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Die Japanische Antarktisexpedition ist in der internationalen Literatur meist unter dem Stichwort âJapanese Antarctic Research Expedition (JARE)â zu finden. Es ist ein Sammelbegriff fĂŒr die umfangreichen Untersuchungen, die Japan nach dem Zweiten Weltkrieg in der Antarktis durchgefĂŒhrt hat. Nach ersten Expeditionen in den Jahren 1910 bis 1912 als Fortsetzung von Walfang und Tiefseefischerei im sog. Goldenen Zeitalter der Antarktisforschung stieg Japan ab 1956 mit der festen ShĆwa-Station in die Antarktis-Forschung ein.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Die Koordination lag beim NIPR[2] und finanziert wurde ĂŒber den Etat des Ministeriums fĂŒr Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT). Der Jahresetat betrug 1995 2,9 Mio. Yen.[3]
NIPR stellt fĂŒr JARE die gesamte Infrastruktur zur VerfĂŒgung mit Ausnahme des Transportes von Material und Personal, das der Eisbrecher Shirase â nach dem Antarktis-Forscher Nobu Shirase â ĂŒbernimmt, der wiederum vom japanischen Verteidigungsministerium unterhalten wird. Das wissenschaftliche Programm auf ShĆwa-Station deckt Untersuchungen ab der Oberen AtmosphĂ€re, Wetterkunde, Seismologie, Gravimetrie, GeodĂ€sie und Kartographie, Ozeanographie, Glaziologie, Geologie, Geographie, maritime und terrestrische Biologie sowie Medizinwissenschaften. An Bord des Schiffs Shirase können auĂerdem die folgenden Gebiete untersucht werden: IonosphĂ€re, Meteorologie, Geomagnetismus, Gravimetrie und physikalische, chemikalische und biologische Ozeanographie.
Die erste Japanische Antarktisexpedition fand 1910â1912 unter Leitung des Armeeleutnants Nobu Shirase mit dem Schiff Kainan Maru statt. Nach Abfahrt in Tokio am 1. Dezember 1910 erreichte die Expedition das antarktische Eis am 26. Februar 1911. Eine Landung auf dem antarktischen Kontinent gelang erst im Folgejahr am 16. Januar 1912[4], wobei die Japaner Roald Amundsens Schiff Fram antrafen. Sie segelten weiter und stieĂen etwa 160 Meilen sĂŒdlich von ihrem Schiffslandeplatz bis zum Yamato-Schneefeld vor, wo sie aufgrund widriger WetterverhĂ€ltnisse und schwindender KrĂ€fte umkehrten. Das Wettrennen um das Erreichen des SĂŒdpols konnten die Japaner nicht mehr gewinnen. Am 20. Juni 1912 kehrten das Schiff und die Mannschaft nach einer Reise von mehr als 30.000 Meilen wieder nach Yokohama zurĂŒck.[5][6] Alle Expeditionsteilnehmer kehrten zurĂŒck.
In Vorbereitung auf das Internationale Geophysikalische Jahr (1957/1958) beschloss die japanische Regierung 1955 die Errichtung einer nationalen antarktischen Forschungsstation.[7]
Die erste Station wurde ab Ende 1956 aufgebaut und im Sommer 1957 bezogen. Sie liegt auf der Ost-Ongul-Insel (East Ongul Island), die etwa 1600 Meter lang ist und sich östlich des nördlichen Teiles der Ongul-Insel auf der Ostseite der Einfahrt zur LĂŒtzow-Holm-Bucht befindet. UrsprĂŒnglich wurde diese Insel als Teil der Ongul-Insel angesehen. Erst durch die Japanische SĂŒdpol-Expedition (JARE) 1957 wurde ein Fahrwasser zwischen beiden Landpartien entdeckt. Die ShĆwa-Station bestand aus drei HĂ€usern mit insgesamt 184 mÂČ NutzflĂ€che. Im Juli 1970 kam die Mizuho-Station und im Januar 1985 die Asuka-Station hinzu. AuĂerdem arbeitet seit 1995 die Dome Fuji Station, wo in erster Linie Tiefbohrungen vorgenommen werden.[7] Alle drei Stationen hatten im Jahre 2001 48 GebĂ€ude mit zusammen nahezu 6.000 mÂČ NutzflĂ€che.[2]
Seit 1973 gilt JARE als inneruniversitĂ€re Einrichtung. Seit 2008 ist der dritte Polar-Eisbrecher Shirase 5003 fĂŒr die Stationen in der Antarktis unterwegs.[8] VorgĂ€nger waren der 1983 in Dienst gestellte 11.600-Tonnen Eisbrecher Shirase 5002 und zuvor SĆya und Fuji.[9] Die Anschaffung und AusrĂŒstung von Shirase 5002 kostete 24 Mrd. Yen. Das Jahresbudget fĂŒr die Forschungsstationen lag Mitte der 1980er Jahre zwischen drei und vier Mrd. Yen.[7] Das mit 3.800 Tonnen wesentlich kleinere VorgĂ€ngerschiff SĆya von HokkaidĆ ist seit 1979 Museumsschiff in Tokio[10], die 1965 in Dienst gestellte und 5.250 BRT groĂe Fuji ist Museumsschiff in Nagoya.
Seit 1990 arbeitet das International Arctic Science Committee (IASC), dem acht LĂ€nder angehören. Als Mitglied im IASC stellt Japan eine Untergruppe der Polarforschung dar. Schwerpunkt der Arbeit ist die Untersuchung von UmwelteinflĂŒssen in der AtmosphĂ€re, dem Ozean und bei Lebewesen.[7]
ShĆwa-Station (æććșć°,ăShĆwa-kichi), benannt nach der Ărabezeichnung ShĆwa, ist die Mutterstation des gesamten Projektes. Sie wurde im Januar 1957 bezogen und wurde nach einer Unterbrechung von Februar 1962 bis 1965 kontinuierlich vergröĂert. Die Unterbrechung war verursacht durch eine hohe UnzuverlĂ€ssigkeit der Transportmöglichkeiten sowohl des Eisbrechers als auch der Hubschrauber fĂŒr den Transferverkehr zwischen Schiff und Station. Auf vehementes DrĂ€ngen der japanischen Forscher beschloss das Parlament im Dezember 1963 den Bau eines neuen Eisbrechers, von Ăberland-Fahrzeugen sowie eines neuen Budgets.[11] Die Station ist Sommer wie Winter besetzt. Hier laufen sĂ€mtliche Forschungsergebnisse auch der anderen Stationen zusammen.
Mizuho-Station (ăżăă»ćșć°, Mizuho-kichi; 70° 41âČ S, 44° 19âČ O-70.683333333344.3166666667) wurde im Januar 1970 eingerichtet. Die Station liegt etwa 270 Kilometer in sĂŒdöstliche Richtung von ShĆwa-Station entfernt auf 2.230 Meter ĂŒber dem Meer auf der Mizuho-Hochebene.[12] Die Mizuho-Station ist nicht stĂ€ndig besetzt, lediglich in den zehn Jahren von 1976 bis 1986 waren dort stĂ€ndig Mitarbeiter, die die Meteorologie, Glaziologie und die Obere AtmosphĂ€re beobachtet haben, so wie es jetzt nur noch gelegentlich passiert.
Asuka-Station (ăăăćșć°, Asuka-kichi; 71° 31âČ 34âł S, 24° 8âČ 17âł O-71.526111111124.1380555556), benannt nach Asuka-kyĆ, liegt auf 930,5 Höhenmetern nördlich der Sor-Rondane-Berge und wurde am 26. MĂ€rz 1985 errichtet.[13] Es hat eine GesamtflĂ€che von 450 Quadratmetern und liegt mittlerweile gröĂtenteils unter Schnee und Eis. Die Station dient als Ausgangspunkt fĂŒr die Feldforschung in Sachen Geologie, Geomorphologie, Meteoritensuche, Glaziologie und Biologie in den Sor-Rondane-Bergen. Die Sor-Rondane-Berge sind eine etwa 160 Kilometer lange Bergkette, die bis zu 3.400 Meter ĂŒber dem Meer ansteigt. Von 1987 bis 1991 war die Station stĂ€ndig besetzt zum Zwecke der Forschung in den Bereichen Meteorologie, Glaziologie, Wiechert-Gutenberg-DiskontinuitĂ€t sowie der Oberen AtmosphĂ€re.
Im Jahresmittel zwischen 1985 und 1990 betrug die Temperatur â18,3 °C und die Windgeschwindigkeit 12,6 m/s. Die Höchsttemperatur von â0,5 °C wurde am 5. Januar 1990 und die Niedrigsttemperatur von â48,7 °C am 9. August 1987 gemessen.[13]
Die Dome-Fuji-Station (ăăŒă ă”ăćșć°, DĆmu-Fuji-kichi; 77° 19âČ 1âł S, 39° 42âČ 12âł O-77.316944444439.7033333333) befindet sich auf dem Gipfel des 3.810 Meter ĂŒber NN hohen Dome Fuji und wurde am 29. Januar 1995 als bislang letzte, japanische Station in Betrieb genommen. Sie liegt etwa 1000 km sĂŒdlich der ShĆwa-Station.[14]
Hier werden in erster Linie Tiefbohrungen ins Eis vorgenommen (bis 2.500 Meter), um UmwelteinflĂŒsse und KlimaverĂ€nderungen zu studieren. In den letzten Jahren wurde der Umweltschutz fĂŒr das einzigartige Ăkosystem in der Antarktis als extrem wichtig erkannt und entsprechend den internationalen Vereinbarungen berĂŒcksichtigt.[15]
Die âTakaki Promontoryâ (65° 33âČ S, 64° 34âČ W-65.55-64.5666666667) in der Antarktis, eine Halbinsel, wurde nach Takaki Kanehiro, einem Marinearzt und Mitglied des japanischen Herrenhauses benannt. Er ist der bislang einzige Japaner, dem die Ehre einer Namensgebung von Land in der Antarktis zuteil wurde. Takaki hatte der japanischen Marine geholfen, Ende des 19. Jahrhunderts die ernĂ€hrungsbedingte Vitaminmangelkrankheit Beriberi zu bekĂ€mpfen, was die Antarktisfahrt 1910 erheblich erleichterte. Insbesondere bei japanischen Schiffsbesatzungen kam es vor Takakis Forschung nach lĂ€ngerer ErnĂ€hrung nur mit weiĂem Reis zu einer Vielzahl tödlicher Erkrankungen, beim japanischen Heer noch 1905. Die eigentliche Ursache, ein Mangel an Thiamin wurde erst 1925 durch Christiaan Eijkman aufgeklĂ€rt, wofĂŒr dieser 1929 den Nobelpreis erhielt.