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Das als Janustempel bekannte Bauwerk im antiken Rom war ein dem Ianus Geminus (zweifacher Ianus) bzw. Ianus Quirinus gewidmeter Schrein. Den Bau des Schreins schrieb man in der Antike dem sagenhaften König Numa Pompilius zu.[1] Der ursprüngliche Bau war vermutlich ein Holzbau, in augusteischer Zeit wurde dieser durch einen Bronzeschrein ersetzt. Die genaue Lage ist nicht geklärt, vermutlich befand sich der Schrein am Argiletum, der Straße zwischen Basilica Aemilia und Curia.
Durch die Münzen des Nero und des Augustus, sowie durch eine bei Prokopios von Caesarea[2] überlieferte Beschreibung hat man eine relativ genau Vorstellung von dem nicht mehr erhaltenen Bauwerk. Es handelte sich nicht eigentlich um einen Tempel (aedes), sondern um einen quaderförmigen Bau (ianus) mit zwei Toren. Ähnliche, profane Durchgangstorbögen wurden ebenfalls ianus genannt. Im Inneren befand sich das archaische, übermannsgroße Kultbild des zweigesichtigen Gottes Janus. Das Kultbild, dessen hohes Alter Plinius[3] bezeugt, war ebenfalls aus Bronze und trug als Attribute Schlüssel und Stab. Die beiden bärtigen Gesichter blickten bei geöffneter Tür nach Westen bzw. nach Osten.[4]
Die Tore des Ianus blieben geöffnet, so lange sich Rom im Krieg befand und wurden geschlossen, wenn in allen Teilen des Reiches Friede herrschte.[5] Voraussetzung für seine Schließung war, dass der vorhergehende Krieg mit einem römischen Sieg geendet hatte, da die Römer einen diktierten Frieden nach ihrem Herrschaftsverständnis nicht akzeptieren konnten. Eine Ausnahme stellt der verlorene Armenienfeldzug Kaiser Neros dar: Obwohl die römische Streitmacht den Parthern unterlegen war, wurde dem Volk ein glanzvoller Sieg vorgegaukelt und der Schrein daraufhin geschlossen. Den geschlossenen Torbau ließ Nero auch auf Münzen abbilden.[6]
In den früheren Zeiten der Römischen Republik erfolgte die Schließung äußerst selten: einmal unter dem mythischen Erbauer Numa, einmal nach Ende des ersten punischen Krieges gegen Karthago (264–241 v. Chr.) und ein weiteres Mal nach der Schlacht bei Actium (31 v. Chr.) unter der Herrschaft Oktavians, des späteren ersten Kaisers Augustus. Dieser rühmte sich in seinen Res Gestae deshalb ausdrücklich, dass unter seiner Herrschaft die Tore dreimal geschlossen wurden:
Manche Historiker vermuten, dass der Brauch in Wahrheit erst von Augustus eingeführt worden sei. Quirinus, der Name des altrömischen Kriegsgottes als Beiname des Ianus, bzw. als Bezeichnung des Kultbaus (Ianus Quirinus kann man dann auch mit „Pforten des Quirinus“ übersetzen) etablierte sich jedenfalls erst in Zusammenhang mit der Erneuerung dieses Ritus, auf den auch die Beinamen Patulcius („Öffner“) und Clusivius („Schließer“) Bezug nehmen.[8]
Insgesamt wurden die Tore, soweit man weiß, in der Zeit nach Augustus nur noch von zwei weiteren Herrschern geschlossen: von Nero und Vespasian. Allerdings ist die Überlieferung zu diesem Punkt sehr lückenhaft. Der letzte Kaiser, von dem man weiß, dass er die Tore öffnen ließ, war Gordian III., der laut Eutrop (Brev. 9,2) und Orosius (Hist. adv. pag. 7,19,4) diese Zeremonie veranlasste, bevor er 243 n. Chr. in den Krieg gegen die persischen Sassaniden zog, in dem er 244 den Tod fand. Bemerkenswert ist, dass Orosius ausdrücklich feststellt, Gordian III. sei der erste Kaiser seit Verspasian gewesen, der die Tore habe öffnen lassen. Wahrscheinlich ist, dass Gordians Nachfolger Philippus Arabs, der den anschließenden Frieden mit den Persern von der Propaganda feiern ließ, die Tore wieder schließen ließ, doch wird dies in den erhaltenen Quellen nicht berichtet.
Vor dem Ianus Quirinus befand sich ein Stück Land, das symbolisch zu „Feindesland“ deklariert werden konnte, um dem entsprechenden Volk in traditioneller Form den Krieg erklären zu können, da die römische Tradition vorschrieb, den Krieg durch den Speerwurf eines Fetialen (eines speziellen Priesters) auf Feindesland zu erklären.