1982 | Das letzte offizielle Weather-Report-Album mit Pastorius, ohne Komposition von ihm. |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pastorius, Jaco |
| ALTERNATIVNAMEN | Pastorius, John Francis III. (wirklicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Jazzmusiker und Komponist |
| GEBURTSDATUM | 1. Dezember 1951 |
| GEBURTSORT | Norristown, Pennsylvania |
| STERBEDATUM | 21. September 1987 |
| STERBEORT | Fort Lauderdale, Florida |