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Unter japanischer Literatur versteht man die in japanischer Sprache verfasste Literatur. Sie umfasst einen Zeitraum von ca. 1.300 Jahren - vom Kojiki bis zur Gegenwart und entwickelte sich unter äußeren Einflüssen, z. B. von Seiten Chinas oder gegenwärtig Europas.
Inhaltsverzeichnis |
Die ersten Zeugnisse japanischer Schriftkultur waren noch keine Literatur, sondern gravierte Zeichen auf Bronzeschwertern aus dem 6. Jh., die man in Kofun-Gräbern gefunden hat.
Ab dem 7. Jh. brachten koreanische Mönche chinesische Schriften nach Japan. Der Adel und die Beamten erlernten die chinesische Sprache in Wort und Schrift, und begannen bald auch, ihre eigenen Werke zu verfassen. Als Schriftsprache diente zunächst das Chinesische. Bald wurde aber auch die chinesische Schrift dazu verwendet, japanische Texte niederzuschreiben. Da sich die japanische Sprache in ihrer Struktur jedoch völlig von der chinesischen unterscheidet, wurde die Schrift in mehreren Schritten angepasst.
Die beiden ältesten teilweise erhaltenen japanischen Klassiker sind Kojiki und Nihonshoki aus dem 8. Jh., niedergeschriebene Mythologien, die die japanische Geschichte nach dem Muster der chinesischen Geschichtsklassiker schildern. Neben Prosatexten enthielten diese auch Kurzgedichte.
Kennzeichnend für die Literatur der Asuka- und Nara-Zeit war das lyrische Gedicht: Neben dem Kanshi, Gedichten in chinesischer Sprache, entwickelte sich eine zweite Kunstform, das Waka – japanische Gedichte. Aus den älteren formlosen Kurzgedichten im Kojiki entwickelten sich feste Formen in Zeilen von fünf oder sieben Silben. Die wichtigsten sind Chōka (lange Gedichte), die wechselweise aus fünf oder sieben Silben pro Vers bestehen und von einem sieben-silbrigen Vers abgeschlossen werden, und Tanka (kurze Gedichte), die aus fünf Versen mit 31 Silben bestehen, wobei die Silben auf die Strophen in der Form 5-7-5-7-7 verteilt werden. Während die männlichen Beamten vor allem Kanshi verfassten, waren die Waka eine Domäne der Hofdamen.
Der wichtigste Gedichtband dieser Zeit war das Manyōshū, eine Sammlung von Gedichtsammlungen - u. a. sind das Kokashu und das Ruijō Karin enthalten. Es wurde um 760 zusammengestellt, wobei sich die ältesten Gedichte bis ins 4. Jahrhundert zurückdatieren lassen. Ōtomo no Yakamochi und Kakinomoto no Hitomaro sind bedeutende Autoren des Werkes. Das Man'yōshū ist in der sogenannten Manyōgana-Schrift geschrieben. Chinesische Schriftzeichen wurden in ihrer phonetischen Lesung gebraucht (On-Lesung), um die Flexionsformen der japanischen Grammatik darzustellen. Aus den Manyōgana entwickelten sich in der Heian-Zeit Hiragana und Katakana, die japanischen Silbenschriften. Hiragana war lange Zeit vor allem die Schrift der adeligen Damen.
Nachdem in der kurzen Periode im 9. Jahrhundert das Kanshi in Mode war, gelangte das Waka wieder ins Interesse des Hofadels. Kaiser Uda und sein Sohn, Kaiser Daigo, interessierten sich für Waka. Auf Erlass des Kaisers schufen Hofdichter eine Anthologie von Waka, das Kokinshū. Einer der Herausgeber, Ki no Tsurayuki, schrieb die Vorrede in Kana. Am Ende der Heian-Periode wurde eine neue Gedichtform entwickelt, genannt Imayo (moderne Form). Eine Sammlung Ryojinhisho wurde von Kaiser Go-Shirakawa herausgegeben.
In jener Zeit begann auch die Entwicklung der Prosa. Ki no Tsurayuki schrieb das Tosa Nikki, ein Reisebericht in Kana, worin er den Kummer über den Tod seiner Tochter zum Ausdruck brachte. Anfang des 11. Jahrhunderts lebten die zwei bedeutendsten Schriftstellerinnen der Epoche: Sei Shonagon, Autorin des Kopfkissenbuchs (makura no soshi) und Murasaki Shikibu, die vermutlich das Genji Monogatari verfasste. Das Genji Monogatari bzw „Die Geschichte des Prinzen Genji“ gilt als erster psychologischer und ältester, heute noch erhaltener Roman der Welt.
Der Exkaiser Go-Toba veranlasste eine Sammlung von Wakas, die Shinkokinshu. Das war die achte kaiserliche Wakasammlung. Sie gilt als eine der besten in diesem Genre.
Der Krieg am Ende des 12. Jahrhundert wurde in Heike Monogatari (ca. 1371) dargestellt, einem Epos, das den Streit zwischen den Samurai-Clans Minamoto und Taira schildert.
Andere wichtige Werke waren Hojoki (1212) Kamo no Chomeis und Tsurezuregusa (1331) Yoshida Kenkos.
In diesen Werken wurde das japanische Schriftsystem, etabliert, in dem die beiden Buchstabenarten Kana und Kanji gemischt werden. Die literarischen Werke in dieser Zeit befassten sich mit der Anschauung von Leben und Tod, einem einfachen Lebensstil und der Erlösung der Toten.
In der Dichtung entstand die Form der Rengas. In der Muromachi-Zeit wurde das Renga die Hauptform der Dichtung. Gleichzeitig erreichte auch das Nō-Theater seinen Höhepunkt dank des Werkes von Zeami Motokiyo.
Das Renga war das japanische Liebesgedicht. Es stammte von Waka im kaiserlichen Hof im Altertum und entwickelte sich am Hof der beiden Kaiser und der Samurais im Mittelalter. Im 14. Jahrhundert erreichte es seinen Höhepunkt. Eine Sammlung von Renga Tsukubashu (Sammlung Tsukubas) wurde verfasst und danach den Nebenrang der kaiserlich ausgewählte Sammlung wieso Kokinshu im Altertums. Renga war eigentlich das kollaborierte Waka, deshalb so kurz wie Waka mit 31 Silben in zwei Stanzen, aber man konnte es willkürlich lang machen nach Regeln. In dieser Zeit verfasste man oft längere Rengawerke, zum Beispiel mit 50 oder 100 Stanzen. Wichtige Rengadichter waren Nijo Yoshimoto, Io Sogi und Ichijo Furuyoshi in der Muromachi-Periode und Satomura Joha in der Sengoku-Periode.
Die Bürger verfassten im Mittelalter auch Renga, eine neue Tendenz entwickelte sich. Sie hießen Haikai-no-Renga, wörtlich „parodistisches Renga“, deren Motive man im bürgerlichen Leben fand.
Die Literatur der Edo-Zeit charakterisiert sich durch die Entwicklungen der Literatur in drei Gebieten: Roman, Gedicht und Drama.
In der Genroku-Periode traten drei wichtige Schriftsteller in Erscheinung: Ihara Saikaku, Matsuo Basho und Chikamatsu Monzaemon. Saikaku verfasste mehrere Romane, deren Themen er im täglichen Leben vorfand. Basho erneuerte die Tradition der Haikai-no-Renga und wurde darin ein Meister. In dieser Zeit bevorzugten die meisten Dichter das Renga mit 36 Stanzen das in der Folge zum Standard wurde. Chikamatsu schrieb Dramen für das Joruri, eine Art Puppentheater. Er schöpfte seine Themen aus der Geschichte und Gegenwart.
Die chinesische Literatur und Philosophie war immer noch der Kern der Bildung männlicher Gelehrter. Viele japanische Sinologen haben daher auf Chinesisch gedichtet. Wichtige Dichter in diesem Gebiet waren Rai San’yō und Hirota Senso.
In der Mitte der Edo-Zeit kam aber wieder Interesse an der klassischen japanischen Literatur und Denkart auf. Die daraufhin betriebene Forschung wird als Kokugaku (Nationallehre) bezeichnet. Die antiken Werke, wie Kojiki, Man’yōshū oder Genji Monogatari, waren Bestandteil der Forschung. Die antike japanische Sprache (nur in Kanji geschrieben) war zu dieser Zeit aber schon wieder fast in Vergessenheit geraten. Deshalb waren zuerst Forschungen auf dem Gebiet des antiken Japanisch und der klassischen Denkweise notwendig, um die Werke zu verstehen.
siehe auch: Liste japanischer Schriftsteller
Die japanische Literatur wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts in verschiedenen Wellen einmal stärker dann wieder etwas schwächer im deutschsprachigen Raum zugänglich. Der erste nennenswerte Höhepunkt liegt zwischen den Jahren von 1935 bis 1943. Vor allem ein Teil der wissenschaftlichen Elite aus der deutschen Japanologie dieser Zeit spielte hier eine bedeutende Rolle. Diese Bewegung war von nationalistischen Ideen geprägt. Das japanische Volk faszinierte die Gelehrten. Sie sahen beispielsweise in der Verehrung des Tennō Parallelen zu deutschem Gedankengut rund um Begriffe wie „Treue“ und „Ehre“. Das führte zu relativ vielen Übersetzungen, vor allem japanischer Klassiker.
Weitere Auslöser für verstärkte Übersetzungstätigkeiten war beispielsweise die Verleihung des Nobelpreises an Kawabata Yasunari 1968. Auch der internationale Erfolg japanischer Filme in den 60er-Jahren – vor allem Kurosawa Akiras Verfilmung von Rashōmon (auf Basis der Kurzgeschichte von Akutagawa Ryūnosuke) – oder das verstärkte internationale Interesse am japanischen Wirtschaftswunder in den 80er-Jahren löste neue Nachfrage aus. Einen weiteren Schub erhielt die Übersetzungstätigkeit aufgrund des Themenschwerpunkts „Japan“ bei der Frankfurter Buchmesse im Jahr 1990 sowie der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Ōe Kenzaburō im Jahr 1994.
Erwähnt werden muss noch das „Murakami-Haruki-Phänomen“, von dem in Japan schon Ende der 80er-Jahre die Rede war, während im Börsenblatt des deutschen Buchhandels 1990 ein Artikel noch die Frage stellt: „Wer ist Murakami Haruki?“ Zu größerer Bekanntheit gelangte Murakami im deutschen Sprachraum wohl erst im Jahr 2000 mit der Auseinandersetzung im Literarischen Quartett um seinen Roman Gefährliche Geliebte (2000 bei DuMont, Original: Kokkyō no minami, taiyō no nishi 1992 bei Kōdansha). Danach wurden in kurzer Folge einige weitere Werke übersetzt und Murakami scheint so, zum derzeit bekanntesten japanischen Autor im deutschen Sprachraum geworden zu sein, von dem immer mehrere Werke auf den Verkaufstischen großer Buchhandelsketten zu finden sind.
Werke aus dem Englischen (2007: 67,1 %) und Französischen (2007: 9,8 %) machen den größten Anteil an Übersetzungen auf dem deutschsprachigen Buchmarkt aus.
Eine äußerst bemerkenswerte Entwicklung gab es für das Japanische seit dem Jahr 1999. Bis dahin schien sich der Anteil des Japanischen an der gesamten Übersetzungsproduktion zwischen 0,2 und maximal 0,5 Prozent einzupendeln. Nichteinmal im Anschluss an das Japan-Jahr Anfang der 1990er Jahre und an den Nobelpreis für Ōe Kenzaburō 1994 konnte ein höherer Anteil erreicht werden. 1999 stieg der Anteil signifikant auf 0,9 Prozent. Ein erster Rekord wurde 2001 gebrochen, als 124 Titel aus dem Japanischen übersetzt wurden, die auf einen Anteil von 1,3 Prozent kamen. Noch nie zuvor waren auch nur annähernd so viele Titel übersetzt worden. 2004 wurde dann mit 1,6 Prozent an der gesamten Übersetzungsproduktion des Jahres ein neuer anteilsmäßiger Höhepunkt erreicht. Einige Ereignisse haben sicher einen kleinen Beitrag zu dieser Entwicklung geleistet: 1999 wurde von der Japan Foundation, dem japanischen Kulturinstitut, ein Übersetzerpreis eingeführt, der mit 5000 Euro dotiert ist und abwechselnd eine belletristische und eine Sachbuchübersetzung prämiert, weiterhin die Kontroverse um Murakami Harukis Gefährliche Geliebte, das Schwerpunktthema Südkorea bei der Frankfurter Buchmesse im Jahr 2005 und natürlich der Manga-Boom, der sich in der Statistik bemerkbar macht.
Aktuell ist aber der Anteil der Übersetzungen aus dem Japanischen wieder zurückgegangen: 2007 lag er bei 0,8 %.